Die einzelnen Folgen sind ca. 25 Minuten lang, so dass wir auch gern mal zwei am Stück angucken. Leider gibt es nur eine Staffel mit 13 Folgen, aber das ist das einzige Manko. Was uns besonders gut gefällt, ist natürlich der Nostalgiefaktor. München erkennt man schon noch, und trotzdem sah es so viel anders aus als heute (Marthas nach Schweden emigrierter Schwager Alois beklagt den technischen Fortschritt allerdings schon damals und fühlt sich fremd in seiner ehemaligen Heimat). Die U-Bahn war relativ neu und wurde wohl extra zum Olympiajahr '72 fertiggestellt - die Olympiade wird tatsächlich in zwei Folgen thematisiert. Süß, als Oma Guthmann das U-Bahn-Cruisen als neues Hobby entdeckt und dadurch zu spät zu einer Verabredung für den von Bastian verhassten Hosenkauf kommt.
Was Bastian von vielen aktuellen (und vermutlich auch damaligen) Serien unterscheidet, ist, dass nichts wirklich Dramatisches geschieht. Es bleibt trotz aller Situationskomik und prekären Lagen, in die Bastian sich manövriert, irgendwie bayrisch gemütlich... und das, wo der Schauspieler und auch Lina Carstens gar keine Bayern sind.
Weitere wichtige Figuren sind die ledige Susi (Monika Schwarz) mit neugeborenem Baby, die auf Wohnungssuche ist (schon damals schwer in München, doch mit Säugling ohne Vater ein Ding der Unmöglichkeit), und die Ärztin Katharina Freude (Karin Anselm), in die Bastian sich während eines Krankenhausbesuchs verliebt hat und ihr ziemlich hartnäckig auf den Fersen bleibt, obwohl sie findet, dass er zu jung für sie sei und außerdem ein "Traumtänzer". Zwar gehen sie in den Bergen wandern und kommen sich dort so nahe, dass Bastian den Eltern vorgestellt wird, doch da ist auch noch Bastians älterer und fleißiger Bruder Karli (Friedrich von Thun), der laut Bastian "viel eher dein Typ ist". Zu dumm, dass der aufgrund einer verbotenen Nacht-und Nebelaktion von Bastian und Susi auch noch die Bekanntschaft von Dr. Freude macht...
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| Das Baby im "Bäckerei-Wespenschutz"-Glaskasten |
Das Flair, das "Der Bastian" verbreitet, ist für Nostalgiker wie mich einfach nicht zu toppen. Schlaghosen, Plastik allerorten (pfui eigentlich!), Bastians grüne, rostangefressene Ente, schrille Farben in der engen, vollgestopften Mansarde, die Bastian oft unfreiwillig teilen muss, und auch der Stachus, der aussieht wie auf einer Postkarte von der Wochenendkaffeefahrt der Großeltern in den 1970er Jahren, das sind kleine Highlights, auf die ich mich besonders freue.
Natürlich ist auch Horst Janson ein Hingucker und unglaublich jung mit der blonden Mähne und der schlaksigen Figur, die zu der Zeit fast alle Schauspieler und Schlagerstars pflegten (was bestimmt nicht so leicht war, wie es aussah - andererseits war Fast Food noch nicht so omnipräsent wie heute. Man kommt trotzdem auf den Gedanken, es war in den 70ern eine Art Schönheitsideal für Männer um die Dreißig). Und irgendwie wünscht man sich, es gäbe mehr Bastians auf der Welt - Menschen, die das Leben nicht so ernstnehmen, nicht so pedantisch und tragisch und dabei ihr schelmisches, entwaffnendes Lächeln bewahren.
Vielleicht wirkt die Serie gemessen am aktuellen Fernsehgeschmack etwas brav und manche Szenen behäbig, doch wer auf ständige Action, Mord, Drama und Spannung verzichten kann und stattdessen gern in Nostalgie der Familienunterhaltung schwelgt und die frühen Siebziger (noch einmal) erleben will, für den ist der leichtlebige Bastian Guthmann mit seiner sich in alles einmischenden Oma Pflichtprogramm. Zu streamen gibt es die Serie in der ZDF-Schatzkiste auf Amazon Prime. Oder - für die Hardcore-Nostalgiker - ganz klassisch auf DVD.
Bewertung: 💫💫💫💫💫
Bilder: Amazon
































