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Donnerstag, 1. Januar 2015

"Austenland" (2013) Review

Wie angekündigt, kommt meine Rezension zu "Austenland", der die Ehre hatte, der letzte Film des alten Jahres zu sein. Gepasst hat das wie die Faust aufs Auge zu Silvester: knallig bunt, abgefahren, und irgendwie auch romantisch mit einem Neuanfang, der kitschig und schön zugleich war.

 Wer mein Blog ein bisschen verfolgt, wird wohl wissen, dass ich per se keine Liebesfilme oder -komödien mag. Und trotzdem fand ich "Austenland" recht gelungen und habe mich richtig gut dabei unterhalten. Die weibliche Hauptfigur hätte ich mir weniger forsch gewünscht (schließlich ist sie Jane Austen-versiert und somit nicht zwingend ein Vamp, der allen Männern den Kopf verdreht), aber die originelle Idee und die übrige Besetzung haben mich dafür ein wenig entschädigt.




Inhalt: Die Amerikanerin Jane Hayes ist um die dreißig und immer noch Single. Schuld daran sind laut ihrer Freundin Jane Austen und deren Kreation des aufrechten und illusorischen Mr. Darcy, der in Gestalt einer Pappfigur von Colin Firth in ihrer Wohnung haust.

Um ihrem echten Mr. Darcy zu begegnen, reist Jane nach London ins Austenland, einem Themenpark, der komplett auf die Regency-Zeit und Jane Austen ausgerichtet ist und Fans aus der ganzen Welt anlockt. In England angekommen, freundet sie sich mit einer Gleichgesinnten (unheimlich komisch: Jennifer Coolidge) an. Gemeinsam erkunden sie den Park und stoßen dabei auf verkleidete Schauspieler, die angewiesen wurden, ein Auge auf sie zu werfen, um das Jane-Austen-Feeling des gebuchten Pauschalpakets bei den Gästen nicht vermissen zu lassen, denn was wäre Jane Austen ohne Männlein und Weiblein auf Freiersfüßen?

Jane erwählt ihren Mr. Darcy in Stallknecht Martin, doch sie ahnt nicht, dass die teils exaltiert, teils gelangweilt wirkenden Angestellten des Parks nach einer strikten Regel handeln, die da heißt, die Mauerblümchen heftigst zu umwerben... schließlich soll der Urlaub in einer anderen Zeit unvergessen bleiben und weiterempfohlen werden. Es kommt, wie es kommen muss, und dann doch wieder ganz anders. Jane Austen-mäßig eben.

Meine Meinung: In einem Themenpark aus vergangenen Epochen wäre ich auch gerne mal Gast, besonders, wenn die Männer vollendete Kavaliere sind und einer Frau kurzerhand aus rein praktischen Gründen den Unterrock zerreißen, nämlich um sie im Herrensitz galant aufs Pferd vor sich zu platzieren und sie danach auf Händen tragen. Von den schmucken, niedlichen Zimmern und der damaligen Mode ganz zu schweigen. Schade, dass Austenland nur fiktiv ist.

JJ Feild parodiert seine Rolle als Gentleman der BBC-Austen-Verfilmungen mit Bravour (auch wenn er als Henry Nobley anfangs ein wenig blutleer wirkt), und die laute und geradlinige Elizabeth "Charming" (Jennifer Coolidge) hat mir gut gefallen. In ihrer unbekümmerten Art hat sie der betont auf Emanze gemachten Hauptdarstellerin Keri Russell schon beim ersten Zusammentreffen die Show gestohlen. Die Nebendarsteller sind allesamt irgendwie schrullig und daher liebenswert - auch wenn sie ihren beiden amerikanischen Gästen nur Blendwerk bieten. Ein Highlight war für mich das aufgeführte Theaterstück, in dem die Schauspieler gewollt hölzern und unprofessionell agieren.

Das Ende hat mich dann doch überrascht. Na ja, nicht wirklich. Obwohl ich ihre Bücher nicht kenne, weiß ich doch so viel, dass  sich Jane Austen auf die kurze Formel "Jedes (optional widerspenstige) Töpfchen findet mal sein Deckelchen" (oder umgekehrt?) zusammenfassen lässt. Und genauso so war's in Austenland. Vorhersehbar, aber irgendwie zum Seufzen schön. Denn just nachdem Jane von ihrer Jane Austen-Manie ein für alle Mal geheilt ist, findet sie ihren Mr. Darcy. Oder besser gesagt, er sie.

Fazit: Ein Familienfilm, der natürlich besonders die Austen-Liebhaber/innen begeistert. Da ich keine bin, und den Film dennoch sehr nett fand ( mit JJ als Bonus...), würde ich ihn jedem Zuschauer empfehlen, der ungewöhnliche romantische Geschichten zu würdigen weiß - oder besser gesagt: jeder Zuschauerin. Für die Mehrzahl der Männer dürfte "Austenland" zu wenig actiongeladen sein - aber ist ja bei Jane Austen nicht anders.


Bewertung:
und ein halber