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Freitag, 18. Juli 2025

Review "King's Land" (2023) mit Mads Mikkelsen

 Nach langer, langer Zeit mal wieder einen Film geschaut statt Serien. Und der hatte es gleich in sich. Als treuer Fan von Mads Mikkelsen stand "King's Land" (Originaltitel: Bastarden) schon lange auf meiner Watchlist. Aus verschiedenen Gründen habe ich es erst jetzt geschafft, ihn anzuschauen, und das bei über zwei Stunden Länge auch nur etappenweise. 

 


 Inhalt: Mitte des 18. Jahrhunderts sucht der dänische König Männer, die die unfruchtbare Heide in Jütland urbar machen sollen. Es handelt sich dabei offenbar um eine Marotte des Königs, denn keinem ist es bisher gelungen, dort etwas anzupflanzen. 

Der ehemalige Soldat und Hauptmann Ludvig Kahlen (Mads Mikkelsen) verspricht sich von dieser Aufgabe Wohlstand, eine Kolonie und einen Adelstitel. Er möchte auf der Heide Kartoffeln kultivieren, die er während seines langjährigen Dienstes in Deutschland kennengelernt hat, die dort tatsächlich gedeihen. Mithilfe eines jungen Geistlichen und Freunden erhält er Arbeiter, darunter der Pachtbauer Johann und seine Frau Ann Barbara, die vor dem gewalttätigen und skrupellosen Landadligen Frederik de Schinkel flohen, der das Land und somit auch Kahlens neu erworbene Heide beansprucht. Kahlen lässt nicht mit sich verhandeln, und so fährt Schinkel (Simon Bennebjerg) schwerere Geschütze auf...

 

Almai Mus(s) weg...

 

Meinung:  "King's Land" hat mich sehr an "Michael Kohlhaas" erinnert, der, ebenfalls mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle, 2013 in Spanien gedreht wurde. Mit genauso gewaltigen (und teilweise gewalttätigen) Bildern, wenig Dialog für den Helden, und der Landschaft als heimlichem Star. Und natürlich Mads Mikkelsens herzerwärmende Interaktion mit einem kleinen Mädchen. War es in "Michael Kohlhaas" seine Tochter Lisbeth, so ist es in "King's Land" das Zigeunermädchen Almai Mus, das nach dem Volksglauben der Ansässigen Unglück bringt, und das Kahlen darum nach Odense in ein Waisenhaus schickt; sehr zum Missfallen von Ann Barbara, die nach Johanns gewaltsamem Tod nicht nur Hauswirtschafterin für Kahlen ist, sondern mit ihm und Almai Mus wie eine kleine Familie im "Königshaus" auf der Heide lebt. Doch das karge, selbstbestimmte Leben ist nicht sicher: der machtgierige und abgeblitzte de Schinkel greift zu immer perfideren Methoden, die ungebetenen Siedler zu vertreiben.

 Irgendwann eskaliert die Situation. Ludvig, der es auf keinen Streit ankommen lassen wollte, tötet die von de Schinkel angeheuerten Gendarmen und gerät in de Schinkels Gewahrsam. Dort droht ihm der Foltertod, denn de Schinkel ist auch Landrichter... doch Ann Barbaras Rache ist furchtbar.

 

Landvermesser

Mir waren die Bilder teilweise zu heftig. Obwohl im Allgemeinen ein ruhiger Film, der wirklich schön inszeniert und Mads Mikkelsen wie immer ein Hingucker ist mit seinem stoischen und doch irgendwie anrührenden Spiel, musste ich manchmal die Lautstärke runter- und den Kopf wegdrehen. Vielleicht bin ich nach zwei Jahren (Heim)Kinoabstinenz auch empfindlicher geworden. Besonders schön allerdings fand ich die kräftigen Rappen (Hannoveraner?), die im Film majestätisch auftraten. Umso tragischer war der Verlust des Pferdes des Hauptmanns. Da musste ich schwer schlucken. Versöhnt hat mich, dass es trotz aller Dramatik und Tragödien ein einigermaßen gutes Ende nimmt. Anders als bei Michael Kohlhaas...

 



 

Bewertung: 💫💫💫💫

 

 

Samstag, 27. November 2021

"Der Rausch" (2020) mit Mads Mikkelsen von Thomas Vinterberg

 Gleich vorweg: als Fan von Mads Mikkelsen habe ich auf diesen Film lange gewartet und wollte ihn eigentlich im Kino sehen. Ging aufgrund der Pandemie leider nicht, doch gestern haben wir ihn uns im Home Cinema angeschaut. Berauschend fand ich ihn nicht wirklich; die guten Kritiken, internationale Auszeichnungen und auch der Name Thomas Vinterberg haben meine Erwartungen wahrscheinlich zu hoch geschraubt.

 


Inhalt: Die befreundeten Lehrer Martin (Mads Mikkelsen), Tommy (Thomas Bo Larsen), Peter (Lars Ranthe) und Nikolai (Magnus Milang) sind genervt von Job und Alltag und starten auf Nikolais Initiative ein "psychologisches Experiment", das besagt, dass jeder Mensch mit 0,5 % Promille zu wenig geboren wurde, um locker und entspannt zu sein. Tatsächlich zeigt das Experiment Erfolg und (ver-)führt zu weiteren, die von dem Psychologielehrer Nikolai dokumentiert werden. Doch sie führen auch zu Problemen und Sinnkrisen. Martins ohnehin bröckelnde Ehe zeigt ihr wahres Gesicht, Tommy verliert völlig die Kontrolle, Peter empfiehlt einem nervösen Schüler ein paar Drinks vor der Abschlussprüfung, und Nikolai pinkelt im Schlaf auf sich selbst statt seine Jungs auf ihn.

Die Message des Films (wenn ich ihn richtig verstanden habe): Alkohol ist auch keine Lösung, aber in einzelnen Fällen ganz hilfreich.

Meinung: Außer der großartige Mads Mikkelsen kamen mir einige Gesichter bekannt vor; ein paar Schauspieler hatten ihren Auftritt bereits in "Die Jagd", allen voran Thomas Bo Larsen, der auch im Rausch die wichtigste Figur neben dem Hauptdarsteller spielen darf. 

 Amüsant und liebenswert waren die vier frustrierten Pädagogen in ihrer Freundschaft allemal und hatten wunderbar "hyggeligen" Umgang untereinander. Auch gab es Momente, die mich zum Lachen brachten, etwa wenn die Männer im Vollrausch alle Hemmungen fahren lassen und trotzdem sorgsam choreografiert das Tanzbein schwingen. Aber die Tiefe von "Die Jagd" habe ich irgendwie vermisst. 

Erst am nächsten Tag ging uns auf, dass Tommy etwas mit dem Scheitern von Martins und Anikas Ehe zu tun haben könnte, doch es ist nur vage durch Tommys Worte an Martin angedeutet und vielleicht Interpretationssache wie in vielen europäischen Filmen. Das Highlight war für mich die Schluss-Szene, in der Martin als ehemaliger Tänzer (der Mads Mikkelsen auch in RL ist) am Pier eine Performance hinlegt, die Gene Kelly alle Ehre macht.

 


Fazit: Ein Must-See ist "Der Rausch" nicht, bietet aber gute Unterhaltung an einem Abend - und einen sexy Mads Mikkelsen, der altert wie guter Wein. 😏

Bewertung: 💫💫💫 und ein halber 💫



Freitag, 6. Dezember 2019

"Arctic" mit Mads Mikkelsen (2019)

Ein Mann vieler Worte ist Mads Mikkelsen in seinen Filmrollen nie. Zumindest nicht in denen, die ich kenne. Darum ist ihm "Arctic" wie auf den Leib geschrieben, in dem er - wenn es hochkommt - vielleicht eine Handvoll verschiedener Sätze sagt. Schade eigentlich, denn ich höre seine nuschelig-brummige Stimme sehr gern. Allerdings verdient es meine Hochachtung, wie man aus einem Film, der von einem einzigen Schauspieler in einer Art Freiluftkammerspiel getragen wird, einen derart packenden Abenteuertrip machen kann, dass ich auf meinem kuscheligen Sofa Gänsehaut bekomme und mich vor Spannung am heißen Tee verschlucke.




Inhalt und Meinung: Der Polarforscher Overgard ist schon längere Zeit in der Arktis mit seinem Flugzeug gestrandet. Jeden Tag schaufelt er unter enormer Kräftezehrung ein riesiges "SOS" in den Schnee, doch seine Hoffnung auf Hilfe hat er weitgehend aufgegeben. Seine Zehen sind trotz dicker Wollsocken erfroren, er ernährt sich von rohem Fisch und testet immer mal wieder das Funkgerät, das beim Absturz des Fliegers gelitten hat. Verzweifelt wirkt er nicht, eher stoisch und fast resigniert.

Doch bei einem seiner zur Routine gewordenen Ausflüge zur nächsten Hügelkette naht Rettung: ein Helikopter schwebt heran. Overgard kann sein Glück kaum fassen, als im nächsten Moment ein Schneesturm den Heli herumwirbelt, ihn abdriften und am nächsten Felsen zerschellen lässt. Eine junge Frau überlebt schwerverletzt. Und da findet eine geistige Wendung in Overgard statt: er kümmert sich um die Frau, die ihn nicht versteht und während des gesamten Filmes nur ein oder zwei Worte spricht, da sie mehr oder weniger ohne Bewusstsein vor sich hindämmert.

"Es ist alles gut. Sie sind nicht allein" und "Drücken Sie meine Finger!" sind anscheinend die einzigen kommunikativen Brücken, die Overgard ihr bauen kann. Rührend, obwohl er meist nicht viel Gefühl zeigt: er besorgt das Foto ihrer Familie aus dem Helikopter und steckt es in ihre Brusttasche oder legt es ihr in die Hand.  Auch ein Feuerzeug befindet sich im Helikopter, und so kann er mithilfe seines Campingkochers endlich Feuer machen und mit der Frau eine köstliche Forellensuppe teilen. Die Mimik von Mads Mikkelsen - sparsam und trotzdem beredt - sagt in Situationen wie dieser mehr als Worte es getan hätten.

Mit der Verantwortung für einen zweiten, hilflosen Menschen setzt erneut der Überlebenswille ein. Overgard beschließt, nach Norden zu gehen, von wo aus Helikopter nach vermissten Personen suchen. Die Route rechnet er sich anhand einer Karte aus, packt die junge Frau auf einen Schlitten und marschiert los, ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Doch der Weg erweist sich als schwierig und gefährlich. In der Szene, in der er den Schlitten und anschließend die im Schlafsack vermummelte ohnmächtige Frau bergan über vereistes Geröll zieht, leidet man als Zuschauer vermutlich mehr als der entkräftete Overgard. Damit nicht genug. Die Höhle, die er und seine vor sich hindämmernde Begleitung zur Nacht aufsuchen, ist nicht unbewohnt. So viel sei gesagt: es sind keine gastfreundlichen und hilfsbereiten Innuit, die Overgard einen Besuch abstatten. Man zittert und bangt und fühlt sich selbst elend, wenn in dem eher ruhig erzählten Film Dinge geschehen, die einfach nicht sein dürfen und die so tückisch über den armen Mann hereinbrechen und irgendwie doch vorhersehbar sind.


Keuch... Schnauf...


Zwei wirkliche Schockmomente gab es für mich, bei denen ich mich gefragt habe, was denn jetzt eigentlich tatsächlich passiert ist. Alle beinahe übermenschlichen Anstrengungen führen nämlich nicht zum Ziel, und ich glaube, dass Overgard - so sehr er sich um die Frau bemüht - nach ein paar Tagen des Herumirrens feststellt, dass ihm eine weitere Person eher hinderlich ist, wobei diese Szene in der Tat Interpretationssache bleibt: er lässt die apathische Frau in einer windgeschützten Eisnische zurück, nachdem sie nicht mehr auf Befehl seine Finger drückt. Doch diesmal dreht er sich um, sieht unerwarteterweise ein Heidekraut aus dem Schnee sprießen und - fällt in ein schneebedecktes Loch im Boden. Da lagen meine Nerven bereits blank. Bevor ich aber zu viel verrate, lege ich jedem, der gut gemachte Survivalfilme mit Tiefgang und überwältigende Naturaufnahmen mag, "Arctic" ans Herz. Obwohl ich mich als Fan von Mads Mikkelsen bezeichne (der Mann ist selbst mit Zottelbart und im unförmigen Michelinanzug sexy!), habe ich nicht damit gerechnet, einen so fesselnden und undramatisch dramatischen Film zu sehen, in dem Mads Mikkelsen vermutlich die Rolle seines Lebens spielt. Von mir gibt es satte fünf


👍👍👍👍👍


Bildquelle: Amazon



Mittwoch, 6. September 2017

There ain't no time for the Summertime Blues...

Ein bisschen ruhig ist es geworden auf meinem Blog seit den Sommerferien. Das Buch, an dem ich gerade lese ("Das Haus der leeren Zimmer" von Lesley Turney), langweilt mich, und außerdem war ich ein paar Tage weg und kaum online. Das soll keine Entschuldigung sein für meine Faulheit, aber es gab tatsächlich wenig, das der Rede bzw. des Bloggens wert gewesen wäre.

Hannigram No.1, jetzt in Oregon

Meine Häkelpüppchen werden immer beliebter. Derzeit sind "Hannigram", also Dr. Hannibal Lecter und sein Kompagnon Will Graham, aus der Serie Hannibal der Renner. Auf meinem Etsy-Shop biete ich Spezialanfertigungen an, und es läuft ganz gut. Vor allem amerikanische Kunden sind begeistert von der Idee, ihre Film- und Serienhelden als anschmiegsames, individuell gefertigtes Püppchen zu besitzen. Wenn man sie so sieht (und vor allem in der Hand hält), ist das schon nachvollziehbar. Ich bin froh, dass ich da etwas gefunden habe, womit ich mein Gehalt aufbessern kann und zugleich viel Spaß habe.

Wills Brille - die er in der Serie im Übrigen nur trägt, wenn er sich extrem unwohl fühlt - ist aus Draht gebogen, was fast das Heikelste an dem Ganzen war. Trotzdem ist sie gut gelungen und zudem abnehmbar. Und Hannibal musste natürlich mit Weste und Krawatte ausgestattet werden; auf ein gepflegtes und tadelloses Äußere legt er bekanntlich enormen Wert.


Hannigram No.2: Die beiden sind jetzt auf dem Weg nach Georgia


 

Irgendwie schön, wenn man Leuten eine Freude mit den eigenen Begabungen machen kann. Vielleicht ist das das Beglückendste an der Sache, auch wenn ich zugebe, dass mir der Verdienst aus den Püppchen nicht unwichtig ist.

Und wie gesagt, in der letzten Augustwoche war ich im Urlaub in meiner Wahlheimat München. Dort bin ich schon als Kind immer gern gewesen, weil die Stadt trotz ihrer Größe ein fast dörfliches Flair verströmt, das mir als Landei total entgegenkommt, und sie dennoch viel zu bieten hat. Diesmal waren wir in Obergiesing, in der momentan leerstehenden Wohnung meiner Cousine. Da gibt's noch richtige Urbayern, die im Laden und auf der Straße gern mal ein Schwätzchen halten. Hauptsächlich haben wir während unseres Aufenthaltes in Kultur gemacht, wobei gesagt werden muss, dass mir der botanische Garten in Nymphenburg eigentlich am besten gefallen hat - aber nur eigentlich.


Pst! Nicht aufwecken! Sonst will er spielen.


 

Denn der barbarinische Faun in der Glyptothek war schon krass beeindruckend und hat für ein paar dreckig-frivole Lacher gesorgt (so viel zum Thema Kulturbanausen). Nein, im Ernst, Skulpturen sind derzeit unser Thema, und in den verschiedenen Galerien und Museen kamen wir voll auf unsere Kosten. Erstaunlich, wie exakt und lebensnah die Bildhauer bereits vor über zweitausend Jahren gearbeitet haben. Auch in der Pinakothek gab es einiges in der Richtung zu sehen und zu bewundern. Sonntags bezahlt man dort nur € 1,00 / Person, und zwar sowohl in der Alten, der Neuen und der Moderne. Letztere haben wir allerdings nicht mehr geschafft; dafür gab es ein paar leckere Scones zur Stärkung im Victorian House. Ach ja, und Eggs Benedict hatte ich ein paar Tage zuvor auch probiert - zum ersten Mal. Musste ich ja, als Cumberbatch-Fan. (O; Berauschend oder ein unvergessenes Geschmackserlebnis stelle ich mir zwar anders vor, aber ich habe mich damit getröstet, dass es "typisch britisch" ist: ein bisserl fad und kalorienreich. Mein doch in der Hinsicht deutscher Gaumen hält sich da in Zukunft lieber an Toast Hawaii, Fangirl hin oder her.


Das frühstückt Mr. Cumberbatch. - Really?!


 

Jedenfalls hatten wir eine gute Zeit und jeden Tag Temperaturen von über dreißig Grad, was hin und wieder nachteilig war, da wir in der größten Hitze unterwegs waren und es bis nach acht Uhr abends nicht abgekühlt hat. Gut, dass es die Museen und Biergärten gab (in dem ich ganz zünftig einen Schweinsbraten verspachtelt habe). An die Isar sind wir nicht gekommen, obwohl wir direkt dran waren und ich auch einen Bikini im leichten Gepäck hatte. Am Flaucher soll es im Sommer ja herrlich sein. Aber wir hatten immer so viel zu entdecken, dass wir an einen ausgesprochenen Ruhetag überhaupt nicht gedacht haben.



Paradiesischer botanischer Garten


 

Ein Klischee über München finde ich übrigens immer wieder bestätigt, wenn ich da bin: Es ist tatsächlich eine Weltstadt mit Herz, und die (meisten) Menschen dort sind freundlich und rücksichtsvoll. Ich glaube, ich könnte mir gut vorstellen, dort zu wohnen. Nicht direkt in der Stadt, sondern näher an den Bergen, das wäre traumhaft. Oder in Bora Bora ... (O;



Montag, 15. Mai 2017

Mads Mikkelsen "Die Jagd" (Jagten), 2012, von Thomas Vinterberg

Diesen Film habe ich mir mehrmals angesehen, auch in der Originalsprache Dänisch. Er wurde mehrfach prämiert, hat tolle Darsteller und erzählt eine ungewöhnliche Story mit ungeschönter Offenheit, und dennoch hat man als Zuschauer das Gefühl, nicht recht zu wissen, wie man den Film bewerten soll. Ich versuche es trotzdem.




Inhalt: Der 42-jährige Lukas lebt geschieden von Frau und Sohn in einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt. Es wird gerne Hygge gemacht, das Geheimrezept der glücklichen Dänen. Man trifft sich, lacht und trinkt miteinander und macht allerhand Blödsinn. Einer Arbeit geht Lukas neben Hygge natürlich auch nach: er ist Kindergärtner, nachdem die Schule, an der er unterrichtet hat, schließen musste. Seinen neuen Job liebt er und ist mit ganzem Herzen dabei. Vielleicht ein bisschen zu sehr, denn Clara - Tochter seines besten Kumpels Theo - verliebt sich in ihn. Sie macht ihm Geschenke und küsst ihn während einer ausgelassenen Spielrunde auf den Mund. Lukas stellt sie zur Rede, doch die Kleine ist beleidigt und hat außerdem einen großen Bruder, der mit einem Freund Internetpornos guckt. Das macht schlau. Sie erzählt der Kindergärtnerin Grethe etwas, das dem gutmütigen Lukas keiner zugetraut hätte. Die allmähliche Ausgrenzung und die oft handgreiflichen Drohungen der übrigen Bewohner scheinen berechtigt zu sein, als alle anderen Kinder plötzlich von ähnlichen Erfahrungen berichten. Hündin Fanny muss dafür mit dem Leben bezahlen, und das ist erst der Anfang.

Nur sein heimlich zu ihm ziehender Teenager-Sohn und dessen Patenonkel halten zu ihm und lassen sich von der allgemeinen Feindseligkeit nicht einschüchtern. Nachdem Lukas in U-Haft genommen wird, stellt sich heraus, dass das Haus, in dem er die Kinder missbraucht haben soll, keinen Keller hat, obwohl der von jedem Kind detailiert beschrieben wird. Aber ist das der Beweis für Lukas' Unschuld? Und wem glaubt man mehr? Einem Erwachsenen, der seine Unschuld beteuert, oder einem Kind, das sich schließlich aus Scham oder Angst nicht mehr erinnern kann und als Missbrauchsopfer betrachtet wird, selbst wenn es eingesteht, eine Dummheit erzählt zu haben?

Meinung: Wie bereits erwähnt, ist das Thema des Films eines, das Beklemmung hinterlässt und zum Nachdenken anregt. Nicht, weil Mads Mikkelsen als Lukas einfach gnadenlos sympathisch ist oder man die kleine Clara gern schütteln möchte, was nicht einmal der Fall ist. Sie erzählt eine Lüge, über deren Konsequenzen sie sich nicht bewusst ist; und wie sollte sie? Als sie später versucht, es wiedergutzumachen, verrennt sie sich dabei noch mehr.





"Die Jagd" ist kein Plädoyer für unschuldige *Täter* in einer ähnlichen Situation wie Lukas. Denn vielleicht hätte sich dann am Ende alles aufgeklärt und alle könnten sich wieder hyggelig zusammensetzen und die Sache vergessen. So aber leidet man mit Lukas und fragt sich während des gesamten Films, wie man sich an Stelle der Eltern verhalten hätte. Lukas jedenfalls erlebt die totale soziale Ausgrenzung, und das Misstrauen, das ihm seit der Geschichte mit Clara entgegenschlägt, bleibt. Kein noch so überzeugendes Argument oder Indizien seiner Unschuld können sein Stigma als vermeintlicher Kinderschänder ausradieren.

Der Schluss, der zeitlich zehn Monate nach seiner Anklage und Freilassung angesetzt ist, zeigt Lukas als stolzen Vater, der seinem Sohn zu dessen Reife eine Jagdflinte schenkt - ein Anlass, der, ganz im Zeichen von Hygge, ausgiebig gefeiert wird. Alles ist wieder gut: die Freundin ist zurückgekehrt, Lukas' Ruf wiederhergestellt. Scheinbar zumindest. Doch die jahrzehntelange Freundschaft zwischen Lukas und Theo und Hygge gehören der Vergangenheit an.

Fazit: Ein unter die Haut gehender, aber schwer verdaulicher Film mit grandiosen Schauspielern zwischen fünf und fünfzig, und ein ungewöhnlich sensibler und verletzlicher Mads Mikkelsen. Auch die schönen Bilder und der Soundtrack überzeugen. Trotz des sich nie einstellenden Hygge-Gefühls vergebe ich die volle Punktzahl.


👍👍👍👍👍




Donnerstag, 16. Februar 2017

Review "Die Königin und der Leibarzt" (A Royal Affair)

In Dänemark gehört die tragische Affäre zwischen Königin Caroline Mathilde (1751-1775) und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) zum Kulturgut. Hierzulande wurde sie immerhin anno 1955 unter dem Titel "Herrscher ohne Krone" verfilmt.

Die Geschichte zur neuen Version von 2012 klingt klischeebeladen und wie aus einem Groschenroman, und man mag kaum glauben, dass sie sich höchstwahrscheinlich exakt so abgespielt hat, wie es im Film dargestellt wird. Trotzdem gehört er zu meinen momentanen Lieblingsfilmen. Die atmosphärische Ausstattung, die tollen Schauspieler und vor allem ein überragender und sexy  Mads Mikkelsen in der Rolle von Johann Struensee sorgen dafür, dass ich als Zuschauer die damalige Zeit miterlebe und mittendrin bin. Vielleicht liegt der Charme des Films auch an der emotionalen Kraft der Bilder, von denen jedes wirkt wie ein Gemälde.

Handlung: Dänemark, 1769. Die aus England stammende Caroline von Hannover (Alicia Vikander) wird mit dem dänischen Prinzen Christian VII. (Klasse: Mikkel Boe Følsgaard) verheiratet. Die Ehe ist nicht glücklich, denn Christian stellt lieber vollbusigen, ordinären Animierdamen nach und ist auch ansonsten wenig zartfühlend. Da er obendrein von oft vulgärer und kindischer Natur ist, bescheinigen ihm der Hof und seine Stiefmutter Juliane ein umnachtetes Gemüt. Während einer Reise durch Europa lernt Christian den deutschen Arzt Struensee kennen, der anonyme Pamphlete gegen Adel und Kirche verfasst und ein Anhänger Voltaires ist. Da Struensee ihn ernstnimmt, fühlt sich Christian erstmals im Leben verstanden. Sofort entwickelt er große Zuneigung zu dem nicht nur in medizinischen Belangen progressiven Struensee. Er ernennt ihn zu seinem Leibarzt und lässt ihn später sogar die Regierungsgeschäfte übernehmen - sehr zum Verdruss des hofstaatlichen Rates.



"Don't touch the paper! It's poisoned."

 

Doch nicht nur die Geschäfte vertraut er ihm an - er soll seine lethargische Ehefrau von ihrer Melancholie heilen und sie "lustig machen". Das gelingt Struensee schneller als der Aufstieg zum König von Preußen. In den Nächten teilen Caroline und Johann das königliche Bett miteinander, bei Tag bestimmen Christian und Johann neue Gesetze und Dekrete zum Wohl des Volkes. Adel und Klerus kochen vor Wut.

Als die Affäre durch eine innige verräterische Geste während eines Spaziergangs durch den Park von Stiefmama Juliane entdeckt wird, sieht der Adel seine Chance gekommen, den Spieß umzudrehen, das Land vor ketzerischer Aufklärung zu bewahren und die alten Zustände wiederherzustellen.


Dieses Ziel verfolgen sie mit Härte und schweren Konsequenzen für die königliche Familie und Struensee. Mit einer Lüge schüchtern die ehemaligen Ratsherren und Grafen den König ein und zwingen ihn dazu, Struensee verhaften zu lassen. Ohne sein Wissen und mit der Hoffnung auf Begnadigung wird dieser gemeinsam mit einem Freund im Frühling des Jahres 1772 einen Kopf kürzer gemacht. Am Ende versinkt Dänemark wieder ins finstere Mittelalter und Christian VII. in völlige Umnachtung. Die nach Celle verbannte Caroline stirbt an Scharlach. Ihre beiden Kinder von zwei Vätern sieht sie nie mehr wieder. Doch ihr Sohn führt Jahre später Struensees angefangenes Werk fort und verhilft seinem Land zu Gleichberechtigung und Freiheit.

Meinung: Wo Mads Mikkelsen mitmischt, kann ich nicht unparteiisch sein. (O; Als Schauspieler und Typ finde ich ihn einfach unwiderstehlich! Die Rolle des Dr. Struensee - verständnisvoll, charismatisch, sinnlich, ambivalent, analytischer Beobachter und ermutigender Berater  - passt ihm wie maßgeschneidert. Außerdem hat er mich bisher noch nie enttäuscht in irgendeinem Film. Und ich merke, dass ich doch ein olles Fangirl bin...

Auch der junge Mikkel Boe Følsgaard  - preisgekrönt für Christian VII., mit dem er sein Filmdebut gab - beeindruckt in jeder Szene, sei er unflätig, frivol, unsicher oder kindlich eifersüchtig auf jeden, der Struensee zu nahe kommt.

Fazit: Obwohl eindeutig als Kostümfilm konzipiert, wirkt der Film an keiner Stelle angestaubt, manchmal sogar verblüffend aktuell. Wer sich zudem gern von einem grandiosen Mads Mikkelsen und schönen Bildern vom historischen Dresden und Kopenhagen verzaubern lassen und einen Blick in die Geschichte werfen möchte, dem sei "Die Königin und der Leibarzt" aufs Wärmste empfohlen.


Bewertung: volle Punktzahl


👍👍👍👍👍

  






Bildquelle: Amazon


Sonntag, 22. Januar 2017

Hannibal, die Serie (2013-2015)

Eine Weile hat es gedauert, bis ich mit "Hannibal" warm wurde. Trotz Mads Mikkelsen. Obwohl ich Serien nicht konsumiere, schaue ich mir gern welche an, da es - wie schön! - Fortsetzungen gibt. Wenn einem Figuren und Geschichte gefallen und zum Mitdenken und Interpretieren anregen, kann es (fast) nichts Unterhaltsameres geben.




Hannibal ist so eine Serie. Sie hat einige Gemeinsamkeiten zu "Sherlock", der allerdings für meinen Geschmack bereits in der dritten Staffel stark nachgelassen hat. Auch in Hannibal geht es um die Beziehung zweier Außenseiter, die voneinander nicht lassen können. Das Interessante für mich dabei sind weder die grotesken Fälle noch die inflationären Splatter-Elemente (durch die Hannibal Lecter gelegentlich seine Zuneigung zu FBI-Profiler Will Graham ausdrückt), sondern vielmehr der psychologische Aspekt, der schon allein durch Hannibals Beruf als ehemaliger Chirurg und praktizierender Psychologe gegeben ist. Doch ein Klient bringt seine kühle Professionalität ins Wanken: als Will Graham (Hugh Dancy), von seiner Arbeit beim FBI überfordert, bei Hannibal Therapiestunden nehmen muss, erkennt Hannibal einen Seelenverwandten in dem welpenhaft plüschigen, oft missverstandenen, aber um die Ecke denkenden Will, der sich selbst als Asperger-Autist beschreibt. Seine damit einhergehenden Fähigkeiten sind es, die das FBI auf ihn aufmerksam machten, da er ein hohes Maß an Beobachtung und Empathie besitzt und sich in die Denkweise eines Killers / Verbrechers hineinversetzen kann. Hannibal ist fasziniert.

Seine Faszination geht so weit, dass er eine Freundschaft zu Will anstrebt, die diesem gar nicht behagt - ahnt er doch als Einziger von Hannibals dunkler Seite, die ihn in fiebernden und wirren Alpträumen verfolgt. Er ist von dem charismatischen Psychotherapeuten wider Willen beeindruckt und unfähig, sich dessen manipulativem Einfluss zu entziehen. Wenn man Mads Mikkelsen seinen Hannibal spielen sieht, kann man ihm das auch kaum verdenken.

Nach außen hin kultiviert, elegant und souverän, besitzt Hanni-Mads eine Anziehungskraft, die er nicht nur bei Will skrupellos einsetzt, sondern bei allen, die ihm beim Erreichen seiner Ziele nützlich sein können. Anders als Will werden die übrigen Opfer allerdings selten bis gar nicht verschont.





Vielleicht ist die Serie hauptsächlich "Sick-Shit", mit den sehr kontroversen Themen und Gemetzeln, und bisweilen geht mir der übertrieben werbeästhetische Anspruch des Erfinders Bryan Fuller auf den Senkel und stiehlt Zeit, aber ganz ehrlich - "Hannigram" macht für mich die Serie sehenswert. Ich finde es recht mutig, eine solch ungewöhnliche Beziehung  in einer Fernsehserie zu porträtieren, selbst wenn es nie zu eindeutig körperlicher Intimität kommt. Mads Mikkelsen meistert die Gradwanderung vom unnahbaren Narzissten über den "antisozialen Gesellschaftsmensch" zum besitzergreifenden Welpen-Beschützer mit Bravour und einem unschlagbar charmanten Akzent.

In jeder Szene zwischen den beiden Männern flirrt die Luft vor Spannung. Es muss gar nicht viel passieren oder gezeigt werden, um zu verdeutlichen, dass es in Hannibal um eine zerstörerische Liebe geht, die keine Zukunft hat und die dennoch berührt, etwa wenn Hannibal zu epischen Klängen seine Gefühle für Will offenbart. Irgendwie tun einem dann beide leid, denn trotz Hannibals wüsten Neigungen bleiben sowohl er als auch Will nachvollziehbare Charaktere in ihrem Handeln.

Leider sieht es momentan für die Serie düster aus - die dritte Staffel war die vorläufig letzte, obwohl eine Miniserie nach den Motiven von Thomas Harris' "Das Schweigen der Lämmer" angedacht wird. Vielleicht war das Thema zu blutig-brisant und wurde zu ernst genommen, vielleicht haben sich viele Zuschauer geekelt (ich mich oft auch), aber ich hoffe sehr, dass es in nicht allzu ferner Zeit eine Fortsetzung gibt, in der beide Protagonisten das dramatische Finale überlebt haben.









Montag, 2. Januar 2017

"Nach der Hochzeit" (2006) Review

Dank dem sexy großen Dänen (nicht zu verwechseln mit dem alten Schweden!) Mads Mikkelsen sehe ich in letzter Zeit recht viele europäische Filme und stelle fest, dass man es in der alten Welt oft ebenso gut versteht, Filme zu drehen wie in der neuen. Besonders die ruhigen, tiefsinnigen haben es mir angetan, und "Nach der Hochzeit" ist mit Sicherheit einer davon. Er war mein Silvesterfilm, und das Kontrastprogramm zur Knallerei draußen bereits von Mitternacht hat mir irgendwie gut gefallen.




Die Handlung beginnt in Indien, was zunächst ein bisschen befremdlich wirkt. Jacob Petersen ist dort in einem Waisenhaus engagiert, in dem er von Kollegen respektiert und von den Kindern heiß geliebt wird (wen wundert's?). Seine Chefin überbringt ihm die Nachricht, er müsse für kurze Zeit zurück nach Dänemark, um dort einen Deal mit einem Multimillionär in Spenderlaune abzuschließen. Widerwillig tut Jacob, was verlangt wird, feiert doch sein besonderer Schützling in ein paar Tagen seinen achten Geburtstag. Doch was tut man nicht alles für eine großzügige Spende?

Als er in Dänemark ankommt, versteht Jacob die Welt nicht mehr: Scheinbar spontan wird er zur anstehenden Hochzeit der Millionärstochter eingeladen, die sich als Tochter seiner Jugendliebe und jetzigen Ehefrau des jovialen Jorgen herausstellt. Durch eine peinsame Rede während der Hochzeit wird Jacob klar, dass er der leibliche Vater von Anne sein muss. Wütend und um seine Rechte als liebender und treusorgender Vater betrogen, spricht er mit Helene, die ihm zu verstehen gibt, sie habe ihm die Schwangerschaft verschwiegen und einen anderen geheiratet, weil sie wusste, dass Jacob selbst sich nicht um das Kind kümmern würde.

Doch die Arbeit im Waisenhaus hat Jacob verändert, und er beginnt, sich für Anne zu interessieren, die ebenfalls ziemlich geflasht ist von ihrem neuen Papa. So sehr, dass Annes Ehemann aus Frust kurz nach der Hochzeit fremd geht. Und noch mehr Katastrophen bannen sich an: Jorgen, der philantropische Millionär, ist todkrank, hat es jedoch vor seiner Familie verschwiegen; genauso wie den Plan, den er mit Jacobs Rückkehr verfolgt...

Meinung: Ja, es stimmt, der Film klingt vorhersehbar. Ist er auch, wenngleich es ein mehr oder weniger offenes Ende gibt. Was ihn so besonders macht, sind die durchweg fantastischen und emotionalen Leistungen der Schauspieler (einzig auf die melodramatische Szene, in der Jorgen von seinem Elend übermannt wird, hätte ich gern verzichtet) und die vielseitigen Talente von Mads Mikkelsen. Egal, ob er verletzt guckt, mit seiner Filmtochter in inniger Umarmung das Tanzbein schwingt oder beleidigte Achtjährige tröstet: der Mann veredelt jeden mittelmäßigen Streifen, ob europäisches Autorenkino oder Megablockbuster. Und mittelmäßig ist "Nach der Hochzeit" auf keinen Fall.




Bewertung: 



👍👍👍👍



Samstag, 17. Dezember 2016

Stephen King made in Germany: Die Tür (2009). Ein Magical Thriller mit Mads Mikkelsen

Ich liebe Mads Mikkelsen. In letzter Zeit ist er meine Nummer Eins. Das geht soweit, dass ich mir sogar die Serie Hannibal besorgt habe, obwohl das Thema so gar nicht mein Ding ist. Mystery schon eher, und darum habe ich nicht gezögert, mir diesen Film anzuschauen, auch wenn Jessica Schwarz und Heike Makatsch in einer kleinen, aber bedeutenden Gastrolle nicht gerade glänzen (Vorsicht: Subjektive Meinung!).





Die Handlung: Der Maler David Andernach und seine Frau Maja (Jessica Schwarz) haben sich nicht mehr viel zu sagen. Abwechselnd passen sie auf die kleine gemeinsame Tochter Leonie auf und leben ansonsten aneinander vorbei. Als David seine Pflichten als Vater vernachlässigt und stattdessen auf einen Seitensprung bei der flippigen Gina (Heike Makatsch) vorbeischaut, geschieht das Unglück: Leonie - notorisch mit ungebundenen Schnürsenkeln unterwegs - fällt in den Pool, wobei sich ihre Schnürsenkel derart verheddern, dass sie nicht mehr an die Wasseroberfläche gelangt. David kommt zu spät und kann nur noch ihren leblosen Körper bergen.

Fünf Jahre später haben sich Maja und David schon lange getrennt. David plagen Schuldgefühle und die Trauer um Leonie, Maja letzteres und Hass und Verbitterung auf den Exmann. Da erhält David unverhofft eine zweite Chance: er findet eine magische Tür, die ihn in der Zeit zurückkatapultiert; genau an den Tag, an dem Leonie ertrinkt. Er rettet sie, doch die Tat hat ihren Preis: er ist gezwungen, den ersten David umzubringen, um nicht aufzufliegen. Sein Geheimnis hütet er gut, doch Leonie ist misstrauisch, hat sie Paps Zwei doch heimlich dabei beobachtet, wie er Paps Eins zur Strecke bringt. Als David seinem besten Freund und Malerkollegen Max die Tat beichtet, glaubt dieser ihm nicht, bis er den im Garten verbuddelten ersten David findet. Bevor er der Polizei davon berichten kann, wird er vom Nachbarn kaltgestellt, der wie David die magische Tür kennt und ihm von einer Parallelwelt erzählt, in der die Zweitausgaben der gesamten Dorfbewohner allmählich das Zepter übernehmen...

Meinung: Die Geschichte klingt spannend, dramatisch und mysteriös und hält im Großen und Ganzen, was sie verspricht. Von Mystery allerdings hatte ich fast ein bisschen zu viel des Guten: weder wurde erklärt, weshalb die Parallelmenschen ihre Vorgänger auslöschen wollen (die Behauptung, die Neuen seien "besser", fand ich *meh*), noch warum es auch für mehr Leute als David nötig war, die magische Pforte zu durchqueren und vor allem, warum sie derart kriminell handeln mussten. Schließlich hat keiner der befreundeten Nachbarn ein ähnliches Trauma erlebt wie David und Maja, so dass für mich die allgemeine Anziehungskraft der Tür nicht wirklich nachvollziehbar war - insbesondere, wenn es darum geht, bei der Ankunft in die Vergangenheit als erstes sein eigenes Leben auszulöschen, das eigentlich gar nicht mehr das eigene ist. Irgendwie... mysteriös.

Aber ganz ehrlich: wen jucken Plotlücken, wenn Mads Mikkelsen blankzieht, tieftraurig guckt, einmal lächelt, die schicke Ponyfrisur zurechtstutzt und das Drehbuch bzw. seine Textpassagen komplett in passablem Deutsch (!) absolviert? Mich nicht. Daher vergebe ich trotz Erklärungsbedarf und einer bestenfalls mittelmäßigen Jessica Schwarz


👍👍👍 und ein halber  👍






Donnerstag, 24. Dezember 2015

Review "Wilbur wants to kill himself" (2002)

Aufmerksam geworden bin ich auf diesen dänischen kleinen Film durch Jamie Sives, der mir mit seinem schnuckelig teddybärähnlichen Robbie Williams-Aussehen bereits als bierernster Lieutenant Charles Summers in "To the Ends of the Earth" in positiver Erinnerung geblieben ist. Er hat mich auch in dieser Produktion nicht enttäuscht, wobei ich finde, dass der Cast an sich das Beste an der Geschichte war, die zwar ein bisschen als Komödie und modernes Märchen verkauft wird, aber doch im Großen und Ganzen eher deprimierend als lustig auf mich gewirkt hat.




Inhalt: Die Brüder Harbour und Wilbur North betreiben einen Buchantiquitätenladen in Glasgow, der seit Generationen in Familienhand ist. Kunden können dort Bücher kaufen und auch anbieten (und ich wäre selbst mal gern hingegangen!). Der jüngere Bruder Wilbur (Jamie Sives) leidet seit frühester Kindheit an Depressionen, ausgelöst durch den Tod seiner Mutter, am dem er sich die Schuld gibt. Da er selbstmordgefährdet ist, kümmert sich der ältere Bruder Habour um ihn und wird durch seine ständigen Versuche, sich umzubringen, ordentlich auf Trab gehalten. Die anschließenden psychologischen Sitzungen organisiert er mit einer ebenso liebevollen Hingabe wie das Geschäft und einen Job für Wilbur. Abwechselnd arbeitet der als untauglicher Erzieher oder helfende Hand im Laden. Ihr Leben verändert sich, als aus der treuen, unscheinbaren Kundin Alice Harbours Frau wird. Sie zieht mit ihrer neunjährigen Tochter Mary in die Wohnung der Brüder und kann sich bald nicht mehr entscheiden, wen sie lieber mag: den verständnisinnigen, gutmütigen Harbour oder den ruppigen, sarkastischen, aber nähebedürftigen Wilbur. Da geschieht etwas, das die Geschicke der drei von Grund auf ändert...

Meinung: Die Schauspieler waren top! Es geschieht nicht oft, dass ein Film trotz der vorhersehbaren und - ganz ehrlich - ziemlich unoriginellen Handlung Momente hat, in denen es einem als Zuschauer die Kehle zuschnürt und man die Protagonisten einfach mal in den Arm nehmen möchte.

Ich mochte sogar die kleine Mary, die ihren neuen Papa und den dazugehörigen Onkel aufrichtig liebt, und die verhuschte Alice (Shirley Henderson aus den mauligen Kloszenen in "Harry Potter") konnte ich in ihrer Unentschlossenheit nachvollziehen. Auch die Brüder mochte ich; weder überzogen noch sentimental, spielen Jamie Sives und Adrian Rawlins ein überzeugendes Geschwisterpaar, das bis zu Alice' Erscheinen nur sich selbst hat und dementsprechend eng verbunden ist. Einige Witze waren ebenfalls gut platziert, so wie das Erforschen erogener Zonen, dem Wilbur so gar nichts abgewinnen kann ("Wenn ich am Ohr geleckt werden möchte, kaufe ich mir einen Hund!").

Aber der Verlauf des Films hat mich umso betroffener gemacht, gerade weil ich jede der Figuren sympathisch und liebenswert schrullig fand. Alle außer den steingesichtigen Psychologen Mads Mikkelsen ("Hannibal"), der auch für das gesundheitliche "Wohl" von Habour verantwortlich ist. Bis zuletzt habe ich gehofft, dass eine Wende zum Guten eintritt, etwas Überraschendes, eine Feel-Good-Stimmung - und hoffte vergebens. Eigentlich schade. Ich hätte es den zwei Jungs und Mädels von Herzen gegönnt, und irgendwann hätte es mit der Freundin für Wilbur bestimmt doch noch geklappt.

Bewertung:


👍👍👍