Im Tauschregal des Freibads entdeckte ich dieses Buch; eher unscheinbar trotz trashigem Einband und dünn, war es für mich interessant, nachdem ich mich an "Das Geheimnis der Schwestern" erinnert habe, das mir wider Erwarten gut gefallen hat. Ähnlich verhält es sich mit dem Schlossherrn. Obwohl die Geschichte sehr JaneEyre-isch angehaucht ist und daher offenbar wenig originell, fand ich sie großartig, sowohl vom Plot als auch vom Setting und den Dialogen. Auch wenn mich dieses "junge Soundso begibt sich dorthin, um Geheimnisse aufzudecken" im Klappentext normalerweise immer eher abschreckt. Aber hey, Victoria Holt. Muss ich mehr sagen?
Inhalt: Die junge Engländerin Dallas Lawson ist eine begabte Kunstrestauratorin. Sie reist nach Frankreich zum imposanten Château Gaillard, um im Auftrag des Besitzers – des verschlossenen und geheimnisvollen Comte Lothair de la Talle – alte Familiengemälde zu restaurieren, der eigentlich mit deren Vater als Experte gerechnet hat. So hat Dallas zunächst keinen leichten Stand und muss befürchten, die Arbeit zu verlieren. Doch der Graf gibt ihr eine Chance, sich zu beweisen.
Schon bald gerät Dallas in den Sog düsterer Familiengeheimnisse. Auf dem Schloss lastet ein finsterer Schatten: Das Mysterium um den Tod der ersten Ehefrau des Grafen sowie Gerüchte über verschollene Familienschätze. Während Dallas an den Bildern arbeitet und versucht, die Rätsel der Vergangenheit zu entschlüsseln, entwickelt sich eine komplexe und knisternde Beziehung zwischen ihr und dem unnahbaren Schlossherrn Lothair. Doch auch sein Cousin Phillippe - Lothairs offizieller Erbe - und der Weinbauer Jean-Pierre Bastide haben ein Auge auf die emanzipierte und unerschrockene Dallas geworfen. Und dann ist da noch Geneviève, die unberechenbare, vierzehnjährige Tochter des Grafen, die zu vielen Gedanken und Sorgen Anlass gibt mit ihrem bizarren Verhalten... nicht nur ihrem Vater und der alten Haushälterin Nounou. Auch Dallas sieht sich mit ihren Launen konfrontiert.
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| Der Schlossherr (KI) |
Meinung: Obwohl ich anfangs dachte "Mann, wie schamlos sie sich bei Charlotte Bronte bedient!" habe ich Victoria Holt das etwas lahme Plotbunny schnell verziehen. Dafür schreibt sie einfach zu gut und zu spannend, zumal das Plotbunny bald eine andere Richtung einschlägt. Vor allem die Dialoge fand ich spitzenmäßig, das Setting auch. Und den Grafen. Eine Art Edward Rochester, arrogant und schroff an der Oberfläche, sarkastisch, kühl, ein Frauenheld, aber insgeheim mitfühlend und verschwiegen, um andere nicht zu verletzen oder in Verruf zu bringen. Was mir auch gefällt, ist, dass Victoria Holts Protagonistinnen nie dominant auftreten, aber ihren Mann stehen können und das Beste aus ihrer Situation machen. Denn leicht hat Miss Dawson es wirklich nicht. Sie fühlt sich zu dem Grafen hingezogen, der jedoch oft auf Reisen geht (Rochester-mäßig), und so tut, als interessiere ihn nur ihre Arbeit. Dafür bürdet er ihr die widerspenstige Teenagertochter auf (Jane lässt grüßen), trotz der Tatsache, dass sie keine Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen hat.
Die Geschichte hat mich mit ihren Wendungen und Geheimnissen positiv überrascht, denn sie entwickelt sich doch zu etwas Eigenem, das wenig mit "Jane Eyre" zu tun hat. Es geht um Neid, Eifersucht, religiösen Fanatismus und ja, auch Wahnsinn. Aber der gehört in düsteren Schlossgeschichten eigentlich immer dazu, oder? Ein bisschen hat "Der Schlossherr" das Zeug zu einem Lieblingsbuch. Auf seine ganz besondere Art. Ich habe mich lange nicht mehr so gut unterhalten gefühlt und den Roman in zwei Tagen durchgelesen.
Bewertung: 💫💫💫💫💫


























