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Mittwoch, 12. Juni 2019

Verlosung meiner "Kurzen" als Print bis zum 19. Juni

Es wird mal wieder Zeit für eine Verlosung. Um ehrlich zu sein, gehe ich sie mit gemischten Gefühlen an. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass Bücher, die ich verschenkt habe, nur selten gelesen bzw. eines Feedbacks an mich würdig sind. Was ich ein bisschen schade finde.

Vielleicht sind die LeserInnen ja zu höflich, um Kritik zu üben, aber solange die nicht grundlos ist oder superpersönlich wird (was ich auch schon erlebt habe), ist es vollkommen in Ordnung, auf etwas hinzuweisen, das einem nicht so gut gefallen hat. Der umgekehrte Fall ist natürlich wünschenswert. Wie schön ist es  für Autoren, wenn die Begeisterung für ein eher unbekanntes Buch nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet. Auch das ist schon vorgekommen, wenn auch eher selten.

*Klick* zum Vergrößern

Oder meine Romane liegen vergessen auf den SUBs, die - wie wir ja wissen - oft die gefühlten Ausmaße eines Mount Everest haben. Ich warte nicht mehr auf Rezensionen auf dem großen A oder in einschlägigen Blogs und Foren, nachdem mir klar wurde, dass sich damit viele LeserInnen unter Druck gesetzt fühlen. Eine Rückmeldung an mich als Autorin wäre nett. Das kann auch ein kurzer Kommentar auf dem Blog oder bei Facebook sein.

Ich hoffe, das klang jetzt nicht miesig oder negativ. Denn schließlich meine ich es gar nicht so und wünsche mir viele Interessierte an meinem kleinen Gewinnspiel. (O:

Was müsst ihr tun, um teilzunehmen? Wählt ein Buch aus dem Bild aus und schreibt mir in der Kommentarfunktion, warum ihr es lesen möchtet. Infos und Leseproben zu den Büchern findet ihr z. B. auf meiner Homepage.

Am 19. Juni um 19.00 Uhr wirbelt dann die Glücksfee und benachrichtigt den Gewinner. Eure Daten werden nicht gespeichert und nur zum Zweck des Gewinnspiels verwendet, gehen also nicht an Dritte.

ACHTUNG: Verlost wird *ein* Buch an den Gewinner mitsamt der Goodies, nicht alle Romane auf dem Foto.



Dienstag, 30. April 2019

BUGA 2019 Bundesgartenschau in Heilbronn

Merkwürdig, wie sehr man seine Prioritäten im Lauf des Lebens verändert. Bis vor einigen Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich einmal ein begeisterter Blumenfan sein würde. Ein bisschen kenne ich mich mittlerweile auch aus in der Fauna und Flora und freue mich, wenn ich eine seltene Pflanze benennen kann.

Karl, das unbeliebte Maskottchen

Gestern haben wir spontan einen Familienausflug nach Heilbronn zur Bundesgartenschau geplant, und ich war fast närrisch vor Freude. Die eher negative Publicity und den Boykottaufruf aufgrund fahrlässig ertrunkener Entenküken und dem für viele Leute grotesken Gartenzwerg Karl kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich ist das mit den Entchen tragisch und hätte vermieden werden können, aber ganz ehrlich, mit Absicht ist es bestimmt nicht geschehen, und den kleinen Karl-Kerl in verschiedenen Variationen im Gelände fand ich recht niedlich.




Vielleicht waren aber auch die doch recht saftigen Eintrittspreise, der Montag und das durchwachsene Wetter schuld am geringen Publikumsverkehr. Aber gerade darum und weil wir als Familie endlich mal wieder etwas gemeinsam unternommen haben, war der Tag etwas Besonderes für mich. Von 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr gab es wogende Blumenmeere, riesenhafte Wüstenkakteen, Gartenzwerge im Materialmix und verschiedene Ökosysteme und neue Technologien nach dem Vorbild der Natur zu bestaunen. Selbst als Kaiser konnte man auf dem hölzernen Thron posieren oder sich auf dem Kletterspielplatz tummeln.

Die Genussmeile musste natürlich auch abspaziert werden, nur um dann festzustellen, dass man in der alten Reederei am Anfang der Meile lieber mal schwäbische Spezialitäten wie das "Böckinger Feldgschrei" ausprobiert hätte. Das entpuppte sich ein bisschen als Enttäuschung, denn das Wurzelgemüse mit Spätzle und Rindfleisch wurde in einem bedienunfreundlichen Einweckglas serviert (man kann's auch übertreiben mit der sprichwörtlichen Sparsamkeit).


Ein Highlight. Kakteen wie im Südwesten der USA.

Das ist allerdings mein einziger Kritikpunkt, und irgendwie war es dann doch ganz originell und witzig, sobald man sich daran gewöhnt hatte. Geschmeckt hat es auch, und das ist ja die Hauptsache. Immer wieder stießen wir auf Ruheoasen wie Strandkörbe (wo leider kein Cappuccino serviert wurde), gewaltige Ruhekissen auf den Rasenflächen und Hängematten. Schön war auch die Markthalle, in der exotische Gewächse und Verkaufsläden untergebracht sind.




Entzücken rufen natürlich die Dauergäste hervor. Und zwar nicht unbedingt die menschlichen Bewohner inmitten des Geländes in unterschiedlich gestalteten "Riesenbienenkörben", die eine Art isolierte Stadt bilden und wohl das Wohnen der Zukunft sind, sondern die vielen Enten, Gänse und Schwäne, die nun mit ihrem Nachwuchs umherwatscheln und sich von den Besuchern scheinbar nur wenig bis gar nicht gestört fühlen.

Die BUGA in Heilbronn findet noch bis Mitte Oktober statt. Ich würde es jedem empfehlen, ob Blumenfreund, mit Familie oder Single. Auf keinen Fall die Kamera vergessen. Und den pinkfarbenen Karl als Schlüsselanhänger. Wetten, dass der irgendwann Kult ist?


Auch Papa kommt auf seine Kosten: Schippern im Schiff-Shuttle.


Mittwoch, 17. April 2019

Mein Sous zum Brand von Notre Dame

Gruselig war's. Kaum wurde der Brand des Unesco-Kulturerbes entdeckt, war ich live dabei. Über Facebook. Und las Kommentare wie "Hoffentlich ist es nicht so schlimm, wie es aussieht." Ach nee, dachte ich, das haben die bald unter Kontrolle. Pustekuchen. Flammen schlugen immer höher, und als der dünne Spitzturm brach, war das wie ein Aufschrei. Ich war fassungslos. Fast am Weinen. Die Kathedrale habe ich zweimal besucht, einmal als Austauschschülerin in Paris, dann als Erwachsene während eines Wochenendtrips dorthin, der mich zu "Vom Ernst des Lebens" inspiriert hat.


Quelle: Christine, damals 14 und Kulturmuffel

Ein bisschen haben mich die Besucher damals genervt. "Du musst unbedingt das Rosenfenster fotografieren!" hieß es, und ich dachte mir, dass es schon so oft geknipst worden sein muss, dass mein Bild nur langweilig werden kann. Wurde es auch, und viel zu dunkel, weil man während des Schüleraustausches in Kirchen und Museen nicht mit Blitz fotografieren durfte und das Smartphone noch nicht erfunden war. Auch mein Außenporträt ist kein Meisterwerk, aber immerhin ein Beweis: ich war da. Und daher nehme ich mir das Recht heraus, zu trauern um ein Gebäude, das jahrhundertelang die Menschen zum Staunen gebracht, erfreut und getröstet hat. Mich lange nicht, denn Notre Dame ist weit weg, ich bin kein Kirchgänger und eigentlich eher pragmatisch veranlagt, was Gebäude betrifft, solange ich nicht selbst darin wohne.

Trotzdem verstehe ich die Trauer der Franzosen und Pariser, und ja, ich verstehe auch die Bereitschaft, Millionen zum Wiederaufbau zu spenden. Architektonische Meisterwerke wie Notre Dame prägen ein Volk, gehören zur Kultur. Kein Erdenbewohner seit 1345 hat Paris je ohne die Kathedrale erlebt bis zum 15. April 2019. Und plötzlich ist sie innerhalb weniger Stunden zerstört, eine scheinbar unverwundbare Trutzburg, ein wunderschönes Beispiel der Gotik und Tempel des christlichen Glaubens. Da kann man schon mal an eine Symbolik denken, die mit den abendländischen Werten und deren Untergang zu tun hat. Das fand ich aber übertrieben, ebenso wie sofort aufbrandende Verschwörungstheorien und die Empörung über die millionenschweren Spenden, die in den Wiederaufbau fließen sollen.


Wird es je wieder so sein? Quelle: kirkandmimi / pixabay

Die Tragödie von Notre Dame hat das Land erschüttert, und die Welt nahm Anteil. Ist die Aussicht auf eine baldige Rekonstruktion nicht ein Trost, der gewährt werden kann und vielleicht auch sollte? Natürlich könnte man mit den Spenden, die mein mathematisches Vorstellungsvermögen weit übersteigen, etwas für die Menschen tun. Menschen, die leiden und in Not sind. Menschen sind immer mehr als Stein, Holz und Blei.

Und trotzdem, irgendwie kommt es mir richtig vor, Notre Dame erhalten bzw. rekonstruieren zu wollen. Die Erklärung ist vielleicht naiv und simpel, aber nichtsdestoweniger wichtig. Für die Pariser ist sie das Herz ihrer Stadt, und für alle Anreisenden und Touristen eine Station, in der sie Ruhe finden können. Und auch ein wenig Ehrfurcht vor der Vergangenheit und der Vergänglichkeit. Denn dass nichts von Menschenhand für die Ewigkeit hält, hat uns der Montag vor zwei Tagen deutlich bewiesen.



Samstag, 9. März 2019

Review "The Machine" (2013)

Tja, es hat mich wieder mal erwischt: nach Benedict Cumberbatch, JJ Feild und Mads Mikkelsen darf sich nun Toby Stephens meiner heißen Fangirl-Begeisterung erfreuen... da er hauptsächlich Theaterschauspieler ist und kein Hollywoodsuperstar, sind die Filme rar gesät, die man hierzulande auf DVD kaufen kann. Was mich sogar dazu verleitet hat, einen Science-Fiction-Streifen anzusehen, ein Genre, dem ich normalerweise so gar nichts abgewinnen kann.




Inhalt: England, in naher Zukunft. Der Informatiker Vincent McCarthy arbeitet an einem geheimen Projekt, das sich zum Ziel setzt, überlegene Menschmaschinen mit künstlicher Intelligenz zu erschaffen, um im (erfundenen) drohenden Krieg mit Fernost diese als Waffen einzusetzen. Testobjekte sind unheilbar verwundete Soldaten, die scheinbar verschwinden, jedoch in geheimen Bunkern des britischen Militär als Maschinen "weiterleben", bis der Prototyp perfektioniert ist. Als Vincents neue Assistentin Ava (Caity Lotz) unerwartet lebensgefährlich verletzt wird, beschließt Vincent, aus ihr eine denkende Maschine zu machen. Doch er hat andere Pläne mit ihr als sein Chef Thomson. Seine Tochter Mary hat das Rett-Syndrom, und er hofft, sie durch seine Arbeit heilen zu können.

Die Maschine / Ava erweist sich als Glücksgriff für Vincent, jedoch nicht für das Militär. Sie denkt nicht nur, sie fühlt. Zuneigung zu ihrem Meister. Schlecht für das Militär, schlecht für die Menschheit. Emotionale Maschinen sind eine ernstzunehmende Bedrohung und führen zur Ausrottung der Menschheit, meint Vincents Vorgesetzter, und ganz unrecht hat er damit wohl nicht. Vincent muss Avas "Bewusstsein" schweren Herzens wieder ausschalten. Als die restlichen Roboter einen Aufstand proben, kommt es zum Tumult. Vincent rettet die gespeicherten Daten von Ava und der mittlerweile an den Folgen einer OP verstorbenen Mary, die fortan gesund und munter auf einer Backup-Diskette weiterexistiert und die nun die ihrer Identität und Empfindungen beraubte Maschine nach gemeinsamer Flucht Mama nennt, denn Ava ist sie ja nun auch nicht mehr.




Meinung: Zugegeben, das Ganze klingt ein bisschen wirr. Ich bin kein Fan von Dystopien und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz, und trotzdem hat mich der Film gut unterhalten. Besonders die erste Hälfte war oft humorvoll und berührend. Toby Stephens ist beeindruckend und richtig sexy in Henley-Shirts als der Einzelgänger Vincent, dem jedes Mittel recht ist, um ein Heilmittel für seine Tochter zu finden.

Und sein brummelndes "Don't be afraid. It's ok. Let go", ist wohl die heißeste Liebeserklärung, die man einem Roboter machen kann. (O; Auch Caity Lotz mochte ich, denn die Maschine ist nach der Einspeicherung von Avas Daten kein tougher und mordlustiger Cyborg, sondern wirkt in manchen Situationen komisch und hilflos, fast überfordert. Menschlich halt. Süß, als sie Vincent fragt, ob er wiederkommt und er verspricht, mit ihr ein paar Puzzlespiele zu lösen und Musik zu hören. Ebenso die Geschichte mit dem Sonnenuntergang, der später noch einmal in Szene gesetzt wird. Da kam fast ein wenig Romantik auf, was für das Genre doch eher ungewöhnlich ist.

Das Ende fand ich ein wenig meh, weil überstürzt und eigenartig, denn ganz ehrlich: lohnt sich ein Leben auf der Festplatte, wenn man jederzeit nach Lust und Laune wieder runtergefahren werden kann? Wird Vincent noch den Cybersex revolutionieren, nachdem er mit der Maschine weit und breit der einzige Mensch ist? Oder gibt es eine Fortsetzung, in der Vincent sich selbst zur Maschine umoperiert? Egal, mir hat's gut gefallen, obwohl ich den Film ohne den Hauptdarsteller nie angeschaut hätte. Für Sci-Fi-Nerds und Blade Runner-Fans ist er aber definitiv eine Empfehlung wert!



Bewertung: 


Mittwoch, 13. Februar 2019

Review Jane Eyre (BBC, 2006)

Auf diesen grandios umgesetzten Klassiker von Charlotte Bronte bin ich durch den englischen Schauspieler und Maggie Smith-Spross Toby Stephens gekommen, der mir von einer amerikanischen Freundin durch die Serie "Black Sails" vorgestellt wurde. Die Serie selbst fand ich eher durchschnittlich, wäre da nicht der rothaarige und knurrige Captn. Flint mit seinem dunklen Geheimnis gewesen. Der irgendwie interessante Typ machte mich neugierig auf weitere Filme, und daher ließ "Jane Eyre" nicht lange auf sich warten.




Zum Inhalt brauche ich wenig zu sagen. Das Waisenkind Jane (Ruth Wilson), verstoßen von ihrer hartherzigen Tante, nimmt eine Stelle als Gouvernante in Thornfield Hall an, dem Anwesen des rastlos reisenden Edward Fairfax Rochester (Toby Stephens). Obwohl beide am Tag ihrer ersten Begegnung gegenseitige Seelenverwandtschaft feststellen, tut sich vor allem der eigenbrötlerische und ungehobelt wirkende Rochester schwer, seine Gefühle für ein einfaches und viel zu junges Ding einzugestehen. Außerdem gibt es da noch eine Last im Nordturm, die er nicht über Bord bzw. die Burgzinne werfen kann. Jane hingegen glaubt trotz aller ihrer zur damaligen Zeit erstaunlichen Emanzipation, dass der Herr nur mit ihr spielen will. Schließlich hat er offenbar vor, eine Dame seines Standes, die schöne Blanche Ingram, zu ehelichen. Aber es kommt alles ganz anders... und doch wie erwartet.

Meinung: Es gibt viele Verfilmungen von Jane Eyre, und gewiss auch gute. Ein Beispiel ist die Kino-Version von 2011 mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender, die an derselben Location gedreht wurde (Haddon Hall in Derbyshire). Für mich war die BBC-Version die schönste und farbenprächtigste. Das liegt vor allem an Toby Stephens, der mir als Nichtkenner des Buches zum ersten Mal gezeigt hat, dass ein Rochester nicht perfekt aussehen soll (und doch attraktiv ist), und dass er auch ziemlich barsch und unangenehm sein kann, ohne es zu beabsichtigen. Seine Unsicherheit überspielt er mit Zynismus, ironischem Selbsthass  und vorgetäuschter Gleichgültigkeit.





Anders als der stets mitleiderregend leidende Michael Fassbender in derselben Rolle (sorry, der Vergleich muss erlaubt sein) meistert Toby Stephens Rochesters Ambivalenz von hart zu zart mit souveräner Sprunghaftigkeit, und es gelingt ihm dabei sogar, einen Hauch Animalismus zu versprühen, der dem Womanizer Edward Rochester wohl von Charlotte Bronte auf den Leib geschrieben wurde. Dass er mehrere unerfüllte Affären auf den West Indies und in Paris hatte, bei denen er stets der Dumme war, wurde in der züchtigen späteren Kinoversion nur angedeutet.

Apropos züchtig: zwar ist der Mehrteiler bereits ab sechs Jahren freigegeben, doch teilweise geht es für das viktorianische England recht heftig zur Sache. Die Szene, in der Jane nach der geplatzten Hochzeit ins Schlafzimmer flüchtet und Rochester sie bekniet, als Bruder und Schwester am Mittelmeer zusammenzuleben, zeigt deutlich, dass er nicht unbedingt vorhat, seinen edelmütigen  Plan in die Tat umzusetzen. Die Szene mitsamt Beleuchtung, das eindringliche Gesäusel und das engumschlungene (unverheiratete!) Paar auf dem Bett ist an knisternder Erotik kaum zu überbieten... (O; Und trotzdem zeigt sie am deutlichsten, wie ernst es Rochester mit seinem Angebot ist. Für mich war sie die beste im ganzen Film.




Zwei kleine Kritikpunkte habe ich, die sich aber nicht auf mein wohlwollendes Gesamturteil auswirken: die ein wenig kitschige Schluss-Szene mit dem Familienporträt war wichtig für Jane, die als kleines Kind davon ausgeschlossen wurde, aber für meinen Geschmack doch etwas dick aufgetragen. Keine Ahnung, ob sie im Buch eine ebenso wichtige Rolle spielt. Dann wäre sie nämlich zu entschuldigen.

Der zweite Punkt ist gravierender, hat mich glücklicherweise jedoch nicht besonders tangiert, da ich den Film zuerst im Original geguckt habe. Die Synchronisation ist so grauenvoll und holprig, dass ich mich gefragt habe, wie man derart dreist aus dem "drawing room" einen Zeichensaal und aus dem deutschen "Handschuh" einen denglischen "handshoe" machen kann, und das waren die auffälligsten Schnitzer neben mehreren. Dazu gehört auch Rochesters onkelhafte deutsche Stimme, die viel zu alt und gesetzt klang im Vergleich zu Mr. Stephens sexy kehligem Organ. Wer englisch kann, sollte sich den Film unbedingt im Original anschauen!

Bewertung: begeisterte




Dienstag, 1. Januar 2019

Happy New Year (und neues Video)!

Allen meinen Lesern wünsche ich ein erfolgreiches, glückliches und gesundes 2019! 
Ich hoffe, ihr hattet ein tolles 2018 und blickt optimistisch in die Zukunft!


Alexas_Fotos / Pixabay


Mein persönliches Resümeé des vergangenen Jahres ist sehr positiv. Ich habe viele Überraschungen erlebt, die meisten davon schön und unverhofft. Besonders gefreut hat mich der Siegeszug meiner Häkelpüppchen. Als ich vor über drei Jahren damit anfing, hätte ich nie zu träumen gewagt, dass meine Kreationen mittlerweile in vielen Staaten der USA, England und Deutschland zuhause sind.

Ein total beglückendes Gefühl ist es, wenn ich auf sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook erfahre, wie viel Freude die kleinen Kerlchen und Kerlinnen ihren neuen Besitzern bereiten - sogar mit therapeutischer Wirkung. Und ich lerne mit jedem Püppchen neu dazu. Sei das über die Biografie der verlangten Minis oder handwerkliches Geschick. Eine meiner Kundinnen hat mir sogar Kurzwaren zu Weihnachten geschenkt - den ganzen weiten Weg über den Atlantik.

Waren die Püppchen am Anfang eher auf wesentliche Merkmale beschränkt, gehe ich jetzt gern mal ins Detail. Ein super Nebeneffekt ist die Tatsache, dass ich durch die entstehenden Amigurumis auch neue Serien kennenlerne, die mich begeistern, so wie vor kurzem "Versailles". Das fand ich schon sehr cool!





Aufträge nehme ich über meinen Etsy-Shop gerne entgegen (Link oben in der Navigationsleiste).



Samstag, 15. Dezember 2018

"Ausnahmsweise doppelgleisig" kostenloser Download

Für alle Kindle-Besitzer gibt es zum dritten Adventswochenende meinen humorvollen Schutzengelroman statt für € 2,99 zum Preis von € 0,00. Einfach unten auf den Link klicken. Die Aktion läuft bis zum Montag, den 17. Dezember. Ich freue mich über interessierte LeserInnen!

Inhalt und Leseprobe:

Die Ehe des erfolgreichen Unfallchirurgen Branko Schuster steht auf der Kippe; er und seine Frau Annika leben getrennt voneinander, da er jahrelang ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren Krankenschwester Carolin Cremer hatte.
Auf der Beerdigung seiner dreiundachtzigjährigen Mutter sieht er einen Mann bei Annika und der gemeinsamen Tochter Jana stehen, von dem er annimmt, es sei Annikas neuer Lebensgefährte. Doch der Fremde folgt ihm, stellt sich als Seraphin Engel vor und scheint ein wenig wunderlich zu sein. Er redet von einer Aufgabe, die mit Branko zu tun hat und lässt sich durch nichts vertreiben. Branko nimmt ihn vorläufig bei sich auf, weiht jedoch am nächsten Morgen seinen Vorgesetzten Dr. Wolf-Horvath ein, der die psychiatrische Abteilung leitet. Allerdings gibt es keinen Insassen dieses Namens, auch in der näheren Umgebung nicht. Branko nimmt den Fremden wieder mit nach Hause, der sich erstaunlich anhänglich und hilfsbereit zeigt. Er hilft Branko, seinen schwierigen Klinikalltag zu meistern und hat außergewöhnliche Fähigkeiten.
Bald erregt Brankos ständiger Begleiter allgemeine Aufmerksamkeit und stellt nicht nur dessen Leben völlig auf den Kopf… 




Auf der Heimfahrt beruhigte sich Branko; sein Aussetzer war ihm nun peinlich, und er war Seraphin dankbar, dass er so gelassen darauf reagiert hatte. Der saß verzückt neben ihm und beobachtete jeden Handgriff Brankos. Seine Begeisterung fürs Autofahren und das gleichzeitige Versäumnis, es je gelernt zu haben, bewogen Branko dazu, ihn zu einer Probefahrt aufzufordern.
„Was?“ Seraphin fiel aus allen Wolken, als Branko den Wagen rechts an den Straßenrand fuhr und anhielt. „Ich darf ans Steuer?“
„Natürlich! Ich bring’s dir bei, das hab’ ich doch versprochen. In der Stadt fahr’ ich wieder, aber hier herrscht ja so gut wie kein Verkehr. Vielleicht bist du mit Autos auch so ein Naturtalent wie mit Kindern. Wenn du einen Fehler machst, ist das auch nicht tragisch, ich sitz’ ja gleich nebendran und kann eingreifen.“
Sie wechselten die Sitze, und Branko stellte sich auf eine gemächliche Tour mit vielen Getriebevergewaltigungen und Motorabsaufungen ein. Der BMW war sowieso schon alt, er würde sich demnächst einen neuen kaufen. Er war es Seraphin schuldig, ihm seine Freundschaft zu beweisen. „Mit dem linken Pedal gibst Gas, das aber nur ganz vorsichtig antippen für den Anfang. In der Mitte liegt die Bremse, rechts kuppelst... wenn du einen anderen Gang einlegst, verstehst du? Also wenn du langsamer oder schneller fährst. Und wenn du den Zündschlüssel umdrehst, dann ganz vorsichtig mit Gefühl die Kupplung...“
Verdutzt unterbrach er sich. Seraphin wendete den Wagen, fuhr einmal im Kreis und spritzte dann mit hundert Sachen über die Landstraße. Trotz des Tempos fuhr er sicher und völlig unbefangen. „Wahnsinn“, schrie er und johlte vor Freude. „Das ist der Wahnsinn! Nicht so schnell wie früher, aber immerhin.“
„Du bist schon mal Auto gefahren“, argwöhnte Branko, der sich nicht sicher war, ob er in die Euphorie miteinstimmen sollte oder es mit Anfängerglück zu tun hatte.
„Nein!“ beteuerte Seraphin lachend. „Wirklich nicht! Aber es ist eine Mordgaudi! Lass uns das öfter machen!“
Schließlich entspannte sich Branko, der Bursche war tatsächlich ein Genie. So, wie er den Wagen steuerte, würde er sich sogar im Getümmel der Stadt durchbeißen, da hatte er überhaupt keine Zweifel. Es hatte fast den Anschein, als hauche Seraphins Fahrstil dem BMW neue Lebensgeister ein. So geschmeidig war er nicht mal als Neuwagen gelaufen, und Branko kannte sich aus mit Autos.
Dasselbe Vertrauen, als Seraphin die Beruhigungsspritze für den kleinen Buben erbeten hatte, erfüllte ihn. Grenzenloses Vertrauen, in das er sich werfen konnte ohne den rivalisierenden Geltungsdrang, es besser zu können.

Ein Schwertransporter, der Baumstämme geladen hatte, veranlasste Seraphin zu einer gedrosselten Geschwindigkeit. Branko ermahnte ihn eindrücklich, nicht zu überholen. Die Sicht nach vorne war schlecht und der Lieferwagen extrem lang.
„Ooch“, maulte Seraphin und trommelte mit den schlanken Fingern ungeduldig auf das Lenkrad. „Der versaut mir den ganzen Spaß.“ Mehrmals fingierte er ein Überholmanöver, drehte dann aber auf Brankos barschen Befehl wieder in die Mitte der einspurigen Straße.
„Warte bitte“, sagte er. „Vielleicht biegt er ja bei der nächsten Kreuzung ab.“
Plötzlich geschah etwas so unerwartetes, dass sich Branko später kaum daran erinnern konnte. Die Ladefläche des Lkw klappte auf, ein ungesicherter Baumstamm geriet über den anderen ins Rollen und bewegte sich zielstrebig auf sie zu. All das geschah so fix, dass das Auge nicht fähig war, das Gesehene an das Gehirn weiterzuleiten. Trotzdem empfand Branko besagten Sekundenbruchteil wie in Zeitlupe, er starrte entsetzt auf den widerspenstigen Baum, der sich ihrer Windschutzscheibe unaufhaltsam näherte und bildete sich ein, die Altersringe zählen zu können. Gleich würde es krachen und sie beide vor dem lieben Herrgott stehen.
Geistesgegenwärtig schlug Seraphin das Lenkrad ein und bretterte mit hoher Geschwindigkeit über die relativ steile Böschung. Vor Brankos Augen wirbelten Sterne, sein Magen verkrampfte sich und gab den Schweinsbraten wieder her, als das, was eigentlich der Schwerkraft gehorchend unten sein musste und affenartig schnell nach oben schwenkte. Der Wagen überschlug sich über einem Felsbrocken, dopste ein paar Mal über die unebene Erde und blieb dann stehen. Erst da gestattete Branko seinen Sinnen, zu entschwinden.
 

Samstag, 17. November 2018

"Versailles" Serie über den Sonnenkönig Louis XIV

Herumgeschlichen bin ich um "Versailles" ja schon früher - und ich meine nicht damals als Fünfzehnjährige während des Schüleraustausches in Frankreich. Die drei Staffeln umfassende Serie hat mich nach "Turn: Washington's Spies" irgendwie angeschrien, geguckt zu werden. Da ich aber weder besonders frankophil bin noch die Schauspieler kenne, bin ich standhaft geblieben.




Bis ich Ende Oktober den Auftrag erhielt, den Bruder des Königs gemeinsam mit seinem lebenslangen Liebhaber als Püppchen herzustellen. PNs gingen hin und her, und irgendwann schreibt mein Kunde (auch ein Turn-Fan): "You should watch the show. It's so good!"

Empfohlen bekommen, getan. Anfangs eher wenig begeistert, hatte ich mehr Mühe, die ungewohnten französischen Namen zu behalten als der etwas zähen Story zu folgen, die sich vor allem um Hofintrigen und einen zügellosen und geltungssüchtigen Sonnenkönig (George Blagden) in seinen ersten eigenmächtigen Regierungsjahren dreht, in denen er rebellisch sein Schloss außerhalb der Stadt Paris verlegt und seinen gesamten Hofstaat zwingt, mit ihm dort zu leben.






Und plötzlich, nach etwa der Hälfte der ersten Staffel, hat es geklickt. Ich kann nicht genau mal sagen, was es war, das mich zu einem so großen Fan der Serie gemacht hat, dass ich es kaum erwarten kann, bis die dritte und letzte Staffel auf blu-ray erscheint. Die bombastische Anfangssequenz, die tollen Perücken und die üppige Ausstattung sind es wohl nicht, obwohl es unbestreitbar dazugehört. Auch die Geschichte bietet (vorerst) keine Überraschungen oder besonders emotionalen Momente. Aber die Schauspieler sind fantastisch!


"O là là! Très chic! Zut alors! Allons-y!"
 
Nach kurzer Eingewöhnungszeit sind mir besonders das "odd couple" Phillippe und der Chevalier de Lorraine ans Herz gewachsen. Die zwei haben etwas Erfrischendes in ihrem Umgang miteinander, das ich so in einer Serie noch nicht gesehen habe, zumal auf albernes "Rumgetucke" komplett verzichtet wird. Ihre Beziehung erlebt Höhen und Tiefen, die sogar in Duellierversuchen ausartet. Trotz Philippes Homosexualität musste er nach höfischer Etikette nämlich verheiratet sein, was zuweilen sehr am vorgetäuschten Selbstbewusstsein des frivolen Chevaliers nagt. Überhaupt: die Figuren sind nicht immer das, was sie zunächst scheinen. Auch der von sich selbst überzeugte Louis zweifelt tief im Inneren und wird im Lauf der Zeit menschlicher, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Muss aber auch nicht sein. Das wäre vielleicht langweilig. Obwohl - (verkappte) Schurken und vor allem Giftmischer gibt es in Versailles mehr als genug. Und was die wahren Romanzen angeht, so werden sie unter den Höflingen nur dezent angedeutet (außer die von Monsieur und dem Chevalier) oder bleiben unerfüllt. Auch etwas, das ich als Schnulzenbanause sehr schätze. Umso bittersüßer sind dann die ernstgemeinten, die nicht sein dürfen.


"Gemach, Bruder! Nur noch 11 Tage bis zur dritten Staffel."

Gleich nach Turn avanciert "Versailles" zu meiner Lieblingsserie. Ein bisschen grenzwertig empfinde ich die dargestellte Gewalt bei Folterszenen, die von dem stoischen Polizeichef Fabien Marchal (meinem heimlichen Liebling) angewendet wird. Teilweise musste ich weggucken, während mich die traurigen Szenen tatsächlich häufig zu Tränen gerührt haben. Besonders kurios: als Henriette, Philippes erste Frau und Lieblingsmätresse des Königs, mit einer rätselhaften Vergiftung im Sterben liegt und offen ihre Angst vor dem Tod eingesteht, musste ich ein Taschentuch holen, obwohl sie eine der Figuren war, mit der ich die gesamte erste Staffel lang nicht warm wurde. Die Königin dagegen - ein Kind von Traurigkeit trotz heißblütiger spanischer Abstammung - hat irgendwie mein Mitgefühl. Sie ist die einzige, die sich dem dekadenten Treiben auf Versailles bisher hartnäckig verweigert und den Klerus in den abgeschiedenen Palast holt, und das, fürchte ich, wird noch schwerwiegende Konsequenzen haben.


"Ich hab' die Haare schön(er)."

Ich freue mich jedenfalls, die zweite Staffel zu Ende zu sehen und dann Ende des Monats mit der dritten und leider letzten anzufangen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass geplant abgeschlossene Serien qualitativ meist besser sind als solche, die man bis zur Ödnis ausschlachtet. Eine klare Empfehlung von mir!


Bildquelle: Amazon


Dienstag, 6. November 2018

Lesen nach Jahreszeit?

Eigentlich macht man das ja nicht, oder? Zumindest nicht im Strandurlaub oder wenn das Wetter schön ist, weil man dann vielleicht lieber anderen Freizeitaktivitäten nachgeht oder es dem Bücherwurm ganz einfach schnurz ist, was ihm an Lesefutter in die Hände fällt, solange die Geschichte stimmt und spannend ist.

Anders verhält es sich allerdings im Herbst / Winter. Häufig wird in entsprechenden Foren und Social Media-Gruppen dann nach den schönsten Weihnachts- und Winterromanen gefragt. Ich finde das irgendwie amüsant, da mir mit jedem Näherrücken von Weihnachten vermehrt auffällt, wie sehr sich die LeserInnen nach duftenden Plätzchen, Mandelkern und heimeliger Stimmung sehnen, und sei es nur in Buchtiteln.

Was sind eure Erfahrungen und Vorlieben in Sachen "Jahreszeiten-Lesen", wenn es sie denn gibt? Und habt ihr Beispiele für einen absoluten "Jahreszeiten-Roman"? Vielleicht auch einer, der euch total an einen coolen Frühling, einen heißen Sommer oder einen rotgelben Herbst erinnert? Ich freue mich über Antworten. Schreibt mir in den Kommentarbereich oder auf meiner Fanseite bei Facebook (Link unten anklicken).


Freitag, 12. Oktober 2018

"Fairlight" Testexemplar zu gewinnen!

Jüngste Aufräumarbeiten haben sie an den Tag gebracht: frühe Korrekturausgaben meiner Romane oder solche, bei denen nachträglich das Cover geändert wurde, weil ich das vorige nicht ganz passend fand. Ein solches Exemplar ist "Fairlight", die Geschichte einer dekadenten Landadelsfamilie in Mittelengland zu Beginn des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt, vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.


*Klick*


Bis auf ein paar kleine Mängel bezüglich der Orthografie und wenige Szenen, die "zu viel des Guten" waren, unterscheidet sich der Inhalt nicht wesentlich von der Endfassung, auf der nun ein Gemälde des Landschaftsmalers John Constable zu sehen ist, das mir sehr viel besser gefällt.

Daher verlose ich die auf den Fotos abgebildete Ausgabe bis zum 22. Oktober an alle, die Interesse haben an einer  düsteren, geheimnisvollen und auch psychologischen Geschichte über vier Brüder, die nicht immer das sind, was sie zu sein scheinen... eine Karte mit den original Flower Fairies von Mary C. Barker lege ich bei. Das Buch selbst ist in gutem Zustand. Es hat keine Altersempfehlung, doch da es einige recht delikate Themen und auch Erotikszenen beinhaltet, würde ich es nicht als Jugend- oder Feelgoodbuch bezeichnen.


*Klick* um den Klappentext zu lesen


Wer am Gewinnspiel teilnehmen möchte, schreibt bitte in den Kommentarbereich unter dem Beitrag. Ein knackiges "Bin dabei!" oder *indenLostopfhüpf* genügt schon. Schön wäre eine Begründung, warum ihr "Fairlight" lesen wollt; sie ist aber kein Muss. Der Gewinner wird über E-mail benachrichtigt.

Wichtig: Ich versende deutschlandweit, nicht ins Ausland. Eure E-mail-Adresse wird nur zum Zweck des Gewinnspiels gespeichert und geht nicht an Dritte.

Jedem Teilnehmer wünsche ich viel Glück! 🍀🍀🍀



Mittwoch, 3. Oktober 2018

Leseprobe "Ein Spiel zu viel"

Seit Raphael Blake, ehemaliger Inspector bei Scotland Yard, zwei geheimnisvolle junge Männer in sein Haus eingeladen hat, ist es vorbei mit dem beschaulichen Landleben.


Pixabay, PublicDomainPictures

Leseprobe: 


Im Allgemeinen schlief Orest nach dem Genuss eines medizinischen Cocktails traumlos und lange. Es verwunderte ihn daher nicht, gegen Mittag eine hastig gekritzelte Nachricht von Irving auf dem Tisch vorzufinden, in der er ihm mitteilte, dass sie zum See gefahren seien auf der Suche nach Abkühlung. Wenn er Lust hätte, könne er nachkommen, aber ihm persönlich wäre es lieber, er würde bei Mr. Blake ‚nach dem Rechten schauen. ‘
Nach einem erfrischenden Bad lechzte er förmlich und fühlte nichtsdestoweniger eine unerklärbare Angst in sich aufsteigen, als er den gestrigen Tag Revue passieren ließ. Zuerst Galens Anfall und die sonderbare Art, wie er Mr. Blake abgefertigt hatte, dann Irving mit seinen Vermutungen... er wäre nicht in der Lage, ihnen heute so früh zu begegnen, vor allem nicht Irvings fragender Miene.
Auf Mr. Blake dagegen freute er sich; er konnte selbst nicht begreifen, weshalb. Flugs stieg er in seine Beinkleider, knöpfte das Hemd zu, das er Mr. Blake schuldete und verließ das Wirtshaus ohne Frühstück. Mrs. Langrish rief ihn energisch zurück, sie hatte ihm auf Irvings Geheiß ein Lunchpaket geschnürt. Orest bedankte sich pflichtbewusst, um sich anschließend ohne weitere Verzögerung auf das Fahrrad zu schwingen, das vor dem Haus noch so verdreht dalag, wie Galen es verlassen hatte. Mit fremden Gütern ging er nicht besonders sorgfältig um, dann aber auch nicht mit seinen eigenen Sachen, was der Grund dafür war, dass er nicht viel mehr sein eigen nannte als die Fetzen auf seinem Leib. Reichtum verdirbt den Charakter, zitierte er oft, wenn man ihn darauf ansprach.

Bevor er auf dem Gehöft eintraf, ahnte er, dass etwas geschehen war, das die Bürger und Nachbarn in Unruhe versetzte; Bauern und einfache Bürger rotteten sich auf der Straße zusammen und vertieften sich in hitzige Debatten. Mehrmals schnappte er den Namen Raphael Blake auf, war jedoch zu schüchtern, sich durch die Gruppe zu winden und der Sache auf den Grund zu gehen. Die vage Befürchtung, ihm könne etwas geschehen sein, löste Panik in ihm aus, und so radelte er halsbrecherisch weiter.
Er lehnte das Rad an die Hauswand und erklomm die Stufen. Vor der Haustür prallte er zurück: Rotbraune Markungen strotzten wie Artefakte auf dem alten Holz, auch der Türgriff war voll klebriger Farbe. Einen Moment überfiel ihn die Reminiszenz an den Auszug aus Ägypten und das Pessachfest, das anlässlich der Verschonung der israelitischen Sklaven gefeiert wurde. Um zu unterscheiden zwischen ihnen und den Tyrannen, hatte Gott die Haustüren seines Volkes mit Blut gekennzeichnet, nur schien es in diesem Fall auf perverse Weise umgekehrt.
Der gepflasterte Hinterhof war gesäubert worden, aber wenn man genau hinsah, konnte man rote Farbe in den Ritzen zwischen den Steinen erkennen. Der Besitzer war nirgends zu sehen. Überhaupt schien das Anwesen wie ausgestorben; kein Blöken, Gackern oder Wiehern begrüßte ihn, die Stille tat beinahe weh.
All seine Sinne geschärft, wagte er es eigenartigerweise nicht, Mr. Blake zu rufen. Während er den Zaun passierte stutzte er abermals. Das bis zur trockenen Erde abgeäste Gras war ebenfalls mit Farbe beschmiert; Schwärme von Mücken fielen darüber her. Da erst dämmerte ihm, dass es sich nicht um Farbe, sondern um eine biologische Flüssigkeit handelte, die auf dem gesamten Grundstück in Spuren verteilt war. Bestürzt drückte er die Hand auf den Mund, sein anderer Arm ruderte, als er einer Ohnmacht nahe das Gleichgewicht zu verlieren drohte. Sie hatten Mr. Blake etwas angetan! Wie hatte er nur so leichtgläubig Irvings Trank akzeptieren können. Mit Logik war ihr Plan rasch zu durchschauen, doch bar jeglicher Beweise würden sie davonkommen: Heimlich hatten sie sich in den Morgenstunden aufgemacht und ihn zu Tode gefoltert, danach spülten sie die Indizien mit dem brackigen Wasser eines Badesees fort. Aufgrund der Hitzewelle schöpfte keiner Verdacht, der sie planschen sah. Aber warum hatten sie Galen mitgenommen? Hatte Irving ihn letztendlich doch eingeweiht, weil er ihm am Tag zuvor eventuell ein Geständnis abgepresst hatte, wo er und Orest gewesen waren? Galen war bei seinen Freunden als äußerst skrupellos bekannt, an Ausdauer und Kampftaktik Irving weit überlegen. Anders als dieser bezeichnete er sich nicht als Gentlemankämpfer, der weder kratzte noch biss und die Regeln einer Prügelei respektierte. Wenn Galen rang, dann mit dem gesamten Körpereinsatz; der Gegner, der sich zuvor über seine Schmächtigkeit mokiert hatte, besaß von vorneherein nicht den Hauch einer Chance, unabhängig von seiner Konstitution.
Aus dem Stall näherte sich eine Gestalt, die er aus den Augenwinkeln nur als Schatten registrierte. Instinktiv begann er Luft zu holen, um einen Schrei auszustoßen, als die Silhouette hinter ihn trat, welche ihm grob den Mund verschloss und ihm den Arm um die Mitte legend ein Stück vom Boden hievte.
„Schschscht... nicht schreien, mein Junge.“ Das sonore, leicht nuschelnde Organ war nicht Irvings und auch nicht Mr. Blakes, er verrenkte die Augäpfel und erhaschte einen enormen Nasenrücken wie einen Erker in einem schwammigen Gesicht hervorspringen. Sobald der Reverend Orests erlahmenden Widerstand registrierte, ließ er ihn herunter. Aufgeregt kippte Orests Stimme über, als er zu sprechen begann.
„Mr. de Vere... Reverend. Was ist passiert? Wo ist Mr. Blake?“
De Vere schüttelte den Kopf. „Beim Abdecker, ein paar Lämmer entsorgen.“
Ein Stein fiel Orest vom Herzen. Er lebte, und er hatte Schafe geschlachtet. Das Natürlichste der Welt für einen Farmer. Eimer und Putzlumpen aufnehmend beachtete de Vere ihn nicht weiter und machte Anstalten, den Hausaufgang zu reinigen. Orest stiefelte hinterher, obwohl der Mann nicht harmloser wirkte als bei ihrer ersten Begegnung.
„Wann wird er wiederkommen?“
„Bald. Er ist seit fünf Uhr auf den Beinen. Der arme Mann. Als hätte er es nicht schon schwer genug... heute Nacht hat irgendein Verrückter einige der Lämmer abgeschlachtet und ein wahres Blutbad angerichtet. Überall hat er es hingeschmiert, wie in einem grässlichen Hexenritus. Unter den Kadavern waren auch Tiere, die ihm anvertraut wurden. Das ist das Schlimmste an der Sache.“ Während er das sagte, verschmälerte er die Augen in einer Weise, die Orest glauben ließ, er verdächtige ihn dieser Aktion. Ganz falsch lag er damit wohl nicht; er war sich fast hundertprozentig sicher, dass Irving dahintersteckte. Indigniert wich er einen Schritt zurück; de Vere schrubbte die Klinke und hatte ihn zu diesem Zweck grob geschubst. Da er ihn jetzt nicht ansah, tastete sich Orest weiter vor.
„Wird die Polizei davon erfahren?“
„Wenn es nach mir ginge, schon. Mr. Blake will jedoch keinen unnötigen Wirbel veranstalten; er meint, wenn es bei einem einmaligen Ereignis bliebe, würde er davon absehen. Er ist viel zu milde, wenn Sie mich fragen. Dieses Pack rechnet doch mit seiner Untätigkeit.“
In diesem Augenblick bog Mr. Blake um die Hausecke, er sah müde und verzweifelt aus. Orest wandte sich um, plötzlich zappelig vor Angst. Nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt bohrte Blake die Hand in seine Schulter, seine Finger brannten wie glühendes Eisen und dirigierten ihn in Richtung der Straße.
„Ich will Sie nie mehr auf meinem Grundstück sehen.“
„Warum?“ quiekte Orest, er erkannte seine eigene Stimme nicht wieder. Blake nickte de Vere zu. „Ich weiß nicht, wovon Sie reden...“
„Sie können gehen, Reverend. Ich muss ein Wörtchen mit meinem neuen Freund reden.“
Devot deutete der Geistliche einen Diener an und verschwand von der Bildfläche. Auch ihm schien Blake Respekt einzuflößen. Steif und merkwürdig kleinlaut wie ein armes Sünderlein stand Orest vor Mr. Blake. Etwas verständnisvoller als eben bat dieser ihn ins Haus.
Drinnen goss er ihm eine Tasse schwarzen Kaffees ein, der auf dem Herd vor sich hingeköchelt hatte und bereits einen angebrannten Nachgeschmack nachwies, aber Orest war dankbar für eine Tasse des starken Gebräus.
„Sicher hat Ihnen de Vere mitgeteilt, was geschehen ist. Ich habe hier keine Feinde, darum glaube ich, dass der Täter jemand von außerhalb sein muss. Ich wollte Sie nicht belasten, aber es ist schwer zu begreifen, weshalb jemand so etwas Sinnloses und Barbarisches tut. Ich weiß nicht, aus welchem Grund... wissen Sie, zuerst glaubte ich, es sei etwas Persönliches, doch ich bin mit keinem der Nachbarn zerstritten. Im Gegenteil, sie sind alle sehr hilfsbereit. Und selbst wenn ich Ärger hätte, gäbe es andere, vernünftige Maßnahmen, ihn aus der Welt zu räumen. Folglich muss ein Irrer sein Unwesen treiben. Das könnte für die umliegenden Gehöfte böse Konsequenzen haben.“
Orest zog einen Stuhl hinter sich, ohne Mr. Blake aus den Augen zu lassen. Trotz seines miserablen Gefühls bezüglich Irvings gedachte er sich zu vergewissern, dass Mr. Blake nicht ihn für den Täter hielt. Es war ihm auf einmal wichtig, das zu beweisen
„Was ist mit Ihrem Hund? Hat er gar nichts bemerkt?“
Zeichen innerer Abgekämpftheit spiegelten sich in Blakes Grimasse, und er massierte seine Nasenwurzel. Orest bewunderte seine Ruhe.
„Meist lasse ich ihn oben auf den Moorweiden, wo er dringender gebraucht wird. Hier sind die Tiere eigentlich in Sicherheit. Wir sind mitten im Dorf; normalerweise kein Ort, an dem Verbrecher ungehindert operieren können. Der Täter muss etwas vom Schlachten verstehen und die Tiere sofort getötet haben; ich habe keinen Laut gehört. Er hat ihnen professionell die Kehlen durchtrennt und sie ausbluten lassen.“
Orest zog unbehaglich die Schultern zusammen, er fühlte sich schuldig. Eines war klar: Irving machte reinen Tisch, wie es seine Gewohnheit war. Schächten konnte er, darin hatte er es als Metzgergeselle zum Meister gebracht wie auf jedem Gebiet. Die Anekdoten, die er ihm zu Dutzenden im Detail erzählt hatte, wenn er abends nach Hause kam, hatten Übelkeit und Appetitlosigkeit in dem kleinen Bruder hervorgerufen, was Irving in seinem Eifer, den Meister an Geschick zu übertreffen, ganz und gar nicht verstehen konnte. Falls es gekonnt ausgeführt wurde, litten die Tiere entgegen der weitläufig verbreiteten Ansicht nicht, sondern waren sofort tot. Was daran abstieß, war einzig das Blut, das aus religiösen Gründen abzufließen hatte. Als der Meister erfuhr, dass sich sein Stift im Schächten übte, feuerte er ihn fristlos.
„Kann ich Ihnen irgendwie helfen? Wir wollten den Zaun streichen. Galen kommt nicht, aber ich kann es auch alleine tun.“
„Das ist nett, aber nicht nötig. Ich werde mir Zeit lassen und nachdenken. Es ist nicht so einfach, jetzt zur Tagesordnung überzugehen. Wo ist Ihr Freund?“
„Ihm geht es heute nicht gut“, log er, aber dann wiederum wusste er ja nicht, ob es nicht doch stimmte; schließlich hatte er heute noch keine Gelegenheit gehabt, sich nach Galens Wohl zu erkundigen.
„Schade.“ Echtes Bedauern lag in diesem Wort. „Bestellen Sie ihm Grüße.“



Sonntag, 19. August 2018

"Arthurs letzter Schwur" (Band 3 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Geschafft! Innerhalb von zwei Wochen habe ich den dritten und letzten Teil der Saga gelesen und muss sagen, dass ich im Nachhinein über mich selbst erstaunt bin, denn normalerweise hätte ich Bücher mit derart hohem Ekelfaktor schon lange vorher abgebrochen. Da mich aber keiner gewarnt hat und ich Artus / Arthur als Figur einfach nur toll finde, wollte ich wissen, wie es denn endet in Cornwells "realistischer Fassung" der Legende.




Inhalt: Der Auftakt zwingt den Leser förmlich, dranzubleiben: auf den ersten Seiten knüpft Band 3 nahtlos an den zweiten an, der mit einem Cliffhanger endet. Merlin und seine Komplizin und Gefährtin Nimue haben Arthurs Sohn Gwydre gekidnappt, um ihn bei einem großen Fest als Versöhnungsgabe den Göttern zu opfern. Die sollen dadurch in die Geschicke Britanniens eingreifen und das Land vom Christentum befreien. In letzter Sekunde vereitelt Arthur den perfiden Plan, doch der gutgläubige und unschuldige Gawain findet ein schreckliches Ende, das nicht einmal eines der Kleinodien wiedergutmachen kann: der Kessel, dem Gawain geopfert wird, kann diesen wider Erwarten nicht zum Leben erwecken, und Gwydre - das wertvollere Opfer als Sohn eines Herrschers - ist gerettet. Nimue ist stinkig. Merlin irgendwie auch, obwohl er fast so etwas wie Reue empfindet, als Arthur ihn zornig zur Rede stellt.

Nach dieser recht vielversprechenden Szene geht es weiter wie gehabt: Bedrohungen durch die Sachsen, Streitereien zwischen Königreichen. Arthur ist des Kämpfens müde und träumt vom einfachen Landleben und einer Karriere als Hufschmied. Solides Handwerk will er ausüben statt Kriegskunst, auch wenn die inzwischen zu ihm zurückgekehrte Guinevere sich und Arthur zu Höherem berufen fühlt. Trotzdem raufen sich die beiden wieder zusammen, Guinevere schwört ihrer Sekte ab und steht im Kampf an der Seite von Erzähler Derfel als Bogenschützin ihren Mann. Natürlich wird auch reichlich herumorakelt durch neu eingeführte Charaktere wie den hellsichtigen Barden Taliesin, gezaubert, und vor allem wieder Rache geübt. Nicht nur das Ende von Gawain hat mich schockiert, der sogar noch als abschreckende Leiche von Merlin in eine Schlacht geführt wird, sondern auch das von Lancelot. Vielleicht mag ihn Cornwell nicht, weil er in der Sage so gnadenlos perfekt ist, doch das ist kein Grund, einen echten Loser aus ihm zu machen, der machtgeil, verräterisch und skrupellos seine Ziele verfolgt. Apropos skrupellos: Mordred, der rechtmäßige König, für den Arthur seinen letzten Schwur halten möchte und am Ende doch versagt, war mir irgendwie viel zu nebulös und nicht wirklich präsent. Zwar wurde er nach allen Mitteln der Kunst als widerlich dargestellt, aber das half mir nicht über die etwas lächerliche Vorstellung von Peter Ustinov als Nero in "Quo Vadis?" hinweg - und das entspricht überhaupt nicht meinem Bild eines raffinierten und zielstrebigen Mordred.

Im vierten Teil des Buches geht dann alles Schlag auf Schlag, durchsetzt von immer wiederkehrendem Schlachtengetümmel und Gemetzeln an diversen Hauptcharakteren. Teilweise war es mir zu viel, und dann - als das Ende des Helden naht - wurde ich von der Sang- und Klanglosigkeit, mit der er verschwindet, irgendwie enttäuscht. Nach einer letzten Bitte an Derfel, sein magisches Schwert Excalibur im Meer versinken zu lassen, hinter dem Merlin und Nimue als eine der Göttergaben her waren, verschwindet der ungekrönte König Britanniens auf Nimmerwiedersehen. Wie in der märchenhaften Sage. Keine Überraschungen hier. Allerdings muss ich zugeben, dass mir schon ein bisschen das Herz geblutet hat, als Arthur schwer verwundet zu Boden geht.


Bild: https://pagewizz.com/cornwall-da-sollte-man-hin-38052/
Quelle: Adele Sansone



Meinung: Trotz aller Kritik haben mich Cornwells Arthur-Chroniken einigermaßen gut unterhalten. Das liegt vor allem an der Figur des Arthur, der Cornwell aus den Überlieferungen treu geblieben ist: freundlich, aufmerksam, charismatisch und dennoch ein rücksichtsloser Gegner für potientielle Eroberer seines Landes, träumt er von einer besseren Welt und scheitert doch an den hochgesteckten Idealen, die von seinen Mitmenschen nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen werden - etwas, das der Herrscher wider Willen überhaupt nicht verstehen kann. Er war es, der mich durch die Chroniken getragen hat.

Andere historische Romane des Autors werde ich nicht wieder zur Hand nehmen. Dazu ergeht sich Cornwell zu oft in Weitschweifigkeit, heroischem, kriegerischem  Imponiergehabe und Wiederholungen von Personenbeschreibungen, die er scheinbar bei der Länge des Werks vergessen hat. Wie oft mir Tewdric, der zum Christentum konvertierte König a.D. über den Weg lief und nackte, wild zuckende Druiden mit dungverklebten Haaren auf abgetrennte Köpfe gepisst haben, kann ich nicht zählen. Es gab einige Stellen, die mich tatsächlich berührt haben und von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Dazu gehören Szenen zwischen Derfel und seiner Frau Ceiwyn, die in diesem Band ziemlich harte Schicksalschläge erleben.

Fazit: Ich bevorzuge den märchenhaft-fantastischen Artus von Gillian Bradshaw. Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es einen Herrscher wie ihn wirklich gegeben hat, kommt es mir sinnvoller vor, ihn im Reich der Mythen und Märchen zu wissen, in dem er schlummert bis zum heutigen Tag.

Bewertung:




Sonntag, 5. August 2018

"Der Schattenfürst" (Band 2 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Obwohl mich der erste Band nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat, wollte ich dem zweiten Teil noch eine Chance geben. Irgendwie mag ich die Art, wie Cornwell den edlen und vernünftigen Arthur porträtiert (kann man einen so großartigen Kerl überhaupt unsympathisch schreiben?), und tatsächlich kam mir auch der unfreiwillige Sachse und Erzähler Derfel im "Schattenfürst" ein wenig näher; wahrscheinlich, weil man einiges über sein Familienleben und seine Herkunft erfährt. Ich hatte den Eindruck, er war ein bisschen weicher und nicht mehr gar so kriegerisch. Immerhin brechen im zweiten Teil die Tage von Camelot an, was bedeutet, dass es lange Zeit Frieden gab im Land.




Inhaltlich ist mir "Der Schattenfürst" in der Rückschau trotzdem weniger präsent als "Der Winterkönig." Der Titel spielt auf Merlin an, der mir zuwider ist in seiner gewollt coolen Art, und dessen überhebliche Abgeklärtheit im starken Widerspruch dazu steht, dass er die dreizehn Kleinodien Britanniens vereinen möchte, um die alten Götter zu rufen, damit sie die Unordnung beseitigen, die das Christentum ins Land gebracht hat. Ihm zur Seite steht die hysterische Nimue, die zwar nicht immer Merlins Meinung ist, darum aber nicht weniger fanatisch. Wirklich berührt hat mich das Schicksal von Tristan und Isolde (ich wollte schon immer wissen, welchen Platz die beiden in der Artus-Sage einnehmen. Cornwell ist diese Interpretation gut gelungen, finde ich), und - wie bereits erwähnt - auch der Werdegang von Derfel, der unter seiner harten Schale doch ein ganz Netter ist und seiner Ceiwyn treu ergeben, mit der er in einfachen Verhältnissen lebt und drei Töchter hat.

Gestört hat mich die Geringschätzigkeit, fast schon Verachtung, mit der Cornwell über das Christentum schreibt. Ja, er legt diese Dialoge seinen Protagonisten in den Mund und will wohl unparteiisch bleiben, doch irgendwie blitzt immer wieder durch, dass heidnische Rituale einer Religion vorzuziehen seien. So jedenfalls habe ich es verstanden. Ich möchte nicht sagen, dass Religionen gut sind, denn sie führen immer wieder zu Kriegen und Missverständnissen. Und dennoch hätte ich mir weniger religiöse Voreingenommenheit im "Schattenfürst" gewünscht. Der einzige, der mir diesen Wunsch erfüllt hat, war Arthur, der sich auf seinen Verstand und sein Urteilsvermögen verlässt. Mir gefällt, dass er an das Gute glaubt und weder Heiden noch Christen verdammt. Leider war er zum Schluss dann doch der Dumme, denn seine Frau - immer noch glühende Isis-Anhängerin - entpuppt sich als untreu, sowohl was Arthurs Privatleben als auch seinen Herrscherstatus angeht. Sie stellt ihre Sekte über die Solidarität zu ihrem Mann, der von Nimue (Merlins Gefährtin) als Narr bezeichnet wird, weil er in politischen Belangen nie auf Guinevere gehört und sich demnach die Suppe selbst eingebrockt hat.


KatyaDag / Pixabay

Prompt wird das kluge promiskure Weib an einen "christlichen Ort" verbannt und als Hure Babylons verunglimpft, die noch froh sein kann, dass sie nicht auf dem Scheiterhaufen endet. Überhaupt, die Gewalt wieder... für mich oft einfach zu plakativ. Natürlich sind einem Verbrecher, und vor allem Kindsmörder nicht sympathisch und müssen bestraft werden, doch auf die grausigen Details, die Cornwell seinen Derfel fast genüsslich schildern lässt, hätte ich hin und wieder gern verzichtet.

Aber ich muss zugeben, dass mich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten besser unterhalten hat als "Der Winterkönig." Daher werde ich demnächst den letzten Teil in Angriff nehmen.

Bewertung:
     und ein halber




Freitag, 13. Juli 2018

Artussagen ~ Waldtraut Lewin

Dieses Buch habe ich während meines diesjährigen Münchenaufenthalts gekauft, da es mir zufällig in der Jugendbuchabteilung vom Hugendubel in die Hände fiel. Aufmerksam wurde ich darauf schon vorher, allein deshalb, weil ich gerade sehr von den Tafelrundenrittern um den charismatischen Artus Pendragon fasziniert bin. Folglich blieb mir gar nichts anderes übrig, als es zu schnappen und zur Kasse zu gehen.



Obwohl es eindeutig für jüngere Leser gedacht ist, hat mir der Crashkurs in Sachen Artus gut gefallen. Waldtraut Lewin bezieht sich in ihren Erzählungen auf die gebräuchlichsten Varianten der Abenteuer und Familientragödien von Edelmännern und Burgfräuleins. Der mehr sachliche und kurz gehaltene Stil hat mich anfangs etwas irritiert, doch nach all den anderen Romanen, die ich zum Thema gelesen habe und immer noch lese, trug er dazu bei, die Geschichte in Gänze zu verstehen, die sich im Lauf der Jahrhunderte mehrfach - je nach Gutdünken und Phantasie des Autors - gewandelt hat. Und das ist auf knapp 350 Seiten große Kunst.

Lewins Erzählung gliedert sich in Artus' skrupelloser Zeugung durch Uther Pendragon und Morgaine, seinem Verhältnis zu seinem "Milchbruder" Kay, der Erziehung durch den Zauberer Merlin und seiner verantwortungsvollen Jugend, in der er nicht immer der besonnene Herrscher und König ist, der er später sein wird. Da traten für mich tatsächlich noch einige Überraschungen zutage, zum Beispiel die, wie er an das legendäre Excalibur gelangt und es in jugendlichem Leichtsinn wieder verliert, um mit einem neuen Schwert seinen Ruhm anzutreten. Auch seine Halbschwestern Morgause und Morgan finden ihren Platz und werden geschickt in die doch recht komplexen Familienverhältnisse eingewoben. Als Artus fünfzehn ist, erfüllen sich Merlins düstere Prophezeiungen, denn er schläft mit Morgause, die ihn mit ihrem Zauberbann belegt (oder es zumindest vorhat) - eine Blutschande, die sich sechsundzwanzig Jahre später bitter rächen wird. Überhaupt der Sex - der war erstaunlicherweise recht unverblümt für ein Jugendbuch. Vielleicht bin ich da aber auch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Recht lustig und fast grotesk sind im Mittelteil die Abenteuer (Aventurien) meines Lieblings Gawain und Lancelot. Ich dachte bisher immer, "Die Ritter der Kokosnuss" sei ein typischer Monty Python-Streich, aber scheinbar geht es in den britischen Sagen wirklich so absurd zu. Ersterer muss nämlich gegen ein angriffslustiges Bett und einen Löwen kämpfen, um vierhundert Jungfrauen zu befreien, und der schöne und unbesiegbare Lancelot landet versehentlich sogar mit einem Mann im Schlafgemach. Seine wahre Liebe gilt allerdings natürlich Guinevere, Artus' bildhübscher Gattin. Auch diese Tatsache trägt zum Untergang von der Vision Artus' eines vereinigten Britanniens bei, denn sein Sohn Mordred wiegelt das getreue Volk gegen die Menage à trois auf, die ein offenes Geheimnis ist. Bald kann Artus nicht mehr die Augen davor verschließen und muss handeln - leider zu spät. Doch im Gegensatz zu Mordred, Gawain, Lancelot (der sein eigenes Grab sehen wird - eine zweifelhafte Ehre!) und Guinevere bleibt er nach dem Chaos im Land unauffindbar und damit unsterblich.

Prawny / Pixabay

Fazit: Ein gelungener Roman für groß und klein über einen sympathischen Herrscher und seine Gefolgsleute, der das frühe Mittelalter jugendgerecht und doch erfrischend universell aufbereitet. Gut auch, dass ich endlich weiß, was die Suche nach dem Heiligen Gral bedeutet und warum sie von Lancelot und Artus, einem doch recht pragmatisch denkenden Mann, dennoch ins Leben gerufen wurde. Ein bisschen schade fand ich, dass Artus letztlich an sich zweifelt und sich als Versager fühlt, weil er den Erwartungen, besonders seinen eigenen, nicht gerecht wurde und auch viele Fehler begangen hat, die er sich nicht verzeiht. Allerdings gibt es in der Legende nun mal kein Happy End, auch wenn Waldtraut Lewin nicht selten einen humorvollen Ton anschlägt.

Ein Muss für jeden, der die Artus-Sage knackig und trotzdem lückenlos serviert bekommen möchte. Und das Cover ist klasse, dafür gibt's noch einen Bonus-Stern!

Bewertung:


Montag, 11. Juni 2018

"Der Winterkönig" (Band 1 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Wenn es um (prä-)historische Stoffe in Romanen geht, ist Bernard Cornwell scheinbar eine heiße Adresse. Klar, dass seine Artus-Chronik daher nicht von mir verschont bleibt. Allerdings habe ich festgestellt, dass mir die präzise fingiert-recherchierte und etwas nüchterne Schreibweise nicht so wirklich gefällt. Auf über 660 Seiten erzählt Cornwell den Anfang des sagenumwobenen Arthur Pendragon so ausführlich, dass man - zum Querlesen und gelegentlichen Gähnausbrüchen verführt - einen Haufen unnützer Dinge im Kopf behalten muss, von denen man sich nach zweihundert Seiten fragt, ob man sie irgendwie überlesen oder vergessen hat.




Der Inhalt kann auf ein paar Sätze heruntergebrochen werden: Mordred, verkrüppelter Enkelsohn des Uther Pendragon, soll in einem zerrütteten Britannien der Nachfolger des Großkönigs werden. Zum Protektor des Kindkönigs wird Arthur bestimmt (der erst im zweiten von vier Teilen des Romans auftaucht), doch er soll erst Ceiwyn heiraten, um den Frieden zwischen zwei Königreichen zu festigen. Auf der Verlobungsfeier begegnet ihm Guinevere, in die Arthur sich unsterblich verliebt, sie heimlich zur Frau nimmt und damit den Untergang des Landes besiegelt. Eine Menge Schlachten und blutige, primitive Rituale finden zwischen diesen beiden Ereignissen statt.

Meinung: Ist nicht sehr hoch, was, wie ich anfangs schon sagte, an der trockenen Art liegt, mit der Cornwell bzw. sein Ich-Erzähler Derfel berichtet, der Lancelot einen eitlen Geck nennt und sich für etwas besonderes hält, weil er ein guter Krieger ist, was hunderte Seiten lang zelebriert wird. Die Frauen sind entweder bildschöne, toughe, rachsüchtige Zauberinnen oder bildschöne Mäuschen, in die sich Derfel verliebt, ohne näher darauf einzugehen bis auf einen roten Kopf, den er bekommt, als er seine Angebetete zu forsch anbetet (was aber - ich gestehe es - irgendwie sympathisch war). Wahrscheinlich ist ihm die Liebe nicht kriegerisch genug.

girochantal / Pixabay

Obwohl seine Begegnungen mit Arthur durchaus ihren Reiz haben und der junge Arthur immerhin unkonventionell bartlos ist, lässt Cornwell letzteren in keinem guten Licht dastehen: er ist zwar charismatisch, hat ein Gewissen und macht seine Feinde am liebsten zu Freunden (tolle Eigenschaften, eigentlich!), doch zugleich wirkt er dadurch leichtgläubig und schwach. Obendrein ist er blind vor Liebe zu Guinevere, und ein guter Herrscher sollte neben dem Wunsch nach Frieden auch eine gute Menschenkenntnis haben, meine ich. Denn Guinevere, das raffinierte Luder, betrügt ihn von Anfang an mit diversen Edlingen und Königen und huldigt der Sekte der Isis - etwas, das ich als klassischer Artus-Fan nicht gutheißen konnte. Auch den ollen Merlin mochte ich nicht, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen hat, die alten vertriebenen Götter wieder nach Britannien holen möchte und sich dafür Arthurs Fähigkeit bedient, Menschen zu führen. Also fungiert Arthur wieder nur als Marionette und eines Helden unwürdig.

Die detaillierten Beschreibungen der frühen Jahrhunderte, in denen Menschen- und halbverwesteTieropfer zur Tagesordnung gehören und man das völlig normal fand, waren mir zu viel des Guten, genauso wie die Gemetzel auf gefühlt jeder fünften bis zwanzigsten Seite. Vielleicht kann Cornwell damit Historiker und ein überwiegend männliches Publikum begeistern; ich fand es zäh, ekelhaft und langweilig, ständig über die gleichen brutalen Dinge zu stolpern. Merkwürdigerweise hatte ich das Buch jedoch innerhalb recht kurzer Zeit durch, so dass es sooo schlecht nicht gewesen sein kann. Ob ich die Folgebände noch lese, lasse ich daher offen und vergebe großzügig