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Sonntag, 27. Mai 2018

"Mordred, Sohn des Artus" ~ Nancy Springer

Mit knapp 220 Seiten ist diese Erzählung eher ein Büchlein zu nennen - aber ich liebe es! Seit ich vom Artus-Virus infiziert bin, kann ich nicht genug von dem edelmütigen Hohen König, Mordred, Gawain und Co. bekommen. Merkwürdig eigentlich, dass mich das Thema vorher nie so wirklich gepackt hat. Und dabei kommt es meinem Geschmack nach Abenteuern, männlichen Protagonisten und fantastischen Reisen in andere Welten und Zeiten mehr entgegen als der Großteil der Neuerscheinungen.



Inhalt: Mordred wächst unter dem Namen Kaul glücklich bei einem Fischerehepaar auf, bevor er die Zauberin Nyneve trifft, die ihm erklärt, dass beide nicht seine richtigen Eltern sind. Sie bringt ihn zu seiner leiblichen Mutter Morgause und Lot in der Hoffnung, dass sich sein von Merlin prophezeites Schicksal nicht erfülle möge - der Untergang seinen wirklichen Vaters Artus und dem Reich Camelot. Von seinen Halbbrüdern Gawain und Gareth als Feigling geächtet, da er keinen Spaß an Kriegsspielen hat ( ja, das kommt uns irgendwie bekannt vor...), ist er ein Sonderling, der abseits steht und nie so recht versteht, warum. Erst als sein Bruder Gareth sich verplappert und ihn einen Unheilsbringer nennt, wird Mordred klar, dass er handeln muss, um den Lauf des Schicksals zu beeinflussen. Mit fünfzehn wird er als Knappe in Camelot vorstellig und wünscht sich nichts sehnlicher, als seinen Vater Artus von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihn entweder zu hassen und zu zerstören oder ihn und seine eigene Seele zu retten. Doch seinen dringendsten Wunsch - den nach Anerkennung - kann ihm der mächtige König (zunächst) nicht erfüllen.

Seine Reise als Ritter führt ihn durch einen Zauberwald, zu seiner mütterlichen Freundin Nyneve (die in Gestalt seiner treuen Hündin Möwe stets bei ihm ist), über den rätselhaften Fluss Avalon und schließlich zu den Abgründen seiner Seele, die er aufs Spiel setzt, um sich von der Prophezeihung - Merlins Fluch - zu befreien. Als die Lösung zum Greifen nah scheint, gibt es nur einen, dem Mordred vertraut: sein Vater Artus.


Prawny / Pixabay


Meine Meinung: Wo ich anfangen soll, weiß ich gerade nicht so recht; so bewegt hat mich Mordreds Geschichte und so tiefsinnig und schön und traurig zugleich war sie. Gefallen hat mir neben seiner Reise und seiner Beziehung zu Artus besonders die psychologische Komponente und der Reichtum an Fantasie, mit der die Autorin Mordreds Zwiespalt in wunderschön einfachen und doch poetischen Worten schildert. Er ist zerrissen von Liebe und Hass und dem Verlangen, Gutes zu tun, sieht er doch mit eigenen Augen, was für ein edler Mensch sein Vater ist, dem er so gerne gerecht werden würde. *Daddy-Issues*, vielleicht, aber unheimlich gut umgesetzt. Denn Mordred dürstet nicht nur nach Anerkennung; er möchte kein Böser, kein Unglücksbringer sein, und dennoch... wie kann er widerstehen, wenn seine Rolle vorgezeichnet zu sein scheint?

Weniger gut fand ich die Darstellung der Halbbrüder: Vor allem Gawain wurde in "Mordred, Sohn des Artus" zu einem blutrünstigen Rüpel, den ich in Gillian Bradshaws Trilogie als sensiblen und feinen jungen Mann so geschätzt und ins Herz geschlossen habe. Aber da jeder Autor frei ist, Varianten der Ritter und der Sage an sich zu erfinden, ist das nur mein persönliches Missempfinden und kein echter Kritikpunkt.

Fazit: Die Artus-Sage aus der Sicht Mordreds ist gefühlvoll, spannend, manchmal skurril und eine kurzweilige Lektüre für Eilige, selbst solchen, die sich noch nie mit der Legende befasst haben, aber gern mehr darüber wüssten.

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