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Mittwoch, 10. Dezember 2014

"Thorin, die Adler kommen!" Review Der Hobbit ~ Die Schlacht der fünf Heere.

Der dritte Teil der Hobbit-Saga war besser als meine Erwartungen, denn natürlich liest man im Vorfeld Kritiken. Die allgemeine Beurteilung des Films war eher mies, und nachdem mir der Vorgänger schon nicht mehr so gut gefiel wie der erste Teil, bin ich eher missmutig ins Kino geschlichen (das - Oh Wunder! - in der Nachmittagsvorstellung trotz Premierentag nicht einmal voll besetzt war).





Bereit, mich kneifen zu lassen, wenn ich doch anfinge zu plärren, nahm ich mit Popcorn bewaffnet eine vermutete zweieinhalbstündige opulente Langeweile auf mich. Schließlich ist der knuffige Bilbo Beutlin nicht mehr als Staffage in den meisten Szenen, und Drache Smaug verendet schon im Vorspann grässlich zeternd im Feuersee der Stadt Bree.

Was soll da jetzt noch groß passieren, habe ich mich als Mittelerde-Banause gefragt. Ja, ganz ehrlich, selbst jetzt bekomme ich die fünf Heere des Titels nicht wirklich zusammen. Zwerge, Elben, Menschen, Orks, Raketenwürmer...?! Zu viele obskure Gestalten sind da aus der Erde gekrochen und aus Gundalbad als Quelle des Bösen gestürmt.

Aber ich mochte den Film und habe mich wirklich gut unterhalten. Das Gemetzel hielt sich in erträglichen Grenzen, und wenn Legolas als Super Mario an den Füßen einer Fledermaus durch die Gegend schwirrt und mit tänzerischer Eleganz über hinabbrechenden Brückensteinen den bösen bösen Bolg-Ork zur Strecke bringt, guckt frau gerne zu. Auch wenn Elben scheinbar rückwärts altern.

Sein über allem erhabener Vater und Waldelbenkönig Thandruil auf dem Elch wirkte fast albern und irgendwie wie aus diesen PC-Spielen, bei denen man eine Stadt aufbauen oder erobern muss, und auch Thorin auf dem Widder und dessen Cousin Dain auf seiner animierten Wollsau machen keine besonders glückliche Figur. Trotzdem habe ich beim schmerzerfüllten Aufquieken des durchbohrten Reittiers einen Moment lang gegen aufsteigende Tränen ankämpfen müssen. Die arme Sau.

Womit wir beim Thema wären. Ich habe nämlich geplärrt, tatsächlich. Und das merkwürdigerweise an einer Stelle, bei der ich es mir am wenigsten zugetraut hätte.  

ACHTUNG: MEGASPOILER!!!

Alle Mittelerde-Fans wissen ja bereits aus dem kleinen, legendären Kinderbuch von J. J. R. Tolkien, dass die Schlacht der Zwerge um ihren Berg Erebor mit zahlreichen Verlusten - auch auf der guten Seite - verbunden ist. Nicht nur, dass ihr Anführer Thorin sich mit der "Drachenkrankheit" infiziert und dem Wahn anheimfällt, die Zwerge sind auch sonst nicht sehr beliebt. Thranduil zieht sich zurück, nachdem zu viel Elbenblut vergossen wurde, und die Menschen haben genug damit zu tun, ihre eigene Haut zu retten, als die Orks Bree einnehmen. Drei der heldenhaften Zwerge fallen der Schlacht zum Opfer, und, wie ich spitzfindig annehme, ausgerechnet die Publikumslieblinge. Und nicht nur das: mit ihrem Ableben steht auch die blaublütige Linie des erst wieder eroberten Zwergenreichs auf wackeligen Füßen.

Das Ende der Brüder Fili und Kili war schon krass und echt gemein, aber wirklich getroffen hat mich Thorin Eichenschilds erbitterter Kampf gegen den Ork-Anführer und seine letzten weisen Worte an Bilbo Beutlin, der die Schlacht weitgehend verpeilt hat und dann zu spät herbeieilt, um dem schwer verwundeten Zwergenkönig helfen zu können. Das war ein so emotionaler Augenblick, dass ich dachte, ich muss gleich losheulen, um nicht zu platzen (dass ich mich am Popcorn verschluckt habe, ist eine andere Sache und war recht peinlich).

Auch sonst hat mir Thorin gut gefallen und mich überzeugt als einer, der dem Wahnsinn nahe ist und vom Reichtum geblendet und verführt. Und dabei hatte er doch bisher nicht viel mehr zu tun in der Trilogie als schön zu sein und dem wenig schmeichelnden Zwergen-Image zu spotten. Hier hat Richard Armitage mir gezeigt, dass er mehr kann als gut aussehen. Respekt!

Mein Fazit: Sehr viel eindrucksvoller als Teil 2, so gut wie der erste und trotz Überlänge und einiger überflüssiger Handlungsstränge (Tauriel und der Bürgermeistergehilfe Alfred Speichellecker (?)) kurzweilige Unterhaltung, für die man gerne mal einen Abend opfert.

P.S: Es sind doch die Adler! Das fünfte Heer.


Bewertung: