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Sonntag, 19. August 2018

"Arthurs letzter Schwur" (Band 3 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Geschafft! Innerhalb von zwei Wochen habe ich den dritten und letzten Teil der Saga gelesen und muss sagen, dass ich im Nachhinein über mich selbst erstaunt bin, denn normalerweise hätte ich Bücher mit derart hohem Ekelfaktor schon lange vorher abgebrochen. Da mich aber keiner gewarnt hat und ich Artus / Arthur als Figur einfach nur toll finde, wollte ich wissen, wie es denn endet in Cornwells "realistischer Fassung" der Legende.




Inhalt: Der Auftakt zwingt den Leser förmlich, dranzubleiben: auf den ersten Seiten knüpft Band 3 nahtlos an den zweiten an, der mit einem Cliffhanger endet. Merlin und seine Komplizin und Gefährtin Nimue haben Arthurs Sohn Gwydre gekidnappt, um ihn bei einem großen Fest als Versöhnungsgabe den Göttern zu opfern. Die sollen dadurch in die Geschicke Britanniens eingreifen und das Land vom Christentum befreien. In letzter Sekunde vereitelt Arthur den perfiden Plan, doch der gutgläubige und unschuldige Gawain findet ein schreckliches Ende, das nicht einmal eines der Kleinodien wiedergutmachen kann: der Kessel, dem Gawain geopfert wird, kann diesen wider Erwarten nicht zum Leben erwecken, und Gwydre - das wertvollere Opfer als Sohn eines Herrschers - ist gerettet. Nimue ist stinkig. Merlin irgendwie auch, obwohl er fast so etwas wie Reue empfindet, als Arthur ihn zornig zur Rede stellt.

Nach dieser recht vielversprechenden Szene geht es weiter wie gehabt: Bedrohungen durch die Sachsen, Streitereien zwischen Königreichen. Arthur ist des Kämpfens müde und träumt vom einfachen Landleben und einer Karriere als Hufschmied. Solides Handwerk will er ausüben statt Kriegskunst, auch wenn die inzwischen zu ihm zurückgekehrte Guinevere sich und Arthur zu Höherem berufen fühlt. Trotzdem raufen sich die beiden wieder zusammen, Guinevere schwört ihrer Sekte ab und steht im Kampf an der Seite von Erzähler Derfel als Bogenschützin ihren Mann. Natürlich wird auch reichlich herumorakelt durch neu eingeführte Charaktere wie den hellsichtigen Barden Taliesin, gezaubert, und vor allem wieder Rache geübt. Nicht nur das Ende von Gawain hat mich schockiert, der sogar noch als abschreckende Leiche von Merlin in eine Schlacht geführt wird, sondern auch das von Lancelot. Vielleicht mag ihn Cornwell nicht, weil er in der Sage so gnadenlos perfekt ist, doch das ist kein Grund, einen echten Loser aus ihm zu machen, der machtgeil, verräterisch und skrupellos seine Ziele verfolgt. Apropos skrupellos: Mordred, der rechtmäßige König, für den Arthur seinen letzten Schwur halten möchte und am Ende doch versagt, war mir irgendwie viel zu nebulös und nicht wirklich präsent. Zwar wurde er nach allen Mitteln der Kunst als widerlich dargestellt, aber das half mir nicht über die etwas lächerliche Vorstellung von Peter Ustinov als Nero in "Quo Vadis?" hinweg - und das entspricht überhaupt nicht meinem Bild eines raffinierten und zielstrebigen Mordred.

Im vierten Teil des Buches geht dann alles Schlag auf Schlag, durchsetzt von immer wiederkehrendem Schlachtengetümmel und Gemetzeln an diversen Hauptcharakteren. Teilweise war es mir zu viel, und dann - als das Ende des Helden naht - wurde ich von der Sang- und Klanglosigkeit, mit der er verschwindet, irgendwie enttäuscht. Nach einer letzten Bitte an Derfel, sein magisches Schwert Excalibur im Meer versinken zu lassen, hinter dem Merlin und Nimue als eine der Göttergaben her waren, verschwindet der ungekrönte König Britanniens auf Nimmerwiedersehen. Wie in der märchenhaften Sage. Keine Überraschungen hier. Allerdings muss ich zugeben, dass mir schon ein bisschen das Herz geblutet hat, als Arthur schwer verwundet zu Boden geht.


Bild: https://pagewizz.com/cornwall-da-sollte-man-hin-38052/
Quelle: Adele Sansone



Meinung: Trotz aller Kritik haben mich Cornwells Arthur-Chroniken einigermaßen gut unterhalten. Das liegt vor allem an der Figur des Arthur, dem Cornwell aus den Überlieferungen treu geblieben ist: freundlich, aufmerksam, charismatisch und dennoch ein rücksichtsloser Gegner für potientielle Eroberer seines Landes, träumt er von einer besseren Welt und scheitert doch an den hochgesteckten Idealen, die von seinen Mitmenschen nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen werden - etwas, das der Herrscher wider Willen überhaupt nicht verstehen kann. Er war es, der mich durch die Chroniken getragen hat.

Andere historische Romane des Autors werde ich nicht wieder zur Hand nehmen. Dazu ergeht sich Cornwell zu oft in Weitschweifigkeit, heroischem, kriegerischem  Imponiergehabe und Wiederholungen von Personenbeschreibungen, die er scheinbar bei der Länge des Werks vergessen hat. Wie oft mir Tewdric, der zum Christentum konvertierte König a.D. über den Weg lief und nackte, wild zuckende Druiden mit dungverklebten Haaren auf abgetrennte Köpfe gepisst haben, kann ich nicht zählen. Es gab einige Stellen, die mich tatsächlich berührt haben und von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Dazu gehören Szenen zwischen Derfel und seiner Frau Ceiwyn, die in diesem Band ziemlich harte Schicksalschläge erleben.

Fazit: Ich bevorzuge den märchenhaft-fantastischen Artus von Gillian Bradshaw. Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es einen Herrscher wie ihn wirklich gegeben hat, kommt es mir sinnvoller vor, ihn im Reich der Mythen und Märchen zu wissen, in dem er schlummert bis zum heutigen Tag.

Bewertung:
👍👍👍





Sonntag, 5. August 2018

"Der Schattenfürst" (Band 2 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Obwohl mich der erste Band nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat, wollte ich dem zweiten Teil noch eine Chance geben. Irgendwie mag ich die Art, wie Cornwell den edlen und vernünftigen Arthur porträtiert (kann man einen so großartigen Kerl überhaupt unsympathisch schreiben?), und tatsächlich kam mir auch der unfreiwillige Sachse und Erzähler Derfel im "Schattenfürst" ein wenig näher; wahrscheinlich, weil man einiges über sein Familienleben und seine Herkunft erfährt. Ich hatte den Eindruck, er war ein bisschen weicher und nicht mehr gar so kriegerisch. Immerhin brechen im zweiten Teil die Tage von Camelot an, was bedeutet, dass es lange Zeit Frieden gab im Land.




Inhaltlich ist mir "Der Schattenfürst" in der Rückschau trotzdem weniger präsent als "Der Winterkönig." Der Titel spielt auf Merlin an, der mir zuwider ist in seiner gewollt coolen Art, und dessen überhebliche Abgeklärtheit im starken Widerspruch dazu steht, dass er die dreizehn Kleinodien Britanniens vereinen möchte, um die alten Götter zu rufen, damit sie die Unordnung beseitigen, die das Christentum ins Land gebracht hat. Ihm zur Seite steht die hysterische Nimue, die zwar nicht immer Merlins Meinung ist, darum aber nicht weniger fanatisch. Wirklich berührt hat mich das Schicksal von Tristan und Isolde (ich wollte schon immer wissen, welchen Platz die beiden in der Artus-Sage einnehmen. Cornwell ist diese Interpretation gut gelungen, finde ich), und - wie bereits erwähnt - auch der Werdegang von Derfel, der unter seiner harten Schale doch ein ganz Netter ist und seiner Ceiwyn treu ergeben, mit der er in einfachen Verhältnissen lebt und drei Töchter hat.

Gestört hat mich die Geringschätzigkeit, fast schon Verachtung, mit der Cornwell über das Christentum schreibt. Ja, er legt diese Dialoge seinen Protagonisten in den Mund und will wohl unparteiisch bleiben, doch irgendwie blitzt immer wieder durch, dass heidnische Rituale einer Religion vorzuziehen seien. So jedenfalls habe ich es verstanden. Ich möchte nicht sagen, dass Religionen gut sind, denn sie führen immer wieder zu Kriegen und Missverständnissen. Und dennoch hätte ich mir weniger religiöse Voreingenommenheit im "Schattenfürst" gewünscht. Der einzige, der mir diesen Wunsch erfüllt hat, war Arthur, der sich auf seinen Verstand und sein Urteilsvermögen verlässt. Mir gefällt, dass er an das Gute glaubt und weder Heiden noch Christen verdammt. Leider war er zum Schluss dann doch der Dumme, denn seine Frau - immer noch glühende Isis-Anhängerin - entpuppt sich als untreu, sowohl was Arthurs Privatleben als auch seinen Herrscherstatus angeht. Sie stellt ihre Sekte über die Solidarität zu ihrem Mann, der von Nimue (Merlins Gefährtin) als Narr bezeichnet wird, weil er in politischen Belangen nie auf Guinevere gehört und sich demnach die Suppe selbst eingebrockt hat.

Prompt wird das kluge promiskure Weib an einen "christlichen Ort" verbannt und als Hure Babylons verunglimpft, die noch froh sein kann, dass sie nicht auf dem Scheiterhaufen endet. Überhaupt, die Gewalt wieder... für mich oft einfach zu plakativ. Natürlich sind einem Verbrecher, und vor allem Kindsmörder nicht sympathisch und müssen bestraft werden, doch auf die grausigen Details, die Cornwell seinen Derfel fast genüsslich schildern lässt, hätte ich hin und wieder gern verzichtet.

Aber ich muss zugeben, dass mich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten besser unterhalten hat als "Der Winterkönig." Daher werde ich demnächst den letzten Teil in Angriff nehmen.

Bewertung:
👍👍👍    und ein halber 👍





Freitag, 13. Juli 2018

Artussagen ~ Waldtraut Lewin

Dieses Buch habe ich während meines diesjährigen Münchenaufenthalts gekauft, da es mir zufällig in der Jugendbuchabteilung vom Hugendubel in die Hände fiel. Aufmerksam wurde ich darauf schon vorher, allein deshalb, weil ich gerade sehr von den Tafelrundenrittern um den charismatischen Artus Pendragon fasziniert bin. Folglich blieb mir gar nichts anderes übrig, als es zu schnappen und zur Kasse zu gehen.



 

Obwohl es eindeutig für jüngere Leser gedacht ist, hat mir der Crashkurs in Sachen Artus gut gefallen. Waldtraut Lewin bezieht sich in ihren Erzählungen auf die gebräuchlichsten Varianten der Abenteuer und Familientragödien von Edelmännern und Burgfräuleins. Der mehr sachliche und kurz gehaltene Stil hat mich anfangs etwas irritiert, doch nach all den anderen Romanen, die ich zum Thema gelesen habe und immer noch lese, trug er dazu bei, die Geschichte in Gänze zu verstehen, die sich im Lauf der Jahrhunderte mehrfach - je nach Gutdünken und Phantasie des Autors - gewandelt hat. Und das ist auf knapp 350 Seiten große Kunst.

Lewins Erzählung gliedert sich in Artus' skrupelloser Zeugung durch Uther Pendragon und Morgaine, seinem Verhältnis zu seinem "Milchbruder" Kay, der Erziehung durch den Zauberer Merlin und seiner verantwortungsvollen Jugend, in der er nicht immer der besonnene Herrscher und König ist, der er später sein wird. Da traten für mich tatsächlich noch einige Überraschungen zutage, zum Beispiel die, wie er an das legendäre Excalibur gelangt und es in jugendlichem Leichtsinn wieder verliert, um mit einem neuen Schwert seinen Ruhm anzutreten. Auch seine Halbschwestern Morgause und Morgan finden ihren Platz und werden geschickt in die doch recht komplexen Familienverhältnisse eingewoben. Als Artus fünfzehn ist, erfüllen sich Merlins düstere Prophezeiungen, denn er schläft mit Morgause, die ihn mit ihrem Zauberbann belegt (oder es zumindest vorhat) - eine Blutschande, die sich sechsundzwanzig Jahre später bitter rächen wird. Überhaupt der Sex - der war erstaunlicherweise recht unverblümt für ein Jugendbuch. Vielleicht bin ich da aber auch nicht mehr auf dem neuesten Stand.

Recht lustig und fast grotesk sind im Mittelteil die Abenteuer (Aventurien) meines Lieblings Gawain und Lancelot. Ich dachte bisher immer, "Die Ritter der Kokosnuss" sei ein typischer Monty Python-Streich, aber scheinbar geht es in den britischen Sagen wirklich so absurd zu. Ersterer muss nämlich gegen ein angriffslustiges Bett und einen Löwen kämpfen, um vierhundert Jungfrauen zu befreien, und der schöne und unbesiegbare Lancelot landet versehentlich sogar mit einem Mann im Schlafgemach. Seine wahre Liebe gilt allerdings natürlich Guinevere, Artus' bildhübscher Gattin. Auch diese Tatsache trägt zum Untergang von der Vision Artus' eines vereinigten Britanniens bei, denn sein Sohn Mordred wiegelt das getreue Volk gegen die Menage à trois auf, die ein offenes Geheimnis ist. Bald kann Artus nicht mehr die Augen davor verschließen und muss handeln - leider zu spät. Doch im Gegensatz zu Mordred, Gawain, Lancelot (der sein eigenes Grab sehen wird - eine zweifelhafte Ehre!) und Guinevere bleibt er nach dem Chaos im Land unauffindbar und damit unsterblich.

Prawny / Pixabay

Fazit: Ein gelungener Roman für groß und klein über einen sympathischen Herrscher und seine Gefolgsleute, der das frühe Mittelalter jugendgerecht und doch erfrischend universell aufbereitet. Gut auch, dass ich endlich weiß, was die Suche nach dem Heiligen Gral bedeutet und warum sie von Lancelot und Artus, einem doch recht pragmatisch denkenden Mann, dennoch ins Leben gerufen wurde. Ein bisschen schade fand ich, dass Artus letztlich an sich zweifelt und sich als Versager fühlt, weil er den Erwartungen, besonders seinen eigenen, nicht gerecht wurde und auch viele Fehler begangen hat, die er sich nicht verzeiht. Allerdings gibt es in der Legende nun mal kein Happy End, auch wenn Waldtraut Lewin nicht selten einen humorvollen Ton anschlägt.

Ein Muss für jeden, der die Artus-Sage knackig und trotzdem lückenlos serviert bekommen möchte. Und das Cover ist klasse, dafür gibt's noch einen Bonus-Stern!

Bewertung:
👍👍👍👍👍

Montag, 11. Juni 2018

"Der Winterkönig" (Band 1 der Artus-Chroniken) ~ Bernard Cornwell

Wenn es um (prä-)historische Stoffe in Romanen geht, ist Bernard Cornwell scheinbar eine heiße Adresse. Klar, dass seine Artus-Chronik daher nicht von mir verschont bleibt. Allerdings habe ich festgestellt, dass mir die präzise fingiert-recherchierte und etwas nüchterne Schreibweise nicht so wirklich gefällt. Auf über 660 Seiten erzählt Cornwell den Anfang des sagenumwobenen Arthur Pendragon so ausführlich, dass man - zum Querlesen und gelegentlichen Gähnausbrüchen verführt - einen Haufen unnützer Dinge im Kopf behalten muss, von denen man sich nach zweihundert Seiten fragt, ob man sie irgendwie überlesen oder vergessen hat.




Der Inhalt kann auf ein paar Sätze heruntergebrochen werden: Mordred, verkrüppelter Enkelsohn des Uther Pendragon, soll in einem zerrütteten Britannien der Nachfolger des Großkönigs werden. Zum Protektor des Kindkönigs wird Arthur bestimmt (der erst im zweiten von vier Teilen des Romans auftaucht), doch er soll erst Ceiwyn heiraten, um den Frieden zwischen zwei Königreichen zu festigen. Auf der Verlobungsfeier begegnet ihm Guinevere, in die Arthur sich unsterblich verliebt, sie heimlich zur Frau nimmt und damit den Untergang des Landes besiegelt. Eine Menge Schlachten und blutige, primitive Rituale finden zwischen diesen beiden Ereignissen statt.

Meinung: Ist nicht sehr hoch, was, wie ich anfangs schon sagte, an der trockenen Art liegt, mit der Cornwell bzw. sein Ich-Erzähler Derfel berichtet, der Lancelot einen eitlen Geck nennt und sich für etwas besonderes hält, weil er ein guter Krieger ist, was hunderte Seiten lang zelebriert wird. Die Frauen sind entweder bildschöne, toughe, rachsüchtige Zauberinnen oder bildschöne Mäuschen, in die sich Derfel verliebt, ohne näher darauf einzugehen bis auf einen roten Kopf, den er bekommt, als er seine Angebetete zu forsch anbetet (was aber - ich gestehe es - irgendwie sympathisch war). Wahrscheinlich ist ihm die Liebe nicht kriegerisch genug.



girochantal / Pixabay


 

Obwohl seine Begegnungen mit Arthur durchaus ihren Reiz haben und der junge Arthur immerhin unkonventionell bartlos ist, lässt Cornwell letzteren in keinem guten Licht dastehen: er ist zwar charismatisch, hat ein Gewissen und macht seine Feinde am liebsten zu Freunden (tolle Eigenschaften, eigentlich!), doch zugleich wirkt er dadurch leichtgläubig und schwach. Obendrein ist er blind vor Liebe zu Guinevere, und ein guter Herrscher sollte neben dem Wunsch nach Frieden auch eine gute Menschenkenntnis haben, meine ich. Denn Guinevere, das raffinierte Luder, betrügt ihn von Anfang an mit diversen Edlingen und Königen und huldigt der Sekte der Isis - etwas, das ich als klassischer Artus-Fan nicht gutheißen konnte. Auch den ollen Merlin mochte ich nicht, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen hat, die alten vertriebenen Götter wieder nach Britannien holen möchte und sich dafür Arthurs Fähigkeit bedient, Menschen zu führen. Also fungiert Arthur wieder nur als Marionette und eines Helden unwürdig.

Die detaillierten Beschreibungen der frühen Jahrhunderte, in denen Menschen- und halbverwesteTieropfer zur Tagesordnung gehören und man das völlig normal fand, waren mir zu viel des Guten, genauso wie die Gemetzel auf gefühlt jeder fünften bis zwanzigsten Seite. Vielleicht kann Cornwell damit Historiker und ein überwiegend männliches Publikum begeistern; ich fand es zäh, ekelhaft und langweilig, ständig über die gleichen brutalen Dinge zu stolpern. Merkwürdigerweise hatte ich das Buch jedoch innerhalb recht kurzer Zeit durch, so dass es sooo schlecht nicht gewesen sein kann. Ob ich die Folgebände noch lese, lasse ich daher offen und vergebe großzügig


👍👍👍

Sonntag, 27. Mai 2018

"Mordred, Sohn des Artus" ~ Nancy Springer

Mit knapp 220 Seiten ist diese Erzählung eher ein Büchlein zu nennen - aber ich liebe es! Seit ich vom Artus-Virus infiziert bin, kann ich nicht genug von dem edelmütigen Hohen König, Mordred, Gawain und Co. bekommen. Merkwürdig eigentlich, dass mich das Thema vorher nie so wirklich gepackt hat. Und dabei kommt es meinem Geschmack nach Abenteuern, männlichen Protagonisten und fantastischen Reisen in andere Welten und Zeiten mehr entgegen als der Großteil der Neuerscheinungen.





Inhalt: Mordred wächst unter dem Namen Kaul glücklich bei einem Fischerehepaar auf, bevor er die Zauberin Nyneve trifft, die ihm erklärt, dass beide nicht seine richtigen Eltern sind. Sie bringt ihn zu seiner leiblichen Mutter Morgause und Lot in der Hoffnung, dass sich sein von Merlin prophezeites Schicksal nicht erfülle möge - der Untergang seinen wirklichen Vaters Artus und dem Reich Camelot. Von seinen Halbbrüdern Gawain und Gareth als Feigling geächtet, da er keinen Spaß an Kriegsspielen hat ( ja, das kommt uns irgendwie bekannt vor...), ist er ein Sonderling, der abseits steht und nie so recht versteht, warum. Erst als sein Bruder Gareth sich verplappert und ihn einen Unheilsbringer nennt, wird Mordred klar, dass er handeln muss, um den Lauf des Schicksals zu beeinflussen. Mit fünfzehn wird er als Knappe in Camelot vorstellig und wünscht sich nichts sehnlicher, als seinen Vater Artus von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihn entweder zu hassen und zu zerstören oder ihn und seine eigene Seele zu retten. Doch seinen dringendsten Wunsch - den nach Anerkennung - kann ihm der mächtige König (zunächst) nicht erfüllen.

Seine Reise als Ritter führt ihn durch einen Zauberwald, zu seiner mütterlichen Freundin Nyneve (die in Gestalt seiner treuen Hündin Möwe stets bei ihm ist), über den rätselhaften Fluss Avalon und schließlich zu den Abgründen seiner Seele, die er aufs Spiel setzt, um sich von der Prophezeihung - Merlins Fluch - zu befreien. Als die Lösung zum Greifen nah scheint, gibt es nur einen, dem Mordred vertraut: sein Vater Artus.


Prawny / Pixabay


Meine Meinung: Wo ich anfangen soll, weiß ich gerade nicht so recht; so bewegt hat mich Mordreds Geschichte und so tiefsinnig und schön und traurig zugleich war sie. Gefallen hat mir neben seiner Reise und seiner Beziehung zu Artus besonders die psychologische Komponente und der Reichtum an Fantasie, mit der die Autorin Mordreds Zwiespalt in wunderschön einfachen und doch poetischen Worten schildert. Er ist zerrissen von Liebe und Hass und dem Verlangen, Gutes zu tun, sieht er doch mit eigenen Augen, was für ein edler Mensch sein Vater ist, dem er so gerne gerecht werden würde. *Daddy-Issues*, vielleicht, aber unheimlich gut umgesetzt. Denn Mordred dürstet nicht nur nach Anerkennung; er möchte kein Böser, kein Unglücksbringer sein, und dennoch... wie kann er widerstehen, wenn seine Rolle vorgezeichnet zu sein scheint?

Weniger gut fand ich die Darstellung der Halbbrüder: Vor allem Gawain wurde in "Mordred, Sohn des Artus" zu einem blutrünstigen Rüpel, den ich in Gillian Bradshaws Trilogie als sensiblen und feinen jungen Mann so geschätzt und ins Herz geschlossen habe. Aber da jeder Autor frei ist, Varianten der Ritter und der Sage an sich zu erfinden, ist das nur mein persönliches Missempfinden und kein echter Kritikpunkt.

Fazit: Die Artus-Sage aus der Sicht Mordreds ist gefühlvoll, spannend, manchmal skurril und eine kurzweilige Lektüre für Eilige, selbst solchen, die sich noch nie mit der Legende befasst haben, aber gern mehr darüber wüssten.

Bewertung: 
  👍👍👍👍👍

Montag, 21. Mai 2018

Rezension "Die Krone von Camelot" ~ Gillian Bradshaw

Im letzten und längsten Teil der Trilogie kommt die Königin Gwynhwyfar zu Wort, Artus' Frau und in diesem Band Geliebte seines treuen Feldherren Bedwyr, von dem ich annehme, dass es sich um Lancelot handelt, der der Sage nach ein Verhältnis zu Gwynhwyfar hatte, das dazu führte, dass Artus' Reich auseinanderfiel. Ich fürchte, ich kann die Rezi nicht ohne leichte Spoiler schreiben. Wer sich also lieber unwissend in Mrs. Bradshaws dramatische Version der Artus-Sage stürzen möchte, sollte nicht weiterlesen.




Inhalt: Nachdem die Hexe Morgas im vorigen Band durch die Hand ihres Sohnes Agravain sterben musste, schwört der kleine Bruder Medraut bittere Rache. Er ist davon überzeugt, dass Gawain und Artus hinter der Tat stehen und wird im Camlann vorstellig, um seinem Vater zunächst zu dienen, nur um durch einen perfiden Plan die Macht an sich zu reißen. Artus kann sein Angebot nicht ablehnen, denn er fürchtet, von Medraut mit dessen inzestuöser Herkunft denunziert zu werden. Außerdem herrscht Unruhe in den umliegenden Königreichen, ein Krieg liegt in der Luft. Die angespannte Situation bringt Gwynhwyfar dazu, einen Becher mit Gift für Medraut zu brauen, doch ihre Absicht läuft ins Leere bzw. in Artus' Ärmel, der zum Beweis, dass seine Frau keine Giftmischerin ist, den Becher demonstrativ vor allen Leuten im Festsaal "trinkt".

Doch Kummer und die Sorge um Medrauts Vorhaben lassen ihn seine Pflichten gegenüber Gywnhwyfar vernachlässigen; sie sucht Trost und Verständnis bei Artus' bestem Freund und erstem Feldherren, und bald wird aus Zuneigung mehr. Medraut erwischt die beiden in flagranti, woraufhin Gwynhwyfar und Bedwyr an jeweils unterschiedliche Orte verbannt werden sollen. Ihre Liebe zueinander ist jedoch so stark, dass Bedwyr sie mit ihrer Eskorte unterwegs aufholt und sie nach einem kurzem Gemetzel mit sich nimmt. In diesem Gemetzel tötet er versehentlich Gawains Sohn Gwyn. Gawain will daraufhin seinen ehemaligen Freund tot sehen und bittet Artus um den Blutpreis. Schweren Herzens willigt Artus ein.

Die "Familie" ist nun derartig zerstritten, dass es für Medraut ein Leichtes ist, sie zu täuschen und zu entzweien, denn der Traum von einem Paradies auf Erden, in dem Werte wie Liebe, Freundschaft, Frieden, Gerechtigkeit, Gnade und Edelmut herrschen sollen, bröckelt selbst unter den Rittern. Der Zeitpunkt für die Schlacht um Camlann scheint gekommen, in der sich der finstere Medraut und sein Vater, die Lichtgestalt Artus, gegenüber stehen.


Quelle: Pixabay

Meinung: Entgegen meiner Befürchtung, Gwynhwyfar sei mir als Erzählerin zu fad oder zu sehr Mary Sue, war das nicht der Fall. Zwar kann sie mit meinem heißgeliebten Gawain nicht mithalten und kümmert sich in der Hauptsache ständig patent um Vorräte und frische Pferde, aber sie ist keinesfalls unsympathisch oder makellos. Obwohl sie mit Kindern wenig anfangen kann, beklagt sie ihre Kinderlosigkeit und verzweifelt an ihrer Liebe zu zwei Männern. Ihr Ehebruch mit Bedwyr hat schwere Folgen - nicht nur für Camlann.

Am meisten betroffen gemacht hat mich Gawains Verwundung durch Bedwyr, die unaufhaltsam an ihm zehrt. Als Gawain im letzten Drittel des Buches durch das Wirrwarr von Schlachtenstrategien und Scharmützeln eine Nachricht von Artus überbringt, die zum Sieg gegen Medraut führen soll, ist er bereits dem Tod nahe und halb gelähmt. Die Szene, in der er seinen Diener Rhys bittet, sein Pferd freizulassen, damit es in die Anderwelt zurückkehren kann, hat mich zu Tränen gerührt. Auch sein Vergebungsbrief an Bedwyr und die kindliche Freude, als er seinen kleinen Bruder Medraut im Fieberwahn an der Tür stehen sieht, waren fast zu viel für mich. Bislang hatte ich keinen ausgesprochenen literarischen Helden, aber ich glaube, der engelsgleiche Gawain hat ins Schwarze getroffen.

Die Botschaft des Buches fand ich sehr schön und wichtig, und es ist nicht allzu verwunderlich, dass Camlann mit einem Störenfried wie dem teuflischen Medraut dem Untergang geweiht war. Trotzdem hinterlässt "Die Krone von Camelot" einen bitteren Nachgeschmack nicht zuletzt durch das Ableben meines strahlenden Helden, das mich doch ziemlich mitgenommen und mir den ansonsten so schönen Tag verhagelt hat.

Bewertung:
👍👍👍 





Montag, 7. Mai 2018

Rezension "Das Königreich des Sommers" ~ Gillian Bradshaw

Weiter geht's mit dem Kampf zwischen dem edlen Gawain und seiner heimtückischen Mutter Morgas, zwischen Gut und Böse. Und nicht nur das: Gawain, mittlerweile erprobter und geschätzter Krieger in Artus' Heer, ist auf der Suche nach seiner großen Liebe Elidan, um sie um Verzeihung zu bitten für das, was er ihr und ihrem Bruder angetan hat.




Inhalt: Der zweite Teil der Artus-Saga wird diesmal (leider) nicht von Gawain, sondern von dem zweiundzwanzigjährigen Rhys ap Sion erzählt, einem Bauernsohn, dessen Vater Gawain auf seiner Reise zu König Artus im ersten Band begegnet ist und ihn ein Stück begleitet hat. Rhys bietet sich Gawain als Diener an, der davon jedoch nichts wissen will, nur widerwillig sein aufdringliches Angebot annimmt und ihm verspricht, ihn auf Camlann/Camelot einem anderen Krieger zu übergeben, der seine Dienste nötiger braucht. Doch Rhys versteht sich auf weltliche Dinge besser als der häufig entrückt wirkende Gawain, lässt sich weniger gefallen und ist Gawain auch ansonsten eine große Hilfe mit seiner pragmatischen Art.

Gawain ist auf der Suche nach Elidan, deren Bruder er trotz seines Versprechens, ihm nicht zu schaden, über den Jordan geschickt hat. Nun möchte er Abbitte leisten und wenn nicht ihre Liebe zurück-, so doch wenigstens ihre Vergebung erlangen, um reinen Gewissens zu seinem Herrn Artus zurückzukehren. Durchkreuzt werden seine Pläne von niemand geringerem als seiner Hexenmutter und Artus' Halbschwester Morgas. Gemeinsam mit Gawains jüngstem Bruder Medraut, der unter ihrem Bann steht, bringt sie ihren früheren Lieblingssohn in Verruf und seine ehemaligen Freunde gegen ihn auf. Eivlin, ihre Dienerin, verliebt sich in Rhys und muss ihm und Gawain dennoch eine Falle stellen, die vor allem Rhys fast das Leben kostet. Dank seiner Pfiffigkeit und raschen Auffassungsgabe entkommt Rhys mit der unter Morgas' Fluch stehenden Eivlin und findet Zuflucht in einem Kloster. Dort lebt Elidan als Nonne mit ihrem kleinen Sohn Gwyn, der Krieger werden möchte. Aber wird sie Gawain verzeihen können, und wird Gawain erkennen, dass der Junge ihm bis aufs Haar (hier wörtlich, denn Gwyn ist hell, Gawain dunkel) gleicht? Und wer wird Eivlin von Morgas' Fluch erlösen können?


Momentmal /Pixabay


Meinung: Ein kleiner Wermutstropfen war der neue Erzähler für mich schon, nachdem ich mich so sehr an Gawain gewöhnt hatte. Der ist jetzt Ende zwanzig, von zahlreichen Schlachten gezeichnet und ein Held, über den Lieder gesungen werden. Glücklich macht ihn das trotzdem nicht, im Gegenteil. Oft wirkt er melancholisch und bitter und irgendwie larger than life im zwischenmenschlichen Umgang - mal wortgewandt, dann wieder zurückhaltend und im richtigen Augenblick zur Stelle. Nie fährt er aus der Haut, nie ist er unhöflich oder grob - ein richtiger altmodischer Ritter, eben. Und genau das mochte ich sehr an der Figur. Vermutlich hätte mich seine Art in anderen Romanen mit anderen Protagonisten genervt - zu Gawain passt sie perfekt. Seine vielleicht etwas blutleere Charakterisierung wird von Rhys kompensiert, der impulsiv und leidenschaftlich für Eivlin entbrennt und sie sogar durch eine Taufe vom Bösen rettet.

Hier könnte ich mir vorstellen, dass einige Leser, die mit dem Glauben an Gott nichts anfangen können, ein wenig Probleme bekommen: Gut und Böse sind nicht nur vage Licht und Finsternis, sondern konkret Christus und Satan, in deren Namen Taten und Untaten begangen werden. Für mich war "Königreich des Sommers" eine durchaus gelungene und spannende Fortsetzung von "Falke des Lichts", auch wenn ich mir gewünscht hätte, weiterhin aus Gawains Sicht zu lesen, der mir wirklich ans Herz gewachsen ist.

Fazit:  Kommt nicht ganz an den ersten Teil heran, was aber hauptsächlich an Rhys liegt, der mir als Erzähler nicht ganz so sympathisch war wie Gawain. Inhaltlich top und auf jeden Fall macht "Das Königreich des Sommers" Lust auf den letzten Teil, den ich demnächst anfangen werde.

Bewertung: 
👍👍👍👍



Sonntag, 22. April 2018

Rezension "Der Falke des Lichts" ~ Gillian Bradshaw

Dieser Klassiker aus dem Fantasybereich steht als aussortierte Büchereiausgabe schon seit Jahren in meinem Regal - sträflicherweise ungelesen, wie ich nun gestehen muss. Damals hatte ich mir die Trilogie besorgt, weil mir die Cover so gut gefielen, und danach habe ich sie irgendwie vergessen. Fantasy ist nicht so wirklich mein Ding, und von König Artus habe ich zwar gehört und Gemälde der Prärafaeliten sogar im Original bewundert, mich aber nie sonderlich für die Legenden um ihn herum interessiert.



Mehr aus Langeweile als aus Neugier habe ich den ersten Teil der Saga jetzt bei herrlichem Balkonwetter angefangen zu lesen - und war innerhalb von vier Tagen fertig und total beeindruckt! Geschichten wie die des jungen Gawain aus Orkney, Sohn des Lots und Morgas, der sich danach sehnt, ein Gefolgsmann Artus' und ein Mitglied der "Runde" zu werden, das ist der Stoff, aus dem für mich Märchen gewebt werden, die auf unterhaltsame und lehrreiche Art etwas von der Realität widerspiegeln. Besser kann man ein Buch dieses Genres meiner Meinung nach nicht schreiben.

Inhalt: Der elfjährige Gawain wächst als mittlerer Königssohn im Inselreich Orkney auf. Er kann seinen Vater nicht zufriedenstellen, da er sich lieber mit Harfenspiel und Reiten beschäftigt als mit der Kriegskunst, in der er im Haus der Knaben unterrichtet wird. Sein verträumtes Wesen gibt dem ältesten Bruder Agravain häufig Anlass zu Spötteleien und sogar Herausforderungen zu Zweikämpfen, die Gawain zwar erträgt und stoisch verliert, die aber dennoch an ihm nagen. In seiner Not, gebraucht zu werden und Agravain überlegen zu sein, wendet er sich seiner Mutter Morgas zu, die eine mächtige Zauberin ist und von der Finsternis regiert wird.

Rasch erlernt er die dunkle Magie, doch er erkennt bald, dass er damit sich und alle anderen ins Verderben stürzt. Ein barbarischer Ritus seiner Mutter wird von ihm in letzter Sekunde vereitelt bzw. abgemildert. Als er vor Morgas Zorn darüber fliehen will, die fortan danach trachtet, ihn zu töten, wird ihm auf der "Insel der Glücklichen" ein Schwert gegeben, mit dem er das Böse bekämpfen soll. Er entscheidet sich, dies in König Artus' Truppe zu tun, von dem er in Träumen und von Untertanen viel Gutes gehört hat. Artus ist Morgas' Halbbruder und in seinem Bestreben, Britannien zu vereinen und von den Sachsen zu befreien, ein sehr charismatischer und warmherziger Herrscher. Doch auch in ihm schlummert eine dunkle Seite, die ihn davon abhält, Gawain als Ritter der Tafelrunde zu akzeptieren...


Prawny / Pixabay

Meinung: Tatsächlich wenig fantasyerprobt, habe ich dennoch erkannt, dass "Der Falke des Lichts" klassische Muster, vielleicht sogar Klischees der High Fantasy, bedient und mich trotzdem auf keiner Seite gelangweilt. Im Gegenteil, oft war ich amüsiert von den Dialogen und den Konstellationen der Familienmitglieder, die in den wenigen Fantasyromanen, die ich bisher gelesen habe, einander gleichen.

Gawain hat es nicht leicht - weder im Kreis seiner Familie noch später bei Artus' Gefolgsleuten und vor allem nicht bei diesem selbst. Obwohl er sich in verschiedenen Schlachten bewährt, ihm schwört, dem Licht zu dienen und Artus loyal zu sein, traut der Kaiser von Britannien ihm nicht über den Weg. Er erklärt dies mit der Weigerung, einen Zauberer als Krieger haben zu wollen und somit nicht auf ehrenvolle Art zu kämpfen. Der wahre Grund seines Misstrauens gegenüber dem Jungen ist jedoch tiefer und war für mich ein echter Überraschungsmoment, genauso wie der Grund, weswegen er ihn schließlich doch als Krieger seiner Truppe anerkennt; und das, als Gawain bereits beschließt, leicht entmutigt, aber tapfer und seiner Mutter Morgas trotzend auf seinem Wunderpferd wieder nach Hause zurückzukehren.

Die Story war so toll, zeitlos und teilweise so ergreifend erzählt, dass ich an manchen Stellen Gänsehaut hatte, und immer eine große Sympathie für den etwas naiv wirkenden, aber entschlossenen Jungen hegte, der sich in Artus' Heer mit seinem als Geisel genommenen Bruder aussöhnt und am Ende sein Ziel mit einer Tat erreicht, von der ich zuerst dachte: "Was soll das denn jetzt? Wie passt eine verzweifelte Frau in die Geschichte?" Solche Dinge liebe ich, denn es kam unerwartet und doch logisch.

Als Gawain schließlich von Artus mit seinem eigenem Schwert zum Ritter geschlagen wird und niemand darüber erstaunter ist als Gawain selbst (nicht nur, weil er  gar nicht mehr darauf zu hoffen gewagt hatte), war ich vor Glück den Tränen nah. Jetzt freue ich mich auf strahlendes Sonnenwetter und die nächsten Teile, die hoffentlich genauso spannend sind wie der Auftakt!

Fazit: Lesenswert trotz seiner fast vierzig Jahre. Ein echter Klassiker unter den Fantasyromanen, der viel zu lange warten musste, um von mir verschlungen zu werden.


Bewertung:
👍👍👍👍👍




Samstag, 21. April 2018

Welttag des Buches: Verschenke "Mängelexemplare" von Fairlight und Ein Spiel zu viel

Der Welttag des Buches steht vor der Tür. Viele Autoren und Blogger bieten am 23. April eine Verlosung ihrer Werke oder Favoriten und Goodies an. Auch ich habe mir überlegt, wie man diesen speziellen Tag feiern kann. Denn ganz ehrlich: wir lesen ja jeden Tag, aber dass es einen "Welttag" des Buches gibt, macht uns schon ein bisschen stolz. (O;

Da vor kurzem meine beiden Romane "Fairlight" und "Ein Spiel zu viel" ein neues Gesicht erhalten haben, verlose ich nun zwei der alten Exemplare mit jeweils einer wunderschönen Flower Fairy-Postkarte von Mary C. Barker. Die Bücher sind neuwertig und nicht - wie die aktuellen Versionen - auf kleine Schönheitsfehler überarbeitet. Inhaltlich hat sich nichts geändert.





Fairlight

Mittelengland, Herbst 1916: Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust. Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen und die Bewohner des Anwesens genauer zu beobachten.

 Ein Spiel zu viel

Sommer 1902: Fünf junge Schauspieler – darunter die Brüder Irving und Orest Van Sander – machen scheinbar Ferien an der Südwestküste Englands. In Wahrheit jedoch treibt Irving Van Sander ein anderer Grund nach Sherborne: der Adoptivvater seines Geliebten Galen Asquith, ebenfalls bei der Truppe, wohnt dort und soll nach Irvings Plänen ausgeschaltet werden, da er fürchtet, Galen zu verlieren, wenn dieser erfährt, dass Raphael Blake noch lebt. Orest mag den reservierten, aber sympathischen Blake und möchte nicht, dass ihm etwas geschieht. Er überredet Galen, mit ihm zu Blake zu gehen und ihn vor Irving zu warnen. Die beiden unerwarteten Gäste bringen Unruhe in das beschauliche Dorf, und auch innerhalb der Schauspieltruppe spalten sich nach und nach die Gemüter. Das von Irving Van Sander inszenierte Drama gerät bald außer Kontrolle…





Schreibt mir bis zum 23. April im Kommentarbereich, welches Buch ihr gerne lesen würdet.

Um 20:00 Uhr werden die Gewinner ausgelost und benachrichtigt. Ich versende deutschlandweit, leider nicht nach Österreich und in die Schweiz. Viel Glück allen Teilnehmern!


Dienstag, 10. April 2018

Zum 106. Jahrestages des Untergangs der "Titanic": Rezension zu "Choral am Ende der Reise" von Erik Fosnes Hansen

Dieses Buch habe ich bereits vor längerer Zeit gelesen, und auch die folgende Rezension ist nicht mehr taufrisch, denn mit "Choral am Ende der Reise" wurde mein Interesse an der R.M.S. Titanic erst so richtig geweckt. Das war, wenn ich mich recht erinnere, schon vor fast zehn Jahren. Trotzdem möchte ich das Buch aus gegebenem Anlass noch einmal vorstellen und wünsche ihm viele Leser. Denn es ist ein supertoller, mit viel Liebe zum Detail geschriebener Roman, halb fiktiv und halb real, der sich vor allem mit den Musikern an Bord befasst, die nach dem Eisbergzusammenstoß fatalistisch und tapfer weitergespielt haben. Ganz zuletzt nicht mehr heiter und beschwingt, sondern im Angesicht des nahenden Endes "Nearer my God to Thee", während um sie herum das Chaos ausbrach.


Funkraum der "Titanic" (nachgestellt). Quelle: Maidesigns/Pixabay


Kurzbeschreibung: Am 10. April 1912 gehen im englischen Southampton sieben Musiker an Bord der Titanic, des größten Luxusdampfers der Zeit, der mehr als 2000 Menschen auf einer Jungfernfahrt nach New York bringen soll. Das Ende der Reise ist bekannt, doch nie wurde diese Jahrhundertkatastrophe so unmittelbar, lebendig und spannend erzählt wie in den Lebensgeschichten der Protagonisten in den Untergang.

Inhalt: Die Geschichte beginnt mit dem Abschied des Kapellmeisters Jason Coward von dem nebelverhangenen London. Er resümiert dabei über seine Kindheit, und es scheint, als ahne er, dass es sich um einen Abschied für immer handelt. Der frühe Tod seiner Eltern hat ihn bitter und einsam werden lassen. Sein einziger Freund und Weggefährte ist der schnell aufbrausende Russe Alex Bjeschnikow, mit dem er viele Jahre als Schiffsmusiker arbeitete und der ihn auch diesmal wieder begleiten wird. Trotz der langen Freundschaft weiß Jason nicht viel über ihn.

Nach Jasons bewegender Geschichte folgt ein Brief von Alex an dessen Bruder, der ihn seit seiner Flucht vor den Unruhen in Russland im Jahr 1905 für tot hält. Im Brief drückt Alex die Sehnsucht aus, frei sein zu wollen, sich niemandem beugen zu müssen, was auch sein größter Wunsch für den Bruder ist.

Dieses kurze Intermezzo des Briefes leitet drei weitere fiktive Biografien ein: Die des drogenabhängigen, sich zu Höherem berufen gefühlten Spot, des melancholischen, jungen David Bleiernstein, der mit der Geige einer unglücklichen Liebe an Bord geht und die des verrückten Italieners Petronius, der einen konstruktiven Geist in seinem Kontrabass vermutet. Es wird klar, dass sich sieben ruhelos Gestrandte gefunden haben, nur um gemeinsam unterzugehen...

Meinung: Die Geschehnisse bis zur Katastrophe an Bord der Titanic sind Alltag auf einem Luxusdampfer und dienen lediglich als Rahmenhandlung, in die die Vorgeschichten der Musiker eingebettet sind. Wer also mit einer historisch belegten, sich über 500 Seiten hinziehenden Seefahrt rechnet, wird möglicherweise enttäuscht werden. Dennoch habe ich selten in so kurzer Zeit ein so umfangreiches Buch gelesen. Die Figuren sind - wenngleich erfunden - sehr plastisch dargestellt, vom besonnenen Kapellmeister bis hin zu den weniger skizzierten Musikern, dem Bratschisten Jim und Cellisten Georges, dem die Ehre zuteil wird, den Namen des Schiffes für seine Kollegen zu erläutern.

Erschüttert hat mich das historisch verbürgte Ende, da ich mich nie zuvor mit der "Titanic" auseinandergesetzt habe. Das Orchester wurde zum Spielen bis in letzter Minute angehalten, um eine Panik zu vermeiden. Viele vornehme Passagiere sind aus purer Bequemlichkeit oder Leichtsinn umgekommen, während die Passagiere dritter Klasse unbedingt auf die Rettungsboote wollten und aufgrund ihres "niedrigen Ranges" nicht durften, so dass die Boote teilweise halbleer zu Wasser gelassen wurden.

Fazit: Ein ungewöhnliches, magisches und aufwühlendes Buch, das ich bestimmt noch mehrmals lesen werde!

Bewertung:
👍👍👍👍👍



Montag, 2. April 2018

"Ein Spiel zu viel" und "Fairlight" mit neuem Cover

Obwohl ich die Gestaltung meiner Romane wirklich gut gelungen finde, habe ich doch den Wunsch, sie irgendwie nach Genre einheitlicher zu sortieren.

Gerade die historischen, Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten Romane werden ja oft mit Covern von realistisch gemalten Landschaften und Herrenhäusern versehen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, solche Bilder gemeinfrei zu verwenden. Auf Pixabay habe ich nun Gemälde "alter" Meister gefunden und war sofort geflasht.




Genau so stelle ich mir das ländliche Anwesen im Südwesten Englands vor, in dem Mr. Blake seine Schäfchen hütet und sein Pferd Phaidin grasen lässt, nachdem er sich von Scotland Yard zur Ruhe gesetzt hat. Sozusagen im Einklang mit der Natur, ehe der junge Orest und seine "Gang" aus Schauspielern die selbstgewählte Idylle stören. Ich mag diese Art Cover. In den Buchhandlungen würde ich unweigerlich danach greifen.




Und witzigerweise fand ich das passende Titelbild für "Fairlight", ein Motiv des englischen Landschaftmalers John Constable, ebenfalls lizenzfrei. Seine Werke haben mich schon immer beeindruckt; sie sind recht häufig auf Buchcovern zu sehen. Den Herrensitz selbst habe ich ein wenig düsterer vor Augen, aber auch dieses Cover vermittelt eine Atmosphäre, die total gut zur Geschichte der sonderlichen, abgeschotteten Familie passt.

Freue mich sehr über die neuen Cover, die in den nächsten Tagen auf meiner Autorenseite erscheinen werden.




Donnerstag, 29. März 2018

Blogger- und Autorenwochen bei Bookapi's Bücherwelt (19. März - 29. April 2018)

Das Interview, das meine Autorenkollegin Jay Lahinch auf ihrem Facebook-Blog veröffentlicht hat, möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich hatte sehr viel Spaß, die originellen und teils kniffligen Fragen zu beantworten, die in drei Rubriken über den Tag verteilt gepostet werden. Heute bin ich dran, doch es gibt noch sehr viele andere interessante Autoren und Blogger, die es wert sind, durch eine solch tolle Aktion bekannter zu werden. Viele bieten Gewinnspiele rund ums Buch an, sei das ein signiertes Exemplar des eigenen Romans oder schmucke und individuelle Lesezeichen, von denen tatsächlich eines in meinen Besitz gewandert ist!

Schaut einfach am besten jeden Tag vorbei; die Chancen, etwas zu gewinnen, sind gar nicht so gering, wie ihr an mir erkennen könnt, denn ich habe vorher nie etwas gewonnen (außer einer Schildmütze mit elf Jahren beim elektronischen Pferderennen im Europapark, und das zählt schon gar nicht mehr...). Für meinen Roman "Das Bildnis des Grafen" könnt ihr noch bis um 20.00 Uhr in den Lostopf hüpfen. Nähere Info findet ihr auf Jays Blog, der sich über Likes und Kommentare freut. Und nun viel Spaß beim Interview!


NAME: Christine Wirth
DATUM: 29. März 2018
SEITE: (BLOG oder AUTORENSEITE) Blog: www.christinewirth.blogspot.com  Autorenseite: www.christine2006.com
GEWINNSPIEL: "Das Bildnis des Grafen" - Christine Wirth



 
1.) PERSON
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Jay: Willkommen zur Vorstellungsrunde! Bitte erzähl doch mal von dir, damit jeder weiß, wer heute zu Besuch ist :) Wie verbringst du zum Beispiel deine Zeit, wenn du gerade kein Buch in der Hand hast?

Vielen Dank, dass ich dabei sein kann! Für mich ist dies die erste Gelegenheit, mich auf einem Blog vorstellen zu dürfen, und ich freue mich sehr darüber.

Wenn ich gerade nicht Geschichten austüftle oder kein Buch in der Hand habe, dann wahrscheinlich eine Häkelnadel. Ich entwerfe Püppchen nach Fotovorlagen für jeden, der gerne ein besonders individuelles Maskottchen besitzt. Dabei kann es sich um Filmstars, Serienhelden, historische Persönlichkeiten oder die Liebsten handeln. Es macht mir viel Freude, neue Dinge auszuprobieren, und so stellt mich jede Anfrage vor eine Herausforderung. Auf meinem Blog und meinem Facebook-Account kann man ein paar meiner Kreationen besichtigen. Mittlerweile versende ich die Püppchen weltweit. Vor allem in den USA sind sie sehr beliebt.

In meiner Freizeit treibe ich Sport, sobald ich den inneren Schweinehund bekämpft habe. Ich liebe heiße Sommertage und süße Wassermelonen, dazu ein gutes Buch  - es gibt fast nichts besseres. Überhaupt bin ich ein absoluter Sommermensch und träume von meiner eigenen Strandhütte in der Südsee. Aber bis dahin muss ich noch eisern sparen...

Jay: Was ist für dich persönlich Glück? Und ohne was, könntest du auf keinen Fall leben?

Glück bedeutet für mich, mit sich selbst im Reinen und dankbar zu sein für das, was man hat. Das gelingt nicht immer, aber ich arbeite daran. In materiellen Dingen könnte ich wohl auf vieles verzichten; loslassen zu können ist ein wichtiges Thema für mich, denn - ich werde ein bisschen philosophisch - man nimmt nichts mit, wenn man geht, wozu also Dinge anhäufen? Ich muss ein bisschen überlegen, und da fällt mir ein, dass vor zwei Jahren bei mir eingebrochen wurde. Das erste, woran ich dachte: "Ist mein Computer noch da?" Er war es, Gott sei Dank, und der Schaden nicht so groß wie die Unordnung in der Wohnung. Das Gute am Einbruch war, dass er mir gezeigt hat, wie wenig ich an etwas hänge. Anders verhält es sich natürlich mit meiner Familie - ohne sie ist mein Leben unvorstellbar. Ich möchte trotzdem keinem das Gefühl geben, zu klammern - auch wenn das manchmal schwerfällt.

Jay: Welche Eigenheit oder Macke hast du, die dich dadurch aber trotzdem irgendwie sympathisch macht? ;) Gibt es etwas, das du schon immer einmal tun wolltest? Und warum hast du es noch nicht gemacht?

Keine... haha. Da musst du wahrscheinlich meine Liebsten fragen. Ich denke, ich bin oft etwas zu direkt, wenig diplomatisch. Small Talk liegt mir nicht, und ich falle daher oft mit der Tür ins Haus, ohne es zu beabsichtigen. Auf der anderen Seite höre ich lieber zu als selbst zu reden - für Frauen vielleicht eher untypisch. Ich möchte noch viele Dinge tun. Nichts Spektakuläres oder etwas, wobei ich mir etwas beweisen muss, aber ich würde gern ein paar Orte sehen, an denen ich noch nie gewesen bin. Irgendwann wird sich das ganz bestimmt erfüllen. Man muss nur fest daran glauben. :)


 
2.) BÜCHER
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Jay: Was inspiriert dich oder hat dich besonders dazu inspiriert, einen Bücherblog oder ein eigenes Buch zu starten? Was bedeutet diese Bücherliebe für dich?

Es klingt hoffentlich nicht arrogant, aber angefangen zu schreiben habe ich, nachdem ich feststellen musste, dass mein Geschmack nicht dem Mainstream entspricht. Ich begleite gern männliche Protagonisten und nicht die junge schöne Soundso, so dass ich nach der inspirierenden Lektüre von "Nacht ohne Gesicht" von Rennie Airth begann, selbst zu schreiben. Damals waren historisch angehauchte Kriminalromane mein bevorzugtes Genre, aber auch Schauergeschichten und Psychothriller. "Das Bildnis des Grafen" spielt ein bisschen mit jedem davon. Meinen Blog habe ich, um dort Leseproben meiner mittlerweile neun erschienenen Romane vorzustellen, Rezensionen zu Büchern und Filmen zu verfassen und auch um ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Jay: Wenn du dich jetzt sofort, in ein Buch zaubern könntest - welches würdest du dir aussuchen?

Uff... in ein Buch zaubern, das klingt ehrlich gesagt nicht sehr verheißungsvoll. Was, wenn ich nicht mehr zurückfinde? ;) Ein Buch gibt es, das mich derart gefesselt hat, dass ich regelrecht hineingezogen wurde, obwohl es eine sehr unheimliche Geschichte erzählt. "Haus der Schatten" von S.Y. Blank verbindet anschaulich und absolut spannend die Elemente Grusel, Erotik, Psychologie und Mystery, und zudem gibt es drei männliche Protagonisten. Was aber nicht bedeutet, dass die Frauen zu kurz kommen. Ich finde dieses Buch einfach toll! Es hat mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt.

Jay: Wenn du dich entscheiden müsstest: Nie wieder lesen zu können oder nie wieder schreiben zu können - was würdest du wählen?

Kann das wirklich jemand eindeutig beantworten? Ich glaube, Lesen inspiriert den Schreibenden, so dass das eine ohne das andere nicht funktioniert. Ich bin dankbar, dass ich beides ausüben kann. Müsste ich aber wirklich auf eines verzichten, so wäre es wohl das Lesen - dann würde ich mir vorlesen lassen.


Kontakt: TC's schmucke Lesezeichen via Facebook

3.) SCHLUSSWORT
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Jay: Wenn du dir selbst noch eine Frage stellen dürftest, welche wäre es und was würdest du darauf antworten? Was möchtest du der Bücherwelt heute unbedingt noch sagen? :)

Meine Frage und Antwort: Welches Lied sollte auf deiner Beerdigung gespielt werden? "The only way is up". ;)

Den Lesern möchte ich gern sagen, dass sie Selfpublishern genauso viele Chancen geben dürfen wie Verlagsautoren. Es gibt hüben und drüben jeweils (subjektiv) gute und schlechte Bücher. Man muss nur ein wenig genauer schauen. Dank den Online-Leseproben geht das ja auch recht gut. Insgesamt freut es mich, dass Indieautoren nicht mehr den schlechten Ruf haben wie noch vor ein paar Jahren.

Liebe Grüße,
Christine



Dienstag, 27. Februar 2018

Turn: Washington's Spies (AMC, 2014 - 2017) Review

Allmählich wird es Zeit, dass ich von meiner absoluten Lieblingsserie "Turn" berichte, die mich seit vier Jahren begleitet und durch die ich erstens eine Menge Freunde und Gleichgesinnte kennengelernt habe, und die mich zweitens auf vielerlei Ebenen inspiriert hat. Püppchen der Charaktere wurden und werden von mir noch fleißig gehäkelt, und sogar die Schauspieler freut's, wenn sie ihren kleinen Doppelgänger in den sozialen Medien sehen. Überhaupt, der Cast ist eine Wolke - privat und  beruflich. Alle glänzen in ihren Rollen, und selbst den Bösen kann man nicht wirklich böse sein. Allerdings bekam der Schurke John Graves Simcoe alias Samuel Roukin tatsächlich Morddrohungen über Twitter. Dafür hat er - ganz nach Simcoe-Art - nur ein verächtlich-fieses Kichern und Retweets übriggehabt.

Fast alle Figuren in "Turn" sind historisch verbürgt, ebenso wie der lange in Vergessenheit geratene Spionagering, um den der Autor und Produzent Alexander Rose und sein Team Craig Silverstein und Barry Josephson eine außergewöhnliche Serie gestrickt haben.

Der Grund, warum ich mich bis dato gescheut habe, Turn zu rezensieren, ist der, dass die Spionage um George Washington im Unabhängigkeitskrieg der USA recht kompliziert ist und ich sie eigentlich mehrmals durchsuchten musste, um zu verstehen, um was es im Einzelnen geht (keine Angst, es gibt keine Spoiler, und ich versuche, mich kurz zu fassen).


♬America the Beautiful ♫


1776: Erzählt wird die Geschichte des anfangs neutralen und unfreiwillig in die Politik hineingezogenen Farmers Abraham Woodhull (toll und ein wenig unterschätzt: Jamie Bell), der gemeinsam mit seinen Kindheitsfreunden Ben Tallmadge, Caleb Brewster und der Tavernenbesitzerin Anna Strong den Kern des Culper-Rings bildet. Samuel Culper ist sein Deckname, der bis zuletzt von der Gegenseite - den Rotröcken - unentdeckt bleibt. Und dass, obwohl er dem Chef des britischen Geheimdienstes Major John André (JJ "Bombe" Feild) sogar seine Aufwartung macht und auf einem seiner berüchtigten Feste das Tanzbein schwingt eine frivole Ballade und danach eine traurige Anekdote zum Besten gibt.

Die Nachlässigkeit des feschen Majors wird im Finale von Staffel 3 schwer geahndet, was keine große Überraschung ist, versteht er sich doch mehr als künstlerisches Allroundgenie und verliebt sich obendrein noch in Peggy Shippen, die schönste Frau von Philadelphia, die er in geheimer Mission zu seinem Rivalen Benedict Arnold schickt. Leider läuft die Aktion aus dem Ruder und macht aus dem cleveren Strategen André einen romantischen Narr. Für mich als JJ Feild / André-Fan eine enttäuschende Charakterentwicklung, aber dramaturgisch wohl unumgänglich und durchaus sinnvoll.

Auf den ersten Blick gar keinen Sinn für Romantik hat dagegen John Graves Simcoe, von Samuel Roukin mit Spaß und Verve weitaus böser dargestellt, als es der echte Simcoe je war. Auf jede Szene mit ihm habe ich mich gefreut, denn einen unheimlicheren, hinterhältigeren Schurken habe ich im TV noch nie gesehen. Trotzdem gelingt es ihm, nachvollziehbar zu bleiben. Wie Abe ist auch er in Anna Strong (Heather Lind) verliebt, doch als er feststellt, dass seine Zuneigung unerwidert bleibt, verfolgt er mit aller Härte eigene Ziele oder die seiner Auftraggeber und Vorgesetzten. Bis auf die von "Oyster Major" Edmund Hewlett (Burn Gorman), in Simcoes Augen ein schöngeistiger Schwächling.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht neben den Spionen auf beiden Seiten vor allem auch die Familie Woodhull und ihre Probleme. Hier wird es nicht mehr patriotisch, sondern auch sehr amerikanisch. Judge Richard Woodhull (Kevin R. McNally, bekannt als Steuermann aus "Piraten der Karibik") hält seinen Zweitgeborenen Abraham für unfähig und zieht ständig Vergleiche zum ersten, während eines Aufruhrs früh verstorbenen Sohn Thomas heran. Obwohl seit Kindertagen in Anna verliebt, musste Abraham dessen Verlobte Mary heiraten, um wenigstens in einer Sache beim Vater punkten zu können. Ihre Ehe ist zweckmäßig und mit dem süßen Thomas "Sprout" (die entzückenden Zwillinge Cabell und Ellis Chase) erst einmal zufriedenstellend für den Vater. Doch das ändert sich, als er erfährt, in welche Widrigkeiten sein Sohn involviert ist und auf wessen Seite er mittlerweile steht. Auch Mary entgleitet dem Patriarchen, denn nach anfänglicher Skepsis unterstützt sie ihren Gatten tatkräftig auf seiner delikaten Mission... und wird zur skrupellosen Kampfmaschine.

Apropos. Das dürfte neben dem blind vor Liebe unvorsichtigen Abgang von Major André mein einziger Kritikpunkt sein: die Gewalt und Brutalität wird oft in krassen Nahaufnahmen minutenlang zelebriert. Vieles, was man sehen muss, bietet Stoff für Alpträume, veranschaulicht aber auch die Sinnlosigkeit eines Krieges. Positiv dabei fiel mir auf, dass die Engländer durchaus nicht die "Bösen" per se sind. Beide Seiten haben ihre guten und schwachen Momente und bieten keine Schwarz/Weiß-Malerei - selbst der harmlos erscheinende Abe wird irgendwann von Mordlust getrieben, und das nicht nur, weil er ums Überleben des Rings kämpft.

Im für mich sehr tränenreichen, weil so klugen und tief zu Herzen gehenden Finale der vierten Staffel schreibt er einen Brief an seinen Sohn, in dem er die weiteren, oft verblüffenden Lebensläufe der Weggefährten aufzählt und seine eigene Rolle im Krieg erklärt, auf die er im Rückblick nicht besonders stolz ist. Und *schnüff* er bittet Thomas, ihm zu zeigen, wie schön es auf der anderen Seite ist, wenn sie sich endlich wiedersehen... ein besseres Ende hätte man sich für Turn nicht wünschen können. Wer sich nun fragt, wieso, dem kann ich nur raten: ansehen!

Vorsicht: Das Video enthält Spoiler.




Fazit: Eine wirklich spannende und emotionale Zeitreise in die amerikanische Geschichte, in der neben dem Spionagering auch persönliche Schicksale, Intrigen und eine wunderbare Kulisse und fesche Uniformen und Kostüme nicht zu kurz kommen. Für Geschichtsfans und Liebhaber von anspruchsvoller Unterhaltung eine absolute Empfehlung!


Bewertung:
👍👍👍👍👍




Freitag, 23. Februar 2018

Die bösen bösen Wege von Errol Flynn

Eigentlich ist die Biografie ja schon ein Klassiker - zu Recht!

Mit der Hilfe eines Ghostwriters schreibt der unvergessene Hollywoodstar über sein Leben, das mindestens genauso bewegt war wie seine Filme. Es beginnt mit akuten Finanznöten, die aber bald abgelöst werden von der glücklichen Kindheit in Tasmanien und diversen Internatsbesuchen in Großbritannien, dem Degen von "Bounty"-Meuterer Flechter Christian (den Flynn später in seinem ersten Film porträtiert), und skurrilen Tier-Experimenten auf der elterlichen Farm.




Siebzehnjährig versucht Flynn in Papua-Neuginea sein Glück - als Tabakpflanzer, Schiffskapitän und "Headhunter", wobei es stets zu amüsanten oder tragikkomischen Zwischenfällen kommt. Zu Starruhm gelangt er mit sechsundzwanzig Jahren in der Warner-Brothers-Produktion "Captain Blood", während deren Dreharbeiten er sich unsterblich in seine langjährige Filmpartnerin Olivia de Havilland verliebt. Die kann mit seinen gewöhnungsbedürftigen Annäherungsversuchen jedoch gar nichts anfangen, und so bleibt Flynn bis zum Ende seines kurzen Lebens verborgen, dass sie ebenfalls viel für ihn empfindet.

Die Frauen nehmen in dieser kurzweiligen und sehr witzig geschriebenen Biografie einen großen Raum ein - privat hatte es der Frauenliebling schwer mit dem weiblichen Geschlecht, das ihn immer wieder zu dominieren versucht. Er gelangt zu dem Fazit, dass Hunde und Pferde die besseren Kameraden seien. Ebenfalls bedeutungsvoll ist seine Liebe zur See, seinen Yachten und zur Kunst - er besitzt Originale von Gauguin und van Gogh, zu denen er eine Seelenverwandtschaft fühlt.

Erstaunliches erfährt man über seine Schauspielerkollegen, ohne dass es Flynn dabei einfällt, unflätig zu werden. John Barrymore und Charlie Chaplin sind nur einige der großen Namen, die erwähnt werden. Der gutaussehende junge Flynn ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass die "Me Too"-Debatte schon so alt ist wie Hollywood und nicht nur Frauen betroffen sind / waren. Ein markiges "Come into my office if you know what's good for you" stößt beim frisch von Oz eingeschifften Errol allerdings auf taube Ohren. Der Erfolg lässt trotzdem nicht auf sich warten...

Etwas nachdenklicher, zuweilen fast traurig, stimmt das letzte Drittel des Buches, das aufzeigt, wie verletzlich und unsicher Flynn unter seiner strahlenden Hollywoodfassade war und in dem er sich erlaubt, ein wenig zu philosophieren und ein Resümee zu ziehen.

Meine Meinung: Ein tolles, lesenswertes Buch, das trotz seiner Jahre (es wurde in seinem Todesjahr 1959 verfasst) nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Mensch Errol Flynn wird genauso beleuchtet wie der Filmstar, und es hat mir als Fan den schillernden Charakter Flynn noch näher gebracht. Da stört es wenig, dass er es mit der Wahrheit zugunsten der künstlerischen Freiheit vermutlich nicht immer so genau nimmt. Ich habe es sehr genossen und bei einigen Passagen über die herrliche Selbstironie des Autors laut gelacht.

Fazit: Wenn auch nicht alles wahr ist, so ist es doch gut erfunden. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert und unerwartet tiefsinnigen und philosophischen Betrachtungsweisen.


Bewertung:
👍👍👍👍👍



Samstag, 17. Februar 2018

Neues Cover und eine neue Rezension!

In den letzten Wochen war es ziemlich still auf meinem Blog. Irgendwie fehlt mir derzeit die Muße und auch ein bisschen der Schwung. Vielleicht sollte ich in meine Bärenhöhle krabbeln und ausgiebigen Winterschlaf halten. Nichtsdestotrotz habe ich am Cover meines "Stiefkindes" gebastelt, der Schutzengel-Geschichte "Ausnahmsweise doppelgleisig". Ich weiß nicht, ob es anderen Autoren auch so geht, aber unter all meinen Romanen gibt es einen, mit dem ich nicht mehr so recht warm werde, nämlich diesen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass nun eine Rezension auf Amazon eingetrudelt ist, in der die Leserin beschreibt, wie gut sie sich beim "Märchen für Erwachsene" (ich finde den Ausdruck so schön!) unterhalten hat.


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Auch "Vom Ernst des Lebens" erstrahlt in neuem Glanz. Ich fand es besonders passend, dass ein altmodisches Fahrgeschäft auf dem Cover zu sehen ist, denn das Leben ist ja auch oft wie eine Karussellfahrt. Und das, was Rupert mit Miles in Paris erlebt, kann man ganz sicher so nennen. 




*Klick*


Ansonsten wird es im März im Rahmen der Leipziger Buchmesse eine Vorstellung von Autoren mit Interviews und Gewinnspielen auf Bookapis Bücherwelt geben. Abgesehen von den Blognominierungen in der Vergangenheit ist das meine erste Zusammenarbeit mit anderen Autoren und Bloggern, und ich bin sehr dankbar, dass die liebe Jay mir diese Möglichkeit gegeben hat.




Sonntag, 19. November 2017

Neue Lieblingsserie: Poldark (2015 - ?)

Lange habe ich mich trotz der interessanten Zeitperiode und der offenbar riesigen Fangemeinde gesträubt, die Neuauflage von "Poldark" nach den Romanen von Winston Graham aus den 1940er Jahren zu gucken. Ich fand, dass die Geschichte eher banal klang (Landadliger kehrt vom Krieg in Übersee heim und bringt sein verwahrlostes Gut auf Vordermann), und zudem war mir der Schauspieler Aidan Turner (die Hauptfigur Ross Poldark) als Zwerg Killi im Hobbit in eher durchschnittlicher Erinnerung. Das glutvolle Latino-Aussehen, naja, davon sollen andere schwärmen; ich steh' ja generell eher auf den nordischen Typ. Und auch nicht so wirklich auf Romanzen.

 


Vor kurzem gab es bei Amazon ein Triple-Angebot über die ersten Staffeln neuer Serien. Wir wählten Taboo, Königin Victoria und Poldark. Das erste war ein ziemlicher Reinfall, und ganz ehrlich, auf die Queen habe ich seit Poldark keine Lust mehr.

Ich warte jetzt sehnsüchtig auf Staffel 3 als DVD / Bluray-Box mit englischer und deutscher Tonspur, würde am liebsten die ersten beiden Staffel gleich nochmal gucken und überrasche damit mich selbst. Warum finde ich die Serie eigentlich so klasse, denn ganz ehrlich: viel Spannung und Unvorhergesehenes geschieht in Poldark nicht. Ganz im Stil des 18. Jahrhunderts wird geliebt und gelitten, geheiratet (freiwillig und unfreiwillig), intrigiert, geboren und gestorben, und man kann ziemlich sicher sein, dass keine fantastischen oder übersinnlichen Phänomene diese Routine und die Idylle von Cornwall auf Dauer trüben. Was mich aber doch sehr beeindruckt hat, waren neben den atmosphärischen Bildern und der Ausstattung vor allem die sorgfältig ausgearbeiteten und authentisch handelnden Charaktere. Und - ich gebe es zu - die wechselhafte Geschichte von Ross und Demelza.

Mit der bodenständigen Bergmannstochter kam endlich mal eine fiktive Frauenfigur, die ich mag. Sie sieht apart aus und hat eine natürliche Ausstrahlung, und sie liebt ihren ihr gegenüber manchmal unverständig reagierenden Ross, lässt sich aber nichts gefallen, ist kein Zuckerpüppchen und hat ihren eigenen Kopf. Zugleich ist sie verletzlich und braucht ihren Mann, den sie als ihren Seelenverwandten betrachtet und umgekehrt. Eitel Sonnenscheint herrscht bei den Poldarks darum keineswegs, doch ich freue mich immer auf Szenen, in denen sich die beiden necken und respektvoll miteinander umgehen, ohne den jeweils anderen auf ein Podest zu heben. Lebensnah, halt. So, wie eine Ehe sein sollte. Diesbezüglich macht Ross am Ende der zweiten Staffel Demelza eine bewegende Liebeserklärung.

Auch die weiteren Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Besonders der gutherzige und erstaunlich progressive Landarzt Dwight Enys (Luke Norris) hat mich im Sturm erobert. Ich hoffe ja, dass ihm als frischgebackener Marineoffizier in der nächsten Staffel nichts allzu Schlimmes passiert; der Tod von Ross' Cousin Francis war schon ein richtiger Schock, dabei gehören er und seine Frau (und Ross' erste Liebe) Elisabeth eher zu den etwas statischeren Charakteren, mit denen ich nicht allzu viel anfangen konnte. Und doch, mit einem Trost an Demelzas Zweifel kurz vor dem tragischen Unfall im Bergwerk hat er es geschafft, mich zu Tränen zu rühren. Vielleicht ist das das Geheimnis, was für mich den Reiz der Serie ausmacht. Jede Figur hat ihre Fehler, aber auch Stärken, und vor allem: sie haben das Herz am rechten Fleck. Alle, bis auf den fiesen George Warleggan (Jack Farthing). Aber selbst er handelt nachvollziehbar in seinem Neid auf Ross und hat nicht nur dunkle Seiten, ist er doch ebenso wie sein Erzrivale für Elisabeth entflammt.

Viele Szenen und Dialoge überwältigen in ihrer Schönheit und Weisheit, ohne in Kitsch abzudriften, denn man spürt, dass die Charaktere tatsächlich meinen, was sie sagen oder tun. In anderen Serien wäre das wohl ein biederes und wenig zugkräftiges Konzept, doch bei Poldark funktioniert es. Ich freue mich jedenfalls sehr, nach Turn: Washington's Spies wieder eine Serie gefunden zu haben, bei der ich richtig mitfiebern kann. Von der tollen Landschaft Cornwalls will ich gar nicht erst reden; für viele Zuschauer ist sie der heimliche Star der Show.

Poldark ist nicht nur Unterhaltung auf hohem Niveau vor eindrucksvoller Kulisse, sondern irgendwie genauso erdverbunden wie die meisten ihrer Darsteller. Und das tut schon mal ganz gut bei dem ganzen Effekt-Overload mit Welten-Retten-Gedöns und dem Schenkelklopf-Sarkasmus der neuen Serien und Filme auf dem Markt. Liebenswert altmodisch eben.








Sonntag, 5. November 2017

Thor - Tag der Entscheidung " Thor - Ragnarok"

Am vergangenen Donnerstag war ich mal wieder im Kino. Eher mit wenig Erwartung, dass der Film gut ist: es war eine Marvel-Produktion, und von denen bin ich - von zwei oder drei Ausnahmen - nicht allzu begeistert. Zu viel Spektakel, Krach und zähflüssige Längen, die mich unruhig im Sitz hin und her rutschen lassen, weil ein dringendes Bedürfnis sich meldet.




Trotzdem habe ich "Thor - Tag der Entscheidung" eine Chance gegeben. Die beiden ersten Teile um den nordischen Donnergott habe ich ebenfalls gesehen, und der Vollständigkeit halber musste der dritte auch noch sein. Außerdem: Tom Hiddleston. Ich mag ihn einfach zu sehr, um die Gelegenheit verstreichen zu lassen, ihn auf der großen Leinwand anzuschmachten... (O; Und es war nicht nur Mr. Hiddleston, der den Film für mich zu einer positiven Überraschung hat werden lassen.

Über die Handlung kann und will ich nicht viel erzählen. Denn die war praktisch kaum vorhanden. Worum es ging, wurde eigentlich erst in den letzten zehn Minuten des Films klar, und das war auch gut so. Jedenfalls hat mir schon die Eröffnungsszene mit Thor in der Unterwelt ein herzhaftes Lachen entlockt, auch wenn sie ein bisschen sehr gruselig war. Aber die Selbstironie, die Thor-Chris Hemsworth konsequent durchzieht, war für mich ein echtes Highlight. Hätte ich ihm so gar nicht zugetraut. Sein etwas unbeholfener Besuch beim elegant die Treppe hinabschwebenden Uberzauberer Dr. Strange gehört ebenso dazu wie die weinerliche Trauer um den Hammer Mjölnir, der ihm abhanden kommt, genauer gesagt von seiner älteren Halbschwester Hela (Cate Blanchett)  in einem Duell zu Brei zerquetscht wird.

Überhaupt, die gute Hela. Als Göttin des Todes ist ihr schwer beizukommen, da sie ja praktisch unverwüstlich ist. Doch bevor es zum fulminanten Showdown kommt, wird der Zuschauer mit unzähligen Witzen und Gags bei Stange gehalten, die sich teilweise nur dem eingefleischten Marvel-Fan erschließen (und ich denke mit Schaudern an das unheimliche Nerd-Lachen des Typen hinter mir).

 Aber auch ich hatte meinen Spaß. Etwa wenn Loki Thor zeigt, wohin er Allvater Odin alias Anthony Hopkins verbannt hat, oder als Thor auf einem Müllplaneten landet, der von dem abgefahrenen "Grandmaster" Jeff Goldblum regiert wird. Weniger toll fand ich den Auftritt von "Hulk" Mark Ruffalo. Irgendwie wirkte er fehl am Platz, obwohl er nach dem albernen Gladiatoren-Kampf ein ganz passables Teammitglied  abgegeben hat, das auch ein paar coole Sprüche zum besten geben durfte ("Ich hab' mir Asgard prächtiger vorgestellt.") und ein Duran Duran-T-Shirt trug. Die große Überraschung war für mich der Gott des Unheils, der hinterlistige Loki, der in diesem Film nicht gar so hinterlistig agiert wie gewohnt und damit ein paar Zuschauer herbe enttäuscht hat. Ich persönlich fand es ganz gut, dass man ihm - nachdem Thor ihm ins (tatsächlich vorhandene!) Gewissen geredet hat, eine "change of heart" gegönnt hat, die ihn hat erkennen lassen, dass Familie (vorläufig) wichtiger ist als List und Tücke. Wer weiß, wie lange der Edelmut anhält bei Lokis Wankelmut. Oder ob er nicht doch nur vorgetäuscht war.

Milder Spoiler: Zumindest besinnt er sich am Ende eines guten besseren und steht Thor zur Seite. Der Deal mit Dr. Strange geht so oder so nicht auf: da Asgard vernichtet wird, muss Loki nun gemeinsam mit dem neuen Allvater Thor auf Midgard Asyl beantragen, das ihm sicher gewährt wird. Dumm gelaufen!

Fazit: Schrilles Popcornkino, das erstaunlicherweise meine Art von Humor getroffen und mir einen unterhaltsamen Abend beschert hat. Ein bisschen zu viel Chris Hemsworth vielleicht, der aber eine überzeugende und witzige One-Man-Show abliefert und von seinen Mitspielern von Mensch über versoffene Walküre bis zu den Göttern kongenial unterstützt wird. Nach dem für mich eher abtörnenden, weil lärmigen Trailer doch ein gelungener dritter Teil der Thor-Saga.

Bewertung: 
 👍👍👍 und ein halber 👍




Freitag, 27. Oktober 2017

Gut wa(h)r schön - Pariser Salonkunst in München

Ja, ich weiß... dieses Jahr habe ich die Bayernmetropole schon einmal unsicher gemacht. Und trotzdem musste ich gestern für einen Tag dort wieder mein Unwesen treiben. Der Grund war eine Ausstellung in der Kunsthalle, die mich brennend interessiert hat. Um ehrlich zu sein, war ein bestimmtes Exponat das Objekt meiner Begierde: der erschlagene Abel von Emile Feugère de Fort aus dem Jahr 1865. Etwas Schöneres habe ich in Marmor noch nie gesehen. Allerdings bisher nur auf Fotos. Und da er normalerweise im Musée d'Orsay in Paris steht (liegt), und ich schneller in München bin, entschlossen wir uns zu einem Kurztrip dorthin.


Ganz in Weiß...


Ein bisschen verrückt klingt es wohl schon: um 5.30 Uhr wurde der Wecker gestellt, und dann in der Kälte und bei Dunkelheit ohne Frühstück und Kaffee (!) das Haus verlassen, um den Zug zu erwischen. Flugs umsteigen in Mannheim in den EC Saarbrücken-Graz, und erst mal einen brühend heißen Styroporbecher-Kaffee schlürfen. Nachdem ich wirklich k.o. war ohne Kaffee, hat mir der sogar fast gemundet...

Nach ein paar Stunden Fahrt (mit Verspätung, natürlich) kamen wir in München an. Mittlerweile war ich ein bisschen wacher und auch ziemlich aufgeregt. Merkwürdig, aber ich habe mich wirklich gefühlt, als würde das Treffen mit einer berühmten Persönlichkeit anstehen. Apropos: da man in München selbigen alle naslang über den Weg läuft, ist mir tatsächlich der dunkelhaarige Antiquitätenhändler aus der Sendung "Bares für Rares" aufgefallen, der mit Handy am Ohr und auf seinen Gesprächspartner einredend an mir vorbeigehastet ist. Leider fällt mir jetzt sein Name nicht ein. Hoffentlich wollte er nicht einen Spottpreis für den guten Abel aushandeln... (O; Der hat übrigens den ganzen Raum überstrahlt, in dem er ausgestellt war. Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen überwältigt war, ihn so nahe zu sehen. Obwohl ich ihn ja nicht selbst erschaffen habe, konnte ich auf einmal die Geschichte von Pygmalion und Galatea irgendwie nachempfinden. Etwas Feineres und Lebensechteres sucht in der Bildhauerei bestimmt seinesgleichen. Dabei ist der abgebildete Abel ja tot - the irony!

Mit seinen immerhin stolzen 169 cm dominiert er den gesamten Raum und wurde von den erstaunlich vielen Besuchern doch ein wenig links liegengelassen. Auch den Museumsführern war er nur einen kleinen Nebensatz wert. Da traf es sich gut, dass wir beide mit Kameras bewaffnet über seinen Schönheitsschlaf gewacht haben. Die weiteren Räume wurden ebenfalls besichtigt, aber es trieb uns immer wieder magisch zur Skulptur, die wir am liebsten verpackt und mit nach Hause genommen hätten. Schade eigentlich, dass der Bildhauer mittlerweile wohl in Vergessenheit geraten ist. Allerdings hat er uns mit seinem Werk posthum superhappy gemacht!


Wie gern würd' ich ihn wachküssen... leider etwas unscharf.


 

Einmal München und zurück an einem Tag war ein bisschen anstrengend, hat sich aber alles in allem wirklich gelohnt. Zudem hatten wir richtig schönes Spätsommerwetter, so dass ich mir fast einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase geholt habe, während wir auf unseren Chauffeur für den Rückweg gewartet haben.

Fazit: Die Ausstellung "Gut Wahr Schön" ist für den modernen Kunstkenner vielleicht ein wenig kitschig, und wenn ich ehrlich bin, fand ich die übrigen Exponate nicht so recht ansprechend, auch wenn ich nie verstanden habe, warum realistische Kunst und Historismus allgemein etwas verpönt sind / waren. Dennoch kann ich sie jedem empfehlen. Vielleicht lässt sich ja noch jemand von Abels Charme verzaubern, denn in echt ist er noch viel eindrucksvoller als auf den Fotos. Und wenn ich euch verrate, wie viele ich davon gemacht habe, erklärt ihr mich für komplett verrückt...


*Fair*well and adieu...