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Samstag, 22. August 2015

Sherlock Holmes meets the Hobbit...

... und sie gehen zusammen auf Reisen. Nein, nicht nach Mittelerde oder Baker Street in London, sondern nach Portugal und Spanien, wo der weltgewandte Bilbo dafür sorgen wird, dass Sherlock sich keinen Sonnenbrand der empfindlichen britisch-blassen Alabasterhaut einfängt und ihm die Drehorte von Game of Thrones zeigen wird.





Ein Sherlock- und Game of Thrones-Fan, den ich via Facebook kennengelernt habe, macht dort mit den beiden Urlaub, und besonders der abenteuerlustige Bilbo brennt darauf, seine Riesenfüße plattzulaufen. Vielleicht kann er Sherlock hin und wieder ein bisschen tragen und trösten, wenn den Ermüdungserscheinungen oder Heimweh plagen. Momentan wartet Sherlock ganz relaxt im Norden Deutschlands auf seinen Reisegefährten Herr Beutlin, der am Montag zu seinem Abenteuer aufbrechen wird, ehe es dann Anfang September ab in südliche Gefilde geht.




Ich finde die Idee richtig klasse und bin gespannt auf die Urlaubsfotos!

Übrigens: wer selbst einen kleinen Sherlock oder Hobbit als Maskottchen sein eigen nennen will, darf sich gerne an mich wenden. Auch wenn mich Bilbo - der ein Prototyp war, also mein erster Versuch - zuweilen mit seinem wilden Schopf zur Verzweiflung getrieben hat, weiß ich jetzt, wie's geht. Natürlich werden alle Figuren ein bisschen unterschiedlich, aber deswegen heißt es ja Handarbeit. Sherlock und Bilbo sind ca. dreißig Zentimeter groß, ihr Innenleben besteht aus waschbarer Füllwatte, und sie sind beide anschmiegsame Kuschler.


Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

 

ArtTower / Pixabay


Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht. 

 

linsayascott / Pixabay


Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Mittwoch, 15. Januar 2014

Rezension "The Sign of Four"


"The Sign of Four" ist nach "A Study in Scarlet" der zweite Fall des viktorianischen Meisterdetektivs und seines Adlatus Dr. John Watson. Ich habe den Roman in der abgebildeten Ausgabe zum Weihnachtswichteln auf dem Büchertreff erhalten und ihn Anfang Januar - passend zur Ausstrahlung der adäquaten Episode der Serie - im Rahmen einer Online-Minileserunde gelesen.

Handlung: Die junge Mary Morstan sucht Sherlock Holmes mit einem mysteriösen Anliegen auf: Jedes Jahr zum vierten Mai erhält sie per Post eine wertvolle Perle von einem anonymen Absender, der nun auf ein persönliches Treffen in Begleitung zweier Freunde drängt. Auch zeigt sie Holmes ein Dokument, unterzeichnet mit dem "Zeichen der Vier", das sie in den Unterlagen ihres verstorbenen Vaters Captain Morstan gefunden hat. Holmes und Watson nehmen sich des Falles an und stoßen dabei auf Familienunstimmigkeiten, einen indischen Schatz, skurrile Typen und kleine gemeine Ureinwohner Südamerikas, die mit Giftpfeilen um sich schießen. In den seltenen Atempausen, die einem die Geschichte lässt, entdeckt Dr. John Watson seine romantische Seite und verliebt sich in die Klientin.

Als Holmes und Watson endlich der Lösung des Rätsels näherkommen, erleben sie eine Enttäuschung für alle Beteiligten, die sich am Ende als Glück für das frisch verliebte Paar herausstellt...

Meinung: Es ist offensichtlich, dass Arthur Conan Doyle sich bei "The Sign of Four" noch sehr stark an seinem Erstling orientiert hat. Das Geständnis des holzbeinigen Jonathan Small - einer der Vier - erinnert jeden aufmerksamen Leser unversehens an das des rachsüchtigen, aber tragischen Jefferson Hope. Auch Small reist um die ganze Welt, um zu seinem Recht zu kommen. Er ruht nicht eher, als bis er mit eigenen Augen gesehen hat, wie sein eidesbrüchiger Partner Major Sholto in die Grube fährt.

Amüsant waren für mich wieder einmal die kleinen Referenzen zur aktuellen Serie ("Agra" und der junge Wiggins), die das Lesevergnügen für jeden Fan noch steigern. Erstaunt bin ich auch bei jeder noch so kurzen oder langen Holmes-Geschichte, mit wie viel Details und forensischem, kriminalistischem und allgemeinem Wissen Doyle seine Protagonisten ausstattet. Dabei kommt jedoch nie das Persönliche oder die beinahe poetischen Beschreibungen des viktorianischen Londons oder anderer Orte zu kurz. Ein bisschen gruselig wird es hin und wieder ebenfalls.

Etwas grenzwertig, aber Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht so verwerflich wie heute, erscheint mir Holmes' Neigung, sich mit Kokain zuzudröhnen, sobald ihn die Langeweile zu übermannen droht, was am Anfang und auch am Schluss der Geschichte der Fall ist. Nicht einmal die Mahnung und fachkundige Prophezeiung seines besorgten Freundes können ihn davon abhalten.

Fazit und Bewertung: Zeitlos spannend, unterhaltsam und ein Ende, mit dem ich ganz ehrlich nicht gerechnet habe! Sicher dauert es nicht lange, bis ich zu meinem nächsten Holmes-Abenteuer greife.



👍👍👍👍



Montag, 6. Januar 2014

Sherlock "The Sign of Three" ~ "Das Zeichen der Drei", zweite Folge der dritten Staffel (Spoiler)

Na gut, an die etwas "familiäre" Qualität der Serie und den diesmal um Nuancen gedämpfteren Fanservice habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Will sagen, es stört mich nicht so sehr, dass der Kriminal-Fall (diesmal ging es so ganz nebenbei um John Watsons ehemaligen Vorgesetzen Major Sholto) im Gewirr von Hochzeit, emotionaler Trauzeugenrede und rasanten Kameraschnitten und technischen Sperenzchen fast unterging. Statt auf das zu achten, was mir nicht so gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, die positiven Aspekte der Folge hervorzuheben, und von denen gab es erstaunlicherweise doch einige.

Die Szene, in der Sherlock die Hochzeitsgäste durch seinen erst peinlich-cringeworthy Toast auf John (und Mary *ach ja, die gibt es auch noch* Morstan) zu Tränen rührt, war einer davon. Ich war wider Willen ebenfalls beeindruckt und hätte Sherlock wie John am liebsten in den Arm genommen, als er sich so verunsichert an seinen Freund wendet, nachdem er doch so viel Anstrengung in die Rede gesteckt und sich akribisch auf den Tag und jedes Detail daran vorbereitet hat, von der bestochenen Umarmung eines altklugen Kindes bis zum Pirourettendrehen! Putzig!




Außerdem fand ich es irgendwie nett, wie in (manchmal etwas hektischen) Rückblenden von Fällen erzählt wurde, die Sherlock und John mehr oder weniger gelöst haben, und dass sie oft so skurril anmuteten (Abendessen mit einem Geist, Verfolgungsjagd eines Zwergwüchsigen, Elefant im Zimmer = Wortspiel).

Die Menschlichkeit, die Sherlock in der dritten Staffel zeigt, wird ihm ja von einigen Fans angekreidet, aber ich finde, er ist sich den Umständen entsprechend treu geblieben. Wer würde denn nicht ein bisschen schwach werden, wenn man fürchten muss, dass der beste Freund einem durch Heirat entgleitet? Gerade für den ansonsten wenig sozialen Sherlock wäre das wohl ein herber Verlust. Apropos: Wie er sich noch einmal in einem Nebensatz bei John für dessen Verlust (Sherlocks Verschwinden) entschuldigt hat, war trotz der damit demonstrierten Überheblichkeit niedlich.

Mein Höhepunkt war aber der Junggesellen-Abschied, für den sich Sherlock ebenfalls mächtig ins Zeug gelegt hat. Erst einmal bringt er eigene "Gläser" mit geringerem Fassungsvermögen mit (den Witz dabei habe ich nicht recht verstanden. Sollte er auf Sherlocks penible Art hinweisen?), und dann betrinkt er sich hemmungslos mit John auf einer *mörderischen* Kneipentour. Großartig, wie das gespielt war von beiden. Hier fand ich auch die Verdeutlichung der beeinträchtigten Gehirnaktivität zum Brüllen, als sie zu einem Fall gerufen werden ("Egg?? Chair??? Sitty thing????") und Johns Erklärung "He's clueing for looks", während Sherlock mit der Lupe vor der Nase fast auf dem Teppich einschläft und schließlich zusammensackt.

Die etwas täppische Komponente an Sherlock gefällt mir sehr gut, auch wenn ich mich anfangs gefragt habe, woher er Madonna kennt, die er Watson beim "Wer bin ich?" auf die Stirn gepappt hat. Keine Ahnung vom Sonnensystem, aber Popmusik hören... das passt nicht so recht zusammen, oder? (Okay, hier ist die Lösung: "I don't know who you are, I just picked a name from the papers...")

Und jetzt kommt's: der Mega-Spoiler und eine gewagte Theorie dazu: Ich glaube nicht, dass das Baby, das Mary erwartet, von John ist. Wie ich darauf komme? Sherlock hat Mary in der ersten Episode als Lügnerin entlarvt, und zudem liest er einen Glückwunsch auf der Hochzeitsfeier vor, der ziemlich rätselhaft ist und mit "CAM" unterzeichnet wurde. Versierte Fans ahnen, dass sich dahinter die Initialen für Charles Augustus Magnussen verbergen, der in der nächsten Folge einen oberfiesen und grausigen Auftritt haben wird. Und der sieht wirklich finster aus. Nichts mehr mit Slapstick und Johnlock und Babies. Es sei denn, Mary stirbt, und John und Sherlock müssen Baby Hamish als gleichgeschlechtliches Ehepaar erziehen. Das wäre aber wieder zu sehr Fan-Service...

Physisch und schauspielerisch ist Benny in dieser Folge in Höchstform, und ah... ich kann es mir nicht verkneifen: der Mann sieht einfach klasse und so elegant aus! Im Fazit schneidet diese Folge bei mir besser ab als "The Empty Hearse."


Gif: Tumblr




Donnerstag, 2. Januar 2014

Sherlock "The Empty Hearse" ~ "Der leere Sarg": Fan-Service hoch 3 (Spoiler-Alarm!)

Ich mach's kurz und werde mal wieder meinem Ruf als Spaßbremse gerecht: Das, was BBC One am Neujahrstag um 21:00 Uhr Ortszeit gezeigt hat, war nicht das, auf das ich über ein Jahr gewartet habe. Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, einen funktionierenden Livestream zum britischen TV-Programm zu finden (habe Tumblr unterschätzt), und war dann freudig überrascht, doch zu den Auserwählten in diesem Land zu zählen, die "The Empty Hearse" schon vor der deutschen Ausstrahlung sehen durften.

Den Anfang hatte ich dank schlechter Verbindung nur bruchstückhaft auf dem Bildschirm und habe ihn erst für einen Armani- oder Hugo Boss-Parfüm-Werbespot gehalten.


Ja, okay, es stimmt. Ein bisschen neidisch war ich auch, als mir klar wurde, dass nur einer so wilde und zugleich gepflegte Locken haben kann... der sonst so kühle Sherlock küsst Molly! Zwar nur hypothetisch, aber es war der erste *Fan-Wank* für die "Sherlollys" (Himmel, das ganze Fangirlish klingt wie eine eigene Sprache!), derer es merkwürdigerweise nicht wenige gibt.

Munter weiter ging's im Fan-Vera***en, und das völlig ungeniert (ich sage nur "Moriarty auf dem Dach" - WTF?!).

Ich will mich wirklich nicht als humorlos outen oder den Leuten den Spaß an der Folge verderben, die super ankam. Aber ich fand es schon ein bisschen erstaunlich, dass niemand die plumpe Fanparodie kritisch betrachtet. Es ist Unterhaltung, klar, und trotzdem. Euphorische Internetausrufe wie "Guys, we are Anderson!" wären für mich wenig schmeichelhaft, denn er scheint mit seiner fanatischen Überzeugung über Sherlocks Überleben, dem hysterischen Gebaren und vor lauter "Sherlolly-Shippen" nicht nur seinen Job bei Scotland Yard, sondern auch den Verstand verloren zu haben.

Intelligentes Fernsehen sieht in meinen Augen anders aus. Wie schön war es, als Sherlock noch arrogant, aber auch erfrischend naiv sein durfte und sich einen Dreck darum geschert hat, was andere über ihn denken. Moffat und Gatiss ist das offenbar nicht egal, darum werden tausende Klischees aus Fanfiction und Forumsdiskussionen bedient, die dort ihren berechtigten Platz haben, aber - wie ich meine - nicht in die Serie gehören. Denselben Fehler habe ich schon bei "House MD" festgestellt. Es täte mir leid, wenn "Sherlock" auf ähnliches Niveau absinkt. Dann könnte man im Prinzip gleich uns Fangirls bitten, die Drehbücher zu schreiben.

Zur wirren Handlung kann ich nicht viel erzählen und will auch nicht zu viel verraten. Bild- und Tonqualität meines Links waren nicht überragend, und manchmal merke ich halt doch, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ein paar Dinge, die offenbar wichtig waren, sind mir total entgangen, wie z.B. der tiefere Sinn des Bombenattentats im U-Bahn-Waggon aka Leichenwagen, das in letzter Minute verhindert wurde, als John Watson Sherlock in seinen Mind Palace scheucht, bei dem eigentlich keine Zuschauer erwünscht sind (das ist wohl auch der Grund, warum es so lange dauert, bis Sherlock den Ausschaltknopf für die Zündung gefunden hat).

Zu Watsons und Holmes' erster Begegnung nach über zwei Jahren: Die Wiedervereinigung hatte ich mir anders und weniger brutal vorgestellt. Ich verstehe, dass sich echte Kerle nicht weinend in den Armen liegen können und Sherlock auch viel zu verlegen wäre, um Gefühle einzugestehen - und dass John als Ex-Soldat seine Zuneigung wohl auf unkonventionelle Art ausdrückt. Aber ständig Haue, musste das sein? Immerhin hat Sherlock ja vorgehabt, zurückzukommen - und er fragt ihn sogar im Angesicht der drohenden Explosion, ob er ihn heiraten möchte anstatt Mary (*GNAH*! - da hüpft das "Johnlock"-Herz!). Gut, dass die wenigstens vermittelnd einspringt, weil sie Sherlocks sprödem Charme erliegt. Wenn ihr das in der nächsten Folge bloß nicht zum Verhängnis wird. Denn wie sagt Sherlock so vorausschauend zu John: "Be careful what you wish for."

Wenn wir schon dabei sind: ich hätte mir eine Episode gewünscht, in der die Figuren mehr auf den Charakteren von Sir Arthur basieren und der Interpretation der Macher als auf den Hirngespinsten der Fans.

Eine Idee allerdings gab es, die meinen uneingeschränkten Beifall fand: das Cameo von Mr. und Mrs. Cumberbatch - ihres Zeichens ebenfalls Schauspieler - als Sherlocks Eltern. Das war wirklich originell und brachte neben Amanda Abbington (Martin Freemans RL-Partnerin) auch für Benny einen Hauch familiärer Atmosphäre ins Spiel.

Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass ich es jetzt doch nicht so kurz gemacht habe wie geplant und dass ich hoffe, keinen Fan vor den Kopf gestoßen zu haben. "Sherlock" ist immer noch meine Lieblingsserie, und das wird auch so bleiben. Sicher wird die nächste Folge am Sonntag spannender und kehrt zur gewohnten Qualität zurück. Ich betrachte "The Empty Hearse" einfach als ein augenzwinkerndes Geschenk der Drehbuchautoren an allzu verrückte Fans, die vor Verzückung ob der visuellen Realisierung ihrer Sherlock-Fantasien die Höschen feucht gemacht haben. Und gut is'.


Gif: Tumblr.



Freitag, 27. Dezember 2013

Sherlock returns!

ENDLICH! Nach zweijähriger Durststrecke für die Fans der BBC-Serie kehrt Sherlock am Neujahrstag auf den (britischen) Bildschirm zurück! Einen Auftakt und Vorgeschmack auf die dritte Staffel gab es bereits am 24. Dezember mit der Mini-Episode "Many happy Returns", über die ich ehrlich gesagt nicht so glücklich war. Es kommt mir eigenartig vor, dass Sherlock John Watson über eine Videobotschaft "aus der Gruft" seine Rückkehr ankündigt. Ich meine, wo bleibt denn da der große Überraschungsmoment für den trauernden John? Auf der Strecke doch.

 


Aber vielleicht kann man die erste Folge auch ohne das im Hinterkopf genießen. Erlesene Testzuschauer haben jedenfalls einhellig befunden, dass man das unerwartete Wiedersehen zwischen Arzt und Detektiv nicht besser hätte machen können. Bin sehr gespannt - vor allem, wie Sherlock John seinen angeblichen Abgang vom Dach des St. Bart's Krankenhauses erklärt. Was er in der Zwischenzeit ohne John gemacht hat, wird wohl aus der Mini-Ep ersichtlich. Fürs Bienenzüchten in Surrey und sich dort aufs Altenteil zurückzuziehen, ist Benny-Sherlock eben zu energetisch...

Wer danach sucht, findet viele Spoiler über die kommende Staffel im Internet. Ich möchte hier gar keine posten, obwohl ich gegen den einen oder anderen Hinweis oder Infos nichts einzuwenden habe. Schade finde ich, dass Sherlocks Erzfeind Moriarty nicht mehr mit von der Partie ist. In der ersten Folge wird wohl in Rückblenden erklärt, wie genau Sherlock den von Moriarty erzwungenen Sturz überlebt hat, aber leider wird der geniale Andrew Scott von einem Bösewicht (oder zwei) ersetzt, der meiner Meinung nach nicht halb so gefährlich und bedrohlich wirkt. Aber bevor ich kritisiere, sollte ich es mir erst anschauen, gell? Trotzdem: verglichen mit Moriarty wirkt der Professoren-Look des Neuen irgendwie altbacken, und ich werde den gelangweilten Kindskopf vermissen.

John Watson ist nach einer siebenmonatigen Trauer-Witwenzeit übrigens auch nicht untätig geblieben (Spoiler?), und genau genommen war er ja derjenige der beiden, der hin und wieder einen Abstecher in die *weibliche* Psyche und vor allem Physis macht, um seine Hormone in Schuss zu halten - für Sherlock praktisch undenkbar und so fremd wie die Tatsache, dass die Erde um die Sonne kreist: Der gute John lernt eine neue Liebe kennen, die ihm über den angeblichen Tod Sherlocks hinweghilft. Witzigerweise gespielt von Martin Freemans Lebenspartnerin Amanda Abbington. Ein Happy End wird es für das innig vertraute Paar nicht geben, das darf ich als Leser der Holmes-Geschichten schon mal prophezeien. Aber es hätte irgendwie ja auch nicht in eine so ungewöhnliche Männerfreundschaft gepasst, oder?

Die graue Maus und Pathologin Molly Hooper ist natürlich wieder ebenso dabei wie Polizeichef Lestrade und sein ewig über Sherlock nörgelnder Assi Anderson. Der hat jetzt im Gesicht zu viel, was Lestrade auf dem Kopf zu wenig hat. Apropos: Gesichtsbehaarung spielt wohl eine wichtige Rolle, zumindest in der ersten Folge, in der sich John Watson aus Gram einen biederen Schnauzer hat stehen lassen. Was mit dem geschieht, bleibt nicht lange ein Geheimnis: dem heimgekehrten Sherlock missfällt er - also ab damit. Und damit Sherlock bleibt, tut der treue Watson wirklich alles. Aber ehrlich gesagt: ohne sieht er auch einfach smarter aus (wenn schon nicht jünger^^). Und natürlich darf auch Mrs. Hudson / Una Stubbs nicht fehlen, die gute Seele der Baker Street.

Wann der deutsche Ausstrahlungstermin ist, steht noch nicht fest. Ich schätze aber, es dauert nicht sehr lange, da Sherlock eine Serie ist, die sich hauptsächlich durch Merchandise-Artikel und DVD-Kollektionen finanziert. Für den US-Markt und Großbritannien ist die komplette Staffel auf DVD bereits für Mitte Februar geplant. Ich freu' mich schon drauf!







Freitag, 6. Dezember 2013

(Ge)wicht(el)ige Aufregung am Nikolaus

Schon seit Ende Oktober wuseln sie auf dem Büchertreff herum: die fleißigen Weihnachtswichtel. Sie stalken ihr zugeordnetes Wichtelkind, spionieren dessen Profil aus, ergründen den Buchgeschmack und Vorlieben bezüglich der essbaren Beigaben und / oder kleiner Dekogegenstände. Pünktlich zum Nikolaus (und der Deadline fürs Wichteln) kam mein Päckchen an (eher ein Paket!). Ich war völlig überwältigt und *flabbergasted* im positiven Sinn.



Am meisten wohl von einem Brief aus der Baker Street Nr. 221b in London, den mir Sherlock Holmes' Vermieterin Mrs. Hudson mit den besten Grüßen an meine Lieben durch die Zeiten schrieb. Das war so goldig und unübertroffen süß, dass ich vor Rührung fast geweint habe! Sherlock Holmes / Benedict Cumberbatch hatte keine Zeit für mich, aber dafür prangte sein Porträt nicht nur auf dem edlen Briefpaper, sondern auch auf dem Glas selbstgemachtem Christmas Pudding (mjam!), dem England-Geschenkpapier und - Tusch! - einer CD mit viktorianischen Weihnachtsliedern, die der Meister höchstpersönlich für mich ausgewählt hat.



 
Von den Leckereien darf ich gar nicht anfangen! Ich war soooo entzückt über den Eifer und der Mühe meines Wichtelchens. Ehrlich gesagt, ich mag Kekse und Plätzchen nicht so sehr - ich finde die meisten zu staubig oder zu süß. Die von Strandläuferin haben mich vom Gegenteil überzeugt! Ehrlich, das sage ich nicht nur, um ihr zu schmeicheln. Die Kekse nach altem viktorianischem Rezept (drei verschiedene Sorten) sind die Wucht mit drei Ausrufezeichen. Das war auch die einhellige Meinung meiner Familie... ich muss die tolle Hirsch-Metalldose ein bisschen unter Verschluss halten, damit ich noch was davon habe bis Weihnachten.^^




Besonders viel Mühe hat sich meine strandlaufende Wichtelmama auch mit den übrigen Kleinigkeiten gemacht. Die Teelichter wurden mit Wachsmalstiften in den Farben des Union Jack verziert, und es sind genau zwölf Stück - weil es nach englischer Tradition noch zwölf Tage bis Weihnachten sind! Gut, dass die Post keine Verspätung hatte (habe ich mich jetzt auch nicht verrechnet?^^).



 

Außer den erwähnten Dingen befand sich noch allerlei Tee, Schokotäfelchen, ein bunter Schokonikolaus, eine putzige getöpferte Maus, Zuckerstangen, Zimt und Orangenscheiben im Organzasäckchen und eine große Tasse "Keep Calm and Carry On" im Paket. Original aus London, wie mir der Herstellungsstempel verrät. Die kann ich am Abend jetzt mit der passenden Weihnachtsmusik gleich einweihen. Ach ja: Das Buch - die Hauptsache - wurde unter dem unverhofften Geschenkeregen fast ein wenig zur Nebensache. Aber nur fast. Es war - wie sich das für ein britisches Holmesian Päckchen gehört "The Sign of Four" in der BBC- Ausgabe. Heißa Juchee!
 
Liebe Strandläuferin, du hast mich ganz ganz ganz und superglücklich gemacht! Die Maus hat einen Ehrenplatz im Setzkasten, die Kekse schweben in akuter Lebensgefahr und das Buch ist viel schöner und griffiger als meine bisherigen Ausgaben der Serie! Ich kann dir nicht genug danken für die tollen und aufregenden Geschenke, mit denen du voll ins Schwarze getroffen hast!

Dienstag, 29. Oktober 2013

"Sherlock verliebt" ~ Sena Jeter Naslund

Bisher ist mein selbstauferlegter Lesemarathon ein echter Erfolg. Erstens mal bleibt der Fernseher aus, und zweitens lese ich in Gesellschaft. Nicht das gleiche Buch, aber es ist irgendwie kuschelig und gemütlich zu zweit auf dem Sofa mit einer Kanne Tee und einer wunderbar duftenden Yankee-Candle.




Das erste neu gekaufte Buch, das ich nun schneller fertig gelesen habe als erwartet (weil ich ja ein bisschen aus der Übung bin), ist "Sherlock verliebt". Es war so spannend und originell, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte!

Inhalt: Endlich wird die Fan-Gemeinde des berühmtesten Detektivs aller Zeiten darüber aufgeklärt, was es mit Sherlock Holmes' lebenslanger Reserviertheit gegenüber Frauen auf sich hatte.

Der alte Witwer Watson kehrt nach dem Tod seines Freundes Holmes in die gemeinsame Wohnung in der Baker Street zurück. Heimgesucht von geisterhaften Visionen des verstorbenen Freundes versucht er, seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er beschließt, eine Biografie über Sherlock Holmes zu verfassen. Seine Recherchen werden von anonymen Drohbriefen und einem Eindringling in das Apartment 221b durchkreuzt, der es offenbar auf Notizen und Tagebücher abgesehen hat. Doch Watson ist durch die Widerstände umso entschlossener, sein Werk zu Ende zu bringen und Holmes ein Denkmal zu setzen. Beim Stöbern in alten Dokumenten werden in Watson allmählich wieder Erinnerungen an ungelöste Fälle lebendig. Darunter auch die an jenen jungen Musiker, dem die beiden Freunde einst bis nach Bayern an den Hof Ludwig II. folgten. War Victor Sigerson Sherlock Holmes' große Liebe?

Meinung: Anfangs hatte ich enorme Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Sie ist - wie die meisten Originalgeschichten - aus Watsons Sicht geschrieben, aber zuweilen gerade zu Beginn ein wenig konfus. Einige Sätze musste ich zweimal lesen, um sie zu verstehen. Doch je weiter die Handlung sich entwickelt, desto mehr habe ich gestaunt über die eingeflochtenen Referenzen zu den Originaltexten und über das Geschick der Autorin, beinahe unerträgliche Spannung aufzubauen und reale Persönlichkeiten mit fiktiven zu vermischen, ohne dass es albern wirkt. Auch die Charakterisierungen der Figuren - historisch oder fiktiv - sind gut getroffen.

Traurig und rührend waren die Passagen, in denen Watson sich an Holmes' Anwesenheit in der Baker Street erinnert, wehmütig die jetzt verstummte Geige betrachtet und teilweise Holmes' Gewohnheiten adaptiert, wie das Aufbewahren des Tabaks im persischen Hausschuh. Auch das Ende ist kein glückliches, geht dafür aber unter die Haut.

Über den wahren Grund, weshalb sein Freund Frauen gegenüber stets distanziert blieb und der Identität des Musikers, der zugleich fingerfertig im Violinspiel und der Zauberei und zudem ein wahrer Verkleidungskünstler ist (klingelt's?), tappt Watson bis zuletzt im Dunkeln. Als er Besuch von einer Dame in Rot erhält, die Holmes-Fans durchaus ein Begriff ist, wird ihm klar, dass Holmes ihm trotz der Vertrautheit zwischen ihnen zeitlebens ein Geheimnis verschwiegen hat.

Fazit: Lesenswert, nicht nur für Sherlock Holmes-Fans. Um wirklich Spaß am Roman zu haben, schadet es allerdings nicht, Vorkenntnisse über den Meisterdetektiv zu besitzen. Zuerst wollte ich vier Sterne vergeben, doch das Ende war so überraschend und bittersüß, dass mir die volle Punktzahl angemessen scheint.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍





Sonntag, 27. Oktober 2013

Lesen! Lesen! Lesen!

Mein Blog bringt es an den Tag: In der kälteren Jahreszeit lese ich zu wenig, blogge zu viel und verbringe unnötige Stunden vor dem Fernseher *schäm*. Das soll sich jetzt ändern. Ich hätte es ja vorher nie für möglich gehalten, aber ich plane jetzt eine "Pflicht-Leserunde".

Statt abends faul vor der Glotze abzuhängen, werde ich versuchen, mindestens eine Stunde zu lesen. Vor ein paar Tagen habe ich in der Stadtbibliothek ausrangierte Bücher ergattert, die recht interessant klingen. "Es scheint die Sonne noch so schön" habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen und war begeistert.




Angefangen habe ich mit "Sherlock verliebt", mit dem ich bisher ein bisschen Probleme habe, obwohl ich die Grundidee originell finde. Nach Holmes' Tod lebt der alte Dr. Watson in der Baker Street (und schläft auch in Holmes' Bett!) und wird vermeintlich vom Geist des Verstorbenen heimgesucht. Um sich abzulenken, will er eine Biografie über Sherlock Holmes und der Zeit an seiner Seite schreiben. Nebenbei bemerkt: zwischen den Zeilen lese zumindest ich mehr als *nur* eine lebenslange Freundschaft... manchmal kommt mir Watson vor wie der trauernde Witwer.

Der Stil der Autorin wird hochgelobt, da sie dem des Urhebers der Protagonisten treu geblieben sein soll. Mir erschließt sich das nach 70 Seiten noch nicht. Zwar fand ich einige Passagen und die Charakterisierung Holmes' durchaus gelungen, andere dagegen sind m. M. nach wirr und wenig nachvollziehbar. Etwa wenn Watson Besuch von einem ehemaligen "Mitarbeiter" von Holmes erhält, den Watson sofort als zurückhaltend einstuft, obwohl nichts an seinem Auftreten darauf schließen lässt. Da hat Holmes wohl ein Erbe hinterlassen, das Watson zu dessen Lebzeiten selten bis nie gezeigt hat.

Oder - ein grober Schnitzer - Holmes bezeichnet Irene Adler verächtlich als "das Weibsbild" (!), während er von ihr im Original von Arthur Conan Doyle mit widerwilligem Respekt als "The Woman" redet. Auch stören mich einige überflüssige Kommas (pingelig, ich weiß), und erstaunlicherweise die Tatsache, dass der Roman noch in der alten Rechtschreibung übersetzt wurde.

Amüsant ist das Buch allemal. So, wie ich es verstehe, spielt der Tod des Kinis im Jahr 1886 eine Schlüsselrolle, und es ist schon ziemlich clever, den großen Detektiv auf den bis heute ungelösten Fall anzusetzen. Dass er aber auf Ludwig II. stehen soll, wäre selbst für eine altehrwürdige Ikone eine gewagte These, daher vermute ich, es geht um jemand anderen.

Heute Abend darf ich den Münchner Tatort nicht verpassen, aber spätestens übermorgen bin ich schlauer.



Freitag, 14. Juni 2013

Rezension "A Study in Scarlet"



Den Titel fand ich schon immer ziemlich ominös. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie hat er mich stets abgeschreckt, das Buch zu lesen. "A Study in Scarlet" bezieht sich nicht nur auf das Blut, das der Täter, dem Holmes auf die Schliche kommen soll, als Zeichen an der Wand hinterlässt. Im Lauf der Geschichte erfährt der Leser von einer weiteren Greueltat, die sich Jahrzehnte zuvor ereignet hat - verübt und verewigt in scharlachroter Erde.

Handlung und Meinung: In diesem ersten Band lernen sich Detektiv und Arzt auf ziemlich unkonventionelle Art im Labor des Krankenhauses St. Barts kennen. Es ist recht amüsant, wie schnell Sherlock Holmes und Dr. John Watson zueinander finden bzw. der etwas blasierte Holmes Watson gar keine andere Wahl lässt als sein Mitbewohner zu werden. Trotz vieler Unterschiedlichkeiten in Charakter und Gewohnheiten stellen sich die beiden rasch aufeinander ein und halten ihren Haushalt ganz ohne die Hilfe ihrer (im Buch eher nebensächlichen) Vermieterin Mrs. Hudson in Schuss. Wirklich dubious ist an Holmes eigentlich nur, dass er weniger Allgemeinwissen als ein Drittklässler aufzuweisen hat - dafür in seinem Kopf aber alles vermeintlich Nebensächliche speichert, was anderen entgeht und somit einen eigenen Beruf kreiert, mit dem er Kohle machen kann und offenbar nicht schlecht lebt, wie die Räumlichkeiten der Baker Street beweisen. Auch eine Art, zum Stadtgespräch zu werden. (O;

Der Fall selbst hat mich eigentümlich berührt, da er - man denkt es nicht und wird letztendlich überrascht - nicht nur tragisch, sondern auch überaus romantisch ist - ein ungewöhnlicher Plot für eine klassische Detektivgeschichte. Sir Arthur Conan Doyle bedient sich eines uralten Musters der Literatur, nämlich des Hasses eines von Unrecht Getriebenem, der den Tod eines Weggefährten und dessen adoptierter Tochter rächen will, wofür er ein halbes Leben lang um die halbe Welt reist und seine Mission schließlich in London erfüllt sieht. Erstaunlich dabei ist, wie unsentimental und dennoch emotional und daher nachvollziehbar der "Rächer" Jefferson Hope auf den Leser wirkt. Ich habe nur Sympathie für ihn empfunden, denn das Unrecht, das ihm zugefügt wurde, hat mich tief erschüttert, nachdem man im zweiten Teil der Geschichte in die Vergangenheit und nach Utah in die Vereinigten Staaten geführt wird, um die Gründe für seine Unversöhnlichkeit zu erfahren. Fünf Kapitel ohne die Hauptprotagonisten - das war gewöhnungsbedürftig. Doch in diesen Kapiteln lernt der Leser vieles über die US-amerikanische Geschichte und die der Mormonen im Besonderen. Außerdem sind John Ferrier und Tochter Lucy, die Verlobte von Jefferson Hope, ebenso interessante Charaktere wie Jefferson Hope selbst. Die Gepflogenheiten der Mormonen wirken sonderbar - und auch die drei haben damit so ihre Probleme. Obwohl es John Ferrier zu Ansehen und Wohlstand bringt in Utah, kann er sich nicht mit den Ritualen der Gemeinde identifizieren - er bleibt zur Verwunderung der übrigen Bewohner ledig (keine einzige Frau hat er!) und daher ein widerwillig geduldeter Außenseiter.

Als seine hüsche, aber ebenso "sture" Tochter Lucy sich in den Abenteurer Jefferson Hope verliebt, der nicht der Gemeinde angehört, ziehen sich über ihr und John Ferrier endgültig düstere Wolken in Form von anonymen Drohungen zusammen, und sie planen mit Hope einen Fluchtversuch. Doch zwei heiratsfähige junge Männer des Clans nehmen die Verfolgung auf mit dem Ziel, Lucy als weiteres Glanzstück ihres jeweiligen Harems zu gewinnen... und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Fazit: So tragisch das Ganze endet, haben mich Originalität und Struktur des Falles sehr angesprochen, und auch Holmes' Reaktion, dem Mann das Gefängnis ersparen zu wollen, zeigt ihn wieder einmal von seiner menschlichen Seite. Man war teilweise verblüfft über die Fäden, die Arthur Conan Coyle so virtuos zusammengefügt hat und dem Geschick, mit dem er sich eines völlig "unbritischen" Themas annahm. Einen Stern Abzug gibt es nur, weil ich Holmes und Watson im zweiten Teil zunächst schmerzlich vermisst habe - aber was hätten zwei viktorianische Gentlemen - eingefleischte Junggesellen noch dazu - in Salt Lake City unter Cowboys und Polygamisten verloren?

Bewertung: 

  👍👍👍👍


Mittwoch, 5. Juni 2013

Sherlock vs. Holmes

Zur Zeit bin ich im Sherlock Holmes-Fieber, und das dank Benedict Cumberbatch und der BBC-Serie schon seit November 2012. Die Sonderedition mit allen Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle wartet noch darauf, gelesen zu werden, aber zum Glück gibt's ja auch handlichere Taschenbuchausgaben, an die ich mich nun gewagt habe - natürlich im englischen Original. Ich mag Sherlock Holmes und seine weisen Sprüche wie "To a great mind, nothing is little".

Er ist zuvorkommend, höflich, einfühlsam - aber auch manchmal fast kindisch, impertinent und von sich selbst so überzeugt, dass es schon mehr als Arroganz sein könnte. Oft geht er damit selbst dem phlegmatischen Watson auf die Nerven, der ihn eigentlich bewundert für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Detektiv.

Gestern habe ich mir seit langem mal wieder eine der Uralt-Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce zu Gemüte geführt, nämlich "The Hound of the Baskervilles" von 1939.

Basil Rathbone ist für mich einer der ganz Großen, und er wird es immer sein als Schurke und Errol Flynn-Gegenspieler in Filmen wie "Unter Piratenflagge" und "Robin Hood".

Als Sherlock Holmes - fast tut es mir leid, zu sagen - ist er m. M. nach charakterlich nicht so sehr geglückt. Angesichts der äußeren Erscheinung und der markanten "Adlernase" hätte Sir Arthur ganz bestimmt verzückt die Hände zusammengeschlagen, doch was Holmes' Art und Macken angeht, wirkt Mr. Rathbone zu brav und zu vornehm. Natürlich hat er damit der Figur Sherlock Holmes seinen Stempel aufgedrückt (auch diverse Nachfolger-Holmses wie Peter Cushing und Jeremy Brett schwimmen in Basils Fahrtwasser), doch der literarische Holmes kann auch mal völlig aus der Reihe tanzen und sich einen feuchten Kehricht scheren um viktorianische Konventionen.

Geprägt durch Sir Rathbones Bild in den Filmen fand ich es dann auch merkwürdig zu lesen, dass Sherlock Holmes während einer Kundenkonsultation ungeniert und demonstrativ den Klienten angähnt, um seine Langeweile zu betonen, oder dass er ungehemmt kichert, wenn ihn etwas amüsiert. Wie ein Spürhund auf alle viere geht und eifrig an Dingen schnüffelt, um eine Fährte aufzunehmen. Sieht man das Basil je tun? Verliert er je die Contenance?

Nicht, dass ich seine Verdienste als Sherlock Holmes schmälern möchte. Wirklich dran am Original ist er aber nicht. Von Nigel Bruce als cholerischem Sidekick Dr. Watson rede ich lieber nicht. Nicht missverstehen. Ich finde beide Schauspieler klasse, nur: Watson ist kein Typ, der so rasch in die Luft geht wie Mr. Bruce, der für solche Rollen offenbar prädestiniert war.

Da sind mir die beiden Herren aus der Serie doch näher dran an Sir Arthurs Hirngespinst und Nemesis. Martin Freeman, der den traumatisierten, zurückgekehrten Soldaten mit einer gewissen Leidensfähigkeit verkörpert, die ihn trotzdem nicht am Leben verzweifeln lässt, ist alles andere als ein Hitzkopf. Das ist auch gut so, denn dafür neigt Sherlock-Cumberbatch zu Schnellschüssen und Impulsivität, auf die Watson-Freeman ausgleichend einwirken kann (vorausgesetzt, er möchte es). Irgendwie sind da die Rollen genau vertauscht im Vergleich zu Rathbone / Bruce. Vielleicht hat man die beiden letzteren einfach nicht gegen den Strich besetzen wollen, zumal Sherlock Holmes als distinguierter Gentleman besser kommt als ein aufgeblasener Kindskopf. Schön, dass Benedict Cumberbatch beides sein darf... ich glaube, seine Ambivalenz macht gerade den Erfolg und den Reiz der Serie aus.




Was Robert Downey Jr. und Jude Law betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben; die Filme habe ich nicht komplett gesehen und es eigentlich auch nicht vor. Aber das Video ist köstlich! Und heute Abend schaue ich mir evtl. den nächsten Holmes-Oldie meiner etwas zu Unrecht verstaubten Collection an. Denn eines muss ich zugeben: Basils Morgenrock ist eleganter als Benedicts.^^



Freitag, 24. Mai 2013

Rezension "The Adventures of Sherlock Holmes"

 

 
Weil ich gerade so drin bin im Sherlock Holmes-Fieber, kommt hier mein Review zu den Kurzgeschichten, mit denen ich begonnen habe, den literarischen Sherlock kennen zu lernen. Eines muss ich ja trotz aller Genauigkeit und Raffinesse, mit der die neue BBC-Serie entwickelt wurde, kritisch anmerken: Sherlock Holmes ist kein "Soziopath" im engeren Sinn und schon gar kein Asperger-Kandidat, denn gerade in den Kurzgeschichten zeigt er erstaunlich viel Mitgefühl und Verständnis. Irgendwie wurde er da von diversen Regisseuren und Drehbuchautoren um der Dramatik Willen ein wenig missverstanden. Sei's drum. Ich liebe die Figur - trotz ihrer Angeberei und der Besserwisserei. Oft hat er ja tatsächlich recht, der gute Holmes. Umso sympathischer, wenn er mal daneben liegt oder den Fall nach seiner eigenen Vorstellung löst, die nicht ganz frei ist von Subjektivität. Und ich bin schon mit Begeisterung am Lesen der ersten chronologischen Geschichte "A Study in Scarlet", in der er und Watson kurzentschlossen eine Wohngemeinschaft gründen...

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Diese Ausgabe besitze ich als Taschenbuch. Gereizt hat mich dabei das Cover und das Vorwort der Macher der BBC-Serie, durch die ich die Romanfigur Sherlock Holmes erst wirklich entdeckt habe. Als Fan der Serie ist es besonders interessant, die Referenzen aufzuspüren, die in der modernen TV-Fassung subtil und der Neuzeit angepasst transferiert werden (für Insider: Five Pips in "The Great Game" und das vegetarische Restaurant in "The Hound of the Baskervilles". 


Inhalt: In diesem Buch finden sich 12 Kurzgeschichten um den eigenbrötlerischen Privatdetektiv Sherlock Holmes und seinem Gehilfen Dr. John Watson, die 1891/92 im berühmten "Strand"-Magazine erschienen sind. Teilweise ist Watson in den Geschichten bereits verheiratet, zieht jedoch für die Dauer der Lösung des jeweiligen Verbrechens zu Holmes in die Baker Street, um ihn besser unterstützen zu können. Die Fälle erscheinen auf den ersten Blick häufig banal (Beispiel: Eine junge Frau fragt um Rat, ob sie einen gutbezahlten Job als Gouvernante bei einem merkwürdigen Gentleman annehmen soll), entpuppen sich jedoch meist als perfides Verbrechen und /oder psychologisch gut durchdachte Einblicke in seelische Abgründe, die dem Meisterdetektiv Holmes natürlich nicht verborgen bleiben. Kleinigkeiten sind es, die ihn auf die richtige Fährte führen, und die im aufmerksamen Leser einen nachhaltigen Aha-Effekt auslösen.

Meinung: Hauptsächlich las ich das Buch, weil ich - wie bereits erwähnt - ein Riesenfan der BBC-Serie "Sherlock" bin. Und ich wurde oft überrascht von Arthur Conan Doyle. Mein Augenmerk lag nämlich nicht nur auf den raffiniert aufgebauten Fällen und deren Lösungen, sondern auch auf den darin agierenden Protagonisten, allen voran natürlich Holmes und Dr. Watson. Während letzterer als Erzähler und Beobachter eher im Hintergrund bleibt, fielen mir besonders die vielen Facetten des in Verfilmungen / Serien eher kühl oder egozentrisch dargestellten Holmes positiv auf. Er lacht gerne, kann kindisch sein, hat Spaß an Verkleidungen und ist ein Mann von außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen. Besonders weibliche Klienten behandelt er zuvorkommend und verständnisvoll. In "Scandal in Bohemia" zollt er der mysteriösen, ihm ebenbürtigen Irene Adler Respekt, indem er sie ehrfürchtig in Zukunft nur "The Woman" nennt, und in "The Adventures of the Copper Beeches" hofft Watson gar auf eine Partie für Sherlock Holmes in Gestalt der forschen Violet Hunter. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass Sherlock Holmes Junggeselle bleiben muss - schließlich ist er mit seiner Arbeit verheiratet und hätte für das "Normale" gar keine Zeit.

Die Freundschaft zwischen Holmes und Watson hat einige markante und sogar warmherzige Momente, die mir sehr gut gefallen haben, wie z. B. das gemeinsame Weihnachtsessen in "The Adventure of the Blue Carbuncle". Holmes bezieht Watson wie selbstverständlich in seine Fälle mit ein, und Watson hilft, so gut er kann, auch wenn er sich meist von Sherlock Holmes erklären lassen muss, wie er auf die Lösung des Falles kam.

Fazit:
Die wenige Seiten langen Geschichten sind alle lesenswert (ein wenig gewöhnungsbedürfig ist das heute etwas veraltete Englisch), doch mein Lieblingsfall war "The Adventure of the Speckled Band", das nicht nur gewohnt clever konstruiert war, sondern auch mit Hilfe einer gruseligen Atmosphäre und dem düsteren Setting ein "Baskerville"-ähnliches Feeling heraufbeschwört. Zeitlos und spannend.
 

Bewertung:

👍👍👍👍👍

Montag, 22. April 2013

Im Akkord, zwei, drei...

Wie machen manche Autoren das bloß? Schreiben, schreiben, schreiben. Veröffentlichen, schreiben, veröffentlichen und wieder an den Schreibtisch. Beispiele dafür fallen mir ad hoc ein Dutzend ein: Sir Arthur Conan Doyle, Anne Perry, Sebastian Fitzek, Cecila Ahern, Nicholas Sparks, Elizabeth George, Cornelia Funke und viele mehr. Sie produzier(t)en erfolgreiche Bücher wie der normale Mensch Kohlenstoffdioxyd beim Atmen. Oder Rinder Methangase beim Verdauungsvorgang.

 

Marcellosokal / Pixabay


Über Letztgenannte habe ich neulich ein Porträt im Fernsehen gesehen, und ehrlich gesagt, ich war ein bisschen neidisch. In Los Angeles leben, den eigenen Tagesablauf bestimmen, eine tolle Villa bewohnen und sich zum erfolgreichen Schreiben ins Gartenhäuschen zurückziehen, zwischendurch im hauseigenen Pool planschen und anstehende Hollywoodverfilmungen der eigenen Phantasie als Berater mitbestimmen - das Paradies auf Erden.

Für Cornelia Funke hat sich ein Wunsch erfüllt, von dem wohl jeder Autor heimlich träumt. Das Schöne dabei: es macht ihr immer noch Spaß, wenn Fans sie bitten, Fortsetzungen ihrer Geschichten zu schreiben. Und irgendwie scheint sie total glücklich zu sein mit dem, was sie tut, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ganz anders Sir Arthur Conan Doyle, der irgendwann von Sherlock Holmes derart frustriert war, dass er ihn erst einmal sterben ließ, bevor der Meisterdetektiv auf Druck der Leser wieder auferstehen musste. Wahrscheinlich lag Doyles Frust darin begründet, dass er viel lieber als Arzt praktiziert hätte und in diesem Beruf - im Gegensatz zum Schriftstellertum - nie so recht Fuß fassen konnte. Seine mit Enthusiasmus aufgebaute Praxis musste er aufgrund fehlender Patienten wieder schließen. Trotzdem oder gerade deswegen bewundere ich seine Werke, mit denen er Generationen erfreut und zu eigenen Geschichten mit seinen Charakteren inspiriert hat. 


symvol / Pixabay

 
Die Kurzgeschichten lese ich gerade, und ich bin immer wieder erstaunt, wie durchdacht und originell sich die zumeist anfangs banal erscheinenden Fälle entwickeln und auflösen, auch wenn häufig - wie bei vielen erfolgreichen Autoren - nach Schema F vorgegangen wird. Eine interessante Parallele zu Conan Doyle ist übrigens die Tatsache, dass Sherlock Holmes Medizin studiert hat und John Watson Arzt ist. So hat der Autor doch noch ein wenig von seinem ureigenen Interessengebiet mitverarbeitet. Ziemlich clever.

Ob Funke oder Doyle, es ist einfach verblüffend, dass viele Autoren so viele Ideen in relativ kurzer Zeit zu Papier bzw. in ihren Rechner bringen können und damit so vielen Lesern und letztendlich sich selbst eine Freude machen. Da ziehe ich ehrfürchtig meinen nicht vorhandenen Hut.

Außerdem zolle ich jenen Autoren Respekt, die sich lediglich durch ein einziges Werk einen Namen gemacht haben, sei es weil sie danach keine Zeit mehr hatten, weitere zu schreiben, so wie "Vom Winde verweht"- Autorin Margaret Mitchell, die im Alter von 49 Jahren tödlich verunglückte und sich damit nicht als so unverwüstlich erwies wie die Beliebtheit ihres Südstaaten-Epos, oder auch Susan E. Hinton, die jugendliche Autorin des modernen Klassikers "Die Outsiders". 

Nicht zu vergessen Harper Lees großartiger Roman "Wer die Nachtigall stört." Die Verfilmung mit Gregory Peck gehört für mich zu den gelungensten Filmadaptionen überhaupt.

Montag, 25. März 2013

The (dark) Side of the Angels


Auf meinem Bücherforum (nicht meins, aber das, auf dem ich mich häufig aufhalte), haben wir im Smalltalk-Bereich eine interessante Diskussion über die Serie "Sherlock". Gerade rätseln wir darüber, inwieweit Sherlock Holmes und sein "Erzfeind" James Moriarty identisch sind. Leider bin ich kein ausgesprochener Kenner der Bücher, so dass ich nicht weiß,  ob die beiden "Uber-Fans" Steven Moffat und Mark Gatiss bei den vielen Andeutungen die Originalfiguren im Hinterkopf haben, aber es ist schon interessant, darüber ein wenig zu phantasieren. 
 
 
shell_ghostcage / Pixabay

 

Es nervt ja schon manchmal, diese subtilen Wortgefechte zu verfolgen und überflüssigerweise auch zu analysieren (was man als Fan eben so tut), aber es kommt mir schon so vor, dass Moriarty als Spiegelbild Sherlocks angelegt wurde, der zwar genauso launenhaftes Kind sein kann wie Moriarty (großartig in der Rolle: Andrew Scott), aber im Gegensatz zu ihm das Gute will. Trotzdem sind beide besessen von Rätseln und sich nicht nur in dieser Hinsicht ähnlich. Sherlock ist "consulting Detective", während sich Moriarty gern als "consulting Criminal" bezeichnet. Und da schließlich jeder Mensch zwei Seiten hat - die eine mehr oder weniger ausgeprägt -, liegt der Schluss nahe, dass Moriarty Sherlocks böse Seite verkörpert, die unterdrückt bzw. vernichtet werden muss.

Sehr gut zum Ausdruck kommen die Gemeinsamkeiten im mysteriösen Showdown auf dem Krankenhausdach in der "Reichenbach"-Folge, die - wie ich finde - großes Kino ist trotz der markigen Sprüche. Moriarty konfrontiert Sherlock mit seiner "gewöhnlichen" Seite ("You're ordinary. I'm disappointed in you.") und provoziert ihn damit prompt ("I may be on the side of the angels, but don't think for one second that I am one of them."). Auch Sergeant Sally Donovan äußert diesbezüglich häufig im Lauf der Serie Bedenken, nämlich dass Sherlock im tiefsten Inneren ein Psychopath ist. Die sind vermutlich gar nicht so sehr aus der Luft gegriffen, wie man meinen sollte. Langeweile ist ein Motiv, das beide - Sherlock und Moriarty - antreibt und das sie zu Dingen anstiftet, die für Außenstehende unverständlich sind. Und Langeweile kann ein Motivator sein, Schlimmes zu verursachen, ohne die Konsequenzen zu bedenken.

Vielleicht wäre Sherlock gelegentlich ebenso skrupellos wie Moriarty, oder - unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen - der Schurke sitzt nur in seinem Kopf, und Sherlock hat eine verbrecherische Ader und lässt ihr mittels der Fantasiefigur James Moriarty freien Lauf. Andeutungen darüber macht Moriarty genug. Umso tragischer wäre es dann, dass Sherlock springt - denn die Scharfschützen würden folglich ebenfalls nur in seiner Einbildung existieren. Stellt sich die Frage, wie John Watson ihn sehen und sogar von ihm bedroht werden konnte, wenn es wahr wäre und Moriarty tatsächlich Sherlocks Hirngespinst.... und geht Molly Hooper lieber mit dem bösen Buben in Sherlock aus als mit gar keinem? Ist Moriarty Sherlocks imaginärer Feind bzw. das personifizierte Böse in ihm? Fragen über Fragen... Puh, naja. Das ist jetzt mein Hirngespinst, und ich glaube selber nicht wirklich daran. Soweit würden Moffat / Gatiss nicht gehen. Ihre Serie ist schon geheimnisvoll und ominös genug. Komisch nur, dass die Theorie von Moriarty als Sherlocks zweitem Ich sich hartnäckig hält.

Eigentlich ist Andrew Scott ein sehr Netter, glaube ich, der auch Benedict Cumberbatch mag. Aber das ist ja der Vorteil von überzeugenden Filmschurken: privat sind es meist Schmusekätzchen, die keiner Fliege etwas zuleide tun können.


Samstag, 26. Januar 2013

Winnetou und Old Shatterhand, Sherlock und John und Fackeln im Sturm

Männerfreundschaften haben meine literarische Richtung geprägt.

Ich schreibe bevorzugt über ungewöhnliche Beziehungen unter dem "starken" Geschlecht, die in der Gegensätzlichkeit meiner beiden Protagonisten häufig Belastungsproben ausgesetzt sind.

Beeinflusst haben mich dabei sicher Filme und Bücher wie die von Karl May oder auch die Geschichten von Sherlock Holmes respektive Dr. House, dessen einziger Freund Dr. Watson bzw. Dr. Wilson ist.

 

Stocksnap / Pixabay


Vermutlich war ich das einzige weibliche Wesen, das die Nase rümpfte, wenn eine potentielle Heiratskandidatin für Little Joe auf der Ponderosa in "Bonanza" aufkreuzte. Glücklicherweise hatte sie oft ein blaues Kleid an, was bedeutete, sie würde das raue Wild West-Dasein bis zur nächsten Episode nicht überleben.

Überhaupt: Frauen in Film und Literatur sind mir meist zu zickig, zu schwach oder übertrieben tough. Außer das Haselnuss-Aschelbrödel in der tschechischen Verfilmung fällt mir gerade keine Figur ein, die meine unverhohlene Sympathie hat.

*Klick* auf den Link, um meine männlichen Lese- und Filmtipps aufzurufen.










Dienstag, 15. Januar 2013

Seelenverwandte ~ House und Holmes

Von meiner Leidenschaft für “House MD” (nur echt im Original - also meine Leidenschaft!) habe ich ja bereits berichtet. Meine Lieblingsstaffel ist die erste, denn da sieht man den *Mensch* House hinter dem *A*** House hervorblitzen, was später nicht mehr oft der Fall war.
 
 
www.hallofseries.com

 
Irgendwie hat sich die Figur im Lauf der Jahre nach rückwärts entwickelt, bis sie ab Staffel 7 bis zum Ende nur noch kindisch und nicht nachvollziehbar agiert und reagiert hat. Das ohnehin für viele recht dürftige Identifikationspotential wurde lieblos verpulvert. Schade.

Wie auch immer, der Bericht (*Klick*) verbindet meine Begeisterung für Dr. House und Sherlock Holmes, die viel gemeinsam haben. Gut kombiniert, möchte ich sagen. Oder auch "Elementary, my dear Watson."