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Freitag, 3. April 2015

Die Top Ten meiner Lieblingsbücher

Was lesen Autoren? Welche Geschichten inspirieren sie und haben den Wunsch geweckt, selbst zu schreiben? Bei mir war es eindeutig der eher unbekannte Roman "Nacht ohne Gesicht" (River of Darkness) von Rennie Airth. Dessen Protagonist John Madden - ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Inspector Detective - war das Vorbild meines Psychologen Gaspard Renoir in "Das Bildnis des Grafen", der tatsächlich und überraschenderweise auch hier in der Liste auftaucht. (O;




Entstanden ist diese Geschichte aufgrund der Tatsache, dass ich häufig in Buchhandlungen trotz der Riesenauswahl nicht fündig werde. Entweder sind mir die Thriller zu splatter, die Liebesromane zu kitschig, die historischen Romane zu emanzipiert ("Die Wanderhure", "Die Goldschmiedin", "Die Hebamme"...), die humorvollen Romane zu schenkelklopfer-mäßig und die Unterhaltungsliteratur allgemein zu flach (nichts gegen Berieselung und Unterhaltung, aber ich möchte beim Lesen gern mitdenken und herausgefordert werden). Daher sind meine Ansprüche auf literarischem Gebiet doch schon recht hoch. Here we go:

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1. Nacht ohne Gesicht - Rennie Airth
2. Das Bildnis des Grafen - Christine Wirth
3. Zeit der Nähe - William Maxwell
4. The complete Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle
5. Das vergessene Kind - John Matthews
6. Die Sünde der Brüder - Diana Gabaldon
7. Sherlock verliebt - Sena Jeter Neslund
8. Das späte Geständnis des Tristan Sadler - John Boyne
9. Choral am Ende der Reise - Erik Fosnes Hansen
10. Der kleine Wassermann - Otfried Preußler


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Meine "All-Time-Favourites" haben mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt und beeinflusst, und mich zudem zum Nachdenken gebracht, das heißt, ihre Geschichten klangen noch lange in mir nach. Ich liebe ungewöhnliche, unvorhersehbare Stories, die den Leser mit auf eine Reise durch Zeit, Länder und Welten nehmen. Auch Romane, die auf historischen Fakten beruhen und mir dennoch ganz eigene Figuren vorstellen, faszinieren mich, etwa Erik Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise", der die fiktiven Lebensläufe und das verbürgte Schicksal der Musiker auf der Titanic mit liebevoller Detailgenauigkeit für Personen und die Epoche beschreibt.

"Zeit der Nähe" von William Maxwell hat meine Vorliebe für literarische Freundschaften geprägt. In den USA gilt das Buch über den selbstbewussten, sportlichen Spud und den schüchternen Lymie, den Spud vor dem Ertrinken rettet und die seitdem eine sensible Freundschaft verbindet, als Klassiker. Es ist ruhig erzählt, mit viel Feingefühl und psychologischem Gespür, daher liebe ich es. Ähnlich verhält es sich mit "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne.

Auch Diana Gabaldons "Die Sünde der Brüder" fällt knapp in diese Kategorie. Knapp deshalb, weil die Autorin eher sprachgewaltig und manchmal derb daherkommt und eigentlich nicht zu meinen Inspirationen zählt. Trotzdem gefallen mir ihr Protagonist Lord John und sein Stiefbruder Perseverance, zwischen denen sich etwas entwickelt, das zwischen Geschwistern nicht sein darf und das den Lord in Schwulitäten bringt (no pun intended!).

Und als Fan des klassischen Krimis bzw. des genialen Sherlock Holmes dürfen natürlich dessen Abenteuer in meiner Liste nicht fehlen. Lustigerweise gehört zu meinen Lieblingen in diesem Kontext auch eine romantische Variante des Meisterdetektivs, mit der sich Sena Jeter Neslund beschäftigt hat. Ihre Interpretation von Holmes' großer und einziger Liebe wartet mit einem Clou auf, der völlig überraschend kommt. Auch das Verhältnis Holmes / Watson wird in ihrer Geschichte anrührend und - wie ich meine - authentisch beschrieben.

Ein weiterer Krimi-Klassiker in meiner Liste ist "Das vergessene Kind" von John Matthews. Obwohl das Thema dem Leser beileibe nicht schonend beigebracht wird und an den Nerven zerrt, hat es mich in seinen Bann gezogen, als ich Kommissar Fournier durch drei Jahrzehnte begleitet habe in der Hoffnung, einen mysteriösen Fall aufzuklären.

"Der kleine Wassermann" hatte für mich von kleinauf einen großen Zauber, was größtenteils an den putzigen, aber sehr eigenwilligen Zeichnungen lag und daran, dass ich immer gerne eine Nixe / ein Meermädchen hätte sein wollen. Aber auch die einfache und herzliche Erzählweise von Otfried Preußler hat mich als Kind sehr angesprochen. Wobei ich mit Hexe und Räuber Hotzenplotz nie etwas anfangen konnte...

Bildquelle: Gellinger / Pixabay