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Montag, 21. Mai 2018

Rezension "Die Krone von Camelot" ~ Gillian Bradshaw

Im letzten und längsten Teil der Trilogie kommt die Königin Gwynhwyfar zu Wort, Artus' Frau und in diesem Band Geliebte seines treuen Feldherren Bedwyr, von dem ich annehme, dass es sich um Lancelot handelt, der der Sage nach ein Verhältnis zu Gwynhwyfar hatte, das dazu führte, dass Artus' Reich auseinanderfiel. Ich fürchte, ich kann die Rezi nicht ohne leichte Spoiler schreiben. Wer sich also lieber unwissend in Mrs. Bradshaws dramatische Version der Artus-Sage stürzen möchte, sollte nicht weiterlesen.




Inhalt: Nachdem die Hexe Morgas im vorigen Band durch die Hand ihres Sohnes Agravain sterben musste, schwört der kleine Bruder Medraut bittere Rache. Er ist davon überzeugt, dass Gawain und Artus hinter der Tat stehen und wird im Camlann vorstellig, um seinem Vater zunächst zu dienen, nur um durch einen perfiden Plan die Macht an sich zu reißen. Artus kann sein Angebot nicht ablehnen, denn er fürchtet, von Medraut mit dessen inzestuöser Herkunft denunziert zu werden. Außerdem herrscht Unruhe in den umliegenden Königreichen, ein Krieg liegt in der Luft. Die angespannte Situation bringt Gwynhwyfar dazu, einen Becher mit Gift für Medraut zu brauen, doch ihre Absicht läuft ins Leere bzw. in Artus' Ärmel, der zum Beweis, dass seine Frau keine Giftmischerin ist, den Becher demonstrativ vor allen Leuten im Festsaal "trinkt".

Doch Kummer und die Sorge um Medrauts Vorhaben lassen ihn seine Pflichten gegenüber Gywnhwyfar vernachlässigen; sie sucht Trost und Verständnis bei Artus' bestem Freund und erstem Feldherren, und bald wird aus Zuneigung mehr. Medraut erwischt die beiden in flagranti, woraufhin Gwynhwyfar und Bedwyr an jeweils unterschiedliche Orte verbannt werden sollen. Ihre Liebe zueinander ist jedoch so stark, dass Bedwyr sie mit ihrer Eskorte unterwegs aufholt und sie nach einem kurzem Gemetzel mit sich nimmt. In diesem Gemetzel tötet er versehentlich Gawains Sohn Gwyn. Gawain will daraufhin seinen ehemaligen Freund tot sehen und bittet Artus um den Blutpreis. Schweren Herzens willigt Artus ein.

Die "Familie" ist nun derartig zerstritten, dass es für Medraut ein Leichtes ist, sie zu täuschen und zu entzweien, denn der Traum von einem Paradies auf Erden, in dem Werte wie Liebe, Freundschaft, Frieden, Gerechtigkeit, Gnade und Edelmut herrschen sollen, bröckelt selbst unter den Rittern. Der Zeitpunkt für die Schlacht um Camlann scheint gekommen, in der sich der finstere Medraut und sein Vater, die Lichtgestalt Artus, gegenüber stehen.


Quelle: Pixabay

Meinung: Entgegen meiner Befürchtung, Gwynhwyfar sei mir als Erzählerin zu fad oder zu sehr Mary Sue, war das nicht der Fall. Zwar kann sie mit meinem heißgeliebten Gawain nicht mithalten und kümmert sich in der Hauptsache ständig patent um Vorräte und frische Pferde, aber sie ist keinesfalls unsympathisch oder makellos. Obwohl sie mit Kindern wenig anfangen kann, beklagt sie ihre Kinderlosigkeit und verzweifelt an ihrer Liebe zu zwei Männern. Ihr Ehebruch mit Bedwyr hat schwere Folgen - nicht nur für Camlann.

Am meisten betroffen gemacht hat mich Gawains Verwundung durch Bedwyr, die unaufhaltsam an ihm zehrt. Als Gawain im letzten Drittel des Buches durch das Wirrwarr von Schlachtenstrategien und Scharmützeln eine Nachricht von Artus überbringt, die zum Sieg gegen Medraut führen soll, ist er bereits dem Tod nahe und halb gelähmt. Die Szene, in der er seinen Diener Rhys bittet, sein Pferd freizulassen, damit es in die Anderwelt zurückkehren kann, hat mich zu Tränen gerührt. Auch sein Vergebungsbrief an Bedwyr und die kindliche Freude, als er seinen kleinen Bruder Medraut im Fieberwahn an der Tür stehen sieht, waren fast zu viel für mich. Bislang hatte ich keinen ausgesprochenen literarischen Helden, aber ich glaube, der engelsgleiche Gawain hat ins Schwarze getroffen.

Die Botschaft des Buches fand ich sehr schön und wichtig, und es ist nicht allzu verwunderlich, dass Camlann mit einem Störenfried wie dem teuflischen Medraut dem Untergang geweiht war. Trotzdem hinterlässt "Die Krone von Camelot" einen bitteren Nachgeschmack nicht zuletzt durch das Ableben meines strahlenden Helden, das mich doch ziemlich mitgenommen und mir den ansonsten so schönen Tag verhagelt hat.

Bewertung: