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Montag, 12. September 2016

Rezension "Der Kastrat" von Richard Harvell

Kurzbeschreibung Amazon: Hoch in den Schweizer Alpen, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, nimmt eine unglaubliche Geschichte ihren Anfang: Moses Froben erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Der Dorfpfarrer muss fürchten, als Vater entlarvt zu werden, und stößt den Jungen in einen Gebirgsbach. Moses wird gerettet und kommt in die Abtei St. Gallen, wo er zum Meistersänger des Chores heranreift. Dann wird er kastriert, damit seine Engelsstimme erhalten bleibt. Und Moses feiert Erfolge auf Europas Bühnen. Aber ein Geheimnis bleibt: Wie kam der weltbekannte Kastrat zu einem Sohn?

›Der Kastrat‹ ist die hinreißende Lebensbeichte eines unwahrscheinlichen Liebhabers, eines Mannes mit der Stimme eines Engels, dessen Gehör zum tragischen Fluch wie auch zum größten Segen seines Lebens wurde.



Inhalt und Meinung: Zunächst einmal etwas zum Klappentext, und das wird der einzige Kritikpunkt sein, den ich anzubringen habe: Er klingt reißerisch und wird den leisen und doch lauten Tönen des Romans nicht gerecht. Jedes Kind, das der Zielgruppe von Lesern angehört, weiß, dass Kastraten keine solchen zeugen können, und es ist daher auch beileibe kein Geheimnis, dass Moses das Kind eines anderen "Sohn" nennt. Aber die Mutter ist nicht irgendeine; es ist Amalia Riecher, geborene Duft, die Liebe seines Lebens. Doch vor lauter Begeisterung greife ich vor. Allerdings ist es gar nicht leicht, diesen ungewöhnlichen und doch so klar und einfach erzählten Roman - die fiktive Biografie des Erzählers Moses - zu beschreiben.

Die Geschichte beginnt mit Moses' tauber Mutter, die in einem Schweizer Bergdorf die Glocken läutet und im Glockenturm wohnt. Der Klang ist etwas Besonderes für sie, weil sie ihn im ganzen Körper spüren kann - eine Eigenschaft, die sie ihrem kleinen Sohn weitergibt, der namenlos bleibt, bis er von den Mönchen Nikolai und Remus aus einem reißenden Fluss gerettet und adoptiert wird. Vor allem mit Nikolai freundet sich der schweigsame Junge an, er bewundert ihn und wird von ihm beschützt, als er im Kloster von St. Gallen ein neues Zuhause findet. Genauer gesagt, wird er dort geduldet; die Chorknaben verspotten ihn aufgrund seiner schönen Stimme und finden in ihm ein Opfer ihrer grausamen Streiche. Der Chorleiter erkennt Moses' Stimmwunder und fördert ihn; als er zehn Jahre alt ist, lässt er ihn heimlich kastrieren, damit er seine Stimme nicht verliert.

Erst Jahre später findet Nikolai es heraus und rächt sich furchtbar an Chorleiter Ulrich, der fortan des Klosters verstoßen wird, ebenso wie die beiden Mönche. Moses erhält die "Gnade", Novize zu werden, da sich für ihn laut Aussage des Abtes die Frage nicht stellt, ob er weltlicher Liebe entsagen kann. Außerdem würde ihn ohnehin keiner haben wollen. Aber es gibt jemanden: Amalia Duft, die Moses bereits seit Kindertagen kennt. Doch Moses schämt sich. Er ist ein "halber Mann mit dem Gesicht eines Engels" und daher darf Amalia ihn bei ihren heimlichen nächtlichen Treffen nicht ansehen. Trotzdem kann man in jeder Zeile lesen, wie sehr sich die beiden lieben. Für mich wurde schon bald klar, dass Amalia recht früh um Moses' Geheimnis wusste und ihn dennoch zu keiner Zeit deswegen verachtet oder belächelt hat - ebenso wie Moses ganz sicher war, dass Amaila trotz eines steifen Beines die Frau seines Lebens ist.

Und das war für mich irgendwie der Schlüssel und die Schönheit des Buches. Ohne großes Gewese oder Kitsch wird eine Liebesgeschichte erzählt, die tief zu Herzen geht und trotz der oft schlimmen Dinge, die Moses widerfahren, mit Humor und (Selbst-)Ironie gewürzt ist. Als Moses unter beschwerlichen Bedingungen nach Wien reist, um die dort reich verheiratete Amalia ausfindig zu machen, musste ich über seine Unerfahrenheit und seinen Sinn fürs Unpraktische manchmal schmunzeln, und man möchte ihn manchmal einfach in die Arme nehmen und ihm übers Haar streichen. Mir gefallen Protagonisten, die nicht perfekt, aber liebenswert und gelegentlich auch unsicher sind, und Moses ist einer der wenigen dieser Sorte. Er trifft einen weiteren "Bruder des Messers", seinen Maestro, der ihn zum professionellen Opernsänger ausbildet. Doch Amalia verliert Moses nie aus den Augen.

Im wahren Leben, das er im Rückblick seinem Sohn erzählt, ist er eher schweigsam und ein stiller Beobachter von Klängen, oft ungeschickt und weltfremd, doch der Autor Richard Harvell schreibt ihn in poetischen, eloquenten und anrührenden Sätzen nieder, lässt ihn ein wenig wie einen Sonderling wirken und dann doch wieder wie jemand, der das möchte, was alle wollen und dafür bereit wäre, auf alle Reichtümer und Gaben dieser Erde zu verzichten. Da ihm und Amalia kein langes Glück beschieden ist (das ich den beiden von Herzen gegönnt hätte), liebt er ihren Sohn wie seinen eigenen.

Fazit: Ein toller Roman, unaufdringlich, gefühlvoll, ungekünstelt und trotzdem von großer Sprachgewalt, die mich als Leser am Ende sprachlos gelassen hat. Eine absolute Leseempfehlung!



Bewertung:               👍👍👍👍👍



Montag, 29. August 2016

Review "Wuthering Heights" (1992) nach Emily Bronte

Momentan versuche ich mich an den englischen Klassikern. Es ist ein bisschen beschämend, wenn man als quasi anglophile Autorin die Brontes und Jane Austen nur vom Hörensagen kennt. Das im Titel genannte Buch habe ich tatsächlich irgendwann mal angefangen zu lesen - und wieder aufgegeben. So sehr es wohl zu Recht ein Klassiker ist, konnte es mich nicht wirklich fesseln. Da ich aber wie die Brontes eine Vorliebe habe für einsame, schaurige Gegenden, menschliche Abgründe und dramatische Wendungen, habe ich es bequemerweise mit der Verfilmung probiert, die sich nahe an die Vorlage hält. Ralph Fiennes als Heathcliff hat seinen Teil dazu beigetragen, aber nicht wirklich geholfen, was mein Verständnis für den Stoff respektive meine Begeisterung entfacht hätte. Ich glaube fast, es ist für mich kein Versäumnis, bei britisch-literarischem Allgemeinwissen nicht zu punkten. Außer für den unwahrscheinlichen Fall, ich säße mal bei einer Quizsendung auf dem heißen Stuhl.

Die doch recht simple Handlung hat sich mir nicht im Detail eingeprägt, leider. In Emily Brontes Roman geht es um Rache und alles verzehrende Liebe, die doch keusch bleiben muss, und ich fragte mich die ganze Zeit, weshalb, waren Catherine Earnshaw (Juliette Binoche) und Heathclifff doch gar keine leiblichen Geschwister, nicht einmal entfernt miteinander verwandt. Warum die Tussi ihn nicht haben wollte und stattdessen den faden Edward geheiratet hat, blieb mir ein Rätsel. Immerhin haben sich beide in schwülstigen Ergüssen seit Kindesbeinen ihre Liebe zueinander geschworen, und was macht's, dass Heathcliff ein Zigeuner ist? Oder habe ich etwas Wichtiges verpasst?

Jedenfalls kommt seine Rache für die stumme Zurückweisung über die gesamte Familie, wenn er nicht gerade die Diva spielt und sich gekränkt zurückzieht. Die Sprache fand ich gewöhnungsbedürftig, die Dialoge fast zu symbolträchtig für alles Kommende ("Wenn du mich noch einmal küsst, Heathcliff, dann sterbe ich." - und so war es.). Catherine segnet das Zeitliche natürlich im Kindbett wie alle anderen schwangeren Frauen im Roman. Siebzehn Jahre später ergreift Heathcliff die Gelegenheit, ihre Tochter zu kidnappen, nachdem er sich bereits Hareton, den Sohn von Catherines leiblichem Bruder Hindley, unter den Nagel gerissen hat, seines Zeichens legitimer Erbe von "Wuthering Heights", was dieser jedoch nicht weiß. Ziemlich perfide, vor allem, da Heathcliff Catherines Tochter aus Habsucht mit seinen eigenen Spross zwangsverheiratet, der dem frühen Tod geweiht ist wie alle Protagonisten. Denn Heathcliffs Handeln bleibt nicht ungesühnt: als ein zufälliger Besucher von einer merkwürdigen Erscheinung des Nachts im Anwesen berichtet, weiß er sofort, dass es sich um Catherines Geist handelt, die ihn zu sich lockt. Sein Ende wird als Unfall dargestellt, und für Catherines Catherine und Hindleys Hareton beginnt ein neues Leben... (und *das* wäre doch skandalöser als eine Verbindung zwischen Catherine Earnshaw I. und Heathcliff, oder? Immerhin sind die beiden Cousin und Cousine.)

Nun muss ich mir ein wenig weibliche Oberflächlichkeit zugestehen: Trotz der schlecht sitzenden Perücke oder den lieblos angeknüpften Extentions war Ralph Fiennes ein Hingucker in dem zeitgenössischen Gehrock. Außerdem war er zu Prä-Voldemort-Zeiten einer der international gefragtesten Schauspieler auf der Bühne und im Film, und auch das hat seinen Grund. Der verschlossene und eifersüchtige Heathcliff agiert und reagiert nicht sympathisch, aber nachvollziehbar, während mir Catherine wie eine Parodie einer Frau vorkam, die in den 1800ern unabhängig dargestellt werden sollte. Viel zu aufdringlich und spöttisch, und dabei keine Spur mitfühlend, finde ich, hat sie ihr Schicksal selbst heraufbeschworen. Sympathiepunkte gab es bei mir keine. Dass ihre Tochter charakterlich in diesselbe Kerbe schlägt, war mir ein bisschen zu klischeebeladen. Schwamm drüber. Sobald sie Haretons Kind zur Welt gebracht hat, wird sie eh ins Gras beißen... wetten?

"Wuthering Heights" war mir zu morbid und zu wenig hoffnungsvoll, obwohl ich immer noch glaube, dass ich Emily und Charlotte gern mal zum Tee eingeladen hätte und wir nett miteinander hätten plaudern können. Mir gefällt, dass sie glaubwürdig Männer wie Heathcliff und Mr. Rochester aus "Jane Eyre" porträtieren, die Fehler und Unsicherheiten hatten, was selbst heute noch - besonders für weibliche Schriftsteller - eher die Ausnahme ist. Auch die unheimlichen Elemente finden meine Zustimmung und wecken mein Interesse an ihren Werken. Insofern liegen die Brontes mir näher als z.B. Jane Austen mit ihrem perfekten Mr. Darcy. Aber um mir da ein genaues Urteil bilden zu können, werde ich wohl mal einen ihrer Romane lesen müssen. Oder eine der unzähligen BBC-Verfilmungen anschauen.

Bewertung:
👍👍👍







Dienstag, 16. August 2016

Rezension "Die Überfahrt" ~ Joseph O'Connor (leichte Spoiler!)

Romane über (fiktive) Schiffsfahrten in vergangenen Zeiten liebe ich. Mein Lieblingsbuch in dieser Hinsicht ist "To the Ends of the Earth" von William Golding, zu dem es eine grandiose BBC-Verfilmung in drei Teilen gibt. Man lernt viel über die Charaktere der Passagiere, leidet mit ihnen, kann sich viele eigene Gedanken zum Geschehen auf engstem Raum machen und wie man selbst als Schiffsreisender gehandelt hätte (und ist dann froh, dass es heute bequemere Reiserouten und komfortablere Kabinen gibt - sofern man in der damaligen Zeit (19. Jahrhundert) das Glück hatte, letzteres zugeteilt zu bekommen).

In Joseph O'Connors "Die Überfahrt" werden drei Schicksale raffiniert miteinander verwoben.






Inhalt und Meinung:
1847, zur Zeit der Hungersnot in Irland: Der Lord und ehemalige Großgrundbesitzer David Merridith geht mit seiner Familie und dem Kindermädchen Mary Duane an Bord der "Stella Maris" in der Hoffnung, sich in Amerika ein neues Leben als Architekt aufzubauen, ohne zu ahnen, dass eine Gesellschaft von vertriebenen Pächtern nach seinem Leben trachtet und zu diesem Zweck den Iren Pius Mulvey als Mörder und Mitpassagier auf ihn ansetzt. Mulvey ist vom entbehrungsreichen Leben gezeichnet; er wird von Crew und Passagieren als Sonderling bezeichnet, höflich zwar, aber doch irgendwie unheimlich und abstoßend. Tatsächlich entwickelt man im Lauf der Geschichte keinerlei Sympathie zu ihm, denn er ist nicht nur skrupellos, sondern schwach und opportunistisch und am Ende ein jämmerliches winselndes Etwas.

Die Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, oft in Logbucheinträgen vom Kapitän der "Stella Maris", dann wieder aus Sicht des Lords, Mary Duane und Pius Mulvey oder dem amerikanischen Journalisten Dixon, der ein Verhältnis mit der Frau des Lords hat und darauf aus ist, seinen Rivalen bloßzustellen.

"Die Überfahrt" ist kein einfaches oder erhebendes Buch. Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, was auch an den oft sehr ausführlichen Fußnoten über den historischen Hintergrund lag und der mitunter zu ausschweifenden Eloquenz des Autors, der nicht selten zehn Zeilen für einen Ausdruck gebraucht, um die Vielfältigkeit und Sprachgewalt des irischen Wortschatzes zu unterstreichen. Doch ich mochte Mary Duane, und besonders den feingeistigen und sensiblen Lord David Merridith, der sich als Kind schon in sie verliebt hatte.

Die Rückblenden seiner Kindheit und Jugend sind anrührend beschrieben und zeigen, wie sehr er eigentlich unter seiner privilegierten Stellung und der strengen Hand des Vaters gelitten hat. Zum Ausgleich strebt er ein kameradschaftliches Verhältnis zu seinen eigenen Söhnen Jonathan und Robert an, das nicht ohne Fettnäpfchen vonstatten geht, mir den Lord aber umso liebenswerter erscheinen ließ. Seine Ehe steht schon lange auf der Kippe, nicht zuletzt Mary Duanes wegen, für die er immer noch zaghafte Gefühle hegt. Deren Lebenslauf liest sich - ähnlich wie Pius Mulveys - wie aus einem Dickens-Roman: traurig, trist und dennoch voller Tragödien und Entbehrungen. Beide Männer, die sie einst liebte, sind mit ihr auf dem Schiff, und von beiden erwartete sie Kinder, die entweder bei der Geburt starben oder aus Verzweiflung im hungernden Irland vom Adoptivvater getötet wurden. Bis zuletzt bleibt ihre Herkunft im Dunkeln, doch eine wirkliche Überraschung war sie nicht mehr wirklich, obwohl ich aufgrund des Umfangs des Buches nicht mehr genau weiß, ob sie zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt wurde. Auch das Ende des Lords ist abzusehen und vorgezeichnet - selbst wenn der Mord an dem armen Nichtsahnenden angesichts seiner gesundheitlichen Lage zum Schluss der Reise beinahe als Gnadentod zu werten wäre.

Überhaupt: Die Schilderungen von Mord, Elend, Not und Verzweiflung im Allgemeinen und den Zuständen auf der "Stella Maris" im Besonderen sind teilweise recht krass und nichts für zartbesaitete Gemüter. Es geht mir dabei nicht so sehr um die vielen, ohne Zweifel beklagenswerten Todesfälle an Bord, sondern vor allem um die Grausamkeit Mulveys und die fatalistische Hoffnungslosigkeit der Nebenfiguren. Beileibe kein Feel-Good-Buch, aber interessant für geschichtlich Interessierte.

Fazit: Nach einer gewissen (und etwas zähen) Eingewöhnungszeit möchte man schon wissen, wie es weitergeht mit den Charakteren; die Geschichte ist spannend und gut erzählt, doch ganz ehrlich: richtigen Spaß hatte ich bei "Die Überfahrt" nicht. Ein bisschen mehr Leichtigkeit hätte trotz oder gerade wegen des ernsten Themas nicht geschadet. Deprimierend, an einigen Stellen verwirrend, ohne Humor oder einen Funken Hoffnung für die Beteiligten, die mir aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel erstaunlich fern bleiben, kann ich den Roman trotz seiner Raffinesse und sorgfältiger Recherche nur Geschichtsfans und geduldigen Stoikern empfehlen.


Bewertung: 
👍👍👍






Freitag, 12. August 2016

Review "Eine dunkle Begierde" ~ A Dangerous Method (2011)

Zurzeit durchlaufe ich meine "Fassy-Phase". Das hat nichts mit Michael Fassbenders stahlblauen Augen zu tun oder damit, dass ich ihn als Schauspieler besonders toll fände. Vielmehr - so denke ich - sind Heimatgefühle mit im Spiel: Michael Fassbender wurde als Sohn eines Deutschen in der Stadt geboren, in der ich gerne bummeln gehe, nur knapp 30 km von meinem Wohnort entfernt. Da macht es mich schon ein bisschen stolz, dass er mittlerweile zur internationalen Schauspielriege gehört. Und na ja, er ist nicht mein Typ mit dem seltenen Nussknackerlächeln, aber hässlich nun auch wieder nicht...^^




Gestern habe ich mir "Eine dunkle Begierde" angeschaut, ein Semi-Biopic über die Beziehung von Sigmund Freud (ein nicht zu erkennender Viggo Mortensen) und Carl Gustav Jung (Michael Fassbender). Mitmischen musste durfte auch Keira Knightley, die ich leider so gar nicht abkann. Vielleicht ist sie für viele Männer die neue Audrey Hepburn, aber ich finde sie übertrieben in jedem Film, den ich bisher mit ihr gesehen habe. Auch als die frühere Jung-Patientin und spätere Psychoanalytikern Sabina Spielrein macht sie keine rühmliche Ausnahme. Gewissenhaft hysterisch und irgendwie trotzdem steif und unglaubwürdig porträtiert sie Spielrein, die sich in Jung verliebt und zu dessen Mätresse sie wird. Eigentlich wollte Jung sie mit der von Freud entwickelten "Sprechtherapie" heilen, doch der Schuss geht nach hinten los: seit sie als Kind geschlagen wurde, steht sie auf Demütigungen und lässt sich am Nachmittag gern mal von Jung mit dem Rasierriemen verdreschen. Der tut das zwar eher widerwillig, kann aber nicht von Fräulein Spielrein lassen (ganz unter uns: die gleichgültige Eleganz, mit der Fassy Frau Knightley den Hintern versohlt, hätte ihn für mich zu einem Uber-Christian Grey qualifiziert). Trotz Frau und vier Kindern trifft er sie immer wieder mehr oder weniger heimlich (Achtung Wortspiel!).

Sigmund Freud weiß lange nichts davon, doch er hält Jung ständig unter die Nase, dass aller Ursprung und die Muster menschlichen Verhaltens stets in der Sexualität zu finden seien - eine Theorie, die Jung zu simpel erscheint und die letztendlich zum Bruch zwischen ihm und seinem großen Vorbild führt; schließlich sollte es mehr geben, was die Welt im Innersten zusammenhält. Als Jung endgültig eigene Wege und auf die Suche nach dem Innersten geht, erhält Freud noch einmal Besuch von Sabina und muss eingestehen, dass Frauen eventuell auch ganz passable Psychoanalytiker abgeben könnten.

Die letzte Begegnung zwischen ihr und Jung verläuft weniger bravourös: sie ist jetzt die toughe Superfrau, während er ihr immer noch nachweint und einen unzureichenden Ersatz aufgetrieben hat, nämlich eine weitere Patientin. Und vielleicht - vielleicht hat das Innerste doch mit dem Instinkt zu tun...

Meinung: Ein bisschen fad, langweilig und profan war's. Von einem Werk des innovativen und kontroversen David Cronenberg habe ich mir mehr versprochen (warum eigentlich?). Schöne Innenaufnahmen, tolle Kostüme und die liebliche Bodenseelandschaft - gedreht wurde in Überlingen und Konstanz - machen den Kohl nicht fett.

Auch waren die Dialoge teilweise verwirrend für psychologische Laien, dann wiederum zu oberflächlich und politisch, und wirkliches Interesse konnte keiner der drei Protagonisten bei mir wecken - das macht für mich immer ein gutes Biopic aus: wenn ich mehr über die dargestellten historischen Persönlichkeiten wissen möchte.

Fazit: Malerische Kulisse, eine nervige Keira Knightley und ein bisweilen zu behäbig erzählter Film, in dem die Thematik und die Beziehung zwischen Freud und Jung für mich nicht wirklich ausgereizt wurden. Da hätte man mehr draus machen können.

Bewertung: 

                                ganz knappe drei

 👍👍👍



Freitag, 15. Juli 2016

Review "Der Mann ohne Gesicht" (1993) ~ Mel Gibson - Leichte Spoiler -

Filme wie diesen muss man suchen. Eine Perle, die heute kaum jemand mehr kennt, und Mel Gibsons Regiedebüt (für die Küken unter uns: der Michael Fassbender der 1980er und 1990er Jahre), ist "Der Mann ohne Gesicht" eine Charakterstudie zweier Menschen, die sich aufgrund ihrer Andersartigkeit und der Reaktion auf ihr soziales Umfeld finden und sich gegenseitig helfen. Das Thema ist nicht neu, und dennoch habe ich es selten so sensibel und zugleich unterhaltsam umgesetzt gesehen.



Inhalt: Sommer 1968: Der zwölfjährige Charles lebt mit seinen beiden nervigen Halbschwestern und der heiratswütigen Mutter in einem Küstenort in der Nähe von Boston. Aufgrund gelegentlicher Absencen und Konzentrationsschwäche gilt er als geistig minderbemittelt und besteht die Prüfung zur weiterführenden Schule nicht. Da er jedoch unbedingt aufs College möchte, lernt er durch einen Zufall oder die Fügung den ehemaligen und schroffen Lehrer Justin McLeod (Mel Gibson) kennen, der in einem großen Haus am Rande der Stadt mit Hund und Pferd ein Eremitendasein führt. Nicht zu Unrecht, wie sich herausstellt. McLeods Vergangenheit und die Brandnarben an Gesicht und Körper stempeln ihn zum Freak und "Matschkopf" ab, und der Dorfklatsch tut ein Übriges. Charles "Chuck" Norstadt lässt sich weder von Gerüchten noch von der abweisenden Art McLeods einschüchtern, und bald entwickelt sich eine Freundschaft, von der beide profitieren. Chuck findet eine Vaterfigur in McLeod, während dieser neuen Lebensmut schöpft. Doch die Beziehung der beiden ungleichen Außenseiter bleibt nicht ohne Aufsehen und Folgen...

Meinung: Allein die Zeit, in der die Geschichte spielt, finde ich faszinierend. Retrocharme, wenn er gut gemacht ist, kann ich mich nicht entziehen. Und er war gut gemacht! Eine Citroen DS, niedliche, altmodische Küstenwohnungen, bunte Mode, das sommerliche Setting und Flower Power-Flair tragen viel zur Atmosphäre bei, und die Schauspieler wirken ebenso authentisch. Besonders Mel Gibson als McLeod liefert eine Glanzleistung. Zwar hat der Mann durchaus keinen Grund zum Lachen, doch man spürt als Zuschauer, dass er sich mit der Situation abgefunden hat, wenn auch recht widerwillig. Er gibt sich die Schuld an dem Unfall, der zu seiner Entstellung führte, meidet Gesellschaft und geht erst nach Geschäftsschluss im Krämerladen einkaufen, um niemanden zu begegnen.

Durch Chuck lernt er allmählich wieder, sich gebraucht und akzeptiert zu fühlen. Umgekehrt geht es dem Jungen genauso; seine Zuneigung zu dem älteren Mann hat fast schwärmerische Züge, und auch das war schön und unschuldig porträtiert von dem damals vierzehnjährigen Nick Stahl. Gelegentlich war er mir ein bisschen zu aufgedreht, aber naja, Chuck ist ein Prepubertierender mit Geltungsbedürfnissen, und er hat mit McLeod viel nachzuholen, was er in seinen harten ersten Lebensjahren nicht erfahren durfte. Ein wenig Klischee wie die idealisierte und dann zerstörte Vater-Sohn-Beziehung musste auch rein, aber da der Film so toll ist, war das völlig ok. Weniger toll fand ich die etwas zu schwülstige Musik von James Horner, der damals wohl schwer gefragt war. Da wären moderne Evergreens passender gewesen - bestimmt gibt es welche, die melancholisch genug sind ("Moon River" zum Beispiel, das auf einer Party gespielt wird). Oder etwas weniger Schweres.

Gänsehautmomente gab es viele. Sehr berührend ist die Szene, in der McLeod im Rahmen von Charles' Prüfungsvorbereitungen Shakespeares "Kaufmann von Venedig" zitiert, und ich glaube, ich muss die Szene youtuben.





Am allerbesten gefallen hat mir allerdings das Haus - fast schon eine Villa - in der Mel Gibson haust. Und die psychologische Komponente des Films. Nicht nur, dass sich zwei "Freaks" fanden - sie haben ihre Ängste und Schwächen mit gegenseitiger Hilfe überwunden und konnten ihrem Leben Sinn geben. Gut daran war auch, dass McLeods Vergangenheit relativ offen bleibt und man als Zuschauer nicht genau weiß, wie und wo er sein neues Leben begonnen hat und ob er am Ende kein Eremit mehr ist. Trotzdem ein stilles, hoffnungsvolles Feel-Good-Movie mit der richtigen Balance zwischen Unterhaltungs- und Besinnlichkeitsfaktor, ohne in Kitsch abzudriften.

Fazit: Hätte für mich das Zeug zum Klassiker. Aber das hat ja dann "Braveheart" ein paar Jahre später geschafft.

Bewertung:

👍👍👍👍 und ein halber  👍




Mittwoch, 15. Juni 2016

Sommeraktion: "Das Bildnis des Grafen" für € 2,99 !

Eigentlich ist mein historischer Schauerroman ja eher ein Herbst- und Winterschmöker. Aber mal ehrlich, der Sommeranfang hat ziemlich viel vom Herbst mit seinen unerwarteten Regengüssen und niedrigen Temperaturen. Was ist also schöner, als sich bei Schmuddelwetter mit einer Decke und einer Kanne Kaffee oder Tee aufs Sofa einzukuscheln und dabei ein dickes, spannendes Buch zu lesen, das einen in eine andere Welt entführt?




Bis zum 19. Juni (danach wird es heiß, ganz bestimmt, und ihr könnt mit eurem Kindle nach Balkonien oder den Strand umsiedeln!) läuft auf Amazon mein Angebot, bei dem ihr das ebook zum Grafen zur Hälfte des regulären Preises erstehen könnt. Den Link gibt es unten im Widget - einfach draufklicken.




Donnerstag, 9. Juni 2016

Hurra! Sie steht noch!

Es gibt Dinge, die nimmt man einfach als selbstverständlich oder glaubt, dass sie sich niemals ändern werden. Das können Menschen, Situationen oder auch die Natur und Orte sein. Eines dieser Dinge ist für mich die Pappel am Fluss, ein Platz, an dem ich schon sehr lange wohne bzw. den ich seit meiner Kindheit kenne.

Gestern Nachmittag schlug in die schöne, riesige Pappel während eines Unwetters der Blitz ein. Da sie sich sehr nahe an meinem Haus befindet, dachte ich zuerst, es wäre unmittelbar bei mir und geriet fast ein bisschen in Panik (der Krach war wirklich ohrenbetäubend!). Auch, weil für einen Moment alles hell war und ich schon befürchtete, es hätte meine Linde im Hof erwischt. Kurz darauf musste ich noch etwas besorgen und war erstaunt über die Holzsplitter entlang der Brücke, die die Straße säumten. Ich fand nämlich nichts, was sonst auf einen Blitzeinschlag in einen Baum hingedeutet hätte. Erst auf dem Rückweg entdeckten mein Nachbar und ich die lange "Streifwunde" an der Pappel. Ich war nicht weiter beunruhigt, bis gegen neun Uhr abends die Feuerwehr auftauchte, die Straße an meinem Geländer abgesperrt hat und sich bei andauerndem Leuchtsignal des Dienstwagens stundenlang beriet, was zu machen sei.

Ich fragte einen greifbaren Feuerwehrmann, was sie denn vorhätten, und er meinte, sie müssten wohl die Pappel aufgrund der Instabiltiät fällen, die der Blitz verursacht hat. Mein entsetztes Gesicht muss Bände gesprochen haben. Obwohl ich ihr in den letzten Jahren kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil sie so selbstverständlich geworden ist, ist die Pappel ein alter Freund aus Kindertagen. Damals wirkte sie auf mich immer ein bisschen unheimlich, sobald die Dunkelheit anbrach und sie sich - alles andere überragend - irgendwie gespenstisch und vertraut zugleich im Wind wiegte und mir zuwinkte.

Jedenfalls war ich schockiert. Meine Pappel, ein Relikt aus meiner Kindheit - einfach fort! Aber es musste wohl sein, denn sie befindet sich im Wohngebiet, und wäre sie mit ihren fast vierzig Metern auf die Häuser gekracht, wer weiß, was passiert wäre. Trotzdem tat es weh, zu sehen, wie die Feuerwehrmänner Ast um Ast absägten und alles aus großer Höhe ans Ufer und ins Wasser fiel. Ich brachte es nicht einmal über mich, ein Foto zu machen und ging schweren Herzens zu Bett.





Heute Morgen war die Absperrung entfernt, und wer noch da war, war die Pappel! Etwas dezimiert zwar (man sieht noch den Blitzeinschlag), aber sie steht und wird wohl noch eine Weile bleiben und mir zuwinken. Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich das freut. Und mein Respekt für die Arbeit der Feuerwehr ist noch größer geworden als ohnehin schon. Auch der für die Gewalten der Natur, aber das ist eine andere Geschichte.




Samstag, 4. Juni 2016

Buchtrailer meiner Romane Up to Date

Leider hat sich bei mir in der letzten Zeit nicht besonders viel getan, das es wert wäre, auf meinem Blog kundzutun, und Bilder von der Sonne und braungebrannter Haut kann ich bei dem durchwachsenen Wetter nicht bieten.

Aber ich experimentiere immer wieder gerne mit dem Videoprogramm von Animoto und erstelle kleine Filmchen. Es bot sich an, nach der Neugestaltung der Cover einen passenden Trailer hochzuladen.





Der erste ist der aktuelle, doch da ich einen weiteren produziert habe, der noch nicht auf dieser Seite verewigt wurde (und wo sonst könnte ich meine Teaser besser sammeln als hier?), poste ich ihn als kleines Bonusmaterial. Vielleicht kann ja der eine oder andere Leser etwas damit anfangen und Autoren Animoto als Marketingtool nutzen, das sie zuvor nicht kannten. Dann würde es mich freuen, geholfen zu haben.





Auch für Privatpersonen ist das Programm ein Riesenspaß, etwa um Urlaubserinnerungen in den passenden Rahmen zu rücken oder eine individuelle Grußbotschaft zu senden, über die der Empfänger staunt und sie in Ehren hält. 



Sonntag, 8. Mai 2016

Alles neu macht der Mai... Angebot meiner "alten" Cover mit Inhalt!

Die meisten meiner Romane haben nun - nachdem ich in www.pixabay.com. eine wirklich formidable Quelle aufgetan habe, einen Generalanstrich erhalten. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei den erstklassigen Fotografen der Plattform bedanken, die ihre Aufnahmen lizenz- und kostenfrei in verschiedenen Größen zur Verfügung stellen. Einfach großartig, dass es so etwas gibt!

Die Auswahl ist grenzenlos und die Entscheidung, welches Bild meine Cover zieren soll, fiel mir nicht immer leicht. Auch wenn es einige gab, die mir sofort ins Auge hüpften, z. B. die "Countryside" für "Ein Spiel zu viel". Genauso stelle ich mir den Landstrich vor, in dem Raphael Blake im mörderisch heißen Sommer 1902 seine Schäfchen hütet.



Aufgrund der Änderungen des Covers stelle ich nun diesen und zwei weitere Titel zum Angebot ein. "Ein Spiel zu viel", "Fairlight" und "Das Bildnis des Grafen" werden als Originalausgaben exklusiv auf meinem Blog zum halben Preis angeboten. Es ist jeweils nur ein Exemplar verfügbar, das ich gern mit Widmung versehe. Für Porto und Verpackung innerhalb Deutschlands kommen pauschal € 2,00 hinzu, d.h. ihr zahlt € 9,60 pro Buch. Jedes ist in einwandfreiem Zustand und ungelesen. Nur eben mit den alten Covern, die - unter uns - auch was hermachen.





Falls euch das eine oder andere Buch interessiert, meldet euch bei mir, am besten über Facebook oder kontaktiert mich direkt über den Blog bzw. im Kommentarbereich.

Hier kommen noch einmal die Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Titeln und die Cover, die es nun nicht mehr geben wird und sich nur noch in meinem Privatbesitz befinden.

Das Bildnis des Grafen:
England, Winter 1917
Der französische Psychologe Gaspard Renoir wird vom Earl of Whitehurst nach Yorkshire beordert, um dessen kriegsgeschädigten Neffen Valentine zu kurieren. Im Park des Herrenhauses trifft der Arzt Mallord Grimby, der Renoir und seinem Patienten den Aufenthalt in einem verwaisten Schloss anbietet, in dem Mallord früher beschäftigt war. Der Schlossherr Carrick Escaray verschwand auf rätselhafte Weise. Genauso rätselhaft erscheinen das Schloss selbst, Mallord und seine Umwelt. Als Renoir beginnt, über Escaray Hall und seine früheren Bewohner Nachforschungen anzustellen, stößt er im Dorf auf heftige Ablehnung und Unverständnis. Ein Geheimnis umweht die Escarays, das offenbar eines bleiben soll. Auch der Landarzt Elwyn Hazelgrove – einst Ziehvater des jungen Carrick – scheint mehr zu wissen, als er preisgibt. Nach und nach entwirrt Renoir mit Hilfe seines jungen Patienten das Geflecht zwischen den beiden seit Generationen verfeindeten Familien Whitehurst und Escaray.



Ein Spiel zu viel:  Sommer 1902
Fünf junge Schauspieler – darunter die Brüder Irving und Orest Van Sander – machen scheinbar Ferien an der Südwestküste Englands. In Wahrheit jedoch treibt Irving Van Sander ein anderer Grund nach Sherborne: der Adoptivvater seines Geliebten Galen Asquith, ebenfalls bei der Truppe, wohnt dort und soll nach Irvings Plänen ausgeschaltet werden, da er fürchtet, Galen zu verlieren, wenn dieser erfährt, dass Raphael Blake noch lebt.
Orest mag den reservierten, aber sympathischen Blake und möchte nicht, dass ihm etwas geschieht. Er überredet Galen, mit ihm zu Blake zu gehen und ihn vor Irving zu warnen.
Die beiden unerwarteten Gäste bringen Unruhe in das beschauliche Dorf, und auch innerhalb der Schauspieltruppe spalten sich nach und nach die Gemüter. Das von Irving Van Sander inszenierte Drama gerät bald außer Kontrolle…




Fairlight: 
Mittelengland, Herbst 1916
Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust.
Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen und die Bewohner des Anwesens genauer zu beobachten, die sich allesamt höchst merkwürdig benehmen.




Ich freue mich über Anfragen! Das Angebot gilt, solange die Titel mit den alten Covern verfügbar sind. Natürlich könnt ihr auch alle drei zum Preis von € 24,80 oder zwei für € 17,20 haben.


Samstag, 30. April 2016

Neues Cover zu "Das Bildnis des Grafen"

Es gibt Neues zum Grafen. Das Cover der Printausgabe wurde noch einmal umgestaltet, und ich muss sagen, ich bin mehr als zufrieden damit. 

 

 

Nun zeigt das Taschenbuch den erwachsenen Carrick Escaray, während man auf der Kindleausgabe den jugendlichen sieht. Und alles passt so wunderbar, dass ich ganz aufgeregt bin und es kaum erwarten kann, den Grafen mit dem neuen Cover in den Händen zu halten. Die Moorlandschaft, das diesige Licht, der einsame Mann - all das wirkt rätselhaft und romantisch, und irgendwie möchte man das Buch sofort anfassen, streicheln und beschnüffeln. (O;

Der Inhalt bleibt gleich. Vor längerem schon habe ich aufgrund der Kritik, die Geschichte beinhalte zu viele Fremdwörter bzw. alte Begriffe, das Manuskript überarbeitet, so dass nun auch für recht junge Leser die sprachlichen Unklarheiten weitgehend beseitigt sind, wie ich hoffe. Falls es doch noch den einen oder anderen Begriff gibt, der nicht im alltäglichen Wortschatz verwendet wird, so bitte ich um Nachsicht. Ich liebe Sprache mit all ihren Facetten und Eigenheiten, und zur damaligen Zeit (1917) war sie noch ein wenig anders und vielleicht auch etwas blumiger oder "gestochener" als heute.





Mittwoch, 27. April 2016

Agentenkram aus dem Hochglanzherrenmagazin: The Night Manager (BBC / AMC, 2015)

Keine Angst, der Titel des Beitrags klingt schlimm, aber die Serie ist es ganz und gar nicht. Was sich in der Mini-Serie zwischen Tom Hiddleston und Hugh Laurie entwickelt, ist große Schauspielkunst und ein noch größeres Vergnügen, wenn man James Bond mag, der bekanntermaßen in teurer Kleidung und exotischen Locations am besten zur Geltung kommt. Und obwohl ich kein 007-Kenner bin, habe ich mich bisher - durch die Hälfte der Serie - prächtig unterhalten.

Inhalt so far: Jonathan Pine (Tom Hiddleston), Ex-Soldat, sehnt sich nach einem ruhigeren Leben und hat es mehr oder weniger als Nachtportier in einem Hotel in Kairo gefunden. Dort sucht ihn eine geheimnisvolle Dame auf, die ihn bittet, Dokumente zu kopieren, die streng geheim sind. Pine kann es nicht lassen: er liest die Akten und geht mit der Schönen ins Bett. Wenige Tage später ist sie tot, ermordet von den Männern des Gangsterbosses und Wirtschaftmoguls Richard Onslow Roper (erst unfreiwillig komisch, dann subtil einschüchternd: Hugh Laurie). Pine trauert und lässt sich nach Zermatt versetzen. Die britischen Behörden bekommen Wind von der Geschichte, werden auf Pine aufmerksam und setzen ihn mit neuer Identität und einer kriminellen Vorgeschichte auf Roper an, um diesem das schmutzige Handwerk zu legen.

Meinung: Von der Geschichte war ich zuerst nicht sonderlich angetan, außer von Tom Hiddleston und den schönen, exklusiven Drehorten wie die Schweiz, Mallorca und Ägypten. Ein kleiner Downer war auch die Art, mit der Hugh Laurie den steinreichen und gefährlichen Waffenhändler spielt: der erste Eindruck von ihm ist der eines zweitklassigen Mick Jagger-Imitators in einer Agentenparodie: enge, rote Hosen, eine junge, freizügige Frau im Arm, rotzige Sprüche und eine polierte Tonsur, die in "House M.D." diskret mit einem Haarteil kaschiert wurde. So wirklich ernst konnte ich ihn nicht nehmen - anfangs. 

Aber ab der intensiven Szene der (von Pine inszenierten) Entführung seines kleinen Sohnes hat sich mein Urteil verbessert. Da blitzt ein bisschen Dr. House durch, der auch im Umgang mit Jonathan Pine nicht mehr ganz verschwindet. Er gibt sich bewusst patriarchisch-väterlich, als er durch seine Informanten erfährt, dass Pine eine enge Beziehung zu seinem Vater hatte, der in Belfast bei einem Einsatz getötet wurde, und erklärt Pine zu einem Mitglied der "Familie" - sicherlich kommt es da noch knüppeldick hinter der freundlichen Fassade.

Pine bleibt auf seinem Anwesen in Mallorca (supertolle, großzügige Architektur, da möchte frau sofort einziehen und Tom Hiddleston als Sonnenöl-Eincremehilfe am Pool und im Bett sitzen haben!), und beobachtet das Kommen und Gehen der "Familie", teils mit skeptischen, teils mit waidwunden Blicken. Besonders Frauen vertrauen sich ihm an, und so kommt es auch, dass Ropers giraffenlange Geliebte Jed mit ihm anbandelt, die ebenfalls ein Geheimnis hat.





Fazit: Ich bin erst mit der ersten Disc der Staffel durch, freue mich aber wie Schneekönig auf die kommenden Folgen. Das liegt - ich gestehe - vor allem an Tom Hiddleston. Der Mann hat etwas an sich, das über Talent und gutes Aussehen hinaus geht. In dem Cast, der an sich superb besetzt ist, leuchtet er unter all den zwielichtigen Gestalten des Roper-Universums wie eine kleine Sonne, auch wenn er als Jonathan Pine hin und wieder den toughen Verbrecher und kaltblütigen Geschäftsmann mimt, um Roper an der Nase herumzuführen. Bisher eine absolute Empfehlung!





Samstag, 23. April 2016

Welttag des Buches: "Vom Ernst des Lebens" für € 0,99 !

Zwar wieder ein bisschen spät, aber ich habe daran gedacht und mir eine Aktion zum Welttag des Buches überlegt, der doch gebührend gewürdigt werden sollte:

Von heute bis Ende April könnt ihr meinen Roman "Vom Ernst des Lebens" zu einem Schnäppchenpreis von nur 0,99 Cent auf Amazon herunterladen.





Inhalt (Kurzbeschreibung Amazon): London, 1958

Der lebenslustige, weltgewandte Miles Mayhew bedrängt den introvertierten, menschenscheuen Rupert Grayson dazu, mit ihm nach Paris zu fahren. Beide kennen sich, wenn auch nicht besonders gut, aus der gemeinsamen Studienzeit in Oxford, wo Miles bereits Gefallen an dem gegensätzlichen Rupert gefunden hatte.

Miles scheint vor etwas zu fliehen, denn er bricht überhastet auf und lässt sich im Pariser Hotel unter Pseudonym eintragen. Zudem gibt er sich und seinen unfreiwilligen Begleiter als Brüder aus.

Rupert, der zum ersten Mal im Ausland ist, sind Paris und die französische Lebensart verhasst, während Miles sich sofort willkommen fühlt. Überraschenderweise ist es jedoch Rupert, der einen engeren sozialen Kontakt zum Bistrobesitzer Thierry knüpft, der verzweifelt um seinen Lebensunterhalt kämpft, da die Gäste ausbleiben.

Miles – aus wohlhabender Familie stammend und sehr spendabel – beschließt, ihm um Ruperts willen zu helfen und das Bistro zu einem Anziehungspunkt zu gestalten. Mithilfe des Hotelpagen und dessen Onkel renovieren sie die Gaststätte.

Die Freundschaft zwischen Miles und Rupert vertieft sich. Im Lauf der Zeit hilft Miles Rupert zu entdecken, was wirklich in ihm steckt, und genauso ermutigt Rupert Miles auf seine Weise, mehr von sich preiszugeben. Er erkennt, dass die Fröhlichkeit häufig nur als Selbstschutz dient, denn auch Miles hat seine empfindsamen, aber auch dunklen Seiten, die er jedoch eisern unter Kontrolle hält.


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In diesem Roman war es mir wichtig, zu zeigen, wie unterschiedlich Freunde sein können. Miles und Rupert sind weder Seelenverwandte noch Sandkastenfreunde, und dennoch profitieren beide von der jeweiligen Beziehung zueinander. Es gibt ernste, tiefgründige Szenen, die die Zeit berücksichtigen, in der das Buch spielt, aber auch humorvolle und fröhliche. Vor allem ist "Vom Ernst des Lebens" eine Charakterstudie der beiden ungleichen Männer, die durch die gemeinsam verbrachte Zeit lernen, dass man den Ernst des Lebens gar nicht so ernst nehmen muss.





Viel Spaß beim Erkunden des nostalgischen Paris und seiner Gäste!




Montag, 18. April 2016

Die Amigurumi-Mama ~ Häkelpüppchen à la Christine

Etwas, das mir zurzeit sehr viel Spaß macht, ist mein kleines Häkel-Hobby. Ich kaufe mir keine Fachzeitschriften, um besonders knifflige Häkelschriften zu erlernen (die ich ohnehin nicht lesen kann - auch die einfache nicht), sondern tüftle eigene Entwürfe aus, die ich in mein Mini-Notizbuch packe, um sie bei Bedarf eines zweiten Püppchens nach derselben Vorlage nachzuarbeiten.


John und Sherlock in edlem Zwirn


Dieses kleine Büchlein ist bald vollgekritzelt, und ich bin am Überlegen, ob ich die Anleitungen nicht mal ins Reine schreibe, damit ich irgendwann nicht immer rätseln muss, was dies oder jenes Geschnörkel und Durchgestrichene eigentlich bedeutet, das ich während des Häkelns hastig notiert habe, um die einzelnen Schritte später ja nicht zu vergessen.


Richard Sharpe in noch edlerem Zwirn


Am liebsten sind mir Aufträge und Wünsche von Leuten, die mir etwas völlig Neues vor die Nase legen, das sie gerne als kleines Maskottchen hätten. So zum Beispiel der königliche Scharfschütze Richard Sharpe alias Sean Bean aus der historischen TV-Serie, von der ich zuvor nie etwas gehört habe. Da freue ich mich dann wie Schneekönig auf das Ergebnis und bin auch ordentlich herausgefordert. Glücklicherweise ist es dank Google kein Hexenwerk, sich Bilder zu beschaffen, nach denen man die Kostüme so weit wie möglich detailgetreu fertigen kann. Und auch der Ausdruck - so minimalistisch er ist bei den Püppchen - soll authentisch sein und Persönlichkeit verleihen.





Selbst vor Fantasy- und Comicfiguren wie Loki und Dr. Strange aus den Marvel-Verfilmungen schrecke ich nicht zurück. Die sind allerdings ziemlich aufwendig zu machen und nehmen gut und gerne eine ganze Woche in Anspruch - zumal Häkeln nicht meine einzige Beschäftigung ist. Es freut mich sehr, dass meine "Kunden" meine Arbeit, Zeit und Phantasie zu schätzen wissen, die ich in jedes Püppchen investiere. Sie sind meist zwischen 25 und 30 cm groß und freuen sich darauf, in die große weite Welt zu ziehen wie Major John André, der mittlerweile zu einer festen Größe in Colonial Williamsburg geworden ist. Die Schausteller und -spieler reißen sich um ein Souvenir mit ihm... siehe folgendes Foto.


Der Marquis de La Fayette, Mini-Major und Holly in Virginia / USA


Wer seinen Film- und Serienliebling im handlichen und knuddeligen Taschenformat gern bei sich zuhause hätte, darf sich bei mir melden. (O:




Sonntag, 10. April 2016

Britischer Humor trifft Mystery: "Stag" (2016, BBC)

Diese Miniserie der BBC gibt es leider nicht mit deutscher Tonspur, doch als absoluter JJ Feild-Fan musste ich sie einfach gesehen haben - und wer hört schon gern die deutsche Synchro, wenn der Mann eine Stimme zum Reinlegen hat? (O;

Außerdem liebe ich Jungs / Männer auf Abenteuertrips und ein bisschen Grusel, und genau das hat "Stag" versprochen. Enttäuscht wurde ich trotz des makaberen Plots nicht.

Inhalt: Ian Telford (Comedian Jim Howick) ist ein eher langweiliger und unscheinbarer Lehrer aus Eastbourne, der nicht trinkt, Vegetarier ist und alles verabscheut, was mit Sport und Blut zu tun hat. Umso überraschender, dass sein zukünftiger Schwager Angus Johnners (Steven Campbell Moore im albernen Plüschhirschkostüm) einwilligt, ihn auf Anraten von Ians Schwester als Aufpasser mit auf den Junggesellenausflug in die schottischen Wälder mitzunehmen. Johnners und seine Freunde planen ein Jagdwochenende, bei dem sie einen oder mehrere kapitale Hirsche erlegen wollen.

Doch was als harmloser Spaß und jungenhaftes Imponiergehabe beginnt, entwickelt sich bald für alle zum Horrortrip. Ian findet heraus, dass die Freunde doch nicht so herzlich befreundet sind wie es scheint, und dass jeder der Beteiligten in einen Bankskandal verwickelt ist, der vertuscht werden soll, da jeder davon profitieren möchte. Damit nicht genug: die Männer werden nach und nach auf mysteriöse Weise eliminiert und somit selbst zu Gejagten - manche Opfer tauchen erst nach Tagen wieder kopfüber hängend in verlassenen Hütten auf, andere als zwei Hälften.

Die Überlebenden verdächtigen sich gegenseitig, und besonders der arrogant wirkende Ledge (JJ Feild) macht mehr als einmal sarkastische Bemerkungen, die nicht gerade für Vertrauen in der Gruppe sorgen. Leider muss ziemlich zum Ende auch er auf unappetitliche Weise dran glauben (*Heul!*), so dass Ian/Ewok/R2-D2 keinen Zweifel mehr hat, in eine Falle geraten zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Meinung: Wie bereits erwähnt, war JJ Feild der Auslöser, die Serie anzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich darauf verzichtet, hätte er nicht mitgespielt. Ich liebe den Mann einfach und finde ihn umwerfend! Er ist ein toller, vielseitiger Schauspieler, blendend aussehend, groß und athletisch, und er wirkt so nett, lieb und geerdet, dass ich mich wundere, weshalb er nicht einem größeren Publikum bekannt ist *Schmacht*. "Stag" zeigt ihn in einer Rolle, die ihn ein wenig gegen den Strich bürstet, wenn man seine anderen Filme kennt - als prolligen und lauten Banker, der erst am Schluss von seinen Qualitäten als "Best man" nicht mehr überzeugt ist und sich am gewaltsamen Tod der Kameraden die Schuld gibt. Trotzdem hat Ledge etwas ungeheuer Liebenswertes an sich (kann JJ Feild überhaupt anders?).

Aber auch die anderen Charaktere mochte ich. Die Chemie zwischen den Schauspielern war zwar nicht so deutlich zu spüren wie zwischen dem Cast in Third Star, doch im Lauf der Zeit bekamen alle sieben Männer ein Gesicht und - soweit möglich - Eigenschaften und Macken, die sie mir sympathisch oder unsympathisch gemacht haben. Die Guten waren neben Ledge der etwas eingebildete, aber gutmütige Cosmo (Rufus Jones), der den Cockerspaniel des ansässigen "Spielführers" rettet, und Mex (Amit Shah), der eigentlich Inder ist und am liebsten "Hitesh" genannt werden möchte statt Mexican, weil ersteres sein richtiger Name ist.

Es gab Witze und Situationskomik, über die ich lachen musste, und Szenen, bei denen ich mich gegruselt habe. Teilweise war mir "Stag" ein bisschen zu blutig, und mit Ledges brutalem Ende war ich überhaupt nicht einverstanden. Die Handlung und vor allem der Schluss fallen fast banal aus, und trotzdem fand ich die Serie unterhaltsam und durch den unerschrockenen Mix verschiedener Genres auch sehr originell.

Zudem waren trotz des eher gewaltsamen und nicht ganz ernst gemeinten Themas innige Freundschaftsmomente zu entdecken (Stichwort "Calmex), lustige Popkultur-Referenzen für die Nerds (Gruffalo-Bullshit, Star Wars, Lost und Elton Johns "I'm still standing"), eine geheimnisvolle, unberührte und weite Landschaft, und natürlich mein schöner John Joseph. Need I say more?






Bewertung: 

  👍👍👍👍




Dienstag, 29. März 2016

Eine Hommage an die Unsterblichkeit von Sherlock Holmes: "Die Braut des Grauens"

Nach der Enttäuschung über die letzte, dritte Staffel der Serie "Sherlock" hielt sich die Vorfreude auf das Special, das in Großbritannien bereits an Neujahr ausgestrahlt wurde, in Grenzen. Normalerweise hätte ich als Goth-/Mystery- und Benedict Cumberbatch-Fan alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Original zu sehen. Aber nicht einmal die Aussicht auf den gestrigen deutschen Sendetermin hat mein Herz hüpfen lassen. Zu Recht, wie sich herausgestellt hat.

"Die Braut des Grauens" war bestenfalls durchschnittliche Fernsehunterhaltung mit einem Touch Nostalgie, aber vor allem war sie eine Verbeugung an die Figur Sherlock Holmes, und das ist ja nicht soooo schlecht...

Zur verworrenen Handlung kann ich wenig sagen. Sie stand der Zerstückelung und den rasanten Schnitten der dritten Staffel in nichts nach. Innovative Kameraführung, raffinierte Computertricks und eine wirklich tolle opulente Ausstattung haben das zwar nicht wettgemacht, trugen aber doch nicht unwesentlich zu meiner Belustigung bei. Das Highlight war für mich die Szene im Diogenes Club, in der sich Holmes und der Diener Wilder aufgrund absolutem Ruhegebots in der Gebärdensprache unterhalten. Watson wird miteinbezogen und macht dabei einige witzige Fehler. Ich mochte die Szene vor allem, weil ich die Gebärdensprache selbst faszinierend finde. Es sah sehr elegant aus, wie Sherlock sie eingesetzt hat mit seinen schönen langen Händen...

Ein weiteres Highlight (*Ironie an*): Mycroft in a Fatsuit!!! Mann, das war wirklich der Hammer! WTF?! Wieso das denn? Nur weil er gerne Kuchen isst? Das musste genauso wenig sein wie Molly Hooper als Mann verkleidet. Dass Sherlock darauf hereinfällt, zeugt nicht gerade von großer Kombinationsgabe. Und da wirft er Watson noch mangelnde Vorstellungskraft an den Kopf!

Aber vielleicht ging es in "Die Braut des Grauens" nicht nur um Holmes' Unsterblichkeit, sondern auch um die Rolle der Frau. Ich wüsste zwar nicht, was das mit Sherlock zu tun hat, aber sei's drum. Irgendwie wusste ich eh die ganze Zeit nicht, worum es ging in den konfusen anderthalb Stunden, die sich - ehrlich - zäh wie Kaugummi gezogen haben.

Eindeutig war für mich nur, dass der Kindskopf Moriarty und Sherlock Holmes derselbe sind bzw. Moriarty seine "schlechte" Seite (oder der böse Zwilling) - und das seit über hundertzwanzig Jahren, wenn man Gatiss und Moffat glauben darf. Schließlich spinnt Sherlock sich im Jet das alles zusammen... oder doch nicht? Ist nicht eher der "alte" Sherlock im Drogenrausch ein Visionär, der die Zukunft voraussagt?

Eigentlich mag ich Mystery und Rätselhaftes, aber ich fühle mich verkohlt, wenn die vielen Fäden einfach abgeschnitten werden, ohne eine Lösung anzubieten oder wenigstens etwas konsequent zu Ende zu erzählen. Davon haben die Verantwortlichen der Serie zu oft schon Gebrauch gemacht für meinen Geschmack. Das hochgelobte Special entpuppt sich für mich als weitere Enttäuschung. Es war mehr eine Parodie aus wahllos aneinander gereihten Zutaten aus dem Potpourri von Conan Doyle und Gatiss/Moffat als eine Story zum Mitfiebern und Miträtseln.

Vielleicht bin ich einfach nicht clever genug, um den Gedankengängen der (Neu-)Erfinder des Meisterdetektivs zu folgen, aber ich kann mir nicht denken, dass jeder Sherlock-Fan, der über die Folge in Jubel ausbricht, alles verstanden hat und mir eine kurze und knackige Inhaltsangabe zum Wesentlichen geben könnte. Und das macht für mich eine gute Geschichte aus. No shit, Sherlock.


Bewertung:  ganz knappe




👍👍👍



Freitag, 11. März 2016

Ein (teutonisch schwerfälliges) Versprechen (2013) - Review

Nach meinem Empfinden schlechte Filme rezensiere ich eigentlich ungern - vor allem, wenn mehrere Schauspieler darin mitwirken, die ich generell gerne sehe, wie in "Ein Versprechen" Rebecca Hall und Alan Rickman als Ehepaar. Das hätte trotz des großen Altersunterschiedes reizvoll sein können. War es aber nicht. Die beiden hatten kaum miteinander zu tun; dafür schiebt sich ein vampiristisch blutleerer Typ zwischen sie, dem Lachen oder eine Mimik überhaupt zu zeigen offenbar wehtut und der so arrogant und plump agiert, dass ich ihn an der Stelle der Fabrikantengattin sofort hochkant rausgeworfen hätte aus meinem Leben.

Wirklich, einer banalen und behäbigen Dreiecksgeschichte wie dieser aus der Feder des deutschen Schriftstellers Stefan Zweig hätte es gutgetan, der jungen Frau Charlotte Hoffmeister wenigstens einen charismatischen Liebhaber zur Seite zu stellen und kein Bübchen, das höchstens Teenagerherzen höher schlagen lässt, denen der blasse Richard Madden aus "Game of Thrones" ein Begriff ist (und der dort vielleicht besser spielt - das kann ich nicht beurteilen). Aber jetzt mal der Reihe nach

Inhalt: Deutschland, 1912. Ein junger blutleerer Typ namens Edward Friedrich bewirbt sich in der Gießerei des wohlhabenden Carl Hoffmeister und steigt schon bald zu dessen Privatsekretär auf. Was niemand weiß: der Chef ist todkrank und möchte seine "Schwäche" vor den Angestellten und seiner Familie geheimhalten. Nur Friedrich weiß "zufällig" durch einen Herzanfall in der Fabrik davon. Er verliebt sich außerdem in die lebensfrohe Gattin des Großindustriellen und macht sich im Kreis der Familie Hoffmeister bald lieb Kind unentbehrlich.

Carl bleiben die Avancen und begehrlichen Blicke, die zwischen Friedrich und Charlotte fallen, nicht verborgen. Er schickt Friedrich für zwei Jahre nach Mexiko, damit er dort die Fortschritte des neuen Werks überwacht. Der Krieg in Europa verzögert das Wiedersehen. Doch eigentlich stellt der altruistische und selbstlose Carl die Liebe der beiden auf die Probe, denn er gesteht Charlotte auf dem Sterbebett, dass es von Anfang an sein Plan gewesen war, die zwei vor dem Hintergrund seiner tödlichen Krankheit zusammenzubringen (Ach nee jetzt!).





Meine Meinung: Abgesehen davon, dass mir der Jüngling so überhaupt nicht gefiel, gibt es zum Film selbst wenig zu sagen. Die Ausstattung war schön und üppig, wie man das von Hollywood-Kostümfilmen gewöhnt ist, und dennoch ist der Nachgeschmack fade wie der ganze Film. Nichts Überraschendes geschieht, nichts Emotionales oder Berührendes (einzige Ausnahme: Charlotte schreckt von einem Alptraum hoch und wird von Carl liebevoll zurück in den Schlaf gewiegt), und wie sollte es auch, wenn das Drehbuch von deutscher Biedermeierei nur so strotzt und einer der Hauptdarsteller sich einzig darauf konzentrieren muss, sich gut in Szene zu setzen. Von ihm hätte ich gern weniger gesehen und stattdessen mehr von Alan Rickman. Es war nicht seine Glanzrolle, und in der Tat konnten weder er noch Rebecca Hall den Film retten, aber er ist ein toller Schauspieler, der Besseres verdient gehabt hätte als neben einem hölzernen Brad Pitt der Neuzeit zum Statisten zu verkommen.

Fazit: Langweilige Literaturverfilmung. Wechselt zwischen deprimierend, melodramatisch, schwerfällig und ist absolut kein Spaß. Hätte ich vorher gewusst, dass es sich um die Verfilmung eines Werkes von Stefan Zweig handelt, dessen Bücher in der Schule Pflichtlektüre sind (warum auch immer), ich hätte die Finger davon gelassen - trotz Rickman / Hall, die eine gute Chemie gehabt hätten, wäre man mehr darauf eingegangen. Allerdings wurde bei der öden Vorlage wahrscheinlich nicht mal Potential verschenkt...



Bewertung: 
👍👍



Montag, 7. März 2016

The Awakening ~ Geister der Vergangenheit (2011) - Spoilerfrei -

Diesen Film mit Rebecca Hall und Dominic West in den Hauptrollen hatte ich vor kurzem schon einmal gesehen - und irgendwie nicht verstanden, weil ich den Kopf nicht freihatte oder schon zu müde war, um aufmerksam zu sein. Daher gab ich ihm gestern eine zweite Chance, die sich gelohnt hat.



Inhalt: England, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die junge Florence Cathcart ist "Geisterjägerin", die nicht an Geister glaubt. Neben Bücher schreiben, in denen sie die Existenz von Geistern mit wissenschaftlichen Argumenten abstreitet, besucht sie Häuser, in denen es vermeintlich spukt, um Betrügereien aufzudecken. Auch die damals schwer in Mode gekommenen Séancen lehnt sie rigoros ab und entlarvt jede Schwindelei - sehr zum Verdruss der Veranstalter und Besucher, die sich gerne an Illusionen klammern. Eines Tages steht der Lehrer Robert Malory vor ihrer Tür - nicht um sich ein Buch signieren zu lassen, wie Miss Cathcart annimmt, sondern um sie zu bitten, geisterhafte Phänomene an seiner Internatsschule aufzuklären. Ein entstellter Junge erschreckt dort angeblich die Mitschüler, und es gab sogar einen Jungen, der den Geist gesehen haben soll, nun aber unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Florence lässt sich überreden und fährt mit ihm zu dem abgelegenen Gebäude, das früher in Privatbesitz war. Gleich bei ihrer Ankunft versichert ihr die Hauswirtschafterin Maud (Imelda Staunton), sie nach besten Kräften bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, da sie ein großer Bewunderer ihrer Bücher sei.

Zunächst scheint es, als hätte Florence Erfolg. Der Mord entpuppt sich als tragischer Streich an einem Außenseiter. Doch die Phänomene suchen Florence weiter heim, als sie kurz nach der Aufklärung ihre Abreise ankündigt. Bald zweifelt sie an ihrem wissenschaftlich kühlen Verstand - und das nicht ohne Grund. Kann sie dem Bann des Hauses noch entkommen?








Meinung: "The Awakening" bietet alles, was m. M. ein wirklich gruseliger Gänsehautfilm haben muss: historisches, nebliges Setting, ein unheimliches Haus abseits der Zivilisation, eine unerwartete Handlung, tolle Schauspieler und Menschen, die traumatisiert sind und / oder schreckliche Geheimnisse verbergen. Nicht zu vergessen ein wirklich grandioser, unaufgeregter und wehmütiger Soundtrack, der viel zur düsteren Atmosphäre des Films beiträgt. Sehr amüsant fand ich auch die klassischen Referenzen an weitere Filme des Genres, wie das Herabrollen eines Balles von der Treppe und bedeutungsvolles altes Spielzeug - in diesem Fall ein mechanischer Plüschhase, der ein Kinderlied singt, und ein Puppenhaus, das wie aus dem Nichts heraus Szenen aus Florence' Vergangenheit zeigt.

Die Schauspieler haben mich durch die Bank überzeugt, und Rebecca Hall ist eine meine Lieblingsdarstellerinnen, seit ich sie in "Parade's End" an der Seite von Benedict Cumberbatch gesehen habe. Doch besonders hervorheben möchte ich den kleinen Thomas (Isaac Hempstead-Wright), der während der Ferien als einziger Junge im Schulgebäude bleiben muss - das glaubt zumindest Florence Cathcart.

Kinder in Filmen sind für mich meist ein Garant für Overacting und ziemlich nervig, aber Thomas bleibt eher im Hintergrund und hat außer zu Florence nur mit Maud Kontakt. Was das bedeutet, wird der jungen Geisterjägerin erst ganz zum raffiniert aufgebauten Schluss klar.

Fazit und Bewertung: Sehenswert für Fans von subtilem Grusel und spannenden, psychologischen und dennoch fantastischen Geschichten mit einem Hauch Nostalgie und geschichtlichem Hintergrund. Genau das Richtige für mich, daher volle Punktzahl:


👍👍👍👍👍





Freitag, 26. Februar 2016

Abenteuer Leberentgiftung / Leberfasten

Eigentlich halte ich nichts von Diäten oder Fastenkuren. Das mag für andere ok sein, dachte ich immer, ich hab sowas nicht nötig. Sollte man meinen. Bei 164 cm Körpergröße wiege ich nämlich gerade mal knapp fünfzig Kilo. Ich bin weder dünn noch magersüchtig und fühle mich wohl mit meinem Gewicht. Aber es gibt etwas, das mich irgendwie stört: trotz wenig körperlicher Arbeit und nicht übermäßigem Stress bin ich ständig müde. Früher war ich unternehmungslustiger, energiegeladener und ausgeglichener.

Als es mir wirklich schlecht ging (vor allem seelisch) und ich widerwillig einen Doktor aufsuchte, stellte der fest, dass meine Körperzellen trotz einer Trinkmenge von mindestens zwei Litern pro Tag nicht genügend Wasser aufnehmen. Was ich dagegen tun kann, hat er mir allerdings vorenthalten. Ich war damals echt mies drauf und bin Gott sei Dank ohne Medikamente, dafür mit viel Zuwendung, Verständnis, Sport und heilpflanzlichen Mitteln meinem Tief entkommen.

Die verflixte Müdigkeit will sich aber nicht vertreiben lassen. Es ist nicht so, dass ich mich krank fühle, und trotzdem wäre ich gerne wieder aktiver. Durch meine Mutter, die Gesundheits- und Ernährungsberaterin ist, habe ich vom Leberfasten erfahren und davon, wie viele Beschwerden und Krankheitssymptome durch eine lahmgelegte Leber entstehen.

Gallensteine sind eine häufige Ursache, die fatalerweise völlig schmerzlos sind und außerdem unterm Röntgenbild nicht erkannt werden (es sei denn, es ist schon fast zu spät und die Steine können nur noch operativ entfernt werden). Auch mein mangelnder Wasserhaushalt hat mit der Leber und ihrem Zusammenspiel von Galle und Darm zu tun. Sie ist die Entgiftungszentrale im Körper, und sobald sie nicht mehr einwandfrei funktioniert, verändern sich der Stoffwechsel, die Haut, Hormone, Bindegewebe, Knochen, Zähne und Gemütszustand zum Negativen - kurz, man fühlt sich alt und sieht auch so aus. Das, was so salopp als "Alterserscheinung"" abgetan wird, ist genau genommen eine Leber in Not. Daher möchte ich meiner jetzt eine Auszeit gönnen und sie wieder auf Vordermann bringen, mitsamt ihrem freundlichen Untermieter, dem Darm. Das wird wohl ein bisschen Mühe kosten, aber sie sollte es mir wert sein.




Angefangen habe ich letzte Woche mit zwei großen Gläsern verdünntem Apfelessig zu meiner gewohnten Trinkmenge. Der Apfelessig weicht die Gallensteine auf, so dass sie später schmerzlos ausgeschieden werden können. Zuerst habe ich befürchtet, er sei zu scheußlich, um ihn in den Alltag zu integrieren, aber es geht erstaunlicherweise ganz gut und schmeckt sogar, wenn man ihn mit Esslöffel dosiert.

Die eigentliche Kur beginnt mit der Einnahme von Bittersalz (auch in Kapselform erhältlich) am ersten der zwei Tage, die man sich freinehmen sollte. Idealerweise führen kluge Köpfe die Entgiftung am Wochenende durch. (O;

Zweimal zwölf Kapseln bringen den Darm in Schwung, und gegen 22.00 Uhr wird dann ein Gemisch aus Olivenöl und frisch gepresster Grapefruit eingenommen. Da mir im Vorfeld die Beschreibungen ein wenig beängstigend vorkamen ("nicht länger als fünfzehn Minuten trinken! Sofort hinlegen!"), war ich überrascht, wie gut es runterging. Könnte ich öfter trinken. Dann muss man 20 Minuten ganz ruhig liegen bleiben und darf nicht sprechen. Und obwohl ich doch eher die Nachteule bin, war ich danach so müde, dass ich vom Wohn- ins Schlafzimmer umgesiedelt bin, um dort weiterzupennen. Eventuell, so hieß es in der Beschreibung, wird einem schlecht in der Nacht, wenn das Öl wieder den Magen erreicht oder ein Krankheitsgefühl stellt sich ein, doch das war bei mir - abgesehen von einem leicht flauen Gefühl - nicht der Fall.

Am nächsten Morgen gab es frisch gepressten Saft, und ständige Besuche des stillen Örtchens. Ganz ehrlich, Steine habe ich nicht viele zweifelsfrei entdeckt (oder wollte auch nicht so genau nachschauen...), aber ich kann eine so schonende und pflanzliche Entgiftung eines Organs, das viel zu viel beansprucht wird in der heutigen Zeit, nur empfehlen. Das einzige, was mir schwerfiel, war der Verzicht auf Genussmittel und Essen.


Geschafft! 





Bildquelle: congerdesign / Pixabay






Dienstag, 23. Februar 2016

"Das Bildnis des Grafen" ~ Buchtrailer

Sollte es eine Geschichte von mir geben, die ich als *mein Baby* bezeichne, so wäre das ohne Überlegung "Das Bildnis des Grafen". Nicht, weil es mein Debütroman ist oder ich am längsten von allen meinen Romanen daran gefeilt habe. Sondern weil ich eine Geschichte erzählen wollte, die bis heute für mich am dichtesten ist und am meisten Atmosphäre hat.

Es ist eine Mischung aus Krimi und Schauerroman; etwas, das ich in dieser Form eigentlich gar nicht kenne. Natürlich tauchen sowohl für Krimileser als auch Gruselfans bekannte Elemente auf, und dennoch glaube ich, dass ich Klischees und deren Falltüren ganz gut umschifft habe.




Es tut mir daher ein bisschen leid, dass gerade dieser Roman auf Amazon zwei miserable Rezensionen abbekommen hat, die in meinen Augen nicht wirklich fair und fundiert geschrieben wurden. Dass Meinungen unterschiedlich sind, akzeptiere ich und wäre an sich kein Problem - als Autor muss man mit Kritik umzugehen lernen. Trotzdem merke ich an den Verkaufszahlen, dass diese vernichtenden Kritiken das Leseverhalten beeinflussen und sich Interessenten evtl. davon abgeschreckt fühlen.

Ich würde mich freuen, wenn der Trailer den einen oder anderen davon überzeugen kann, sich auf einen Roman einzulassen, der mit verschiedenen Genres spielt und vor allem eines will: eine originelle Geschichte abseits des Mainstream vermitteln und den Leser in eine vergangene Epoche führen, in der die Menschen zwischen Fortschritt und dem traumatischen Niedergang der Traditionen durch den Ersten Weltkrieg ihr seelisches Gleichgewicht wiederfinden mussten. Wer Freude an gut recherchierten, historischen Krimis in zeitgenössischer Sprache hat und bereit ist, über ein paar Phänomene zu staunen, die überwiegend das Fantasy- und Grusel-Genre prägen, liegt mit "Das Bildnis des Grafen" ganz bestimmt nicht verkehrt.



Freitag, 12. Februar 2016

"Affettuoso" & "Camera Obscura" ~ Buchtrailer

Brandaktueller Buchtrailer meiner Neuerscheinungen. Besonders toll an Animoto finde ich die benutzerfreundliche Bedienung - da bekommen auch Technik-Dummies ein schönes Video hin. Ich hoffe, es gefällt euch genauso gut wie mir.


Samstag, 30. Januar 2016

Review "Mesmer" (1994) ~ Alan Rickman

Ich habe es getan: mir ein paar alte Filme des kürzlich verstorbenen Alan Rickman reingezogen. Ich weiß nicht, ob es eine Art morbides Vergnügen ist oder eine verquere Trauerbewältigung, wenn plötzlich das Interesse an einer Person wieder aufflammt, die das Zeitliche gesegnet hat.




Meine erste DVD, die ich je gekauft und angesehen habe, war der US-Import von "Mesmer", eine deutsche Co-Produktion, die nie mit deutscher Tonspur erschienen ist und in der Alan Rickman die Rolle spielt, die ihn für kommende, ähnliche Charaktere prädestiniert hat - die des unkonventionellen Mediziners und "Wunderheilers" Franz Anton Mesmer (1734 - 1815).

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten mit historischen Persönlichkeiten und hält sich offenbar ziemlich genau an die Fakten der Begegnung mit der damals prominenten blinden Musikerin Maria Theresia Paradies, der als Patientin Mesmers Wirken zum Verhängnis wurde. Ob er sich tatsächlich in sie verliebt hat und sie eine sprichwörtliche Mary Sue war wie Amanda Ooms, sei dahingestellt, aber wenn ich ehrlich bin, hat mich die oft prickelnd-erotisch angehauchte Atmosphäre nicht gestört, oder vielleicht stand ich von Anfang an unter Mesmer-Rickmans hypnotischem Bann.

Denn eins muss man ihm lassen: jeder andere Schauspieler, der mir spontan einfällt, hätte in diesem Drehbuch lächerlich gewirkt. Nicht so Mr. Rickman. Trotz teilweise dick aufgetragenem Pathos und klischeehaften Fanfiction-Elementen gelingt es ihm, ein Charisma zu versprühen, das wohl dem des echten Mesmers ebenbürtig ist. Eine unverwechselbare Snape-Posse in der halben Achsdrehung ohne Zauberstab und das flüsternde und divergent deutliche Genuschel ("A bandage of sil-k...") gehören da einfach dazu. Und ganz ehrlich, ich fand sogar das wirre Rumgefuchtel und die Bondage Light-Sessions irgendwie passend. In einem anderen Film mit einem anderen Schauspieler hätte mich das auf dem Sofa zu Kicheranfällen oder zum Fremdschämen gereizt. Vielleicht hätte es das auch zu einem anderen Zeitpunkt, aber hey, das ist Alan Rickman!

Einige Szenen gingen mir in ihrer Intensität beinahe wider Willen unter die Haut, z. B. die, als Mesmer durch seine "magnetischen" Methoden entdeckt, dass Maria-Theresia häuslichen Missbrauch erfährt. Die Szene kommt fast ohne Dialog aus, und die Art, wie er die beschämte und verzweifelte Maria festhält und tröstet, hat etwas sehr Liebevolles, obwohl er ansonsten ein wenig arrogant auf alle herunterschaut (auch auf Maria).

Wahrscheinlich kommen die beiden deshalb am Ende nicht zusammen. Nein, der Grund ist ein anderer, so viel habe ich verstanden. Maria fühlt sich nicht sicher in der von Mesmer mehr zufällig als zielgerichtet neu erschlossenen Welt oder er genügt optisch ihren Ansprüchen nicht und kann plötzlich nicht mehr so grandios musizieren mit den Noten direkt vor der Nase. Auch Mesmer gibt zu, dass er, als ihm metaphorisch vor langer Zeit die Augen geöffnet wurden, ein paar seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten verloren hat, die er als Kind besaß. Trotzdem sieht er - im Gegensatz zu Maria und den meisten Menschen - nach vorne und die französische Revolution voraus.

Ich fand die Message ganz gut, denn man erkennt sich als Zuschauer ein bisschen selbst in Maria wieder (nein, ich bin keine Mary Sue). Auf Gewohntes zu verzichten, und sei es zum Positiven, ist nicht immer leicht.

Was ich im Nachhinein ein wenig schade fand, war die Tatsache, dass der Film Mesmer als einen  Mann zeigt, der auf ganzer Linie scheitert mit seinem "Hokuspokus" und gegen Windmühlen kämpft, obwohl er offenbar in seinem Wirken überwiegend erfolgreich war und aufgrunddessen bei missgünstigen Kollegen, die konventionell praktizierten, Spott hervorgerufen hat. Da hätte man dem historischen Mesmer ruhig ein ehrenvolleres Denkmal setzen können. Die heilende Kraft von Berührungen und Handauflegen ist heute zumindest in der alternativen Medizin bewiesen und hat nichts mit Esoterik zu tun. 







Den Film gibt es bei mir zuhause, auf Youtube oder bei Amazon. Vielleicht auch demnächst neu aufgelegt mit deutscher Tonspur für alle Prof. Snape-Fans. Dann wäre Mr. Rickmans Tod nicht umsonst gewesen (sorry, das war pietätlos, oder?)


Bewertung:   

      👍👍👍👍



Sonntag, 17. Januar 2016

In Memoriam David Bowie & Alan Rickman

Wenn berühmte Persönlichkeiten gehen, ist das immer traurig (auch bei weniger berühmten, aber im Normalfall zieht das keine weiten Kreise).

Richtig geschockt war ich über die Nachrichten, dass David Bowie und Alan Rickman innerhalb weniger Tage nacheinander im selben Alter an Krebs gestorben sind. Ich mochte beide sehr gern, obwohl ich mich nicht als großen Fan bezeichnen würde. Aber zumindest Bowie hat mein Teenagerleben geprägt, als ich mich im "Retro"-Wahn mit selbstbedruckten Ziggy Stardust-T-Shirts zum Kuriosum der Klasse gemacht habe. Mit erstaunlicher Beharrlichkeit wurden Alben und Fanartikel gesammelt, darunter sogar seltene Hörspiele und verstörende Poster, die ich heute verschämt in den hintersten Winkel meiner Dachkammer verbannen würde. Und die Platten (teilweise neu aufgelegte) wurden rauf und runter gehört. Ich kann heute noch die Texte von weniger bekannten Songs, so absurd sie auch oft gewesen sind.

Meine Lieblingsfigur seiner vielen Kreationen und Alter Egos war Ziggy Stardust. Vielleicht lag es an den hippen 1970er Klamotten und den meterhohen Plateauschuhen (wenn er denn überhaupt etwas anhatte), aber ich mochte tatsächlich viele "Ziggy"-Songs. Und die Figur hatte etwas an sich, das mir irgendwie entgegenkam. Trotz dem Image des "Bürgerschrecks" und dem tonnenweise aufgetragenen Makeup wirkte Ziggy schüchtern und verletzlich und wie von einem anderen Stern. Ein ungelenker Teenager eben.

Mit David Bowie geht nicht nur ein großartiger und vielfältiger Künstler, sondern auch ein Teil meiner Kindheit und Jugend.



Einer meiner Lieblingssongs von David Bowie

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Ähnlich verstörend empfand ich den leisen und überraschenden Abgang von Alan Rickman vier Tage darauf, auch wenn er mich nicht so lange und intensiv begleitet hat wie Bowie. Ich fand ihn nicht einmal als Snape in den Harry Potter-Filmen wirklich toll, weil mich seine Perücke immer an Mirelle Mathieu erinnert hat. Aber er hat mich beeindruckt in Charakterrollen wie in "Truly Madly Deeply / Wie verrückt und das tiefstem Herzen", als hypnotischer "Mesmer" und in "An awfully big Aventure / Eine sachliche Romanze", von dem ich hoffe, dass es irgendwann auf DVD oder Blueray erscheint. Abgesehen davon war er einer jenen seltenen Schauspieler, die so markant sind und eine so unverwechselbare Stimme haben, dass sie jeden Schrott noch sehenswert machen konnten. Jetzt ist diese Stimme hier auf Erden für immer verstummt.

Alan Rickman war eine Inspriration für fast alle meine historischen Geschichten, die in England angesiedelt sind, eben aufgrund seines ungewöhnlichen Auftretens und der damit verbundenen, häufig ein bisschen distanziert wirkenden und unheimlichen Ausstrahlung. Beides war zwar nicht immer unbedingt sympathisch oder besonders originell, aber doch so, dass ich seinen Tod schon betrauere - wenn auch nicht mit erhobenem Zauberstab.








Mittwoch, 13. Januar 2016

Neuerscheinung: Camera Obscura ~ Christine Wirth

Es ging doch schneller als vermutet: Seit gestern ist mein neuer Roman - die Fortsetzung der Geschichte um Mickey und Joshua - bei Amazon als Printversion und Ebook erhältlich.

Ich freue mich sehr darüber und bin besonders stolz auf das Cover, das wieder richtig gut zum Inhalt passt.




Wie bereits in "Affettuoso" wird die Handlung aus der Sicht von Mickey in der Ich-Form erzählt, und das auf gewohnt humorvolle und temporeiche Art. Diesmal bekommt er es mit dem harten Pflaster New York zu tun und verliebt sich in die zwanzigjährige Ruth Perlman, der Tochter eines Clans, der es ihm nicht leicht macht.

Und natürlich gibt es in New York neben familiären Schwierigkeiten und störrischen Clanmitgliedern auch eine Prise Drama.

Sowohl "Affettuoso" als auch "Camera Obscura" lassen sich unabhängig voneinander lesen, aber es hilft vielleicht doch, den ersten Teil zu kennen. Für Amazon Prime-Mitglieder sind beide Romane kostenlos herunterzuladen.

Unter *Weitere Informationen* können eine Leseprobe und der Link zum Buch aufgerufen werden.


Sonntag, 10. Januar 2016

Camera Obscura ~ die Fortsetzung von "Affettuoso"

Momentan stelle ich mein überarbeitetes Manuskript von "Camera Obscura" fertig, den zweiten und letzten Teil der Geschichte um die Knastbrüder Mickey Calloway und Joshua Goldberg, die ich bereits im August letzten Jahres vorgestellt habe.


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Mir sind die beiden damals ans Herz gewachsen, und irgendwie hatten die liebenswerten Chaoten eine Fortsetzung verdient, da "Affettuoso" ein mehr oder weniger offenes Ende hat.

War der Schauplatz von "Affettuoso" überwiegend der Westen der USA, so geht es diesmal in den Osten nach New York, wo der ahnungslose Mickey in einen Bandenkrieg zwischen Neonazis und den "Jeckes", den in der Metropole ansässigen Juden, verwickelt wird. Keine Angst, ich werde nicht politisch, denn trotz des Themas kommen Humor und auch die Liebe nicht zu kurz: der Ire Mickey verguckt sich in die Tochter des Bandenchefs; etwas, das nicht von alen Beteiligten gern gesehen wird.

Der Titel "Camera Obscura" verrät schon, dass sich manches für Mickey auf den Kopf stellt und er nicht immer Herr der Lage ist.

Den Erscheinungstermin gebe ich hier auf meinem Blog bekannt, sobald der Roman als Print-Ausgabe und Ebook erhältlich ist.