Vermutlich habe ich es bereits erwähnt: durch Mamas Freundin Annchen, in deren Nachlass ich viele Bücher über den Findling Kaspar Hauser fand (unter anderen auch ihr eigenes in Briefen an ihn), habe ich mich ein bisschen in dieses faszinierende Thema eingefuchst. Die Recherchewerke, die ich mir als Erstes zur Brust nahm, haben mich jedoch nicht halb so begeistert wie "Briefe an Kaspar Hauser", denn aufgrund ihres Alters sind sie oft ermüdend, konfus und trocken verfasst.
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| Lest dieses Buch! / Gemini |
Weil man in ihm lange einen badischen Erbprinzen vermutet hat (die letzte DNA-Analyse war 2024, allerdings ohne zufriedenstellendes Ergebnis), bewegt man sich als Leser u.a. in Adelskreisen, was für mich als Laie hin und wieder verwirrend wurde mit den vielen Namen und royalem Gedöns. Tatsächlich hat Annchen zwar eine andere Theorie verfochten, doch sie ist nicht weniger blaublütig: ihrer Meinung nach war der unter mysteriösen Umständen in Nürnberg zu Pfingsten 1828 aufgetauchte junge Mann ein Sohn Napoleon Bonapartes und Marie Louises von Österreich. Schon die Nennung der Mutter löste einen Aha-Effekt aus, hatte man bei Kaspar doch einen geheimnisvollen Zettel in Spiegelschrift gefunden mit den Initialen M.L.Ö.
Annchen wurde mit ihrem Buch auf Veranstaltungen des Kaspar Hauser-Freundeskreises eingeladen, der sich wohl in Nürnberg und Ansbach traf, die Orte, an denen Kaspar wohnhaft war und wo Unterlagen, persönliche Ggegenstände und Kleidungsstücke von ihm aufbewahrt werden. Ich weiß noch, dass sie sich besonders gefreut hat, als man ihre Theorie nach ein paar Jahren des Klinkenputzens in Fachkreisen erörterte und man Annchen auf Einladungen aus ihrem Werk vorlesen ließ. Als ich sie damals zusammen mit Mama traf, schien es fast, als seien die Mittel zur Entmystifizierung des großen Rätsels seit fast 200 Jahren zum Greifen nah. Denn eins muss ich nun, da ich das Buch wieder bewusster und sachverständiger lese, betonen: Aus den Fingern gesaugt hat sich Annchen ihre Version mitnichten. Sie fußt auf den erstaunlichen Tatsachen, die man über Kaspar Hauser gemeinhin kennt und die kaum jemand anzweifeln wird, wie etwa das Versteck im dunklen Verlies (wobei ich noch nicht genau weiß, wie Annchen dazu steht...).
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| Pfiffig und wissbegierig: Annchen Kröger |
Dass man ihn zuweilen auch als Schwindler betrachtet, der Aufmerksamkeit suchte und sich dann, als sie nachzulassen drohte, aus Frust darüber selbst umbrachte, ist eine kaum ernstzunehmende Spekulation. Jedenfalls bin ich gerade fleißig am Lesen und jeden Abend gespannt auf den nächsten Brief von Susanne/Annchen an Kaspar. Noch ist er als Dreijähriger bei seiner Mutter, doch es scheint mir, dass beide bald durch die Unruhen - das erschütterte Europa nach Napoleons verlorenem Russlandfeldzug, nach dem der Kaiser selbst nach Elba verbannt wird - getrennt werden und der kleine Napoleon François (Kaspars Taufname laut Annchen) verschleppt wird und dann lange Zeit in Dunkelheit mit seinen Holzpferdchen verbringen muss.
So oder so, es ist schon schlimm, was man dem Kind angetan hat. Erstaunlicherweise scheint der Name Kaspar Hauser nicht mehr zum Allgemeinwissen zu gehören; viele, denen ich von meiner neuen "Leidenschaft" erzähle, kennen ihn und seine aufsehenerregende Geschichte gar nicht. Vielleicht rückt er in zwei Jahren zum 200sten Jubiläum wieder mehr ins kollektive Gedächtnis mit Fernsehdokumentationen und Verfilmungen.
Bis dahin kann ich guten Gewissens Annchens Buch "Briefe an Kaspar Hauser - Für Frieden und Gerechtigkeit in Europa" empfehlen. Auf Amazon kostet die Ausgabe um die 40,00 Euro, doch wer interessiert ist, kann sich auch an mich wenden. In meinem Besitz habe ich einen Karton mit neuen ca. 20 Exemplaren, die ich gerne zum Pauschalpreis inklusive Porto von 10,00 Euro pro Stück deutschlandweit verschicke. Nicht nur, um Annchen einen Gefallen zu tun. Sondern weil ihr Buch und ihre Forschungsarbeit zum Thema lesenswert ist, nicht nur für Hauser-Experten. Bei Interesse meldet euch im Kommentarbereich.
Was wirklich geschehen ist damals mit Kaspar, wo er herkam und warum er beiseite geschafft werden musste, das wissen nur der Himmel, Kaspar selbst und seit letztem Jahr auch Annchen, die ihr "fünftes Kind" mittlerweile bestimmt persönlich kennengelernt hat. Sie hat sich mit so viel Herzblut dem Nürnberger Findling gewidmet, dass ich mir durchaus vorstellen kann, dass sie der unbequemen Wahrheit mit ihrem Buch ein Stück näherkam.































