Translate

Posts mit dem Label Haus der Geister werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Haus der Geister werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. März 2017

"Haunted" - Haus der Geister (1995)

Gemeinsam mit einigen Uralt-Klassikern war dieser Film wohl mein Einstieg ins Gruselgenre und hat meine Vorliebe für Schauergeschichten geprägt. Vor langer Zeit schon gesehen, habe ich die (leider qualitativ ausbaufähige) DVD mal wieder ausgegraben. Und irgendwie mag ich "Haunted" immer noch, was besonders den tollen Hauptdarstellern (allen voran Aidan Quinn mit seinem verwunderten Kinderblick) und der unheimlichen Atmosphäre geschuldet ist.





Inhalt: Amerika/England, 1925. Der Psychologieprofessor David Ash (Aidan Quinn) glaubt nicht an Übersinnliches, seit er als Kind seine Zwillingsschwester Juliet bei einem Unglück verloren hat, an dem er sich schuldig fühlt. In seinen Vorlesungen und auf Seáncen tut er alles, um den Schwindel um Tote im Jenseits zu widerlegen, die Kontakt zu den Lebenden aufnehmen möchten. Als ein Hilferuf von Nancy Webb (Anna Massey) aus Edbrook Hall in England kommt, reist er dorthin, um die alte Frau von ihren angeblichen Geistern zu befreien. Mit ihr im Anwesen leben drei Geschwister, die sich in jeder Hinsicht sonderbar benehmen. So ist Simon ein alberner Kindskopf, der nur wüste Streiche im Kopf hat, und der distanziert-joviale Robert (Anthony Andrews aus "Brideshead Revisited") scheint eine inzestuöse Beziehung zu Christina (Kate Beckinsale) zu unterhalten.

Und nicht nur das mutet sonderbar an in Edbrook Hall. Außer der überspannten "Nanny" und den spinnerten Eigenheiten der verschworenen Drei sieht und erlebt David einiges, was ihn an seinem rationalen Wissenschafterverstand (ver-)zweifeln lässt. Zu allem Überfluss verliebt er sich natürlich in die betörend schöne Christina und handelt sich damit nicht nur Roberts Eifersucht ein: Christina ist besitzergreifender, als David vermutet hätte... und warum geistert Davids Schwester Juliet eigentlich auf dem Anwesen herum?

Meinung: "Haunted" ist klassischer Grusel. Kein Klischee wird ausgelassen. Ein traumatisierter Protagonist wird in ein unheimliches Umfeld geworfen, das er mit allen Mitteln und seiner Vernunft  zu erklären versucht, und auch die geschwisterliche Überliebe ist in Schauergeschichten ein beliebtes, weil verstörendes Stilmittel (aktuelles Beispiel: Crimson Peak). Die Unfälle wie Gaslampenexplosion und brennender Keller, von denen David auf Edbrook Hall Zeuge wird, deuten auf die Vergangenheit des Spukhauses hin, und Nanny - obwohl hilflos und verängstigt und alles andere als über den Dingen schwebend - gehört schon selbst fast zum uralten Inventar. Ihre gequälte Erscheinung allein jagt einem bereits eine Gänsehaut über die Arme.

Einige Ungereimtheiten gibt es, bei denen ich mich als Zuschauer gefragt habe, wie das denn möglich ist (Sex mit Gespenstern - hallo?) - aber hey, es ist eine Geistergeschichte. Da ist praktisch alles erlaubt, oder? Und wenn der Film eine so überzeugend spooky Atmosphäre versprüht, Aidan Quinn mit seinen großen blauen Augen blinzelt und er am Ende sicher an der Hand seiner Schwester das zerstörte Anwesen verlässt, bevor sie sich endgültig mit weisen Worten von ihm verabschiedet, bin ich am Rand eines emotionalen Ausbruchs.

Fazit: Ein sehenswerter Film, wenn man es mit der Realität nicht so genau nimmt und sich einfach mal gut unterhalten und gruseln möchte.

Bewertung:
👍👍👍👍
 



Sonntag, 9. November 2014

Fazit Leserunde und Rezension "Haus der Geister" / This House is Haunted von John Boyne

Selten habe ich mich bei einer Leserunde so rege beteiligt wie an dieser, und zugleich so viel Frust mit dem Buch gehabt. Insofern muss John Boyne doch etwas richtig gemacht haben, denn wenn ein Roman für kontroverse Diskussionen sorgt, kann er so schlecht nicht sein, zumal sich der Großteil der Teilnehmer - wenn schon nicht gegruselt - dann doch gut unterhalten hat.




Mit gutem Willen und in schauriger Erwartung habe ich angefangen, um schon nach wenigen Kapiteln festzustellen, dass mich die Geschichte aufgrund ihrer Unoriginalität und Vorhersehbarkeit nicht fesseln konnte. Das war sehr schade, denn ich finde, dass John Boyne originell schreibt und für mich auch ein Autor ist, der es wagt, auf gute Art Regeln zu brechen. Die wenigen, die er in seiner "Schauergeschichte" gebrochen hat, sind m. M. nach ordentlich misslungen und der Schuss nach hinten losgegangen.

Was seine Ich-Erzählerin Eliza Caine (Insider-Referenz an Hugh Craine, den Schlossbesitzer aus "Bis das Blut gefriert") im Jahre 1867 in London und Norfolk als Gouvernante zweier zunächst offenbar elternloser Kinder erlebt, habe ich in den diversen Filmen besser umgesetzt gesehen, von denen sich Boyne "inspirieren" ließ. Miss Giddens, Miles und Flora lassen grüßen.

Seine gruseligen Elemente (oder die, die es sein sollen) wirken plakativ und Hollywood-mäßig effekthascherisch, und sind nicht selten unfreiwillig komisch. Etwa die Hände, die Eliza herumwirbeln, sie des nachts unter die Bettdecke zerren und natürlich der von den  Baskervilles ausgeliehene geifernde schwarze Hund am Strand von Great Yarmouth, der es auf sie abgesehen hat.

Atmosphärisch und mitunter witzig geschrieben ist das Buch immerhin, doch mir reicht das nicht, wenn ich eine spannende und Gänsehaut erzeugende Story lesen will und auf Grusel eingestellt bin. Und dabei ist doch auf der Rückseite des Buches von "unexpected twists" die Rede, auf die ich so sehnlichst gewartet habe. Überraschungen? Knifflige Rätsel? Pustekuchen. Alles nach Plan und wie erwartet. Unwichtige Details wie geisterhaft erscheinende Kinder auf dem Friedhof werden dabei so aufgeblasen, dass man meint, man müsse sie für eine spätere Auflösung im Hinterkopf behalten, doch sie versanden im Nichts und lassen mich als Leser mit einem Gefühl der Vera****e zurück.

Ein recht großer Fauxpas waren einige heikle, sensible und populistische Themen, die in einer klassisch altmodischen  Schauergeschichte einfach nichts verloren haben, wie ich finde. Regelbruch hin oder her. Ich hätte einem renommierten Schriftsteller zugetraut, auf weniger billige Plot-Devices zurückgreifen zu müssen.

Die Charaktere blieben ohne Tiefe, und es war mir nicht möglich, zu irgend jemanden in der Geschichte eine Verbindung herzustellen oder etwas zu empfinden, außer Mitleid für den Geist und den dahinvegetierenden Gatten in der Geheimkammer. Das Ende - angeblich ein Feuerwerk an Originalität - mag für Neueinsteiger in das Genre gewaltig sein, ich fand es eher klischeebeladen.

Besonders - Achtung Spoiler! - die Tatsache, dass Satina ihren Mann nur deshalb beim Schürhaken-Attentat verschont hat, um in der Zwischenwelt bleiben zu können und den Gouvernanten eins auszuwischen, war zwar originell, aber fast *zu* haarsträubend. Welcher Mensch sieht schon voraus, in welcher Welt er nach dem Tod landen wird und welche Fähigkeiten er dann hat? Oder ob er überhaupt dort ankommt? Vielleicht aber war Santina überhaupt nie ein Mensch, sondern eine Kreatur der Untoten, die zufällig einen Engländer geheiratet hat?

Das Positive am Buch waren Kapitel 13, bei dem mir tatsächlich ein Schauer über die Arme lief, und die Leserunde. Ich mochte sie sehr, denn trotz verschiedener Meinungen hatten alle viel Spaß und waren mit Eifer bei der Sache; etwas, das gerade bei Online-Veranstaltungen nicht selbstverständlich ist. Am liebsten würde ich mit denselben Leuten noch einmal eine Buchbesprechung starten - eine, in der ich mit nicht ständig als Spaßbremse outen müsste, die mit ihren Vermutungen die gesamte Handlung verrät.

Bewertung:
 
👍👍 und ein halber dazu 👍





Freitag, 31. Oktober 2014

Start der Leserunde "Haus der Geister" von John Boyne

Vor knapp zehn Tagen schrieb mich eine liebe Online-Freundin an, um mich zu fragen, ob ich Lust hätte, mal wieder gemeinsam ein Buch zu lesen und mich mit ihr darüber auszutauschen. Ich war ein bisschen skeptisch, denn obwohl unsere erste "private" Lesung der Pendragon Legende von Antal Szerb mir sehr viel Spaß gemacht hat, laboriere ich seit längerem an einer Leseflaute und bin zudem damit beschäftigt, eine kleine Fantasy-Geschichte mitzuentwickeln, um die meine Gedanken kreisen.

Ganz vorsichtig habe ich nachgehakt, ob es in Ordnung wäre, wenn wir "Haus der Geister", der neue Roman von John Boyne, in Angriff nehmen würden. Und wir haben festgestellt, dass wir beide das Buch schon länger auf unserer Wunschliste haben. Das sah ich als ein Zeichen, endgültig zuzusagen und den inneren Schweinehund in Form meiner Leseunlust zu überwinden, denn erfahrungsgemäß ist der Anreiz zu lesen größer, wenn man mit anderen über die Handlung diskutiert und deren Meinungen überdenkt. Oft verhelfen weitere Ansichten zu einer völlig anderen Betrachtungsweise - etwas, das ich total spannend finde. Flugs wurde das Buch bestellt, damit ich pünktlich zu Halloween mit den Hufen scharren kann.

Mittlerweile sind wir fünf Teilnehmer auf unserem Forum, die sich über den Schauerroman austauschen möchten. Mich hat nun doch so eine Art freudige Erwartung erfasst, nachdem ich die ersten beiden Kapitel gelesen habe. Subtiler Grusel und Schauerromane sind ja nicht mehr so en vogue wie zu Zeiten von Edgar Allan Poe, und trotz mehrheitlich positiver Rezensionen schneidet Mr. Boyne mit seinem aktuellen Werk nicht bei allen Lesern gut ab. Der Roman bedient sich angeblich ungeniert Elementen aus Klassikern wie "Das Durchdrehen der Schraube / Das Schloss des Schreckens" oder dem Film "Bis das Blut gefriert". Verwerflich finde ich es allerdings nicht, wenn es gut verpackt und nicht 1:1 übernommen wurde. Immerhin kommt beim Lesen bzw. Anschauen besagter Klassiker den meisten von uns das Grausen. Knarrende Dielen, rotierende Türknäufe und scheppernde Fensterläden sind nach "Bis das Blut gefriert" nie mehr dieselben.

Bisher ist von Spuk und Plagiat im Roman wenig zu spüren. Die einzige Parallele, die mir beim Durchlesen der Beschreibung auffiel, ist die Personenkonstellation: zwei mysteriöse Kinder und eine junge, unerfahrene Nanny. Aber irgendwie vertraue ich darauf, dass mir der Roman trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeiten gefallen wird. Schon "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" des Autors war für mich ein außergewöhnliches Buch, das nie an Glaubwürdigkeit verlor. "Haus der Geister" schätze ich ähnlich ein. Auch wenn ich es als reine Unterhaltung betrachte und es mich sicher nicht so nachhaltig beeindrucken wird wie der Tristan.