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Mittwoch, 1. Juli 2026

Leseprobe "Fairlight"

 "Fairlight? Dann wird das nächste Anwesen Fairlight House sein, oder? Ja, es stimmt, man erzählt sich so einiges über den kauzigen Alten und seine Brut. Erwachsene Söhne, allesamt ledig. Der Jüngste ist wohl schwachsinnig. Mich soll's nicht wundern bei der Familie. Regelrechte Eigenbrötler. Wo hat man so etwas schon erlebt?"

"Es mag Ihnen ungewöhnlich scheinen, doch sehen Sie sich um“, erwiderte John Raeburn mit einem müden Grinsen. "Mindestens zehn Meilen bis zur nächsten Stadt, kein idealer Ort für Brautschauen, geschweige denn für eine Frau."

"Ja“, pflichtete Thorpe eifrig bei und knipste sein charmantestes Lächeln an. Er war ein im klassischen Sinne gutaussehender Mann und wusste um seine Anziehungskraft auf die holde Weiblichkeit, was er jedoch zu befangen und wohlerzogen war, auszureizen. Infolgedessen war er mit vierunddreißig Jahren der begehrteste Junggeselle in ganz Huddersfield.

"Die Lady Clayton soll es hier so unerträglich gefunden haben, dass sie freiwillig aus ihrem tristen Dasein schied, und sie war bei Gott keine zartbesaitete Seele. Wenn nur die Hälfte wahr ist von dem, was man munkelt, muss das eine wirklich verrückte Sippschaft sein."

Edward kicherte. "Genie und Wahnsinn liegen ja oft nahe beieinander. Oder wie Shakespeare so schön formuliert: 'Der Wahnsinn hat Methode.' Wenn Sie meine Meinung hören wollen, Gentlemen, die haben nicht nur Lady Claytons Leiche im Keller. Schade um die Frau. Ein Fluch soll seitdem auf dem Haus liegen, naja, das übliche Getratsche."

Ein donnerndes Krachen, verursacht durch ein weiteres Schlagloch, beendete die müßige Konversation abrupt, Vaughan fluchte deftig und machte ebenso sinnlose wie verzweifelte Anstalten, das Lenkrad aus der Verankerung zu reißen. Weiß der Himmel, was er damit bezweckte, dachte Raeburn mit einem Anflug von Zorn. Nicht zum ersten Mal fühlte er sich an einen kleinen linkischen Buben erinnert, der aus Trotz oder Ärger über seine eigene Unfähigkeit denselben an unschuldigen Opfern, im konkreten Fall an dem schmucken Phaeton, ausließ. Ein Kindskopf, dieser Vaughan. Und so ein unbeherrschtes Subjekt wollte approbierter Doktor werden. Raeburn kam sich vor wie auf einer Narrengesellschaft, Thorpe war nicht unbedingt ein ernsthafterer Zeitgenosse, ein Dandy. Doch vielleicht wurde er, Raeburn, mit Ende Vierzig langsam alt. Fest stand jedenfalls, dass sie sich verspäten würden, und zwar um wenigstens einen vollen Tag. Es gab wenig, was der Doktor so sehr hasste wie Unpünktlichkeit.

Den Kollegen amüsierte die Situation offenbar; er lachte und klopfte Vaughan auf die Schulter. "Nicht aufregen, Edward, alter Knabe. Sie ruinieren Dr. Sedgleys Eigentum."

"Das ist nicht mehr nötig." 

 


 

Die raue Stimme, die von oben erscholl, ließ die drei zusammenzucken, Edward schrie leise auf. Spielend das Gefälle einer rutschigen Anhöhe nehmend, tänzelte ein prächtiger Rappe auf den Pfad, ein nervöses, schäumendes Tier, das von einem fast zierlich gebauten Mann meisterlich in Schach gehalten wurde. Er mochte Anfang Dreißig sein, vielleicht etwas jünger. Seine zerrissene Uniform war schmutzbespritzt, ebenso die hohen Füße seines verausgabten Pferdes, dessen Nüstern vom schnellen Lauf rot glühten. Auffallend waren die schlanken Hände und die bogenförmig geschwungenen Brauen des Reiters, die ihm ein merkwürdig trauriges und zugleich listiges Aussehen verliehen. Apart und nahezu hübsch war auch das von spärlichen Bartstoppeln eingerahmte, jungenhafte Gesicht mit den feinen Zügen, in dem die haselnussbraunen Augen irgendwie manisch glänzten. Er trug das dunkle Haar im Nacken kurz und an den Seiten länger, wie die Mehrheit der Herren seines Alters; ein starker Kontrast zu seinem übrigen, eher ungepflegten Äußeren. Das spöttische Lächeln, mit dem er die Gestrandeten bedachte, drückte auf beunruhigende Art Mitleid aus. Er schien Gefallen daran zu finden, sie einzuschüchtern. Eine kurze Musterung genügte, um den ängstlichen Vaughan zum Stottern zu verleiten, welcher beherzt zu einer Erwiderung auf den Kommentar ansetzte und ehrfürchtig verstummte, als der Reiter das – wie ihm vorkam – haushohe Ross bedrohlich auf ihn zulenkte und in schallendes Gelächter ausbrach. Edward spürte, wie ihm der Schweiß den Kragen hinunterrann und errötete. Rasch betupfte er seine Stirn mit einem Taschentuch und bezog Deckung hinter dem Heck des Autos. Thorpe fasste sich als erster.

"Was ist nicht nötig, Sir?"

Der Soldat wandte sich Thorpe überrascht zu, offenes Unverständnis über das Nachhaken des Gentlemans bekundend. Er postierte sein Pferd so, dass es sich wenige Zentimeter vor dem jungen Arzt versammelte. Dann beugte er sich vor, in der Absicht, direkt an dessen Ohr zu sprechen.

"Den Wagen zu ruinieren. Er ist bereits ruiniert. Von Technik verstehe ich nicht viel, aber ich glaube, ich erkenne das Geräusch einer gebrochenen Vorderradachse, wenn ich es höre."

Die Worte entlockten Vaughan, dem Übeltäter der Misere, ein abgrundtiefes Stöhnen.

"Ist er krank?" erkundigte sich der Reiter, nonchalant in Edwards Richtung nickend. "Das täte mir leid."

"Er ist nicht krank“, ließ sich Raeburn vernehmen. "Besäßen Sie die Freundlichkeit, uns die Straße nach London zu zeigen? Ich fürchte, wir haben uns gründlich verfahren."

"Oh, damit wollen Sie nach London? Ich gäbe mein letztes Hemd, um das zu sehen. Sind Sie Mechaniker, Zauberkünstler oder beides in einer Person?"

Souverän ignorierte Raeburn die letzte zynische Frage, der Mann war ihm entschieden zu neugierig. Er hatte sich noch nicht einmal vorgestellt.

"Möglicherweise gibt es in der Nähe ein Wirtshaus, wo wir die Achse austauschen könnten."

Wieder lachte der Fremde. "Wissen Sie, wo Sie sind? Hier gibt es weit und breit nichts außer Wald und Flur."

Thorpe wagte einen Vorstoß. "Was ist mit dem Fairlight Anwesen? Wohnt dort niemand?"

Ein strenger Zug bildete sich um die schmalen Lippen des Soldaten. Er versetzte dem Tier einen rohen Schlag mit den Zügeln und riss es um die Hinterhand. 

"Das ist mein Ziel. Wenn Sie möchten, begleiten Sie mich", erbot er sich, plötzlich die Höflichkeit selbst.


Dienstag, 6. Januar 2026

Furchtlos zum Himmel ~ Leseprobe.

 Weshalb ich dieses Buch einige Zeit nicht mochte, verstehe ich nicht mehr, seit ich es im letzten Sommer von vorne bis hinten durchgelesen habe. Über 590 Seiten in weniger als einer Woche, so spannend und toll fand ich es. "Klar", werden viele sagen. "Du bist schließlich die Autorin." So klar ist das gar nicht. Denn man selbst ist mit seinen Werken in der Regel am kritischsten.

 


Diese Geschichte ist unter meinen älteren zu finden, so dass mich mein wohlwollendes Gesamturteil vom letzten Jahr verblüfft hat. Denn vieles, was man in jugendlichem Überschwang fabriziert, ist einem oft später peinlich. 

Wie akribisch, wie ausführlich und auch dramatisch ich diese Reise mit dem verbundenen Wagnis beschrieben habe, ohne in Person oder Zeit dabeigewesen zu sein, das ist schon erstaunlich. Da war ich in der Tat von mir beeindruckt... 

Die Leseprobe verlinke ich hier mal: *Klick* 

Ich wünsche viel Spaß und würde mich unheimlich freuen, wenn der doch recht lange Ausschnitt von diesem außergewöhnlichen Männerabenteuer Lust auf mehr macht...

 

Freitag, 2. Januar 2026

Fairlight ~ Leseprobe

 Seit "Fairlight" ein so tolles neues Cover hat, mag ich es noch mehr als vorher. Die Idee, beide Brüder auf den Umschlag zu drucken, fand ich grandios. Zwar sehen beide Männer nicht unbedingt so aus, wie ich sie mir vorstelle, doch sie kommen dem schon recht nahe. Eine Freundin meinte, sie sähen wie Brüder aus, ohne dass sie den Inhalt des Romans kannte. Das hat mich natürlich sehr gefreut!

Der folgende Text ist eine Leseprobe, denn die habe ich in letzter Zeit etwas vernachlässigt. Der neunzehnjährige Florey besucht seinen durch Stacheldraht verletzten Bruder Francis, dem es ein Dorn im Auge ist, dass Florey sich mit einem der zufälligen Besucher auf Fairlight House angefreundet hat. Dafür hat er durchaus seine Gründe... doch die kann er dem Bruder nicht erklären, ohne ihn zu verunsichern.

 

 

Leise wie eine Katze stahl sich Nellie Whitcombe in den Stall und die Leiter hinauf; Finnigan schaufelte sinnlos einen Ballen Heu nach dem nächsten von einer Ecke in die andere, die beiden Paddys waren nirgends zu sehen. Sie atmete auf; den rohen Stallknechten begegnete sie mit Bedacht. Ihre Witze trafen nicht unbedingt den Nerv eines weiblichen Geschöpfes. Sie mochte nicht so verzärtelt wirken wie die feinen Stadtdamen, doch auch sie besaß Gefühle, die schnell verletzt wurden. Zwar war auch Francis mitunter ein regelrechter Kindskopf, aber dabei vom Liebreiz eines Jungen, nie beleidigend oder grob, während Jones und O’Teale mit Vorliebe Anspielungen auf ihren mageren Körper in gehässiger Manier zum besten gaben, die sie nicht selten Hals über Kopf in ihre Kammer flüchten ließen, wo sie stundenlang ihre vermeintliche Unattraktivität betrauerte.

Oben auf dem Speicher lag, halb verdeckt von Stroh, der kleine Eugene. Obwohl nur wenige Jahre jünger als sie, löste sein Anblick wie immer mütterliche Instinkte in ihr aus. Sachte rüttelte sie an seiner Schulter. Florey schlug nach ihr, wie man eine lästige Fliege vertreibt; er war noch nicht vollständig wach.

"Master Eugene!"

"Hm?"

"Master Francis will Sie sehen. Er sagt, es tut ihm leid."

Flink war Florey auf den Beinen. "Geht es ihm gut?"

Nellie zuckte die Achseln. Francis zog es, wie alle Fairlights, vor, still vor sich hinzuleiden.

 


Die abenteuerliche Mischung der Gerüche aus Blut, Eiter, Salbe und scharfem Whisky in Francis' Zimmer veranlasste Florey dazu, zum Fenster zu rennen und es sperrangelweit aufzureißen, bevor er sich auf den Bruder konzentrierte. Er sah so verletzlich aus in dem großen Bett, ein wenig wie tot. Die Scheu vor Kranken ließ Florey an die Tür zurückweichen. Es verstörte ihn, seinen großen Bruder in solch einer Lage zu sehen; seine Welt geriet ins Wanken, als er Francis' bleiches, eingefallenes Gesicht betrachtete.

"Florey“, lächelte Francis; plötzlich blitzte der alte Francis hervor, ein schelmischer, sorgenverbergender Gefährte, mit dem man Pferde stehlen konnte. "Komm her zu mir und mach' nicht so ein Gesicht, als läge ich im Sterben."

Die Schranke in Floreys Denken brach; ungestüm warf er sich auf Francis, umhalste ihn und weinte laut.

"Was ist denn? Nicht... lass das Weinen. Sonst weine ich mit und hasse mich dafür."

"Oh, Francis! Bestimmt straft mich Gott, weil ich Dobbs' Bekehrungsgerede satt habe und weil ich so schlecht bin! Ich will nie mehr etwas tun, das dir nicht gefällt."

Das Gewicht des Knaben auf der Brust schmerzte; Francis bedeutete ihm, sich aufzusetzen. Er schaute ihn emphatisch an und strich ihm das Haar aus dem Gesicht. "Das ist Blödsinn. Ich liebe dich so wie du bist, das weißt du doch. Du sollst dich nicht ändern. Ich bin derjenige, der Abbitte leisten muss. Es tut mir leid, dich geschlagen zu haben. Es ist nur – verflucht, ich habe solche Schmerzen, Florey, ich möchte mit dem Schädel an die Wand, nur um sie für eine Sekunde zu vergessen. Wenn ich zu heftig reagiere, liegt das nur daran, verstehst du? Außerdem, Florey, und das ist sehr, sehr wichtig, was ich dir jetzt sage, deshalb spitz' die Ohren: bitte gehe nicht mehr mit diesem Raeburn alleine irgendwo hin. Du würdest mir das Herz brechen. Ich hatte Angst um dich, als ihr weg wart."

"Du hattest Angst? Wegen Dr. Raeburn?"

Francis nickte, in seinen Augen flackerte es.

"Das musst du nicht. Er ist wirklich nett –"

Ein ungehaltenes Zischen ließ Florey verstummen, er streichelte die Hand seines Bruders und wartete darauf, dass Francis sich beruhigte. Schließlich schluckte dieser und schloss die Augen.

"Ich weiß, dass er nett ist. Gerade deshalb musst du aufpassen. Nette Menschen sind selten das Vertrauen eines anderen wert. Sie verfolgen eine eigennützige Absicht, wenn sie sich freundlich gebärden. Bitte gib mir dein Versprechen, Florey."

"Welches Versprechen? Ehrlich, Francis, ich verstehe dich nicht ganz..."

Francis ballte die Hände zu Fäusten; er hatte schon damit angefangen, ihm Florey abspenstig zu machen, dieser Raeburn. Da kannte er sich wohl aus. Francis schalt sich einen Narren; der Name hätte ihm gleich zu Beginn etwas sagen müssen. Aber Raeburn war kein auffälliger Familienname, und es war neblig gewesen, so dass Francis nicht in der Lage gewesen war, das Gesicht des Doktors zu manifestieren. Zudem lagen sechzehn Jahre dazwischen. Die markante Stimme und die einfühlsamen Hände allerdings ließen keinen Zweifel offen. Wahrscheinlich hatte Francis ein bisschen mit dem Feuer spielen wollen. Kleine Sünden bestraft der Herr sofort, wie Pfarrer Dobbs – um Bibelsprüche nie verlegen - so schön zu sagen wusste. War es eine Sünde, drei Fremden Obdach zu gewähren? In Zukunft würde er niemanden mehr aufnehmen. Flehend nahm er Floreys Hände in die seinen.

"Es ist egal, ob du es verstehst oder nicht! Ich möchte nicht, dass du weiteren Umgang mit ihm pflegst."

Aus Rücksicht auf Francis' desolate Verfassung tendierte Florey zur Kapitulation.

"In Ordnung. Du musst dich nicht aufregen. Ich liebe dich, Francis." Er beugte sich vor, um den Bruder auf die Stirn zu küssen; in diesem Moment betrat Thorpe schwungvoll den Raum.

"Oh, ich – ich gedachte nicht –"

"Sie stören nicht“, half ihm Francis. "Ich warte seit einer Ewigkeit auf einen von euch elenden Kurpfuschern. Haben Sie Morphium dabei?"

 

Freitag, 19. Dezember 2025

Das Bildnis des Grafen: Carrick Escaray und sein treues Pferd Gospodin

An früherer Stelle habe ich bereits von meinen Erfahrungen bei der Bilderstellung mit KI berichtet. Meine Cover entstanden so, meist mit einer handgezeichneten Vorlage als Basis. Dasselbe habe ich nun mit meinen Grafen ausprobiert, nur so als Spielerei. Und ich bin derart begeistert von den Ergebnissen, dass ich sie hier teilen möchte. 

 


 

Auf dem Foto ist Carrick wohl noch etwas jünger als wie zur Zeit, in der der Roman spielt. Aber schon immer hat er ein besonderes Verhältnis zu seinem Gospodin, der bereits weit über zwanzig Jahre alt ist, als Dr. Renoir und Valentine seine Bekanntschaft machen. Gospodin nimmt dem Psychologen einen Teil seiner Arbeit ab und erleichtert den kommunikativen Zugang zu dessen jungen Patienten. Das fällt sogar Dr. Renoir auf. Während sie das Moor durchqueren, wird Gospodin zu einem wichtigen Partner, der Valentine das erste Mal seit langer Zeit zum Sprechen ermutigt. 

Pferde spielen in "Das Bildnis des Grafen" und in "Fairlight" eine kleine, aber feine Rolle. Nach Katzen und Löwen sind sie meine Lieblingstiere von klein auf. Ihre Kraft und Schönheit haben mich immer fasziniert, und nicht zuletzt war ich durch eine pferdebegeisterte Verwandtschaft schon als kleines Mädchen in Ställen und bin um geduldige und standfeste Pferdebeine herumgewuselt.

 Carrick und Gospodin sind ein eingespieltes Team, doch im Roman sieht man sie nur ein einziges Mal zusammen, in dem sie Notiz voneinander nehmen, und selbst dann ist Valentine sich nicht sicher, nur geträumt zu haben. Im Stall begrüßen sich Herr und "Herr" herzlich, wobei Valentine zum ersten Mal bemerkt, dass Gospodin kein junger Spund mehr ist und Anzeichen von Gebrechlichkeit zeigt, die sonst nicht in Erscheinung treten. 

Es geht ohnehin ein bisschen unheimlich zu auf Escaray Hall. Beide Besucher - Dr. Renoir und Valentine - können oft ihren Augen und Ohren nicht trauen und schieben die unerklärlichen Vorkommnisse auf ihre traumatischen Kriegserfahrungen. Sie ahnen nicht, dass das Schloss des Grafen nicht so verlassen ist, wie es scheint... oder sitzen sie doch einem Spuk auf?

 


Hier ist besagte Stelle als Leseprobe:  

Bevor er sich den Tod holte, würde er das Pferd versorgen und dann wieder ins Haus schlüpfen. Wie dumm er war. Bestimmt träumte er, selbst da dieser Traum realistischer ausfiel als die Halluzinationen, das Inferno der Granaten und der permanenten Artillerie, von der er halb taub wurde. Am Gatter der geräumigen Box, die Valentine für Gospodin vorsah, lungerte die Silhouette eines rauchenden Gentleman herum. Der Wallach spielte verrückt, er warf den Kopf auf und ab und tänzelte auf ihn zu, wobei er gefährlich mit der Hinterhand ins Schlittern geriet. Auf einmal bemerkte Valentine dessen Gebrechlichkeit, seine steifen Beine und die Stichelhaare im stumpfen Fell. Skrupel plagten ihn, weil er den greisen Gaul so zur Eile angespornt hatte. Aber er war ihm gar nicht so hinfällig, mitleiderregend erschienen, ganz im Gegenteil, er selbst hätte ein gemächlicheres Tempo vorgezogen. Seit er abgestiegen war, war der Wallach in Sekundenschnelle gealtert. Der Herr, sich bewusst, dass Rauchen im Stall einer Sünde gleichkam, trat gewissenhaft seine Zigarette aus, wandte sich dann dem Klepper zu und fasste nach der Kandare, um ihn in seiner Ausgelassenheit zu bremsen. 

 „Was ist denn? Du tust so, als sähest du mich zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder. Wirst dir noch die Beine brechen ... Ist ja gut, mein Alter ...“Er streifte mit den Lippen das ausdrucksvolle Pferdegesicht, schmuste mit ihm wie mit einem lieben Freund. Die markante Strähne in seinem Haar drapierte sich wie ein Zeichen der Solidarität über das schaumbeflockte, genüsslich zuckende Maul. Da das Nasenbein des Tieres ebenfalls weiß gesprenkelt war, wurde Valentine die Harmonie zwischen Herr und Ross plastisch vor Augen geführt. Es verband ihn wohl weit mehr mit dem Gaul als der bloße Nutzen eines Reittiers. Schließlich blickte er auf und winkte Valentine zu sich heran, der am Eingang wie angenagelt war.

„Danke, dass du ihn ein bisschen bewegst. Das tut ihm gut.“

 

 

 

Dienstag, 17. Januar 2023

Video "Leseprobe Vom Ernst des Lebens"

 Da ich doch ein bisschen Spaß am Videodreh gefunden habe, kommt hier mein nächstes zu meiner Geschichte über Miles und Rupert. Es ist ein "Short", weil weniger als eine Minute lang. Eigentlich also ein sogenannter Teaser. 

 


 

Hier besuchen die beiden den Onkel des Hotelpagen Julien, der einen Buchladen betreibt und sich bereiterklärt, ihnen zu helfen, einen Fotoband über Paris zu veröffentlichen, nachdem sein Neffe die Idee hatte. Nichts Spektakuläres also, aber ich kann mich erinnern, dass eine Leserin die Beschreibung der Örtlichkeiten sehr gut gefiel und sie sofort den charakteristischen Duft von Raouls heimeligem Lädchen zu erschnuppern glaubte.

 

 


 

Wenn euch das Filmchen neugierig gemacht hat (was ich hoffe), so könnt ihr "Vom Ernst des Lebens" hier (*Klick*`) als Print und ebook erwerben. Natürlich freue ich mich wie immer über Feedback, entweder hier oder auch als Rezension.



Donnerstag, 29. Dezember 2022

Video "Leseprobe Milan"


Man könnte den Post auch eine Premiere nennen, denn ich versuche zum ersten Mal, eine Leseprobe vozulesen, statt selbst lesen zu lassen. Ganz ehrlich, ich bin nicht so der Fan von Videos, in denen ich zu sehen und zu hören bin. Ich mag meine Stimme nicht, die in meinen Ohren fremd und nasal klingt, wenn ich sie digitalisiert vernehme. Sei's drum. 

 

𝄠 𝅘𝅥𝅰 Alle meine Werke stehen im Regal, stehen im Regal... ♪

 

Was zählt, ist der Mut und der Wille, und ganz so übel ist das Endergebnis nicht geworden. Vielleicht produziere ich noch weitere, die dann besser werden. Übung macht ja bekanntlich den Meister. Und meine müden Augen sehen in echt nicht wirklich so müde aus (wahrscheinlich haben mich die vor-silvesterlichen Böller zu oft aus dem Schlaf gerissen).

Ich wünsche viel Vergnügen und bitte um Nachsicht. Immerhin ist es mein erstes Lese-Video, und ich muss sagen, einen Text fehlerfrei abzulesen - egal wie lang oder kurz - ist gar nicht so einfach. Respekt allen Hörbuch-Lesern und -Leserinnen. Zwar sind das in der Regel ausgebildete Schauspieler, doch das schmälert die Leistung keinesfalls.

 


 






Donnerstag, 15. September 2022

Milan ~ eine Leseprobe

Eine meiner ersten Geschichten war "Milan", welche die Beziehung zwischen einem erfolgreichen Theaterregisseur und seiner wesentlichen jüngeren Partnerin beleuchtet.
Sie ist ein wenig bis ziemlich altmodisch, da sie in den 1970er angesiedelt ist; ein Jahrzehnt, in dem Frauen erstmals gegen ihre Rolle als Vollzeit-Mama und Hausfrau aufbegehrten, Selbstverwirklichung suchten und die erste Ausgabe der "Emma" erschien. Und weil die Erzählerin alles andere ist als selbstbewusst. In ihren frühen Zwanzigern, macht sie sich viele Gedanken und lernt mit Milan, ihre traumatische Kindheit aufzuarbeiten. Die beiden haben ein recht ambivalentes Verhältnis; sie ist nicht einmal sicher, ob sie ihn liebt oder nur braucht, um sich weiterzuentwickeln auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Was sie über sich und Milan herausfindet, lässt sie weitere Schritte gehen, die sie zu Beginn ihrer Beziehung nicht gewagt hätte.
 
 

 


Obwohl "Milan" mit 236 Seiten eher eine Kurzgeschichte ist, erlebt die Ich-Erzählerin Höhen und Tiefen an der Seite ihres rätselhaften, aber unerschütterlichen Liebhabers und Mentors.

Hier kommt die Leseprobe (diesmal ohne Jump Break, da sie relativ kurz ist). Für moderne Ohren klingt sie wahrscheinlich ein bisschen sexistisch von Milans Seite und blondchen-naiv von Seiten der jungen Frau. Doch ich versichere, zumindest Milan ist nicht so, wie es scheint.


***


Er bleibt immer ein Rätsel, er hat keine Geschichte in dem Sinn wie ich eine habe, ich glaube, niemand kennt ihn wirklich, nicht einmal Maria. Die Sache mit Frederic ist alles, was ich von ihm weiß, wirklich weiß, alles andere haben Leute zusammengedichtet, die ihm nur flüchtig auf der Straße begegnet sind, die ein liebenswürdiges Grüß Gott mit ihm gewechselt haben, um sich hinterher verstohlen anzuschubsen: War das nicht-?

Ich kenne weder seine Vergangenheit noch seine Ziele, vermuten kann ich viel, aber die führen nicht zum gegenseitigen Verständnis, wahrscheinlich versteht keiner von uns beiden den anderen, wobei Milan der größere Heuchler ist. Ich gebe mir schon gar keine Mühe mehr, ihn zu verstehen. Doch ich will wissen, warum er mich fesselt, und was würde ich tun, falls er mich gehen lässt. Bin ich nicht im Gegenteil froh darüber, von ihm beherrscht zu werden? Jemanden zu haben, der über einen wacht, der aufpasst, dass man keine Fehler macht, und wenn doch, einen tröstet in der Not? Muss jede Beziehung nicht darauf hin wachsen, nicht umsonst heißt es in der Bibel "Die Frau sei dem Mann Untertan". Oder ist es altmodisch, deute ich es falsch? Wie denkt Milan darüber? Bei nächster Gelegenheit werde ich ihn fragen.

Milan: Wie kommst du jetzt wieder darauf, ich habe jetzt wirklich keine Zeit, ich muss dieses Buch zu Ende schreiben, vielleicht ein andermal -
Ich: Aber es steht dort ganz klar, dass die Frau sich dem Mann unterordnen soll. Ich kann das einfach nicht glauben, gerade in unserer Zeit -
Milan: Meinetwegen schließ dich der Frauenbewegung an.
Ich: Das ist nicht, worauf ich hinauswollte; ist es zuviel verlangt, zu fragen, was du davon hältst?
Milan: Der liebe Gott wird seine Gründe gehabt haben, dieses Gesetz zu erlassen. Ich maße mir nicht an, klüger zu sein als Gott.
Ich: Also hat es noch Gültigkeit für dich?
Milan: Du musst zugeben, es ist kein schlechtes Gesetz für die Männer. Es würde mich interessieren, warum dich das beschäftigt.
Ich: Ich habe viel Zeit, viel mehr als ich bräuchte, da ist es mir doch wohl erlaubt, mich mit unnützen Dingen zu befassen.
Milan: Wer spricht denn von unnützen Dingen, ich finde es gut, dass du dir Gedanken machst, aber musst du ausgerechnet jetzt darüber debattieren?
Ich: Willst du mich behalten?
Milan: Ich halte dich nicht. Ich halte niemanden.
Ich: Dann lasse ich mich halten von dir.
Milan: So wird es wohl sein.

Was ist so schlimm daran, Geborgenheit zu suchen, ist es verachtenswert, sich auf andere zu stützen, schwach zu sein, manchmal still in den Armen des anderen zu weinen, sei es aus Freude oder Unglück. Ich schäme mich nicht mehr meiner Tränen, er nimmt sie gelassen hin, doch begreift sie nicht, er ist eben anders. Unsere Gespräche bringen mich fast immer zum Weinen, ich weine mit oder ohne Tränen, doch jedes Mal enden sie schmerzlich, jedes Mal lässt er mich in eine Leere fallen, aus der es kein Entrinnen gibt. Doch ich will nicht ungerecht sein, denn er ist der einzige, dem ich alles anvertraue, niemandem sonst könnte ich erzählen, was ich ihm erzählt habe, und von niemandem sonst könnte ich mich ohne Vorbehalte berühren lassen.



Freitag, 19. August 2022

Leseprobe "Ein Spiel zu viel" (III)

 Manchmal gönne ich mir den Spaß und lese in meine eigenen Bücher rein. Viele davon sind nun nicht mehr ganz taufrisch, und trotzdem gefallen mir meine Geschichten en gros noch immer. 

"Ein Spiel zu viel" ist kein einfaches Buch. Es geht um Eifersucht, Verlustangst, das Verselbständigen einer Gruppendynamik und um einen Vater und seinen Adoptivsohn, die nach Jahren wieder aufeinandertreffen - der Vater Raphael Blake dabei ohne Ahnung, dass es sich um seinen unangepassten, ein wenig psychotischen Sohn handelt, der diesen durch eine Verkettung von Umständen wiedersieht und der mittlerweile als Theaterschauspieler ein Pseudonym angenommen hat. 



Bei der Einordnung des Genres habe ich mich seinerzeit etwas schwergetan. Es ist am ehesten vermutlich ein historischer Psycho-Thriller der unblutigen Art, in dem fünf junge Schauspieler einen Trip nach Sherborne im Südosten des Landes machen, wobei Irving Van Sander, der "Anführer" der Clique, damit eine recht perfide Absicht hegt. Der "Landurlaub" stellt sich als wenig erholsam für alle Beteiligten heraus, denn Irving sinnt auf Rache für seinen Liebhaber Galen und fürchtet zugleich, ihn an Raphael Blake zu verlieren. 

Von Blakes leiblichem Sohn Zachary, der seinen verschollenen Bruder aus Gründen schon lange sucht, erfuhr Irving, dass Galen dessen Adoptivsohn war und von Blakes Frau misshandelt und verstoßen wurde. Blake selbst glaubt, er sei tot.

Das Cover hat sich mittlerweile geändert und sieht so aus: *Klick*

Hier kommt die Leseprobe, in der Raphael zum ersten Mal vage dämmert, wen er möglicherweise als Gast bei sich aufgenommen hat. 

Donnerstag, 30. April 2020

Leseprobe aus "Affettuoso"

Es folgt ein kleiner Ausschnitt aus meinem "Roadmovie"- Roman "Affettuoso". Die Szene beschreibt Joshuas erste Schritte ohne Auge, das er nach einem Unfall mit einem Oldtimer verloren hat. Mickeys Knastkumpan, mit dem ihm die Flucht gelang, ist Epileptiker und darf eigentlich keinen Wagen führen. Doch wie das so ist: der Reiz am Verbotenen war stärker. Mickey (der Erzähler) macht sich Vorwürfe, obwohl ihn keine Schuld trifft. Er hat Joshua aber auch trotz oder gerade aufgrund seiner Unzulänglichkeiten fest ins große Herz geschlossen.


DesCor / Pixabay



• Hör mal, Alter, sagte Richard. Moira und ich haben uns überlegt, ob du im Hotel pennen willst, solange Joshua weg ist, es wird ja allmählich auch was kalt da draußen, und wir hausen in `nem Luxusappartement, ich lass was meine Connections spielen, dann ist das kein Problem, wenn du auf’m Sofa ratzt und dich friedlich verhältst.
• Klar, sagte ich. Ist gebongt. Danke.


Ich war wirklich froh; im Strandhaus fraß ich manchmal vor Einsamkeit schier einen Besen, ich zögerte das so lang wie möglich raus und werkelte bis in die frühen Morgenstunden wie besessen in der Tankstelle.


Ich brauste auch mal mit der Intruder raus zum Unfallort und errichtete ein kleines Holzkreuz für Joshuas Auge; das war albern, ich weiß, doch ich glaubte, dass ich ihm das schuldig war, dem Auge.


Das Zimmer mochte ein Luxusappartement sein, es besaß immerhin eine winzige Kochnische nebst Kaffeemaschine, so war ich befähigt, mich durch die schlaflosen Nächte zu putschen, denn die Wände waren verflixt dünn, ich hörte Geräusche von allen Seiten, außerdem dröhnte der Kirchturm wie aufgezogen, irgendwo röllerten paarungswütige Katzen, und bestimmt flitzte demnächst ein Schnellzug mit Schallgeschwindigkeit durch meine Gehörgänge.


Zu dritt rückten wir in der Klinik an, als Joshua entlassen wurde, sie hatten ihn nur kurz dabehalten, da die Notfallstation von Bettenmangel bedroht war. Moira stöckelte auf ihn zu und riss ihn Besitz ergreifend an sich. Unterdessen bedankte ich mich bei Dr. Alvardo, Richard hatte hinter mir Position bezogen und rollte nervös den Bund seines rot-weiß-blaugestreiften Muscleshirts auf und zu.


• Er wird in der ersten Zeit vermehrt auf Ihre Hilfe angewiesen sein, sagte Dr. Alvarado. Haben Sie Geduld, es ist eine große Umstellung für Sie alle.
• Wie fühlt man sich so als Capt’n Hook, fragte Richard, Joshua grinste.
• Ich wollte lieber Tinkerbell sein. Die kann fliegen und schüttelt Feenstaub aus’m Röckchen.


Es waren auf den ersten Blick Banalitäten, die zu schier unüberwindlichen Hürden avancierten, es fing bei den Treppenstufen der Klinik an, Joshua weigerte sich, nach unten zu gehen, er hatte das Gefühl, in ein Loch zu fallen, das waren Dinge, in die man sich erst hineinversetzen musste, um zu verstehen, dass Treppenstufen eine ernste Gefahr darstellten.


• Lasst uns den Lift nehmen, schlug Richard vor, doch die Idee verwarf ich gleich wieder, in Fahrstühlen flippte Joshua vollkommen aus, er hatte als Kind mal in einem einen traumatischen Anfall gekriegt.


Er umkrampfte das Geländer und schlang den rechten Arm um Moiras Taille, er setzte jedes Mal einen Fuß neben den anderen, bevor er die nächste Stufe in Angriff nahm, Richard und ich, hinter ihnen, ahmten unabsichtlich seinen Gang nach.


• Mir ist schlecht, sagte er, wir hatten noch `ne Menge Stufen vor uns, Richard sagte:
• Moira, vergiss unser Meeting mit den Tennisfreunden nicht.
• Zum Teufel mit dem verpissten Meeting, fauchte sie. Wir stecken in Schwierigkeiten, Dick!


Sie knickte ein bisschen in der Hüfte ein, Joshua merkte, dass er sie zu sehr belastete; er taumelte auf mich zu und hängte sich an meinen Hals.


• Danke für die Unterstützung, Mädels, sagte ich. Den Rest schaffen wir allein.
Richard, der Gute, wollte seinen Fauxpas ausbügeln, er tätschelte flüchtig Joshuas Po. Wenn du Probleme hast, Junge, kannst du jederzeit zu mir kommen, klar?
Hand in Hand hüpften sie die Treppe hinunter, insgeheim glücklich, einer ihnen fremden Welt zu entkommen.
• Wir haben alle Zeit der Welt, beruhigte ich Joshua. Lass dich nicht entmutigen. Das ist eben so, am Anfang.


Er sagte nichts, sondern rückte noch ein Stück näher an mich ran, ich hatte Schiss, mit der Schulter irgendwie der verpflasterten empfindlichen Naht zu schaden. Joshua, sagte ich. Ich kann dich tragen. Willst du, dass ich das tue?
Er nickte gedemütigt, und ich hob ihn hoch.



Dienstag, 11. Februar 2020

"Ein Spiel zu viel" ~ Leseprobe ~ (II)

Es ist mal wieder Zeit für eine Leseprobe. Diesmal aus" Ein Spiel zu viel", meinem Roman über eine Clique junger Schauspieler zu Beginn des 20. Jahrhunderts in England.

Vor der Veröffentlichung hatte ich lange überlegt, in welchem Genre die Erzählung am besten aufgehoben wäre  - und bin mir bis heute nicht ganz schlüssig. Historisch verbürgte Elemente werden weniger beleuchtet, dafür die Beziehung der fünf jungen Männer untereinander und ihre jeweiligen Charaktere. Ein zentraler Punkt in der Geschichte ist die Verbindung des impulsiven Galen zu dem charismatischen "Anführer" der Truppe, Irving Van Sander, und wie sie sich wandelt, als Galen etwas über ihn herausfindet, das lange Zeit ein Geheimnis bleibt und die bis dahin mehr oder weniger harmonische Gruppendynamik verändert.





Insofern bezeichne ich den Roman gern als historischen Psycho-Thriller, auch wenn es keinen Serienmörder im engen Sinn oder allzu blutige Szenen gibt. Vielmehr handelt der Roman von Verlustängsten und wohin sie jemanden treiben können, der sich seiner selbst nicht sicher ist und Bestätigung in der seelischen und physischen Abhängigkeit Anderer sucht. Oder wozu man fähig ist, wenn man jemanden nicht loslassen kann.

In der ausgewählten Leseprobe kehrt Galen zum zweiten Mal zu seinem früheren Adoptivvater Raphael Blake zurück, nachdem er einige persönliche Sachen geholt hat, um für einen längeren Zeitraum bei ihm zu wohnen und eine Schuld abzuarbeiten. Beide wissen nicht eindeutig um die Identität ihres Gegenübers, da sie durch unglückliche Umstände recht früh wieder voneinander getrennt wurden und Galen als Sechsjähriger in den Gassen Londons verschwand. Erst nach und nach lernen sie sich besser kennen. Wenn das der eifersüchtige Irving wüsste...



Mittwoch, 3. Oktober 2018

Leseprobe "Ein Spiel zu viel" (I)

Seit Raphael Blake, ehemaliger Inspector bei Scotland Yard, zwei geheimnisvolle junge Männer in sein Haus eingeladen hat, ist es vorbei mit dem beschaulichen Landleben.


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Leseprobe: 


Im Allgemeinen schlief Orest nach dem Genuss eines medizinischen Cocktails traumlos und lange. Es verwunderte ihn daher nicht, gegen Mittag eine hastig gekritzelte Nachricht von Irving auf dem Tisch vorzufinden, in der er ihm mitteilte, dass sie zum See gefahren seien auf der Suche nach Abkühlung. Wenn er Lust hätte, könne er nachkommen, aber ihm persönlich wäre es lieber, er würde bei Mr. Blake ‚nach dem Rechten schauen. ‘
Nach einem erfrischenden Bad lechzte er förmlich und fühlte nichtsdestoweniger eine unerklärbare Angst in sich aufsteigen, als er den gestrigen Tag Revue passieren ließ. Zuerst Galens Anfall und die sonderbare Art, wie er Mr. Blake abgefertigt hatte, dann Irving mit seinen Vermutungen... er wäre nicht in der Lage, ihnen heute so früh zu begegnen, vor allem nicht Irvings fragender Miene.
Auf Mr. Blake dagegen freute er sich; er konnte selbst nicht begreifen, weshalb. Flugs stieg er in seine Beinkleider, knöpfte das Hemd zu, das er Mr. Blake schuldete und verließ das Wirtshaus ohne Frühstück. Mrs. Langrish rief ihn energisch zurück, sie hatte ihm auf Irvings Geheiß ein Lunchpaket geschnürt. Orest bedankte sich pflichtbewusst, um sich anschließend ohne weitere Verzögerung auf das Fahrrad zu schwingen, das vor dem Haus noch so verdreht dalag, wie Galen es verlassen hatte. Mit fremden Gütern ging er nicht besonders sorgfältig um, dann aber auch nicht mit seinen eigenen Sachen, was der Grund dafür war, dass er nicht viel mehr sein eigen nannte als die Fetzen auf seinem Leib. Reichtum verdirbt den Charakter, zitierte er oft, wenn man ihn darauf ansprach.

Bevor er auf dem Gehöft eintraf, ahnte er, dass etwas geschehen war, das die Bürger und Nachbarn in Unruhe versetzte; Bauern und einfache Bürger rotteten sich auf der Straße zusammen und vertieften sich in hitzige Debatten. Mehrmals schnappte er den Namen Raphael Blake auf, war jedoch zu schüchtern, sich durch die Gruppe zu winden und der Sache auf den Grund zu gehen. Die vage Befürchtung, ihm könne etwas geschehen sein, löste Panik in ihm aus, und so radelte er halsbrecherisch weiter.
Er lehnte das Rad an die Hauswand und erklomm die Stufen. Vor der Haustür prallte er zurück: Rotbraune Markungen strotzten wie Artefakte auf dem alten Holz, auch der Türgriff war voll klebriger Farbe. Einen Moment überfiel ihn die Reminiszenz an den Auszug aus Ägypten und das Pessachfest, das anlässlich der Verschonung der israelitischen Sklaven gefeiert wurde. Um zu unterscheiden zwischen ihnen und den Tyrannen, hatte Gott die Haustüren seines Volkes mit Blut gekennzeichnet, nur schien es in diesem Fall auf perverse Weise umgekehrt.
Der gepflasterte Hinterhof war gesäubert worden, aber wenn man genau hinsah, konnte man rote Farbe in den Ritzen zwischen den Steinen erkennen. Der Besitzer war nirgends zu sehen. Überhaupt schien das Anwesen wie ausgestorben; kein Blöken, Gackern oder Wiehern begrüßte ihn, die Stille tat beinahe weh.
All seine Sinne geschärft, wagte er es eigenartigerweise nicht, Mr. Blake zu rufen. Während er den Zaun passierte stutzte er abermals. Das bis zur trockenen Erde abgeäste Gras war ebenfalls mit Farbe beschmiert; Schwärme von Mücken fielen darüber her. Da erst dämmerte ihm, dass es sich nicht um Farbe, sondern um eine biologische Flüssigkeit handelte, die auf dem gesamten Grundstück in Spuren verteilt war. Bestürzt drückte er die Hand auf den Mund, sein anderer Arm ruderte, als er einer Ohnmacht nahe das Gleichgewicht zu verlieren drohte. Sie hatten Mr. Blake etwas angetan! Wie hatte er nur so leichtgläubig Irvings Trank akzeptieren können. Mit Logik war ihr Plan rasch zu durchschauen, doch bar jeglicher Beweise würden sie davonkommen: Heimlich hatten sie sich in den Morgenstunden aufgemacht und ihn zu Tode gefoltert, danach spülten sie die Indizien mit dem brackigen Wasser eines Badesees fort. Aufgrund der Hitzewelle schöpfte keiner Verdacht, der sie planschen sah. Aber warum hatten sie Galen mitgenommen? Hatte Irving ihn letztendlich doch eingeweiht, weil er ihm am Tag zuvor eventuell ein Geständnis abgepresst hatte, wo er und Orest gewesen waren? Galen war bei seinen Freunden als äußerst skrupellos bekannt, an Ausdauer und Kampftaktik Irving weit überlegen. Anders als dieser bezeichnete er sich nicht als Gentlemankämpfer, der weder kratzte noch biss und die Regeln einer Prügelei respektierte. Wenn Galen rang, dann mit dem gesamten Körpereinsatz; der Gegner, der sich zuvor über seine Schmächtigkeit mokiert hatte, besaß von vorneherein nicht den Hauch einer Chance, unabhängig von seiner Konstitution.
Aus dem Stall näherte sich eine Gestalt, die er aus den Augenwinkeln nur als Schatten registrierte. Instinktiv begann er Luft zu holen, um einen Schrei auszustoßen, als die Silhouette hinter ihn trat, welche ihm grob den Mund verschloss und ihm den Arm um die Mitte legend ein Stück vom Boden hievte.
„Schschscht... nicht schreien, mein Junge.“ Das sonore, leicht nuschelnde Organ war nicht Irvings und auch nicht Mr. Blakes, er verrenkte die Augäpfel und erhaschte einen enormen Nasenrücken wie einen Erker in einem schwammigen Gesicht hervorspringen. Sobald der Reverend Orests erlahmenden Widerstand registrierte, ließ er ihn herunter. Aufgeregt kippte Orests Stimme über, als er zu sprechen begann.
„Mr. de Vere... Reverend. Was ist passiert? Wo ist Mr. Blake?“
De Vere schüttelte den Kopf. „Beim Abdecker, ein paar Lämmer entsorgen.“
Ein Stein fiel Orest vom Herzen. Er lebte, und er hatte Schafe geschlachtet. Das Natürlichste der Welt für einen Farmer. Eimer und Putzlumpen aufnehmend beachtete de Vere ihn nicht weiter und machte Anstalten, den Hausaufgang zu reinigen. Orest stiefelte hinterher, obwohl der Mann nicht harmloser wirkte als bei ihrer ersten Begegnung.
„Wann wird er wiederkommen?“
„Bald. Er ist seit fünf Uhr auf den Beinen. Der arme Mann. Als hätte er es nicht schon schwer genug... heute Nacht hat irgendein Verrückter einige der Lämmer abgeschlachtet und ein wahres Blutbad angerichtet. Überall hat er es hingeschmiert, wie in einem grässlichen Hexenritus. Unter den Kadavern waren auch Tiere, die ihm anvertraut wurden. Das ist das Schlimmste an der Sache.“ Während er das sagte, verschmälerte er die Augen in einer Weise, die Orest glauben ließ, er verdächtige ihn dieser Aktion. Ganz falsch lag er damit wohl nicht; er war sich fast hundertprozentig sicher, dass Irving dahintersteckte. Indigniert wich er einen Schritt zurück; de Vere schrubbte die Klinke und hatte ihn zu diesem Zweck grob geschubst. Da er ihn jetzt nicht ansah, tastete sich Orest weiter vor.
„Wird die Polizei davon erfahren?“
„Wenn es nach mir ginge, schon. Mr. Blake will jedoch keinen unnötigen Wirbel veranstalten; er meint, wenn es bei einem einmaligen Ereignis bliebe, würde er davon absehen. Er ist viel zu milde, wenn Sie mich fragen. Dieses Pack rechnet doch mit seiner Untätigkeit.“
In diesem Augenblick bog Mr. Blake um die Hausecke, er sah müde und verzweifelt aus. Orest wandte sich um, plötzlich zappelig vor Angst. Nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt bohrte Blake die Hand in seine Schulter, seine Finger brannten wie glühendes Eisen und dirigierten ihn in Richtung der Straße.
„Ich will Sie nie mehr auf meinem Grundstück sehen.“
„Warum?“ quiekte Orest, er erkannte seine eigene Stimme nicht wieder. Blake nickte de Vere zu. „Ich weiß nicht, wovon Sie reden...“
„Sie können gehen, Reverend. Ich muss ein Wörtchen mit meinem neuen Freund reden.“
Devot deutete der Geistliche einen Diener an und verschwand von der Bildfläche. Auch ihm schien Blake Respekt einzuflößen. Steif und merkwürdig kleinlaut wie ein armes Sünderlein stand Orest vor Mr. Blake. Etwas verständnisvoller als eben bat dieser ihn ins Haus.
Drinnen goss er ihm eine Tasse schwarzen Kaffees ein, der auf dem Herd vor sich hingeköchelt hatte und bereits einen angebrannten Nachgeschmack nachwies, aber Orest war dankbar für eine Tasse des starken Gebräus.
„Sicher hat Ihnen de Vere mitgeteilt, was geschehen ist. Ich habe hier keine Feinde, darum glaube ich, dass der Täter jemand von außerhalb sein muss. Ich wollte Sie nicht belasten, aber es ist schwer zu begreifen, weshalb jemand so etwas Sinnloses und Barbarisches tut. Ich weiß nicht, aus welchem Grund... wissen Sie, zuerst glaubte ich, es sei etwas Persönliches, doch ich bin mit keinem der Nachbarn zerstritten. Im Gegenteil, sie sind alle sehr hilfsbereit. Und selbst wenn ich Ärger hätte, gäbe es andere, vernünftige Maßnahmen, ihn aus der Welt zu räumen. Folglich muss ein Irrer sein Unwesen treiben. Das könnte für die umliegenden Gehöfte böse Konsequenzen haben.“
Orest zog einen Stuhl hinter sich, ohne Mr. Blake aus den Augen zu lassen. Trotz seines miserablen Gefühls bezüglich Irvings gedachte er sich zu vergewissern, dass Mr. Blake nicht ihn für den Täter hielt. Es war ihm auf einmal wichtig, das zu beweisen
„Was ist mit Ihrem Hund? Hat er gar nichts bemerkt?“
Zeichen innerer Abgekämpftheit spiegelten sich in Blakes Grimasse, und er massierte seine Nasenwurzel. Orest bewunderte seine Ruhe.
„Meist lasse ich ihn oben auf den Moorweiden, wo er dringender gebraucht wird. Hier sind die Tiere eigentlich in Sicherheit. Wir sind mitten im Dorf; normalerweise kein Ort, an dem Verbrecher ungehindert operieren können. Der Täter muss etwas vom Schlachten verstehen und die Tiere sofort getötet haben; ich habe keinen Laut gehört. Er hat ihnen professionell die Kehlen durchtrennt und sie ausbluten lassen.“
Orest zog unbehaglich die Schultern zusammen, er fühlte sich schuldig. Eines war klar: Irving machte reinen Tisch, wie es seine Gewohnheit war. Schächten konnte er, darin hatte er es als Metzgergeselle zum Meister gebracht wie auf jedem Gebiet. Die Anekdoten, die er ihm zu Dutzenden im Detail erzählt hatte, wenn er abends nach Hause kam, hatten Übelkeit und Appetitlosigkeit in dem kleinen Bruder hervorgerufen, was Irving in seinem Eifer, den Meister an Geschick zu übertreffen, ganz und gar nicht verstehen konnte. Falls es gekonnt ausgeführt wurde, litten die Tiere entgegen der weitläufig verbreiteten Ansicht nicht, sondern waren sofort tot. Was daran abstieß, war einzig das Blut, das aus religiösen Gründen abzufließen hatte. Als der Meister erfuhr, dass sich sein Stift im Schächten übte, feuerte er ihn fristlos.
„Kann ich Ihnen irgendwie helfen? Wir wollten den Zaun streichen. Galen kommt nicht, aber ich kann es auch alleine tun.“
„Das ist nett, aber nicht nötig. Ich werde mir Zeit lassen und nachdenken. Es ist nicht so einfach, jetzt zur Tagesordnung überzugehen. Wo ist Ihr Freund?“
„Ihm geht es heute nicht gut“, log er, aber dann wiederum wusste er ja nicht, ob es nicht doch stimmte; schließlich hatte er heute noch keine Gelegenheit gehabt, sich nach Galens Wohl zu erkundigen.
„Schade.“ Echtes Bedauern lag in diesem Wort. „Bestellen Sie ihm Grüße.“




Mittwoch, 30. Juli 2014

Leseprobe "Fairlight" (II)

Das schwüle Wetter zurzeit macht mich ein wenig ramdösig. Daher erlaube ich mir heute ausnahmsweise, schreibfaul zu sein und ohne große Einleitung eine Leseprobe aus meinem Roman "Fairlight" zu posten.




Darin geht es um eine mysteriöse Familie auf einem abgelegenen Anwesen in Mittelengland um 1916. Drei Ärzte werden "notgedrungen" von dem aus Frankreich heimkehrenden Soldat Francis Fairlight als Gäste aufgenommen, als sie auf dem Weg zu einem Medizinerkongress nach London eine Reifenpanne haben.

Dieses Buch ist ein Beispiel für detailiertes Setting, da der "Star" des Romans der düstere, buchstäbliche Herrensitz ist. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu sehr in Kleinigkeiten verloren - ein Schönheitsfehler, der mir hin und wieder unterläuft, wenn mir Szenen allzu bildhaft vor Augen stehen.^^

Feel-Good-Reader beware: "Fairlight" behandelt delikate Themen, die weder für Kinder noch für Sensibelchen geeignet sind.

Bildquelle: Pixabay





Sonntag, 1. Juni 2014

Leseprobe aus meinem Roman "Milan"

"Milan" ist eine meiner ersten längeren Geschichten. Die Inspiration dazu flog mich während eines Aufenthaltes in Israel an (eingedenk des völlig anderen Themas im Roman klingt das eigenartig, ist aber tatsächlich so). Während der müßigen Stunden am Strand bzw. im Toten Meer las ich ein Buch, das vom Alltag und der Wahrnehmung einer schizophrenen Persönlichkeit handelt, und irgendwie fand ich es in jeder Hinsicht faszinierend: Stil, Sprache, regelwidrige Interpunktion und Handlung waren so ganz anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte.

Die Idee, etwas in der Art entstehen zu lassen, auf meine ganz eigene Weise und mit eigenen Erfahrungen und Einfällen verwoben, nahm langsam Gestalt an - erst in meinem Kopf und auf Notizzetteln, dann zuhause auf dem ausrangierten Computers meines Vaters, weil ich noch keinen eigenen besaß (Zeiten waren das!). Damals habe ich die Ich-Perspektive bevorzugt und mich daher entschlossen, durch die Augen meiner Protagonistin zu schreiben.




Die Geschichte ist mit Sicherheit kein Herzschmerz oder eine Liebestragödie, auch wenn es um eine Beziehung geht. Sie erzählt von den Ängsten und Defiziten einer jungen, traumatisierten Frau, die mit einem wesentlich älteren Mann, der als Theaterregisseur arbeitet, zusammenlebt und erkennt, dass sie seinem Intellekt, seiner Erfahrung und seiner Weltgewandtheit nicht gewachsen ist und doch von ihm profitiert; zumindest solange, wie sie seine Führung benötigt, die er ihr gerne, aber nicht ganz ohne Bedingungen oder schmerzlos gewährt. Ich habe ein Faible für zerrissene und ein bisschen verrückte Charaktere. Einiges über ihre Vergangenheit findet über Gespräche in Dialogform statt, und vieles lässt Milan rätselhaft distanziert erscheinen und die Erzählerin kindlich und in starker Abhängigkeit zu der Person, von der sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben angenommen fühlt.

Obwohl die Beziehung alles andere als harmonisch verläuft und von Verlustängsten von seiten der jungen Frau geprägt ist, gelingt es Milan allmählich, ihr Selbstwertgefühl zu wecken, indem er sie (meist) so behandelt, wie sie behandelt werden möchte.

Leseprobe folgt wie immer nach "weitere Informationen".

Freitag, 7. Februar 2014

Der-aus-dem-Rahmen-fällt

Es gibt einen neuen Roman von mir. Eigentlich und wenn ich ehrlich bin, ist er gar nicht mehr so neu. Aber ich habe das Manuskript überarbeitet und ein paar Veränderungen angebracht, nachdem ich die Geschichte nach einiger Zeit wieder gelesen habe. Sie fällt aus dem Rahmen, weil es die einzige ist, in der ich aus dem Blickwinkel einer jungen Frau berichte. Sie lebt mit einem älteren Mann zusammen, der es ihr nicht leicht macht und sie trotzdem auf die richtige Fährte bringt, was ihren weiteren Lebensweg angeht. Meine Erzählerin ist psychisch labil und alles andere als selbstbewusst und tough - ihre Kindheit ist gezeichnet von Verlustängsten und kindlichen Traumata. Gemeinsam mit Milan deckt sie nach und nach die Geister ihrer Vergangenheit auf und lernt, mit ihnen umzugehen.




Auch wenn der Roman in einem etwas ungewöhnlichen Stil und der Ich-Perspektive verfasst ist, so trägt er keine autobiografischen Züge. Natürlich wurden eigene Erfahrungen darin verarbeitet, aber es ist mir doch wichtig, zu erwähnen, dass das Werk fiktional ist - allein die Zeit, in der es spielt, ist mir fremd. Aber gerade das ist meiner Ansicht nach das Schöne am Schreiben - dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich etwas ausdenken kann, das so ganz anders ist als das, was man normalerweise kennt. Und natürlich - damit es trotz aller Fantasie noch glaubwürdig und authentisch ist - die Recherche, mit der ich es tatsächlich sehr genau nehme.

Eine Liebegeschichte im herkömmlichen Sinn ist mein Roman nicht; es geht um die Suche nach sich selbst und darum, sich von Ängsten und Abhängigkeit zu befreien. Ein ziemlich philosophischer Ansatz also, dem ich hoffentlich gerecht werde. Immerhin war ich zum Zeitpunkt der Entstehung der Geschichte genauso alt bzw. jung wie die Protagonistin.

Eine Leseprobe folgt unter weitere Informationen.


Samstag, 16. November 2013

Das Buch im Buch: Leseprobe "Fairlight"

Im Bücherforum ging es vor kurzem um "Das Buch im Buch." Soll heißen, welches Buch von Protagonisten in einem Roman gelesen oder vom Autor erwähnt wird. Ich fand die Idee so originell, dass ich gleich mal recherchiert habe, ob so etwas in meinen eigenen Romanen auch vorkommt.

Und siehe da, in fast allen meinen Werken wird Bezug auf Klassiker der Literatur genommen. In "Fairlight" spielt sogar ein Gedicht von Robert Browning eine Schlüsselrolle. Ich mag solche auf den ersten Blick unbedeutenden Details, die sich später doch als wichtig erweisen und beim Leser einen Aha-Effekt auslösen.


 


Unter "Weitere Informationen" gibt es die Leseprobe, in der sich Morgan Thorpe als Hobbydetektiv beweist und einiges aus der Vergangenheit der rätselhaften Fairlight-Sippe aufdeckt.

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Mittwoch, 4. September 2013

Genre gesucht!



Gerade bin ich am Überarbeiten eines Manuskriptes. Ich merke dabei jedesmal, dass es gar nicht so leicht ist, sich kurz zu fassen - mit dem Klappentext habe ich lange gekämpft. Er soll ja neugierig machen, nicht zuviel verraten und dazu verführen, ins Buch zu schauen. Und was kurze oder zusammenfassende Texte betrifft, war das schon in der Schule nie meine Stärke.

Das Foto oben zeigt das vorläufige Cover. Da die Geschichte in einem spätsommerlichen England auf dem Land spielt, passen die Gräser sehr gut.

Was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist die Genre-Einteilung. Ist mein Roman jetzt "nur" historisch, weil er vor einem geschichtlichen Hintergrund (der Burenkrieg) stattfindet, oder könnte ich ihn unter "Psychothriller" publizieren?

Hat jemand davon überhaupt schon mal gehört - historischer Psychothriller? Das trifft es nämlich, wenn man's genau nimmt. In einem Thriller wird nicht automatisch ein Mord aufgeklärt wie in einem Krimi. Darum würde ich zu *Thriller* tendieren. *Psycho* deshalb, weil es weniger Action als über menschliche Abgründe zu lesen gibt. Letzteres finde ich ungleich spannender. Darum tun sich bei den Schauspielern derer eine ganze Menge auf.

Eine Leseprobe - genauer gesagt, den Prolog - findet ihr unter "Weitere Informationen".



Sonntag, 19. Mai 2013

Leseprobe: "Vom Ernst des Lebens"

In diesem Teil des dritten Kapitels lernt Rupert Grayson den Bistrobesitzer Thierry Levant kennen, mit dem er und Miles in Zukunft noch mehr zu tun haben werden. Eigentlich schließt Rupert nicht schnell Freundschaften - selbst die zu Miles ist zu Beginn nicht gerade tief und ihm eher suspekt. Doch in Paris gelingt es Rupert, über seinen Schatten zu springen und sich mit Menschen zu befassen statt mit Büchern, nachdem Miles ein "Rendezvous" mit dem Hotelpagen Julien Delaroche hat.



Die Vorgeschichte zu dieser Leseprobe könnt ihr auf meiner Homepage lesen.



Donnerstag, 21. März 2013

Appetithappen "Ausnahmsweise Doppelgleisig"

In Kürze werde ich meinen fünften Roman veröffentlichen (Termin vermutlich Anfang April), in dem es um Branko Schuster - einen erfolgreichen Münchner Unfallchirurgen - und seinen Schutzengel geht, der sichtbar wird. Von höchster Stelle wurde entschieden, dass Branko himmlischen Beistand nötig hat, da es in seiner Ehe gewaltig kriselt.



 Der Engel Seraphin ist allerdings nicht befugt, in die Geschehnisse einzugreifen bzw. sie zu verändern - er kann nur Impulse geben, um den freien Willen der Menschen nicht zu beeinflussen. So nistet er sich bei dem anfangs skeptischen Branko ein und sorgt für Turbulenzen, die weder von ihm selbst noch von seinem Auftraggeber beabsichtigt waren.

In der folgenden Leseprobe sorgt Seraphin erst einmal für klare Verhältnisse unter Kollegen.

Samstag, 16. März 2013

Leseprobe: Fairlight


 


Eine kleine Warnung vorab: bei dieser Geschichte geht es teilweise recht derb und drastisch zu. Fans von Liebesromanen nach klassischem Muster, Zartbesaitete und Feelgood-Literatur-Liebhaber werden vermutlich nicht unbedingt auf ihre Kosten kommen. Ich habe dieses Buch geschrieben, weil mich die ambivalenten Verhältnisse der Upper Class in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts fasziniert haben.

Das Quiz, bei dem es diesen Roman  (ohne Versandkosten innerhalb Deutschlands) zu gewinnen gibt, läuft noch bis morgen. Um 20.00 Uhr werde ich dann Glücksfee spielen und den Gewinner per E-Mail benachrichtigen.



Mittelengland, Herbst 1916

Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust. Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen und die Bewohner des Anwesens genauer zu beobachten… 

Samstag, 26. Januar 2013

Leseprobe: Das Bildnis des Grafen (Kap. 12 / Teil 2)



Nachdem Renoir einen Verdacht gegen seinen Patienten Valentine hegt, beschließt er, diesen damit direkt zu konfrontieren.

Achtung: Dieser Ausschnitt enthält einen sogenannten Spoiler!

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