Angefixt durch "Das Kanu des Manitu" habe ich angefangen, meine Bluray-Box mit sämtlichen Karl May-Filmen anzusehen. Bisher waren das "Der Schatz im Silbersee" (1962), "Der Ölprinz" (1965) und "Der Schut" (1964). Gut fand ich sie alle, doch ohne Lex Barker, der in den Filmen in die Rolle von Karl May schlüpft und Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi mit phantasievollem und aufrechtem Heldenmut verkörpert, sind diese Filme für mich nicht komplett.
"Der Schut" ist daher einer meiner Lieblinge der Reihe, die sich bis in die 2000er Jahre großer Beliebtheit erfreute und immer wieder gern zu Feiertagen im Fernsehen gezeigt wird. Ich war zwölf, als ich ihn zum ersten Mal bei Freunden sah, und der Film hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren.

Inhalt: Im Balkan wird Kara Ben Nemsis Freund Henri Gallingré von einer Bande entführt, die für den Schut arbeitet (oberschurkisch und abgrundtief gelb: Rik Battaglia) und Lösegeld von der Familie zu erpressen versucht. Kara Ben Nemsi heftet sich mit Gallingrés Frau (Marianne Hold) und den beiden schrulligen Engländern Sir David Lindsay (Dieter Borsche mit Hamsterbackenbart) und dessen Diener Archie (Chris Howland) auf die Fersen der Halunken. Mit von der Partie ist natürlich auch Hadschi Halef Omar, der loyale, aber etwas tumbe Sidekick Kara Ben Nemsis (Karl May wäre nicht besonders amüsiert von letzterem), gespielt von Ralf Wolter. Gleichzeitig wird auch Tschita (Marie Versini) vom Hof ihres Vaters gekidnappt, weil das das Handwerk der Halunken ist, Entführungen. Und weil Befreiung und Rettung das Handwerk Kara Ben Nemsis ist, nimmt er parallel mit Gallingrés Schicksal das des Mädchens in die Hand, um sie zu ihrem Verlobten zurückzubringen, der sich dem Suchtrupp anschließt zu dem Anwesen des Schuts. Der Weg dahin ist so steinig wie das montenegro'sche Geröll in der Felsenlandschaft, die als Drehort diente, doch natürlich siegt am Ende das Gute (kein Spoiler, weil das immer so ist bei Karl May).
 |
Meine Karl May-Box |
Meinung: Als Lex Barker-Fan, der ihn bereits als Fünfjährige im Winnetou bewundert hat, bin ich voreingenommen. Neben "Winnetou I" ist "Der Schut" mein absoluter Karl May-Klassiker. Das liegt auch an dem edlen und schlauen Rappen Rih und dem schneidigen Kostüm des Helden. Er macht ja eigentlich in allem eine gute Figur, sogar im
Lendenschurz. Trotzdem sind die nächsten Teile der Orient-Trilogie für mich weniger reizvoll, weil er andere Kleider trägt und aus Gründen auch ein anderes Pferd reitet. Kleinigkeiten, ich weiß, aber frau achtet auf so etwas.
Mit zwei Stunden Laufzeit ist "Der Schut" vermutlich der längste der Reihe, und doch wird es aufgrund des hoch gehaltenen Spannungsbogens keine Minute langweilig. Auch die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen fantastisch besetzt (Friedrich Ledebur als klappernder Mübarek lehrt den Zuschauer selbst das Klappern, so unheimlich wirkt er). Die Filme sind allesamt digital remastered, was sie zu einem besonderen Sehvergnügen macht. Die Bildqualiät fiel mir als erstes auf. Gestochen scharf, erkennt man sogar kleine dramaturgische Ausrutscher, wenn man darauf achtet, etwa ein fallender Dietrich, den der Bandit im Würgegriff Gallingrés fallen lässt und in der nächsten Szene wieder in der Hand hält. Die trüben das Gesamterlebnis aber keineswegs.
 |
"Sihdi, werde einer von uns!" "Hmm... Turban steht mir nicht." |
Wir haben uns sehr gut unterhalten gefühlt. Manchmal waren Kara Ben Nemsis Superkräfte vielleicht ein wenig zu viel des Guten, aber hey, er ist Karl May, und der war in seinen Romanen eine noch größere Naturgewalt. Außerdem nimmt man einem so athletischen Schauspieler wie Lex Barker den Alleskönner durchaus ab, der in der Tat die meisten seiner Stunts selbst ausgeführt hat - sehr zum Verdruss der Produzenten, die um Leib und Leben ihres Stars fürchteten. Hat sich aber gelohnt, denn kein anderer am Set hatte wohl ein so inniges Verhältnis zu Pferden, die in den Orientfilmen eine größere Rolle spielen als Iltschi und Hatatitla in den Western.
Bewertung: 👍👍👍👍👍
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen