Translate

Posts mit dem Label Benedict Cumberbatch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Benedict Cumberbatch werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 5. November 2017

Thor - Tag der Entscheidung " Thor - Ragnarok"

Am vergangenen Donnerstag war ich mal wieder im Kino. Eher mit wenig Erwartung, dass der Film gut ist: es war eine Marvel-Produktion, und von denen bin ich - von zwei oder drei Ausnahmen - nicht allzu begeistert. Zu viel Spektakel, Krach und zähflüssige Längen, die mich unruhig im Sitz hin und her rutschen lassen, weil ein dringendes Bedürfnis sich meldet.




Trotzdem habe ich "Thor - Tag der Entscheidung" eine Chance gegeben. Die beiden ersten Teile um den nordischen Donnergott habe ich ebenfalls gesehen, und der Vollständigkeit halber musste der dritte auch noch sein. Außerdem: Tom Hiddleston. Ich mag ihn einfach zu sehr, um die Gelegenheit verstreichen zu lassen, ihn auf der großen Leinwand anzuschmachten... (O; Und es war nicht nur Mr. Hiddleston, der den Film für mich zu einer positiven Überraschung hat werden lassen.

Über die Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Denn die war praktisch kaum vorhanden. Worum es ging, wurde eigentlich erst in den letzten zehn Minuten des Films klar, und das war auch gut so. Jedenfalls hat mir schon die Eröffnungsszene mit Thor in der Unterwelt ein herzhaftes Lachen entlockt, auch wenn sie ein bisschen sehr gruselig war. Aber die Selbstironie, die Thor-Chris Hemsworth konsequent durchzieht, war für mich ein echtes Highlight. Hätte ich ihm so gar nicht zugetraut. Sein etwas unbeholfener Besuch beim elegant die Treppe hinabschwebenden Uberzauberer Dr. Strange gehört ebenso dazu wie die weinerliche Trauer um den Hammer Mjölnir, der ihm abhanden kommt, genauer gesagt von seiner älteren Halbschwester Hela (Cate Blanchett)  in einem Duell zu Brei zerquetscht wird.

Überhaupt, die gute Hela. Als Göttin des Todes ist ihr schwer beizukommen, da sie ja praktisch unverwüstlich ist. Doch bevor es zum fulminanten Showdown kommt, wird der Zuschauer mit unzähligen Witzen und Gags bei Stange gehalten, die sich teilweise nur dem eingefleischten Marvel-Fan erschließen (und ich denke mit Schaudern an das unheimliche Nerd-Lachen des Typen hinter mir).

 Aber auch ich hatte meinen Spaß. Etwa wenn Loki Thor zeigt, wohin er Allvater Odin alias Anthony Hopkins verbannt hat, oder als Thor auf einem Müllplaneten landet, der von dem abgefahrenen "Grandmaster" Jeff Goldblum regiert wird. Weniger toll fand ich den Auftritt von "Hulk" Mark Ruffalo. Irgendwie wirkte er fehl am Platz, obwohl er nach dem albernen Gladiatoren-Kampf ein ganz passables Teammitglied  abgegeben hat, das auch ein paar coole Sprüche zum besten geben durfte ("Ich hab' mir Asgard prächtiger vorgestellt.") und ein Duran Duran-T-Shirt trug. Die große Überraschung war für mich der Gott des Unheils, der hinterlistige Loki, der in diesem Film nicht gar so hinterlistig agiert wie gewohnt und damit ein paar Zuschauer herbe enttäuscht hat. Ich persönlich fand es ganz gut, dass man ihm - nachdem Thor ihm ins (tatsächlich vorhandene!) Gewissen geredet hat, eine "change of heart" gegönnt hat, die ihn hat erkennen lassen, dass Familie (vorläufig) wichtiger ist als List und Tücke. Wer weiß, wie lange der Edelmut anhält bei Lokis Wankelmut. Oder ob er nicht doch nur vorgetäuscht war.

Milder Spoiler: Zumindest besinnt er sich am Ende eines guten besseren und steht Thor zur Seite. Der Deal mit Dr. Strange geht so oder so nicht auf: da Asgard vernichtet wird, muss Loki nun gemeinsam mit dem neuen Allvater Thor auf Midgard Asyl beantragen, das ihm sicher gewährt wird. Dumm gelaufen!

Fazit: Schrilles Popcornkino, das erstaunlicherweise meine Art von Humor getroffen und mir einen unterhaltsamen Abend beschert hat. Ein bisschen zu viel Chris Hemsworth vielleicht, der aber eine überzeugende und witzige One-Man-Show abliefert und von seinen Mitspielern von Mensch über versoffene Walküre bis zu den Göttern kongenial unterstützt wird. Nach dem für mich eher abtörnenden, weil lärmigen Trailer doch ein gelungener dritter Teil der Thor-Saga.

Bewertung: 
 👍👍👍 und ein halber 👍




Sonntag, 30. Oktober 2016

Ziemlich strange: "Doctor Strange" (Review)

Drei Tage ist es her, dass ich den Film gesehen habe. Normalerweise setze ich mich sofort hin, um meine Meinung zu Kinofilmen zu verfassen; diesmal war ich mir unschlüssig, wie und ob ich den heißersehnten neuen Marvel mit Benedict Cumberbatch als Zauberlehrling überhaupt bewerten soll. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass er anders sein soll als die anderen, actionlastigen Comic-Realverfilmungen, aber irgendwie konnte ich im Vergleich keinen rechten Unterschied feststellen. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht gut unterhalten gefühlt und an einem fantastischen Hauptdarsteller erfreut habe. Vom Hocker gerissen hat mich der "LSD-Trip in 3D" allerdings auch nicht.


"Follow my finger with your eyes!"


Die an sich simple Geschichte hatte gute Ansätze, die auch, wie von Marvel gewohnt, bombastisch gut umgesetzt wurden. Der arrogante und von sich selbst überzeugte Neurochirurg Dr. Steven Strange erleidet einen schweren Autounfall, bei dem seine kostbaren Hände zu Matsch werden. Er hört von einer Heilerin in Nepal (Tilda Swinton) und begibt sich sofort dorthin. Am Ziel angekommen, wird er in verschiedenen Zaubertechniken unterwiesen und erfährt - Schockschwerenot! -, dass es mehr Realitäten gibt als seine eigene. Doch er kommt auch hinter das dunkle Geheimnis der Meisterin und muss - Überraschung - die Welt retten, nachdem die drei Tempel der Weltenwächter vom bösen Mads Mikkelsen bedroht werden, der auf der Suche nach dem ewigen Leben ist (hatten wir das nicht erst neulich? Egal...). Nach etlichen Slapstickeinlagen, freiwilliger Komik und elegant-sphärischem Herumschweben im Multiuniversum gelingt es ihm, sich als Torwächter und überlegener Zauberer zu beweisen.

Meinung: Vielleicht habe ich mir ein bisschen viel versprochen. Das lag allein schon am süßen Benedict Cumberbatch, der seine Sache gut gemacht, aber m. M nach besser hätte machen können. Richtig warm wurde ich mit Dr. Strange nicht; dafür war er mir zu sehr eine Mischung aus Sherlock und "Dr. House". Einerseits witzig, andererseits oberflächlich und wenig bis gar nicht charismatisch. Aber das sei ihm verziehen, denn schließlich handelt der Film von den Anfängen des großen Dr. Strange, so dass in weiteren Teilen durchaus noch Luft nach oben ist betreffs Charakterentwicklung. Die Nebendarsteller sind dennoch neben ihm und den Effekten fast ein bisschen verblasst. Vor allem Mads Mikkelsen als Schurke hat mich enttäuscht. Super: der Umhang, der sich Dr. Strange "erwählt", ein Eigenleben hat und somit für die besten komischen Szenen des Filmes sorgt.

Auch interessant: Dr. Strange lernt mehr oder weniger autodidaktisch, die Zeit zu beeinflussen. Tricktechnisch einfach toll! Die Szene mit dem Apfel und dem Buch mit den fehlenden Seiten gehörte zu meinen Highlights. Leider nervte es dagegen, als Dr. Strange sich für die Menschen und den Tempel in Hongkong opfert - beim fünften Mal musste ich schon verhalten gähnen. Überhaupt: Streckenweise gab es Längen, doch auch das kennt man ja von Marvel und dürfte für den Fan nicht wirklich ein Kritikpunkt sein (ich bin keiner - Fan, nicht Kritikpunkt).

Vielversprechend für alle Fangirls: In der legendären ersten Schluss-Sequenz trifft sich Dr. Strange mit Hemsworth-Thor in New York und redet mit ihm bei wie von Zauberhand stets voll gefüllten Gläsern über: LOKI!!! Nun sind ja die meisten Cumberbatch-Fans ebenfalls für dessen Kumpel Tom Hiddleston / Loki entflammt, so dass die Aussicht, beide als Gegenspieler im Duell der Marvel-Magier antreten zu lassen, schon ein raffinierter Köder ist. Einer jedoch, den selbst ich mit Wohlwollen schlucken würde. ;)






Fazit: Spitzenmäßige Effekte wie Städte in auseinanderklaffender Kaleidoskop-Optik in eine durchschnittliche und nicht ganz neue Fantasy-Story verpackt. Nett für einen Abend und einen Eimer Popcorn. Wer glaubt, mit Weltanschauungsphilosophien wie in Matrix, Inception oder Lucy nachdenklich gestimmt zu werden, ist fehl am (Kino-)Platz. Zwar habe ich von einer Comicverfilmung nichts wirklich Tiefsinniges erwartet und wurde daher in dieser Hinsicht nicht enttäuscht, doch den Hype um "Dr. Strange" finde ich irgendwie schon ziemlich strange.

 Bewertung: Großzügige

👍👍👍  und ein halber 👍



Dienstag, 29. März 2016

Eine Hommage an die Unsterblichkeit von Sherlock Holmes: "Die Braut des Grauens"

Nach der Enttäuschung über die letzte, dritte Staffel der Serie "Sherlock" hielt sich die Vorfreude auf das Special, das in Großbritannien bereits an Neujahr ausgestrahlt wurde, in Grenzen. Normalerweise hätte ich als Goth-/Mystery- und Benedict Cumberbatch-Fan alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Original zu sehen. Aber nicht einmal die Aussicht auf den gestrigen deutschen Sendetermin hat mein Herz hüpfen lassen. Zu Recht, wie sich herausgestellt hat.

"Die Braut des Grauens" war bestenfalls durchschnittliche Fernsehunterhaltung mit einem Touch Nostalgie, aber vor allem war sie eine Verbeugung an die Figur Sherlock Holmes, und das ist ja nicht soooo schlecht...





Zur verworrenen Handlung kann ich wenig sagen. Sie stand der Zerstückelung und den rasanten Schnitten der dritten Staffel in nichts nach. Innovative Kameraführung, raffinierte Computertricks und eine wirklich tolle opulente Ausstattung haben das zwar nicht wettgemacht, trugen aber doch nicht unwesentlich zu meiner Belustigung bei. Das Highlight war für mich die Szene im Diogenes Club, in der sich Holmes und der Diener Wilder aufgrund absolutem Ruhegebots in der Gebärdensprache unterhalten. Watson wird miteinbezogen und macht dabei einige witzige Fehler. Ich mochte die Szene vor allem, weil ich die Gebärdensprache selbst faszinierend finde. Es sah sehr elegant aus, wie Sherlock sie eingesetzt hat mit seinen schönen langen Händen...

Ein weiteres Highlight (*Ironie an*): Mycroft in a Fatsuit!!! Mann, das war wirklich der Hammer! WTF?! Wieso das denn? Nur weil er gerne Kuchen isst? Das musste genauso wenig sein wie Molly Hooper als Mann verkleidet. Dass Sherlock darauf hereinfällt, zeugt nicht gerade von großer Kombinationsgabe. Und da wirft er Watson noch mangelnde Vorstellungskraft an den Kopf!


Aber vielleicht ging es in "Die Braut des Grauens" nicht nur um Holmes' Unsterblichkeit, sondern auch um die Rolle der Frau. Ich wüsste zwar nicht, was das mit Sherlock zu tun hat, aber sei's drum. Irgendwie wusste ich eh die ganze Zeit nicht, worum es ging in den konfusen anderthalb Stunden, die sich - ehrlich - zäh wie Kaugummi gezogen haben.

Eindeutig war für mich nur, dass der Kindskopf Moriarty und Sherlock Holmes derselbe sind bzw. Moriarty seine "schlechte" Seite (oder der böse Zwilling) - und das seit über hundertzwanzig Jahren, wenn man Gatiss und Moffat glauben darf. Schließlich spinnt Sherlock sich im Jet das alles zusammen... oder doch nicht? Ist nicht eher der "alte" Sherlock im Drogenrausch ein Visionär, der die Zukunft voraussagt?

Eigentlich mag ich Mystery und Rätselhaftes, aber ich fühle mich verkohlt, wenn die vielen Fäden einfach abgeschnitten werden, ohne eine Lösung anzubieten oder wenigstens etwas konsequent zu Ende zu erzählen. Davon haben die Verantwortlichen der Serie zu oft schon Gebrauch gemacht für meinen Geschmack. Das hochgelobte Special entpuppt sich für mich als weitere Enttäuschung. Es war mehr eine Parodie aus wahllos aneinander gereihten Zutaten aus dem Potpourri von Conan Doyle und Gatiss/Moffat als eine Story zum Mitfiebern und Miträtseln.

Vielleicht bin ich einfach nicht clever genug, um den Gedankengängen der (Neu-)Erfinder des Meisterdetektivs zu folgen, aber ich kann mir nicht denken, dass jeder Sherlock-Fan, der über die Folge in Jubel ausbricht, alles verstanden hat und mir eine kurze und knackige Inhaltsangabe zum Wesentlichen geben könnte. Und das macht für mich eine gute Geschichte aus. No shit, Sherlock.


Bewertung:  ganz knappe




👍👍👍



Freitag, 16. Oktober 2015

Liveübertragung aus dem Barbican Theatre: Hamlet ~ der Rest ist Weinen

Mit Spannung von mir erwartet - hauptsächlich deshalb, weil ich Fan des Hauptdarstellers bin - wurde Hamlet mit Benedict Cumberbatch, seit August im Programm des Barbican Theatre in London. Gestern war der *große* Tag. Der Tag der Liveübertragung in sämtliche Kinos in der ganzen Welt, u.a. auch in meiner Nähe.

 


Überrascht habe ich vor Ort festgestellt, dass nicht nur ein Kinosaal zur Übertragung diente, sondern fast der komplette Cineplex. Ziemlich unvorteilhaft in der Pause, wenn man stundenlang hinter den anderen, erstaunlich zahmen "Cumberbabes" in der Schlange vorm Damenklo steht. Glücklicherweise habe ich in weiser Voraussicht wenig getrunken und mich stattdessen über einen Eimer Popcorn her gemacht, der Hamlets Weltschmerz mit knisterndem Gemampfe gedämpft hat (ich Kulturbanause, ich!).

Ganz ehrlich: ich bin vermutlich einer der wenigen Cumberbatch-Fans, der sich kritisch über den Abend äußert. Das lag nicht an dem tollen, wandelbaren Bühnenbild, der abwechslungsreichen Kostümierung oder den großteils unleugbar überzeugenden Schauspielern - allen voran ein erstaunlich muskulöser, quirliger und fast agressiver Hamlet / Cumberbatch. Nein, es lag an dem Stück selbst, und teilweise an dem übertriebenen Gehabe mancher Darsteller wie z. B. Ophelia und den diversen Körperflüssigkeiten, mit denen ich meinen nach der Pause leeren Popcorneimer hätte füllen können.

Zu viel Tränen, Rotz und wieder Tränen, oder vielleicht waren die Schauspieler einfach überwältigt von der millionenfachen Aufmerksamkeit, die ihnen in den dreieinhalb Stunden zuteil wurde. Vielleicht lag es auch an Meister Shakespeare selbst und daran, dass ich Hamlet als eines seiner düstersten Stücke empfinde, das mit keiner befriedigenden Lösung aufwartet.

In meinen Teenagerjahren habe ich mich intensiv mit Hamlet beschäftigt, langatmige CDs von Aufnahmen der Gründgens-Inszenierung mit Maximillian Schell angehört und sogar den berühmten Monolog auswendig gelernt. Damals fand ich den grüblerischen, melancholischen Dänenprinzen faszinierend und nachvollziehbar. Heute wirkt er auf mich wie ein großes Emo-Kind, dem man sein Spielzeug weggenommen hat und das hilflos einer unglücklichen Verkettung von Umständen gegenübersteht. Sein Jammern und Weinen macht es nicht besser, und das, was mitunter mutig und witzig anmutet, wird schnell in Selbstzweifeln erstickt. Ein Macher ist Hamlet in der Tat nicht. Und dabei wird er von Mr. Cumberbatch mit so viel Verve porträtiert, dass er schon beinahe unfreiwillig komisch ist in seiner abgrundtiefen Verzweiflung und seinen Eskapaden beim Versuch, den giftmischerischen Heiratsschwindler respektive seinen geschwätzigen Onkel Claudius eines Verbrechens zu überführen, das ja auch wirklich von kapitaler (Wider-)Natur ist.

Glaubwürdiger in derselben Rolle, weil weitaus elegischer und trübsinniger, ist für mich ausgerechnet der Hamlet in einer Komödie, die in England als Klassiker gilt, nämlich ein unvergleichlich lethargischer Iain Glen in Tom Stoppards Verfilmung von "Rosencrantz & Guildenstern are dead". Eigentlich tut es mir ein bisschen leid, das zu sagen, denn wie gesagt, ich fand Mr. Cumberbatch toll, und das, was er da seit Monaten ohne Unterbrechung auf der Bühne zeigt, verdient Achtung und Respekt und vor allem auch Lob. Psychisch und auch physisch ist sein Hamlet eine Meisterleistung.

Alles in allem war ich nach der deprimierenden  Tour-de-Force jedoch froh, das Kino verlassen zu können. Eine Erfahrung war es wert, aber kein Must-See. Zumindest nicht für mich.







Freitag, 4. September 2015

Der Lieblingsfilm als Buch

Eigentlich fragt man ja umgekehrt: Welches Buch müsste verfilmt werden? Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, welchen *Film* ich denn gerne als *Roman* erleben würde. Eingefallen ist mir dabei Third Star, ein Independentfilm mit Benedict Cumberbatch, der seit drei Jahren mein absoluter Lieblingsfilm ist.
 
 
Frank_Reppold / Pixabay

 
Natürlich gibt es Drehbücher, doch die werden so geschrieben, dass sie nichts verraten, was man im späteren Film nicht ohnehin sieht. In meinem ausgewählten Film - den ich mittlerweile fast auswendig kenne - liest man als Zuschauer viel zwischen den Dialogen und dem Verhalten der vier Hauptcharaktere, und man kann sich in jeden der jungen Männer gut einfühlen. Es ist eine ruhige, zuweilen humorvolle und emotional fordernde Geschichte; nicht leicht zu verdauen, erzählt er von dem schwerkranken James, der mit seinen besten Freunden zu seinem Lieblingsplatz aufbricht, um dort sein Leben, das zukünftig von Schmerzen und Medikamenten bestimmt sein wird, zu beenden.

Das klingt erst mal furchtbar, doch der Film und die Schauspieler sind derart fantastisch und überzeugend, dass man am Schluss trotz komplett verbrauchter Kleenexbox überzeugt ist, James hat es auf seine Art richtig gemacht.

Als Erzähler meines Filmbuchs würde ich mir jedoch nicht James wünschen, sondern Miles, der bis vor dem Ausbruch von James' Krankheit dessen bester Freund und Seelenverwandter war. Für mich ist er die interessanteste und auch nachvollziehbarste Figur im Film. Verschlossen und fast arrogant am Anfang, gibt er sich eigentlich nur mit Bill ab, einem weiteren Kumpel, der zwar, wie alle im Leben, Fehler macht, sie aber mit einem Schulterzucken und Albernheiten abtut, während James ganz von Davy beschlagnahmt wird, der sich seit seiner Arbeitslosigkeit als James' "Krankenschwester" etabliert hat. Zwischen Miles und Davy gibt es bis zum Ende hin kaum Berührungspunkte und stattdessen mehr oder weniger versteckte Beleidigungen von beiden Seiten, was den Schluss nahelegt, dass ein wenig Eifersucht im Spiel ist.



Nur ganz selten lässt Miles die anderen seine Verzweiflung über den unvermeintlichen Verlust seines Freundes James sehen, den dasselbe Schicksal ereilt wie Miles' Vater, als Miles ein Teenager war. Das langsame Sterben einer ihm wichtigen Person ein zweites Mal mitansehen zu müssen, zehrt an ihm, doch er überspielt seine Gefühle mit Spott und Zynismus. Erst nach zwei Gesprächen unter vier Augen mit James zeigt er Verletzlichkeit, und offenbart auch das Geheimnis, das ihn über James' Tod hinaus weiter mit seinem besten Freund verbinden wird, obwohl er nicht vorhatte, es ihm zu sagen. 

Seine Gedanken und Beweggründe sind in diesem wirklich grandiosen Film gut formuliert, was nicht zuletzt an JJ Feild liegt, dem die Rolle ein bisschen auf den Leib geschrieben wurde. Doch in einem Roman wäre man vermutlich unter Umständen überrascht, wie komplex der Charakter aufgebaut ist, mit welchen Problemen er konfrontiert wird und welcher emotionale Aufruhr in seinem Inneren tobt. Filme zeigen ja "nur" das Offensichtliche, und ich denke, Miles hätte viel zu erzählen, wenn er die Geschichte von sich, James und den gemeinsamen zwei Kumpels aufschreiben würde. Ein Buch fertiggestellt hat er ja schon...

Gibt es für euch einen Film, den ihr gerne als Buch hättet, um die Gedankenwelt von einem der Protagonisten besser zu ergründen? Ich bin gespannt. Antworten bitte im Kommentarbereich.





Samstag, 27. Juni 2015

The Imitation Game ~ Ein streng geheimes Leben (2014)

Hmm... ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll, wenn es um meine Meinung zu diesem Film geht. Einerseits habe ich mich gefreut, ihn endlich auf DVD sehen zu können, und andererseits habe ich im Vorfeld bereits geahnt, dass das Thema zu trocken und "mathematisch" für mich ist. Vermutlich waren meine Erwartungen angesichts der vielen Jubelstimmen und Auszeichnungen einfach zu hoch.

Mit kopflastigen Genies kann ich im Allgemeinen wenig anfangen, wenn sie nicht tief im Inneren einen weichen Kern haben, den sie zuweilen auch zeigen oder lustige, menschliche und weise Sprüche auf Lager haben wie Albert Einstein. Und so, wie Benedict Cumberbatch das zu Unrecht in Vergessenheit geratene Entschlüsselungsgenie Alan Turing (1912 - 1954) dargestellt hat, kam bei mir für den Menschen dahinter wenig rüber. Nicht, dass er mir unsympathisch gewesen wäre mit seiner direkten und gelegentlich unfreiwillig komischen Art - das kann ich sogar nachvollziehen: die Szene, in der seine Kollegen ihn zum Essen einladen, war hinreißend!

Auch fand ich es bewunderswert, mit wie viel Verve er sich seiner Aufgabe widmet, und süß und liebenswert schrullig die Idee, seiner Maschine einen Namen zu geben (den seines einzigen Freundes in der Schule, mit dem er bereits damals einen geheimen Code entwickelt hat).

Damit hatte es sich an Persönlichem und Liebenswertem aber auch schon. Das geheime Leben blieb mir zu geheim. Und ich meine damit nicht seine homosexuellen Neigungen. Es war im Gegenteil recht wohltuend, dass der Fokus nicht darauf gelegt wurde, zumal man sie dem echten Turing faktisch nicht nachweisen konnte (was sein Schicksal fast noch tragischer macht). Nach dem Film bezweifle ich, dass er überhaupt sinnliche Empfindungen hatte, wenn es nicht um seine Arbeit ging.

Und das ist ein bisschen traurig, denn genauso hat sich der Film für mich angefühlt: distanziert und maschinenartig. Nicht einmal der Gefühlsausbruch am Ende hat mir geholfen, Alan Turing näher zu kommen. Wahrscheinlich war das so beabsichtigt vom Regisseur, doch wenn ich einen Film über eine historische Person sehe, möchte ich in der Lage sein, mit ihr zu fühlen, oder zumindest sie zu verstehen. Vielleicht auch entdecken, dass diese Person trotz aller erbrachten Leistungen Mensch ist.

Alan Turing wäre - geht man nach dem Film - wohl lieber eine Maschine gewesen. Intelligenz und Verstand zählen mehr als Herz und Emotionen, die man am besten unterdrückt. Natürlich gibt es Gründe, sich anderen zu verschließen, und selbst wenn keine Gründe da sind, liegt es mir fern, *Sonderlinge* wie Turing zu kritisieren. Ja, es ist ohne Zweifel lobens- und erzählenswert, was er getan hat. Die Menschlichkeit blieb dabei zwar auf der Strecke, aber hey, Hauptsache, wir haben heute alle einen Apple-Computer. (0;

Auch hätte der Drehbuchautor bedenken sollen, dass der Film in den 1940/50er Jahren spielt, und ein Coming-Out selbst von weltoffenen Zeitgenossen mitnichten auf die leichte Schulter genommen wurde (wer gab das außerdem damals schon zu?). Keira Knightleys nonchalantes "Na und? Wir sind halt beide anders", hätte in die heutige Zeit gepasst, aber keinesfalls in die miefigen 1950er. Ebenso merkwürdig war die Enttarnung des russischen Spions. Welcher Intelligenzbolzen ist denn so blöd und lässt die Bibel mit dem mit einem Eselsohr markierten Hinweis auf seine Identität offen auf dem Arbeitspult liegen?

Das Mantra, dass gerade kleine Leute Großes bewirken können, war wichtig und richtig, aber mit mehrmaligem Zitieren deutlich überstrapaziert. Ich möchte behaupten, dass Alan Turing kein kleiner Mann war, sondern eine Menschmaschine mit Visionen. Und wer sonst kann das von sich sagen?

Sonderling und Freak, na schön. Davon gibt es viele. Alan Turing gab es nur einmal. Und vielleicht sollte mir der Film deutlich machen, dass ich kein Alan Turing bin, aber dafür auf anderen Gebieten ein einzigartiger Freak. Also doch ganz okay, der Film. Nichts fürs Herz, aber streng geheim genommen irgendwie doch.

Bewertung: 


👍👍👍




Sonntag, 21. Juni 2015

Review "Amazing Grace" (2006) mit Benedict Cumberbatch und Ioan Gruffudd

Mit dem Erwerb dieses Filmes habe ich schon länger geliebäugelt, spielen doch zwei meiner Lieblingsschauspieler darin die Rollen historisch bedeutender Männer: die von Englands jüngstem Premierminister William Pitt (Benedict Cumberbatch) und des gescheiterten Sängers und Parlamentariers Wilbur Wilberforce (Ioan Gruffudd), der nach einem erbitterten und scheinbar zunächst aussichtslosen Kampf gegen die Obrigkeit im Jahr 1833 - kurz vor seinem Tod - die Sklaverei in Großbritannien abgeschafft hat.

Gestern lief der Film im Fernsehen, und ich war natürlich sehr gespannt. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Zwar fand ich die Ausstattung beeindruckend und authentisch, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas. Die Freundschaft zwischen Wilbur und dem Premierminister kam mir zu kurz und war nach meinem Empfinden zu emotionslos. Es gab kaum Momente, in denen man sich als Zuschauer miteinbezogen gefühlt hat ins Geschehen. Wenn überhaupt, gab es nur den einen Augenblick, in dem Pitt auf dem Sterbebett fast erschreckend plakativ Wilburs Hand nimmt und ihm gesteht, dass er gerne seinen unerschütterlichen Glauben hätte, um keine Angst vor dem Tod haben zu müssen.

Über weite Strecken langweilig, wurden hauptsächlich Szenen im Oberhaus gezeigt, in dem hitzige politische Debatten stattfinden. Die zweifellos charismatische Figur Wilberforce blieb trotz seiner dargestellten Menschlichkeit blass, was ganz bestimmt nicht an Ioan Gruffudd lag, den ich in skurrilen walisischen Fernsehproduktionen sehr schätze.

Im Rückblick wurde eigentlich ständig auf dem Elend und der menschenverachtenden Behandlung der schwarzen Sklaven herumgeritten, was auf Dauer ermüdend und wenig erbaulich war. Natürlich ist dieses Thema kein einfaches, und ich denke, es belastet die ehemaligen Kolonialmächte bis heute, so dass eine Aufarbeitung in Form von diversen historisch belegten Spielfilmen nicht verkehrt ist - ähnlich wie man bei uns und vor allem in Hollywood das Dritte Reich aufgearbeitet hat (empfindsame Gemüter mögen mir den etwas derben Vergleich verzeihen). Aber bei aller historischer Recherche und politischer Detailgenauigkeit hätte ich mir von "Amazing Grace" mehr vom persönlichen Aspekt über die Männerfreundschaft gewünscht und somit ein bisschen mehr Unterhaltungswert. Auch wenn der Film wirklich schöne Bilder hatte.

Vom Titel, der sich auf das weltweit bekannte Gospel bezieht, hatte ich mir ebenfalls mehr versprochen. Naiv wie ich bin, dachte ich, dass Wilbur Wilberforce damit in ähnlicher Verbindung steht wie Joseph Mohr zu "Stille Nacht", doch wie ich es verstanden habe, hatte er es von einem Seemann, der jahrelang Sklaven von Afrika nach Jamaica transportiert und reumütig dieses Lied komponiert hat, als er bereits im Ruhestand war. Überhaupt musste man sich einiges zusammenreimen in der etwas wirren Story, oder aber ich habe nach einer halben Stunde geistig abgeschaltet, weil jede Szene der vorigen glich. Auch Erklärungen zu Wilburs Krankheit habe ich vermisst, und wie es dazu kam, dass er trotz Laudanum-Abhängigkeit und den ständigen Krämpfen seinen anfangs so properen Weggefährten William Pitt überlebt hat.

Fazit: Nicht unbedingt ein Muss, aber wahrscheinlich im Original und für die Engländer ein wichtiges historisches Zeitdokument.



Bewertung:  👍👍 und ein halber 👍
                                                                                         für Benedicts coole Perücken.




Dienstag, 17. März 2015

Das Phänomen "Passiver Protagonist"

Man erfährt und lernt ja so einiges, wenn man im Internet surft. Oft stolpert man dabei über Dinge oder Begriffe, die man noch nie gehört hat, die aber irgendwie neugierig machen. In Facebook z. B. lief mir gestern ein passiver Protagonist über den Weg.

 

Wikiimages /Pixabay

 Was um Himmels Willen ist das denn?! Ich kenne mich im Schreiben doch einigermaßen mit Protagonisten und Antagonisten aus, aber das? Noch nie gehört. Und dann die Feststellung dazu, dass der passive Protagonist in neunzig Prozent aller Romane einen festen (und verpönten) Platz besetzt. Ich musste unbedingt wissen, was es mit ihm auf sich hat. Ist er wirklich so schlimm, wie der Artikel impliziert?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht. Obwohl ich in meinen eigenen Romanen mehr Frodos habe als Hamlets (für mich das klassische Beispiel eines passiven Protagonisten), hat Hamlet durchaus eine Daseins-Berechtigung. Nicht nur, weil man mit ihm fühlen kann, sondern auch, weil er - anders als der aktive Protagonist - kein makelloser Held ist und sich in den meisten Fällen von den Ereignissen um sich herum überrumpelt fühlt. Wie man sich selbst oft im richtigen Leben. Klar, jeder taucht gern in fremde Welten ab und fiebert mit dem Helden, erlebt atemberaubende Abenteuer an seiner sicheren Seite, die er in unerschrockener Kühnheit beeinflusst und meistert. Und noch lieber wäre jeder selbst gern ein bisschen mehr aktiver Protagonist. Aber hat der passive Protagonist nicht auch seine Vorzüge?

Mir fällt da mein eigener Roman "Vom Ernst des Lebens" ein. Auf den ersten Blick wäre der selbstbewusste Miles der aktive Protagonist, während der eher zögerliche und scheue Rupert den passiven Part (uiuiui - nicht missverstehen!) übernimmt. Allerdings stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Rupert durchaus den Lauf der Handlung beeinflusst; vielleicht genauso sehr wie sein gegensätzlicher Freund. Anfangs wirkt er neben Miles ängstlich und apathisch, aber er versteht es bereits im zweiten Kapitel, Unternehmungslust zu zeigen, mit der er dem Roman eine Wende verleiht, die es ohne sein beherztes Handeln nicht gegeben hätte. Überhaupt: ganz ohne das Eingreifen des Protagonisten - sei er aktiv oder passiv - erzählt sich keine Geschichte, oder? Mir zumindest fiele ad hoc kein Beispiel ein, in der eine Hauptfigur völlig lethargisch am Geschehen vorbeischwimmt. Selbst Hamlet greift zum Schwert (Giftpott? Sehr beliebt und das Mittel der Wahl in der Renaissance), wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Eine mir bekannte Figur gibt es jedoch, die tatsächlich wenig bis gar nichts zum Geschehen beiträgt. Edmund Talbot aus William Goldings "Rites of Passage" / "To the Ends of the Earth" (deutscher Titel "Äquatortaufe"). Er kommt als Aristokrat an Bord eines Schiffes, das nach Australien unterwegs ist, und wird Zeuge der "Animalisierung" auf engstem Raum während der strapaziösen Reise von Großbritannien nach Down Under. Dabei bleibt er stets Beobachter und folglich größtenteils distanziert. Seine einzigen Tätigkeiten beschränken sich auf seine Tagebucheintragungen, fast peinliche, der Handlung meist undienliche Ausrutscher oder verdutzte Blicke (sehr schön veranschaulicht von einem noch extrem jungen Benedict Cumberbatch in der Miniserie "To the Ends of the Earth" von der BBC aus dem Jahr 2005).

Und dennoch ist William Golding mit diesem Roman von 1989 ein moderner Klassiker gelungen. Ich glaube, gerade weil Mr. Talbot so unbeholfen und passiv wirkt und scheinbar kein Fettnäpfchen auslässt, gewinnt er Sympathien unter Lesern und Zuschauern. Viele können sich mit ihm besser identifizieren als mit dem forschen Helden, der die Geschichte zu seinen Gunsten in die Hände nimmt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist oder die Geschicke einer Welt / eines Volkes lenken muss wie Frodo.

Vielleicht habe ich den Artikel aber auch völlig falsch verstanden. Dann bitte ich um Entschuldigung. Ich bin jedenfalls beim Durchlesen insgeheim ein bisschen froh gewesen, dass in all meinen Romanen kein Protagonist so passiv ist, dass man behaupten könnte, er sei überflüssig für die Story.




Samstag, 4. Oktober 2014

Black Beauty in Zeiten des Krieges: "Gefährten" (War Horse) von 2011

Filme von Steven Spielberg sind für mich persönlich keine Empfehlung, außer es geht um "Schindlers Liste" , "Indiana Jones" oder "Der weiße Hai". Die fand ich großartig. Alle anderen, die ich kenne, sind mir zu schwülstig.





Die Geschichte des Wunderpferdes Joey macht da keine Ausnahme. Wie in fast allen Spielberg-Blockbustern entwickeln dort Tiere und Kinder besondere Fähigkeiten, die sie aus heiterem Himmel anfallen. Bei ersteren fehlt nur noch, dass sie sprechen können, und Spielberg-Kinder bzw. -Jugendliche gehen mir auf die Nerven mit ihrer altklugen Art und dem Gefühl, den dummen Erwachsenen überlegen zu sein. Die wiederum sind oft abgrundtief und hassenswert böse, so wie der feiste Grundstücksvermieter, der sich Joey unter den Nagel reißen will und den rechtschaffenen Bauern droht, ihnen im Falle einer Verweigerung die Existenz zu entziehen. Klar, das gehört zu Spielbergs Erfolgsrezept und ist sein Markenzeichen, doch ich bin vielleicht zu sehr Realist, um mich davon begeistern zu lassen. Oder ich würde gerne mal vernünftige Erwachsene in Spielberg-Filmen sehen.

"Gefährten" habe ich mir gestern auf Pro7 angeschaut, weil Benedict Cumberbatch und sein Kumpel Tom Hiddleston sich extrem sexy und hoch zu Ross ein Duell liefern, das natürlich das intelligente, pfeilschnelle und makellose Wunderpferd für sich entscheidet. Und ich muss leider sagen, dass das Rennen für mich das einzige Highlight war, bevor in den nächsten Minuten sowohl Captain Cumberbatch als auch dessen Untergebener Hiddleston das Zeitliche segnet, die beide nicht nur vor ihrem heldenhaften Ausscheiden blass bleiben wie der Rest der menschlichen Darsteller. Danach wie auch davor musste ich mehrmals ein Gähnen unterdrücken.

Die beschwerliche Odyssee des Hengstes Joey hat mich merkwürdigerweise weitgehend kalt gelassen. Das lag nicht an der Leistung des Pferdes, sondern am für mich sehr unglaubwürdigen Drehbuch und den naseweisen Kindern, durch deren Hände er geht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei dieser banalen Geschichte selbst bei Kate Middleton die königliche Zurückhaltung flöten ging. Aber die Briten und die Royals im Besonderen haben ja eine erstaunlich enge Beziehung zu ihren Haustieren, wie auch "Gefährten" beweist - die bösen Deutschen schinden nämlich die treuen Gefährten des Menschen zu Tode, während Engländer und Franzosen sie als gleichberechtigte Kameraden behandeln und trotz Armut bereit sind, dafür ein Vermögen springen zu lassen. Für den klugen Hengst sowieso, denn jeder merkt sofort, wie charismatisch und besonders er ist. Bay Beauty statt Black Beauty eben.

Ja, ich gebe es zu: der Film hat emotionale Momente, und als der Schwarze, der sich ehemals zwischen den Beinen von unter Mr. Cumberbatch profilieren durfte, in "deutscher Gefangenschaft" vor Erschöpfung zusammenbricht und Joey sich besorgt und fragend schnobernd über ihn beugt, flossen die Tränchen tatsächlich ein wenig. Oder als Joey sich im Niemandsland kopflos im Stacheldraht verheddert. Das waren Szenen, die mein ehemaliges Reiterherz berührt und empört haben. Und ich war doch froh, dass es für das Pferd und den viel zu gefühligen, halbwüchsigen Besitzer Albert am Ende ein Wiedersehen und eine Heimkehr in einer effekthascherischen "Vom-Winde-verweht"-Kulisse kam, bei der das Pferd wehmütig-weise in die Ferne blickt, während seine Menschen sich trunken vor Glück und Wiedersehensfreude in den Armen liegen.

Aber auch das schien mir zu dick aufgetragen, wobei ich Melodramen durchaus nicht rundweg abgeneigt bin. Leider übertreibt es Spielberg dabei häufig, und wo die Stimmung aufgelockert werden soll, gelingt das meist nur mit Witzen und Zufällen, die so vorhersehbar sind, dass Spielberg noch überraschen könnte, wenn er darauf verzichten würde.

Fazit: Ein für viele Zuschauer tränenreiches Hollywood-Melodram, das man nicht gesehen haben muss, aber gerade bei Pferdefreunden und "Hiddlebatch"-Liebhabern (trotz der Miniauftritte) hoch im Kurs steht. Und da ich in gemäßigter Form beides bin, gibt es von mir mit gutem Willen, den ich gerne zeigen möchte, drei Sterne.


  👍👍👍



Montag, 23. Juni 2014

The Imitation Game ~ Bio-Pic mit Benedict Cumberbatch über Entschlüsselungsgenie Alan Turing

Warum spielt Benedict Cumberbatch eigentlich überdurchschnittlich oft verkopfte Genies, wo er doch privat ein ganz Lieber ist und mal gerne in einer romantischen Komödie auftreten würde? Ich verstehe das nicht so ganz, könnte man dem Mann doch hin und wieder erlauben, seine Wandlungsfähigkeit auszuleben. Immerhin hat er offenbar in der Tragikkomödie "August: Osage Country" überzeugend den liebenswerten *Dorftrottel* gespielt, und das auch noch vor Aufregung zitternd an der Seite von Grande Dame Meryl Streep. Respekt und Bonuspoints!

Mitte November reiht sich neben Sherlock Holmes, Julian Assange und Stephen Hawking ein weiteres mathematisches Wunderkind in seine Filmografie ein: da startet "The Imitation Game" in den Kinos, eine Biografie über den englischen Wissenschaftler Alan Turing (1912 - 1954), der nicht nur die deutsche Enigma im zweiten Weltkrieg dechiffrierte und am ersten Entwurf eines Schachcomputers bastelte, sondern auch Apple zu ihrem Logo inspiriert hat. Tief depressiv und aus Verzweiflung über seine aufgezwungene Hormonbehandlung bzw. Sterilisation, der er sich aufgrund seiner Homosexualität unterziehen musste (wie grausam!) soll sich der bekennende "Schneewittchen"-Fan mit einem Cyanid versetzten Apfel umgebracht haben. 
 

Pixabay /skeeze

 
Die Geschichte hinter dem Logo ist laut der Firma nur ein Gerücht, aber wenn sie nicht wahr ist, so ist sie doch gut erfunden und wäre marktstrategisch auch nicht unklug. Denn ehrlich - wer will schon einen wahllos angebissenen Apfel kaufen? Dann lieber einen, der die Henkersmahlzeit eines neuzeitlichen, wenn auch wenig bekannten Pioniers war. Alan Turing wurde übrigens posthum eine königliche Entschuldigung für die Sterilisation ausgesprochen.

Den Film werde ich mir ansehen. Schon allein deshalb, weil Bennys klassisch nostalgischer Herrenhaarschnitt und die Hosenträger so unheimlich sexy sind. An sich mag ich solche deprimierenden Filme nicht so sehr, in denen die Protagonisten am Ende ins Gras respektive in vergiftete Äpfel beißen, und die Themen Informatik und Spionage kommen mir obendrein ziemlich trocken vor. Darum habe ich auch auf "The Fifth Estate" verzichtet, obwohl ich mich mit Fug und Recht als Cumberbabe bezeichnen darf.

Leider wird meine Vorfreude nicht nur durch die kopflastige Thematik getrübt: Keira Knightley, die toughe Piratenbraut aus "Fluch der Karibik" spielt die weibliche Hauptrolle (muss das überhaupt sein? Im "Imitation Game" geht es doch offensichtlich um Männersachen). Es geht mir nicht mit vielen Schauspielerinnen so, aber einige finde ich einfach überschätzt und ihr Spiel nervig und over the top. Keira Knightley gehört zu ihnen.

Aber ach, ich habe eben eine Schwäche für gutaussehende britische Gentlemen. Und für Benedict Cumberbatch im Besonderen.



Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

 

ArtTower / Pixabay


Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht. 

 

linsayascott / Pixabay


Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Mittwoch, 5. Februar 2014

So ein Zufall!

Meinen freien Nachmittag wollte ich heute *sinnvoll* nutzen: ich bin Richtung Speyer gedüst, um mal wieder ein bisschen zu bummeln, aber vor allem, um das Museum und den Wilhelmsbau zu besuchen, in dem man durch die Zeitgeschichte von Kuriositäten wandern kann - von mechanischen Musikinstrumenten über Spielzeug, Mode und Kultur. Bei dem schlechten Wetter bietet sich das doch geradezu an, und außerdem kann ein Museumsbesuch unglaublich inspirierend sein.

Als ich sah, welcher Film im IMAX gezeigt wurde, stand mein Entschluss fest: zuerst ins Kino! Denn dort wurde eine Dokumentation von National Geographic über Jerusalem gezeigt - mit Benedict Cumberbatch als Erzähler! Unnötig zu sagen, dass mein *inner Fangirl* total ausgeflippt ist. Ich wusste nämlich nicht, dass er hierzulande in die IMAX-Kinos kommt; das war sozusagen eine angenehme Überraschung. Na gut, leider werden die Filme bei uns ja synchronisiert, aber er war trotzdem soooo toll! Statt Benny sprach der deutsche Sherlock-Sprecher, und er klang durch das fantastische Dolby-Surround-System fast genau so sexy wie das Original *schmacht*.






Abgesehen davon lohnt sich der Film für alle geschichtlich Interessierten, und die Musik (auf die ich immer sehr achte) hat das Ganze richtig atmosphärisch und majestätisch untermalt. Teilweise war ich so überwältigt, dass ich einen Kloß im Hals hatte oder mir ein Tränchen aus dem Auge wischen musste, was vielleicht auch meiner Verbundenheit zu Israel geschuldet sein mag. Gigantische Panorama-Aufnahmen, sympathische Menschen, die den Zuschauer durch die Farbenpracht der Altstadt führen, und ein Gänsehautmoment, als man die drei Mädchen der drei Weltreligionen zusammen in einer Szene sieht. Schon erstaunlich, dass man in Jerusalem, einer doch verhältnismäßig kleinen Stadt, als Jude, Christ und Moslem nebeneinander her lebt und selten Kontakt zu anderen hat, was sich doch viele Bewohner offenbar wünschen. Auch verblüfft hat mich, dass sich im Felsendom tatsächlich ein Felsen verbirgt und nicht etwa ein runder Gebetsteppich, wie ich immer annahm. Dieser Felsen wird als Wiege der Menschheit betrachtet und hat überhaupt eine ziemlich geschichtsträchtige Vergangenheit. So glaubt man zum Beispiel, dass König David die Bundeslade hierher gebracht hat und Salomons Tempel dort errichtet wurde.

Unter der Stadt befinden sich viele Ruinen, Relikte und Schriftzeichen, die Archäologen ausgraben und einzuordnen versuchen, doch wirklich lösen lassen sich die Rätsel der Stadt wohl nie. Schon faszinierend, finde ich.




Ich war schon einmal in Israel, aber leider noch nie in der Hauptstadt. Das muss ich unbedingt nachholen! Denn wie sagt man so schön: "Nächstes Jahr in Jerusalem".

Montag, 13. Januar 2014

Sherlock "His Last Vow" ~ "Sein letzter Schwur" Finale der dritten Staffel (Spoiler???)


"I don't understand", sagte Watson zu dem fiesen Magnussen.

Ja, mein lieber Watson, ich auch nicht. Wenn zwei oder drei Superhirne und hochfunktionsfähige Soziopathen aufeinandertreffen, sind alle anderen die Dummen. Ehrlich, das war mir zu hoch. Vergleichbar mit der ersten Folge von Staffel Zwei, die ich auch nie wirklich kapiert habe. Die mit "The Woman". Manche Stories sind einfach zu *cleverclever* für mich, und oh, was war ich froh, dass ich nicht die Einzige war, die absolut nicht gerafft hat, was das alles zu bedeuten hatte.




Meine Vorahnungen haben sich zumindest teilweise bestätigt, aber der Rest ist Schweigen. Ich würde sehr gern ein wenig näher auf die Handlung eingehen, aber um nicht zu spoilern bzw. meine Unwissenheit zuzu- und mir selbst eine Blöße zu geben (schließlich ist Wissen Besitz, wie der böse Magnussen so treffend bemerkte), muss ich mich kurz fassen.

Eine Enttäuschung erster Güte war Charles Augustus "Can I flick your face?" Magnussen. Vom ersten Moment an fand ich ihn extrem abstoßend, und es scheint, dass man in Skandinavien keine Manieren beigebracht bekommt. Wer leckt denn einer fremden Frau das Gesicht ab? Igitt! Vielleicht lag es aber auch daran, dass er im echten Leben der große Bruder von Hannibal ist, und der hat ja bekanntlich alle Menschen zum Fressen gern.

Die Rolle und Bedeutung von Mary ist mir immer noch nicht klar. Wohl hat sich herausgestellt, dass John Watson sich unweigerlich von Psycho- und Soziopathen angezogen fühlt und nichts dagegen tun kann, aber warum hat sie auf Sherlock geschossen, wenn sie eigentlich die verhängnisvollen Informationen auf dem USB-Stick von Magnussen haben wollte? Hinterher stellt sich dann heraus, dass es ihr leid getan hat und ihr keine andere Wahl blieb. Kann mir jemand erklären, weshalb? Ich muss irgendwie kurz weg gewesen sein. Apropos: Die Sequenz, in der Sherlock außer Gefecht gesetzt wird und das folgende Gedöns im Krankenhaus war mir zu lang und ausgewalzt. Schon toll, was man mit Tricktechnik alles machen kann, aber übertreiben sollte man es nicht, weil sonst der Plot ins Hintertreffen gerät und noch konfuser wird als ohnehin schon. Das hat mich irgendwie unangenehm ans neue experimentelle "Tatort"-Format erinnert.

Die große Überraschung gab es dann doch: der bereits von mir abgeschriebene Moriarty erscheint Sherlock in einer Art Gummizelle und macht ihm klar, dass er sich nicht gehen lassen kann, weil er John retten muss. Sherlock gehorcht und löst nebenbei noch sein Gelübde gegenüber dem Ehepaar Watson ein, das er in "The Sign of Three" feierlich gegeben hat. Bevor die Regierung respektive Mycroft ihn dafür des Landes verweist, generiert Sherlock geschickt zum richtigen Zeitpunkt seine Tumblr-Warteschleife, in der Moriarty außer auf Tumblr zudem in den Nachrichten und auf Billboards erscheint. Da niemand anderes mit dem Kindskopf fertig wird als the great detective himself, und Moriarty obendrein nicht nur für John, sondern auch für Krone und Vaterland eine Gefahr darstellt, pfeift Mycroft das schlaue Brüderchen zurück.

Bennys Spiel war toll. Ich mag ihn einfach, sein Talent, sein Aussehen, seine Samtstimme und die Eleganz, die er an sich hat. Zu seinem Sherlock bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass er ihn genial verkörpert. Außerdem würde frau zu gern mal ehrfürchtig seufzend über seine mal mehr und mal weniger glatte Alabasterbrust streichen...

Louise Brealey alias Molly Hooper war mir in der Folge zu moralisch und zu streng. Irgendwie werde ich mit der Figur generell nicht warm. Herzig dagegen wieder die Cumberbatches - die häuslichen Szenen an Weihnachten fand ich zu süß, besonders den Papa mit seiner roten Fliege und Mama, die ihre beiden erwachsenen Söhne beim Rauchen ertappt.

Ansonsten fand ich, dass zu viel heiße Luft um die Episode gemacht wurde, denn so berühmt war sie nicht. Und Gatiss und Moffat haben uns tatsächlich verschaukelt: Es hieß doch, dass Moriarty nicht überlebt. Wenn sie jetzt beide - Moriarty und Sherlock - ihren Tod vorgetäuscht hätten, wäre das schon ein bisschen lahm. Allerdings würde ich mich auf mehr Andrew Scott in der nächsten Staffel total freuen - er erweist sich in meinen Augen als Schurke mit größerem Format als Lars Mikkelsen.

Bester Anmach-Spruch: "Sherlock is actually a girl's name."






Montag, 6. Januar 2014

Sherlock "The Sign of Three" ~ "Das Zeichen der Drei", zweite Folge der dritten Staffel (Spoiler)

Na gut, an die etwas "familiäre" Qualität der Serie und den diesmal um Nuancen gedämpfteren Fanservice habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Will sagen, es stört mich nicht so sehr, dass der Kriminal-Fall (diesmal ging es so ganz nebenbei um John Watsons ehemaligen Vorgesetzen Major Sholto) im Gewirr von Hochzeit, emotionaler Trauzeugenrede und rasanten Kameraschnitten und technischen Sperenzchen fast unterging. Statt auf das zu achten, was mir nicht so gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, die positiven Aspekte der Folge hervorzuheben, und von denen gab es erstaunlicherweise doch einige.

Die Szene, in der Sherlock die Hochzeitsgäste durch seinen erst peinlich-cringeworthy Toast auf John (und Mary *ach ja, die gibt es auch noch* Morstan) zu Tränen rührt, war einer davon. Ich war wider Willen ebenfalls beeindruckt und hätte Sherlock wie John am liebsten in den Arm genommen, als er sich so verunsichert an seinen Freund wendet, nachdem er doch so viel Anstrengung in die Rede gesteckt und sich akribisch auf den Tag und jedes Detail daran vorbereitet hat, von der bestochenen Umarmung eines altklugen Kindes bis zum Pirourettendrehen! Putzig!




Außerdem fand ich es irgendwie nett, wie in (manchmal etwas hektischen) Rückblenden von Fällen erzählt wurde, die Sherlock und John mehr oder weniger gelöst haben, und dass sie oft so skurril anmuteten (Abendessen mit einem Geist, Verfolgungsjagd eines Zwergwüchsigen, Elefant im Zimmer = Wortspiel).

Die Menschlichkeit, die Sherlock in der dritten Staffel zeigt, wird ihm ja von einigen Fans angekreidet, aber ich finde, er ist sich den Umständen entsprechend treu geblieben. Wer würde denn nicht ein bisschen schwach werden, wenn man fürchten muss, dass der beste Freund einem durch Heirat entgleitet? Gerade für den ansonsten wenig sozialen Sherlock wäre das wohl ein herber Verlust. Apropos: Wie er sich noch einmal in einem Nebensatz bei John für dessen Verlust (Sherlocks Verschwinden) entschuldigt hat, war trotz der damit demonstrierten Überheblichkeit niedlich.

Mein Höhepunkt war aber der Junggesellen-Abschied, für den sich Sherlock ebenfalls mächtig ins Zeug gelegt hat. Erst einmal bringt er eigene "Gläser" mit geringerem Fassungsvermögen mit (den Witz dabei habe ich nicht recht verstanden. Sollte er auf Sherlocks penible Art hinweisen?), und dann betrinkt er sich hemmungslos mit John auf einer *mörderischen* Kneipentour. Großartig, wie das gespielt war von beiden. Hier fand ich auch die Verdeutlichung der beeinträchtigten Gehirnaktivität zum Brüllen, als sie zu einem Fall gerufen werden ("Egg?? Chair??? Sitty thing????") und Johns Erklärung "He's clueing for looks", während Sherlock mit der Lupe vor der Nase fast auf dem Teppich einschläft und schließlich zusammensackt.

Die etwas täppische Komponente an Sherlock gefällt mir sehr gut, auch wenn ich mich anfangs gefragt habe, woher er Madonna kennt, die er Watson beim "Wer bin ich?" auf die Stirn gepappt hat. Keine Ahnung vom Sonnensystem, aber Popmusik hören... das passt nicht so recht zusammen, oder? (Okay, hier ist die Lösung: "I don't know who you are, I just picked a name from the papers...")

Und jetzt kommt's: der Mega-Spoiler und eine gewagte Theorie dazu: Ich glaube nicht, dass das Baby, das Mary erwartet, von John ist. Wie ich darauf komme? Sherlock hat Mary in der ersten Episode als Lügnerin entlarvt, und zudem liest er einen Glückwunsch auf der Hochzeitsfeier vor, der ziemlich rätselhaft ist und mit "CAM" unterzeichnet wurde. Versierte Fans ahnen, dass sich dahinter die Initialen für Charles Augustus Magnussen verbergen, der in der nächsten Folge einen oberfiesen und grausigen Auftritt haben wird. Und der sieht wirklich finster aus. Nichts mehr mit Slapstick und Johnlock und Babies. Es sei denn, Mary stirbt, und John und Sherlock müssen Baby Hamish als gleichgeschlechtliches Ehepaar erziehen. Das wäre aber wieder zu sehr Fan-Service...

Physisch und schauspielerisch ist Benny in dieser Folge in Höchstform, und ah... ich kann es mir nicht verkneifen: der Mann sieht einfach klasse und so elegant aus! Im Fazit schneidet diese Folge bei mir besser ab als "The Empty Hearse."


Gif: Tumblr




Donnerstag, 2. Januar 2014

Sherlock "The Empty Hearse" ~ "Der leere Sarg": Fan-Service hoch 3 (Spoiler-Alarm!)

Ich mach's kurz und werde mal wieder meinem Ruf als Spaßbremse gerecht: Das, was BBC One am Neujahrstag um 21:00 Uhr Ortszeit gezeigt hat, war nicht das, auf das ich über ein Jahr gewartet habe. Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, einen funktionierenden Livestream zum britischen TV-Programm zu finden (habe Tumblr unterschätzt), und war dann freudig überrascht, doch zu den Auserwählten in diesem Land zu zählen, die "The Empty Hearse" schon vor der deutschen Ausstrahlung sehen durften.

Den Anfang hatte ich dank schlechter Verbindung nur bruchstückhaft auf dem Bildschirm und habe ihn erst für einen Armani- oder Hugo Boss-Parfüm-Werbespot gehalten.


Ja, okay, es stimmt. Ein bisschen neidisch war ich auch, als mir klar wurde, dass nur einer so wilde und zugleich gepflegte Locken haben kann... der sonst so kühle Sherlock küsst Molly! Zwar nur hypothetisch, aber es war der erste *Fan-Wank* für die "Sherlollys" (Himmel, das ganze Fangirlish klingt wie eine eigene Sprache!), derer es merkwürdigerweise nicht wenige gibt.

Munter weiter ging's im Fan-Vera***en, und das völlig ungeniert (ich sage nur "Moriarty auf dem Dach" - WTF?!).

Ich will mich wirklich nicht als humorlos outen oder den Leuten den Spaß an der Folge verderben, die super ankam. Aber ich fand es schon ein bisschen erstaunlich, dass niemand die plumpe Fanparodie kritisch betrachtet. Es ist Unterhaltung, klar, und trotzdem. Euphorische Internetausrufe wie "Guys, we are Anderson!" wären für mich wenig schmeichelhaft, denn er scheint mit seiner fanatischen Überzeugung über Sherlocks Überleben, dem hysterischen Gebaren und vor lauter "Sherlolly-Shippen" nicht nur seinen Job bei Scotland Yard, sondern auch den Verstand verloren zu haben.

Intelligentes Fernsehen sieht in meinen Augen anders aus. Wie schön war es, als Sherlock noch arrogant, aber auch erfrischend naiv sein durfte und sich einen Dreck darum geschert hat, was andere über ihn denken. Moffat und Gatiss ist das offenbar nicht egal, darum werden tausende Klischees aus Fanfiction und Forumsdiskussionen bedient, die dort ihren berechtigten Platz haben, aber - wie ich meine - nicht in die Serie gehören. Denselben Fehler habe ich schon bei "House MD" festgestellt. Es täte mir leid, wenn "Sherlock" auf ähnliches Niveau absinkt. Dann könnte man im Prinzip gleich uns Fangirls bitten, die Drehbücher zu schreiben.

Zur wirren Handlung kann ich nicht viel erzählen und will auch nicht zu viel verraten. Bild- und Tonqualität meines Links waren nicht überragend, und manchmal merke ich halt doch, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ein paar Dinge, die offenbar wichtig waren, sind mir total entgangen, wie z.B. der tiefere Sinn des Bombenattentats im U-Bahn-Waggon aka Leichenwagen, das in letzter Minute verhindert wurde, als John Watson Sherlock in seinen Mind Palace scheucht, bei dem eigentlich keine Zuschauer erwünscht sind (das ist wohl auch der Grund, warum es so lange dauert, bis Sherlock den Ausschaltknopf für die Zündung gefunden hat).

Zu Watsons und Holmes' erster Begegnung nach über zwei Jahren: Die Wiedervereinigung hatte ich mir anders und weniger brutal vorgestellt. Ich verstehe, dass sich echte Kerle nicht weinend in den Armen liegen können und Sherlock auch viel zu verlegen wäre, um Gefühle einzugestehen - und dass John als Ex-Soldat seine Zuneigung wohl auf unkonventionelle Art ausdrückt. Aber ständig Haue, musste das sein? Immerhin hat Sherlock ja vorgehabt, zurückzukommen - und er fragt ihn sogar im Angesicht der drohenden Explosion, ob er ihn heiraten möchte anstatt Mary (*GNAH*! - da hüpft das "Johnlock"-Herz!). Gut, dass die wenigstens vermittelnd einspringt, weil sie Sherlocks sprödem Charme erliegt. Wenn ihr das in der nächsten Folge bloß nicht zum Verhängnis wird. Denn wie sagt Sherlock so vorausschauend zu John: "Be careful what you wish for."

Wenn wir schon dabei sind: ich hätte mir eine Episode gewünscht, in der die Figuren mehr auf den Charakteren von Sir Arthur basieren und der Interpretation der Macher als auf den Hirngespinsten der Fans.

Eine Idee allerdings gab es, die meinen uneingeschränkten Beifall fand: das Cameo von Mr. und Mrs. Cumberbatch - ihres Zeichens ebenfalls Schauspieler - als Sherlocks Eltern. Das war wirklich originell und brachte neben Amanda Abbington (Martin Freemans RL-Partnerin) auch für Benny einen Hauch familiärer Atmosphäre ins Spiel.

Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass ich es jetzt doch nicht so kurz gemacht habe wie geplant und dass ich hoffe, keinen Fan vor den Kopf gestoßen zu haben. "Sherlock" ist immer noch meine Lieblingsserie, und das wird auch so bleiben. Sicher wird die nächste Folge am Sonntag spannender und kehrt zur gewohnten Qualität zurück. Ich betrachte "The Empty Hearse" einfach als ein augenzwinkerndes Geschenk der Drehbuchautoren an allzu verrückte Fans, die vor Verzückung ob der visuellen Realisierung ihrer Sherlock-Fantasien die Höschen feucht gemacht haben. Und gut is'.


Gif: Tumblr.



Freitag, 27. Dezember 2013

Sherlock returns!

ENDLICH! Nach zweijähriger Durststrecke für die Fans der BBC-Serie kehrt Sherlock am Neujahrstag auf den (britischen) Bildschirm zurück! Einen Auftakt und Vorgeschmack auf die dritte Staffel gab es bereits am 24. Dezember mit der Mini-Episode "Many happy Returns", über die ich ehrlich gesagt nicht so glücklich war. Es kommt mir eigenartig vor, dass Sherlock John Watson über eine Videobotschaft "aus der Gruft" seine Rückkehr ankündigt. Ich meine, wo bleibt denn da der große Überraschungsmoment für den trauernden John? Auf der Strecke doch.

 


Aber vielleicht kann man die erste Folge auch ohne das im Hinterkopf genießen. Erlesene Testzuschauer haben jedenfalls einhellig befunden, dass man das unerwartete Wiedersehen zwischen Arzt und Detektiv nicht besser hätte machen können. Bin sehr gespannt - vor allem, wie Sherlock John seinen angeblichen Abgang vom Dach des St. Bart's Krankenhauses erklärt. Was er in der Zwischenzeit ohne John gemacht hat, wird wohl aus der Mini-Ep ersichtlich. Fürs Bienenzüchten in Surrey und sich dort aufs Altenteil zurückzuziehen, ist Benny-Sherlock eben zu energetisch...

Wer danach sucht, findet viele Spoiler über die kommende Staffel im Internet. Ich möchte hier gar keine posten, obwohl ich gegen den einen oder anderen Hinweis oder Infos nichts einzuwenden habe. Schade finde ich, dass Sherlocks Erzfeind Moriarty nicht mehr mit von der Partie ist. In der ersten Folge wird wohl in Rückblenden erklärt, wie genau Sherlock den von Moriarty erzwungenen Sturz überlebt hat, aber leider wird der geniale Andrew Scott von einem Bösewicht (oder zwei) ersetzt, der meiner Meinung nach nicht halb so gefährlich und bedrohlich wirkt. Aber bevor ich kritisiere, sollte ich es mir erst anschauen, gell? Trotzdem: verglichen mit Moriarty wirkt der Professoren-Look des Neuen irgendwie altbacken, und ich werde den gelangweilten Kindskopf vermissen.

John Watson ist nach einer siebenmonatigen Trauer-Witwenzeit übrigens auch nicht untätig geblieben (Spoiler?), und genau genommen war er ja derjenige der beiden, der hin und wieder einen Abstecher in die *weibliche* Psyche und vor allem Physis macht, um seine Hormone in Schuss zu halten - für Sherlock praktisch undenkbar und so fremd wie die Tatsache, dass die Erde um die Sonne kreist: Der gute John lernt eine neue Liebe kennen, die ihm über den angeblichen Tod Sherlocks hinweghilft. Witzigerweise gespielt von Martin Freemans Lebenspartnerin Amanda Abbington. Ein Happy End wird es für das innig vertraute Paar nicht geben, das darf ich als Leser der Holmes-Geschichten schon mal prophezeien. Aber es hätte irgendwie ja auch nicht in eine so ungewöhnliche Männerfreundschaft gepasst, oder?

Die graue Maus und Pathologin Molly Hooper ist natürlich wieder ebenso dabei wie Polizeichef Lestrade und sein ewig über Sherlock nörgelnder Assi Anderson. Der hat jetzt im Gesicht zu viel, was Lestrade auf dem Kopf zu wenig hat. Apropos: Gesichtsbehaarung spielt wohl eine wichtige Rolle, zumindest in der ersten Folge, in der sich John Watson aus Gram einen biederen Schnauzer hat stehen lassen. Was mit dem geschieht, bleibt nicht lange ein Geheimnis: dem heimgekehrten Sherlock missfällt er - also ab damit. Und damit Sherlock bleibt, tut der treue Watson wirklich alles. Aber ehrlich gesagt: ohne sieht er auch einfach smarter aus (wenn schon nicht jünger^^). Und natürlich darf auch Mrs. Hudson / Una Stubbs nicht fehlen, die gute Seele der Baker Street.

Wann der deutsche Ausstrahlungstermin ist, steht noch nicht fest. Ich schätze aber, es dauert nicht sehr lange, da Sherlock eine Serie ist, die sich hauptsächlich durch Merchandise-Artikel und DVD-Kollektionen finanziert. Für den US-Markt und Großbritannien ist die komplette Staffel auf DVD bereits für Mitte Februar geplant. Ich freu' mich schon drauf!







Dienstag, 17. Dezember 2013

Smaugs Einöde ~ für mich eher blöde

Gerade komme ich aus dem Kino und mache mich mal wieder unbeliebt. Für mich war der zweite Teil der Hobbit-Trilogie von Peter Jackson nämlich eine Riesenenttäuschung. Nichts, überhaupt gar nichts rechtfertigt meiner Meinung nach den Hype um den Film. Wären die tollen Landschaftsaufnahmen nicht gewesen und die schönen Städte in den Wäldern und am Wasser, ich wäre nach der ersten halben Stunde eingenickt. Die Spinnen hatten ja noch einen gewissen Grusel-Faktor, bei dem ich verschreckt die Äuglein zugekniffen und mit Popcorn um mich geschmissen habe, um sie mir vom Leib zu halten, aber (fast) alles andere habe ich im ersten Teil besser bzw. schon mal gesehen. 
 
 


Eigentlich wollte ich mit den positiven Dingen anfangen. Das Unglück ist nur, dass es die in "Smaugs Einöde" kaum gab. Na schön, ich würde gerne wissen, in welchem Dojo die Elben ihre akrobatischen Kampfkünste erlernen und verfeinern und welches Glätteisen sie für ihre Wallemähnen verwenden. Orlando Bloom als Legolas und Lee Pace als sein Vater waren wirklich beeindruckend. Damit hat es sich aber auch schon.

Die erfundene "Liebesgeschichte" zwischen der Elbin Tauriel und dem komischen Zwerg war so überflüssig wie das Endlosgeschwätz der grottigen, mottigen Echse (irgendwann hätte ich ihr am liebsten die schlapprige Gurgel zugedrückt!), die in Sachen Hässlichkeit und Plumpheit dem Lindwurm Fuchur aus der Unendlichen Geschichte locker das Wasser reichen kann. Womit wir beim Hauptpunkt meiner Kritik angelangt wären: der Titelheld. Ich weiß nicht, ob es an der Synchronisation lag, oder ob Benny dem Vieh auch einen so unerträglich süffisanten und fast schon koketten Tonfall verleiht. So stellt man sich keinen gefährlichen Drachen vor, der dem bösen Sauron dient. Ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht, ob ich Lust habe, es nachzuprüfen, sobald der Film auf DVD erscheint.

Und die Orks! Mir wurde schon richtig schlecht, wenn ich sie nur habe sehen müssen. Im ersten Teil mag das Schlachtengetümmel ja noch angebracht gewesen sein (obwohl ich mich auch da gelangweilt habe), aber jetzt war es einfach too much. Ich hatte den Eindruck, dass die drei Stunden halt irgendwie aufgefüllt werden mussten, und wenn es überflüssige Szenen sind, wenn juckt's? Mich.

Eine nicht minder unangenehme Überraschung war für mich Stephen Fry als der verlotterte Bürgermeister von Bree. Ich mag ihn einfach nicht, weder als Schauspieler noch als Rampensau. Zum Glück war seine Rolle dann eher klein. Zu groß dagegen die von Richard Armitage alias Thorin Eichenschild, der es fertig gebracht hat, dem zum Statisten verkommenen Hobbit die Schau zu stehlen mit markigen Sprüchen und Heldentum, das ihm aus jeder Pore trieft. Mal echt jetzt: für diese Miniauftritte als Stichwortgeber musste Martin Freeman extra nach Neuseeland reisen? Ich glaube, der wollte nur schönen bezahlten Urlaub machen. Vermutlich ist der anerkannte Frauenschwarm ein Superschauspieler - ich kenne ihn nur als Thorin und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich ihn in dieser Rolle ziemlich lächerlich finde. Zu der Ehre des Schauspielers muss jedoch gesagt werden, dass wohl jeder mit Fleisch-Hand-Stulpen lächerlich wirkt.

Handlung, ach ja, die gab es auch ein bisschen. Teilweise sogar recht symbolträchtig, wenn man an die Geschichte und den uralten Streit um Land denkt. Als die Zwerge endlich ihr altes Reich wiedersehen, war das der Zeitpunkt im Film, der mich gerührt hat. Da habe ich sogar ein paar Tränchen verdrückt. Vertrieben zu werden und dann zurückzukehren, um festzustellen, wie sehr sich die Heimat verändert hat, ist wohl eine Situation, die jeder nachvollziehen kann.

Aber wenn noch einer sagt, Smaug sähe seinem aparten Sprecher ähnlich, dann fange ich an, eine Plaudertasche zu werden, bis ich denjenigen vom Gegenteil überzeugt habe oder Feuer spucke. Ach, und da fällt mir doch noch etwas Positives ein: der trockene Kommentar meiner Begleitung, als die Zwerge vor Smaugs Feuer flüchten: "Gleich gibt's Fruchtzwerge. Das kleine Steak für zwischendurch."


Bewertung: knappe
👍👍👍inkl. Elben-Bonus






Freitag, 6. Dezember 2013

(Ge)wicht(el)ige Aufregung am Nikolaus

Schon seit Ende Oktober wuseln sie auf dem Büchertreff herum: die fleißigen Weihnachtswichtel. Sie stalken ihr zugeordnetes Wichtelkind, spionieren dessen Profil aus, ergründen den Buchgeschmack und Vorlieben bezüglich der essbaren Beigaben und / oder kleiner Dekogegenstände. Pünktlich zum Nikolaus (und der Deadline fürs Wichteln) kam mein Päckchen an (eher ein Paket!). Ich war völlig überwältigt und *flabbergasted* im positiven Sinn.



Am meisten wohl von einem Brief aus der Baker Street Nr. 221b in London, den mir Sherlock Holmes' Vermieterin Mrs. Hudson mit den besten Grüßen an meine Lieben durch die Zeiten schrieb. Das war so goldig und unübertroffen süß, dass ich vor Rührung fast geweint habe! Sherlock Holmes / Benedict Cumberbatch hatte keine Zeit für mich, aber dafür prangte sein Porträt nicht nur auf dem edlen Briefpaper, sondern auch auf dem Glas selbstgemachtem Christmas Pudding (mjam!), dem England-Geschenkpapier und - Tusch! - einer CD mit viktorianischen Weihnachtsliedern, die der Meister höchstpersönlich für mich ausgewählt hat.



 
Von den Leckereien darf ich gar nicht anfangen! Ich war soooo entzückt über den Eifer und der Mühe meines Wichtelchens. Ehrlich gesagt, ich mag Kekse und Plätzchen nicht so sehr - ich finde die meisten zu staubig oder zu süß. Die von Strandläuferin haben mich vom Gegenteil überzeugt! Ehrlich, das sage ich nicht nur, um ihr zu schmeicheln. Die Kekse nach altem viktorianischem Rezept (drei verschiedene Sorten) sind die Wucht mit drei Ausrufezeichen. Das war auch die einhellige Meinung meiner Familie... ich muss die tolle Hirsch-Metalldose ein bisschen unter Verschluss halten, damit ich noch was davon habe bis Weihnachten.^^




Besonders viel Mühe hat sich meine strandlaufende Wichtelmama auch mit den übrigen Kleinigkeiten gemacht. Die Teelichter wurden mit Wachsmalstiften in den Farben des Union Jack verziert, und es sind genau zwölf Stück - weil es nach englischer Tradition noch zwölf Tage bis Weihnachten sind! Gut, dass die Post keine Verspätung hatte (habe ich mich jetzt auch nicht verrechnet?^^).



 

Außer den erwähnten Dingen befand sich noch allerlei Tee, Schokotäfelchen, ein bunter Schokonikolaus, eine putzige getöpferte Maus, Zuckerstangen, Zimt und Orangenscheiben im Organzasäckchen und eine große Tasse "Keep Calm and Carry On" im Paket. Original aus London, wie mir der Herstellungsstempel verrät. Die kann ich am Abend jetzt mit der passenden Weihnachtsmusik gleich einweihen. Ach ja: Das Buch - die Hauptsache - wurde unter dem unverhofften Geschenkeregen fast ein wenig zur Nebensache. Aber nur fast. Es war - wie sich das für ein britisches Holmesian Päckchen gehört "The Sign of Four" in der BBC- Ausgabe. Heißa Juchee!
 
Liebe Strandläuferin, du hast mich ganz ganz ganz und superglücklich gemacht! Die Maus hat einen Ehrenplatz im Setzkasten, die Kekse schweben in akuter Lebensgefahr und das Buch ist viel schöner und griffiger als meine bisherigen Ausgaben der Serie! Ich kann dir nicht genug danken für die tollen und aufregenden Geschenke, mit denen du voll ins Schwarze getroffen hast!

Freitag, 11. Oktober 2013

Biografie Benedict Cumberbatch ~ Marc Halupczok

Den baldigen Kinostart von "The fifth Estate" (Biopic über Wikileaks-Gründer Julian Assange) und "Der Hobbit - Smaugs Einöde" nehme ich zum Anlass, diesen großartigen, charismatischen  Schauspieler mit der deutschsprachigen Biografie von Marc Halupczok etwas näher zu beleuchten.
 
 

 

Beschreibung Amazon:
Brillanter Wissenschaftler, Meisterdetektiv, intergalaktischer Terrorist und Drache in Mittelerde.

Benedict Cumberbatch kam scheinbar aus dem Nichts wir dürfen live dabei sein, um ihn bei seinem unaufhaltsamen Weg an die Spitze zu begleiten.

Ruhm und Ansehen sind ihm gewiss, denn auch in kleineren Rollen schafft es der britische Gentleman, mächtig Eindruck zu hinterlassen. In Großbritannien ist sein Name längst Synonym für die Rolle, mit der ihm
den internationalen Durchbruch gelang Sherlock Holmes. In der TV-Serie brillierte er und erweckte diesen hochgradig leistungsfähigen Soziopathen zum Leben.

Doch kam Benedict Cumberbatch tatsächlich aus dem Nichts? Und wer ist dieser Mensch, der das britische Understatement mit dieser grandiosen Gelassenheit zur Schau stellt, nur um im nächsten Moment vor Emotionen zu explodieren?

Marc Halupczok zeichnet den Weg des Mimen in dieser Biografie nach, von den bescheidenen Anfängen als Theaterschauspieler zum preisgekrönten TV- und Filmstar. Unterstützt wird die Biografie von zahlreichen
großformatigen Bildern. Das perfekte Buch für den Liebhaber und Kenner!

Meinung:
Ein bisschen zu vollmundig, das Versprechen von Amazon. Gerade mal 125 Seiten stark, hat man diese fundierte Biografie recht schnell durchgelesen. Als großer Fan dieses vielseitigen Schauspielers und Ausnahmetalents habe ich allerdings auch nicht allzu viele Überraschungen und Offenbarungen erwartet. Wer einen Einblick über Cumberbatchs berufliches Schaffen gewinnen möchte, wird nicht enttäuscht.

Chronologisch aufgelistet und kurz kommentiert werden Inhalte von Theaterstücken, Radiosendungen und Fernsehrollen, die Benedict vor dem internationalen Durchbruch als Sherlock in der gleichnamigen BBC-Serie angenommen und gespielt hat.

Es mag überraschen, dass er 2003 an der Seite von "Dr. House" Hugh Laurie dessen Sohn in einer britischen Sitcom verkörperte - der wahre Fan hat "Fortysomething" (deutscher Titel "Dr. Slippery") schon längst auf DVD. Leider kamen mir in diesem Zusammenhang Hintergrundinformationen wie Privates, die Beziehung zu Kollegen und Anekdoten im Allgemeinen über den zurückhaltenden, aber sehr eloquenten Benedict Cumberbatch zu kurz. Dafür werden einige Dinge erwähnt (u. a. ein unangenehmer Zwischenfall in einer Londoner Parfümerie), die holprig geschrieben sind und auf die der Autor besser verzichtet hätte, wenn er schon nicht selbst dabei war.

Bewunderswert ist Benedicts Bescheidenheit trotz des durchschlagenden Erfolges in den letzten Jahren und seine Selbstironie (ich musste lachen, als er die private Filmaufnahme zu seinem ersten Tandemsprung beschreibt), die in Interviewausschnitten deutlich wird. Auch seine Einstellung zum Leben und die ihm gebliebene Bodenständigkeit verdienen Respekt und machen mir den Mann sympathisch. Ein wichtiger Auslöser, der zu dieser Einstellung führte, ist die Entführung in Südafrika bei Dreharbeiten im Jahr 2005, bei der er und zwei Kollegen nur knapp mit dem Leben davongekommen sind. Allerdings wird nicht näher darauf eingegangen - schade. Die Ehrlichkeit, mit der der Schauspieler über dieses einschneidende Erlebnis einer britischen Tageszeitung berichtet hat, wäre mehr als eine Seite im Buch wert gewesen. Zu den Bildern und Fotos muss gesagt werden, dass ich mir da eine sorgfältigere und bessere Auswahl gewünscht hätte - aber das ist natürlich Geschmacksache. Teilweise wird mir auch zu sehr auf Benedicts "exotischem" Aussehen herumgeritten.

Fazit:
Für unbedarfte Fans und Neueinsteiger eine passable informative Quelle, die einem vor allem den Schauspieler bzw. seine Arbeit näher bringt. Der faszinierende Mensch hinter den Rollen bleibt im Buch ein wenig blass - nicht nur im bildlichen Sinn.

Bewertung: Für mich persönlich würde ich die Biografie bei zwei Sternen ansetzen, doch für den "durchschnittlich" Interessierten bietet sie einiges an solider Info und erhält daher gnädige drei Sterne.



👍👍👍