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Dienstag, 30. April 2013

Bekenntnisse eines verhinderten Hoarders

Früher habe ich alles gesammelt: Briefmarken (kennt das antiquierte Hobby überhaupt noch jemand?), scheußliche Mini-Plastikfiguren aus dem Kaugummiautomaten, Abziehbilder für Panini-Alben, Fliegenpilze aus Polyresin, schöne Postkarten, Briefe, Setzkastenutensilien und Katzenfiguren aus aller Herren Länder. In letzterem habe ich es tatsächlich zu einer beachtlichen Sammlung gebracht. Ich liebe Katzen, und es war immer sehr aufregend, am Urlaubsort auf Souvenirsuche in Form einer Katzenfigur zu gehen. Obwohl ich schon lange keine Fernreise mehr gemacht habe, ergreift mich in jedem Nippesladen einer fremden Stadt das Jagdfieber. Besonders originelle Exemplare schaffen es meist auch tatsächlich in meine Vitrine, die bald aus allen Nähten platzt.




Aber eigentlich möchte ich mich von meinen materiellen Gütern ein wenig befreien. Das liegt nicht nur daran, dass man Geld nicht mehr so sorglos ausgibt wie zu besseren Zeiten. Manchmal empfinde ich zuviel Besitz als Ballast. Und trotzdem ist er eine zweischneidige Sache, der Besitz.

Als ich aus dem Elternhaus auszog, habe ich viel zurückgelassen und weggeworfen, um das es mir heute leid tut. Klar, das Sammeln von Erfahrungen, Erkenntnissen und Erlebnissen ist wichtiger. Es ist auch nicht so, dass ich jeden Tag der Vergangenheit nachhänge und mich schmerzhaft an meinen BubuBär und seine abgekauten roten Plastikohren erinnere. Was aber nichts daran ändert, dass mir gewisse Erinnerungsstücke aus meiner Kindheit gelegentlich fehlen. Ich möchte sie nicht festhalten, aber auch nie ganz verlieren. Dabei helfen mir Fotos und sichtbare Gegenstände mehr als Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen.

Von anderen Dingen, die mich nicht so lange begleitet haben, trenne ich mich dagegen erstaunlich leicht. Nach meinem zweiten Umzug hatte ich noch größere Wegwerfwut und habe sozusagen Großreine gemacht (wie immer man das schreibt). Ich finde allerdings, dass heuer viel zu viel zu schnell weggeworfen wird. Warum sollte man aber auch eine Kaffeemaschine zur Reparatur bringen, wenn die Anschaffung einer neuen billiger ist? Ich habe gehört, dass manche Hersteller ihre Ware absichtlich für eine kurze Lebensdauer präparieren, um größeren Profit zu machen. Wundern tut es mich ja nicht - ich frage mich bloß, warum dagegen nichts unternommen wird. Ehrlich: der Gedanke, dass wir der Nachwelt einen kilometerhohen Plastikberg hinterlassen statt kunstvoll bemalte und emailierte Krüge wie die antiken Völker, ist schon ein bisschen creepy. Der einzige Trost dabei ist, dass Plastik vermutlich nicht ganz so lang überdauert wie die Gerätschaften der Ägypter, Griechen und Römer.

Umweltbewusstsein wird im Allgemeinen eh nicht großgeschrieben bei den meisten, und derjenige, der zur Reparatur geht, wird milde belächelt mit dem Ratschlag: "Sei doch nicht blöd und geh' zu *piep* - da gibt's die Flachbildschirme diese Woche im Angebot." Apropos: ich habe noch einen Röhrenfernseher, mit dem ich genug sehe. Will ich HD, mit dem ich mit Adleraugen jede Pore im Gesicht der Schauspieler erkenne? Nicht wirklich.

Klamotten - ein heikles Thema. Ich war nie übermäßig modebewusst. Natürlich hat man das getragen, was gerade in den Kaufhäusern angeboten wurde, aber wohl musste ich mich darin fühlen. Bis heute habe ich keine Schuhe mit Absätzen, obwohl ich es versucht habe und High Heels auch sexy finde. Nur leider nicht für mich. Es gibt Lieblingsstücke in meinem Kleiderschrank, die ich nur noch selten oder gar nicht trage, und die dennoch da hineingehören. Die selbstgenähte Weste und dazu passende Shorts aus dem Israel-Urlaub. Das viel zu große, gestreifte Herrenhemd, in dem ich eine Adamo-Imitation zum besten gab und dazu "Gestatten Sie Monsieur?" karaoke gesungen habe.

Aufgeschriebene Erinnerungen und materielle Freiheit, schön und gut, und ich bewundere jeden, der auf überflüssigen Plunder verzichten kann. Trotzdem will ich manchmal etwas in den Händen halten, daran riechen, es fühlen und mich so an jene Begebenheit erinnern, die für mich schön waren. Denn jeder Gegenstand hat seine eigene, persönliche Geschichte.







Samstag, 27. April 2013

I want to ride my bicycle

Das Wetter war ja wirklich sommerlich schön in den letzten Tagen. Leider ist es jetzt wieder regnerisch, aber was soll's? Dafür kommen dann von heute auf morgen um die 40°C im Schatten... ja, so ist das mit der globalen Erwärmung: Nothing you can do about it.

Etwas gegen meine sich im Winter eingeschlichene Trägheit kann ich dagegen schon tun: Radeln. Ich liebe mein altes Klapprad fast so sehr wie sein mir zuvor geklauter Vorgänger, der ähnlich aussah, bloß in meiner Farbe Grün.

Der Mann einer Bekannten hat es für mich vor Jahren auf dem Flohmarkt erstanden - für damals 150,-- DM (Uiii, das ist echt schon lange her!).





Jedenfalls ist es nach einer langen Zeit im Keller fahrtauglich - Reifen aufgepumpt, Rahmen poliert, optimale Sitzhöhe eingestellt, Spinnweben entfernt, entstaubt usw. etc. pp. Voller Elan habe ich mich auf den eisenharten Sattel geschwungen (ok, ich übertreibe - mit dem Elan und dem Schwung), und bin zum Nachbarsort geradelt, der in Fußballkreisen trotz Kaff-Charakter kein unbeschriebenes Blatt ist.

Schon nach wenigen Kilometern vermisste ich schmerzlich die Gangschaltung und beargwöhnte, dass die Kette dringend eine Ölkur nötig gehabt hätte. Ich war am Keuchen und Schwitzen, um das verflixte Ding in Bewegung zu halten und nicht frustriert abzusteigen. Vielleicht bin ich ja ein wenig aus der Kondition, das soll vorkommen nach faulen und müßigen Wintermonaten - obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich mich so oft wie möglich im Freien aufhalte. Wie sagte meine Reitlehrerin so passend: "Schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur schlechte Kleidung". Aber ich schweife ab...

Hab ich es also geschafft, acht Kilometer hin und zurück auf dem Radweg zu absolvieren. Eigentlich ein Klacks. Dachte ich, weil ich es früher richtig genossen habe, mit dem Rad unterwegs zu sein, das wie geschmiert lief trotz fehlendem Schnickschnack und Komfort. Und weil viele mich darauf ansprechen und in nette Gespräche verwickeln, denen der erstaunte Ausruf vorausgeht: "Ein echtes Klapprad!"

Froh war ich dann doch, als ich zu Hause angelangt war. Denn es war nicht nur die Kette, die eine Ölung braucht - auch mein schmerzender Tokus hätte nichts dagegen gehabt...

Freitag, 26. April 2013

(K)eine Eule nach Athen getragen...

Mann, war das ein anstrengender Tag! Ich habe mir vorgenommen, eine Anleitung bzw. den Entwurf  für eine Häkelfigur von mir aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Die Tierchen und Puppen selbst zu fertigen ist ja nicht so schwer, wenn man schon ein bisschen Übung hat, aber die einzelnen Schritte zwischendurch immer wieder zu Papier zu bringen - uff! Nicht so mein Ding.

Das Meiste, das man kreativ macht, entsteht doch eher intuitiv, zumindest gilt das für mich. Und außerdem bin ich nicht gerade die Fingerfertigkeit in Person, wenn es ums Fotografieren geht. Mit dem Ergebnis bin ich aber recht zufrieden. Und meine Eulchen auch. Hat sich die Mühe gelohnt. (O:



Donnerstag, 25. April 2013

Little Manga Girl

Gestern lief mal wieder - wie so oft - nichts im Fernsehen. Ich hatte trotzdem Bock, mich eingekuschelt auf meinem Megasofa zu lümmeln (das Einzige, das ich im Sommer vermissen werde) und die Glotze einzuschalten. Hängengeblieben bin ich bei einer Reportage über das "neue" China, die mich total schockiert hat. Chinesische Mädchen im Schönheits-OP-Wahn! Zuerst dachte ich, man veralbert uns jetzt, aber die Interviews von Soziologen, Betroffenen und Parvenüs in Sachen plastischer Chirurgie können ja nicht alle getürkt gewesen sein. David Bowie wird sich bedanken, wenn er erfährt, wie wenig angesagt sein exotisches China Girl mittlerweile ist und den Song vermutlich noch einmal neu aufnehmen - mit dem Titel meines Beitrages.




Junge Mädchen wollen aussehen wie Britney Spears, und solche, die ihre Metamorphose vom "flachgesichtigen" Asiaten zum "nasenrückenhohen" Europäer bereits hinter sich haben, sind begehrte Fotomodels in der Branche. Meist sind die OPs noch nicht ganz abgeschlossen, aber Hauptsache, man sieht aus wie ein zwitterhaftes, ausdrucksloses Mangawesen vom anderen Stern bzw. der westlichen Welt. Auf Schönheitschirurgie spezialisierte Praxen schießen in China wie Pilze aus dem Boden, so dass man bzw. Frau schnell mal in der Mittagspause Bauchfett absaugen und es sich in die Wangen spritzen lassen kann (kein Witz!).

Auch die Haut soll vornehm blass und nicht "gelb" sein: dann hat man angeblich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gibt es in jeder Drogerie Weißmachercremes zu kaufen. Wer gründlich und schneller sein will, lässt sich Infusionen verpassen, die den Weißmacher direkt unter die Haut leiten. An gesundheitliche Risiken scheint dabei keiner zu denken.

Traurig, wenn man sieht, wie wenig selbstbewusst junge Chinesinnen offenbar sind. Das Wichtigste ist den Interviewten, schön "dreidimensional" auf Fotos auszusehen - mit einoperierter Lidfalte, schmalem Gesicht und nachmodellierten, hohen Wangenknochen. Umso schlimmer, dass es niemanden gibt, der sie zur Vernunft bringt - die selbst ernannten plastischen Chirurgen schon gar nicht. Ich weiß, man ist nicht immer zufrieden mit sich, aber in fünf Jahren ist vielleicht das China Girl vom Aussterben bedroht und darum heiß begehrt. Dann gucken die Manga Girls aber dumm aus der Wäsche mit ihren riesigen, multi-lid-faltigen Augen und ihren europäisch umoperierten Schmollmündern - die hat übrigens auch nicht jede westliche Frau.



Bildquelle: kirahoffmann / Pixabay

Mittwoch, 24. April 2013

Buchverfilmung ~ Hui oder Pfui?

Von passionierten Lesern erfolgreicher Belletristik gefürchtet und zugleich ersehnt: die früher oder später unvermeidliche Verfilmung des Lieblingsbuchs. Wie aufregend, wenn Bella und Edward zum "scheintoten" Leben erweckt werden und der schnuckelige kleine Hobbit in Leinwandgröße widerwillig auf einen Abenteuertrip geht (den fand ich sehr nett, obwohl ich kein Tolkien-Fan bin und mir das Buch extra vor der Premiere des Films besorgt habe, um wenigstens ein *bisschen* Ahnung zu haben).

Die Meinung über Buchverfilmungen ist allerdings keine allgemein wohlwollende - zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Ich verstehe das eigentlich nie so ganz, obwohl meine Enttäuschung über den mickrigen, schlaffen, schweine-nasigen Lindwurm Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte" keine Grenzen kannte, hatte ich ihn mir doch in meiner Phantasie bei der Lektüre des Buches majestätisch und elegant durch die Lüfte gleitend vorgestellt. Mein Urteil wurde auch von der Tatsache nicht gemildert, dass ich bei der Besichtigung der Bavaria-Studios auf dem hässlichen Schmuddelkopf sitzen durfte (er ist ja nicht mal komplett! Was für eine Vera***e!). Atréju wiederum fand ich richtig niedlich.

Dennoch. Sich den Film über sein Lieblingsbuch anzuschauen, bleibt jedem selbst überlassen. Mit einer Enttäuschung muss man rechnen, wenn man sich zuvor ein allzu genaues Bild der Figuren und der Handlung gemacht hat, und das tut man in der Regel, wenn man mitgefiebert hat. Natürlich kann ein Film in anderthalb Stunden nie das erzählen, was ein Buch auf über 500 Seiten tut.

Und besonders die Schauspieler können einem ganz schnell Illusionen rauben. Ich meine, warum ist der aktuelle James Bond blond, wenn er in den Romanen als dunkel beschrieben wird? Warum will man für "Shades of Grey" nicht gleich Kirsten Stewart und Robert Pattison verpflichten?

Abgesehen davon finde ich, dass es wirklich sehr gute und sehenswerte Verfilmungen gibt, die heute vielleicht bekannter sind als das Buch und / oder das Zeug zum Klassiker haben. Die Winnetou-Filme zum Beispiel. Da trifft für mich sogar der umgekehrte Fall zu: ich habe sie vor den Büchern konsumiert und war dementsprechend enttäuscht von der biederen Beschreibung meines Helden Old Shatterhand respektive Kara Ben Nemsi. Bart und landesübliche Kopfbedeckung wie Cowboyhut oder Fez? So fesch wie er ist, damit hätte Lex Barker nie die Herzen seiner Fans erobert (der Bart kommt glücklicherweise bereits in "Der Schatz im Silbersee" ab - das Testpublikum mochte ihn nicht, weil er zuviel von Barkers männlicher Physiognomie verdeckt hat).

Welches Buch *ich* mir auf Celluloid wünschen würde? Wahrscheinlich "Mere Mortals" oder "Die geheime Geschichte". Ich habe es noch nie geschafft, das Buch komplett zu lesen, aber die Story klingt spannend und vielversprechend mysteriös. Manchmal ist es einfach bequemer, ins Kino zu gehen und zu glotzen als lesen und die Phantasie zu bemühen... (O;



Montag, 22. April 2013

Im Akkord, zwei, drei...

Wie machen manche Autoren das bloß? Schreiben, schreiben, schreiben. Veröffentlichen, schreiben, veröffentlichen und wieder an den Schreibtisch. Beispiele dafür fallen mir ad hoc ein Dutzend ein: Sir Arthur Conan Doyle, Anne Perry, Sebastian Fitzek, Cecila Ahern, Nicholas Sparks, Elizabeth George, Cornelia Funke und viele mehr. Sie produzier(t)en erfolgreiche Bücher wie der normale Mensch Kohlenstoffdioxyd beim Atmen. Oder Rinder Methangase beim Verdauungsvorgang.

Über Letztgenannte habe ich neulich ein Porträt im Fernsehen gesehen, und ehrlich gesagt, ich war ein bisschen neidisch. In Los Angeles leben, den eigenen Tagesablauf bestimmen, eine tolle Villa bewohnen und sich zum erfolgreichen Schreiben ins Gartenhäuschen zurückziehen, zwischendurch im hauseigenen Pool planschen und anstehende Hollywoodverfilmungen der eigenen Phantasie als Berater mitbestimmen - das Paradies auf Erden.

Für Cornelia Funke hat sich ein Wunsch erfüllt, von dem wohl jeder Autor heimlich träumt. Das Schöne dabei: es macht ihr immer noch Spaß, wenn Fans sie bitten, Fortsetzungen ihrer Geschichten zu schreiben. Und irgendwie scheint sie total glücklich zu sein mit dem, was sie tut, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ganz anders Sir Arthur Conan Doyle, der irgendwann von Sherlock Holmes derart frustriert war, dass er ihn erst einmal sterben ließ, bevor der Meisterdetektiv auf Druck der Leser wieder auferstehen musste. Wahrscheinlich lag Doyles Frust darin begründet, dass er viel lieber als Arzt praktiziert hätte und in diesem Beruf - im Gegensatz zum Schriftstellertum - nie so recht Fuß fassen konnte. Seine mit Enthusiasmus aufgebaute Praxis musste er aufgrund fehlender Patienten wieder schließen. Trotzdem oder gerade deswegen bewundere ich seine Werke, mit denen er Generationen erfreut und zu eigenen Geschichten mit seinen Charakteren inspiriert hat. 

Die Kurzgeschichten lese ich gerade, und ich bin immer wieder erstaunt, wie durchdacht und originell sich die zumeist anfangs banal erscheinenden Fälle entwickeln und auflösen, auch wenn häufig - wie bei vielen erfolgreichen Autoren -nach Schema F vorgegangen wird. Eine interessante Parallele zu Conan Doyle ist übrigens die Tatsache, dass Sherlock Holmes Medizin studiert hat und John Watson Arzt ist. So hat der Autor doch noch ein wenig von seinem ureigenen Interessengebiet mitverarbeitet. Ziemlich clever.

Ob Funke oder Doyle, es ist einfach verblüffend, dass viele Autoren so viele Ideen in relativ kurzer Zeit zu Papier bzw. in ihren Rechner bringen können und damit so vielen Lesern und letztendlich sich selbst eine Freude machen. Da ziehe ich ehrfürchtig meinen nicht vorhandenen Hut.

Außerdem zolle ich jenen Autoren Respekt, die sich lediglich durch ein einziges Werk einen Namen gemacht haben, sei es weil sie danach keine Zeit mehr hatten, weitere zu schreiben, so wie "Vom Winde verweht"- Autorin Margaret Mitchell, die im Alter von 49 Jahren tödlich verunglückte und sich damit nicht als so unverwüstlich erwies wie die Beliebtheit ihres Südstaaten-Epos, oder auch Susan E. Hinton, die jugendliche Autorin des modernen Klassikers "Die Outsiders". 

Nicht zu vergessen Harper Lees großartiger Roman "Wer die Nachtigall stört." Die Verfilmung mit Gregory Peck gehört für mich zu den gelungensten Filmadaptionen überhaupt.

Freitag, 19. April 2013

Neu, schräg und herzig: Tinnef!

"Tinnef" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie "Unsinn" oder auch "Schund" bzw. "nutzlose Dinge". Verbreitet war der Begriff besonders in der Ganovensprache. Wurde wertloser Plunder erbeutet, sprach man abfällig von Tinnef.

Die Sachen auf meinem gestern neu eröffneten Etsy-Shop sind ganz bestimmt nicht wertlos, aber auch nicht unbedingt lebensnotwendig, sondern für Individualisten mit Sinn für das Besondere. Darum finde ich den Namen recht passend.

Eigentlich wurde da aus einem Hobby ein wenig mehr. Vor ein paar Jahren fiel mir ein Anleitungsbuch über die japanischen Häkelfiguren, die sogenannten "Amigurumis", in die Hände, und ich war sofort Feuer und Flamme. Der Haken dabei: ich konnte nicht häkeln! Seit ich es in der dritten Klasse gelernt habe, ist einiges an Zeit vergangen, und ich bin nicht wirklich so der Handarbeitsfreak. Wie so oft, wurde mir das in der Schule ein bisschen verleidet. Aber die Amigurumis - als Haustiere der Mangas werbewirksam gepriesen - waren sooo süß! Die musste ich haben.

Also habe ich mir das Heft gekauft und mir das Häkeln wieder beigebracht. Die Schrift war auch für Dummies wie mich bestens erklärt, so dass bald eine ganze Bande der gehäkelten Gesellen meine Wohnung bevölkerte. Die ersten Exemplare waren noch ein wenig locker und unbeholfen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ein grüner Affe und ein Tiger aus verschiedenen Brauntönen thronen auf meinem Schrank und genießen die Aussicht und ihr Erstgeburtsrecht, indem sie bei mir bleiben.




Inzwischen versuche ich mich an eigenen Entwürfen, und selbst mein *Guilty Pleasure*, Sherlock Holmes aka Benedict Cumberbatch wurde in Wolle kreiert (wenn ich schon nicht den echten haben kann, *hihi*). Der ist allerdings unverkäuflich. Vielleicht werde ich mich mal wieder an einen weiteren Versuch wagen und mir dann gleichzeitig die Anleitung aufschreiben - das hatte ich nämlich vergessen. Und eigentlich sollte ich ihm Dr. Watson zur Seite stellen - das Problem ist nur, dass der nicht so schöne unverwechselbare Locken hat wie Sherlock.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Fliegenpilze. Sie sind nicht nur fix gemacht, sondern geben auch ein prima und originelles Nadelkissen ab, sind also kein Tinnef im engeren Sinne. Bei Mädels und kleinen Prinzessinnen kommt natürlich das Einhorn gut an und alles, was rosa ist. Jungs lieben skurrile Außerirdische, putzige Flugzeuge und Bären aller Art. Und jung gebliebene Erwachsene tragen ihr Amigurumi trendbewusst an Handtaschen und Rucksack oder als Glücksbringer in der Tasche. Manche fragen mich, ob es mir nicht leid tut, meine Amigurumis wegzugeben. Im Gegenteil! Ich bin froh um jedes Stückchen Platz, das ich für weitere Figuren machen kann.



Donnerstag, 18. April 2013

Faszination Erster Weltkrieg

Viele der Geschichten in meinen Romanen haben den Ersten Weltkrieg zum Thema. Nicht vordergründig, denn ich bin kein Fan von blutigen, sinnlosen Gemetzeln, auch wenn ich zuweilen in Rückblenden literarische Abstecher auf die Schlachtfelder in Flandern und Frankreich mache und durch entsprechende Filme und Bücher den Hauch einer Ahnung habe, wie furchtbar das gewesen sein muss. Doch die Zeit und die psychischen und politischen Nachwirkungen auf Land und Leute faszinieren mich mehr. Besonders im Vereinigten Königreich, wo dieser Krieg als "The Great War" Einzug in die Geschichtsbücher gefunden hat, kam es zu Umwälzungen und Veränderungen: die glorreiche viktorianische Epoche gehörte endgültig der Vergangenheit an, und die Verluste, die England erlitten hatte, waren durch die Giftgasangriffe höher als je zuvor in einem Krieg. Noch heute gilt der "Great War" in England als beinahe verheerender und denkwürdiger als der folgende in den 1940er Jahren.




Aber auch persönlich bin ich davon ein wenig betroffen. Mein Ur-Großvater väterlicherseits fiel kurz vor Kriegsende nahe Verdun, gilt aber offiziell als verschollen. Keiner weiß genau, wo er begraben liegt - man nimmt an, dass ihn eine Granate Bein und Arm gekostet hat und er verblutet ist.

Das Einzige, das sich heute noch als Erinnerung an ihn im Familienbesitz befindet, ist sein imposanter Regiments-Bierkrug - mit vom Zahn der Zeit abgebrochenem Adler und symbolisch eingeschlagenem Boden als Zeichen dafür, dass der Soldat in Ehren fürs Vaterland  gestorben ist und kein anderer je aus dem Gefäß trinken darf (eine zweifelhafte Ehre, aber naja, so war die Zeit). Bis vor kurzem dachte ich, er wäre unabsichtlich beschädigt worden.

Meine Oma - ein kleines Mädchen noch beim Abschied des Vaters - kam nie wirklich über seinen Tod hinweg. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern und hat ihn sehr geliebt.  Ich habe ihr einmal das Chanson "Sag mir wo die Blumen sind?" kindlich ahnungslos vorgesungen, weil mir die Melodie so gut gefallen hat, und werde nie vergessen, dass sie anfing zu weinen. Für mich war das ein großer Schock. Ich kannte meine Oma nur lachend und lustig, selbstironsch oft, aber traurig habe ich sie vorher und nachher nie wieder erlebt, und ich habe mich schrecklich geschämt, dass ich der Auslöser dafür war - auch wenn ich nichts dafür konnte.

Meine Cousins haben ihr häufig angeboten, in die Champagne zu fahren, um das Soldatengrab ausfindig zu machen. Aber sie hat stets abgelehnt. Lieber hat sie im Alter von über siebzig mit dem Freund ihres Sohnes (mein Papa) eine spontane Segelfliegertour gemacht.




Ich selbst war im Rahmen eines Schüleraustausches bei Paris in der Gegend und auch in Verdun und der Gedenkstätte Douaumont, doch die Zeit war zu knapp, um die riesigen Friedhoffelder abzugrasen in der Hoffnung, den Namen meines Urgroßvaters dort zu entdecken. Vielleicht hätte es meine Oma doch getröstet, ein Foto zu sehen, auf dem seine letzte Ruhestätte verewigt ist - wenn es sie denn überhaupt gibt. Viele Soldaten wurden anonym bestattet.

Der Spruch Zeit heilt alle Wunden traf nicht auf meine Oma zu, zumindest nicht, was den Tod ihres Vaters anging. Und irgendwie kann ich das verstehen. Aber ich habe nie gemerkt, dass sie deswegen bitter gewesen wäre; etwas, das ich an meiner Oma sehr bewundere.

Filmempfehlungen zum Thema


Dienstag, 16. April 2013

A short appreciation post to my foreign readers



Wow. Looking at my traffic stats, I've just realized that I have over a hundred people from the US reading my blog. I feel very flattered and honoured by that! Does the slightly altered title quote from the Series "Sherlock" pique your interest to read on, or is it indeed the incredibly interesting things I keep babbling about aside from Sherlock? Maybe you are of German heritage and  / or  have learned the language back at school?

Because frankly speaking, Google doesn't do a very good job translating, at least as far as I am concerned. I hardly get the message when I bother to run my posts through online-translators. The words are all jumbled then and sometimes completely out of context.

So I appreciate your following me even more. Also, I'd like to say привет (*That's* what translators are good for!) to my Russian readers which are closely behind! Feel free to ask me anything you want to know if you're up to it!

Thank you for joining me! (O:

Image source: Public_Domain_Photography / Pixabay

Montag, 15. April 2013

Zeit für ein Outing...

Ich bin Fan von alten Schlagern. Also die wirklich alten. Solche, die selbst noch auf der CD oder im MP3 heimelig knistern. Schuld daran ist ganz bestimmt das alte Radio meines Opas väterlicherseits und die Plattensammlung meiner Oma mütterlicherseits, deren Lieblinge Peter Alexander und Rudi Schuricke waren. Nicht lachen, aber bei den Caprifischern muss ich - wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin - tatsächlich ein paar Tränchen verdrücken. Und das nicht nur wegen der Erinnerung an meine liebe Oma selig.

Die Comedian Harmonists liebe ich bis heute. Es gab eine Zeit, in der ich mich fast obsessiv mit den sechs befrackten Herren beschäftigt habe, von ihren Lebensläufen bis zu ihrer tragisch endenden Erfolgsgeschichte - kurz bevor die grottige Vilsmaier-Verfilmung erschien.

Ich lernte ihre Namen kennen und sogar, in den Liedern ihre Stimmen zu unterscheiden, nachdem ich die sehr informative und gelungene Dokumentation von Eberhard Fechner im TV gesehen und auch das dazugehörige Buch gelesen hatte.

Und ich höre hin und wieder Tino Rossi, dessen naturgetreue Nachbildung in Lebensgröße (einen so genannten Androiden) man im Bruchsaler Musikautomatenmuseum bewundern kann. Vielleicht geht seine Musik heute vielen auf die Nerven und sie ist auf jeden Fall nicht mehr zeitgemäß, aber ich mag dieses Wehmütige, Melancholische in seiner Stimme, das mich bereits bei Rudi Schuricke im Kleinkindalter so beeindruckt hat, wenn meine Oma von der Reise zur blauen Grotte schwärmte.

Mein Lieblingslied von Monsieur Rossi ist "J'attendrai", aber das habe ich leider nicht gefunden... Catari ist aber auch schön.



Bildquelle: Pinterest

Samstag, 13. April 2013

Mere Mortals ~ Erastes



Düster, geheimnisvoll, in abgeschiedenen Gegenden in einer anderen Zeit, unerwartete Wendungen und rätselhafte, aber psychologisch ausgefeilte Protagonisten - solche Geschichten liebe ich! Allein schon das Cover von "Mere Mortals" - in gediegenden Brauntönen gehalten - hat mich neugierig gemacht. Eigentlich bin ich kein Fan von englischer Lektüre, weil mir häufig die Wörter fehlen, aber dieses Buch ist so fantastisch und ausgeklügelt geschrieben, dass ich etwas verpasst hätte, hätte ich es nicht gelesen.

Handlung: Norfolk, England, 1846. Der reiche Philip Smallwood lebt abgeschieden auf einer Insel in einem großen, verwinkelten Haus, umgeben von Luxus und Dienern. Der Ich-Erzähler Crispin Thorne, 17 Jahre alt und Waise, wird dorthin eingeladen, um von dem ihm unbekannten Smallwood unter dessen Fittiche genommen zu werden. Überrascht stellt er fest, dass er nicht der Einzige ist: zwei weitere Jungen in seinem Alter, Jude Middleton und Myles Graham, erwarten ihn und erklären ihm, von dem Hausherrn aus demselben Grund "adoptiert" worden zu sein. Smallwood selbst zeigt sich den Jungen selten - häufig ist er nicht zuhause, achtet jedoch darauf, dass den Jungen Manieren beigebracht werden und alles, was sie gesellschaftlich weiter bringt: Reiten, Fechten, Tanzen, Smalltalk auf Partys, die er um ihretwillen veranstaltet. Doch er verbietet ihnen ausdrücklich, zu segeln oder überhaupt zum Fluss zu gehen.

In dem alten Haus, das wundervoll beschrieben wird, stoßen die Jungen auf viele Rätsel, und auch Philip Smallwood gibt ihnen manch harte Nuss zu knacken: jeder erhält den Namen "Dominic" nach ihren Rufnamen, sie finden eine Taschenuhr, die identisch denen ist, die Philip ihnen als Willkommengeschenk gemacht hat, und zudem entdecken sie ein völlig zerspittertes Boot im lange nicht benutzten Bootshaus. Spekulationen werden geschürt. Hatte Smallwood einen Sohn, der im Alter der Jungen ums Leben kam und ertrank, und sucht er einen Ersatz für den Verlust? Fast scheint es so.

Zwischen Crispin und Jude entsteht mehr als nur Freundschaft. Spielerische sexuelle Annäherungen finden statt, die von letzterem bald verneint und brüsk zurückgewiesen werden. Währendessen kümmert sich Smallwood rührend um alle drei Jungs und erteilt ihnen mit ausgesuchten Tutoren Unterricht, jedoch stets einzeln. Außer den gemeinsamen Mahlzeiten sieht er sie nie zusammen. Als Crispin von einer Migräne-Attacke heimgesucht wird, lässt Smallwood besorgt den Doktor kommen. Zwischen ihm und Smallwood herrscht eine Antipathie, die sich die Jungen nicht erklären können, jedoch nicht unbegründet ist.

Waren die drei zu Beginn immer zusammen, kapselt sich Jude allmählich ab, und Crispin beginnt ein Verhältnis mit Myles. Irgendwann erzählt ihnen Jude stolz, er sei derjenige, der Dominics Platz einnehme - es stellt sich heraus, dass Dominic Waise wurde wie die drei und von Philip Smallwood als Freund der verstorbenen Eltern aufgenommen und unterrichtet wurde - in sämtlichen Bereichen.

Die Lage spitzt sich zu, als Philip Smallwood die drei Jungs im "Queen's Favour" überrascht, dem "verbotenen" Zimmer, das einst Dominic gehörte. Der sonst so beherrschte und freundliche Gastgeber reagiert auf den Vertrauensbruch in schockierender und unvorhergesehener Weise.

Meinung: Selten habe ich ein so spannendes Buch gelesen, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Anfangs war es nicht ganz einfach, den teilweise etwas langatmigen Ausführungen zu folgen, doch entschädigt wurde ich mit einem großartigen Kopfkino, wozu die detailreichen Beschreibungen erheblich beigetragen haben. Merkwürdigerweise wurde ich mit Jude "dear boy" Middleton und Philip Smallwood erst recht spät warm. Aber dann wurde mir die Tragik von Smallwoods Geschichte bewusst; seine Trauer um den tödlich verunfallten Dominic hat etwas unbeschreiblich Rührendes. Und man kann ihn in seiner Wut und Verzweiflung sogar verstehen, als er im Affekt etwas tut, das die Idylle zwischen Mentor und seinen "Zöglingen" auf immer zerstört - selbst wenn offen bleibt, was er mit den beiden "Nicht-Dominics" getan hätte und einiges für Myles' Theorie spricht, sie beseitigen zu wollen, nachdem Philip seinen Kandidaten ausgewählt hat.

Fazit: Kein Happy End, traurigerweise, das ich dem Protagonist Philip Smallwood  und auch den Buben so gegönnt hätte. Aber ein wirklich toller Roman, der so überraschend wie ungewöhnlich ist, dass ich ihm viele Leser wünsche. Obwohl die Thematik wohl nicht jeden anspricht und ein wenig heikel ist für empfindsame Gemüter, versteht es die Autorin, die unter Pseudonym im Genre m / m schreibt, in Andeutungen zu erzählen, ohne dass man sich dabei langweilt, sondern große Sympathie für ihre vielschichtigen Figuren entwickelt und empfindet.

Ein kleines, gruseliges Detail ist die Doppeldeutigkeit des Titels: "Mere" bedeutet "Bloß", und ist zugleich der Name des Flusses, in dem Dominic ertrank und an dem Philip Smallwoods Haus steht.

Bewertung: Volle Punktzahl!



Freitag, 12. April 2013

Pure Nostalgie

Vielleicht geht es dem einen oder anderen ähnlich wie mir: An bestimmte Dinge von früher erinnert man sich wie aus heiterem Himmel mit einem Hauch Wehmut, und dann lässt einen eine ganze Weile der Gedanke nicht mehr los, wie schön es wäre, diese Dinge wieder zu haben. Unter die Kategorie "Verloren - aber unvergessen" fallen bei mir u. a. zwei Märchenbücher, von denen ich eines vor kurzem durch Zufall wieder mein eigen nennen kann. Wir hatten auf dem Büchertreff die Frage, aus welchen Büchern wir vorgelesen bekommen haben als Kind, und erstaunlicherweise nannte ein Mitglied dieses hier:



Ich bin fast ausgeflippt, als ich es gesehen habe. Seit Ewigkeiten suche ich dieses Buch! Als ich es geschenkt bekam, war ich zu klein, um die etwas gruselig anmutenden, aber fantastischen Zeichnungen von Ingeborg Haun zu würdigen, und so wanderte das Original irgendwann aggressiv verkritzelt und ohne großes Bedauern in den Papierkorb. Trotzdem habe ich im Nachhinein immer mal wieder an das Buch gedacht, und war zuweilen etwas verzweifelt, weil ich weder Autor, Verlag noch Titel mehr wusste (letzterer aber auch erschreckend nichtssagend). Ähnlich geht es mir mit einem Buch derselben Ausstattung. Ich weiß noch, dass ein Pferd (mit Reiter?) von der Seite darauf abgebildet war und ein ganz grausliges Märchen darin ("Jorinde und Joringel"(?), "Der goldene Vogel"(?)). Es war ein bisschen dünner als das abgebildete.

Wie auch immer, ich habe das Buch für ein paar Cent über Amazon beziehen können (ich hatte es ehrlich gesagt größer in Erinnerung (O;), so dass es jetzt wieder in meinem Bücherregal steht. Möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei der Leserin bedanken, die aus demselben Buch vorgelesen bekommen hat wie ich!


Mittwoch, 10. April 2013

It's an earhat, Jawn!



Neues von "Setlock": Mittlerweile hat die Produzentin Sue Vertue gebeten, keine Spoiler und Fotos von Dreharbeiten zu verbreiten, was angesichts der öffentlichen Dreharbeiten der dritten Staffel von "Sherlock" für Fans gar nicht so leicht zu erfüllen ist.

Nachdem die erste Episode "The emtpy Hearse" nun abgedreht ist (mei, das ging fix!), stand heute "The Sign of Three" auf dem Programm, in der es - wie ich vermute - um Sherlock, Watson und dessen Zukünftige geht, gespielt von Martin Freemans RL-Partnerin Amanda Abbington. Ob wir Holmes eifersüchtig erleben? Immerhin hat er bei Watsons bisherigen Dates gezeigt, dass er zu Ansätzen dieser Gefühlsregung durchaus fähig ist.

Und noch eine Überraschung gibt es: der verhasste "earhat" ist zurück. Ich muss sagen, Benedict Cumberbatch trägt ihn mit Grazie und durchaus kleidsam. Aber eigentlich kann einen schönen Mann ja nichts entstellen. Nicht einmal eine Minute Meditation inmitten einer Horde "Cumberbabes" (und ganz sicher hat auch Martin "Jawn" Freeman viele Verehrerinnen). Schon beeindruckend, wie gelassen und selbstverständlich im Beisein von Fans hier an die Arbeit gegangen wird. (O;

Diversen Quellen nach zu schließen, hatten Fans und Crew heute eine Menge Spaß. Selbst Mark Gatiss war wohl zu Scherzen aufgelegt, allerdings nicht in seinem Mycroft-Kostüm, sondern in seiner Eigenschaft als Produzent.




Dienstag, 9. April 2013

Ich lese keine Bücher, weil...

So lautet der provokante Titel eines Themas im Büchertreff. Zugegeben, als ich ihn las, war ich erst mal verblüfft. Jemand, der auf einem Literaturforum angemeldet ist, liest keine Bücher?! Was soll das denn? Ein verspäteter Aprilscherz? Aufklärung gab's im Thread selbst: es ging darum, warum immer weniger Leute lesen, besonders junge, und wie man sie davon überzeugen könnte, dass Lesen bildet und bereichert (denn beides tut es ohne Frage).

Ich bin kein militanter Leser, der anderen Bücher aufzwingt, die ich toll und lesenswert finde. Es ist mir ehrlich gesagt auch schnurz, ob jemand lieber mit dem Computer spielt oder fernsieht. Fernsehen bildet auch, in gewisser Weise. Es spiegelt die Gesellschaft und manchmal werden auch gute Filme und Dokumentationen gezeigt, bei denen man auf unterhaltsame Art etwas lernt. Klar, die Phantasie verkümmert, wenn man nicht mehr selbst seinen Grips anstrengen muss. Aber ich hoffe doch, dass auch Nichtleser ihre Mittel dazu haben, z. B. bei Rollenspielen (an denen ich nie Gefallen gefunden habe - jedenfalls nicht online). Abgesehen davon flacke ich abends auch mal gern auf dem Sofa und lasse mich berieseln. Am liebsten vom History Channel, Guido Knopp und seinen unermüdlichen Detektiven der Geschichte... (O;




Was mich persönlich wundert (nicht ärgert - über dieses Stadium bin ich hinaus), ist die Tatsache, dass sehr wenig Freunde, Bekannte und Verwandte meine Bücher lesen; selbst solche, die einen Bestseller nach dem anderen verschlingen, fragen mich selten danach. Ich wiederum frage mich dann, ob sie überhaupt in meine Romane reingeschaut haben, und ob sie fürchten, mich von einer Seite kennenzulernen, die ihnen womöglich nicht gefällt. Oder ob sie die Geschichten überhaupt nicht interessieren, die ihre Freundin / Bekannte / Verwandte ausbrütet.

Merkwürdigerweise erhalte ich von denjenigen, die das Experiment wagen, kaum Feedback (Ausnahmen bestätigen die Regel - mein Gemüsehändler ist mein größter Fan. Darüber freue ich mich fast zu überschwänglich). Mein Onkel sagte mir mal ganz verdutzt, dass er gar nicht wusste, wie gut ich formulieren kann, nachdem ich ihm "Vom Ernst des Lebens" ausgeliehen hatte mit den Worten: "Willst du es nicht mal lesen?" Beinahe hätte ich noch ein *Bitte* hinzugefügt.

Ein Resümee habe ich nicht erhalten, und na ja, man will dann auch nicht impertinent darauf bestehen. Ich weiß ja auch, dass meine Geschichten nicht jedermanns Sache sind. Und wie sagen die Amis so diplomatisch: "If you don't have something nice to say, don't say anything at all". 

In diesem Sinne: Leben und leben lassen, oder?

Sonntag, 7. April 2013

Sensitive about my name

Leute mit ungewöhnlichen Namen haben es nicht leicht. Entweder macht man sie zum Gespött (hart ausgedrückt), oder man spricht ihre Namen falsch aus. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, denn außer "wer nichts wird, wird Wirt(h)" bekomme ich Spötteleien eher selten zu hören. Und mit dieser kann ich leben, weil ich weiß, dass ich trotzdem was geworden bin.

Was mir bisweilen ein bisschen Gedanken macht, ist mein Vorname. Der lautet nämlich entgegen der landläufigen Meinung nicht "Christine", sondern "Christine", Wortstamm französisch. Mit stummem "e".

Wer mich kennen lernt oder meinen Namen erst liest, bevor ich mich vorstelle, nennt mich natürlich Christine, Wortstamm deutsch. Merkwürdig: obwohl sich die Namen nicht sooo sehr unterscheiden, reagiere ich auf die verkehrte Aussprache entweder gar nicht oder allergisch. Ganz schlimm war ein österreichischer Schilehrer, der mich trotz ständiger Korrektur meinerseits hartnäckig mit "Kirsten" anredete. Damals war ich elf, und der Schilehrer, der - die Ironie! - auch noch Jacques hieß, hat bei mir kein Stein im Brett (ok, ich übertreibe. Nach so vielen Jahren kann man auch ein bisschen Nachsicht üben).

Neulich fragte mich glatt der Kumpel meines Vaters, wie ich denn jetzt eigentlich heiße - ich würde mich ja mit einem "e" schreiben. Hat er etwa all die Jahre in Unwissenheit meinen Namen benutzt? Ich war ein wenig schockiert. Besagter Kumpel kennt mich mein ganzes Leben lang, und dann sorgt dieses überflüssige E auf einmal für Zweifel.

Positiv überrascht war ich von Michael Fitz, dem ehemaligen Tatort-Kommissar Carlo Menzinger, als ich ihn nach dem Konzert im Münchner Schlachthof im Jahr 2008 um eine persönliche Widmung auf seiner CD "Nackert" bat. Die Gegenfrage kam wie aus der Pistole geschossen: "Mit 'e' oder ohne?" Und man mag es glauben oder nicht - ich war so verwirrt und auch irgendwie star-struck (der Michi fragt nach meinem Namen!), dass ich gesagt habe: "Ohne."

Auf der Plattenhülle steht jetzt "Für Christin". Zuerst habe ich mich über mich und meine Aufregung geärgert. Inzwischen gefällt es mir aber fast besser als "Christine".




Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, mich in "Kristin" umtaufen zu lassen. Weil ich bei meinem Namen einfach empfindlich bin. An dieser Stelle entschuldige ich mich bei Arnim, meinem G+ Bekannten, der für mich der Einfachheit halber zu Armin wurde...





Donnerstag, 4. April 2013

Das späte Geständnis des Tristan Sadler ~ John Boyne

Ich muss zugeben, zum Lesen komme ich nicht mehr so oft. Das hat weniger damit zu tun, dass ich selbst schreibe (denn andere Werke können äußerst inspirierend sein), als vielmehr damit, dass ich mich nach einer schwierigen Phase in meinem Leben nicht mehr so gut konzentrieren kann.





Nach langer Leseabstinenz und Kurzgeschichten zum Aufwärmen habe ich mir auf Empfehlung "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" besorgt.

Der Autor John Boyne wurde durch "Der Junge im gestreiften Pyjama" bekannt und wird seitdem als literarisches Wunderkind gefeiert. Zu Recht. In diesem Buch wird ein Thema behandelt, das mich selbst fasziniert und zugleich traurig und melancholisch stimmt: der Erste Weltkrieg, in dem so viele junge Männer sinnlos ihr Leben lassen mussten.

Meinung: Ich war begeistert von dem leichten Stil, der Atmosphäre und der Charakterisierung der Rekruten, die von dem despotischen Sergeant James Clayton auf die große Schlacht vorbereitet werden. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Will Bancroft, von dem von Anbeginn kein Zweifel bleibt, dass er sterben wird, denn sein Freund Tristan verabredet sich nach dem Krieg in Norwich mit dessen Schwester Marian, um ihr die Briefe zu übergeben, die sie ihrem Bruder ins Feld schrieb.

Zwischen ihm und Tristan entwickelt sich von einer sofortigen, fast magischen Freundschaft eine Art unfreiwillige Liebesgeschichte, die ihren Anfang nimmt, als der selbsternannte Kriegsverweigerer Arthur Wolf mit eingeschlagenem Schädel noch vor der Überschiffung nach Frankreich im Wald gefunden wird. Dessen baldiges Ende war ein ziemlicher Schocker - dass er im Regiment gepiesackt und schikaniert wurde, nahm mich nicht weiter wunder, aber dass man ihn auf Anordnung Claytons stillschweigend beseitigt hat, ist schon echt starker Tobak.

Bemerkenswert an der Beziehung zwischen Will und Tristan finde ich, dass Ersterer sich dafür schämt, seinen Kameraden körperlich zu begehren, und er dennoch die Initiative ergreift. Er erklärt es vor Tristan damit, "Trost zu suchen", aber Tristan, der schon früh seine homosexuellen Neigungen durch den Nachbarsjungen Peter erkennt, fühlt sich dadurch entwertet. Als sich Will aufgrund eines folgenschweren Vorfalls zum Absolutist (der Originaltitel des Buches) und Tristan zum Feigling erklärt, greift der gedemütigte, zurückgewiesene Tristan zu einer Maßnahme, die völlig überrascht und mich entsetzt hat.

John Boyne gelingt es, das Grauen und den Wahnsinn des Krieges und die Verrohung der Soldaten plastisch zu beschreiben, ohne dabei das verletzte Selbstverständnis seines Protagonisten aus den Augen zu verlieren. Obwohl meine Sympathie von Beginn an uneingeschränkt bei Will war, tat mir Tristan sehr leid. Verstoßen und verachtet von Familie und Freunden, sobald er zu seinen Gefühlen stand, hat er zuletzt selbst von dem Menschen Ablehnung erfahren, den er als seinen Geliebten bezeichnet hat.

"Das späte Geständnis des Tristan Sadler" ließ mich traurig und nachdenklich zurück. Traurig für Tristan und Will, und nachdenklich, weil ich mich unwillkürlich gefragt habe, wie ich in Tristans Situation gehandelt hätte  - und zwar sowohl im Schützengraben als auch später in der letzten Unterredung mit Will.

Fazit: Kein Feel-Good-Buch, dafür eindringlich, tiefgründig und spannend mit einem ungewöhnlichen Thema. Eine Lektüre, die ich in dieser Art so bald nicht wiederholen möchte und die es trotzdem wert war, gelesen zu werden.


Mittwoch, 3. April 2013

Mein Roman "Ausnahmsweise doppelgleisig" zu gewinnen!

Es gibt ein neues Gewinnspiel! Verlost wird mein neu erschienener Roman "Ausnahmsweise doppelgleisig", auf Wunsch mit Signatur.

Um teilzunehmen, wird diesmal keine Quizfrage gestellt; ihr seid ein wenig mehr gefordert... (O; Schildert mir im Kommentarbereich ein Erlebnis, bei dem ihr glaubt, einen Schutzengel gehabt zu haben. Das kann etwas total Aufregendes, aber auch eine Begebenheit sein, die auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär wirkt.

Schickt mir dann eure Postanschrift unter dem Betreff "Schutzengel" bis zum 10. April, 10.00 Uhr an: chris009@gmx.net.

Ich bin gespannt auf eure Berichte und wünsche jedem Teilnehmer viel Glück (das Los entscheidet).

Der Rechtsweg, der arme, ist wie immer ausgeschlossen.




Weitere Regeln:

- Eure Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben und nur zum Zweck des Gewinnspiels benötigt. Nach der Verlosung werden sie gelöscht. 

- Ich versende deutschlandweit. Ins Ausland verschicke ich nur, wenn das anfallende Porto erstattet wird.

- Falls das Päckchen auf dem Postweg verloren geht, übernehme ich keine Haftung.




Dienstag, 2. April 2013

Gestatten , Orchidaceae


Seit gestern habe ich einen neuen Mitbewohner (hat der Osterhase mich doch nicht vergessen (O;). Orchideen sollen pflegeleicht sein, und vielleicht habe ich mit ihr mehr Glück als mit den zwar hübsch anzusehenden, aber extrem heiklen, da überzüchteten Zierkakteen, auf die ich so abfahre. Von denen hat es keiner länger als ein halbes Jahr durchgehalten... ich habe aber leider allgemein sowieso nicht das, was man einen grünen Daumen nennt. Entweder meine ich es zu gut mit den Pflänzchen oder lasse sie fahrlässig vertrocknen. Selbst mein ausladender "Schwiegermuttersitz" hat das Zeitliche gesegnet.

Besonders leid tat es mir um meinen letzten Kandidaten, von dem ich nicht einmal seinen Namen weiß. Dabei waren wir schon über zehn Jahre ein Paar. Ich bin mit ihm umgezogen, und er war immer schön blühend und grün in seiner Hydrokultur. Bis er vor wenigen Wochen völlig überraschend alle sternförmigen Blätter hängen ließ. Schweren Herzens habe ich ihn entsorgen lassen, weil ich selbst es nicht fertiggebracht hätte. Irgendwie werden einem Zimmerpflanzen über die Zeit doch lieb und teuer.

Grinsen musste ich ja, als ich eben bei Wiki nachgeschlagen habe, was Orchis bedeutet... darauf wäre ich nie gekommen; habe aber auch kein Griechisch gehabt in der Schule. Ich sollte ihr auf jeden Fall einen männlichen Namen geben... *schmutziges hehe*

Das Gießen ist allerdings ziemlich umständlich mit dem Volllaufen lassen, aufsaugen und wieder abschütten einmal pro Woche. Meine Dusche dankt mir das nicht gerade mit blinkender Sauberkeit. Aber naja, wenn die Spezies männlich ist, was will man machen... saufen und wenig Gespür für Ordnung gehört da ja fast zum guten Ton (Ausnahmen gibt es natürlich). Dafür erfreue ich mich an ihrer (seiner) exotischen Schönheit und den prächtigen Orchis... für alle,  die einen bewährten Tipp haben, wie man Orchideen noch möglichst aufwandslos wässern kann, gibt es unten den Kommentarbereich.