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Donnerstag, 16. Februar 2017

Review "Die Königin und der Leibarzt" (A Royal Affair)

In Dänemark gehört die tragische Affäre zwischen Königin Caroline Mathilde (1751-1775) und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) zum Kulturgut. Hierzulande wurde sie immerhin anno 1955 unter dem Titel "Herrscher ohne Krone" verfilmt.

Die Geschichte zur neuen Version von 2012 klingt klischeebeladen und wie aus einem Groschenroman, und man mag kaum glauben, dass sie sich höchstwahrscheinlich exakt so abgespielt hat, wie es im Film dargestellt wird. Trotzdem gehört er zu meinen momentanen Lieblingsfilmen. Die atmosphärische Ausstattung, die tollen Schauspieler und vor allem ein überragender und sexy  Mads Mikkelsen in der Rolle von Johann Struensee sorgen dafür, dass ich als Zuschauer die damalige Zeit miterlebe und mittendrin bin. Vielleicht liegt der Charme des Films auch an der emotionalen Kraft der Bilder, von denen jedes wirkt wie ein Gemälde.

Handlung: Dänemark, 1769. Die aus England stammende Caroline von Hannover (Alicia Vikander) wird mit dem dänischen Prinzen Christian VII. (Klasse: Mikkel Boe Følsgaard) verheiratet. Die Ehe ist nicht glücklich, denn Christian stellt lieber vollbusigen, ordinären Animierdamen nach und ist auch ansonsten wenig zartfühlend. Da er obendrein von oft vulgärer und kindischer Natur ist, bescheinigen ihm der Hof und seine Stiefmutter Juliane ein umnachtetes Gemüt. Während einer Reise durch Europa lernt Christian den deutschen Arzt Struensee kennen, der anonyme Pamphlete gegen Adel und Kirche verfasst und ein Anhänger Voltaires ist. Da Struensee ihn ernstnimmt, fühlt sich Christian erstmals im Leben verstanden. Sofort entwickelt er große Zuneigung zu dem nicht nur in medizinischen Belangen progressiven Struensee. Er ernennt ihn zu seinem Leibarzt und lässt ihn später sogar die Regierungsgeschäfte übernehmen - sehr zum Verdruss des hofstaatlichen Rates.

"Don't touch the paper! It's poisoned."

Doch nicht nur die Geschäfte vertraut er ihm an - er soll seine lethargische Ehefrau von ihrer Melancholie heilen und sie "lustig machen". Das gelingt Struensee schneller als der Aufstieg zum König von Preußen. In den Nächten teilen Caroline und Johann das königliche Bett miteinander, bei Tag bestimmen Christian und Johann neue Gesetze und Dekrete zum Wohl des Volkes. Adel und Klerus kochen vor Wut.

Als die Affäre durch eine innige verräterische Geste während eines Spaziergangs durch den Park von Stiefmama Juliane entdeckt wird, sieht der Adel seine Chance gekommen, den Spieß umzudrehen, das Land vor ketzerischer Aufklärung zu bewahren und die alten Zustände wiederherzustellen.

Dieses Ziel verfolgen sie mit Härte und schweren Konsequenzen für die königliche Familie und Struensee. Mit einer Lüge schüchtern die ehemaligen Ratsherren und Grafen den König ein und zwingen ihn dazu, Struensee verhaften zu lassen. Ohne sein Wissen und mit der Hoffnung auf Begnadigung wird dieser gemeinsam mit einem Freund im Frühling des Jahres 1772 einen Kopf kürzer gemacht. Am Ende versinkt Dänemark wieder ins finstere Mittelalter und Christian VII. in völlige Umnachtung. Die nach Celle verbannte Caroline stirbt an Scharlach. Ihre beiden Kinder von zwei Vätern sieht sie nie mehr wieder. Doch ihr Sohn führt Jahre später Struensees angefangenes Werk fort und verhilft seinem Land zu Gleichberechtigung und Freiheit.

Meinung: Wo Mads Mikkelsen mitmischt, kann ich nicht unparteiisch sein. (O; Als Schauspieler und Typ finde ich ihn einfach unwiderstehlich! Die Rolle des Dr. Struensee - verständnisvoll, charismatisch, sinnlich, ambivalent, analytischer Beobachter und ermutigender Berater  - passt ihm wie maßgeschneidert. Außerdem hat er mich bisher noch nie enttäuscht in irgendeinem Film. Und ich merke, dass ich doch ein olles Fangirl bin...

Auch der junge Mikkel Boe Følsgaard  - preisgekrönt für Christian VII., mit dem er sein Filmdebut gab - beeindruckt in jeder Szene, sei er unflätig, frivol, unsicher oder kindlich eifersüchtig auf jeden, der Struensee zu nahe kommt.

Fazit: Obwohl eindeutig als Kostümfilm konzipiert, wirkt der Film an keiner Stelle angestaubt, manchmal sogar verblüffend aktuell. Wer sich zudem gern von einem grandiosen Mads Mikkelsen und schönen Bildern vom historischen Dresden und Kopenhagen verzaubern lassen und einen Blick in die Geschichte werfen möchte, dem sei "Die Königin und der Leibarzt" aufs Wärmste empfohlen.


Bewertung: volle Punktzahl



  






Bildquelle: Amazon

Mittwoch, 1. Februar 2017

Literarische Identifikationsfigur - ja oder nein?

Neulich fand ich auf Facebook einen Beitrag, der mich nachdenklich gemacht hat. Die Autorenkollegin Moa Graven schrieb, dass sie keine besonders gute Rezension für einen Krimi erhalten hat, weil ihre Romane "unvorhersehbare Wendungen" hätten, mit denen der Rezensent nichts anfangen konnte bzw. sich davon überrumpelt fühlte, da die Handlung nicht in sein Denkschema passte. Ich fand das sehr schade und konnte Moa (die erfolgreich Ostfrieslandkrimis veröffentlicht) gut nachempfinden in ihrer Traurigkeit, eine schlechte Kritik für Originalität erhalten zu haben. Und mir stellte sich die Frage: Braucht ein Roman Vorhersehbarkeit und vor allem: muss sich der Leser / die Leserin mit den Protagonisten identifizieren können, damit Handlung und Figuren nachvollziehbar werden?

Klar, als Kinder wollten wir alle wie Pippi Langstrumpf sein. Ich zumindest. Das lag vor allem am kleinen Onkel und Herr Nilson, mit denen sie ihre Villa Kunterbunt geteilt hat. Viel weniger daran, wie sie war, auch wenn ich das toll fand. Manchmal aber schon ein bisschen nervtötend mit ihrer altklugen Art. Jedenfalls war sie keine Identifikationsfigur wie heute zum Beispiel für viele LeserInnen Claire Randall aus Dianas Gabaldons Highlandsaga. Claire sieht toll aus, findet sich selbst aber unansehnlich, sie ist tough und schlagfertig und trotzdem weich wie Wachs in den Händen ihres geliebten Jamie. Identifiziert sich frau deshalb so sehr mit ihr? Sind viele Frauenromane nach Schema F gestrickt, weil die Autorinnen genau wissen, wie man die Gefühlswelt einer Leserin kitzelt, die nur allzu gerne ihren Alltag mit Fantasiewelten würzt, in die sie Romane wie die von Frau Gabaldon oder "Shades of Grey" entführen? Ich bin skeptisch, denn das wäre doch - unter uns - ziemlich oberflächlich.

sof_sof_0000 / Pixabay

Als Autor hat man es nicht leicht. Einerseits sollen Charaktere und Handlung für den Leser nicht fremd sein, andererseits erwartet man eine erfrischende Geschichte, die nicht bereits vorher in zig Variationen auf den Markt kam. Oder etwa nicht? Auch hier macht sich Skepsis breit, wenn ich an die vielen Nachfolger von Harry Potter und Shades of Grey denke. Wahrscheinlich muss die Frage jeder Autor und jeder Leser für sich selbst beantworten.

Was mich betrifft, so schätze ich noch nie dagewesene Ideen sowohl plot- als auch figurentechnisch. Eine literarische Identifikation brauche ich nicht. Im Gegenteil. Das liegt nicht nur daran, dass in meinen eigenen Romanen kaum Frauen eine größere Rolle spielen (die keine bis wenig autobiografische Züge aufweisen) oder ich generell zufrieden bin mit dem, was und wie ich bin. 

Es gefällt mir, Charaktere kennenzulernen, die ganz anders handeln, als ich es getan hätte. Die mir gar nicht ähnlich sind und gerade deswegen trotzdem sympathisch und liebenswert. Oder aufgrund ihrer Erfahrungen durchtrieben. Vielleicht an sich zweifeln. Die mich überraschen. Genau wie die Handlung mich überraschen darf. Wenn ich vorhersagen kann, wie der Roman endet, warum sollte ich ihn dann mit Feuereifer lesen? Schließlich möchte ich Neues erfahren, andere Sichtweisen ergründen. Und im besten Fall sogar daraus lernen. Aber vor allem will ich gut unterhalten und inspiriert werden. Und das werde ich durch neue Impulse.

Wie seht ihr das? Lest ihr lieber "Altbewährtes" mit einer Figur, die euch ähnelt oder betretet ihr auch gern mal unerforschte Pfade? Ich würde mich sehr über eure Meinung im Kommentarbereich oder auf meiner Fanpage freuen.