Translate

Donnerstag, 30. April 2015

Whoa! Ich habe die Titanic angefasst!

In Speyer im historischen Museum am Domplatz gibt es noch bis Ende Juni eine ganz besondere Ausstellung zu bewundern: Exponate der RMS Titanic sind dort zu sehen, und zwar sowohl Teile des Schiffes als auch persönliche Gegenstände der Passagiere.




Als großer Fin de Siècle-Fan und ehemaliger Fast-Titanic-Nerd war es für mich selbstverständlich, die Ausstellung zu besuchen, die mit fünfzehn Euro pro Kopf seinen Eintritt voll und ganz wert ist. Neben der Eintrittskarte erhält jeder "Passagier" eine Boarding Card, die wohl an die Tickets der damaligen Zeit erinnert. Ein Einfall, der mir gut gefallen hat.

Im Foyer vor dem Rundgang dürfen sich Mutige auf einen Schiffsbug stellen und Leo und Kate-mäßig fotografieren lassen. Bestimmt bekommt derjenige, der "Josephine in my flying machine" dazu brummt, einen Preisnachlass. Ausprobiert haben wir es nicht (mein Handy kann leider keine Fotos oder Videos machen - ich habe das Fossil nur zum Telefonieren).

Mich hat es erstaunt, wie liebevoll und detailreich die Ausstellung in dem doch eher kleinen Museum gestaltet war. Man gewinnt einen guten Eindruck des üppigen Luxus, der so gewaltig war, dass die Passagiere der zweiten Klasse meinten, man hätte sie versehentlich in die erste gebucht.

Einige Teile des Gebäudes waren so umfunktioniert, dass man sich mittendrin wähnte in Szenen, die wir normal Sterblichen und Technikverwöhnten nur aus den Filmen kennen, wie z. B. den Korridor der Kabinen der ersten Klasse mit dem roten Teppich und den edlen Leuchtern, eine Erste-Klasse-Kabine oder die Stockbetten der dritten Klasse im Unterbauch des Schiffes, über die ständig die Maschinen dröhnen und noch Rohre an der Decke entlangliefen. Für die Auswanderer damals war es dennoch ein großer Komfort, ein eigenes Bett zu haben, und fast jede Kabine besaß fließend Wasser, das in Mahagoni-Wandschränken mit einer raffinierten Tank-Technik versteckt war. Ebenso originell war die plötzliche Kälte in dem Raum, in dem der Untergang thematisiert wird, den kurz zuvor ein spürbarer Temperaturwechsel durch den Eisberg eingeleitet hat.

Am meisten haben mich jedoch die persönlichen Fundstücke beeindruckt und der Gedanke, wem sie wohl gehört haben. Tatsächlich kann man einige noch bestimmten Passagieren zuordnen. Es gab eine kleine Geschichte von zwei jungen Weltenbummlern, von denen einer dem anderen einen Koffer nach Amerika zurückbringen wollte - weder Koffer noch der Freund kamen je dort an, doch die Exponate erzählen immer noch die bewegende Geschichte der Männer. Auch das Porzellan, teilweise noch vollständig erhalten, sofern es gut verpackt war, wie ein floral bemalter Teller (im Jugendstil, topmodern zu jener Zeit!!!), zeugt von einzelnen Schicksalen. Und manche Gegenstände sind sogar in Reih und Glied am Meeresboden gefunden worden: Teller in einem Holzschrank, der durch die Jahrzehnte verrottet ist, oder ein Paar (riesige) Schuhe aus Gummi. Leder erweist sich in 4000 Metern Tiefe durch ein Jahrhundert wohl am widerstandsfähigsten. Viele Geldbörsen wurden geborgen, sogar mit Inhalt, Münzen, Papiergeld und Rechnungen. Richtig gruselig und rührend zugleich waren eine goldene Nickelbrille, ein Herrenanzug im Hahnentrittmuster, Socken (noch paarweise zusammengehörend!) und die vielen aufgequollenen Taschen.

Auch die Besatzung wird dem Besucher näher gebracht. Überhaupt stößt man auf viele Fotos und Geschichten der Reisenden, von denen über 1500 nicht ankamen, so dass die Katastrophe von 1912 noch einmal eine weitere Dimension erhält, die zum Nachdenken anregt.

Nach ca. drei Stunden durch Zeit und Raum, die wir auf der Titanic verbracht hatten, konnte man einen Teil der Stahlfassung an der Außenkante sogar durch ein "Guckloch" berühren. Etwas so Geschichtsträchtiges, Altes anzufassen, war schon irgendwie ein erhebendes Gefühl, auch wenn es jetzt komisch klingt. Aber ich war nach der Ausstellung ohnehin ein emotionales Wrack, musste die teilweise neuen Informationen sacken lassen (kein Wortspiel beabsichtigt), und mich erst mal mit einem Vanille-Milchshake stärken.

Fazit: Empfehlenswert, nicht nur für geschichtlich Interessierte und Technikfans! Unbedingt anschauen!




Montag, 27. April 2015

Der große Bruder vom kleinen Amor

In meinem Bekanntenkreis hat es sich allmählich herumgesprochen, dass ich die verrückte Amigurumi-Tante bin. Manche fragen mich, ob ich ihnen ein Maskottchen in Form ihres Lieblingstieres häkeln würde oder allgemein einen Glücksbringer. Ich bin dann sehr geschmeichelt und gebe mein Bestes; auch wenn das Chinchilla einer Freundin mehr Ähnlichkeit mit einer Ratte hatte. Sie (die Freundin!) war immerhin taktvoll genug, die Schönheit des buschigen Schwanzes zu bewundern... (O; Vielleicht starte ich irgendwann einen dritten Versuch in Sachen Flauschmaus, denn leider ist der zweite mit Effektgarn gründlich misslungen.




Am liebsten entwerfe ich Fabelwesen mit meinem Stempel darauf, so wie meine Wassermänner und -frauen oder den kleinen blondgelockten Amor. Das Besondere an den menschlichen Maskottchen ist für mich der Ausdruck ihrer Gesichter, die ich individuell gestalte. Mein kleiner Amor hat jetzt einen Bruder bekommen, der gestern fertig wurde. Er ist zwar knapp ein halbes Jahr später entstanden, mit seiner etwas abgeklärten Mimik unter halbgeschlossenen Lidern aber eindeutig der ältere.




Ist er nicht herzig, wie er da auf seinem Liebespfeil sitzt, jederzeit bereit, selbigen durch die Luft schwirren zu lassen? Ich musste jedenfalls nach der Fotosession schnell in Deckung gehen, damit er mich nicht trifft. Sonst hätte ich mich glatt in den kleinen Nackedei verliebt...




Mittwoch, 22. April 2015

Aktion zum Welttag des Buches am 23. April

Uiuiui, ich habe es mal wieder fast verschlafen, das Online-Mega-Event der Buchblogger: zum Welttag des Buches am 23. April werden heuer auf fast jedem Buchblog Gewinnspiele veranstaltet, bei dem es Bücher unter den Teilnehmern abzustauben gibt, die den bloggenden Leser restlos begeistert haben. Eine tolle Sache, die, wie ich finde, Unterstützung verdient. Daher starte ich jetzt inoffiziell meine ganz eigene Buchaktion für die Schnellen unter euch. 


Pixabay / Free-Photos

 

Schreibt mir bis zum 23. April um 23.59 Uhr in den Kommentarbereich mit eurer Kontaktmöglichkeit - entweder Email oder Webseite -, welches meiner ausgewählten Bücher ihr haben möchtet und vielleicht eine kleine Begründung dazu. Ihr findet sie (die Bücher) unter dem Beitrag im Amazon-Widget, wo ihr euch auch näher über den Inhalt informieren könnt, falls ihr keines der Bücher kennt.

Bitte beachten: ich versende nur deutschlandweit!

Das besondere an diesen Romanen ist allerdings, dass sie mich NICHT begeistern oder fesseln konnten; einige habe ich sogar abgebrochen. Lasst euch davon nicht schrecken - mein Geschmack war immer ein bisschen eigenartig. Beweis gefällig? Für mich war die viel gepriesene Bücherdiebin von Markus Zusak eine Zumutung, und ich war mehr als froh, dass sich bald ein glücklicher Abnehmer dafür fand. Vermutlich könnte ich noch mehr Beispiele nennen, aber ich denke, dieses ist aussagekräftig genug. (O;

Der Gewinner wird sich dann in den nächsten Tagen über ein Päckchen mit neuem Lesefutter freuen können. Viel Glück und denkt daran: Lesen macht nicht nur schön und schlau, sondern auch clever.



Freitag, 17. April 2015

Tom Hiddleston wäre mein Carrick Escaray!

Jeder Autor träumt mehr oder weniger davon, dass sein Buch nach Hollywood verkauft wird und ein Film entsteht, was ja in den Köpfen der Erfinder auch irgendwie der Fall ist. Ohne Kopfkino und meiner Phantasie und der visuellen Vorstellung der Protagonisten könnte ich nicht schreiben, und ich bin sicherlich nicht die einzige Autorin, der es so geht. 

 


 Im Herbst kommt nun ein "Goth-Gruselschocker" in die Kinos, nämlich Crimson Peak von Gulliermo del Toro, mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle. Die Bilder vom Set und Promofotos erinnern mich sehr stark an meinen Roman "Das Bildnis des Grafen", und ich hätte mir sooo gewünscht, dass der schmucke und charismatische Hauptdarsteller in die Rolle meines englischen Grafen geschlüpft wäre anstelle in die des nicht minder mysteriösen Thomas Sharpe.

Denn es ist irgendwie witzig: Das Porträt, das in der Galerie des Schlosses hängt, stelle ich mir genau so vor wie Tom Hiddleston im Film aussieht. Natürlich fehlt die weiße Strähne, eines der markanten Merkmale von Carrick, aber das wäre ja im Nu erledigt. Witzig auch, dass Tom Hiddleston in diesem Film dunkle Haare hat, wo er ursprünglich hell ist, und dass er bereits mit Jeremy Irons zwei Filme bzw. Serien gedreht hat, der - wie vielleicht aufmerksame Leser meines Blogs bereits wissen - das Vorbild war für den französischen Psychologen Gaspard Renoir, der versucht, das Geheimnis hinter dem Bildnis zu ergründen.

Leider wäre Mr. Irons mittlerweile ein bisschen zu graue Eminenz vom Dienst für Gaspard, aber auch das wäre nichts, was sich in der Filmindustrie nicht beheben ließe. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man ihm mit Mitte Sechzig noch einen Endvierziger abnehmen würde. Andererseits - wirklich jung sah er ja nie aus, und dieses Elegische und Schwermütige hat er immer noch.

Bliebe von den Hauptfiguren nur noch Valentine Whitehurst, der traumatisierte junge Soldat, wegen dem Gaspard überhaupt erst in Yorkshire auftaucht. Der Schauspieler, den ich damals vor Augen hatte, war schon beim Schreibprozess nicht mehr im passenden Alter, aber bestimmt ließe sich jemand finden - kein Schönling, sondern jemand, der Arroganz, Sprunghaftigkeit und Verletzlichkeit unter einen Hut bringen kann. Vielleicht würde der Regisseur genau den richtigen auswählen. Ach ja, von was man als Autor so träumt...





Dienstag, 7. April 2015

Mal mal wieder!

Gelegentlich tobe ich mich gern mit Farben aus. Nicht, um eine große Botschaft mit meinen Werken ausdrücken zu wollen, sondern einfach, weil es mir Freude macht. Das geht besonders gut in unseren Workshops, die jeden Samstag im WIRTHs HAUS unter jeweils drei Themen im Monat stattfinden.




 Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass ich so viel Spaß daran haben würde, mit verschiedenen Materialen zu experimentieren und die Kurse mehrmals zu absolvieren. Aber ich habe festgestellt, dass ich sicherer und mutiger werde, je öfter ich mich mit dem Thema auseinandersetze, das ich vor ein paar Wochen kennen gelernt habe. Pastellkreide zum Beispiel. Ich fand sie früher nie wirklich so *gschmeidig* und fast ein bisschen kompliziert und viel zu staubig für meine Begriffe; zumindest die ohne Öl. Allerdings lässt sich in den Kursen eine Menge über Handhabung und auch die Beschaffenheit des Materials erfahren, und man lernt den bestmöglichsten Umgang damit, so dass man nach den ersten "Kämpfen" der Schnupperphase doch die Oberhand gewinnt und sich die Farbe mit wenigen Ausnahmen so aufs Papier legt, dass man mit dem Endergebnis zufrieden ist und auch während der Bildentwicklung Möglichkeiten entdeckt, die man sich zuvor nie zugetraut hätte oder auf die man ohne einen Denkanstoß von außen gar nicht gekommen wäre (Schachtelsatz - sorry!).




Mein zweites Bild, das ich "Schiefer Tisch" genannt habe, wäre um ein Haar nach dem Skizzenentwurf im Papierkorb gelandet. Ein Problem hätte damit keiner gehabt (außer ich vielleicht), und trotzdem wollte ich nach dem ersten Frust nicht gleich aufgeben, nur weil mir der Anfang nicht gefiel. Das Schöne an Pastellkreiden ist, dass sie sich immer übermalen lassen und es auch interessant wirkt, wenn Skizzen auf dem fertigen Bild noch zu erahnen sind. Schließlich haben auch große Künstler wie DaVinci halbfertige Zeichnungen stehen lassen oder ihre Werke mit mehreren Schichten übermalt.

Was mich immer wieder aufs Neue verblüfft, ist die Tatsache, dass die Bilder nach meinem Empfinden am meisten gelingen, wenn man von Dunkel ins Helle arbeitet.

Wer Interesse hat, unsere Kurse als Teilnehmer zu besuchen, kann sich gern auf unserer Homepage über die Termine schlaumachen.




Freitag, 3. April 2015

Die Top Ten meiner Lieblingsbücher

Was lesen Autoren? Welche Geschichten inspirieren sie und haben den Wunsch geweckt, selbst zu schreiben? Bei mir war es eindeutig der eher unbekannte Roman "Nacht ohne Gesicht" (River of Darkness) von Rennie Airth. Dessen Protagonist John Madden - ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Inspector Detective - war das Vorbild meines Psychologen Gaspard Renoir in "Das Bildnis des Grafen", der tatsächlich und überraschenderweise auch hier in der Liste auftaucht. (O;




Entstanden ist diese Geschichte aufgrund der Tatsache, dass ich häufig in Buchhandlungen trotz der Riesenauswahl nicht fündig werde. Entweder sind mir die Thriller zu splatter, die Liebesromane zu kitschig, die historischen Romane zu emanzipiert ("Die Wanderhure", "Die Goldschmiedin", "Die Hebamme"...), die humorvollen Romane zu schenkelklopfer-mäßig und die Unterhaltungsliteratur allgemein zu flach (nichts gegen Berieselung und Unterhaltung, aber ich möchte beim Lesen gern mitdenken und herausgefordert werden). Daher sind meine Ansprüche auf literarischem Gebiet doch schon recht hoch. Here we go:

~~~

1. Nacht ohne Gesicht - Rennie Airth
2. Das Bildnis des Grafen - Christine Wirth
3. Zeit der Nähe - William Maxwell
4. The complete Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle
5. Das vergessene Kind - John Matthews
6. Die Sünde der Brüder - Diana Gabaldon
7. Sherlock verliebt - Sena Jeter Neslund
8. Das späte Geständnis des Tristan Sadler - John Boyne
9. Choral am Ende der Reise - Erik Fosnes Hansen
10. Der kleine Wassermann - Otfried Preußler


~~~

Meine "All-Time-Favourites" haben mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt und beeinflusst, und mich zudem zum Nachdenken gebracht, das heißt, ihre Geschichten klangen noch lange in mir nach. Ich liebe ungewöhnliche, unvorhersehbare Stories, die den Leser mit auf eine Reise durch Zeit, Länder und Welten nehmen. Auch Romane, die auf historischen Fakten beruhen und mir dennoch ganz eigene Figuren vorstellen, faszinieren mich, etwa Erik Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise", der die fiktiven Lebensläufe und das verbürgte Schicksal der Musiker auf der Titanic mit liebevoller Detailgenauigkeit für Personen und die Epoche beschreibt.

"Zeit der Nähe" von William Maxwell hat meine Vorliebe für literarische Freundschaften geprägt. In den USA gilt das Buch über den selbstbewussten, sportlichen Spud und den schüchternen Lymie, den Spud vor dem Ertrinken rettet und die seitdem eine sensible Freundschaft verbindet, als Klassiker. Es ist ruhig erzählt, mit viel Feingefühl und psychologischem Gespür, daher liebe ich es. Ähnlich verhält es sich mit "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne.

Auch Diana Gabaldons "Die Sünde der Brüder" fällt knapp in diese Kategorie. Knapp deshalb, weil die Autorin eher sprachgewaltig und manchmal derb daherkommt und eigentlich nicht zu meinen Inspirationen zählt. Trotzdem gefallen mir ihr Protagonist Lord John und sein Stiefbruder Perseverance, zwischen denen sich etwas entwickelt, das zwischen Geschwistern nicht sein darf und das den Lord in Schwulitäten bringt (no pun intended!).

Und als Fan des klassischen Krimis bzw. des genialen Sherlock Holmes dürfen natürlich dessen Abenteuer in meiner Liste nicht fehlen. Lustigerweise gehört zu meinen Lieblingen in diesem Kontext auch eine romantische Variante des Meisterdetektivs, mit der sich Sena Jeter Neslund beschäftigt hat. Ihre Interpretation von Holmes' großer und einziger Liebe wartet mit einem Clou auf, der völlig überraschend kommt. Auch das Verhältnis Holmes / Watson wird in ihrer Geschichte anrührend und - wie ich meine - authentisch beschrieben.

Ein weiterer Krimi-Klassiker in meiner Liste ist "Das vergessene Kind" von John Matthews. Obwohl das Thema dem Leser beileibe nicht schonend beigebracht wird und an den Nerven zerrt, hat es mich in seinen Bann gezogen, als ich Kommissar Fournier durch drei Jahrzehnte begleitet habe in der Hoffnung, einen mysteriösen Fall aufzuklären.

"Der kleine Wassermann" hatte für mich von kleinauf einen großen Zauber, was größtenteils an den putzigen, aber sehr eigenwilligen Zeichnungen lag und daran, dass ich immer gerne eine Nixe / ein Meermädchen hätte sein wollen. Aber auch die einfache und herzliche Erzählweise von Otfried Preußler hat mich als Kind sehr angesprochen. Wobei ich mit Hexe und Räuber Hotzenplotz nie etwas anfangen konnte...

Bildquelle: Gellinger / Pixabay

Dienstag, 31. März 2015

Kein verfrühter Aprilscherz: Facebook Resümee, und warum ich eine Pause einlege.

Obwohl ich mich ja lange dagegen gewehrt habe, bin ich nun seit über einem halben Jahr regelmäßig auf Facebook aktiv. Ein besonderes Anliegen ist mir dabei meine Autorenseite, die ich in der Tat mit viel Herzblut pflege, auf der ich Leseproben poste und so manchen themenverwandten Psychotest, der mir in meiner Chronik begegnet. Und es macht mir sogar Spaß, mich in gewissen (selbst ausgewählten!!!) Gruppen rege zu beteiligen bzw. auch Sinn und Unsinn zu posten, wo es erlaubt ist oder lieb zu kommentieren (böse Kommentare oder solche zu schrecklichen Tragödien im Tagesgeschehen erspare ich mir, das sollen andere machen, die sich auf diese Art Luft verschaffen mögen). 

Ich habe schnell *Freunde* gewonnen, verschollen Geglaubte gefunden, und natürlich freue ich mich über Anfragen / Gefällt mir der eigenen Beiträge / putzige Tiervideos und über brandaktuelle und seltene Bildchen meiner Lieblingsstars. 

 

Pixabay / EsaRiutta


Und da wäre ich bereits beim Knackpunkt: ich bin zu häufig auf Facebook, genau wie ich es anfangs befürchtet habe. Plagt mich die Langeweile, logge ich mich eben kurz mal ein. Das geht fix und zu jeder Zeit. Ist auch nichts dabei, schließlich erfährt man auf diese Art das Allerneueste von ganz vielen verschiedenen Leuten mit verschiedenen Meinungen. Aber für mich ist das auf Dauer nicht das Gelbe vom Ei (Ostern naht!). 

Manchmal wächst mir die Flut von Informationen über den Kopf oder deprimiert mich - leider bin ich seit ein paar Jahren psychisch nicht mehr so belastbar wie früher. Und ehrlich gesagt, das andere ist doch eigentlich nur Zeit-Totschlag. Zudem lenkt es mich vom Wesentlichen und meiner Arbeit ab.

Teilweise wundere ich mich auch, wie manche User sich entblößen oder Banalitäten posten, um sie dem Rest der weiten Facebook-Welt mitzuteilen. Und wie schnell man sich nach einer Freundschaftsbestätigung in einer obskuren oder für einen selbst völlig uninteressanten Gruppe findet. Von Spam und unerwünschten Markierungen will ich gar nicht erst anfangen. 

Notorische Jammerlappen und ewige Nörgler gehören leider auch zu meiner Freundesliste und tragen nicht unbedingt zur Verbesserung des Betriebsklimas bei. Ich frage mich dann schon, ob es nicht gescheiter wäre, ihnen zu kündigen, selbst wenn ich sie eigentlich ganz gern mag und weiß, dass es im Grunde sympathische Menschen sind, die durch das Mitteilen ihrer Probleme aufblühen - sowas soll es geben. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind jedoch kein Ersatz für ein persönliches Gespräch mit einem guten Freund, der sich das Problem in aller Seelenruhe anhört und, sofern gewünscht, gut gemeinte, individuelle Lösungen anbietet. Vielleicht sollte man das überdenken, ehe man praktisch Fremde tagtäglich damit behelligt und dann noch hofft, bei allen Mitleid einzuheimsen Verständnis zu wecken.

Die Chatfunktion habe ich schon länger deaktiviert, weil ich Facebook ursprünglich nicht für Privatgespräche nutzen wollte, wenngleich es ganz nett und praktisch ist, hin und wieder von "richtigen" Freunden zu hören, die man schon länger aus anderen Foren kennt, die dieselben Interessen haben oder die man nicht oft persönlich sieht.

Trotzdem habe ich beschlossen, in Kürze dasselbe mit meinem Konto zu tun. Deaktivieren nämlich. Wahrscheinlich nicht für immer, aber doch eine Zeitlang, in der ich lediglich als Administrator unter anderem Namen bzw. auf anderen Konten fungiere. Meine Autorenseite bleibt demnach erhalten und aktiv, doch das "Hauptkonto" verschwindet fürs Erste, zumindest für ein paar Wochen. Ich hoffe, meine FB-Freunde bleiben mir trotzdem gewogen - ein bisschen stolz bin ich schon auf sie.^^ Und komplett aufgeben werde ich Facebook nicht. Dazu ist es wohl schon zu spät. Also, wer mich evtl. vermisst im Selfie-Camp: I'll be back.







Dienstag, 17. März 2015

Das Phänomen "Passiver Protagonist"

Man erfährt und lernt ja so einiges, wenn man im Internet surft. Oft stolpert man dabei über Dinge oder Begriffe, die man noch nie gehört hat, die aber irgendwie neugierig machen. In Facebook z. B. lief mir gestern ein passiver Protagonist über den Weg.

 

Wikiimages /Pixabay

 Was um Himmels Willen ist das denn?! Ich kenne mich im Schreiben doch einigermaßen mit Protagonisten und Antagonisten aus, aber das? Noch nie gehört. Und dann die Feststellung dazu, dass der passive Protagonist in neunzig Prozent aller Romane einen festen (und verpönten) Platz besetzt. Ich musste unbedingt wissen, was es mit ihm auf sich hat. Ist er wirklich so schlimm, wie der Artikel impliziert?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht. Obwohl ich in meinen eigenen Romanen mehr Frodos habe als Hamlets (für mich das klassische Beispiel eines passiven Protagonisten), hat Hamlet durchaus eine Daseins-Berechtigung. Nicht nur, weil man mit ihm fühlen kann, sondern auch, weil er - anders als der aktive Protagonist - kein makelloser Held ist und sich in den meisten Fällen von den Ereignissen um sich herum überrumpelt fühlt. Wie man sich selbst oft im richtigen Leben. Klar, jeder taucht gern in fremde Welten ab und fiebert mit dem Helden, erlebt atemberaubende Abenteuer an seiner sicheren Seite, die er in unerschrockener Kühnheit beeinflusst und meistert. Und noch lieber wäre jeder selbst gern ein bisschen mehr aktiver Protagonist. Aber hat der passive Protagonist nicht auch seine Vorzüge?

Mir fällt da mein eigener Roman "Vom Ernst des Lebens" ein. Auf den ersten Blick wäre der selbstbewusste Miles der aktive Protagonist, während der eher zögerliche und scheue Rupert den passiven Part (uiuiui - nicht missverstehen!) übernimmt. Allerdings stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Rupert durchaus den Lauf der Handlung beeinflusst; vielleicht genauso sehr wie sein gegensätzlicher Freund. Anfangs wirkt er neben Miles ängstlich und apathisch, aber er versteht es bereits im zweiten Kapitel, Unternehmungslust zu zeigen, mit der er dem Roman eine Wende verleiht, die es ohne sein beherztes Handeln nicht gegeben hätte. Überhaupt: ganz ohne das Eingreifen des Protagonisten - sei er aktiv oder passiv - erzählt sich keine Geschichte, oder? Mir zumindest fiele ad hoc kein Beispiel ein, in der eine Hauptfigur völlig lethargisch am Geschehen vorbeischwimmt. Selbst Hamlet greift zum Schwert (Giftpott? Sehr beliebt und das Mittel der Wahl in der Renaissance), wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Eine mir bekannte Figur gibt es jedoch, die tatsächlich wenig bis gar nichts zum Geschehen beiträgt. Edmund Talbot aus William Goldings "Rites of Passage" / "To the Ends of the Earth" (deutscher Titel "Äquatortaufe"). Er kommt als Aristokrat an Bord eines Schiffes, das nach Australien unterwegs ist, und wird Zeuge der "Animalisierung" auf engstem Raum während der strapaziösen Reise von Großbritannien nach Down Under. Dabei bleibt er stets Beobachter und folglich größtenteils distanziert. Seine einzigen Tätigkeiten beschränken sich auf seine Tagebucheintragungen, fast peinliche, der Handlung meist undienliche Ausrutscher oder verdutzte Blicke (sehr schön veranschaulicht von einem noch extrem jungen Benedict Cumberbatch in der Miniserie "To the Ends of the Earth" von der BBC aus dem Jahr 2005).

Und dennoch ist William Golding mit diesem Roman von 1989 ein moderner Klassiker gelungen. Ich glaube, gerade weil Mr. Talbot so unbeholfen und passiv wirkt und scheinbar kein Fettnäpfchen auslässt, gewinnt er Sympathien unter Lesern und Zuschauern. Viele können sich mit ihm besser identifizieren als mit dem forschen Helden, der die Geschichte zu seinen Gunsten in die Hände nimmt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist oder die Geschicke einer Welt / eines Volkes lenken muss wie Frodo.

Vielleicht habe ich den Artikel aber auch völlig falsch verstanden. Dann bitte ich um Entschuldigung. Ich bin jedenfalls beim Durchlesen insgeheim ein bisschen froh gewesen, dass in all meinen Romanen kein Protagonist so passiv ist, dass man behaupten könnte, er sei überflüssig für die Story.




Mittwoch, 11. März 2015

"Ich schreib' dir eine Rezension. Versprochen."

Einige meiner Leser sind Kollegen (also Indie-Autor wie ich), und kennen sicher das, was ich versuche, hier zu erklären: Rezensionen für ein eher unbekanntes Buch einzuheimsen, ist nicht einfach, wenn man sie sich auf ehrliche Weise verdienen möchte. Und wenn man keine tausend Freunde hat, die einen unterstützen in Sachen Buchmarketing. Dabei ist es so simpel, etwas Gutes zu tun.

Nicht, dass ich um Bewertungen oder Meinungen zu meinen Romanen betteln gehen würde oder wollte. Ich will auch niemanden zwingen oder bezahlen für einen Eindruck auf Amazon / auf Leserforen und Bücherportalen.

Manchmal finde ich es dennoch schade, wenn ich feststelle, dass Versprechungen nicht eingehalten werden, die auf ein Geben und Nehmen basieren. Natürlich haben viele, die beim Überreichen beteuern, mein Buch nach getaner Lektüre zu rezensieren, oft Wichtigeres zu tun oder etwas kommt dazwischen, oder der SuB wächst ins Unermessliche, oder oder oder... Ich verstehe das, und es ist noch lange kein Grund, sich deswegen zu grämen.

Doch im Großen und Ganzen bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich gebe meine Romane kostenlos an interessierte Leser weiter, veranstalte Gewinnspiele und stelle Gutscheine für ebooks zur Verfügung, und wenn ich den Aufwand vergleiche, den ich dafür betreibe, sieht das Ergebnis bzw. die Rezensionsanzahl meiner Bücher doch recht mau aus. Andererseits ist es ein zweischneidiges Schwert, (subtil) um eine öffentliche Meinung zum Werk zu bitten. Dabei kommt nicht immer das heraus, was man erwartet. Kritik - besonders destruktive - kann schon sehr weh tun. Aber man muss als Autor damit rechnen und hoffen, dass andere Leser das Buch trotzdem interessiert und sie ein tolles Erlebnis beim Schmökern haben. Dass der Inhalt hält, was der Klappentext verspricht. Und dass eventuell die negative Meinung von einer guten neutralisiert wird (klingt das zu sehr nach Star Trek?).

Die Leser, die mir begeistertes Feedback hinterlassen, sind für mich ungeheuer hilfreich und wichtige Weggefährten im Dschungel der Selfpublisher und Bestsellerautoren, und ich möchte ihnen auf diesem Weg ganz herzlich danken. Was die anderen denken, weiß ich nicht, und vielleicht ist es sogar besser für den Seelenfrieden eines sensiblen Künstlers (*räusper*), es nie zu erfahren, als Dinge über seinen Roman lesen zu müssen, die ungerechtfertigt erscheinen und einem selbst völlig unverständlich. Vielleicht machen sich die wenigsten Leser darüber Gedanken, doch auch Indie-Autoren sind stolz auf ihre Werke und haben sie in der Regel mit viel Akribie, Recherche und Herzblut verfasst, auf Orthographie und Grammatik geachtet, auf korrekte Infinitivanwendung und Logik in der Geschichte.

Wer mir versprochen hat, eine Rezension zu schreiben oder es gerne tun möchte und nicht so recht weiß, wie: Bitte traut euch und nehmt euch die Zeit. Es kostet nichts außer ein bisschen Aufwand, muss kein Roman sein und würde mir viel Freude machen. Im besten Fall nämlich genauso viel wie euch das Lesen meiner Bücher.

Die Kollegen unter euch würde ich gern fragen, wie ihr das handhabt mit den Rezensionen. Bestecht ihr eure Leser mit Zuckerl? Im Kommentarbereich ist Platz für Antworten.




Übrigens: Heute wurde mir "Das Bildnis des Grafen" mit neuem Cover zugesandt. Ich dachte, ich zeige es euch mal. Schick, oder?




Donnerstag, 5. März 2015

Adieu, Anton! ~ Oder wie der Graf ein neues Kleid bekam

Eines muss ich gestehen: ich bin leider ein Gewohnheitstier. Ich mag das, was sich bewährt hat und vor allem das, was mir über lange Zeit gefällt. Für Experimente bin ich zwar generell zu haben, aber eigentlich schneide ich seit einer Weile alte Zöpfen ungern ab (uncool, ich weiß, aber wenigstens ehrlich).




Neulich machte mich eine Freundin darauf aufmerksam, dass das Cover meines Romans "Das Bildnis des Grafen" wenig aussagekräftig wirkt. Auf dem Cover der Printausgabe sieht man einen Jungen namens Anton zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der sich in das Jugendporträt meines Titelhelden verwandelt hat, und auf das ich recht stolz war. Eigene Cover zu entwerfen, ist trotz der Vielfalt der Angebote online nicht einfach. Glücklicherweise habe ich graphisch ein recht gutes Händchen (denke ich), so dass ich überzeugt davon war, es sei total gelungen. Doch bei näherer Überlegung kam ich immer mehr zu dem Schluss, dass es stimmt: irgendwie ist das Cover langweilig. Außerdem erscheint das Foto in der Originalgröße ein bisschen verpixelt, und das war etwas, das seit jeher meine Freude am Buch etwas getrübt hat.

Daher habe ich heute beschlossen, zwei meiner Bücher einen neuen Anstrich zu verpassen, und zwar genanntes und "Vom Ernst des Lebens". Auch bei diesem Roman war die Pariser Reiseimpression durch die Größe leicht verschwommen - etwas, das nun dank des angepassten Fotos, geschossen vom Dach einer Kathedrale - nicht mehr der Fall ist. Ich habe vergessen, einen Screenshot des neuen Covers zu machen, doch beim "Grafen" habe ich daran gedacht. Es gibt einen Eindruck des Inneren des Schlosses wieder und den Blick auf die Galerie, auf der sogar - man höre und staune - das Porträt eines Adeligen hängt. Das war aus dem Grund witzig und passend, weil das Bildnis des verschollenen Grafen eine wichtige Rolle spielt, wie der Romantitel betreits erahnen lässt.





Auf der Rückseite wird es neben der Kurzbeschreibung auch eine kleine Biografie mit Autorenfoto geben. Tatsächlich weiß ich nie genau, was ich über mich erzählen soll, ohne dass es zu weitschweifig oder zu persönlich wird, was ich auch bei anderen Leuten nicht besonders schätze, die ich nur durch ihre Arbeit bzw. ihre Kunst kenne oder interessant finde.




Aber ich finde, der Klappentext macht neugierig und das Cover und der Einband insgesamt passen nun viel besser zur Geschichte. Ein bisschen gruselig und düster, geheimnisvoll und irgendwie auch nostalgischer als es mein Anton je vermitteln konnte. Wenn ich ihm auch trotzdem nach ein bisschen nachtrauere, das gebe ich zu. Genau genommen war er die Inspiration zum Grafen, und ich habe nun fast ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn völlig aus dem Projekt bzw. dem Roman verbannt habe. Aber immerhin befindet der Gute sich noch auf der Kindle-Ausgabe. Die neue Taschenbuchausgabe wird in wenigen Tagen erhältlich sein.




Montag, 2. März 2015

Total verschwitzt...

... habe ich blogtechnisch den Monat Februar. Das liegt an vielerlei Dingen. Erstens meine Lethargie, aus der ich seit einiger Zeit schwer herausfinde. Meist möchte ich morgens einfach im Bett liegenbleiben und stelle fest, dass ich nichts dagegen hätte, ein Bär oder Igel zu sein. Also ein Waldbewohner, der dem tiefen Dornröschenschlaf bis zum Frühlingsanfang frönt.

Apropos Schlaf und Schwitzen: Ein Muntermacher zumindest stoffwechselmäßig ist da unsere neu aufgebaute Sauna. Ich kann nicht sagen, wie sehr ich das vermisst habe! Als Kind war ich häufig saunieren, doch irgendwann kam der Umzug und ich hatte meine kleine Schwitzoase nicht mehr. Als Teenager habe ich sie aus falschem Schamgefühl sowieso kaum benutzt, und später ging sie mir aus den Augen bzw. dem Sinn.




Zu Unrecht, natürlich. Denn was gibt es Schöneres, als sich bei fast 100 °C ordentlich aufheizen zu lassen in der kalten Jahreszeit, den Dreck auszuschwitzen und in den Pausen ein köstliches Wasserglas und einen vitaminbombigen, frisch gepressten Smoothie zu sich zu nehmen und nach getaner Rosskur eiskalt abzuduschen? Das Tolle dabei: Ich kann saunieren, wann immer ich will. Die Oase ist ein abgeschlossener Raum, in dem man so richtig ausspannen kann; wer möchte, sogar mit Musik. Ich hoffe, dass die Saunagänge irgendwann auch dazu beitragen, meine Winterschläfrigkeit abzuschütteln. Zum Bäumeausreißen reicht es noch nicht ganz...

Der zweite Grund meiner Nachlässigkeit bezüglich des Blogs liegt in meiner beruflichen Karriere außerhalb des Schriftstellertums verborgen. Wir sind fleißig dabei, unser WIRTHs HAUS auf Vordermann zu bringen mit dem neuen Konzept. Dazu gehören Vorbereitungen zu Malworkshops, Raumvermietung, und das (mitunter leidige) Herumtreiben auf sozialen Netzwerken, das doch ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt.

Besonderen Spaß gemacht hat mir neulich der Blinde-Kontur-Workshop, bei dem wir mit Pastellkreide unsere Objekte mit den Augen "ertastet" haben. Es kam nicht darauf an, detailgenau zu zeichnen, sondern darauf, ein grob gehauenes Motiv auf dem leeren Blatt zu haben, das man weiterentwickeln kann - entweder realistisch oder fantasievoll.




Das ist meine Ausbeute inklusive Vorübungen. Ich bin ein bissl stolz darauf, denn bisher kam ich mit Kreide nicht so wirklich zurecht. Meine bevorzugte Technik ist eigentlich Aquarell. Was mir total gut gefallen hat - da es eine neue Erkenntnis war - war die Tatsache, dass man die Schichten der Pastellkreide von Dunkel nach Hell auftragen kann, um einen satten Farbton zu erhalten, und dass man sich richtig lange und intensiv mit dem Bild beschäftigen kann. Manchmal kommen dabei zufällige Effekte heraus, die einen selbst überraschen. Und ich liebe es, mich angenehm überraschen zu lassen. Jetzt geht's gleich ans unfertige Bild, das noch auf der Tischstaffelei sitzt. *Freu*




Freitag, 30. Januar 2015

Musikalische Untermalung beim Kreativ-Sein

Mit Musik geht alles besser, sagt man ja so. Aus meiner Erfahrung kann ich das hundertprozentig unterschreiben. Lästige Hausarbeiten, Bügeln und Geschirrspülen gehen leichter von der Hand, wenn nebenher das Radio läuft oder die Lieblings-CD. Momentan bin ich an einer kleinen Spielerei bzw. als Co-Autorin bei einer Fantasy-Geschichte tätig. Der Einstieg war recht einfach; wenn man eine zündende Idee hat, setzt man sie im Normalfall mit Leidenschaft in die Tat um. Was aber, wenn man irgendwann mittendrin hängt und feststellt, dass es vielleicht an der nüchternen Umgebung liegt, in der man arbeitet? Wir waren ein bisschen verzweifelt, als uns klar wurde, dass es einfach zu ruhig ist im Zimmer und wir beide gern mit Musik im Hintergrund schreiben.

Allerdings - etwas Aufregendes und Modernes durfte es nicht sein, damit die Grundstimmung nicht verloren geht. Mehr die orchestral-epische Schiene. Etwas, das zu unserer Geschichte passt, die geheimnisvoll ist und von einer fremden Welt handelt. Also die YouTube-Kanäle nach epischer Instrumentalmusik abgeklappert. Es gibt dort eine Menge davon. Eigentlich viel zu viele, um die Musik zu finden, die einem vage im Kopf herumschwirrt. Häufig nervt das total Bombastische, ein andermal stört der Mönchsgesang im Hintergrund. Bis ich auf einen Soundtrack stieß, der genau das ist, was wir suchten.






Ich kenne die Serie nicht einmal, aber die Musik hat mich sofort gepackt, auf emotionaler und kreativer Basis. Unaufdringlich und trotzdem unglaublich atmosphärisch und gänsehauterzeugend, bietet sie einen üppig und wunderschön gewebten Klang-Perserteppich und schickt die Fantasie auf Reisen in vergangene Zeiten und in gigantische Landschaften und Szenen, die vor dem inneren Auge entstehen. Egal, ob man auf dem Sofa relaxt, vor dem Schreibtisch sitzt oder den Pinsel schwingen möchte.

Ich habe mir den Soundtrack ganz altmodisch auf Tonträger schicken lassen, doch er ist auch als Download erhältlich und eine lohnende investition für jeden, der eine Schwäche hat für epische, folkloristische Orchestralmusik so wie ich. Und vielleicht auch für andere.




Freitag, 23. Januar 2015

Leseprobe "Fairlight" (III)



"Fairlight" ist eine meiner früheren Geschichten. Damals war ich fasziniert von allem, was britisch ist, von der Belle Epoque, opulent ausgestatteten Filme darüber und dem Ersten Weltkrieg. Allerdings vermeide ich es, zu detailliert auf Schlachtenszenen einzugehen. Der Krieg bildet nur die Rahmenhandlung und die Zeitspanne, in der einige meiner Romane spielen. Manchmal dient er dazu, meine Protagonisten zu dem gemacht zu haben, was sie nun sind, oder um Traumata aufzudecken und pathologisches Verhalten zumindest teilweise zu erklären.

Im engeren Sinn eine Familiengeschichte, handelt "Fairlight" von abgelegenen Herrenhäusern, deren unheimlichen und rätselhaften Bewohnern und drei dort zufällig gestrandeten Medizinern, von denen einer, Dr. John Raeburn, ganz besonderes Interesse an dem jüngsten der Fairlight-Brüder hegt und später herausfindet, dass es für seinen Beschützerinstinkt tatsächlich einen tiefer gehenden Grund gibt.

Das Thema ist nicht ganz leicht zu verdauen, düster wie die Atmosphäre des Buches und die Sprache gelegentlich ein bisschen altmodisch. Dazu stehe ich - ich mag es nicht, wenn in historischen Romanen modernes bzw. hippes Deutsch verwendet wird oder Ausdrücke darin vorkommen, die auf keinen Fall in die entsprechende Periode passen. Das nimmt nach meinem Empfinden die Glaubwürdigkeit.




Zur Leseprobe geht es unter "weitere Informationen"


Donnerstag, 15. Januar 2015

Neujahrsvorsätze ade (Warning: Mecker-Post)!

Ehrlich gesagt, ich verstehe sowieso nicht, warum man sie sich jedes Jahr aufs Neue vornimmt, die guten Vorsätze. Aber vielleicht ist es ein bisschen so ein Zwang der menschlichen Natur, weil es keinen geeigneteren Zeitpunkt gibt, um mit schlechten Gewohnheiten zu brechen. Könnte ich mir vorstellen. Meine letzten jedenfalls habe ich wieder nicht halten können, dabei waren sie gar nicht so unmöglich utopisch; zumindest ein paar davon nicht.


Pixabay / nickgesell

 

Allein der Wunsch, wieder öfter ins Kino zu gehen, ließ sich nach einem viel versprechenden Auftakt nicht realisieren. Mein Filmgeschmack ist weitgehend anders als der des hiesigen Programms und der Mehrheit der Zuschauer. Wenn ich mir Familien-, Migranten- oder *humorige* Betroffenheits-Filme wie "Honig im Kopf" von und mit Til Schweiger ansehen müsste, würde ich alternativ lieber einen Handstand mit Überschlag machen. Und leider kamen von der Sorte viel zu viele Filme dieses Jahr. Insgesamt habe ich es 2014 zwei mickrige Male auf einen roten Chintzstuhl geschafft. Vielleicht sollte ich mir für die Zukunft vornehmen, ein Programmkino zu betreiben, das jedes Wochenende "Lawrence von Arabien" zeigt.^^

Lesen, ja. Das habe ich mir auch vorgenommen, weil es mit dem Schreiben derzeit ein wenig hapert. Romane wie auch Filme können da eine gute Inspiration sein, doch auch hier schraube ich meine Ansprüche anscheinend zu hoch. Früher konnte mir der Schmöker nicht dick genug sein. Letztes Jahr war ich froh, dass ich mich mal zu einer Leserunde aufraffen konnte. Das Buch selbst war zwar eine ziemliche Enttäuschung, aber der gute Wille zählt, und es hat mir im Endeffekt richtig gefallen, mal wieder mitreden zu können. Inzwischen bin ich an einem weiteren kleinen Roman, den mir meine Tante letzte Woche geschenkt hat. Einer dieser Tierromane, die seit "Ein Kater namens Bob" wie Pilze aus dem Boden schießen. Bisher ist er ganz nett, zugegeben, auch wenn der Erzähler mit seiner selbstherrlichen Art nervt und die Scottish Fold "Norton" ein solcher Wunderkater ist, dass ich dem Autor die biografische Glaubwürdigkeit nicht so ganz abnehme. Und dann nennt man die Neuauflage des Buches auch noch "Klappohrkatze"! Als wäre Bob nicht schon ein kräftiges Zugpferd, muss auch noch Til Schweiger Pate stehen. Naja. Die Marketingstrategen halt.

Was meine weiteren Vorsätze und Erwartungen betraf, so ist die Bilanz nicht allzu rosig. Ich hatte mir vorgenommen, wieder entspannter zu sein, lustiger und aktiver. Nicht dass ich faul wäre, aber bestimmt gäbe es das eine oder andere, das mir mehr Spaß bringen und mein Leben wieder abwechslungsreicher machen würde. Eine neue Sportart oder eine neue Fremdsprache lernen. Öfter zu verreisen. Die finanziellen Mittel für ein paar Extravaganzen haben. Mich nicht von anderen beeinflussen zu lassen und mich deswegen mies zu fühlen.

Das sind Dinge, die häufig schwer durchführbar sind, wenn man es mal soweit hat kommen lassen. Manchmal denke ich auch, diese ganzen Facebook-Weisheiten von wegen "Be yourself!" und Veränderungen sind überbewertet. Früher hat man das von selbst und ganz normal gemacht, ohne ständig mit der Nase darauf gestoßen zu werden. Wahrscheinlich ist es das, was es den meisten Leuten so schwer macht, Veränderungen an sich und anderen zu akzeptieren, sich entweder beschwingt den Gegebenheiten anzupassen oder ihnen bewusst zu trotzen und dennoch kein schlechtes Gewissen zu haben. Und das ist vielleicht der nächste Vorsatz nach einem halben Jahr Facebook, das sich, unter uns, nicht wirklich lohnt (Korrektur: mein Fehler! Ich werbe einfach nicht clever genug): ich halte mich ab jetzt zurück und logge mich nicht jeden Tag dort ein. Mal sehen, wie lange ich den Vorsatz halten kann...





Donnerstag, 1. Januar 2015

"Austenland" (2013) Review

Wie angekündigt, kommt meine Rezension zu "Austenland", der die Ehre hatte, der letzte Film des alten Jahres zu sein. Gepasst hat das wie die Faust aufs Auge zu Silvester: knallig bunt, abgefahren, und irgendwie auch romantisch mit einem Neuanfang, der kitschig und schön zugleich war.

 Wer mein Blog ein bisschen verfolgt, wird wohl wissen, dass ich per se keine Liebesfilme oder -komödien mag. Und trotzdem fand ich "Austenland" recht gelungen und habe mich richtig gut dabei unterhalten. Die weibliche Hauptfigur hätte ich mir weniger forsch gewünscht (schließlich ist sie Jane Austen-versiert und somit nicht zwingend ein Vamp, der allen Männern den Kopf verdreht), aber die originelle Idee und die übrige Besetzung haben mich dafür ein wenig entschädigt.




Inhalt: Die Amerikanerin Jane Hayes ist um die dreißig und immer noch Single. Schuld daran sind laut ihrer Freundin Jane Austen und deren Kreation des aufrechten und illusorischen Mr. Darcy, der in Gestalt einer Pappfigur von Colin Firth in ihrer Wohnung haust.

Um ihrem echten Mr. Darcy zu begegnen, reist Jane nach London ins Austenland, einem Themenpark, der komplett auf die Regency-Zeit und Jane Austen ausgerichtet ist und Fans aus der ganzen Welt anlockt. In England angekommen, freundet sie sich mit einer Gleichgesinnten (unheimlich komisch: Jennifer Coolidge) an. Gemeinsam erkunden sie den Park und stoßen dabei auf verkleidete Schauspieler, die angewiesen wurden, ein Auge auf sie zu werfen, um das Jane-Austen-Feeling des gebuchten Pauschalpakets bei den Gästen nicht vermissen zu lassen, denn was wäre Jane Austen ohne Männlein und Weiblein auf Freiersfüßen?

Jane erwählt ihren Mr. Darcy in Stallknecht Martin, doch sie ahnt nicht, dass die teils exaltiert, teils gelangweilt wirkenden Angestellten des Parks nach einer strikten Regel handeln, die da heißt, die Mauerblümchen heftigst zu umwerben... schließlich soll der Urlaub in einer anderen Zeit unvergessen bleiben und weiterempfohlen werden. Es kommt, wie es kommen muss, und dann doch wieder ganz anders. Jane Austen-mäßig eben.

Meine Meinung: In einem Themenpark aus vergangenen Epochen wäre ich auch gerne mal Gast, besonders, wenn die Männer vollendete Kavaliere sind und einer Frau kurzerhand aus rein praktischen Gründen den Unterrock zerreißen, nämlich um sie im Herrensitz galant aufs Pferd vor sich zu platzieren und sie danach auf Händen tragen. Von den schmucken, niedlichen Zimmern und der damaligen Mode ganz zu schweigen. Schade, dass Austenland nur fiktiv ist.

JJ Feild parodiert seine Rolle als Gentleman der BBC-Austen-Verfilmungen mit Bravour (auch wenn er als Henry Nobley anfangs ein wenig blutleer wirkt), und die laute und geradlinige Elizabeth "Charming" (Jennifer Coolidge) hat mir gut gefallen. In ihrer unbekümmerten Art hat sie der betont auf Emanze gemachten Hauptdarstellerin Keri Russell schon beim ersten Zusammentreffen die Show gestohlen. Die Nebendarsteller sind allesamt irgendwie schrullig und daher liebenswert - auch wenn sie ihren beiden amerikanischen Gästen nur Blendwerk bieten. Ein Highlight war für mich das aufgeführte Theaterstück, in dem die Schauspieler gewollt hölzern und unprofessionell agieren.

Das Ende hat mich dann doch überrascht. Na ja, nicht wirklich. Obwohl ich ihre Bücher nicht kenne, weiß ich doch so viel, dass  sich Jane Austen auf die kurze Formel "Jedes (optional widerspenstige) Töpfchen findet mal sein Deckelchen" (oder umgekehrt?) zusammenfassen lässt. Und genau so war's in Austenland. Vorhersehbar, aber irgendwie zum Seufzen schön. Denn just nachdem Jane von ihrer Jane Austen-Manie ein für alle Mal geheilt ist, findet sie ihren Mr. Darcy. Oder besser gesagt, er sie.

Fazit: Ein Familienfilm, der natürlich besonders die Austen-Liebhaber/innen begeistert. Da ich keine bin, und den Film dennoch sehr nett fand ( mit JJ als Bonus...), würde ich ihn jedem Zuschauer empfehlen, der ungewöhnliche romantische Geschichten zu würdigen weiß - oder besser gesagt: jeder Zuschauerin. Für die Mehrzahl der Männer dürfte "Austenland" zu wenig actiongeladen sein - aber ist ja bei Jane Austen nicht anders.


Bewertung:
👍👍👍 und ein halber 👍





Mittwoch, 24. Dezember 2014

Alle Jahre wieder...


Derzeit befindet sich mein Blog im Winterstarre-Modus, wofür ich mich bei all meinen Lesern und Freunden aufs Zerknirscheste entschuldige. Es klingt paradox, aber in der Weihnachtszeit ist bei mir einfach nicht viel passiert - zumindest nichts, was es wert wäre, mit der Öffentlichkeit zu teilen. Nach dem Besuch des schockierenden Hobbits verliefen die Tage mehr oder weniger gleich - ohne Schnee, mit viel Sturm und einige davon sogar ohne Internet.





Halt! Eine tolle Überraschung gab es doch in den Adventstagen: Auf Facebook wurde ein Zitat aus "Das Bildnis des Grafen" von Sandra Schmidt auf ihrer Seite "Bruchstücke" veröffentlicht. Eine Bombenidee für Indie-Autoren, wie ich finde. Und es sieht so edel aus mit den Rubik-Würfelstücken. Sandra freut sich über Zuschriften, und so ist beiden Beteiligten - Betreiber der Seite und Autoren - geholfen und sorgt für einen höheren Bekanntheitsgrad. Das ist doch mal ein schöner Grundgedanke, gerade zu Weihnachten.

Womit ich beim Stichwort wäre. Ich möchte es nicht versäumen, allen ein frohes, besinnliches und entspannendes Weihnachtsfest zu wünschen, mit nicht zu viel Völlerei (denkt an die Figur und an die armen polnischen Mastgänse!), den passenden und lang ersehnten Geschenken und natürlich viel Zeit für euch selbst. Lasst es euch gutgehen zwischen den Jahren und euch mal wieder an Körper und Seele verwöhnen, mit einem Massage-Gutschein bei Mydays.de oder einem Besuch im Erlebnisbad eurer Wahl mit sämtlichen Schikanen - es lohnt sich. Oder lest mal wieder ein gutes Buch. Das wird bestimmt einer meiner Vorsätze fürs nächste Jahr, die ich doch nie einhalte. *schäm*




Und da es dieses Jahr absolut nicht nach weißer Weihnacht aussieht, soll sie zumindest virtuell auf meinem Blog sein. Dieses Bild stammt von 2010 und wurde auf einem meiner Spaziergänge gemacht, erstaunlicherweise kurz vor Weihnachten.

Gern hätte ich - wie letztes Jahr - ein kleines adäquates Gedicht gepostet. Leider bin ich im Selbst-Reimen furchtbar schlecht. Und nachdem das letzte Mal eher besinnlich war, hätte ich ganz gern den komischen Denglisch-Text von Udo Jürgens genommen. Aber das erscheint mir drei Tage nach seinem unerwarteten Ableben heuchlerisch, denn wenn ich ehrlich bin, mochte ich seine Lieder nie. Außer Griechischer Wein. Und wenn überhaupt Schlager / Liedermacher, dann fand ich Reinhard Meys Texte meist spritziger und ergo cooler. Trotzdem geht mit Herrn Bockelmann ein Bruchstück meiner Kindheit. Schlimm war's bei Peter Alexander. Soll ich jetzt leise "Mutti" sagen? (O; Laut jedenfalls wünsche ich


Allen 
Freunden, Followern und Lesern 
ein gesegnetes Weihnachten
und 
viel Spaß und Erfolg
 im Jahr 2015!




Mittwoch, 10. Dezember 2014

"Thorin, die Adler kommen!" Review Der Hobbit ~ Die Schlacht der fünf Heere.

Der dritte Teil der Hobbit-Saga war besser als meine Erwartungen, denn natürlich liest man im Vorfeld Kritiken. Die allgemeine Beurteilung des Films war eher mies, und nachdem mir der Vorgänger schon nicht mehr so gut gefiel wie der erste Teil, bin ich eher missmutig ins Kino geschlichen (das - Oh Wunder! - in der Nachmittagsvorstellung trotz Premierentag nicht einmal voll besetzt war).

 



Bereit, mich kneifen zu lassen, wenn ich doch anfinge zu plärren, nahm ich mit Popcorn bewaffnet eine vermutete zweieinhalbstündige opulente Langeweile auf mich. Schließlich ist der knuffige Bilbo Beutlin nicht mehr als Staffage in den meisten Szenen, und Drache Smaug verendet schon im Vorspann grässlich zeternd im Feuersee der Stadt Bree.

Was soll da jetzt noch groß passieren, habe ich mich als Mittelerde-Banause gefragt. Ja, ganz ehrlich, selbst jetzt bekomme ich die fünf Heere des Titels nicht wirklich zusammen. Zwerge, Elben, Menschen, Orks, Raketenwürmer...?! Zu viele obskure Gestalten sind da aus der Erde gekrochen und aus Gundalbad als Quelle des Bösen gestürmt.

Aber ich mochte den Film und habe mich wirklich gut unterhalten. Das Gemetzel hielt sich in erträglichen Grenzen, und wenn Legolas als Super Mario an den Füßen einer Fledermaus durch die Gegend schwirrt und mit tänzerischer Eleganz über hinabbrechenden Brückensteinen den bösen bösen Bolg-Ork zur Strecke bringt, guckt frau gerne zu. Auch wenn Elben scheinbar rückwärts altern.

Sein über allem erhabener Vater und Waldelbenkönig Thandruil auf dem Elch wirkte fast albern und irgendwie wie aus diesen PC-Spielen, bei denen man eine Stadt aufbauen oder erobern muss, und auch Thorin auf dem Widder und dessen Cousin Dain auf seiner animierten Wollsau machen keine besonders glückliche Figur. Trotzdem habe ich beim schmerzerfüllten Aufquieken des durchbohrten Reittiers einen Moment lang gegen aufsteigende Tränen ankämpfen müssen. Die arme Sau.

Womit wir beim Thema wären. Ich habe nämlich geplärrt, tatsächlich. Und das merkwürdigerweise an einer Stelle, bei der ich es mir am wenigsten zugetraut hätte.  

ACHTUNG: MEGASPOILER!!!

Alle Mittelerde-Fans wissen ja bereits aus dem kleinen, legendären Kinderbuch von J. J. R. Tolkien, dass die Schlacht der Zwerge um ihren Berg Erebor mit zahlreichen Verlusten - auch auf der guten Seite - verbunden ist. Nicht nur, dass ihr Anführer Thorin sich mit der "Drachenkrankheit" infiziert und dem Wahn anheimfällt, die Zwerge sind auch sonst nicht sehr beliebt. Thranduil zieht sich zurück, nachdem zu viel Elbenblut vergossen wurde, und die Menschen haben genug damit zu tun, ihre eigene Haut zu retten, als die Orks Bree einnehmen. Drei der heldenhaften Zwerge fallen der Schlacht zum Opfer, und, wie ich spitzfindig annehme, ausgerechnet die Publikumslieblinge. Und nicht nur das: mit ihrem Ableben steht auch die blaublütige Linie des erst wieder eroberten Zwergenreichs auf wackeligen Füßen.

Das Ende der Brüder Fili und Kili war schon krass und echt gemein, aber wirklich getroffen hat mich Thorin Eichenschilds erbitterter Kampf gegen den Ork-Anführer und seine letzten weisen Worte an Bilbo Beutlin, der die Schlacht weitgehend verpeilt hat und dann zu spät herbeieilt, um dem schwer verwundeten Zwergenkönig helfen zu können. Das war ein so emotionaler Augenblick, dass ich dachte, ich muss gleich losheulen, um nicht zu platzen (dass ich mich am Popcorn verschluckt habe, ist eine andere Sache und war recht peinlich).

Auch sonst hat mir Thorin gut gefallen und mich überzeugt als einer, der dem Wahnsinn nahe ist und vom Reichtum geblendet und verführt. Und dabei hatte er doch bisher nicht viel mehr zu tun in der Trilogie als schön zu sein und dem wenig schmeichelnden Zwergen-Image zu spotten. Hier hat Richard Armitage mir gezeigt, dass er mehr kann als gut aussehen. Respekt!

Mein Fazit: Sehr viel eindrucksvoller als Teil 2, so gut wie der erste und trotz Überlänge und einiger überflüssiger Handlungsstränge (Tauriel und der Bürgermeistergehilfe Alfred Speichellecker (?)) kurzweilige Unterhaltung, für die man gerne mal einen Abend opfert.

P.S: Es sind doch die Adler! Das fünfte Heer.


Bewertung:
👍👍👍👍





Sonntag, 7. Dezember 2014

Amigurumi allerorten

Ein großes Hobby von mir ist das Häkeln, seit ich es mir vor ein paar Jahren nach vehementer Handarbeitsabstinenz von Nadeln und Wolle wieder selbst beigebracht habe. Der Auslöser dafür waren die aus Japan stammenden aufkommenden Häkelfiguren, die ihre Vorbilder in Manga-Comics und der Super Mario-Welt gefunden hatten. Zu süß waren die, um mich nicht selbst an ihnen zu versuchen.

Mittlerweile habe ich eine ganze kleine Welt voller Amigurumi-Püppchen, für die der Platz bald nicht mehr ausreicht, so dass ich sie hin und wieder auch gerne hergebe. Meinen Etsy-Shop "Tinnef" habe ich vorerst aufgelöst, aber falls jemand ein Maskottchen erwerben möchte, kann er sich gerne an mich wenden.


Tea, Sherlock?


Wenn ich heute an Zeitschriftenauslagen im Bahnhofskiosk vorbeischlendere, sehe ich mindestens drei knallig bunte Hefte mit dem Thema Amigurumi, und es erstaunt mich schon ein bisschen, dass der Boom anscheinend nicht abflaut. Einige dieser Hefte habe ich mir zugelegt, wobei mir das Niedliche an den Figuren inzwischen nicht mehr so sehr gefällt und ich auch eigene Entwürfe herstelle, die zwar im Gros der Anleitung des Rundhäkeln folgen, die aber nach Lust und Laune meinen Stempel aufgedrückt bekommen. Mit zusätzlicher Übung werden die Figuren immer individueller, und ich muss gestehen, ich mag meine Püppchen. Sie sind eigenwillig und entsprechen nicht immer dem Kindchen-Schema mit großen Augen und runden Köpfen wie ihre asiatischen Kollegen aus Nintendo und Comics. Wenn sie es dennoch tun, dann nur, weil ich zu bequem war, sie auf meine Art anzupassen.






Mein Amor, das letzte Werk, finde ich besonders entzückend. Die Anregung dazu habe ich aus einem Heft, mich dann aber entschlossen, ihn anders zu gestalten - nämlich so, wie ich mir einen kleinen frechen Cupido vorstelle. Die tragen keine Windelhöschen, um sich schamhaft zu bedecken und haben ausdrucksvolle und schelmische Kulleraugen statt seelenlose Knopfaugen.




Und weil ich an den Locken *ewig* dran gesessen bin, kommt hier noch einmal ein Foto, auf dem man die ganze Haarpracht und die Flügel sieht.




Ehrlich gesagt, ich war mir ein bisschen unsicher darüber, ob ich ihn mit einem "Zipfelchen" ausstatten sollte. Aber irgendwie schien es mir nach kurzer Überlegung richtig, wenn ich mich so in der Kunst und der menschlichen Anatomie umsehe. Kein Cupid oder Cherub macht einen Hehl aus seiner Geschlechtszugehörigkeit oder trägt einen Lendenschurz, und da mein Amor eindeutig ein Bub ist, sollte er seinen großen Brüdern in nichts nachstehen. (O; Außerdem passt er so besser zu meinen barbusigen Meerjungfrauen, die auch gern ein bisschen angeben und provozieren mit ihren körperlichen Reizen...



Wo ist das Wasser besser und nasser als unter dem Meer...?


Die schönsten und kindgerechtesten Amigurumis hat übrigens die sympathische Ana Paula Rimoli entworfen. Mit ihren Büchern hat mich erst richtig die Lust und Inspiration gepackt, eigene Figuren zu entwerfen. Zu jedem ihrer Amigurumis erzählt sie eine Geschichte und wie sie darauf gekommen ist, gerade dieses Tier oder Püppchen zu häkeln. Es sind nette und ansprechende Bücher, die trotz englischer Sprache auch für Anfänger (im Häkeln und der Sprache) leicht zu verstehen sind.



Montag, 1. Dezember 2014

Schon wieder Weihnachten!

Ich habe versucht, mich ein wenig in weihnachtliche Stimmung zu bringen. Gar nicht so leicht als Weihnachtsmuffel. Und ehrlich gesagt, geglückt ist es mir nicht wirklich. Vielleicht hätte ich mir doch "Last Christmas" kaufen sollen oder die unsagbar grottige neue deutsche Version von Band Aid. Konzessionen bei Weihnachtsliedern mache ich allerdings nur an Dean Martin, den "Little Drummer Boy" und an eine selbst zusammengestellte CD mit viktorianischen Klassikern.

Nein, ich weiß nicht, was das Gedudel und der Heckmeck in den Adventstagen bedeuten soll, und warum man das Fest der Liebe nicht entspannter feiern kann. Geschenke und Konsum, Glitzer und Kerzen und Lametta sind zwar nett anzusehen, aber wenn man es genauer überlegt, landet das Meiste spätestens nach Neujahr im Müll, weil man das zehnte Paar Socken nicht mehr sehen kann oder das Douglas-Parfüm die sexy betörende Muskatnote vermissen lässt. Von Herzen werden Geschenke doch eigentlich selten ausgesucht - Hauptsache, keiner in der Verwandtschaft und im Bekanntenkreis kommt zu kurz. Man könnte ja beleidigt sein oder für das kommende Jahr die Freundschaft aufkündigen.




Unser aufgehübschter Adventskranz


Seit einigen Jahren schenke ich nichts mehr zu Weihnachten, auch wenn ich teilweise meine Wohnung mit Lichterketten verziere und Adventskränze bastle. Nicht, weil ich mich dem Konsum verweigere oder der Geldbeutel zu klein ist (beides trifft zu, ist aber nicht der Hauptgrund), sondern weil ich finde, dass Geschenke, wenn sie denn gemacht werden, freiwillig und ohne Hintergedanken gemacht werden sollten. Wenn mir danach ist, verschenke ich auch mal ein Buch, Blumen oder eine DVD übers Jahr. Warum nicht? Sich mit einer Kleinigkeit für die Existenz seiner Lieben zu bedanken, hängt nicht von einer Jahreszeit oder einem kalendarischen Anlass ab.

Klar, für Kinder sind Advent und die Vorfreude auf Weihnachten und die Geschenke toll. Aber als Erwachsener ist man nicht vom Glitzerglanz, Konsum und geschmücktem Tannenbaum abhängig, um eine besinnliche Zeit zu erleben ( die - unter uns - den meisten Kindern und auch den Großen am A**** vorbei geht). Obwohl ich mich gelegentlich mit nostalgischer Verklärung an unsere früheren Familienfeiern erinnere, bei denen die meisten es kaum erwarten konnten, wieder nach Hause zu gehen, bin ich doch insgeheim froh, dass mir der Sinn von Weihnachten wichtiger ist als das Brimborium drum herum.

Na gut, ich gebe es zu: manchmal sehne ich mich nach dem Sauerbraten und den selbstgeschabten Spätzlen meiner Oma zurück, aber die Völlerei auf Kommando und das Ächzen und Beklagen von zusätzlichen Pfunden nach den Feiertragen  ist ebenfalls etwas, das mir unverständlich ist. Wahrscheinlich hat beides - Konsum und Besinnlichkeit - seine Vor- und Nachtteile. Ein gutes Mittelmaß zu finden wäre wünschenswert.



Der Rest vom Christmas Pudding. Lecker!


 

Mareike, falls du diesen Artikel liest: Heute wurde bewiesen, dass du das Christmas Pudding Rezept traditionell und fachgerecht verarbeitet hast und der Stolz eines jeden Briten sein kannst. Ich habe den Rest heute aufgewärmt und er war immer noch so köstlich wie letztes Jahr! Danke, denn er hat am meisten dazu beigetragen, dass bei mir doch noch ein wenig Weihnachtsfeeling  im herkömmlichen Sinn aufkam.





Mittwoch, 19. November 2014

Abschied ist ein scharfes Schwert...

... das wusste bereits Roger Whittaker, der Schmusebarde aus Südafrika, der seine deutschen Schlager phonetisch lernte. Aber wo er Recht hat, hat er Recht, denn nicht selten sind die Binsenweisheiten von Schlagern direkt aus dem Leben gegriffen.

Nicht nur persönliche Abschiede sind scharfe Schwerter. Manchmal ist es der Verzicht einer Gewohnheit, eines Rituals, die Veränderung einer Lebenssituation, die uns wehmütig aufseufzen und in nostalgischen Erinnerungen verharren lassen. Zum Glück ist der Mensch in der Regel flexibel und sucht sich nach einem solchen Einschnitt und Verlust nach dem Wundenlecken neue Freunde, Partner und Gewohnheiten, so dass der Abschied des Alten nach einer gewissen Zeit nicht mehr gar so schmerzhaft ist.

Schriftsteller sind da keine Ausnahmen. Obwohl ich das "Method Acting" unter Schauspielern eher lächerlich finde und keineswegs gesund oder lobenswert, könnte ich mich wohl unguten Gewissens als "Method Author" bezeichnen. Ich liebe meine erschaffenen Protagonisten, leide mit ihnen, wenn es ihnen schlecht geht, und freue mich, wenn sie glücklich sind und ihre Geschichte einen guten Verlauf nimmt, den sie verdient haben. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie mich beim Schreiben einer traurigen Szene ein Kloß im Hals würgt oder ich mich emotional kaum abschotten kann von dem, was in meinem Kopf und auf dem Rechner vor sich geht.

 Aber es ist nicht nur das. Jeder Schriftsteller sollte sich schließlich in seine Charaktere hineinversetzen können bzw. mit ihnen sympathisieren, oder sie zumindest einigermaßen verstehen.

Bei mir ist es so, dass mir mitunter meine Figuren derart ans Herz wachsen, dass ich die Geschichte (von der ich weiß, dass es keine Fortsetzung geben wird) ein wenig hinauszögere, um dasselbe mit dem unausweichlichen Abschied zu tun. Ich kann mich erinnern, dass mir die Protagonisten vom "Bildnis des Grafen" die Trennung ganz und gar nicht leicht gemacht haben. Wenn man sich über zwei Jahre mit einer Sache so intensiv befasst, fehlt einem plötzlich etwas, das mit Worten kaum zu beschreiben ist.

Ist es nicht dennoch ein bisschen albern, um fiktive Charaktere zu trauern, weil mit dem letzten Kapitel ihre Geschichte erzählt ist? Vielleicht. Und trotzdem hat man so viel erlebt mit seinen Figuren, hat sie durch schwere Zeiten geschickt, und nicht immer gab es für alle ein Happy End. Wer kann es einem Autor verübeln, seine *Geschöpfe* zu vermissen und eine heimliche Träne zu vergießen, wenn schon Millionen Zuschauer von Jack und Rose derart gerührt waren, dass sie mit rotgeweinten Augen aus dem Kino strömten?




Je länger ich mich mit etwas beschäftige, desto schärfer ist das Schwert, wenn der Abschied naht. Dieses Phänomen kennt sicherlich jeder aus Erfahrung, doch für einen Autor, der Welten erschafft, die von Personen bevölkert werden, die ebenfalls von ihm mit Eigenschaften und Biografien ausgestattet werden, ist es fast noch schwerer, Liebgewonnenes loszulassen. Natürlich freut man sich auf den fertigen Roman, ist happy, wenn man das eigene Werk in Händen hält. Meist überwiegt auch die Freude daran und lässt einen vergessen, wie schwer der Abschied nach dem Schluss-Satz fiel. Immerhin kann man seine Figuren ja immer wieder besuchen, indem man das Buch aufschlägt (merkwürdigerweise ist das bei mir eher selten der Fall).

Und früher oder später laufen einem neue Gesichter über den Weg respektive in den Kopf. Neue Ideen und neue interessante Figuren, die etwas erzählen, sich zum Leben zwischen den Seiten erwecken lassen möchten. Und später ein erneuter Abschied.



Sonntag, 9. November 2014

Fazit Leserunde und Rezension "Haus der Geister" / This House is Haunted von John Boyne

Selten habe ich mich bei einer Leserunde so rege beteiligt wie an dieser, und zugleich so viel Frust mit dem Buch gehabt. Insofern muss John Boyne doch etwas richtig gemacht haben, denn wenn ein Roman für kontroverse Diskussionen sorgt, kann er so schlecht nicht sein, zumal sich der Großteil der Teilnehmer - wenn schon nicht gegruselt - dann doch gut unterhalten hat.




Mit gutem Willen und in schauriger Erwartung habe ich angefangen, um schon nach wenigen Kapiteln festzustellen, dass mich die Geschichte aufgrund ihrer Unoriginalität und Vorhersehbarkeit nicht fesseln konnte. Das war sehr schade, denn ich finde, dass John Boyne originell schreibt und für mich auch ein Autor ist, der es wagt, auf gute Art Regeln zu brechen. Die wenigen, die er in seiner "Schauergeschichte" gebrochen hat, sind m. M. nach ordentlich misslungen und der Schuss nach hinten losgegangen.

Was seine Ich-Erzählerin Eliza Caine (Insider-Referenz an Hugh Craine, den Schlossbesitzer aus "Bis das Blut gefriert") im Jahre 1867 in London und Norfolk als Gouvernante zweier zunächst offenbar elternloser Kinder erlebt, habe ich in den diversen Filmen besser umgesetzt gesehen, von denen sich Boyne "inspirieren" ließ. Miss Giddens, Miles und Flora lassen grüßen.

Seine gruseligen Elemente (oder die, die es sein sollen) wirken plakativ und Hollywood-mäßig effekthascherisch, und sind nicht selten unfreiwillig komisch. Etwa die Hände, die Eliza herumwirbeln, sie des nachts unter die Bettdecke zerren und natürlich der von den  Baskervilles ausgeliehene geifernde schwarze Hund am Strand von Great Yarmouth, der es auf sie abgesehen hat.

Atmosphärisch und mitunter witzig geschrieben ist das Buch immerhin, doch mir reicht das nicht, wenn ich eine spannende und Gänsehaut erzeugende Story lesen will und auf Grusel eingestellt bin. Und dabei ist doch auf der Rückseite des Buches von "unexpected twists" die Rede, auf die ich so sehnlichst gewartet habe. Überraschungen? Knifflige Rätsel? Pustekuchen. Alles nach Plan und wie erwartet. Unwichtige Details wie geisterhaft erscheinende Kinder auf dem Friedhof werden dabei so aufgeblasen, dass man meint, man müsse sie für eine spätere Auflösung im Hinterkopf behalten, doch sie versanden im Nichts und lassen mich als Leser mit einem Gefühl der Vera****e zurück.

Ein recht großer Fauxpas waren einige heikle, sensible und populistische Themen, die in einer klassisch altmodischen  Schauergeschichte einfach nichts verloren haben, wie ich finde. Regelbruch hin oder her. Ich hätte einem renommierten Schriftsteller zugetraut, auf weniger billige Plot-Devices zurückgreifen zu müssen.

Die Charaktere blieben ohne Tiefe, und es war mir nicht möglich, zu irgend jemanden in der Geschichte eine Verbindung herzustellen oder etwas zu empfinden, außer Mitleid für den Geist und den dahinvegetierenden Gatten in der Geheimkammer. Das Ende - angeblich ein Feuerwerk an Originalität - mag für Neueinsteiger in das Genre gewaltig sein, ich fand es eher klischeebeladen.

Besonders - Achtung Spoiler! - die Tatsache, dass Satina ihren Mann nur deshalb beim Schürhaken-Attentat verschont hat, um in der Zwischenwelt bleiben zu können und den Gouvernanten eins auszuwischen, war zwar originell, aber fast *zu* haarsträubend. Welcher Mensch sieht schon voraus, in welcher Welt er nach dem Tod landen wird und welche Fähigkeiten er dann hat? Oder ob er überhaupt dort ankommt? Vielleicht aber war Santina überhaupt nie ein Mensch, sondern eine Kreatur der Untoten, die zufällig einen Engländer geheiratet hat?

Das Positive am Buch waren Kapitel 13, bei dem mir tatsächlich ein Schauer über die Arme lief, und die Leserunde. Ich mochte sie sehr, denn trotz verschiedener Meinungen hatten alle viel Spaß und waren mit Eifer bei der Sache; etwas, das gerade bei Online-Veranstaltungen nicht selbstverständlich ist. Am liebsten würde ich mit denselben Leuten noch einmal eine Buchbesprechung starten - eine, in der ich mit nicht ständig als Spaßbremse outen müsste, die mit ihren Vermutungen die gesamte Handlung verrät.

Bewertung:
 
👍👍 und ein halber dazu 👍





Dienstag, 4. November 2014

The Flight of The Phoenix ~ Der Flug des Phoenix (1965)

Als Eigentum der Tochter eines Ex-Segelfliegers und Modellbauers hat dieser Film jeden Aussortierungsrappel überlebt, der mich zuweilen bezüglich meiner DVD-Sammlung befällt. Neulich habe ich ihn wieder zum gefühlten hundertsten Mal angeschaut und festgestellt, dass er einfach nicht langweilig wird. Viel sagen muss man zu "Der Flug des Phoenix" eigentlich nicht, außer dass man das schwache Remake von 2004 tunlichst vermeiden sollte.^^




Im Original von 1965 gibt sich jeder die Klinke in die Hand, der damals Rang und Namen hatte in Hollywood, angeführt von einem großartig knurrigen James Stuart aka Captn. Frank Towns, der im Privatleben tatsächlich den Pilotenschein besaß. Eine wahnsinnstolle und oscarreife Vorstellung liefert Hardy Krüger ab, der den Deutschen Heinrich Dorfmann mit erstaunlich akzentfreiem Englisch verkörpert und sich auch nicht zu schade war, die eine oder andere "Nazi-Spitze" des Drehbuchs stoisch zu ertragen - nur nicht den Spott darüber, dass er "Spielzeugflugzeuge" konstruiert.

Inhalt: Schon lange ein Klassiker, erzählt "Der Flug des Phoenix" die Geschichte einer Gruppe unterschiedlichster Männer, die unvermutet mitten in der Sahara strandet und in einem Zeitalter ohne Smartphone scheinbar dem sicheren Tod geweiht ist. Captn Towns, ein verantwortungsvoller und aufrichtiger Pilot, kommt nur schwer über den Verlust der Leben hinweg, die der Absturz fordert, und auch für die Verletzten und weiteren Opfer der Wüste fühlt er sich verantwortlich. Doch es geht darum, so lange wie möglich zu überleben und auf Hilfe zu hoffen. Anfangs sind sich alle Männer nicht wirklich grün und auf ihren eigenen Vorteil bedacht, aber im Lauf des Films erfahren sie trotz Meinungsverschiedenheiten Solidarität durch das gemeinsame Ziel, ihrem Schicksal zu entrinnen.

Der Konstrukteur Dorfmann weist sie an, das Flugzeug auseinanderzubauen und zu einem leichteren, flugfähigen Modell umzugestalten. Er erwähnt jedoch nicht, dass er Designer von Modellflugzeugen ist und keine Ahnung von "wirklichen" Flugzeugen hat. Keiner fragt ihn schließlich danach, und jeder tut das, was er anordnet, mehr oder weniger widerwillig. Ein Sympathieträger ist der besserwisserische Dorfmann in der Nachkriegszeit nämlich ganz und gar nicht.

Viel Dialog gibt es nicht im Film, auch keine Liebesgeschichte, keine Erotik und keine Actionszenen, und dennoch ist er etwas Besonderes mit seinen vielschichtigen, eigenwilligen Charakteren und den Landschaftsaufnahmen der Wüste. Etwas so Besonderes, dass man unweigerlich in die Hände klatschen und mitjubeln möchte, wenn Captn Towns im engen Cockpit des "Phoenix" Platz nimmt und die Patronen zündet, die das umgestaltete Flugzeug nach einer kurzweiligen Überlänge von zwei Stunden zum Abheben bringen und die um ihn herumstehenden Männer johlen und vor Erleichterung fast in Ohnmacht fallen.




Fazit: Von den Bildern und der Musik erinnert "Der Flug des Phoenix" ein bisschen an den anderen monumentalen Wüstenklassiker "Lawrence von Arabien", doch das ist kein Manko, zumal die Geschichte eine völlig andere ist. Eine sehenswerte, auf jeden Fall. Packend, dramatisch, psychologisch und charmant zeitgemäß. Und er zeigt, dass Vorurteile falsch sind, Individualismus belohnt wird und Unmögliches möglich ist, wenn man nur daran glaubt.

Ein Spitzenfilm mit überzeugenden Darstellern und atemberaubenden Szenen. Nicht nur für Modellbauer eine Empfehlung.

Bewertung:

👍👍👍👍👍