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Mittwoch, 30. Juli 2014

Leseprobe "Fairlight" (II)

Das schwüle Wetter zurzeit macht mich ein wenig ramdösig. Daher erlaube ich mir heute ausnahmsweise, schreibfaul zu sein und ohne große Einleitung eine Leseprobe aus meinem Roman "Fairlight" zu posten.




Darin geht es um eine mysteriöse Familie auf einem abgelegenen Anwesen in Mittelengland um 1916. Drei Ärzte werden "notgedrungen" von dem aus Frankreich heimkehrenden Soldat Francis Fairlight als Gäste aufgenommen, als sie auf dem Weg zu einem Medizinerkongress nach London eine Reifenpanne haben.

Dieses Buch ist ein Beispiel für detailiertes Setting, da der "Star" des Romans der düstere, buchstäbliche Herrensitz ist. Ich hoffe, ich habe mich nicht zu sehr in Kleinigkeiten verloren - ein Schönheitsfehler, der mir hin und wieder unterläuft, wenn mir Szenen allzu bildhaft vor Augen stehen.^^

Feel-Good-Reader beware: "Fairlight" behandelt delikate Themen, die weder für Kinder noch für Sensibelchen geeignet sind.

Bildquelle: Pixabay




Montag, 28. Juli 2014

Das Setting bzw. der Schauplatz eines Romans

Angestoßen durch einen kritischen Artikel eines Schriftsteller-Kollegen habe ich mich neulich gefragt, wie wichtig das Setting und die damit verbundene Atmosphäre eines Romans ist. Selbstverständlich ist eine ausführliche Beschreibung von abgefahrenen Parallelwelten in Fantasy und Science Fiction unabdingbar und erwünscht, aber wie ist das eigentlich bei historischen Erzählungen, Krimis oder Liebesromanen?

Für mich persönlich kommt es auf die Geschichte und die Handlung an. Es gibt Bücher, die in ihrer Knappheit an Details durchaus ihren Reiz haben und wo "langatmige" Beschreibungen sogar stören würden. Irgendwie scheint es mir, dass der Leser im Allgemeinen die Fähigkeit hat, sich auf die aktuelle Lektüre einzustellen. Wenn ich von mir ausgehe, trifft das zu. Meist schätze ich ausgedehnte Beschreibungen - sowohl als Leser als auch Autor. Mir gefällt es, in eine Welt abzutauchen, die der Autor oder ich selbst genau vor Augen hat / habe. Bei "fremden" Werken lasse ich mir durch genaue Beschreibungen nicht mein Kopfkino vermiesen - eher im Gegenteil. Gerade in historischen Krimis wie "Nacht ohne Gesicht" von Rennie Airth und der "Monk"-Reihe von Anny Perry helfen Details der Umgebung und der damaligen Mode bzw. der spezifischen Epoche, sich voll in den Roman hineinzugeben und ein unvergessenes Leseerlebnis zu haben und im besten Fall auf unterhaltsame Weise noch etwas über Geschichte zu lernen.

Oft kann man sich in historischen Romanen kein wirkliches Bild machen, wenn das Setting und der Schauplatz als lästiger Zusatz verstanden werden, der vom Autor merklich widerwillig in drei Sätzen eingestreut wird. Ein Beispiel will mir hier nicht sofort einfallen, aber ich wette, der eine oder andere weiß, was ich meine.

Auf der anderen Seite stehen Bücher wie die rasanten, frivolen Geschichten des französischen Schriftstellers Philippe Djian ("Betty Blue - 37,5°C am Morgen"), in denen das Setting meist in nur einem lässig dahingeworfenen Nebensatz Erwähnung findet, wenn überhaupt. Trotzdem zeigt sich sogar sein Antiheld oft überraschend romantisch, wenn er einen Sonnenuntergang beschreibt oder welchen Genuss ihm eine Zigarette, Sex und eine Flasche Bier bereiten. Djians Stil in seiner berühmt-berüchtigten Betty-Trilogie ist übrigens derart minimalistisch, dass der Ich-Erzähler namenlos bleibt.




Es ist für Autoren nicht einfach, gerade in der Frage des Schauplatzes ein gutes Maß zu finden, das sowohl Leser als auch Autor zufriedenstellt. Schließlich will man nicht mit seitenlangen Nebensächlichkeiten langweilen, doch der Spruch "In der Kürze liegt die Würze" findet vor allem bei Bestseller-Autoren wenig Anklang. Ich denke da an Epen-Verfasser wie Diana Gabaldon, die immer noch an ihrer Outlander-Saga um Jamie und Claire bastelt, und George R.R. Martin mit "Game of Thrones". Für beide Autoren hat sich der epische, weit ausholende Stil bewährt. Klar, sie schreiben eine Mischung aus Historie und Fantasy, ein Genre, das Details verlangt. Und dennoch würden sie sich vermutlich mit Kurzgeschichten schwerer tun. Ein ausgefeiltes Setting versprüht zugleich Atmosphäre und hilft, sie aufzubauen; darauf will kein Autor verzichten.

Die große Kunst ist natürlich, Atmosphäre ohne lange Beschreibungen zu erzeugen. Viele Leser/innen, die ich kenne, bevorzugen dennoch einen dicken, epischen, ausführlichen Schmöker, sind aber knackigen Kurzbeschreibungen keinesfalls per se abgeneigt. Mich eingeschlossen.


Bildquelle: Tama66, Pixabay


Mittwoch, 23. Juli 2014

Heißer Serien-Tipp: "In Treatment"

*Schnüffi* Nach vier Wochen musste ich Dr. Paul Weston und seine Patienten ziehen lassen - die dritte und letzte Staffel wurde fertiggeguckt, und das beinahe in Rekordzeit. Ehrlich, die Serie, so unspektakulär wie sie anfangs scheint, hat mich völlig in ihren Bann gezogen. Das lag vor allem an Gabriel Byrne als krisengeschütteltem und doch überzeugendem Psychologen, aber auch an den verschiedenen "Patienten", die einem mehr oder weniger ans Herz wachsen. Ein merkwürdiges Phänomen war das: im Lauf der Sitzungen entwickelt man für die meisten, auf den ersten Blick absurd oder bockig reagierenden Patienten tatsächlich trotz ihrer Macken Sympathien, sei das ein überarbeiteter CEO, eine alternde Schauspiel-Diva oder ein sich fehl am Platz fühlender indischer Großvater.

Inhaltlich gibt die Serie so wahnsinnig viel her, dass eine Kurzbeschreibung hier den Rahmen sprengen würde. Neugierige und Spoiler-Fans dürfen sich jedoch gern auf Wikipedia schlau machen.

Leider wird es keine vierte Staffel geben, obwohl die Quoten recht hoch waren: Gabriel Byrne wollte die Aufmerksamkeit nicht, die ihm mit der Serie plötzlich zuteil wurde (Aw, er sieht nicht nur toll aus, er ist auch noch bescheiden!). Die dritte Staffel ist außerdem schon vier Jahre her. 

Mein persönlicher Favorit unter seinen Fällen war der Teenager Sophie. Ich glaube, zwischen den beiden Schauspielern hat einfach sofort die Chemie gestimmt, und es ist schön und *cozy*, zu sehen, wie wohl sich Sophie bald in Pauls Praxis fühlt. So wohl, dass sie sogar eine Pizza dorthin bestellt und in ihm einen Vaterersatz sieht; einen Vater, der ihr zuhört und sie ernst nimmt. Oder ihm auf Spanisch ein ungewöhnliches Kompliment macht. Sie ist zudem die einzige Patientin, für die die Gespräche mit Paul zu einem offensichtlichen Happy End führen: in der zweiten Staffel bewertet sie Paul auf dessen verwaister Internetseite mit den Worten: "He saved my life".

Die meisten anderen Fälle nehmen - nicht selten aufgrund Pauls persönlicher Anteilnahme - einen nicht ganz so glücklichen Verlauf. Aber es gibt in der Tat einen fast humorvoll-wehmütigen Fall in der dritten Staffel, in dem Paul zwar seiner Intuition vertrauen konnte, sich aber völlig von Sunil (besagter indischer Großvater) aufs Glatteis hat führen lassen, was ihn so verärgert, dass er zunächst nicht wertschätzen kann, dass er Sunil auf subtile Weise geholfen hat, sein Ziel zu erreichen. Diese Seite mag ich auch an Paul: er kann, vor allem außerhalb seiner Sprechstunden, deftig irisch fluchen und auch Unsicherheit und Verwundbarkeit zeigen. Fast bittersüß sind die etwas unbeholfenen Szenen mit Max, seinem Sohn, der nach der Scheidung der Eltern beschließt, zu seinem Vater auszureißen und mit ihm zu wohnen. Davon hätte ich mir ein bisschen mehr gewünscht, doch Paus Privatleben wird meist nur kurz im Vorspann angerissen und dann später von seiner Mentorin Gina respektive ihrer Nachfolgerin Adele zerpflückt.

Und letztlich waren es oft verschwindend kleine Szenen, bei denen mein Herz einen Sprung gemacht hat vor Rührung. Der Tod von Pauls Vater beispielsweise, und wie Paul unter seinem Nachlass seine Uhr findet und umbindet, obwohl sie nicht einmal geht. Pauls Antwort zu Sophies Vermutung, dass er wohl tief graben muss, um etwas Liebenswertes in ihr zu finden.

Die Serie gibt es nicht in deutscher Synchro oder mit deutschen Untertiteln (ich habe gesehen, dass sie aktuell wohl im Schweizer Fernsehen läuft), aber wenn ich ehrlich bin, würden fremde Stimmen das Ganze nicht so glaubwürdig machen wie das Original. In den therapeutischen Sitzungen spielen besonders Mr. Byrnes tiefe Stimme und der ruhige Tonfall eine wichtige Rolle, die mit der hart klingenden Synchronisation verloren gehen.

Wirklich schade, dass es nicht mehr Staffeln gibt. So charismatisch ich Mr. Byrne als Filmschauspieler finde, mit Dr. Paul Weston wurde ihm eine Serienrolle auf den Leib geschneidert. Kein anderer hätte das besser hinbekommen, die Gratwanderung zwischen Traurigkeit und Empathie, Warmherzigkeit und Unzufriedenheit, und dem Wunsch, anderen helfen zu wollen, sich zu investieren und doch frei und unabhängig zu sein. Eine bemerkenswerte Serie, die für anspruchsvolle Zuschauer mit Intelligenz, Herz und Englischkenntnissen ein absoluter Geheimtipp ist!




Samstag, 19. Juli 2014

Jetzt hat es mich, das Gesichtsbuch!

Nachdem ich wirklich lange mit Facebook gehadert und mich vor zwei Jahren eher widerwillig angemeldet habe weil ich in hundert Jahren keine der 485 Trillionen Facebookleichen sein will, habe ich mir heute eine Autorenseite eingerichtet.

Hauptsächlich werde ich dort von und über meine Werke schreiben, Ausschnitte zitieren und  Hintergrundinfo und ein paar unvermeidliche Weisheiten zum Besten geben. Mein erster Beitrag erzählt davon, wie und warum ich auf die Idee kam, "Das Bildnis des Grafen" zu schreiben. Er findet sich auch hier auf meinem Blog wieder, den ich hoffentlich aufgrund der FB-Seite nicht vernachlässige.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Facebook hat für mich erhebliches Suchtpotential im Gegensatz zu Twitter oder Google+. Ständig will ich wissen, was es Interessantes und Neues gibt, ob mir jemand gepostet hat, einen Link gelikt etc. etc. Bei den anderen Plattformen, auf denen ich mehr oder weniger aktiv bin, besteht die Gefahr nicht so sehr. Eigentlich bin ich direkt froh, dass ich kein Smartphone habe; mein altersschwaches Handy unterstützt die mobile Funktion nicht, sonst würde ich wohl auch unterwegs der Versuchung nicht widerstehen können. Irgendwo muss es ja auch noch ein Leben jenseits des Internets geben.

Trotzdem freue ich mich natürlich über Besucher auf meiner nagelneuen Seite, zu der es hier lang geht: *Klick*




Donnerstag, 17. Juli 2014

Das "Wir"-Gefühl und der Gaucho-Tanz

Deutschland ist Fußball-Weltmeister. Vermutlich weiß es schon jeder, und trotzdem muss ich im Nachhinein ein wenig darüber sinnieren. Es gab ja bereits einige Pannen während der WM, und nun auch noch der Eklat mit dem "Gauchotanz" auf der Siegesfeier in Berlin, zu dem man den ansonsten ernsten Jogi und seine Mannen wahrscheinlich gezwungen hat. Oder korrumpiert... (O;

Wie auch immer, Patriotismus ist in Deutschland eine zweigeteilte Sache und nicht besonders gern gesehen. Vor allem dann nicht, wenn sich Jogis Jungs in trunkener Feierlaune über ihre sportlichen Gegner lustig machen. Ich habe die Fernsehübertragung der Feier nicht angesehen, finde es aber durchaus legitim, ein wenig Schadenfreude über die zuvor siegessicheren Argentinier auszuschütten. Umgekehrt hätten das Messi und Co. evtl. auch getan, und niemand hätte deswegen die Hände gerungen oder einen empörten Aufschrei fahren lassen. Im Gegenteil, das argentinische Volk hätte gelacht und sich darüber gefreut, die unbeugsamen Teutonen besiegt zu haben. Und Diego Maradona am lautesten.

Moment mal. Das Volk? Hat nicht die Mannschaft gespielt und im Schweiße ihres Angesichts Pokal und Titel errungen? Das sind doch nur elf, bestenfalls dreiundzwanzig...? Ja, natürlich. Aber wir haben schließlich vier Wochen lang gespannt mitgefiebert, gegrölt und angefeuert, wir, das Volk. In jedem Land.

Meine russische Brieffreundin hat mir nach dem Finale geschrieben und mich euphorisch beglückwünscht. Deshalb sind auch *WIR* Weltmeister.

Bei der vollmundigen Behauptung muss ich jedes Mal ein bisschen grinsen. Ich freue mich für Jogi Löw und seine Buben, hatte ein paar vergnügliche und oft auch nervende Momente vor dem TV (denn ich habe mich mehr in Fußball involviert als ich ursprünglich wollte), aber ich fühle mich darum noch lange nicht als Weltmeister. Vielleicht fehlt mir das "Wir"-Gen. Das Gefühl, sich mit etwas oder einer Gruppe völlig solidarisch zu erklären, das hat nicht jeder. Nicht einmal während einer WM. Meine Maxime war, dass das Bessere gewinnen möge. Und der Beste war nun mal Deutschland, ob mir das passt oder nicht.

Auch liegt in der Tat gerade im Fan-Sein die Gefahr, sich den anderen überlegen zu fühlen. Das fängt im Kleinen an und zieht unter Umständen Kreise. Man ist ja so viel stärker in der Gruppe und außerdem etwas Besonderes. Was, wenn einer mit der hirnrissigen Ideologie einer überlegenen Rasse kommt und alle anderen ansteckt wie vor knapp neunzig Jahren? Versteht mich recht, ich bin kein orakelnder Pessimist. Ich habe nichts gegen fahnenschwenkende Patrioten und jubelnde Fans. Solange es dabei bleibt. Doch die Geschichte hat nicht nur in unserer düsteren Vergangenheit von 1933 - 1945 gezeigt, wohin Selbstüberschätzung und Überheblichkeit führen können. Gerade in Stadien findet man immer wieder abschreckende Beispiele und Gesichter von Faschismus. Ist es Zufall, dass die Kampagne "Say No to Rassism" gerade bei Fußball-Ereignissen groß ins Bild und auf Werbebannern eingeblendet wird?

In diesem Sinn betrachte ich den "Party-Patriotismus", wie es in der Presse so schön heißt, mit gemischten Gefühlen. Jeder sollte das Recht dazu haben, stolz zu sein auf sein Land und andere Nationen auch mal ein bisschen durch den Kakao zu ziehen, solange es ohne Konsequenzen bleibt und niemandem schadet. Aber wachsam sollte man bleiben, gerade in unserem Land. Auch wenn ich die Schlagzeile "Ekelhafte Nazis" mehr als ekelhaft melodramatisch finde.





Sonntag, 13. Juli 2014

Der Mann in der eisernen Maske (1998)

Auch wenn er nicht explizit unter meinen Lieblingsfilmen aufgeführt ist - dieser gehört definitiv dazu! Das ist kein Zufall. Meine Vorliebe für sogenannte Swashbuckler-Filme wurde schon früh gesät: Im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren durfte ich spät abends wachbleiben, um mir eine uralte, noch in schwarzweiß gedrehte Musketier-Verfilmung anzusehen. Piraten- und Abenteuerfilme taten ein übriges, mein Interesse für das ausgestorbene Genre Kostümschinken zu wecken, das Ende der 1990er Jahre ein Revival erlebte. 




 "Der Mann in der Eisernen Maske" mit einem fantastischen (noch jungen und fast ätherisch schmalen) Leonardo DiCaprio in einer Doppelrolle als König Louis und dessen eingekerkertem Bruder Philippe ist für mich nicht nur wegen dem illustren Cast überragend, sondern auch, weil er trotz markiger Sprüche und teils plumpen Altherrenwitzen auf Kosten eines weinerlichen Gerard Depardieu die einzige jüngere Verfilmung nach Alexandres Dumas' Klassiker ist, die für mich nicht lächerlich wirkt. Allein die Idee, die drei ausgemusterten Musketiere Artos, Portos und Aramis ins Rentenalter zu verbannen und sie ein bisschen neidisch auf den noch agilen D'Artagnan schielen zu lassen, der zur Leibgarde des Königs avanciert ist, finde ich originell.

Neben dem zuweilen etwas  feucht-derben Humor besticht der Film mit einer ordentlichen Portion Heldenmut, Dramatik und einer großen Romanze zwischen der Königin und ihrem loyalen Hauptmann D'Artagnan in einem opulenten Setting. So stelle ich mir lohnenswerte, verregnete Sonntagnachmittage oder abendliches Popcorn-Kino vor. Na gut, John Malkovich übertreibt es in der Originalfassung mit dem gekünstelten, angehaucht französischen Akzent, aber eigentlich verzeihe ich ihm das gern. So wie die gelegentlich recht auffälligen Pappmacheekulissen und ein paar dick aufgetragene Momente, die durchaus ihre Berechtigung haben und mitten ins Herz treffen.

Ich kann ehrlich sagen, dass mich das Ende jedes Mal zu Tränen rührt. Ich meine, wer muss nicht heimlich oder gedanklich zur Kleenexbox greifen, wenn im Showdown offenbar wird, was sich durch den ganzen Film zieht und sich herausstellt, dass der Titelheld ein ganz anderer war als der unter entwürdigenden Umständen gefangengehaltene Bruder des skrupellosen Königs?

Sicherlich ist dieser Film kein Meisterwerk oder ein Klassiker. Schon gar nicht in der Filmografie der Hauptakteure (allen voran der von Leonardo DiCaprio, der sich heute vermutlich für die seichte Unterhaltung am liebsten in Grund und Boden schämen würde). Dennoch kann ich ihn mir immer wieder anschauen und finde ihn immer wieder anrührend, charakterstark, psychologisch ausgefeilt und atemberaubend zugleich.

Bewertung: Ein Must See für Jungs und Mädels jeder Altersklasse. ACHTUNG: Taschentücher bereithalten!




Bildquelle: Pinterest

Freitag, 11. Juli 2014

Branko, Finn und Tino lernen Hochdeutsch

Mein Roman "Ausnahmsweise doppelgleisig" wurde vor kurzem noch einmal überarbeitet. In dem Buch geht es um einen Münchner Arzt  und seinen *Schutzengel* Seraphin, der versucht, den in der Scheidung begriffenen Branko auf das richtige Gleis zurückzuführen, sprich die Trennung von dessen Frau Annika und der kleinen gemeinsamen Tochter zu verhindern. Dabei lernt er u. a. Brankos Freund Tino kennen, der das Herz auf dem rechten Fleck, aber auch einen ausgeprägten bayerischen Dialekt hat.

Ich mag ja Bayrisch. Als verhinderte Rosenheimerin, Bergfex und Weißwurstzutzlerin gehört für mich auch die Sprache zur authentischen Idylle des Freistaats. Allerdings habe ich festgestellt, dass es gerade für meine Leser nördlich des Weißwurschtäquators nicht immer ganz einfach ist, der wörtlichen Rede im Roman zu folgen, in der auch ein paar Eigenheiten der "Südländer" zum Tragen kommen wie zum Beispiel der Artikel vor einem Namen ("Der Branko", "Der Herr Schuster"). Für uns hier selbstverständlich im Alltag. Es wirkt schon fast ein bisschen *posh*, wenn im hiesigen Umfeld jemand sagt: "Gestern habe ich mit Christine telefoniert." Aber eben nur im gesprochenen Wort.

Es leuchtet ein, dass in Gegenden, in denen diese Eigenheiten nicht üblich sind - und vielleicht sogar vereinzelt dort - der Lesefluss durch eine im Schriftdeutsch eher ungewöhnliche Ausdrucksweise gestört werden könnte. Ich kann schließlich auch kein Plattdeutsch, und ehrlich gesagt, die Mundartromane um den Münchner Kommissar Kajetan von Robert Hültner überfordern selbst mich trotz angehängtem Glossar hin und wieder. In Büchern erwartet man als Leser in den wenigsten Fällen lokalkoloritischen Dialekt, es sei denn, man ist Mundartforscher oder sucht gezielt danach.




Darum erscheint "Ausnahmsweise doppelgleisig" nun im neuen Gewand, und zwar sowohl inhaltlich als auch äußerlich, denn mit dem bisherigen Cover war ich nie so recht glücklich. Die dreiteilige Wendeltreppe ließ mehr an einen klassischen Krimi denken als an eine etwas abgedrehte, humorvolle und tiefsinnige Familiengeschichte. Der neue Einband zeigt schon eher, worum es geht. Andeutungsweise zumindest, denn der darauf abgebildete Marmorengel spielt in der Handlung eine kleine Rolle. Er gefällt mir auch vom Gesamteindruck viel besser.

In Kürze wird die Printausgabe mit diesem Cover erhältlich sein; das "ins Hochdeutsch übersetzte" ebook gibt es bereits auf Amazon. Der Charme der Geschichte ging mit dem Einbüßen des Dialekts übrigens nicht flöten. Hoffe ich.^^



Dienstag, 8. Juli 2014

Schritt für Schritt zum Wunschgewicht

Schon komisch. Mit meinem Gewicht hatte ich außer in meinen ausschweifenden Teenagerjahren mit einem heimlichen Süßigkeitenvorrat  nie Probleme. Bis heute wiege ich bei einer Größe von 164 cm knapp fünfzig Kilogramm und werde auf meiner Wii Fit häufig dazu angehalten, mehr Muskelmasse aufzubauen. Gegen Muckis habe ich auch nichts, aber mein Wohlfühlgewicht liegt tatsächlich ein wenig unter dem Idealgewicht. Ist völlig ok, denn ich wäre nicht ich mit mehr Kilos und freue mich über meinen schlanken Körper, auch wenn selbst ich bei genauem Hingucken Problemzonen finde (und welche Frau fände die nicht?^^). Trotzdem habe ich keine Ahnung von Diäten oder Kalorien und denke, das wird auch so bleiben.

Zu verdanken habe ich meine Figur hauptsächlich meinen Eltern. Klingt eigenartig auf den ersten Blick, doch es ist so. Das hat wenig bis gar nichts mit den sprichwörtlichen guten Genen zu tun, sondern vielmehr damit, zu welchem Ess- und Trinkverhalten ich erzogen wurde.

Nach meinen psychotischen, im Verborgenen stattgefundenen Hungerattacken war mir irgendwann so nachhaltig schlecht von Süßem, dass ich es heute nur noch in Maßen esse und um pure Schokolade einen weiten Bogen mache. Ich mag sie einfach nicht, weil meine Eltern mir gezeigt haben, wie toll Frisches und Gesundes schmecken kann. Und weil mein Organismus sich an etwas gewöhnt hat, das mehr Ansprüche stellt als die kurze Befriedigung, die eine Tafel Schokolade verschafft. Nebenbei bemerkt - gewirkt haben die Endorphine in Süßigkeiten bei mir nie. Wahrscheinlich mussten sie aus diesem Grund in Unmengen verdrückt werden. Ein ziemlicher Teufelskreis. Ich bin froh, dass ich den Absprung geschafft habe vom Hamsterrad und neben gesunder Ernährung auch auf genügend Bewegung achte.

Mein momentaner kulinarischer Favorit sind süße, fruchtige Tomaten und Zwiebeln in jeder erdenklichen Form und zu jeder Gelegenheit (keine Angst, ich stinke nicht (O;). Oder ein toll bunter Sommersalat mit Hähnchenstreifen aus biologischem Anbau wie unten im Video.




Meine Mutter ist geprüfte Ernährungsberaterin und befasst sich seit langer Zeit mit dem Thema Gewichtsreduzierung ohne herkömmliche Diäten. Nach ihrem Verständnis sitzt die Blockade der Übergewichtigen vor allem im Kopf. "Bei Diäten muss ich verzichten", "Ich erliege ja doch wieder dem Jojo-Effekt!" "Gesund zu kochen ist aufwendig und bäh!" "Bio ist zu teuer" "Meine Familie würde in den Hungerstreik treten" etc. sind Argumente, die man immer wieder hört.

Dabei kann kochen und vor allem essen so viel Spaß machen und muss absolut nichts mit Verzicht und Luxus zu tun haben. Selbst Kinder (so wie ich damals) entdecken neue, aufregende und natürliche Gaumenfreuden, ganz ohne Chemie und andere Schadstoffe. Und irgendwann will man vielleicht überhaupt nichts anderes mehr; hin und wieder ein bisschen sündigen ist übrigens durchaus erlaubt.

Wer wissen möchte, wie man effektvoll abnehmen kann, darf sich gerne auf dem Blog von Elvira Wirth melden. Aus jahrelanger Erfahrung hat sie ein Wunschgewichtprogramm entwickelt, das garantiert ohne Jojo-Effekt funktioniert.




Dienstag, 1. Juli 2014

Mal Hü, mal Hott und Sapperlot! Deutschland im Viertelfinale

Kaum eine Stunde vergeht, in der ich derzeit nicht über Fußball-Schlagzeilen stolpere. Und das in merkwürdig ambivalenter Form.

"Das verstehen wir nicht, Jogi Löw!", "Was war das denn für ein Freistoß? - Thomas Müller erntet Spott und Häme", "Warum wir wackeln - zehn Analysen der deutschen Elf".

Oder: "Unsere Ballkünstler am Zaubern", "Warum wir Weltmeister werden müssen", "Der Titel ist Deutschland sicher!"

Bei einer so wankelmütigen Presse und ebensolchen Fans macht Jogi Löw zu Recht ein skeptisches Gesicht (aber wann macht er das eigentlich nicht?). Ehrlich, trotz Millionengage und Ruhm würde ich mit ihm oder seinem Team nicht tauschen mögen.

Ich gebe zu, das gestrige Spiel Deutschland - Algerien habe ich verfolgt und fand es ebenfalls nicht berauschend, und die Hopser von Müller auch ziemlich albern. Grazie und undurchschaubare Tricks habe ich allerdings auch nicht erwartet. Tatsächlich waren für mich die wechselnde Bandenwerbung und vor allem Jogis offensichtliche Aufregung am Spielfeldrand ungleich interessanter. Man sieht ihn ja sonst eher mit stoischer oder - wie gesagt - skeptischer Miene. Meiner Meinung hat der algerische Torwart eine mindestens genauso beeindruckende Leistung gezeigt wie der ständig gepriesene deutsche Keeper, und dennoch ist das kein Grund, dessen Stürmer- und Verteidigerkollegen niederzumachen, wenn sie das gegnerische Tor nicht treffen oder einen Sieg einfahren, bei dem das Ergebnis beruhigender ist als der steinige Weg dahin (Stichwort Xavier Naidoo).

Deutschland hat das Viertelfinale erreicht - was wollen Fans und Presse mehr? Für geschmeidigen und tänzerischen Fußball und extrem raffinierte Aktionen war das deutsche Team nie bekannt, das ist kein Geheimnis und wohl zu einem Teil Mentalitätssache. Muss man es zu etwas hochstilisieren, dessen Ansprüchen das Teutonentum nur höchst selten gerecht wird? Spielerische Eleganz, Leichtigkeit und ausgefeilte Strategien klingen toll im Fachjargon, aber nur weil die Mannschaft noch recht jung ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie diese "Zauberkünste" auf Kommando aus dem Ärmel schüttelt. Außerdem hat jeder (oder auch elf Männeken im Kollektiv) mal einen schlechten Tag.

Obwohl es mir letztendlich egal ist, wer den Titel und den ollen Pokal holt, bin ich jetzt, nach dem frühzeitigen Ausscheiden von Portugal, für mein Heimatland (trotzdem wird mich niemand "Schland" röhren oder sogar flüstern hören...). Wegen Jogi und seinem Friseur. Und weil ich der unkenden und launischen Pressefritzen und Fans einfach überdrüssig bin.