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Sonntag, 14. August 2022

Eine Biografie von Francis und Eugene "Florey" Fairlight aus meinem Roman Fairlight.

 Viele Autoren geben ihren Charakteren eine Biografie, bevor sie beginnen, die Handlung weiterzuentwickeln. Manche machen sich akribisch Angaben zu Herkunft, Größe und Aussehen der Protagonisten, was bisweilen hilft, keine Widersprüchlichkeiten über das Äußere der Figur im Manuskript niederzuschreiben (schon oft gelesen, dass aus grünen Augen auf einmal blaue wurden?). Ganz so gründlich bin ich nie gewesen, doch auch ich habe eine genaue Vorstellung davon, wie meine Figuren aussehen und woher sie stammen.

 In meinen gebundenen Manuskripten mit der Rohfassung finden sich einige Skizzen, meist von meiner Schwester angefertigt, die meinen Geschmack und meine Interessen auf vielen Gebieten teilt. Ich war etwas gerührt, als ich neulich "Fairlight" durchgeblättert habe und dort diese Zeichnung auf der ersten Seite fand. Nicht nur optisch sind die beiden jungen Männer perfekt eingefangen, auch ihr jeweiliger Charakter und ihr Temperament kommen fantastisch zur Geltung.


Francis und Florey, ©Nikky Wirth


Francis, der ältere, ist mit Anfang Dreißig ein Zyniker; eine Eigenart, die sich mit der Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg wohl verstärkt hat. Er gibt sich Fremden gegenüber unnahbar, fast feindselig, ist aber impulsiv und vor allem besitzergreifend in Bezug auf seinen jüngeren Bruder Eugene, als dessen Beschützer er sich nicht nur gefällt, sondern diesen Schutz auch als Notwendigkeit sieht. Denn Florey ist nicht "normal". Schon als Junge fällt er durch Pyromanie und paranoides Verhalten auf, das später von den zufällig auf Fairlight House gestrandeten Medizinern als Schizophrenie diagnostiziert wird. 

Beide sind nicht die biologischen Söhne von Chester Fairlight, der mit zwei weiteren Söhnen auf dem großen Anwesen lebt, doch ihre Herkunft bleibt lange Zeit im Dunkeln. Florey lernt erst spät die englische Sprache, und auch Francis spricht sie als Jugendlicher nur gebrochen. Innerhalb der Familie lösen die Exoten seit ihrer rätselhaften Ankunft zwiespältige Gefühle aus - vor allem der unberechenbare und doch weltfremde Florey muss viel einstecken, sowohl vom Alten als auch von den Geschwistern. Mit Neunzehn ist er eigentlich bereits erwachsen, aber häufig handelt er wie ein Kind, das keine Regeln kennt. Austeilen kann er auch und ist sich seines Status als gutsituierter Fairlight-Spross besonders im Umgang mit den Dienstboten wohlbewusst. Doch seine Arroganz resultiert aus Unsicherheit und der Tatsache, dass er auf Fairlight keine Zuneigung erfährt außer der von Francis. Und die ist nicht immer rein brüderlich und manchmal ziemlich anstrengend. Allerdings vergöttert Florey seinen launischen Bruder trotz dessen Fehler und der mitunter derben Art, die in Sekundenschnelle zu fast zärtlichen Liebesbekundungen wechseln kann.


Aleviva-Medien / Pixabay

Auch wenn Francis bei einigen Lesern und Leserinnen Unverständnis weckt, war er mir beim Schreiben am nächsten. Ich mochte ihn von Anfang an, eine seit früher Kindheit gebrochene Seele, deren Gefühle sich nicht steuern lassen und in manchen Szenen hochgehen wie eine Granate (der etwas unglückliche Vergleich vor dem Hintergrund des Krieges sei mir verziehen). Mir gefallen störrische Figuren wie er, die im tiefsten Inneren ein weicheres Herz haben, als sie es vor anderen zuzugeben bereit sind.

Wer mehr über die beiden erfahren möchte, kann sich das Buch als Print oder Ebook bei Amazon bestellen.



Sonntag, 10. April 2016

Britischer Humor trifft Mystery: "Stag" (2016, BBC)

Diese Miniserie der BBC gibt es leider nicht mit deutscher Tonspur, doch als absoluter JJ Feild-Fan musste ich sie einfach gesehen haben - und wer hört schon gern die deutsche Synchro, wenn der Mann eine Stimme zum Reinlegen hat? (O;

Außerdem liebe ich Jungs / Männer auf Abenteuertrips und ein bisschen Grusel, und genau das hat "Stag" versprochen. Enttäuscht wurde ich trotz des makaberen Plots nicht.

Inhalt: Ian Telford (Comedian Jim Howick) ist ein eher langweiliger und unscheinbarer Lehrer aus Eastbourne, der nicht trinkt, Vegetarier ist und alles verabscheut, was mit Sport und Blut zu tun hat. Umso überraschender, dass sein zukünftiger Schwager Angus Johnners (Steven Campbell Moore im albernen Plüschhirschkostüm) einwilligt, ihn auf Anraten von Ians Schwester als Aufpasser mit auf den Junggesellenausflug in die schottischen Wälder mitzunehmen. Johnners und seine Freunde planen ein Jagdwochenende, bei dem sie einen oder mehrere kapitale Hirsche erlegen wollen.

Doch was als harmloser Spaß und jungenhaftes Imponiergehabe beginnt, entwickelt sich bald für alle zum Horrortrip. Ian findet heraus, dass die Freunde doch nicht so herzlich befreundet sind wie es scheint, und dass jeder der Beteiligten in einen Bankskandal verwickelt ist, der vertuscht werden soll, da jeder davon profitieren möchte. Damit nicht genug: die Männer werden nach und nach auf mysteriöse Weise eliminiert und somit selbst zu Gejagten - manche Opfer tauchen erst nach Tagen wieder kopfüber hängend in verlassenen Hütten auf, andere als zwei Hälften.

Die Überlebenden verdächtigen sich gegenseitig, und besonders der arrogant wirkende Ledge (JJ Feild) macht mehr als einmal sarkastische Bemerkungen, die nicht gerade für Vertrauen in der Gruppe sorgen. Leider muss ziemlich zum Ende auch er auf unappetitliche Weise dran glauben (*Heul!*), so dass Ian/Ewok/R2-D2 keinen Zweifel mehr hat, in eine Falle geraten zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Meinung: Wie bereits erwähnt, war JJ Feild der Auslöser, die Serie anzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich darauf verzichtet, hätte er nicht mitgespielt. Ich liebe den Mann einfach und finde ihn umwerfend! Er ist ein toller, vielseitiger Schauspieler, blendend aussehend, groß und athletisch, und er wirkt so nett, lieb und geerdet, dass ich mich wundere, weshalb er nicht einem größeren Publikum bekannt ist *Schmacht*. "Stag" zeigt ihn in einer Rolle, die ihn ein wenig gegen den Strich bürstet, wenn man seine anderen Filme kennt - als prolligen und lauten Banker, der erst am Schluss von seinen Qualitäten als "Best man" nicht mehr überzeugt ist und sich am gewaltsamen Tod der Kameraden die Schuld gibt. Trotzdem hat Ledge etwas ungeheuer Liebenswertes an sich (kann JJ Feild überhaupt anders?).

Aber auch die anderen Charaktere mochte ich. Die Chemie zwischen den Schauspielern war zwar nicht so deutlich zu spüren wie zwischen dem Cast in Third Star, doch im Lauf der Zeit bekamen alle sieben Männer ein Gesicht und - soweit möglich - Eigenschaften und Macken, die sie mir sympathisch oder unsympathisch gemacht haben. Die Guten waren neben Ledge der etwas eingebildete, aber gutmütige Cosmo (Rufus Jones), der den Cockerspaniel des ansässigen "Spielführers" rettet, und Mex (Amit Shah), der eigentlich Inder ist und am liebsten "Hitesh" genannt werden möchte statt Mexican, weil ersteres sein richtiger Name ist.

Es gab Witze und Situationskomik, über die ich lachen musste, und Szenen, bei denen ich mich gegruselt habe. Teilweise war mir "Stag" ein bisschen zu blutig, und mit Ledges brutalem Ende war ich überhaupt nicht einverstanden. Die Handlung und vor allem der Schluss fallen fast banal aus, und trotzdem fand ich die Serie unterhaltsam und durch den unerschrockenen Mix verschiedener Genres auch sehr originell.

Zudem waren trotz des eher gewaltsamen und nicht ganz ernst gemeinten Themas innige Freundschaftsmomente zu entdecken (Stichwort "Calmex), lustige Popkultur-Referenzen für die Nerds (Gruffalo-Bullshit, Star Wars, Lost und Elton Johns "I'm still standing"), eine geheimnisvolle, unberührte und weite Landschaft, und natürlich mein schöner John Joseph. Need I say more?






Bewertung: 

  👍👍👍👍




Mittwoch, 19. November 2014

Abschied ist ein scharfes Schwert...

... das wusste bereits Roger Whittaker, der Schmusebarde aus Südafrika, der seine deutschen Schlager phonetisch lernte. Aber wo er Recht hat, hat er Recht, denn nicht selten sind die Binsenweisheiten von Schlagern direkt aus dem Leben gegriffen.

Nicht nur persönliche Abschiede sind scharfe Schwerter. Manchmal ist es der Verzicht einer Gewohnheit, eines Rituals, die Veränderung einer Lebenssituation, die uns wehmütig aufseufzen und in nostalgischen Erinnerungen verharren lassen. Zum Glück ist der Mensch in der Regel flexibel und sucht sich nach einem solchen Einschnitt und Verlust nach dem Wundenlecken neue Freunde, Partner und Gewohnheiten, so dass der Abschied des Alten nach einer gewissen Zeit nicht mehr gar so schmerzhaft ist.

Schriftsteller sind da keine Ausnahmen. Obwohl ich das "Method Acting" unter Schauspielern eher lächerlich finde und keineswegs gesund oder lobenswert, könnte ich mich wohl unguten Gewissens als "Method Author" bezeichnen. Ich liebe meine erschaffenen Protagonisten, leide mit ihnen, wenn es ihnen schlecht geht, und freue mich, wenn sie glücklich sind und ihre Geschichte einen guten Verlauf nimmt, den sie verdient haben. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, wie mich beim Schreiben einer traurigen Szene ein Kloß im Hals würgt oder ich mich emotional kaum abschotten kann von dem, was in meinem Kopf und auf dem Rechner vor sich geht.

 Aber es ist nicht nur das. Jeder Schriftsteller sollte sich schließlich in seine Charaktere hineinversetzen können bzw. mit ihnen sympathisieren, oder sie zumindest einigermaßen verstehen.

Bei mir ist es so, dass mir mitunter meine Figuren derart ans Herz wachsen, dass ich die Geschichte (von der ich weiß, dass es keine Fortsetzung geben wird) ein wenig hinauszögere, um dasselbe mit dem unausweichlichen Abschied zu tun. Ich kann mich erinnern, dass mir die Protagonisten vom "Bildnis des Grafen" die Trennung ganz und gar nicht leicht gemacht haben. Wenn man sich über zwei Jahre mit einer Sache so intensiv befasst, fehlt einem plötzlich etwas, das mit Worten kaum zu beschreiben ist.

Ist es nicht dennoch ein bisschen albern, um fiktive Charaktere zu trauern, weil mit dem letzten Kapitel ihre Geschichte erzählt ist? Vielleicht. Und trotzdem hat man so viel erlebt mit seinen Figuren, hat sie durch schwere Zeiten geschickt, und nicht immer gab es für alle ein Happy End. Wer kann es einem Autor verübeln, seine *Geschöpfe* zu vermissen und eine heimliche Träne zu vergießen, wenn schon Millionen Zuschauer von Jack und Rose derart gerührt waren, dass sie mit rotgeweinten Augen aus dem Kino strömten?




Je länger ich mich mit etwas beschäftige, desto schärfer ist das Schwert, wenn der Abschied naht. Dieses Phänomen kennt sicherlich jeder aus Erfahrung, doch für einen Autor, der Welten erschafft, die von Personen bevölkert werden, die ebenfalls von ihm mit Eigenschaften und Biografien ausgestattet werden, ist es fast noch schwerer, Liebgewonnenes loszulassen. Natürlich freut man sich auf den fertigen Roman, ist happy, wenn man das eigene Werk in Händen hält. Meist überwiegt auch die Freude daran und lässt einen vergessen, wie schwer der Abschied nach dem Schluss-Satz fiel. Immerhin kann man seine Figuren ja immer wieder besuchen, indem man das Buch aufschlägt (merkwürdigerweise ist das bei mir eher selten der Fall).

Und früher oder später laufen einem neue Gesichter über den Weg respektive in den Kopf. Neue Ideen und neue interessante Figuren, die etwas erzählen, sich zum Leben zwischen den Seiten erwecken lassen möchten. Und später ein erneuter Abschied.



Sonntag, 24. November 2013

Gute Laune Macher ~ Spongebob Schwammkopf

An sich mag ich Zeichentrickfilme nicht mehr so sehr. Besonders die neuen, in denen die Hauptarbeit der Computer macht und man oft nicht sicher ist, ob die Figuren real oder animiert sind, stoßen auf wenig Anklang. "Avatar" mag noch so toll sein von der Story her - ich finde die Grafik einfach irgendwie bescheiden und austauschbar. Auch Disney ist nicht mehr das, was er mal war. Das liegt nicht unbedingt daran, dass ich kein Fan mehr bin und die Geschichten über die Jahre meiner Meinung nach schwächer und klischeemäßig wurden - ich finde, wenn es schon Zeichentrickfilme sein müssen, sollte man sie auch als solche erkennen. 

 

AngieJohnston / Pixabay


Eine rühmliche und erwähnenswerte Ausnahme ist für mich "Spongebob Schwammkopf". Als ich die Serie zum ersten Mal sah, war ich fasziniert und nicht selten gerührt. Nicht nur von den liebenswerten Charakteren und den lebensnahen Geschichten, sondern auch vom Konzept, das animierte mit realen Szenen vermischt (etwa dass Spongebob zu einem hundsgewöhnlichen Haushaltsschwamm mutiert, sobald er die sichere Unterwasserwelt von Bikini Bottom verlässt). Das war überraschend, originell und auch charmant frech. In Erinnerung ist mir auch noch der Mann im Gorillakostüm, der Patrick Star und Spongebob von einer Bildschirmseite zur nächsten jagt. Auf so etwas muss man erst mal kommen, und ich glaube, die Macher haben einen schrägen und zugleich etwas schwarzen Humor, der bei kleinen und großen Zuschauern einen Nerv trifft.


Vielleicht können Erwachsene in den Geschichten um Spongebob Schwammkopf, Patrick Star, Thaddäus Tentakel und Mr. Krabs sogar mehr Tiefsinn erkennen als das ursprüngliche Publikum ab 0 Jahren. Der Erfolg der Serie gründet sich gewiss nicht nur auf technische Finessen und witzige, oft absurde Episoden, die teilweise überdreht wirken. Was mir an "Spongebob" so sehr gefällt, ist die Vielseitigkeit der Figuren und vor allem Spongebobs unerschütterlicher Optimismus, seinen Eifer und seine Art, wie er mit den anderen Meeresbewohnern umgeht. In keinem von ihnen vermutet er Schlechtes und betrachtet jeden als Freund - nicht einmal der miesepetrige, eitle Tintenfisch Thaddäus ist vor seinen Avancen sicher. Manchmal setzt er sich mit seiner naiven Grundhaltung ordentlich in die Nesseln, aber am Ende ist er der lachende Gewinner, ohne andere verspottet zu haben oder ihnen das Leben schwer zu machen.

Seinem sonnigen und einfältigen Naturell gemäß ist sein bester Freund Patrick Star, der jeden Spaß von Spongebob mitmacht und nur selten aus der rosa Haut fährt - etwa wenn Spongebobs versprochenes Valentinsgeschenk nicht rechtzeitig ankommt. Dass der arme Thaddäus von den beiden dauergestresst ist, kann man ihm nicht einmal verübeln, hält er sich doch für ein verkanntes Künstlergenie, das von den kichernden Nachbarn nicht gewürdigt wird.

Sollte es tatsächlich noch jemanden geben, der Spongebob nicht kennt: *Hier* gibt es einen Artikel zur Serie, den ich auf Pagewizz im Rahmen eines Wettbewerbs verfasst habe (er kam nur auf den vierten Platz, aber wie Spongebob sagen würde: Hauptsache, wir sind dabei gewesen.^^).









Montag, 4. November 2013

Der Gewinner in der Kategorie Längster Filmtitel...

... dürfte "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" sein, aus dem Jahr 1995 mit dem damals total angesagten linkisch-charmanten Hugh Grant (wer einen längeren kennt, belehre mich bitte im Kommentarbereich eines Besseren).

Ein großartiger Film mit einer herzerwärmenden Botschaft und liebenswerten, schrulligen Charakteren von Morgan der Bock über den kriegsgeschädigten Johnny (ich sage nur *Bomb Shell*) und den wortkargen, aber tatkräftigen und rüstigen Zwillingen Tumber Tom I und Tumber Tom II bis hin zu dem streitlustigen Reverend Jones, der 82 ist, aber von allen auf Mitte Sechzig geschätzt wurde. Und Wahnsinn, wie knackig Mr. Grant mal aussah in Hosenträgern und Knickerbockers!

Die Handlung: Im Jahr 1917 kommen die beiden Engländer George Garrad und Reginald Anson nach Wales, um dort das Land und den Hügel Ffynnon Garw (sprich: Finnengarow) zu vermessen. Um in der Karte eingezeichnet zu werden, muss der Hügel (der eigentlich Garth Hill heißt und somit tatsächlich ein "Hügel" geblieben ist) mindestens tausend Fuß hoch sein. Es fehlen jedoch etwa zwanzig zum Eintrag. Die Waliser - überzeugt davon, dass die "Fremden" sie zum Narren halten - sind in ihrer Ehre und ihrem Stolz gekränkt und beschließen, dass die Schmach so nicht hingenommen werden kann.

Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede raufen sie sich zusammen und setzen die Landvermesser mit unlauteren Mitteln fest, um gemeinsam daran zu arbeiten, ihren geliebten Berg höher zu schaufeln, damit er neu vermessen und eingetragen werden kann. Währenddessen kommt der schüchterne Reginald der resoluten Betty näher und überwindet seine Kriegsneurose, die ihn bislang an einer Beziehung gehindert hat.




Meinung: Simpel, die Story, sollte man meinen. Ist sie auch. So simpel, dass sie wieder genial ist. Dazu tragen vor allem die tollen Schauspieler bei und die authentische Atmosphäre, gleich, ob das nun die walisischen Bewohner mit ihren Macken oder das stimmige Setting betrifft. Man hat sofort das Gefühl, in dem ollen Zweitakter der beiden Kartografen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts nach Wales zu reisen.

Sehr nett finde ich auch die Idee, die Geschichte in Rückblenden von dem alten Mann erzählen zu lassen, der seinerzeit als Junge seinen Opa fragte, wo die lange Bezeichnung "Der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunter kam" eigentlich ihren Ursprung hat.

Die zarte Liebesgeschichte zwischen der forschen Betty und Reginald hat etwas Rührendes, und man ist froh, dass der vom Krieg traumatisierte Bub jemanden findet, der "auf ihn aufpasst", denn irgendwie scheint Hugh Grant mit jeder Geste und der hilflosen Mimik an mütterliche Instinkte zu appellieren.

Unerwähnt lassen möchte ich nicht die wirklich zauberhaft folkloristisch anmutende, ins Ohr gehende Musik von Stephen Endelman. Sie ist nämlich der fünfte Stern in meiner Bewertung. Na schön, der viereinhalbste.

Fazit: Immer wieder schön und ein Ausnahmefilm für Cineasten, die mehr Wert auf Charaktere und Aussagekraft legen als auf Ka-Boom und überspannte Dramatik. Wer's noch nicht kennt, unbedingt nachholen.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍



 
 

Bildquelle: Pinterest

Mittwoch, 4. September 2013

Genre gesucht!



Gerade bin ich am Überarbeiten eines Manuskriptes. Ich merke dabei jedesmal, dass es gar nicht so leicht ist, sich kurz zu fassen - mit dem Klappentext habe ich lange gekämpft. Er soll ja neugierig machen, nicht zuviel verraten und dazu verführen, ins Buch zu schauen. Und was kurze oder zusammenfassende Texte betrifft, war das schon in der Schule nie meine Stärke.

Das Foto oben zeigt das vorläufige Cover. Da die Geschichte in einem spätsommerlichen England auf dem Land spielt, passen die Gräser sehr gut.

Was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist die Genre-Einteilung. Ist mein Roman jetzt "nur" historisch, weil er vor einem geschichtlichen Hintergrund (der Burenkrieg) stattfindet, oder könnte ich ihn unter "Psychothriller" publizieren?

Hat jemand davon überhaupt schon mal gehört - historischer Psychothriller? Das trifft es nämlich, wenn man's genau nimmt. In einem Thriller wird nicht automatisch ein Mord aufgeklärt wie in einem Krimi. Darum würde ich zu *Thriller* tendieren. *Psycho* deshalb, weil es weniger Action als über menschliche Abgründe zu lesen gibt. Letzteres finde ich ungleich spannender. Darum tun sich bei den Schauspielern derer eine ganze Menge auf.

Eine Leseprobe - genauer gesagt, den Prolog - findet ihr unter "Weitere Informationen".



Mittwoch, 5. Juni 2013

Sherlock vs. Holmes

Zur Zeit bin ich im Sherlock Holmes-Fieber, und das dank Benedict Cumberbatch und der BBC-Serie schon seit November 2012. Die Sonderedition mit allen Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle wartet noch darauf, gelesen zu werden, aber zum Glück gibt's ja auch handlichere Taschenbuchausgaben, an die ich mich nun gewagt habe - natürlich im englischen Original. Ich mag Sherlock Holmes und seine weisen Sprüche wie "To a great mind, nothing is little".

Er ist zuvorkommend, höflich, einfühlsam - aber auch manchmal fast kindisch, impertinent und von sich selbst so überzeugt, dass es schon mehr als Arroganz sein könnte. Oft geht er damit selbst dem phlegmatischen Watson auf die Nerven, der ihn eigentlich bewundert für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Detektiv.

Gestern habe ich mir seit langem mal wieder eine der Uralt-Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce zu Gemüte geführt, nämlich "The Hound of the Baskervilles" von 1939.

Basil Rathbone ist für mich einer der ganz Großen, und er wird es immer sein als Schurke und Errol Flynn-Gegenspieler in Filmen wie "Unter Piratenflagge" und "Robin Hood".

Als Sherlock Holmes - fast tut es mir leid, zu sagen - ist er m. M. nach charakterlich nicht so sehr geglückt. Angesichts der äußeren Erscheinung und der markanten "Adlernase" hätte Sir Arthur ganz bestimmt verzückt die Hände zusammengeschlagen, doch was Holmes' Art und Macken angeht, wirkt Mr. Rathbone zu brav und zu vornehm. Natürlich hat er damit der Figur Sherlock Holmes seinen Stempel aufgedrückt (auch diverse Nachfolger-Holmses wie Peter Cushing und Jeremy Brett schwimmen in Basils Fahrtwasser), doch der literarische Holmes kann auch mal völlig aus der Reihe tanzen und sich einen feuchten Kehricht scheren um viktorianische Konventionen.

Geprägt durch Sir Rathbones Bild in den Filmen fand ich es dann auch merkwürdig zu lesen, dass Sherlock Holmes während einer Kundenkonsultation ungeniert und demonstrativ den Klienten angähnt, um seine Langeweile zu betonen, oder dass er ungehemmt kichert, wenn ihn etwas amüsiert. Wie ein Spürhund auf alle viere geht und eifrig an Dingen schnüffelt, um eine Fährte aufzunehmen. Sieht man das Basil je tun? Verliert er je die Contenance?

Nicht, dass ich seine Verdienste als Sherlock Holmes schmälern möchte. Wirklich dran am Original ist er aber nicht. Von Nigel Bruce als cholerischem Sidekick Dr. Watson rede ich lieber nicht. Nicht missverstehen. Ich finde beide Schauspieler klasse, nur: Watson ist kein Typ, der so rasch in die Luft geht wie Mr. Bruce, der für solche Rollen offenbar prädestiniert war.

Da sind mir die beiden Herren aus der Serie doch näher dran an Sir Arthurs Hirngespinst und Nemesis. Martin Freeman, der den traumatisierten, zurückgekehrten Soldaten mit einer gewissen Leidensfähigkeit verkörpert, die ihn trotzdem nicht am Leben verzweifeln lässt, ist alles andere als ein Hitzkopf. Das ist auch gut so, denn dafür neigt Sherlock-Cumberbatch zu Schnellschüssen und Impulsivität, auf die Watson-Freeman ausgleichend einwirken kann (vorausgesetzt, er möchte es). Irgendwie sind da die Rollen genau vertauscht im Vergleich zu Rathbone / Bruce. Vielleicht hat man die beiden letzteren einfach nicht gegen den Strich besetzen wollen, zumal Sherlock Holmes als distinguierter Gentleman besser kommt als ein aufgeblasener Kindskopf. Schön, dass Benedict Cumberbatch beides sein darf... ich glaube, seine Ambivalenz macht gerade den Erfolg und den Reiz der Serie aus.




Was Robert Downey Jr. und Jude Law betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben; die Filme habe ich nicht komplett gesehen und es eigentlich auch nicht vor. Aber das Video ist köstlich! Und heute Abend schaue ich mir evtl. den nächsten Holmes-Oldie meiner etwas zu Unrecht verstaubten Collection an. Denn eines muss ich zugeben: Basils Morgenrock ist eleganter als Benedicts.^^



Freitag, 15. Februar 2013

Wie schreibe ich einen Roman?

Naja, entweder ganz altmodisch mit Stift und Papier oder am PC, sagen die Pragmatiker und Prosaiker. Aber ein bisschen mehr gehört schon dazu. Am wichtigsten ist die Idee (möglichst eine, die nicht jeder hat), Phantasie  und die Begeisterung, die ein Autor für sein unter seinen Händen entstehendes Werk empfinden sollte.

Gehe ich von mir selbst aus, so bin ich momentan recht froh, an nichts "ernsthaft" zu arbeiten, denn meine Begeisterung schlägt nicht selten in so etwas wie Besessenheit um (ich mag das Wort nicht und schon gar nicht die Bedeutung dahinter, finde aber kein passenderes), und ich beschäftige mich rund um die Uhr mit meinen Charakteren und der Geschichte, die nicht nur Emotionen wecken soll, sondern auch einigermaßen logisch und nachvollziehbar aufgebaut sein möchte.

Insofern ist Schreiben außer Kunst manchmal ebenso eine richtige Herausforderung, um nicht zu sagen Schwerstarbeit (Spaß macht es trotzdem, sonst wäre es ja sinnlos, überhaupt anzufangen).



Bru-nO /Pixabay



Daher sind ein paar Tipps bestimmt hilfreich. Ein *Klick* führt zu meinem Artikel, in dem ich berichte, was man außer Schreibutensilen noch so braucht. Und das ist nicht unbedingt ein Doktortitel.



Samstag, 12. Januar 2013

Jeremy Irons, Anglophilie und wohin das führt...

Was hat Jeremy Irons mit meinen Romanen zu tun? Auf den ersten Blick eigentlich nichts. Wenn da nicht meine Schwäche für England, Film und britische, großgewachsene und geheimnisvoll wirkende Schauspieler mit sonoren Stimmen wäre… die Liste ließe sich um einige jüngere Kollegen erweitern, doch zu der Zeit, in der meine Geschichten nur so aus mir herausgesprudelt sind (ach ja, good ol’ times…), war er meine ganz besondere Inspiration.

 


Denn er gehört für mich nicht nur zu den vielseitigsten Charakterdarstellern, sondern verkörpert authentisch den vollendeten Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Er hat die melancholischsten, dunkelsten Augen, ist athletisch gebaut, schamloser Raucher und… ein gnadenlos guter Reiter! So verwundert es nicht, dass Jeremy Irons in buchstäblich jeder meiner Geschichten auftaucht, meist als einer der Hauptprotagonisten - in seinen besten Jahren.

Aber nicht nur Mr. Irons leihe ich mir gern mal aus, wenn ich über meine Figuren nachdenke und sie entwickle. Als begeisterter Cineast picke ich mir ein paar (oder alle) meiner Lieblingsschauspieler und lasse sie in Settings von düsteren Herrensitzen, im Paris der 1950er Jahre oder in vermeintlichen Spukschlössern agieren.

Dass sie als Objekte meiner wilden Phantasie herhalten, müssen die Herren und Damen ja nicht wissen, und ich bin hoffentlich diskret genug, um einen Wiedererkennungseffekt zu vermeiden (Psst… das war jetzt wirklich ein Geheimnis. Nicht weitersagen).