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Samstag, 22. Januar 2022

Frauenarzt Dr. Sibelius (1962) ~ "Schmonzes" mit Starbesetzung

 Wie bereits angekündigt, habe ich mir ein paar Lex Barker-Filme auf DVD und BluRay gegönnt. Letztens war die Arthur Brauner-Produktion an der Reihe. In Schwarzweiß gedreht, mit damaligen Zugpferden wie Senta Berger (die immer noch flott untterwegs ist!), Barbara Rütting und dem Publikumsliebling Lex Barker in ungewohnter Rolle als Frauenarzt in tausend Nöten. Und irgendwie ist der Film gar nicht so piefig, wie man meinen sollte. Sogar nackte Brüste (!) sind in Senta Bergers Alptraumsequenz zu sehen.



Inhalt: Der angesehene Gynäkologe und Klinikchef Georg Sibelius ist beliebt bei seinen Patientinnen und geht in seiner Arbeit auf. Besonders seit seine junge Frau Elisabeth (Senta Berger) und er sich nichts mehr zu sagen haben. Elisabeth ist notorisch eifersüchtig und auch etwas neurotisch, seit sie und Georg ein Kind verloren haben und keine weitere haben können. 

Da tritt Elisabeths Freundin, die weitgereiste, emanzipierte Sabine Hellmann (Barbara Rütting) auf den Plan, ganz das Gegenteil der häuslichen und untätigen Elisabeth. Auch Georg und Sabine kennen sich, und die alte Liebe flammt wieder auf. Als Sabine unerwartet zu Georgs Patientin wird, spitzt sich die Lage zu. Nachdem Sabines Schwester auf Georgs Vorschlag hin zu den Eheleuten in die viel zu große Villa ins Gästezimmer zieht, argwöhnt Elisabeth zudem eine Affäre - mit Grund? Und als sei das nicht genug, bekommt Georg auch noch von einer minderjährigen hysterischen Patientin eine Vaterschaftsklage an den Hals...

Meinung: Es klingt ein bisschen nach Groschenroman, und wahrscheinlich ist es das auch. Dennoch genießt der Film bei Fans nicht zu Unrecht Kultstatus, wozu nicht nur das Ensemble beiträgt, das in den 1960ern sehr populär war, wie z.B. die Mutter von Götz George, Berta Drews, als Hauswirtschafterin, und Elisabeth Flickenschild als preußisch disziplinierte, zerstreute Schwiegermama.


Die biestige Gitte Hansen (links)


Für eine Überraschung gut ist der ansonsten eher stoische Lex Barker als blendender Halbgott in Weiß. Äußerlich definitiv für eine solche Rolle prädestiniert, gibt er trotz des in Bezug auf ihn klischeebeladenen Drehbuchs einen überzeugenden, von Zweifeln und Sorgen geplagten Doktor, der es allen (Frauen) recht machen will und dabei seine eigene Frau vernachlässigt, ohne es wirklich zu merken. Typisch Mann, halt. Vor allem in der Zeit, in der der Film spielt. Manchmal ist ihr Umgang miteinander recht grob, dann wieder um Aussöhnung bemüht, aber sie schaffen es nicht, sich gegenseitig zu verstehen. Wen wundert's, dass Elisabeth fast krank wird vor Eifersucht und daher von einem Fettnapf in den nächsten tritt, wenn ihr Mann keine Anstalten macht, ihr die Wahrheit zu sagen? Das hat mich ein wenig gestört, auch wenn klar ist, dass es aus dramaturgischen Gründen nicht möglich war. Oder dass Georg ohnehin nicht sicher ist, ob er und Elisabeth eine Zukunft haben.


Elisabeth hat's nicht leicht. Sabine auch nicht.

 Heute könnte man einen solchen Stoff auf die Art nicht mehr verfilmen, ohne die Feministen auf die Palme zu bringen, denn was sich Georg leistet, würde keine noch so geduldige Frau tolerieren. Oder sich wie Elisabeth in der Opferrolle gefallen. Allerdings springt sie am Ende über ihren Schatten, ohne wirklich Beweise zu haben. Was ein bisschen komisch war, doch sie ist wohl noch so verliebt, dass sie nicht hinterfragt - oder sie kennt Georg besser als der von Missgunst zerfressene Assistenzarzt Dr. Möllendorf (Harry Meyen), der sie telefonisch zu überzeugen versucht, dass an der Vaterschaftsklage etwas dran ist. 

Fazit: Trotz der nervigen musikalischen Krimi-Untermalung à la Edgar Wallace und den mitunter etwas melodramatisch-hysterischen Tönen der weiblichen Besetzung ein für die damalige Zeit progressiver und beinahe mutiger Film, in dem Lex Barker nicht den edelmütigen Helden spielt, der für jedes Problem eine Lösung aus dem Ärmel schüttelt, sondern zur Abwechslung innere Zerrissenheit und Gefühl zeigen darf.


Bewertung: 💫💫💫💫



Donnerstag, 20. Januar 2022

Die Vergeltung des roten Korsaren (1958) ~ Piratenfilm mit Lex Barker

Zufällig ist mir das Cover dieser DVD ins Auge gesprungen, und da ich von klein auf großer Lex Barker- und auch Piratenfilm-Fan bin, habe ich den Film mit einigen anderen des US-Schauspielers bestellt, der nach fünf Tarzan-Spielfilmen und einer Reihe von B-Western vor allem in Europa eine beispiellose Karriere gemacht hat. Kaum ein Streifen der 1950er/60er kommt ohne Lex Barker aus, den blonden Hünen mit dem markanten und buchstäblich wie gemeißelten Gesicht. Dass es Filme zu purer Unterhaltung bar intellektuellen Anspruchs waren, tut dem Spaß beim Anschauen keinen Abbruch. Und dann ist der Mann ja auch noch was fürs Auge... 👀



Inhalt: Ende des 18. Jahrhunderts macht der Edelmann Enrico di Ventimiglia (Lex Barker) als roter Korsar die Weltmeere unsicher, um den Tod seines Vaters zu rächen (vermutlich Burt Lancaster aus "Der rote Korsar", das wohl als inoffizielles Prequel gilt) und für Gerechtigkeit zu sorgen. Als er einen Verräter fasst, der sich auf einer gekaperten Galeone versteckt hielt, erfährt er, dass seine totgeglaubte Halbschwester noch lebt und verliebt sich außerdem in die rassige Marquesa Carmen di Montelimar (die aus Österreich stammende Silvia Lopez), die er aus den Klauen seiner ausgehungerten Männer befreit. 

Es beginnt eine etwas verwirrende Suche nach der Schwester Neala, die nicht nur für Enrico von Interesse ist. Ist sie doch zugleich die Prinzessin eines Indiovolkes und würde außerdem durch eine Heirat mit dem Gouverneur von Panama diesem zu großem Einfluss verhelfen. Doch Neala ist in den Bruder der Marquesa verliebt und zudem die Zofe von Carmen. Kurz, jeder will nicht nur *ein* Stück vom Kuchen, sondern den ganzen abhaben. Und dann ist da noch die für den Grafen entflammte Carmen, die nie weiß, ob sie seinen Worten trauen kann. Dennoch findet Enrico unerwartet Verbündete auf seiner Mission, die er mit Gewieftheit und Heldenmut meistert.

 


 Meinung: Zugegeben, ich bin etwas befangen, wenn es um Lex Barker geht. Als Mensch und Schauspieler finde ich ihn einfach toll, und in diesem Kostümschinken, der sein erster auf europäischem Boden ist, lässt er sogar hin und wieder schelmischen Errol Flynn-Charme hervorblitzen, an dem er sich offenbar orientiert hat. Und außerdem macht er in jeder Verkleidung eine klasse Figur. Die Ausstattung, Musik und die farbenprächtigen Kostüme haben mir ebenfalls gut gefallen und mich sogar überrascht. In der Hinsicht steht der Film modernen Piraten-Adaptionen in nichts nach. Als sehr authentisch und schmissig empfand ich die Szene der Tänzerin mit den jamaikanischen Eingeborenen (ist der Ausdruck rassistisch? Falls ja, entschuldige ich mich.), die an eine Combo junger Harry Belafontes erinnern. Frivoler und stimmungsvoller konnte das auch Black Sails nicht einfangen.

An manchen Stellen war mir die Story allerdings ein bisschen verworren und die Kumpane des Grafen zu albern, aber das ist wohl dem Geschmack des damaligen Publikums geschuldet. Die Bildqualität hätte ich mir für den Preis von 13,00 Euro schärfer gewünscht - man ist ja so verwöhnt durch die allgegenwärtige HD-Qualität. Trotzdem hat er mich gut unterhalten und in Nostalgie schwelgen lassen, denn zum ersten Mal gesehen habe ich ihn natürlich nicht. Aber fragt mich nicht, wie lange das her ist...


 

Jedenfalls ist es kein Wunder, dass man sich im römischen Cinecittà die Finger nach Lex Barker geleckt hat. Nicht nur, dass er athletisch, sportlich und gutaussehend war; er sprach auch fließend Italienisch, was den Produzenten und Regisseuren zugute kam. 

"Die Vergeltung des roten Korsaren" legt den Grundstein für viele weitere zweiklassig rund um den Globus gedrehte Abenteuerfilme mit Lex Barker, der auf diese Weise zum Kosmopolit wird. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.

 

Bewertung: 💫💫💫💫


Dienstag, 11. Januar 2022

Der unterschätzte Entertainer Michael Schanze

   Deutschland hat nicht mehr viele - wenn überhaupt noch im klassischen Sinn -, doch vor ein paar Jahrzehnten gab es große Namen unter den Entertainern, die dieser Bezeichnung mehr als gerecht wurden. Allround-Talente wie Peter Alexander, Hans-Joachim Kuhlenkampff, Harald Juhnke und auch Rudi Carrell haben die Fernsehlandschaft geprägt und bereichert mit ihrer Kreativität und Vielseitigkeit. Einer wird hierbei fast vergessen und zu Unrecht oft als Sonnyboy belächelt: der im TV notorisch gutgelaunte Michael Schanze. 

 

 

Vor kurzem lief in der Serie "Lebenslinien" auf BR3 ein Bericht über Michael Schanze, der 1947 in Tutzing geboren wurde und im Alter von neun Jahren seinen Vater verlor, der ein Radioorchestra leitete und sich scheinbar ohne erkennbaren Grund das Leben nahm. Daraufhin wird die Familie getrennt, denn die berufstätige Mutter bringt sich und die zwei Buben nicht alleine durch. Michael kommt ins Internat, der kleine Bruder zu Pflegeeltern in München. Erst als Michael zwölf ist, stellt ein Lehrer fest, dass er sich nicht einleben kann und sich abkapselt. Der Lehrer schreibt einen besorgten Brief an die Mutter, die die Kinder wieder zu sich nimmt. Zuhause ist Michael "der Mann im Haus", und die drei werden unzertrennlich.

Entdeckt wird Michael Schanze durch seine unverwechselbar freundliche und sanfte Stimme zuerst fürs Radio, dann fürs Fernsehen, wo er moderieren und singen darf. Sein Privatleben ist mit Sport ausgefüllt; 1976 nimmt er sogar an einer Windsurferregatta auf den Bahamas teil und belegt den siebten Platz. 

Die Sportlichkeit und Körperbeherrschung haben mich sehr beeindruckt, ebenso seine Einfühlsamkeit und Liebe für Kinder. Aus seiner ersten Ehe gehen drei Söhne hervor, doch schon in den 1970er Jahren moderiert er die aus den USA stammende Kinder-Quizshow "Eins, Zwei oder Drei" mit dem Plopp - heute Kult! Ich hab' das übrigens leider nie geschafft, den Plopp. Obwohl wir es in den Pausen auf dem Schulhof immer geübt haben und manche echt gut waren. 

Danach folgen große Samstagabend-Shows, diesmal für die Erwachsenen oder die ganze Familie ( "Flitterabend" und "Nur keine Hemmungen!").

 



2003 hat der durchtrainierte und von Sport fast besessene Michael Schanze einen schweren Skiunfall. Und das war offenbar ein Wendepunkt in seinem Leben. Ob seine Ehe vorher schon geschieden wurde, war aus der Doku nicht ersichtlich, doch der Unfall hat auch physische Folgen. Der stets so schlanke Michael Schanze nimmt gewaltig zu - von dem sprichwörtlich jungen Hüpfer ist nichts mehr zu sehen. 

Ich fand das irgendwie traurig. Sein Bruder Christian meinte, man nähme nur den dicken Mann wahr und nicht das Drama und die Vorgeschichte der depressiven Familienangehörigen, die dahintersteckten, und bestimmt hat er recht. Dennoch wünscht man einem Menschen, der immer so sportlich und drahtig war, kein solches Schicksal. Innerlich ist er jedoch anscheinend immer noch fröhlich-beschwingter Optimist und hat im reifen Alter ins Charakterfach des Theaters gewechselt, wo ihm Rollen angeboten werden, an die für den jungen Michael Schanze nicht zu denken war. Außerdem spielt er nach wie vor gern Klavier, an dem er Kindermusicals komponiert. Insofern hat er "Glück im Unglück" gehabt, wie man so sagt. Und außerdem lebt er lieber in der Gegenwart als in der Vergangenheit. Chapeau!

 




Am 15. Januar wird Michael Schanze 75. Dazu von Herzen alles Gute und viele weitere glückliche Jahre einem Idol meiner Kindheit! 💗


Freitag, 7. Januar 2022

Drama mit Liam Neeson und Meryl Streep: "Davor und danach" (1996)

 Dieser Film fand sich auf meiner Liste in Disney+. Ich hatte ihn vor langer Zeit gesehen und hatte ihn zwar als deprimierend und grau, aber ziemlich clever in Erinnerung. Jedoch hat mich beim zweiten Faktor mein Gedächtnis im Stich gelassen.

 


Inhalt: Der 15-jährige Jacob (ein elegisch-phlegmatischer Edward Furlong), Sohn des Ehepaares Dr. Caroline und Ben Ryan (interessante Kombination: Meryl Streep und Liam Neeson) wird des Mordes an einem gleichaltrigen Mädchen verdächtigt, mit dem er befreundet war. Als der Sheriff das abgelegene Anwesen aufsucht, ist Jacob verschwunden. Doch Vater Ben entdeckt Blutspuren am Chevy, mit dem der Sohn unterwegs gewesen ist. Rasch beseitigt er sie, bevor die Polizei den Wagen konfisziert. Caroline und Ben beauftragen einen windigen Anwalt (Alfred Molina) mit der Verteidigung von Jacob. Gemeinsam mit Ben und Jacob tüfteln sie eine Version aus, in der Jacob als unschuldig hervorgeht, weil er beim Verbrechen angeblich nicht anwesend war. Aber der erzählt die wahre Geschichte, mit der Mutter Caroline als Zeugin vor Gericht aussagt. Jacob muss in den Jugendknast, und Ben verbüßt eine Haftstrafe für Meineid.

Meinung: Obwohl ich den Film schon beim ersten Mal nicht den Burner fand, war ich doch sehr enttäuscht von der unoriginellen und vorhersehbaren Story. Ja, Liam Neeson und Meryl Streep als Ehepaar in Nöten des nach außen hin braven, aber impulsiven Filius, das hatte was, aber irgendwie war selbst die Interaktion der beiden eher lau, passend zu Eddie Furlongs blutleerem Auftreten, dem man genausogut den Twilight-Vampir abgekauft hätte. 

Die kleine Schwester, die als Off-Erzählerin zu Beginn und Ende agiert, bleibt ebenfalls blass. In der Kurzbeschreibung hieß es, dass die Ryans mit aufbrausenden Bewohnern der Kleinstadt in Konflikt geraten. Doch außer Drohanrufen, die so nebenbei passieren, merkt man als Zuschauer wenig vom Bürgerterror, sieht man von Bens abgefackeltem Kunstwerk im Garten mal ab. 

Emotional hat mich der Film nicht abholen können; dazu waren mir die Schauspieler und der Plot nicht überzeugend genug. Nur der Besuch der Eltern von Jacob in Untersuchungshaft ließ einen Hauch von Gefühl erahnen und hat dann auch prompt ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt ("Ich hätte nicht gedacht, dass ihr mich so sehr liebt").

 

 

In der Anfangsszene gab es eine falsche Fährte, von der ich mir mehr versprochen hatte: Martha Taverner, das ermordete Mädchen, trägt rote Handschuhe und einen blauen Anorak. In Jacobs Erzählung (in Rückblenden) trägt sie etwas anderes. Ich dachte daher die ganze Zeit, es käme noch eine dritte Version heraus, quasi die Wahrheit, aber so, wie es aussah, handelte es sich um einen in Film und Fernsehen berüchtigten Anschlussfehler, der vermutlich den wenigsten Zuschauern aufgefallen ist. 

Witzig waren immerhin die für die 1990er typischen Oversized-Klamotten selbst für Bären wie Liam Neeson und Flanellhemden für Mädchen. Und der Gedanke, dass man damals noch kein Internet im Film hatte, obwohl alle so modern bzw. mit der Zeit waren. Insofern ist der Film eindeutig *Davor*.

Bewertung: 

💫💫 und ein halber 💫


Freitag, 31. Dezember 2021

Guten Rutsch und Happy New Year 2022!

 Mit diesem Tag wäre auch das letzte Jahr geschafft, das wie das vorletzte von der Pandemie geprägt war. Ich hatte Anfang 2020 tatsächlich angenommen, es wäre spätestens im Sommer desselben Jahres vorbei... wie man sich täuschen kann. 

Auch gab es im Zusammenhang mit Corona einige Vorfälle, die mich persönlich betroffen (gemacht) haben und Freundschaften, die auf einmal keine mehr waren. Das hat mich wohl am meisten bestürzt. Nicht die vielen Fakten, Zahlen und andere Konstrukte, mit denen viele argumentieren und diskutieren. Statistiken kann man fälschen und beschönigen bzw. verschlimmbessern. Zudem wirken sie auf Papier bzw. im Internet abstrakt und unpersönlich. Ein Freund von Zahlen war ich nie, dafür aber von emotionaler Intelligenz, die 2021 leider nicht trendy war. Zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich nach der Spaltung in der Gesellschaft in Impfbefürworter und Impfgegner nur schwer wieder kitten. 

Ich hoffe sehr, dass das 2022 möglich ist und man trotz unterschiedlicher Meinungen wieder mehr aufeinander zugeht, auch wenn - so wie es aussieht - weiterhin Abstand und social distancing gewahrt werden müssen.

 

TillVoigt / Pixabay

Trotzdem blicke ich postiv nach vorne. Denn irgendwann muss Corona die Puste ausgehen, so wie allen Epidemien und Seuchen in der Geschichte. Schon jetzt liest man vereinzelt, dass die Erkrankungen allgemein nicht mehr so schwer verlaufen, da die Virusvariante Omikron zwar ansteckender, aber schwächer sei als die vorigen. Und zwar sowohl bei Geimpften als auch Ungeimpften. Die angekündigte Impfpflicht im Februar wird hoffentlich verfallen; immer mehr Politiker, die sie forderten, ändern ihre Meinung. Vielleicht auch, weil die Impfung nicht hielt, was die Regierung anfangs versprach. 

Aber ich will nicht davon sprechen; irgendwann hat man einfach genug von dem ganzen Hickhack und wird müde, davon zu hören und zu lesen. Daher möchte ich euch einen wundervollen und unbeschwerten Start ins neue Jahr mit viel Segen, Erfolg, Glück und Hoffnung wünschen.💗🍀 Und natürlich sehnen wir uns alle danach, wieder etwas Normalität ins Leben einkehren zu lassen. Ich wünsche mir, dass das ganz bald Realität wird.

Falls ihr Neujahrsvorsätze habt (von denen ich auch ohne Maske schon lange Abstand genommen habe), kommt hier ein Tipp: 

Formuliert sie positiv ("Ich fange an, zu..." statt "Ich höre auf mit..."), das stärkt laut einer schwedischen Studie die Motivation und hilft beim Durchhalten. Die obligate Quellenangabe? Kai Pflaumes wissenswerte Quizsendung "Wer weiß denn sowas?!"


Sonntag, 26. Dezember 2021

13 Jahre Büchertreff. Und das Ende.

 Nach dreizehn Jahren, in denen ich mich gern und auch mit erstellten Themen und Leserunden am Forenleben des "Büchertreff" beteiligt habe, wurde vor ca. einer Woche eine Sperre meines Kontos verhängt. Grund dafür waren meine Beiträge und besonders mein letzter im Smalltalk-Bereich, in dem es um die Corona-Impfung ging. 

 


   Ohne Hintergedanken einer Provokation habe ich dort meine Meinung und Skepsis zur Impfung kundgetan, die von denen der anderen User abweicht. Obwohl gut begründet mit persönlicher Erfahrung meiner Impfschäden und akuten Fällen von Folgeerscheinungen wie Herzrhythmus-Störungen in meinem Bekanntenkreis, die weniger glimpflich ausgingen, war der Gegenwind enorm. Auch vor Beschimpfungen und persönlicher Beleidigung schreckte man nicht zurück. Meldete ich mich nicht auf entsprechende Beiträge, hieß es, ich "hätte nicht genug Arsch in der Hose", um meinen Standpunkt zu verteidigen bzw. mit Quellenangaben zu untermauern (weil es die angeblich nicht gäbe) oder die Zahlen und Fakten gelten zu lassen, die mir um die Ohren gehauen wurden. Die streite ich gar nicht ab, bin jedoch auch hier skeptisch, was deren Wahrheitsgehalt angeht. Und ich finde, das darf man sein, zumal sich nun allmählich herauskristallisiert, dass die Impfung allein die Pandemie nicht bekämpfen kann und auch Nebenwirkungen hat, die unter Umständen schwerwiegender sind als eine Erkrankung an Covid-19 (wobei ich das nicht verharmlose).

Als man mich wiederholt als Schwurbler, Querdenker und Lügner bezeichnet hat und nach einer Blockierung meines Accounts verlangte, "weil man Schwurbler schon im realen Leben akzeptieren muss, aber nicht auf Foren", habe ich mit einem Vergleich pariert, der mir leidtut und für den ich mich nach der Sperre beim Administrator entschuldigt habe. Es gäbe keine Worte der Entschuldigung für einen solchen Vergleich, hieß es als Antwort, und man sei "mehr als überrascht", dass ich nach so langer Zeit, in der ich nicht negativ auffiel, derart unangemessen reagiert habe. 

Ganz ehrlich, ich bin es auch. Denn ich lege viel Wert auf einen höflichen Umgang, auch im Online-Bereich. Aber irgendwie - und das soll keine Rechtfertigung sein - war das Maß einfach voll. Ich empfand die aggressive und beleidigende Art der Impfbefürworter schon als Mobbing, und hätte ein Eingreifen der Moderatoren der Fairness halber früher erwartet. Nicht, dass man Partei für meinen Standpunkt ergreift, aber doch wenigstens zur Mäßigung aufruft, ehe die Diskussion eskalieren konnte. Es wurde auch tatsächlich einmal verhalten gemahnt, doch der Ruf der Vernunft ging unter und ist nach der Entwicklung der Situation nun hinfällig, hatten die anderen doch recht mit ihrer Unterstellung, "es käme Stimmung in den Thread", wenn ich wieder mitmische.

 


Die Sperre macht mich traurig und beschäftigt mich mehr, als sie es sollte. Wenn man so lange einem Forum treu geblieben ist, dann ist der Abschied nicht leicht. Vor allem, wenn er dermaßen ungut vonstatten geht. Wäre ich öfter in den dreizehn Jahren verwarnt worden, hätte ich den Rauswurf verstanden. So aber zeigt er mir, dass Meinungsfreiheit in Sachen "Impfen - Pro und Kontra" nicht erwünscht ist und man meine Beiträge und mich als "geoutete Ungeimpfte" nicht mehr wertschätzt. 

Mein erster Post zum Thema hatte zum Inhalt, dass mich die Spaltung der Gesellschaft sehr belastet. Ich war der Ansicht, vielen Mitgliedern - ob geimpft oder nicht - würde es ähnlich gehen. Offenbar ist das nicht der Fall, solange man zur Mehrheit der Geimpften gehört und der Panikmache von Politik und Medien Glauben schenkt. Übrigens gibt es in meinem Umfeld auch Ärzte, Pfleger/innen und Akademiker, die sich der Impfung nicht unterziehen wollen.

Ja, Corona ist schlimm. Sehr sogar. Aber Angst bekämpft die Pandemie noch weniger als die Impfkampagnen es tun, die mir ein wenig vorkommen wie der Mut der Verzweiflung. Vorsicht ist nach wie vor angebracht, ohne Frage. Auch die verordneten Maßnahmen bleiben uns wohl noch eine Weile erhalten. Doch vielleicht darf man Hoffnung haben, dass die Pandemie irgendwann ihren Schrecken verliert. Zum Alltag gehört, aber nicht mehr in der Dimension, wie wir sie seit zwei Jahren erleben. 

 


Mein Büchertreff-Konto bleibt gesperrt, trotz der Tatsache, dass ich um die Löschung des Beitrags bat, der dazu führte. Ich habe keinerlei Ambitionen, eine neue Community zu suchen. Das, was ich mir dort aufgebaut habe (und ich spreche nicht nur von meiner Eigenschaft als Autorin), hat lange wachsen müssen. Außerdem habe ich mich willkommen gefühlt, war ein etabliertes Mitglied, dessen Beiträge und Themenerstellungen von anderen gern gelesen und angenommen wurden. Und wo ich mich mit Gleichgesinnten zum Thema Lesen austauschen konnte. Von denen ich auch ihren Buchgeschmack kennengelernt und tolle Empfehlungen erhalten habe, die ich sonst nie entdeckt hätte.

Falls ein Büchertreffler dies hier liest, so möchte ich dich um Verzeihung bitten für den Eklat im Thread. Und auch um ein bisschen Verständnis für meine Position. Ich habe es nicht böse gemeint, habe einmal durch die andauernden Grobheiten die Nerven verloren (in der Diskussion habe ich niemanden persönlich beleidigt oder von meiner Meinung zu überzeugen versucht; vielleicht ist das noch nachzulesen, wenn meine Smalltalk-Beiträge mittlerweile nicht komplett entfernt wurden) und wurde in eine Ecke gedrängt, in die ich nicht gehöre. Niemand möchte sich gern beschimpfen lassen, doch die Meinung zu verbieten und sich nach einer Entschuldigung unversöhnlich zeigen, halte ich ebenfalls nicht für förderlich in den fragilen zwischenmenschlichen Beziehungen der aktuellen Zeit, sei das on- oder offline. Bleibt gesund und passt aufeinander auf.

Und sucht keinen Schuldigen, an dem ihr euren Frust über die Einschränkungen auslasst. Das gilt für beide Seiten. Denn so werden wir nicht wieder zu einem friedlichen Miteinander zurückkehren können. Schlimm genug, dass es soweit gekommen ist.

Bilder: Christine Wirth


Freitag, 17. Dezember 2021

Jahresrückblick 2021

Alle Jahre wieder gegen Weihnachten... der Jahresrückblick. Für mich ein positiver. Ehrlich. Trotz Corona und dem damit verbundenen politischen Rumgegurke, einem Ungeimpften-Status (man mag es kaum mehr zugeben), und einem mehr oder weniger isolierten Alltag. 

Als ganz großer Segen erweisen sich die beiden Katerchen Mikkel und Toby, die Anfang Juli bei uns eingezogen sind und sich zu prachtvollen und lieben und süßen Familienmitgliedern "mausern". Mit ihnen wird es selbst im wenig abwechslungsreichen Pandemie-Leben nicht langweilig. 

 

Was guckst du?!

 Wenn sie nicht gerade auf ihrem Kartonstapel ein Nickerchen halten oder like Bosses die Lage überblicken, sind sie stets zu Spielen, Streichen und Streicheleinheiten aufgelegt und freuen sich ihres Daseins. Auch die Kastration vor einer Woche haben sie gut überstanden und sich danach umso mehr gefreut, ein schönes Zuhause zu haben und bleiben zu dürfen. Und wir, unsere Burschis nach sechs Stunden Abwesenheit wohlbehalten wieder verwöhnen zu können. Toby und Mikkel sind eine klassische Win/Win-Kombination, und ich wundere mich, wie ich anfangs Bedenken haben konnte, mich je wieder an andere Katzen als an Knitz und Joschi zu gewöhnen und mein Herz von tierischen Mitbewohnern stehlen zu lassen.



Ein weiteres Highlight war - wie bereits im letzten Jahr - das Familienwandern. Man kann sich kaum vorstellen, wie wohltuend die Ausflüge in die Natur für uns alle sind. Keiner mag mehr darauf verzichten, egal wie das Wetter ist. Ob Sonne, Nebel oder gar Nieselregen - sonntags sind wir draußen. Geht es mal nicht (einmal mussten wir unsere Tour aufgrund Schneeregens abbrechen), ist der Tag nicht komplett für mich.

Zum Geburtstag der Eltern haben wir ein Album mit einem Überblick unserer bisherigen Touren über www.fotokasten.de gestaltet und drucken lassen, das seitdem auf dem Wohnzimmertisch liegt und immer wieder gern angeschaut wird. Die Qualität der Fotos ist gigantisch! Wer ein persönliches Geschenk sucht, wird dort garantiert fündig. Die Software kostet ein bisschen Aufwand, ist aber nach kurzer Einarbeitungszeit leicht zu bedienen und macht Spaß. Das fertige Produkt hat alle Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen.



Last but not least bin ich durch eine gute Freundin zu einem Abo von Disney+ gekommen, und obwohl wir (nicht mehr) so die Fans sind, findet man im Angebot sehenswerte Filme, die man entweder zum ersten Mal sieht oder mit nostalgischem Gefühl neu entdeckt. Auch die Dokumentationen sind interessant, etwa die der ehemaligen Disney-Chefzeichner Frank Thomas und Ollie Johnston, die sich auch privat gut verstanden und ergänzt haben. Ein abonnierter Kanal ist eine tolle Alternative zu den häufigen Schreckensnachrichten im Fernsehen. 

Zwischenmenschlicher Kontakt von außerhalb hat freilich weitgehend gefehlt, was schade war. Restaurantbesuche und Kino fielen flach wie gehabt, und das vermisse ich am meisten in der aktuellen Situation. Ich dachte am Ende von 2020, Corona wäre spätestens dieses Jahr Geschichte. Weit gefehlt. Mittlerweile befürchte ich, dass es uns noch ziemlich lange begleiten wird. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Vor allem nicht angesichts der bevorstehenden Festlichkeit, als Jesus auf die Erde kam und uns das Himmelreich und ein Leben in Fülle auch schon in der Welt versprochen hat. Davon bin ich fest überzeugt. Was soll mich da noch schrecken?



In diesem Sinn wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr!


Samstag, 27. November 2021

"Der Rausch" (2020) mit Mads Mikkelsen von Thomas Vinterberg

 Gleich vorweg: als Fan von Mads Mikkelsen habe ich auf diesen Film lange gewartet und wollte ihn eigentlich im Kino sehen. Ging aufgrund der Pandemie leider nicht, doch gestern haben wir ihn uns im Home Cinema angeschaut. Berauschend fand ich ihn nicht wirklich; die guten Kritiken, internationale Auszeichnungen und auch der Name Thomas Vinterberg haben meine Erwartungen wahrscheinlich zu hoch geschraubt.

 


Inhalt: Die befreundeten Lehrer Martin (Mads Mikkelsen), Tommy (Thomas Bo Larsen), Peter (Lars Ranthe) und Nikolai (Magnus Milang) sind genervt von Job und Alltag und starten auf Nikolais Initiative ein "psychologisches Experiment", das besagt, dass jeder Mensch mit 0,5 % Promille zu wenig geboren wurde, um locker und entspannt zu sein. Tatsächlich zeigt das Experiment Erfolg und (ver-)führt zu weiteren, die von dem Psychologielehrer Nikolai dokumentiert werden. Doch sie führen auch zu Problemen und Sinnkrisen. Martins ohnehin bröckelnde Ehe zeigt ihr wahres Gesicht, Tommy verliert völlig die Kontrolle, Peter empfiehlt einem nervösen Schüler ein paar Drinks vor der Abschlussprüfung, und Nikolai pinkelt im Schlaf auf sich selbst statt seine Jungs auf ihn.

Die Message des Films (wenn ich ihn richtig verstanden habe): Alkohol ist auch keine Lösung, aber in einzelnen Fällen ganz hilfreich.



Meinung: Außer der großartige Mads Mikkelsen kamen mir einige Gesichter bekannt vor; ein paar Schauspieler hatten ihren Auftritt bereits in "Die Jagd", allen voran Thomas Bo Larsen, der auch im Rausch die wichtigste Figur neben dem Hauptdarsteller spielen darf. 

 Amüsant und liebenswert waren die vier frustrierten Pädagogen in ihrer Freundschaft allemal und hatten wunderbar "hyggeligen" Umgang untereinander. Auch gab es Momente, die mich zum Lachen brachten, etwa wenn die Männer im Vollrausch alle Hemmungen fahren lassen und trotzdem sorgsam choreografiert das Tanzbein schwingen. Aber die Tiefe von "Die Jagd" habe ich irgendwie vermisst. 

Erst am nächsten Tag ging uns auf, dass Tommy etwas mit dem Scheitern von Martins und Anikas Ehe zu tun haben könnte, doch es ist nur vage durch Tommys Worte an Martin angedeutet und vielleicht Interpretationssache wie in vielen europäischen Filmen. Das Highlight war für mich die Schluss-Szene, in der Martin als ehemaliger Tänzer (der Mads Mikkelsen auch in RL ist) am Pier eine Performance hinlegt, die Gene Kelly alle Ehre macht.

 


Fazit: Ein Must-See ist "Der Rausch" nicht, bietet aber gute Unterhaltung an einem Abend - und einen sexy Mads Mikkelsen, der altert wie guter Wein. 😏

Bewertung: 💫💫💫 und ein halber 💫


Freitag, 5. November 2021

"And then there were none" (2015) ~ Dreiteiler nach Agatha Christie

 Als Fan von Agatha Christie kann ich mich nicht wirklich bezeichnen, und trotzdem ist dieser Thriller aus ihrer Feder ein Meisterwerk aus Grusel, Psychologie und Spannung. Und die Besetzung aus namhaften Schauspielern top!

 


Handlung: Acht Personen, die sich nicht kennen, werden unter dem Vorwand, Gäste einer Party zu sein bzw. das Personal zu unterstützen, auf eine einsame Insel in Devon zu dem Anwesen des nie in Erscheinung tretenden Ehepaares Owen eingeladen. Das Haushälterpaar Rogers sind die einzig Verbliebenen der Bewohner, doch sie geraten bald in Verdacht, den Ankömmlingen schaden zu wollen - der draufgängerische Mr. Marston (Douglas Booth) wird mit Zyankali vergiftet und stirbt. Doch auch der Arzt Edward Armstrong (Toby Stephens) wird verdächtigt. 

In den nächsten Tagen gibt es unter den Gästen immer mehr Verunfallte, die unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnen und oft in merkwürdig skurrilen Situationen den Tod finden. Die junge Gouvernante Vera Claythorne (Maeve Dermody) findet heraus, dass die zehn Jadefiguren auf dem Tisch und der Kinderreim "Ten little Soldier Boys / Zehn kleine Negerlein" (der in jedem Zimmer der Gäste hängt) in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen stehen. Zunächst wird ihre Theorie lächerlich gemacht, doch als der Diener und seine Frau als bisher Hauptverdächtige sterben, beginnt die Hysterie. Jeder verdächtigt jeden, man lässt sich nicht mehr aus den Augen, konspiriert untereinander und ist verzweifelt bemüht, die eigene Haut zu retten.

Wie der Titel jedoch schon verrät, bleibt am Ende keiner mehr übrig. Und jeder, der später auf die Insel kommt, wird sich wundern, denn keiner der Todesfälle kann aufgeklärt werden. Nur der Zuschauer weiß, welches Grauen sich dort abgespielt hat.

 


Meinung: Gekauft habe ich mir "And then there were none" seinerzeit wegen Toby Stephens, aber ich muss sagen, der Film ist auf allen Ebenen eine Perle. Auch die übrigen Darsteller sind überzeugend, das 1930er Jahre-Setting des herrschaftlichen Anwesens und die gesamte Ausstattung unglaublich authentisch, und überdies bietet die Geschichte psychologische Raffinesse at its best. Was mir an Agatha Christie-Stoffen nie so gefällt, ist die wie aus heiterem Himmel kommende Aufklärung der Tat, die meist von einem neunmalklugen Hercule Poirot oder der pfiffigen Miss Marple verklickert wird - hier ist das nicht so, und das nicht, weil beide Figuren in dieser Geschichte nicht vorkommen. Man wird überrascht, kann aber nachvollziehen, was geschehen ist bzw. wo die Ursachen liegen, die zu dem Grauen auf der Insel führen. Und der (im Deutschen nicht mehr politisch korrekte) Kinderreim ist so geschickt eingebaut in das Ganze, dass ich meinen Hut ziehe vor Mrs. Christies Können. 

Ein großer Bonus ist der Gänsehaut-Faktor, der mehrmals auftritt. Denn hier wird man Zeuge von seelischen Abgründen und Traumata, die jeden Protagonisten gefangenhalten und ihn letztendlich zerstören. Dazu gehören auch die eingefügten Rückblenden, die durch ihren wiederkehrenden Charakter oft ein wenig geisterhaft anmuten. Und ich mochte alle Schauspieler, die exzellent ihre Rollen spielen. Man merkt allen an, dass sie Spaß hatten.

 

 

 

Fazit: Ein makaberer und wirklich düsterer Thriller, der von der gewohnten, eher locker-flockig unterhaltsamen Christie-Kost abweicht, obwohl man Parallelen zu weiteren ihrer Werke feststellen kann. Psychologisch ausgefeilt wie immer, aber irgendwie dennoch anders. Absolute Empfehlung!

 

Bewertung:  💫💫💫💫💫


Donnerstag, 30. September 2021

In the Pleasure Groove. Love, Death & Duran Duran ~ John Taylor

 Fast in Rekordzeit (über 400 Seiten in knapp einer Woche) habe ich die Autobiografie von John Taylor konsumiert, um nicht zu sagen verschlungen. Selten habe ich eine derart interessante und unterhaltsam erzählte Lebensgeschichte gelesen, und das sage ich nicht, weil ich als Teenie schwer verliebt war in den Autor.

 


Inhaltlich folgt das Buch dem chronologischen Aufbau einer klassischen Biografie, angefangen beim obligaten "5-Tage-die-Woche-Kirchgang" des vierjährigen Nigel mit seiner Mutter, bis hin zu einem Konzert im Jahr 2004. Somit umspannt das Buch vierzig Jahre, die sehr kurzweilig, mit Humor und manchmal auch ein bisschen schwermütig und bittersüß, aber vor allem mit Tiefsinn abgearbeitet wurden. 

Das Verhältnis zu seinen Eltern und den Bandkollegen, die im Lauf der Zeit zu einer großen Familie zusammenwachsen (auch die Eltern der fünf Jungs verstehen sich untereinander und unternehmen gemeinsame Reisen) ist besonders schön; kein einziges böses Wort gegenüber Kollegen fällt, noch ist "In the Pleasure Groove" eine Abrechnung mit den weniger tollen Momenten im Leben als Superstar, und davon gab es für John Taylor so einige. Drogen, Alkohol, die Sucht nach Ruhm, Geld und teuren, schnellen Autos brechen ihm fast das Genick und machen aus dem einst schüchternen und familienbezogenen Nigel ein nervliches Wrack.

 

1981: John, Roger & Andy Taylor, Nick Rhodes, Simon Le Bon

Als "Ex-Duranie" kam mir vieles bekannt vor, und trotzdem war es ein ganz anderes Gefühl, Ereignisse und Tatsachen aus erster Hand zu lesen, oder zu merken, dass der hübsche John eigentlich gar nicht der begeisterte Jet-Setter aus den Teenager- und Hochglanzmagazinen war, sondern am liebsten mit Menschen Umgang hatte, die wussten, wo's "lang geht" ohne ihn in seiner Kreativität zu bremsen oder einzuengen (und die ist echt beachtlich, die Kreativität! In sämtlichen Bereichen). 

Nach einigen musikalischen Ausflügen und Experimenten mit anderen Bands erkennt er, dass er am liebsten mit den vertrauten Kollegen von Duran Duran spielt und auf Tournee geht. Seine Drogensucht und Depressionen bekommt er dank einer Therapie und der unverbrüchlichen Freundschaft und dem Verständnis der Kollegen in den Griff. 

Etwas bestürzt hat mich die Oberflächlichkeit, mit der die meisten Bandmitglieder ihre Freundinnen bzw. spätere Frauen ausgesucht haben. Aber immerhin hat es zumindest im Fall von Simon Le Bon mit dem Model Yasmin Parvaneh funktioniert - beide sind seit 1985 glücklich verheiratet und haben drei Töchter.

Und irgendwie ist John Taylors Biografie auch ein Bekenntnis an das Leben, an das Schicksal, das man selbst in die Hand nehmen kann, und an den Glauben an sich selbst und Gott, den er später anders kennenlernt als in seiner Kindheit. Nämlich gütig und verzeihend statt rachsüchtig und streng. 

Fazit: "In the Pleasure Groove" hat mich auf mehreren Ebenen berührt und auch in Nostalgie entführt. Nicht nur für Fans empfehlenswert, sondern auch für Musikfreunde und zeitgeschichtlich Interessierte. Der lockere Stil und der typisch britische Humor (das Original war relativ leicht zu verstehen) sorgen für zusätzlichen Spaß. Natürlich gibt es das Buch auch unter dem deutschen Titel "Gefährlich gute Grooves". Unbedingt lesen, wer Biografien und Popmusik mag!

 

Bewertung:  💫💫💫💫💫

 

Freitag, 24. September 2021

Ich lese gerade: John Taylor ~ In the Pleasure Groove - Love, Death & Duran Duran

Ich war großer Fan der Popgruppe Duran Duran. Als solcher hat mich - obwohl ich ihre Musik heute nicht mehr höre - die Biografie des Bassisten und Mädchenschwarms der Band interessiert, die ich mir jetzt, nach inaktiven Jahren meiner Fangirlphase, gekauft habe. 

 

 

Bisher bin ich positiv überrascht: schon die ersten Seiten ließen mich eintauchen in die Geschichte der Taylors - Jean, Jack und Nigel (wie John Taylor als Kind hieß) -, so anschaulich und lebendig beschreibt John Taylor seinen Alltag in Hollywood, einem für heutige Verhältnisse spießigen Vorort von Birmingham in England. Aufgewachsen als behütetes Einzelkind, hat er Schwierigkeiten, Freunde zu finden. In der Schule wird er aufgrund seiner Brille gehänselt (wie sich die Zeiten ändern - Joanne K. Rowling sei Dank!), und außerdem ist er ein echter Nerd, der sich lieber mit Modellbau und Musik befasst statt mit schulischen Glanzleistungen - Konkurrenz und Beurteilungen, wie sie dort an der Tagesordnung sind, lehnt er intuitiv ab. 

Wissbegierig zeigt er sich vor allem zuhause bei seinen Eltern, die sich viel Zeit für ihn und seine Interessen nehmen und manche davon sogar teilen, wie die vaterseitige Liebe zu Autos (sehr zum Leidwesen des Vaters wird die Mutter nie den Führerschein machen) und Musiksendungen im Radio, das im Haus Taylor selten stillsteht. Schon morgens wacht er zu Radiomusik auf.

Sehr nett finde ich die kleinen Details und Anekdoten, mit denen er den Leser unterhält und die bisweilen auch melancholisch wirken. Etwa das Zusammengehörigkeitsgefühl in der römisch-katholischen Kirche, wenn alle dasselbe Lied singen, das der kleine Nigel und seine Mutter nur lippensynchron begleiten, weil in der Familie keiner singt, aus Angst, einen falschen Ton zu treffen. Doch Kirchenmusik ist etwas, das ihn sein Leben lang fasziniert. 

 

Was vom Fangirl übrigblieb.

 

 Man fühlt die Zuneigung und Wärme, die John Taylor als Kind erfahren hat, sogar zwischen den Zeilen. Als er zehn ist, stellt Vater Jack ihm einen collageartigen Wandschmuck zusammen, der neben dem Kruzifix als Poster aufgehängt wird: Bilder von fremden Orten und eine schwarzhaarige Schönheit auf einem schwarzen Pferd. Vielleicht hat das den kleinen Nigel mehr geprägt, als er damals ahnt, hat er als berühmter Popstar doch viele exotische Länder bereist und freie Auswahl bei der Damenwelt. 

Davon ist in seinen Kinder- und Jugendjahren wenig zu spüren. Schüchtern, kurzsichtig, linkisch und unsportlich, entspricht er in keiner Weise dem Ideal eines Sexsymbols. Aber er weiß, was er will, nachdem er mit Cousin Eddie den Glamrock entdeckt: Popstar werden. Einer, der nicht im Rampenlicht steht, aber Teil einer Band ist. Die zweite Geige ist für ihn buchstäblich verlockender als das größte Stück vom Kuchen. 

Durch einen Nachbarsjungen namens David Twist lernt er mit 13 den zwei Jahre jüngeren Nick Bates kennen, der vom Glück begünstigt zu sein scheint und Nigel in vielem voraus ist. Beide lieben David Bowie und Roxy Music - eine Musikrichtung, die Duran Duran nachhaltig beeinflusst.

Aufs Weiterlesen freue ich mich sehr, denn soviel Humor und Selbstreflektion hätte ich John Taylor nicht zugetraut. Und obendrein liest sich das Buch richtig locker, obwohl ich die englische Ausgabe besitze.



Samstag, 11. September 2021

Zwanzig Jahre 9/11. Der 11. September 2001

 Vor ein paar Jahren habe ich bereits einen Artikel zum Thema geschrieben, in dem ich berichtet habe, was ich zu der Zeit gemacht habe und ich mich so plastisch daran erinnere, als wäre es erst gewesen. Vielen, die damals schon alt genug waren, geht das so, wenn nicht allen. Regelmäßig an diesem Tag hört und liest man die Frage "Wie habt ihr den 11. September erlebt?" Die Welt schien in dem Moment stillzustehen oder unterzugehen. Irgendwie tat sie das auch. Die Welt, wie ich sie kannte, war nach dem Einsturz der Twin Towers in New York nicht mehr diesselbe.


geralt / Pixabay

 Die Nachwirkungen (die bis heute spürbar sind), haben wir vor allem als Einzelhandelsgeschäft erfahren. Lange wollten wir es nicht wahrhaben, bis wir 2013 dann einen radikalen Schluss-Strich zogen und den Laden zumachten. Ich träume manchmal übrigens immer noch davon, hinter der Theke zu stehen und die Kunden zu beraten, die im Traum in Scharen kommen.

 Aber auch privat und in Punkto Sicherheit hat sich einiges geändert. Mir kommt es vor, als sei man nicht mehr so unbeschwert wie vor dem 11. September. Und als sei das mittlerweise akzeptiert und normal geworden. Vielleicht ist das nur mein persönlicher Eindruck und altersbedingt (ich war damals noch jung), doch unbestritten ist, dass Veränderungen eingetreten sind - nach meiner Meinung keine positiven. An Verschwörungstheorien, die immer noch hartnäckig aufrechterhalten werden, glaube ich nicht. Es war ein perfides Verbrechen, das begangen wurde an unschuldigen, nichtsahnenden Menschen. An Helden wie den Rettungskräften und den beherzten Passagieren, die verhinderten, dass die Terroristen mit der Flugmaschine ins Pentagon einschlugen und die dabei ihr Leben ließen.

 

Wikilmages / Pixabay


Was es alles bedeutet hat, wurde mir erst ziemlich viel später klar. Politisch und wirtschaftlich hat der Anschlag einen Riss in die Welt getrieben. Unruhe gestiftet, die es zwar schon immer gab zwischen Völkern, die aber jeden betraf / betrifft, der Augen und Ohren offenhält. Der 11. September war der Wendepunkt zu einer Entwicklung, die demokratische Rechte und die Grundsätze der westlichen Welt mit Füßen tritt. Darum sprießen nun Stilblüten im gesellschaftlichen Miteinander, die teilweise überflüssig sind und das, was man "Luxusprobleme" nennt. So sehe ich es zumindest. 

Mir hat die alte Skyline mit dem World Trade Center von Manhattan übrigens besser gefallen als Ground Zero. Auch deswegen, weil ich im Internet kaum mehr Fotos gefunden habe, die ich für meinen New York-Roman hätte verwenden können, der Mitte der 1990er angesiedelt ist.


Dienstag, 10. August 2021

Mikkel und Toby ~ die herzallerliebsten Purzelchen

 Etwas mehr als fünf Wochen sind sie nun bei uns, die neuen Hausgenossen. Und wir haben schon eine Menge erlebt. Lustiges, vor allem, denn die beiden spielen, balgen und kuscheln so schön miteinander, dass wir oft alle nur dasitzen und ihnen zugucken. Langweilig wird es nie, und manchmal herrscht sogar fast zu viel Action für meine Verhältnisse.


Der kleine Charmeur

Als Überraschung entpuppt sich Mikkel, der immer noch scheuer und zurückhaltender ist als sein Kumpel Toby. Aber sobald er Vertrauen gefasst hat, erweist er sich als ein richtiger Schmusebär und pocht auf Streicheleinheiten und Körperkontakt, anders als Toby, der immer noch quengelt, wenn man ihn hochnimmt, aber ansonsten der Waghalsige des Duos ist. Trotz der Tatsache, dass Toby neugieriger ist und auch vor kurzem als Erster den Balkon erkundet hat, hat er etwas Gemütliches und eine Gelassenheit, die Mikkel noch ein bisschen fehlt. Andererseits sind gerade ihre unterschiedlichen Charaktereigenschaften reizvoll.

Bisher hatten wir hauptsächlich Einzelkatzen, daher ist es zauberhaft zu sehen, wie lieb die beiden miteinander umgehen. Unsere letzten kamen eher "notgedrungen" zusammen und haben sich nie so wirklich gut vertragen. 

Umso schöner, dass beide in der zunächst fremden Umgebung und Situation einen guten Freund hatten, an den sie sich kuscheln konnten und können.

 

Toby schläft gern...

 

Mittlerweile gehen sie im Haus eigene Wege, doch für die Nacht kehren sie ins Atelier zu ihren POÄNG-Schlafstühlen oder dem Hängesessel zurück, die von uns Menschen nur noch mit Bedacht besetzt werden, um die Purzelchen nicht zu verärgern. Apropos Hängesessel: Mikkel ist die erste Katze, die ich kenne, die freiwillig und genießerisch schaukelt. Vielleicht fährt er auch gern Auto, dann wäre der Tierarztbesuch nicht ganz so stressig.


...Mikkel auch. In schaukelnden Höhen.

 Insgesamt sind sie schon ziemlich gewachsen, was man allerdings nur sieht, wenn man die ersten Fotos betrachtet. Irgendwie kommen sie mir immer noch sehr klein und zart vor mit ihren jetzt drei Monaten. Zäh zwar, wenn man sie beim Herumpurzeln beobachtet, aber doch schutzbedürftig. Da wir in der verkehrreichen Innenstadt wohnen und das Haus als ehemaliges Ladengeschäft groß ist und zwei Stockwerke hat, nehmen wir uns vor, sie als Wohnungskatzen zu erziehen (wobei Toby schon vom Duft der weiten Welt infiziert ist). Doch auch mein katzenerprobter Cousin riet mir dazu, der eigentlich immer Freigänger hatte und seine beiden Kater nun ausschließlich im Haus hält. 

Es wäre schön, wenn man den Hof katzensicher machen könnte, damit sie dort stromern und spielen können. Denn die wärmenden Strahlen der Sonne und darin baden mögen beide, bisher mit einer Glastür dazwischen.

 


Ein bisschen problematisch ist die Sache mit den Katzenklos. Vielleicht waren sie beide noch zu klein, um mit acht bzw. neun Wochen von der Mama getrennt zu werden, denn was zunächst gut geklappt hat, scheint nicht mehr ganz so einfach: nach ausgiebigem Toben oder Schlafen vergessen sie mitunter, wo ihre Toiletten stehen. Da sie es nicht mit Absicht machen und uns nach einem Malheur ernst anschauen, schimpfen wir nicht, doch es ist schon ein wenig irritierend, weshalb das Geschäft manchmal danebengeht. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir mit unseren früheren ähnliche Herausforderungen hatten. Aber ich denke, sie lernen es mit der Zeit. 



Wir tun unser Bestes, um ihnen ein Katzenparadies auf Erden zu bieten, und es wird anerkannt und geschätzt. Und Joschi und Knitz gucken schnurrend vom Himmel herunter und grinsen breit, weil wir wieder ein paar Kätzchen zum Verwöhnen gefunden haben, die perfekt zu uns passen.




Freitag, 30. Juli 2021

"Fairlight" oder "Ein Spiel zu viel" ~ welches darf's sein?

 Anlässlich der neuen, peniblen Word-Überarbeitung meiner Manuskripte, die sogar Dinge anstreicht, die nicht einmal unbedingt der Lektor / die Lektorin beanstanden würde (künstliche Intelligenz, Big Brother Bill Gates?), verlose ich zwei meiner historischen Romane, nämlich "Fairlight" und "Ein Spiel zu viel" als etwas ältere Exemplare und mit leichten Gebrauchsspuren.



Ihr müsst mir einfach im Kommentarbereich mitteilen, welches Buch euch am meisten interessieren würde. Die jeweiligen Beschreibungen findet ihr, indem ihr die hinterlegten Links im ersten Absatz anklickt. 

Ich möchte dazu sagen, dass beide Geschichten und besonders "Fairlight" etwas speziell sind, da es um Themen geht, die im Mainstream selten anzutreffen sind. 

Vielleicht sind sie gelegentlich auch nicht mehr politisch korrekt - die Brüder, um die es in "Fairlight" in der Hauptsache geht, stammen aus Ungarn und dort aus dem Volk der Sinti und Roma. Ihr wisst, auf welches Wort ich anspiele. Wobei ich persönlich es nicht als abwertend empfinde. Die ganze Debatte um Begrifflichkeiten, Regenbögen und Gendern ist für mich größtenteils ohnehin ein bisschen übertrieben. Aber das ist ein anderes Thema.

 Ich versende deutschlandweit - leider nicht ins Ausland.

Die Romane sind natürlich auch als ebook erhältlich.


Donnerstag, 8. Juli 2021

Nach fast zehn Jahren wieder Katzenmama

 Ganz ehrlich: eigentlich wollte ich keine Katzen mehr, nachdem mein Butzebär vor neun Jahren im Alter von 22 zu seinem Kumpel Knitz in den Katzenhimmel gegangen ist. Zu schmerzlich war der Verlust, zu groß später die Verantwortung, noch einmal für zwei Katzenbuben zu sorgen. Und irgendwie fürchtete ich auch, mein "Mojo" im Umgang mit den Samtpfoten verloren zu haben - obwohl ich von Katzen umgeben war, seit ich vier war. Es gab viele Gründe, die ich nicht alle aufzählen mag. Jedenfalls wollte ich kein Haustier mehr.

 

Mikkel & Toby

 Doch eine Freundin war anderer Meinung und erzählte von Kerstin, die eine Tierpension unterhält und gerade kleine Kätzchen vermittelt. Wir müssten uns nur schnell entscheiden, denn Reservierungen sind nicht so gern gesehen (was verständlich ist), und Katzenbuben in der Minderheit. 

Freitag, den 2. sind wir Einkaufen geflitzt für unsere zukünftigen Purzelchen, und am nächsten Tag waren sie schon da: die heißgeliebten, weil überaus goldigen und unwiderstehlichen Katerchen Mikkel und Toby. Die Namen hatten wir sofort, und sie passen sogar zu ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten. Und ich kann mir jetzt nicht mehr denken, weshalb ich mich so lange dagegen gesträubt habe. Sie sind erst knapp eine Woche da und schon richtige Familienmitglieder. 

Mikkel, der kleinere, ist noch ziemlich schüchtern, während der rote Toby ein echter Draufgänger und Model ist, nachdem er seine Scheu überwunden hatte. Aber so unterschiedlich sie sind: wir lieben sie beide gleich, denn sie machen unheimlich viel Spaß und sind einfach nur Zucker. Nicht zu unterschätzen sind ihre seelsorgerlichen Qualitäten, die allen Katzen ohne entsprechende Ausbildung eigen sind. Nachweislich sind Katzenhalter gesünder als Nicht-Katzenhalter und haben weniger Stress.


Toby

Mit ihren ca. neun und acht Wochen sind die zwei noch unglaublich klein und zart, obwohl ich den Eindruck habe, dass sie seit Samstag schon gewachsen sind, vor allem der Rote. Der ist ein ordentlicher Feger, doch beim Spielen, Balgen und Toben ist ihm der ansonsten zurückhaltende Mikkel ebenbürtig und manchmal fast zu derb. Wir haben schon so viel zu erzählen über die Purzelchen, dabei kennen wir uns noch nicht mal eine Woche. So sind Katzen; sie schleichen sich ins Herz und erobern nicht nur das, sondern beschlagnahmen die gesamte Wohnung. Mikkels und Tobys Spielzimmer ist vorerst "nur" das Atelier, und tatsächlich gibt es darin so viel zu entdecken, dass ihnen der Gedanke an draußen offenbar noch gar nicht gekommen ist. Schnurren können beide nach Gewähr einer Bedenkzeit wie die Großen.

 

Mikkel

Ein bisschen Erziehung bzw. Einhalt brauchen sie jedoch schon; auch wenn viele behaupten, das sei bei Katzen sinnlos, gibt es eine Tonart, bei der sie wissen, was sich nicht gehört und besser nicht wiederholt werden sollte. Zwar erklimmen die beiden immer noch die Pflanzen, springen aber nach einem energischen "Nein!" nicht mehr auf den Tisch (zumindest nicht in unserer Anwesenheit). Dass Mikkel noch nicht ganz stubenrein ist, ist nicht schlimm. Er hat den Umzug von der Pension zu uns nicht ganz so gut verkraftet wie sein älterer Freund. Bis gestern hat er oft jämmerlich nach den anderen Katzen gerufen. Zum Glück war Toby da und ist im Allgemeinen auch erstaunlich liebevoll im Umgang mit ihm. Als müsste er ihn über den Abschied hinwegtrösten und ihm versichern, wie gut sie es erwischt haben mit uns. 

Da sage noch einer, Katzen seien nicht sozial. Und außerdem macht Mikkel jeden Tag Fortschritte, für die wir ihn ausgiebig loben.

 

Mensch, such' dir einen anderen Platz!


Ständig könnte ich Fotos von den Süßen machen, und abends können wir uns alle kaum von ihnen trennen. Selbst Dinge, die vorher wichtig waren, werden einfach vergessen oder verlieren an Bedeutung. Ich bin im siebten Katzenhimmel! Ein bisschen Bedenken habe ich noch wegen Freigang, wenn sie älter sind (alle unsere bisherigen waren Freigänger und haben davon gern Gebrauch gemacht), und es wäre mir beinahe lieber, sie blieben in der weitläufigen Wohnung. Doch bei uns stehen immer alle Türen offen, und ich bezweifle, dass ihnen die gute Stube auf Dauer ausreicht. Aber wir werden sehen. Bisher sind sie noch so mini, dass man sie mitunter sogar auf 65 qm² suchen muss.

Und jetzt wird's Zeit, ihnen wieder meine Aufwartung zu machen. Katzen sind das Wundervollste! 

Übrigens, die teure Erstausstattung, die wir uns haben verleiten lassen, zu kaufen, hätten wir uns komplett sparen können. Der Katzenkorb wird nur als Sprungbrett benutzt und kaum eines Blickes gewürdigt, und als Spielzeug bevorzugen sie Bastfäden, welke Blätter, Papierkörbe und Hosenbeine statt Rasselbälle. Damit beschäftigen sie sich stundenlang.


Freitag, 2. Juli 2021

Wir Wirths Wandern - neuer Blog!

 In den letzten Tagen war ich eifrig damit beschäftigt, einen speziellen und persönlichen Blog über unsere Familienwanderungen zu erstellen. 

Eigentlich hatte ich nicht vor, zwei Blogs zu pflegen, doch der neue enthält hauptsächlich Fotos und nur kurze Texte, denn er erfüllt vor allem die Funktion eines virtuellen Fotoalbums. Insofern werde ich nicht allzu viel Aufwand damit haben.

 


 

Für uns als Familie sind die Wanderungen, die wir seit Coronabeginn im März 2020 mehr oder weniger regelmäßig unternehmen, ein echter Gewinn. Nie hätte ich gedacht, dass wir uns erstens so gut verstehen und häufig dieselbe Meinung vertreten in einer Krisensituation oder bei heiklen Themen, und zweitens, dass Wandern ein viel größerer Genuss sein kann als jede kostspielige Attraktion. Man kommt runter von der Woche, die vielleicht nicht immer einfach war, und kann einfach mal die Seele baumeln lassen.

Jeder von uns liebt das Draußensein in der Natur, und vor allem das Picknick, das mittlerweile zu jedem Ausflug - egal wie kurz oder lang - dazugehört. Dazu führen wir entweder anregende Gespräche oder schweigen einfach mal, wie es uns beliebt. 



 Nicht zuletzt wird uns bewusst, dass die Umgebung vor unserer Haustür ganz schön viel zu bieten hat. Wandertouren kann man überall in Deutschland finden, und viele Wege sind gut ausgebaut und beschildert, so dass auch Anfänger und Senioren gut mithalten können. 

Wer uns virtuell begleiten und sich inspirieren lassen möchte auf und von unseren Touren, findet hier die neue Blogadresse. 

 Wir Wirths Wandern

Wir freuen uns über Besucher!


Donnerstag, 24. Juni 2021

Eine australische Ikone: Phar Lap

 Schon seit einiger Zeit kenne ich die Legende von Phar Lap (1926 - 1932), dem australischen Rennchampion, der seinerzeit weltweit für Schlagzeilen sorgte. Das liegt daran, dass ich Pferde im Allgemeinen faszinierend finde und auch das Land, aus dem Phar Lap stammt (wobei er genaugenommen in Neuseeland geboren wurde).  

Jetzt habe ich endlich sein "Biopic" gesehen, das 1983 gedreht wurde, und es hat mich irgendwie - wenn überhaupt emotional berührt - traurig gemacht. 

 

Der ewig imposante Phar Lap im Melbourne Museum

 

Der Film selbst wirkte auf mich bis auf die Atmosphäre und das Setting nicht wirklich toll; daran war zum großen Teil die schlechte Synchro schuld, die den Lippenbewegungen der mir unbekannten Schauspieler völlig hinterherhinkte. Was mich aber wirklich verstört und fassungslos zurückgelassen hat, war die Habgier der Menschen, für die das arme Pferd Rennen lief. Es gab keine Schonung von Trainer Harry Telford, der zudem total unsympathisch dargestellt wurde, und auch fast alle anderen, die mit Phar Lap zu tun hatten, meinten es nicht gut mit ihm. Ausnahmen waren nur sein Stallbursche Tom Woodcock und sein australischer Jockey Jimmy Pike. Doch sie können nichts ausrichten gegen die Neider und die harten Trainingseinheiten.

Bereits auf heimatlichem Boden kommt es zu Attentatversuchen, als Phar Lap ein wichtiges Turnier gewinnen oder zugunsten seiner Konkurrenten am besten gar nicht daran teilnehmen soll. Sein legendäres Talent, fast jedes Rennen für sich zu entscheiden, wird auch im weit entfernten Amerika zur Kenntnis genommen, und so reist er gemeinsam mit Tom Woodcock und seinem Besitzer David Davis dorthin, um in Mexiko und Kalifornien anzutreten. Immer wieder ist er schon vorher aufgrund der Profitgier und den Schikanen seiner Besitzer, Buchmacher und Rennveranstalter krank, erschöpft oder leidet unter gespaltenen Hufen; trotzdem gibt es kein Pardon und keine Pause: Rennen um Rennen läuft das Wunderpferd, von denen es über dreißig von insgesamt 55 in seiner Karriere gewinnt. Und das scheinbar aus eigenem Willen, nachdem er als Fohlen eher "ein Reinfall" zu werden drohte und als "Missgeburt" bezeichnet wurde (so ein schönes Pferd, das kann doch nicht sein!).


Historische Aufnahme, ca. 1930

Sein qualvoller Tod in Kalifornien kurz nach einem Rennen gibt bis heute Rätsel auf, obwohl ich finde, dass es gar nicht verwunderlich ist, wenn ein Tier, das so geschunden wird, nicht lange leben kann. Lange dachte man, er wäre absichtlich vergiftet worden, doch spekuliert bzw. vermutet wird heute, nach einer DNA-Analyse der Mähne aus dem Jahr 2008, dass Tom Woodcock als neuernannter Trainer in den USA die Dosierung des von Harry Telford speziell gemischtem Futter falsch angesetzt hat. Telford glaubte nämlich, dass Arsen und Strychnin (!) als Bestandteil des Heus appetitanregend wirken.

Zwar ist Phar Lap bis heute vor allem in Australien bekannt, wo er sorgsam präpariert im Museum in Melbourne bewundert werden kann, doch ich hätte dem sanften Riesen ein ruhigeres und vor allem artgerechtes Leben gewünscht. Und viel Liebe, die er zumindest im Film nicht bekommen hat. Alles, was zählte, waren Leistung und das Geld, das damit gescheffelt wurde. Sein Ruhm, gemeinsam mit Errol Flynn und Vegemite als typisch australische Errungenschaft angesehen zu werden, war teuer erkauft. 

"Live fast, die young" trifft nicht nur auf zweibeinige Promis zu. Und wenn man es so sieht, wäre es besser für Bobby / Phar Lap (thailändisch für "schneller Blitz") gewesen, keine Legende zu werden.