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Freitag, 23. Februar 2018

Die bösen bösen Wege von Errol Flynn

Eigentlich ist die Biografie ja schon ein Klassiker - zu Recht!

Mit der Hilfe eines Ghostwriters schreibt der unvergessene Hollywoodstar über sein Leben, das mindestens genauso bewegt war wie seine Filme. Es beginnt mit akuten Finanznöten, die aber bald abgelöst werden von der glücklichen Kindheit in Tasmanien und diversen Internatsbesuchen in Großbritannien, dem Degen von "Bounty"-Meuterer Flechter Christian (den Flynn später in seinem ersten Film porträtiert), und skurrilen Tier-Experimenten auf der elterlichen Farm.




Siebzehnjährig versucht Flynn in Papua-Neuginea sein Glück - als Tabakpflanzer, Schiffskapitän und "Headhunter", wobei es stets zu amüsanten oder tragikkomischen Zwischenfällen kommt. Zu Starruhm gelangt er mit sechsundzwanzig Jahren in der Warner-Brothers-Produktion "Captain Blood", während deren Dreharbeiten er sich unsterblich in seine langjährige Filmpartnerin Olivia de Havilland verliebt. Die kann mit seinen gewöhnungsbedürftigen Annäherungsversuchen jedoch gar nichts anfangen, und so bleibt Flynn bis zum Ende seines kurzen Lebens verborgen, dass sie ebenfalls viel für ihn empfindet.

Die Frauen nehmen in dieser kurzweiligen und sehr witzig geschriebenen Biografie einen großen Raum ein - privat hatte es der Frauenliebling schwer mit dem weiblichen Geschlecht, das ihn immer wieder zu dominieren versucht. Er gelangt zu dem Fazit, dass Hunde und Pferde die besseren Kameraden seien. Ebenfalls bedeutungsvoll ist seine Liebe zur See, seinen Yachten und zur Kunst - er besitzt Originale von Gauguin und van Gogh, zu denen er eine Seelenverwandtschaft fühlt.

Erstaunliches erfährt man über seine Schauspielerkollegen, ohne dass es Flynn dabei einfällt, unflätig zu werden. John Barrymore und Charlie Chaplin sind nur einige der großen Namen, die erwähnt werden. Der gutaussehende junge Flynn ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass die "Me Too"-Debatte schon so alt ist wie Hollywood und nicht nur Frauen betroffen sind / waren. Ein markiges "Come into my office if you know what's good for you" stößt beim frisch von Oz eingeschifften Errol allerdings auf taube Ohren. Der Erfolg lässt trotzdem nicht auf sich warten...

Etwas nachdenklicher, zuweilen fast traurig, stimmt das letzte Drittel des Buches, das aufzeigt, wie verletzlich und unsicher Flynn unter seiner strahlenden Hollywoodfassade war und in dem er sich erlaubt, ein wenig zu philosophieren und ein Resümee zu ziehen.

Meine Meinung: Ein tolles, lesenswertes Buch, das trotz seiner Jahre (es wurde in seinem Todesjahr 1959 verfasst) nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Der Mensch Errol Flynn wird genauso beleuchtet wie der Filmstar, und es hat mir als Fan den schillernden Charakter Flynn noch näher gebracht. Da stört es wenig, dass er es mit der Wahrheit zugunsten der künstlerischen Freiheit vermutlich nicht immer so genau nimmt. Ich habe es sehr genossen und bei einigen Passagen über die herrliche Selbstironie des Autors laut gelacht.

Fazit: Wenn auch nicht alles wahr ist, so ist es doch gut erfunden. Ein Buch mit hohem Unterhaltungswert und unerwartet tiefsinnigen und philosophischen Betrachtungsweisen.


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