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Montag, 21. Mai 2018

Rezension "Die Krone von Camelot" ~ Gillian Bradshaw

Im letzten und längsten Teil der Trilogie kommt die Königin Gwynhwyfar zu Wort, Artus' Frau und in diesem Band Geliebte seines treuen Feldherren Bedwyr, von dem ich annehme, dass es sich um Lancelot handelt, der der Sage nach ein Verhältnis zu Gwynhwyfar hatte, das dazu führte, dass Artus' Reich auseinanderfiel. Ich fürchte, ich kann die Rezi nicht ohne leichte Spoiler schreiben. Wer sich also lieber unwissend in Mrs. Bradshaws dramatische Version der Artus-Sage stürzen möchte, sollte nicht weiterlesen.




Inhalt: Nachdem die Hexe Morgas im vorigen Band durch die Hand ihres Sohnes Agravain sterben musste, schwört der kleine Bruder Medraut bittere Rache. Er ist davon überzeugt, dass Gawain und Artus hinter der Tat stehen und wird im Camlann vorstellig, um seinem Vater zunächst zu dienen, nur um durch einen perfiden Plan die Macht an sich zu reißen. Artus kann sein Angebot nicht ablehnen, denn er fürchtet, von Medraut mit dessen inzestuöser Herkunft denunziert zu werden. Außerdem herrscht Unruhe in den umliegenden Königreichen, ein Krieg liegt in der Luft. Die angespannte Situation bringt Gwynhwyfar dazu, einen Becher mit Gift für Medraut zu brauen, doch ihre Absicht läuft ins Leere bzw. in Artus' Ärmel, der zum Beweis, dass seine Frau keine Giftmischerin ist, den Becher demonstrativ vor allen Leuten im Festsaal "trinkt".

Doch Kummer und die Sorge um Medrauts Vorhaben lassen ihn seine Pflichten gegenüber Gywnhwyfar vernachlässigen; sie sucht Trost und Verständnis bei Artus' bestem Freund und erstem Feldherren, und bald wird aus Zuneigung mehr. Medraut erwischt die beiden in flagranti, woraufhin Gwynhwyfar und Bedwyr an jeweils unterschiedliche Orte verbannt werden sollen. Ihre Liebe zueinander ist jedoch so stark, dass Bedwyr sie mit ihrer Eskorte unterwegs aufholt und sie nach einem kurzem Gemetzel mit sich nimmt. In diesem Gemetzel tötet er versehentlich Gawains Sohn Gwyn. Gawain will daraufhin seinen ehemaligen Freund tot sehen und bittet Artus um den Blutpreis. Schweren Herzens willigt Artus ein.

Die "Familie" ist nun derartig zerstritten, dass es für Medraut ein Leichtes ist, sie zu täuschen und zu entzweien, denn der Traum von einem Paradies auf Erden, in dem Werte wie Liebe, Freundschaft, Frieden, Gerechtigkeit, Gnade und Edelmut herrschen sollen, bröckelt selbst unter den Rittern. Der Zeitpunkt für die Schlacht um Camlann scheint gekommen, in der sich der finstere Medraut und sein Vater, die Lichtgestalt Artus, gegenüber stehen.


Quelle: Pixabay

Meinung: Entgegen meiner Befürchtung, Gwynhwyfar sei mir als Erzählerin zu fad oder zu sehr Mary Sue, war das nicht der Fall. Zwar kann sie mit meinem heißgeliebten Gawain nicht mithalten und kümmert sich in der Hauptsache ständig patent um Vorräte und frische Pferde, aber sie ist keinesfalls unsympathisch oder makellos. Obwohl sie mit Kindern wenig anfangen kann, beklagt sie ihre Kinderlosigkeit und verzweifelt an ihrer Liebe zu zwei Männern. Ihr Ehebruch mit Bedwyr hat schwere Folgen - nicht nur für Camlann.

Am meisten betroffen gemacht hat mich Gawains Verwundung durch Bedwyr, die unaufhaltsam an ihm zehrt. Als Gawain im letzten Drittel des Buches durch das Wirrwarr von Schlachtenstrategien und Scharmützeln eine Nachricht von Artus überbringt, die zum Sieg gegen Medraut führen soll, ist er bereits dem Tod nahe und halb gelähmt. Die Szene, in der er seinen Diener Rhys bittet, sein Pferd freizulassen, damit es in die Anderwelt zurückkehren kann, hat mich zu Tränen gerührt. Auch sein Vergebungsbrief an Bedwyr und die kindliche Freude, als er seinen kleinen Bruder Medraut im Fieberwahn an der Tür stehen sieht, waren fast zu viel für mich. Bislang hatte ich keinen ausgesprochenen literarischen Helden, aber ich glaube, der engelsgleiche Gawain hat ins Schwarze getroffen.

Die Botschaft des Buches fand ich sehr schön und wichtig, und es ist nicht allzu verwunderlich, dass Camlann mit einem Störenfried wie dem teuflischen Medraut dem Untergang geweiht war. Trotzdem hinterlässt "Die Krone von Camelot" einen bitteren Nachgeschmack nicht zuletzt durch das Ableben meines strahlenden Helden, das mich doch ziemlich mitgenommen und mir den ansonsten so schönen Tag verhagelt hat.

Bewertung:
  




Montag, 7. Mai 2018

Rezension "Das Königreich des Sommers" ~ Gillian Bradshaw

Weiter geht's mit dem Kampf zwischen dem edlen Gawain und seiner heimtückischen Mutter Morgas, zwischen Gut und Böse. Und nicht nur das: Gawain, mittlerweile erprobter und geschätzter Krieger in Artus' Heer, ist auf der Suche nach seiner großen Liebe Elidan, um sie um Verzeihung zu bitten für das, was er ihr und ihrem Bruder angetan hat.




Inhalt: Der zweite Teil der Artus-Saga wird diesmal (leider) nicht von Gawain, sondern von dem zweiundzwanzigjährigen Rhys ap Sion erzählt, einem Bauernsohn, dessen Vater Gawain auf seiner Reise zu König Artus im ersten Band begegnet ist und ihn ein Stück begleitet hat. Rhys bietet sich Gawain als Diener an, der davon jedoch nichts wissen will, nur widerwillig sein aufdringliches Angebot annimmt und ihm verspricht, ihn auf Camlann/Camelot einem anderen Krieger zu übergeben, der seine Dienste nötiger braucht. Doch Rhys versteht sich auf weltliche Dinge besser als der häufig entrückt wirkende Gawain, lässt sich weniger gefallen und ist Gawain auch ansonsten eine große Hilfe mit seiner pragmatischen Art.

Gawain ist auf der Suche nach Elidan, deren Bruder er trotz seines Versprechens, ihm nicht zu schaden, über den Jordan geschickt hat. Nun möchte er Abbitte leisten und wenn nicht ihre Liebe zurück-, so doch wenigstens ihre Vergebung erlangen, um reinen Gewissens zu seinem Herrn Artus zurückzukehren. Durchkreuzt werden seine Pläne von niemand geringerem als seiner Hexenmutter und Artus' Halbschwester Morgas. Gemeinsam mit Gawains jüngstem Bruder Medraut, der unter ihrem Bann steht, bringt sie ihren früheren Lieblingssohn in Verruf und seine ehemaligen Freunde gegen ihn auf. Eivlin, ihre Dienerin, verliebt sich in Rhys und muss ihm und Gawain dennoch eine Falle stellen, die vor allem Rhys fast das Leben kostet. Dank seiner Pfiffigkeit und raschen Auffassungsgabe entkommt Rhys mit der unter Morgas' Fluch stehenden Eivlin und findet Zuflucht in einem Kloster. Dort lebt Elidan als Nonne mit ihrem kleinen Sohn Gwyn, der Krieger werden möchte. Aber wird sie Gawain verzeihen können, und wird Gawain erkennen, dass der Junge ihm bis aufs Haar (hier wörtlich, denn Gwyn ist hell, Gawain dunkel) gleicht? Und wer wird Eivlin von Morgas' Fluch erlösen können?


Momentmal /Pixabay


Meinung: Ein kleiner Wermutstropfen war der neue Erzähler für mich schon, nachdem ich mich so sehr an Gawain gewöhnt hatte. Der ist jetzt Ende zwanzig, von zahlreichen Schlachten gezeichnet und ein Held, über den Lieder gesungen werden. Glücklich macht ihn das trotzdem nicht, im Gegenteil. Oft wirkt er melancholisch und bitter und irgendwie larger than life im zwischenmenschlichen Umgang - mal wortgewandt, dann wieder zurückhaltend und im richtigen Augenblick zur Stelle. Nie fährt er aus der Haut, nie ist er unhöflich oder grob - ein richtiger altmodischer Ritter, eben. Und genau das mochte ich sehr an der Figur. Vermutlich hätte mich seine Art in anderen Romanen mit anderen Protagonisten genervt - zu Gawain passt sie perfekt. Seine vielleicht etwas blutleere Charakterisierung wird von Rhys kompensiert, der impulsiv und leidenschaftlich für Eivlin entbrennt und sie sogar durch eine Taufe vom Bösen rettet.

Hier könnte ich mir vorstellen, dass einige Leser, die mit dem Glauben an Gott nichts anfangen können, ein wenig Probleme bekommen: Gut und Böse sind nicht nur vage Licht und Finsternis, sondern konkret Christus und Satan, in deren Namen Taten und Untaten begangen werden. Für mich war "Königreich des Sommers" eine durchaus gelungene und spannende Fortsetzung von "Falke des Lichts", auch wenn ich mir gewünscht hätte, weiterhin aus Gawains Sicht zu lesen, der mir wirklich ans Herz gewachsen ist.

Fazit:  Kommt nicht ganz an den ersten Teil heran, was aber hauptsächlich an Rhys liegt, der mir als Erzähler nicht ganz so sympathisch war wie Gawain. Inhaltlich top und auf jeden Fall macht "Das Königreich des Sommers" Lust auf den letzten Teil, den ich demnächst anfangen werde.

Bewertung: 


Samstag, 5. Mai 2018

Nägel mit Köpfen gemacht: das neue Cover von "Milan"

Seit heute kann ich es in den Händen halten, mein Buch über eine komplizierte Beziehung mit neuem Cover, das ganz allein auf meine Kappe geht. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.


"Hab ich ganz allein gemacht!"

Ich bezeichne "Milan" ganz gerne als die intellektuelle Version von "Shades of Grey", auch wenn mein Roman viel älter ist. Geschrieben habe ich ihn im selben Alter, in dem die Protagonistin ist, nämlich mit 22 Jahren. Autobiografisch ist die Geschichte (Gott sei Dank) aber nicht. Natürlich kommen Ereignisse vor, die ich mehr oder weniger auch schon erlebt habe, und teilweise habe ich Orte und Leute, die im Buch eine Rolle spielen, besucht und auch so beobachten können, wie die junge Frau das tut. Im Gros ist die Handlung allerdings meiner Phantasie entsprungen.

Ich mag die Geschichte sehr; vielleicht lieber, als zum Zeitpunkt des Schreibens, denn ich glaube, man kann sich immer noch in ihr wiederfinden. Die Frau - ein Mädchen fast noch - ist keine toughe Heldin und geprägt von den Erfahrungen, die sie in ihrem Leben gemacht hat, bevor sie Milan traf. Der tritt häufig ein wenig distanziert auf, interessiert sich für Kunst und Philosophie und nimmt die über zwanzig Jahre jüngere "Geliebte" nicht wirklich erst. Das zumindest glaubt sie, obwohl sie sich ein Dasein ohne Milan nicht vorstellen kann.




Ungläubig und doch zweifelnd hört sie sich den Klatsch von Theaterkollegen und Nachbarn an, die behaupten, Milan nutze sie aus und habe Affären, über die alle außer sie selbst im Bilde sind. Auch ein junger Schauspieler und eine Bekannte, die sich in den erfolgreichen Autor und Regisseur verlieben, bringen sie aus dem Gleichgewicht. Milan offen damit zu konfrontieren, fällt ihr schwer, da sie, wie er übrigens auch, ihr Herz nicht auf der Zunge trägt. Doch allmählich gelingt es Milan, sie aus der Reserve zu locken und ihre Geheimnisse aufzudecken, die sie seit ihrer Kindheit belasten. Im Gegenzug lernt sie Milan besser kennen und stellt fest, dass auch er nicht ohne Fehler ist. "Milan" ist stilistisch ein wenig gewöhnungsbedürftig und im Zug der schlagfertigen Powerfrauen vielleicht nicht zeitgemäß, aber es spielt ja auch in den 1970er Jahren. (O;

Ich freue mich besonders über das neue Cover, weil ich es von Grund auf selbst gestaltet habe und das Ergebnis so mega aussieht! Das alte mit dem Foto der jungen, nachdenklichen Frau in der Lederjacke war zwar auch schön und passend, aber irgendwie hatte ich immer ein etwas mulmiges Gefühl dabei. So ist es jetzt viel besser! Natürlich gibt es Milan nicht nur als Taschenbuch, sondern auch für Kindle-Reader.


Freitag, 27. April 2018

Leseprobe "Milan" und meine verschollen geglaubte Skizze zum Roman

Gestern habe ich sie wiedergefunden: die Originalskizze zu meinem Beziehungsroman "Milan". Obwohl sie schon über zehn Jahre alt ist, Flecken aufweist, ein paar Schönheitsfehler hat und ich stark zu Perfektionismus und Selbstkritik neig(t)e, war ich überrascht, festzustellen, dass mir der Aufbau der Zeichnung immer noch gut gefällt.




Das Bild fängt ganz gut die Beziehung der beiden ungleichen Protagonisten ein, die weniger ein Liebesverhältnis ist als eine Art Abhängigkeit der jungen Frau zu dem wesentlich älteren Milan. Lange versteht sie nicht, dass er nichts tut, um sie zu halten; einen Halt, den sie nach ihrem Verständnis und ihren Erfahrungen im Leben dringend braucht. Und trotzdem ist Milan kein Unmensch. Auf seine Art hilft er ihr, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und aus seinem Schatten zu treten.

Die Leseprobe, die ich poste, ist meine zweitliebste Stelle im Roman. Sie beschreibt das erste Treffen der beiden, an das sich die Ich-Erzählerin erst spät erinnert, denn zum Zeitpunkt der Begegnung war sie fünf Jahre alt.


Sonntag, 22. April 2018

Rezension "Der Falke des Lichts" ~ Gillian Bradshaw

Dieser Klassiker aus dem Fantasybereich steht als aussortierte Büchereiausgabe schon seit Jahren in meinem Regal - sträflicherweise ungelesen, wie ich nun gestehen muss. Damals hatte ich mir die Trilogie besorgt, weil mir die Cover so gut gefielen, und danach habe ich sie irgendwie vergessen. Fantasy ist nicht so wirklich mein Ding, und von König Artus habe ich zwar gehört und Gemälde der Prärafaeliten sogar im Original bewundert, mich aber nie sonderlich für die Legenden um ihn herum interessiert.



Mehr aus Langeweile als aus Neugier habe ich den ersten Teil der Saga jetzt bei herrlichem Balkonwetter angefangen zu lesen - und war innerhalb von vier Tagen fertig und total beeindruckt! Geschichten wie die des jungen Gawain aus Orkney, Sohn des Lots und Morgas, der sich danach sehnt, ein Gefolgsmann Artus' und ein Mitglied der "Runde" zu werden, das ist der Stoff, aus dem für mich Märchen gewebt werden, die auf unterhaltsame und lehrreiche Art etwas von der Realität widerspiegeln. Besser kann man ein Buch dieses Genres meiner Meinung nach nicht schreiben.

Inhalt: Der elfjährige Gawain wächst als mittlerer Königssohn im Inselreich Orkney auf. Er kann seinen Vater nicht zufriedenstellen, da er sich lieber mit Harfenspiel und Reiten beschäftigt als mit der Kriegskunst, in der er im Haus der Knaben unterrichtet wird. Sein verträumtes Wesen gibt dem ältesten Bruder Agravain häufig Anlass zu Spötteleien und sogar Herausforderungen zu Zweikämpfen, die Gawain zwar erträgt und stoisch verliert, die aber dennoch an ihm nagen. In seiner Not, gebraucht zu werden und Agravain überlegen zu sein, wendet er sich seiner Mutter Morgas zu, die eine mächtige Zauberin ist und von der Finsternis regiert wird.

Rasch erlernt er die dunkle Magie, doch er erkennt bald, dass er damit sich und alle anderen ins Verderben stürzt. Ein barbarischer Ritus seiner Mutter wird von ihm in letzter Sekunde vereitelt bzw. abgemildert. Als er vor Morgas Zorn darüber fliehen will, die fortan danach trachtet, ihn zu töten, wird ihm auf der "Insel der Glücklichen" ein Schwert gegeben, mit dem er das Böse bekämpfen soll. Er entscheidet sich, dies in König Artus' Truppe zu tun, von dem er in Träumen und von Untertanen viel Gutes gehört hat. Artus ist Morgas' Halbbruder und in seinem Bestreben, Britannien zu vereinen und von den Sachsen zu befreien, ein sehr charismatischer und warmherziger Herrscher. Doch auch in ihm schlummert eine dunkle Seite, die ihn davon abhält, Gawain als Ritter der Tafelrunde zu akzeptieren...


Prawny / Pixabay

Meinung: Tatsächlich wenig fantasyerprobt, habe ich dennoch erkannt, dass "Der Falke des Lichts" klassische Muster, vielleicht sogar Klischees der High Fantasy, bedient und mich trotzdem auf keiner Seite gelangweilt. Im Gegenteil, oft war ich amüsiert von den Dialogen und den Konstellationen der Familienmitglieder, die in den wenigen Fantasyromanen, die ich bisher gelesen habe, einander gleichen.

Gawain hat es nicht leicht - weder im Kreis seiner Familie noch später bei Artus' Gefolgsleuten und vor allem nicht bei diesem selbst. Obwohl er sich in verschiedenen Schlachten bewährt, ihm schwört, dem Licht zu dienen und Artus loyal zu sein, traut der Kaiser von Britannien ihm nicht über den Weg. Er erklärt dies mit der Weigerung, einen Zauberer als Krieger haben zu wollen und somit nicht auf ehrenvolle Art zu kämpfen. Der wahre Grund seines Misstrauens gegenüber dem Jungen ist jedoch tiefer und war für mich ein echter Überraschungsmoment, genauso wie der Grund, weswegen er ihn schließlich doch als Krieger seiner Truppe anerkennt; und das, als Gawain bereits beschließt, leicht entmutigt, aber tapfer und seiner Mutter Morgas trotzend auf seinem Wunderpferd wieder nach Hause zurückzukehren.

Die Story war so toll, zeitlos und teilweise so ergreifend erzählt, dass ich an manchen Stellen Gänsehaut hatte, und immer eine große Sympathie für den etwas naiv wirkenden, aber entschlossenen Jungen hegte, der sich in Artus' Heer mit seinem als Geisel genommenen Bruder aussöhnt und am Ende sein Ziel mit einer Tat erreicht, von der ich zuerst dachte: "Was soll das denn jetzt? Wie passt eine verzweifelte Frau in die Geschichte?" Solche Dinge liebe ich, denn es kam unerwartet und doch logisch.

Als Gawain schließlich von Artus mit seinem eigenem Schwert zum Ritter geschlagen wird und niemand darüber erstaunter ist als Gawain selbst (nicht nur, weil er  gar nicht mehr darauf zu hoffen gewagt hatte), war ich vor Glück den Tränen nah. Jetzt freue ich mich auf strahlendes Sonnenwetter und die nächsten Teile, die hoffentlich genauso spannend sind wie der Auftakt!

Fazit: Lesenswert trotz seiner fast vierzig Jahre. Ein echter Klassiker unter den Fantasyromanen, der viel zu lange warten musste, um von mir verschlungen zu werden.


Bewertung:



Samstag, 21. April 2018

Welttag des Buches: Verschenke "Mängelexemplare" von Fairlight und Ein Spiel zu viel

Der Welttag des Buches steht vor der Tür. Viele Autoren und Blogger bieten am 23. April eine Verlosung ihrer Werke oder Favoriten und Goodies an. Auch ich habe mir überlegt, wie man diesen speziellen Tag feiern kann. Denn ganz ehrlich: wir lesen ja jeden Tag, aber dass es einen "Welttag" des Buches gibt, macht uns schon ein bisschen stolz. (O;

Da vor kurzem meine beiden Romane "Fairlight" und "Ein Spiel zu viel" ein neues Gesicht erhalten haben, verlose ich nun zwei der alten Exemplare mit jeweils einer wunderschönen Flower Fairy-Postkarte von Mary C. Barker. Die Bücher sind neuwertig und nicht - wie die aktuellen Versionen - auf kleine Schönheitsfehler überarbeitet. Inhaltlich hat sich nichts geändert.





Fairlight

Mittelengland, Herbst 1916: Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust. Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen und die Bewohner des Anwesens genauer zu beobachten.

 Ein Spiel zu viel

Sommer 1902: Fünf junge Schauspieler – darunter die Brüder Irving und Orest Van Sander – machen scheinbar Ferien an der Südwestküste Englands. In Wahrheit jedoch treibt Irving Van Sander ein anderer Grund nach Sherborne: der Adoptivvater seines Geliebten Galen Asquith, ebenfalls bei der Truppe, wohnt dort und soll nach Irvings Plänen ausgeschaltet werden, da er fürchtet, Galen zu verlieren, wenn dieser erfährt, dass Raphael Blake noch lebt. Orest mag den reservierten, aber sympathischen Blake und möchte nicht, dass ihm etwas geschieht. Er überredet Galen, mit ihm zu Blake zu gehen und ihn vor Irving zu warnen. Die beiden unerwarteten Gäste bringen Unruhe in das beschauliche Dorf, und auch innerhalb der Schauspieltruppe spalten sich nach und nach die Gemüter. Das von Irving Van Sander inszenierte Drama gerät bald außer Kontrolle…





Schreibt mir bis zum 23. April im Kommentarbereich, welches Buch ihr gerne lesen würdet.

Um 20:00 Uhr werden die Gewinner ausgelost und benachrichtigt. Ich versende deutschlandweit, leider nicht nach Österreich und in die Schweiz. Viel Glück allen Teilnehmern!


Dienstag, 10. April 2018

Zum 106. Jahrestages des Untergangs der "Titanic": Rezension zu "Choral am Ende der Reise" von Erik Fosnes Hansen

Dieses Buch habe ich bereits vor längerer Zeit gelesen, und auch die folgende Rezension ist nicht mehr taufrisch, denn mit "Choral am Ende der Reise" wurde mein Interesse an der R.M.S. Titanic erst so richtig geweckt. Das war, wenn ich mich recht erinnere, schon vor fast zehn Jahren. Trotzdem möchte ich das Buch aus gegebenem Anlass noch einmal vorstellen und wünsche ihm viele Leser. Denn es ist ein supertoller, mit viel Liebe zum Detail geschriebener Roman, halb fiktiv und halb real, der sich vor allem mit den Musikern an Bord befasst, die nach dem Eisbergzusammenstoß fatalistisch und tapfer weitergespielt haben. Ganz zuletzt nicht mehr heiter und beschwingt, sondern im Angesicht des nahenden Endes "Nearer my God to Thee", während um sie herum das Chaos ausbrach.


Funkraum der "Titanic" (nachgestellt). Quelle: Maidesigns/Pixabay


Kurzbeschreibung: Am 10. April 1912 gehen im englischen Southampton sieben Musiker an Bord der Titanic, des größten Luxusdampfers der Zeit, der mehr als 2000 Menschen auf einer Jungfernfahrt nach New York bringen soll. Das Ende der Reise ist bekannt, doch nie wurde diese Jahrhundertkatastrophe so unmittelbar, lebendig und spannend erzählt wie in den Lebensgeschichten der Protagonisten in den Untergang.

Inhalt: Die Geschichte beginnt mit dem Abschied des Kapellmeisters Jason Coward von dem nebelverhangenen London. Er resümiert dabei über seine Kindheit, und es scheint, als ahne er, dass es sich um einen Abschied für immer handelt. Der frühe Tod seiner Eltern hat ihn bitter und einsam werden lassen. Sein einziger Freund und Weggefährte ist der schnell aufbrausende Russe Alex Bjeschnikow, mit dem er viele Jahre als Schiffsmusiker arbeitete und der ihn auch diesmal wieder begleiten wird. Trotz der langen Freundschaft weiß Jason nicht viel über ihn.

Nach Jasons bewegender Geschichte folgt ein Brief von Alex an dessen Bruder, der ihn seit seiner Flucht vor den Unruhen in Russland im Jahr 1905 für tot hält. Im Brief drückt Alex die Sehnsucht aus, frei sein zu wollen, sich niemandem beugen zu müssen, was auch sein größter Wunsch für den Bruder ist.

Dieses kurze Intermezzo des Briefes leitet drei weitere fiktive Biografien ein: Die des drogenabhängigen, sich zu Höherem berufen gefühlten Spot, des melancholischen, jungen David Bleiernstein, der mit der Geige einer unglücklichen Liebe an Bord geht und die des verrückten Italieners Petronius, der einen konstruktiven Geist in seinem Kontrabass vermutet. Es wird klar, dass sich sieben ruhelos Gestrandte gefunden haben, nur um gemeinsam unterzugehen...

Meinung: Die Geschehnisse bis zur Katastrophe an Bord der Titanic sind Alltag auf einem Luxusdampfer und dienen lediglich als Rahmenhandlung, in die die Vorgeschichten der Musiker eingebettet sind. Wer also mit einer historisch belegten, sich über 500 Seiten hinziehenden Seefahrt rechnet, wird möglicherweise enttäuscht werden. Dennoch habe ich selten in so kurzer Zeit ein so umfangreiches Buch gelesen. Die Figuren sind - wenngleich erfunden - sehr plastisch dargestellt, vom besonnenen Kapellmeister bis hin zu den weniger skizzierten Musikern, dem Bratschisten Jim und Cellisten Georges, dem die Ehre zuteil wird, den Namen des Schiffes für seine Kollegen zu erläutern.

Erschüttert hat mich das historisch verbürgte Ende, da ich mich nie zuvor mit der "Titanic" auseinandergesetzt habe. Das Orchester wurde zum Spielen bis in letzter Minute angehalten, um eine Panik zu vermeiden. Viele vornehme Passagiere sind aus purer Bequemlichkeit oder Leichtsinn umgekommen, während die Passagiere dritter Klasse unbedingt auf die Rettungsboote wollten und aufgrund ihres "niedrigen Ranges" nicht durften, so dass die Boote teilweise halbleer zu Wasser gelassen wurden.

Fazit: Ein ungewöhnliches, magisches und aufwühlendes Buch, das ich bestimmt noch mehrmals lesen werde!

Bewertung:


Montag, 2. April 2018

"Ein Spiel zu viel" und "Fairlight" mit neuem Cover

Obwohl ich die Gestaltung meiner Romane wirklich gut gelungen finde, habe ich doch den Wunsch, sie irgendwie nach Genre einheitlicher zu sortieren.

Gerade die historischen, Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten Romane werden ja oft mit Covern von realistisch gemalten Landschaften und Herrenhäusern versehen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, solche Bilder gemeinfrei zu verwenden. Auf Pixabay habe ich nun Gemälde "alter" Meister gefunden und war sofort geflasht.




Genau so stelle ich mir das ländliche Anwesen im Südwesten Englands vor, in dem Mr. Blake seine Schäfchen hütet und sein Pferd Phaidin grasen lässt, nachdem er sich von Scotland Yard zur Ruhe gesetzt hat. Sozusagen im Einklang mit der Natur, ehe der junge Orest und seine "Gang" aus Schauspielern die selbstgewählte Idylle stören. Ich mag diese Art Cover. In den Buchhandlungen würde ich unweigerlich danach greifen.




Und witzigerweise fand ich das passende Titelbild für "Fairlight", ein Motiv des englischen Landschaftmalers John Constable, ebenfalls lizenzfrei. Seine Werke haben mich schon immer beeindruckt; sie sind recht häufig auf Buchcovern zu sehen. Den Herrensitz selbst habe ich ein wenig düsterer vor Augen, aber auch dieses Cover vermittelt eine Atmosphäre, die total gut zur Geschichte der sonderlichen, abgeschotteten Familie passt.

Freue mich sehr über die neuen Cover, die in den nächsten Tagen auf meiner Autorenseite erscheinen werden.




Donnerstag, 29. März 2018

Blogger- und Autorenwochen bei Bookapi's Bücherwelt (19. März - 29. April 2018)

Das Interview, das meine Autorenkollegin Jay Lahinch auf ihrem Facebook-Blog veröffentlicht hat, möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich hatte sehr viel Spaß, die originellen und teils kniffligen Fragen zu beantworten, die in drei Rubriken über den Tag verteilt gepostet werden. Heute bin ich dran, doch es gibt noch sehr viele andere interessante Autoren und Blogger, die es wert sind, durch eine solch tolle Aktion bekannter zu werden. Viele bieten Gewinnspiele rund ums Buch an, sei das ein signiertes Exemplar des eigenen Romans oder schmucke und individuelle Lesezeichen, von denen tatsächlich eines in meinen Besitz gewandert ist!

Schaut einfach am besten jeden Tag vorbei; die Chancen, etwas zu gewinnen, sind gar nicht so gering, wie ihr an mir erkennen könnt, denn ich habe vorher nie etwas gewonnen (außer einer Schildmütze mit elf Jahren beim elektronischen Pferderennen im Europapark, und das zählt schon gar nicht mehr...). Für meinen Roman "Das Bildnis des Grafen" könnt ihr noch bis um 20.00 Uhr in den Lostopf hüpfen. Nähere Info findet ihr auf Jays Blog, der sich über Likes und Kommentare freut. Und nun viel Spaß beim Interview!


NAME: Christine Wirth
DATUM: 29. März 2018
SEITE: (BLOG oder AUTORENSEITE) Blog: www.christinewirth.blogspot.com  Autorenseite: www.christine2006.com
GEWINNSPIEL: "Das Bildnis des Grafen" - Christine Wirth


1.) PERSON
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Jay: Willkommen zur Vorstellungsrunde! Bitte erzähl doch mal von dir, damit jeder weiß, wer heute zu Besuch ist :) Wie verbringst du zum Beispiel deine Zeit, wenn du gerade kein Buch in der Hand hast?

Vielen Dank, dass ich dabei sein kann! Für mich ist dies die erste Gelegenheit, mich auf einem Blog vorstellen zu dürfen, und ich freue mich sehr darüber.

Wenn ich gerade nicht Geschichten austüftle oder kein Buch in der Hand habe, dann wahrscheinlich eine Häkelnadel. Ich entwerfe Püppchen nach Fotovorlagen für jeden, der gerne ein besonders individuelles Maskottchen besitzt. Dabei kann es sich um Filmstars, Serienhelden, historische Persönlichkeiten oder die Liebsten handeln. Es macht mir viel Freude, neue Dinge auszuprobieren, und so stellt mich jede Anfrage vor eine Herausforderung. Auf meinem Blog und meinem Facebook-Account kann man ein paar meiner Kreationen besichtigen. Mittlerweile versende ich die Püppchen weltweit. Vor allem in den USA sind sie sehr beliebt.

In meiner Freizeit treibe ich Sport, sobald ich den inneren Schweinehund bekämpft habe. Ich liebe heiße Sommertage und süße Wassermelonen, dazu ein gutes Buch  - es gibt fast nichts besseres. Überhaupt bin ich ein absoluter Sommermensch und träume von meiner eigenen Strandhütte in der Südsee. Aber bis dahin muss ich noch eisern sparen...

Jay: Was ist für dich persönlich Glück? Und ohne was, könntest du auf keinen Fall leben?

Glück bedeutet für mich, mit sich selbst im Reinen und dankbar zu sein für das, was man hat. Das gelingt nicht immer, aber ich arbeite daran. In materiellen Dingen könnte ich wohl auf vieles verzichten; loslassen zu können ist ein wichtiges Thema für mich, denn - ich werde ein bisschen philosophisch - man nimmt nichts mit, wenn man geht, wozu also Dinge anhäufen? Ich muss ein bisschen überlegen, und da fällt mir ein, dass vor zwei Jahren bei mir eingebrochen wurde. Das erste, woran ich dachte: "Ist mein Computer noch da?" Er war es, Gott sei Dank, und der Schaden nicht so groß wie die Unordnung in der Wohnung. Das Gute am Einbruch war, dass er mir gezeigt hat, wie wenig ich an etwas hänge. Anders verhält es sich natürlich mit meiner Familie - ohne sie ist mein Leben unvorstellbar. Ich möchte trotzdem keinem das Gefühl geben, zu klammern - auch wenn das manchmal schwerfällt.

Jay: Welche Eigenheit oder Macke hast du, die dich dadurch aber trotzdem irgendwie sympathisch macht? ;) Gibt es etwas, das du schon immer einmal tun wolltest? Und warum hast du es noch nicht gemacht?

Keine... haha. Da musst du wahrscheinlich meine Liebsten fragen. Ich denke, ich bin oft etwas zu direkt, wenig diplomatisch. Small Talk liegt mir nicht, und ich falle daher oft mit der Tür ins Haus, ohne es zu beabsichtigen. Auf der anderen Seite höre ich lieber zu als selbst zu reden - für Frauen vielleicht eher untypisch. Ich möchte noch viele Dinge tun. Nichts Spektakuläres oder etwas, wobei ich mir etwas beweisen muss, aber ich würde gern ein paar Orte sehen, an denen ich noch nie gewesen bin. Irgendwann wird sich das ganz bestimmt erfüllen. Man muss nur fest daran glauben. :)


 
2.) BÜCHER
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Jay: Was inspiriert dich oder hat dich besonders dazu inspiriert, einen Bücherblog oder ein eigenes Buch zu starten? Was bedeutet diese Bücherliebe für dich?

Es klingt hoffentlich nicht arrogant, aber angefangen zu schreiben habe ich, nachdem ich feststellen musste, dass mein Geschmack nicht dem Mainstream entspricht. Ich begleite gern männliche Protagonisten und nicht die junge schöne Soundso, so dass ich nach der inspirierenden Lektüre von "Nacht ohne Gesicht" von Rennie Airth begann, selbst zu schreiben. Damals waren historisch angehauchte Kriminalromane mein bevorzugtes Genre, aber auch Schauergeschichten und Psychothriller. "Das Bildnis des Grafen" spielt ein bisschen mit jedem davon. Meinen Blog habe ich, um dort Leseproben meiner mittlerweile neun erschienenen Romane vorzustellen, Rezensionen zu Büchern und Filmen zu verfassen und auch um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Jay: Wenn du dich jetzt sofort, in ein Buch zaubern könntest - welches würdest du dir aussuchen?

Uff... in ein Buch zaubern, das klingt ehrlich gesagt nicht sehr verheißungsvoll. Was, wenn ich nicht mehr zurückfinde? ;) Ein Buch gibt es, das mich derart gefesselt hat, dass ich regelrecht hineingezogen wurde, obwohl es eine sehr unheimliche Geschichte erzählt. "Haus der Schatten" von S.Y. Blank verbindet anschaulich und absolut spannend die Elemente Grusel, Erotik, Psychologie und Mystery, und zudem gibt es drei männliche Protagonisten. Was aber nicht bedeutet, dass die Frauen zu kurz kommen. Ich finde dieses Buch einfach toll! Es hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Jay: Wenn du dich entscheiden müsstest: Nie wieder lesen zu können oder nie wieder schreiben zu können - was würdest du wählen?

Kann das wirklich jemand eindeutig beantworten? Ich glaube, Lesen inspiriert den Schreibenden, so dass das eine ohne das andere nicht funktioniert. Ich bin dankbar, dass ich beides ausüben kann. Müsste ich aber wirklich auf eines verzichten, so wäre es wohl das Lesen - dann würde ich mir vorlesen lassen.


Kontakt: TC's schmucke Lesezeichen via Facebook

3.) SCHLUSSWORT
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Jay: Wenn du dir selbst noch eine Frage stellen dürftest, welche wäre es und was würdest du darauf antworten? Was möchtest du der Bücherwelt heute unbedingt noch sagen? :)

Meine Frage und Antwort: Welches Lied sollte auf deiner Beerdigung gespielt werden? "The only way is up". ;)

Den Lesern möchte ich gern sagen, dass sie Selfpublishern genauso viele Chancen geben dürfen wie Verlagsautoren. Es gibt hüben und drüben jeweils (subjektiv) gute und schlechte Bücher. Man muss nur ein wenig genauer schauen. Dank den Online-Leseproben geht das ja auch recht gut. Insgesamt freut es mich, dass Indieautoren nicht mehr den schlechten Ruf haben wie noch vor ein paar Jahren.

Liebe Grüße,
Christine


Dienstag, 27. Februar 2018

Turn: Washington's Spies (AMC, 2014 - 2017) Review

Allmählich wird es Zeit, dass ich von meiner absoluten Lieblingsserie "Turn" berichte, die mich seit vier Jahren begleitet und durch die ich erstens eine Menge Freunde und Gleichgesinnte kennengelernt habe, und die mich zweitens auf vielerlei Ebenen inspiriert hat. Püppchen der Charaktere wurden und werden von mir noch fleißig gehäkelt, und sogar die Schauspieler freut's, wenn sie ihren kleinen Doppelgänger in den sozialen Medien sehen. Überhaupt, der Cast ist eine Wolke - privat und  beruflich. Alle glänzen in ihren Rollen, und selbst den Bösen kann man nicht wirklich böse sein. Allerdings bekam der Schurke John Graves Simcoe alias Samuel Roukin tatsächlich Morddrohungen über Twitter. Dafür hat er - ganz nach Simcoe-Art - nur ein verächtlich-fieses Kichern und Retweets übriggehabt.

Fast alle Figuren in "Turn" sind historisch verbürgt, ebenso wie der lange in Vergessenheit geratene Spionagering, um den der Autor und Produzent Alexander Rose und sein Team Craig Silverstein und Barry Josephson eine außergewöhnliche Serie gestrickt haben.

Der Grund, warum ich mich bis dato gescheut habe, Turn zu rezensieren, ist der, dass die Spionage um George Washington im Unabhängigkeitskrieg der USA recht kompliziert ist und ich sie eigentlich mehrmals durchsuchten musste, um zu verstehen, um was es im Einzelnen geht (keine Angst, es gibt keine Spoiler, und ich versuche, mich kurz zu fassen).


♬America the Beautiful ♫


1776: Erzählt wird die Geschichte des anfangs neutralen und unfreiwillig in die Politik hineingezogenen Farmers Abraham Woodhull (toll und ein wenig unterschätzt: Jamie Bell), der gemeinsam mit seinen Kindheitsfreunden Ben Tallmadge, Caleb Brewster und der Tavernenbesitzerin Anna Strong den Kern des Culper-Rings bildet. Samuel Culper ist sein Deckname, der bis zuletzt von der Gegenseite - den Rotröcken - unentdeckt bleibt. Und dass, obwohl er dem Chef des britischen Geheimdienstes Major John André (JJ "Bombe" Feild) sogar seine Aufwartung macht und auf einem seiner berüchtigten Feste das Tanzbein schwingt eine frivole Ballade und danach eine traurige Anekdote zum Besten gibt.

Die Nachlässigkeit des feschen Majors wird im Finale von Staffel 3 schwer geahndet, was keine große Überraschung ist, versteht er sich doch mehr als künstlerisches Allroundgenie und verliebt sich obendrein noch in Peggy Shippen, die schönste Frau von Philadelphia, die er in geheimer Mission zu seinem Rivalen Benedict Arnold schickt. Leider läuft die Aktion aus dem Ruder und macht aus dem cleveren Strategen André einen romantischen Narr. Für mich alss JJ Feild / André-Fan eine enttäuschende Charakterentwicklung, aber dramaturgisch wohl unumgänglich und durchaus sinnvoll.

Auf den ersten Blick gar keinen Sinn für Romantik hat dagegen John Graves Simcoe, von Samuel Roukin mit Spaß und Verve weitaus böser dargestellt, als es der echte Simcoe je war. Auf jede Szene mit ihm habe ich mich gefreut, denn einen unheimlicheren, hinterhältigeren Schurken habe ich im TV noch nie gesehen. Trotzdem gelingt es ihm, nachvollziehbar zu bleiben. Wie Abe ist auch er in Anna Strong (Heather Lind) verliebt, doch als er feststellt, dass seine Zuneigung unerwidert bleibt, verfolgt er mit aller Härte eigene Ziele oder die seiner Auftraggeber und Vorgesetzten. Bis auf die von "Oyster Major" Edmund Hewlett (Burn Gorman), in Simcoes Augen ein schöngeistiger Schwächling.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht neben den Spionen auf beiden Seiten vor allem auch die Familie Woodhull und ihre Probleme. Hier wird es nicht mehr patriotisch, sondern auch sehr amerikanisch. Judge Richard Woodhull (Kevin R. McNally, bekannt als Steuermann aus "Piraten der Karibik") hält seinen Zweitgeborenen Abraham für unfähig und zieht ständig Vergleiche zum ersten, während eines Aufruhrs früh verstorbenen Sohn Thomas heran. Obwohl seit Kindertagen in Anna verliebt, musste Abraham dessen Verlobte Mary heiraten, um wenigstens in einer Sache beim Vater punkten zu können. Ihre Ehe ist zweckmäßig und mit dem süßen Thomas "Sprout" (die entzückenden Zwillinge Cabell und Ellis Chase) erst einmal zufriedenstellend für den Vater. Doch das ändert sich, als er erfährt, in welche Widrigkeiten sein Sohn involviert ist und auf wessen Seite er mittlerweile steht. Auch Mary entgleitet dem Patriarchen, denn nach anfänglicher Skepsis unterstützt sie ihren Gatten tatkräftig auf seiner delikaten Mission... und wird zur skrupellosen Kampfmaschine.

Apropos. Das dürfte neben dem blind vor Liebe unvorsichtigen Abgang von Major André mein einziger Kritikpunkt sein: die Gewalt und Brutalität wird oft in krassen Nahaufnahmen minutenlang zelebriert. Vieles, was man sehen muss, bietet Stoff für Alpträume, veranschaulicht aber auch die Sinnlosigkeit eines Krieges. Positiv dabei fiel mir auf, dass die Engländer durchaus nicht die "Bösen" per se sind. Beide Seiten haben ihre guten und schwachen Momente und bieten keine Schwarz/Weiß-Malerei - selbst der harmlos erscheinende Abe wird irgendwann von Mordlust getrieben, und das nicht nur, weil er ums Überleben des Rings kämpft.

Im für mich sehr tränenreichen, weil so klugen und tief zu Herzen gehenden Finale der vierten Staffel schreibt er einen Brief an seinen Sohn, in dem er die weiteren, oft verblüffenden Lebensläufe der Weggefährten aufzählt und seine eigene Rolle im Krieg erklärt, auf die er im Rückblick nicht besonders stolz ist. Und *schnüff* er bittet Thomas, ihm zu zeigen, wie schön es auf der anderen Seite ist, wenn sie sich endlich wiedersehen... ein besseres Ende hätte man sich für Turn nicht wünschen können. Wer sich nun fragt, wieso, dem kann ich nur raten: ansehen!

Vorsicht: Das Video enthält Spoiler.




Fazit: Eine wirklich spannende und emotionale Zeitreise in die amerikanische Geschichte, in der neben dem Spionagering auch persönliche Schicksale, Intrigen und eine wunderbare Kulisse und fesche Uniformen und Kostüme nicht zu kurz kommen. Für Geschichtsfans und Liebhaber von anspruchsvoller Unterhaltung eine absolute Empfehlung!


Bewertung:



Freitag, 23. Februar 2018

Die bösen bösen Wege von Errol Flynn

Eigentlich ist die Biografie ja schon ein Klassiker - zu Recht!

Mit der Hilfe eines Ghostwriters schreibt der unvergessene Hollywoodstar über sein Leben, das mindestens genauso bewegt war wie seine Filme. Es beginnt mit akuten Finanznöten, die aber bald abgelöst werden von der glücklichen Kindheit in Tasmanien und diversen Internatsbesuchen in Großbritannien, dem Degen von "Bounty"-Meuterer Flechter Christian (den Flynn später in seinem ersten Film porträtiert), und skurrilen Tier-Experimenten auf der elterlichen Farm.




Siebzehnjährig versucht Flynn in Papua-Neuginea sein Glück - als Tabakpflanzer, Schiffskapitän und "Headhunter", wobei es stets zu amüsanten oder tragikkomischen Zwischenfällen kommt. Zu Starruhm gelangt er mit sechsundzwanzig Jahren in der Warner-Brothers-Produktion "Captain Blood", während deren Dreharbeiten er sich unsterblich in seine langjährige Filmpartnerin Olivia de Havilland verliebt. Die kann mit seinen gewöhnungsbedürftigen Annäherungsversuchen jedoch gar nichts anfangen, und so bleibt Flynn bis zum Ende seines kurzen Lebens verborgen, dass sie ebenfalls viel für ihn empfindet.

Die Frauen nehmen in dieser kurzweiligen und sehr witzig geschriebenen Biografie einen großen Raum ein - privat hatte es der Frauenliebling schwer mit dem weiblichen Geschlecht, das ihn immer wieder zu dominieren versucht. Er gelangt zu dem Fazit, dass Hunde und Pferde die besseren Kameraden seien. Ebenfalls bedeutungsvoll ist seine Liebe zur See, seinen Yachten und zur Kunst - er besitzt Originale von Gauguin und van Gogh, zu denen er eine Seelenverwandtschaft fühlt.

Erstaunliches erfährt man über seine Schauspielerkollegen, ohne dass es Flynn dabei einfällt, unflätig zu werden. John Barrymore und Charlie Chaplin sind nur einige der großen Namen, die erwähnt werden. Der gutaussehende junge Flynn ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass die "Me Too"-Debatte schon so alt ist wie Hollywood und nicht nur Frauen betroffen sind / waren. Ein markiges "Come into my office if you know what's good for you" stößt beim frisch von Oz eingeschifften Errol allerdings auf taube Ohren. Der Erfolg lässt trotzdem nicht auf sich warten...

Etwas nachdenklicher, zuweilen fast traurig, stimmt das letzte Drittel des Buches, das aufzeigt, wie verletzlich und unsicher Flynn unter seiner strahlenden Hollywoodfassade war und in dem er sich erlaubt, ein wenig zu philosophieren und ein Resümee zu ziehen.

Meine Meinung: Ein tolles, lesenswertes Buch, das trotz seiner Jahre (es wurde in seinem Todesjahr 1959 verfasst) nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Mensch Errol Flynn wird genauso beleuchtet wie der Filmstar, und es hat mir als Fan den schillernden Charakter Flynn noch näher gebracht. Da stört es wenig, dass er es mit der Wahrheit zugunsten der künstlerischen Freiheit vermutlich nicht immer so genau nimmt. Ich habe es sehr genossen und bei einigen Passagen über die herrliche Selbstironie des Autors laut gelacht.

Fazit: Wenn auch nicht alles wahr ist, so ist es doch gut erfunden. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert und unerwartet tiefsinnigen und philosophischen Betrachtungsweisen.


Bewertung:


Samstag, 17. Februar 2018

Neues Cover und eine neue Rezension!

In den letzten Wochen war es ziemlich still auf meinem Blog. Irgendwie fehlt mir derzeit die Muße und auch ein bisschen der Schwung. Vielleicht sollte ich in meine Bärenhöhle krabbeln und ausgiebigen Winterschlaf halten. Nichtsdestotrotz habe ich am Cover meines "Stiefkindes" gebastelt, der Schutzengel-Geschichte "Ausnahmsweise doppelgleisig". Ich weiß nicht, ob es anderen Autoren auch so geht, aber unter all meinen Romanen gibt es einen, mit dem ich nicht mehr so recht warm werde, nämlich diesen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass nun eine Rezension auf Amazon eingetrudelt ist, in der die Leserin beschreibt, wie gut sie sich beim "Märchen für Erwachsene" (ich finde den Ausdruck so schön!) unterhalten hat.


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Auch "Vom Ernst des Lebens" erstrahlt in neuem Glanz. Ich fand es besonders passend, dass ein altmodisches Fahrgeschäft auf dem Cover zu sehen ist, denn das Leben ist ja auch oft wie eine Karussellfahrt. Und das, was Rupert mit Miles in Paris erlebt, kann man ganz sicher so nennen.


*Klick*


Ansonsten wird es im März im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Vorstellung von Autoren mit Interviews und Gewinnspielen auf Bookapis Bücherwelt geben. Abgesehen von den Blognominierungen in der Vergangenheit ist das meine erste Zusammenarbeit mit anderen Autoren und Bloggern, und ich bin sehr dankbar, dass die liebe Jay mir diese Möglichkeit gegeben hat.



Sonntag, 19. November 2017

Neue Lieblingsserie: Poldark (2015 - ?)

Lange habe ich mich trotz der interessanten Zeitperiode und der offenbar riesigen Fangemeinde gesträubt, die Neuauflage von "Poldark" nach den Romanen von Winston Graham aus den 1940er Jahren zu gucken. Ich fand, dass die Geschichte eher banal klang (Landadliger kehrt vom Krieg in Übersee heim und bringt sein verwahrlostes Gut auf Vordermann), und zudem war mir der Schauspieler Aidan Turner (die Hauptfigur Ross Poldark) als Zwerg Killi im Hobbit in eher durchschnittlicher Erinnerung. Das glutvolle Latino-Aussehen, naja, davon sollen andere schwärmen; ich steh' ja generell eher auf den nordischen Typ. Und auch nicht so wirklich auf Romanzen.




Vor kurzem gab es bei Amazon ein Triple-Angebot über die ersten Staffeln neuer Serien. Wir wählten Taboo, Königin Victoria und Poldark. Das erste war ein ziemlicher Reinfall, und ganz ehrlich, auf die Queen habe ich seit Poldark keine Lust mehr.

Ich warte jetzt sehnsüchtig auf Staffel 3 als DVD / Bluray-Box mit englischer und deutscher Tonspur, würde am liebsten die ersten beiden Staffel gleich nochmal gucken und überrasche damit mich selbst. Warum finde ich die Serie eigentlich so klasse, denn ganz ehrlich: viel Spannung und Unvorhergesehenes geschieht in Poldark nicht. Ganz im Stil des 18. Jahrhunderts wird geliebt und gelitten, geheiratet (freiwillig und unfreiwillig), intrigiert, geboren und gestorben, und man kann ziemlich sicher sein, dass keine fantastischen oder übersinnlichen Phänomene diese Routine und die Idylle von Cornwall auf Dauer trüben. Was mich aber doch sehr beeindruckt hat, waren neben den atmosphärischen Bildern und der Ausstattung vor allem die sorgfältig ausgearbeiteten und authentisch handelnden Charaktere. Und - ich gebe es zu - die wechselhafte Geschichte von Ross und Demelza.

Mit der bodenständigen Bergmannstochter kam endlich mal eine fiktive Frauenfigur, die ich mag. Sie sieht apart aus und hat eine natürliche Ausstrahlung, und sie liebt ihren ihr gegenüber manchmal unverständig reagierenden Ross, lässt sich aber nichts gefallen, ist kein Zuckerpüppchen und hat ihren eigenen Kopf. Zugleich ist sie verletzlich und braucht ihren Mann, den sie als ihren Seelenverwandten betrachtet und umgekehrt. Eitel Sonnenscheint herrscht bei den Poldarks darum keineswegs, doch ich freue mich immer auf Szenen, in denen sich die beiden necken und respektvoll miteinander umgehen, ohne den jeweils anderen auf ein Podest zu heben. Lebensnah, halt. So, wie eine Ehe sein sollte. Diesbezüglich macht Ross am Ende der zweiten Staffel Demelza eine bewegende Liebeserklärung.

Auch die weiteren Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Besonders der gutherzige und erstaunlich progressive Landarzt Dwight Enys (Luke Norris) hat mich im Sturm erobert. Ich hoffe ja, dass ihm als frischgebackener Marineoffizier in der nächsten Staffel nichts allzu Schlimmes passiert; der Tod von Ross' Cousin Francis war schon ein richtiger Schock, dabei gehören er und seine Frau (und Ross' erste Liebe) Elisabeth eher zu den etwas statischeren Charakteren, mit denen ich nicht allzu viel anfangen konnte. Und doch, mit einem Trost an Demelzas Zweifel kurz vor dem tragischen Unfall im Bergwerk hat er es geschafft, mich zu Tränen zu rühren. Vielleicht ist das das Geheimnis, was für mich den Reiz der Serie ausmacht. Jede Figur hat ihre Fehler, aber auch Stärken, und vor allem: sie haben das Herz am rechten Fleck. Alle, bis auf den fiesen George Warleggan (Jack Farthing). Aber selbst er handelt nachvollziehbar in seinem Neid auf Ross und hat nicht nur dunkle Seiten, ist er doch ebenso wie sein Erzrivale für Elisabeth entflammt.

Viele Szenen und Dialoge überwältigen in ihrer Schönheit und Weisheit, ohne in Kitsch abzudriften, denn man spürt, dass die Charaktere tatsächlich meinen, was sie sagen oder tun. In anderen Serien wäre das wohl ein biederes und wenig zugkräftiges Konzept, doch bei Poldark funktioniert es. Ich freue mich jedenfalls sehr, nach Turn: Washington's Spies wieder eine Serie gefunden zu haben, bei der ich richtig mitfiebern kann. Von der tollen Landschaft Cornwalls will ich gar nicht erst reden; für viele Zuschauer ist sie der heimliche Star der Show.

Poldark ist nicht nur Unterhaltung auf hohem Niveau vor eindrucksvoller Kulisse, sondern irgendwie genauso erdverbunden wie die meisten ihrer Darsteller. Und das tut schon mal ganz gut bei dem ganzen Effekt-Overload mit Welten-Retten-Gedöns und dem Schenkelklopf-Sarkasmus der neuen Serien und Filme auf dem Markt. Liebenswert altmodisch eben.

Bildquelle: BBC One





Sonntag, 5. November 2017

Thor - Tag der Entscheidung " Thor - Ragnarok"

Am vergangenen Donnerstag war ich mal wieder im Kino. Eher mit wenig Erwartung, dass der Film gut ist: es war eine Marvel-Produktion, und von denen bin ich - von zwei oder drei Ausnahmen - nicht allzu begeistert. Zu viel Spektakel, Krach und zähflüssige Längen, die mich unruhig im Sitz hin und her rutschen lassen, weil ein dringendes Bedürfnis sich meldet.




Trotzdem habe ich "Thor - Tag der Entscheidung" eine Chance gegeben. Die beiden ersten Teile um den nordischen Donnergott habe ich ebenfalls gesehen, und der Vollständigkeit halber musste der dritte auch noch sein. Außerdem: Tom Hiddleston. Ich mag ihn einfach zu sehr, um die Gelegenheit verstreichen zu lassen, ihn auf der großen Leinwand anzuschmachten... (O; Und es war nicht nur Mr. Hiddleston, der den Film für mich zu einer positiven Überraschung hat werden lassen.

Über die Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Denn die war praktisch kaum vorhanden. Worum es ging, wurde eigentlich erst in den letzten zehn Minuten des Films klar, und das war auch gut so. Jedenfalls hat mir schon die Eröffnungsszene mit Thor in der Unterwelt ein herzhaftes Lachen entlockt, auch wenn sie ein bisschen sehr gruselig war. Aber die Selbstironie, die Thor-Chris Hemsworth konsequent durchzieht, war für mich ein echtes Highlight. Hätte ich ihm so gar nicht zugetraut. Sein etwas unbeholfener Besuch beim elegant die Treppe hinabschwebenden Uberzauberer Dr. Strange gehört ebenso dazu wie die weinerliche Trauer um den Hammer Mjölnir, der ihm abhanden kommt, genauer gesagt von seiner älteren Halbschwester Hela (Cate Blanchett)  in einem Duell zu Brei zerquetscht wird.

Überhaupt, die gute Hela. Als Göttin des Todes ist ihr schwer beizukommen, da sie ja praktisch unverwüstlich ist. Doch bevor es zum fulminanten Showdown kommt, wird der Zuschauer mit unzähligen Witzen und Gags bei Stange gehalten, die sich teilweise nur dem eingefleischten Marvel-Fan erschließen (und ich denke mit Schaudern an das unheimliche Nerd-Lachen des Typen hinter mir).

Aber auch ich hatte meinen Spaß. Etwa wenn Loki Thor zeigt, wohin er Allvater Odin alias Anthony Hopkins verbannt hat, oder als Thor auf einem Müllplaneten landet, der von dem abgefahrenen "Grandmaster" Jeff Goldblum regiert wird. Weniger toll fand ich den Auftritt von "Hulk" Mark Ruffalo. Irgendwie wirkte er fehl am Platz, obwohl er nach dem albernen Gladiatoren-Kampf ein ganz passables Teammitglied  abgegeben hat, das auch ein paar coole Sprüche zum besten geben durfte ("Ich hab' mir Asgard prächtiger vorgestellt.") und ein Duran Duran-T-Shirt trug. Die große Überraschung war für mich der Gott des Unheils, der hinterlistige Loki, der in diesem Film nicht gar so hinterlistig agiert wie gewohnt und damit ein paar Zuschauer herbe enttäuscht hat. Ich persönlich fand es ganz gut, dass man ihm - nachdem Thor ihm ins (tatsächlich vorhandene!) Gewissen geredet hat, eine "change of heart" gegönnt hat, die ihn hat erkennen lassen, dass Familie (vorläufig) wichtiger ist als List und Tücke. Wer weiß, wie lange der Edelmut anhält bei Lokis Wankelmut. Oder ob er nicht doch nur vorgetäuscht war.

Milder Spoiler: Zumindest besinnt er sich am Ende eines guten besseren und steht Thor zur Seite. Der Deal mit Dr. Strange geht so oder so nicht auf: da Asgard vernichtet wird, muss Loki nun gemeinsam mit dem neuen Allvater Thor auf Midgard Asyl beantragen, das ihm sicher gewährt wird. Dumm gelaufen!

Fazit: Schrilles Popcornkino, das erstaunlicherweise meine Art von Humor getroffen und mir einen unterhaltsamen Abend beschert hat. Ein bisschen zu viel Chris Hemsworth vielleicht, der aber eine überzeugende und witzige One-Man-Show abliefert und von seinen Mitspielern von Mensch über versoffene Walküre bis zu den Göttern kongenial unterstützt wird. Nach dem für mich eher abtörnenden, weil lärmigen Trailer doch ein gelungener dritter Teil der Thor-Saga.

Bewertung: 
und ein halber