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Donnerstag, 11. Mai 2023

Zum 50. Todestag von Lex Barker

 Ein Idol meiner frühen Kindheit war Lex Barker, der hünenhafte Held aus den Karl May-Filmen. Die meisten Mädchen meiner Altersklasse und darüber schwärmten für Winnetou / Pierre Brice, was ich nie so recht verstanden habe - war doch Old Shatterhand so viel kerniger und trug einen echten, wunderschön silberblonden Skalp, der romantischer im Abendwind flatterte als Monsieur Brices Perücke. Und wenn man ihn reiten sah und ein bisschen Ahnung von Pferden hatte (und das hatte ich als Mädchen), dann wusste man: er und sein Hatatitla / Rih verstehen sich. Was kein Wunder ist, saß Barker doch schon als Fünfjähriger fest im Sattel und besaß später hin und wieder eigene Pferde.


 

Die Begeisterung für Lex Barker begleitet mich bereits mein ganzes Leben lang. Manchmal bricht sie sich in regelrechten Schüben Bahn, die mir (merkwürdigerweise) in meinen Teenagerjahren und frühen Zwanzigern peinlich waren. Verschämt wurde dann in Mediencentern abseits von Amazon nach "anspruchsvollen" Filmen mit Lex Barker gefragt, bis der Verkäufer allmählich spitzkriegte, dass ich sie nur wegen dem Schauspieler bestellte. Verwandte und Freunde wurden gebeten, mir vom Kabelfernsehen Videos mitzuschneiden (Gott, bin ich alt!), da ich relativ spät in den Genuss von mehr als drei Programmen gekommen bin. 

Ich kann mich an einen Urlaub erinnern, während dem ich es kaum abwarten konnte, nach Hause zu fliegen, weil dort ein paar ungesehene Barker-Filme auf mich warteten, die ich zu horrenden Preisen von meinem Lehrlingsgehalt erworben hatte und mir per Post schicken ließ. Schmonzes wie "Frauenarzt Dr. Sibelius" oder zweitklassige italienische Kostümfilme und europäische Abenteuerfilme standen damals hoch in meinem Kurs. Freilich ganz geheim. Irgendwie habe ich mich immer ein bisschen uncool gefühlt, wenn man mir auf die Schliche kam, weil in meinem Zimmer ein altes Bravo-Poster hing. Statt Brad Pitt und George Clooney mochte ich Lex Barker, den man im Allgemeinen als eher durchschnittlich talentierten Akteur wahrnahm, wenn überhaupt. Immerhin war er zu meiner Jugendzeit auch schon ein paar Jahrzehnte tot, und unsterblichen Ruhm hat er nur unter den Karl May-Fans eingefahren, die erst jetzt wieder ungeniert und nostalgisch zu ihrer Leidenschaft stehen. Und natürlich als Tarzan in den USA. Tarzandarsteller gab es allerdings mehrere, auch wenn mein subjektives Urteilsvermögen überzeugt ist, dass er der schönste und strahlendste Lord Greystoke war, der je mit nackten Füßen oder in hautfarbenen Ballettschuhen den sumpfigen Hollywood-Dschungel betreten hat.

Leider ist Lex Barker nicht alt geworden. Vielleicht war sein Leben als Kosmopolit anstrengender und weniger glamourös, als es den Anschein hatte oder er es sich anmerken ließ. Auch sagt man über ihn, dass er nicht gut allein sein konnte, wenngleich die Geselligkeit in großer Runde oft vorgetäuscht war. Wenn man sich in seine umfangreiche Biografie vertieft, nimmt es nicht weiter wunder, dass ein Leben wie seines früher oder später einen Tribut fordert. Denn Pausen oder Auszeiten hat Lex Barker offenbar nicht gekannt. Ständig war er auf allen Teilen der Erde unterwegs, drehte oft bis zu sechs Filme im Jahr und wurde privat und beruflich nicht nur einmal auf eine harte Probe gestellt. Vor genau fünfzig Jahren starb er in Manhattan, New York an einem Herzinfarkt auf offener Straße - ironischerweise im selben Bundesstaat, in dem er auch geboren wurde. Für einen Weltenbummler wie ihn ist das schon irgendwie bemerkenswert.

Bereits vor über zehn Jahren habe ich einen Artikel über Lex Barker auf dem Autorenportal Pagewizz verfasst, der einen Überblick über sein kurzes, aber ereignisreiches Leben gibt. Und eines ist sicher: Peinlich wird mir meine "Schwärmerei" für einen so interesssanten Menschen nie wieder sein.

Hier geht's zu meinem Bericht: *Klick*

Bildquelle: Pinterest




Dienstag, 12. April 2022

A walk down memory lane - alte Fotoalben.

 Was ich am Wochenende festgestellt habe: ab einem gewissen Alter macht das Blättern in alten (analogen!) Fotoalben sentimental. Im besten Fall ein wenig melancholisch. 

Bei meinen Eltern stehen nicht viele Fotoerinnerungen im Regal. Hauptsächlich wurden Schnappschüsse aus den 1960er bis 1990er Jahren aufbewahrt. Später hat man wohl nicht mehr so viel fotografiert oder scheute im Zeitalter der Digitalkamera den Aufwand. Und irgendwie ist das ja auch verständlich. Trotzdem schade, dass Erinnerungen nicht mehr so liebevoll handgemacht festgehalten werden wie in jenen Fotoalben. 

 


Besonders eindrucksvoll fand ich dieses Bild, das leider einen so starken Rotstich aufweist, dass ich es schwarzweiß bearbeitet habe. Es zeigt meinen Papa und mich mit Kater Oskar auf der heimischen Terrasse an einem Sommerabend und versinnbildlicht mehr als Worte meine Kindheit. Wenn ich es betrachte, weckt es so viele Gefühle - das an heißen Sommertagen (die ich geliebt habe trotz meiner sonnenempfindlichen Haut), das Gefühl von Geborgenheit und die ungestüme Liebe zu dem gutmütigen Oskar, der schwarz war, ohne als Unglückskatze zu gelten oder verschmäht zu werden aufgrund seiner Fellfarbe (dass es heute weitgehend so ist, wusste ich bis vor kurzem nicht, erklärt aber, warum die bildschönen schwarzen Katzen seltener bzw. unbeliebter werden).



Hier ein Schnappschuss aus... (Tusch!) dem berühmten Skiort Gstaad in der Schweiz. Ohne Schnee. Der beste Freund meines Vaters hatte uns als Familie damals eingeladen, mit ihm, seiner Frau und der kleinen Tochter den Urlaub zu verbringen. Ich finde, das Motiv wirkt wie aus einer Reisewerbung. 

Die Berge haben uns so gut gefallen, dass wir - vor die Wahl gestellt, ob Meer oder Berge - uns immer für letzteres entschieden. Was aber vielleicht auch daran liegt, dass meine Eltern ein paar Jahre in Rosenheim gelebt haben. Jedenfalls sind wir immer noch richtige Bergfexe, auch wenn wir nicht mehr so steile Hügel erklimmen. 

Im Rückblick auf meine Kindheit beschleicht mich ein wenig das traurige Gefühl, dass eine durchschnittliche Kindheit bis zu den 2000er Jahren ohne Internet glücklicher war - im Allgemeinen. Man folgte keinen Influencern oder wollte einer werden, sondern war viel draußen und hat sich mit anderen getroffen, um harmlos und ganz ohne political correctness und Zensur zu spielen. Computer gab es zwar auch schon, aber ich kann mich erinnern, dass es ein gesetztes Zeitlimit fürs Zocken gab, an das man sich zu halten hatte. Außerdem nahm der PC prinzipiell eher eine untergeordnete Rolle im Alltag ein.

 

Picknick im Wallis

 

Manchmal wünsche ich mir tatsächlich die gute alte Zeit zurück. Haltet mich für ewiggestrig, aber ich bin der Ansicht, dass früher doch einiges besser war. Vielleicht werde ich aber auch nur ein bisschen altersweise, wer kann das sagen?


Mittwoch, 9. März 2022

Altehrwürdige Campingstühle aus den späten 1960 / frühen 1970er Jahren

 Gerade bin ich dabei, unseren Minikeller zu entrümpeln, in dem sich so einiges angesammelt hat über die Jahre. Sogar mein altes, vom Flohmarkt erfeilschtes Klapprad steht noch dort, das mir ein mittlerweile verstorbener Bekannter geschenkt (verkauft?) hat. Das gebe ich nicht her, im Gegensatz zu einem Paar Campingstühle, das unserer Familie über Jahrzehnte treue Dienste erwiesen hat.

 


 

Keine Gartenparty haben sie ausgelassen, keinen Flohmarkt, auf dem wir einen Stand hatten, und natürlich haben sie auch im Urlaub nicht gefehlt, waren sie doch leicht und handlich und platzsparend im Kofferraum zu verstauen. Von Gegenständen wie diesen trenne ich mich stets mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich unheimlich froh um den neu geschaffenen Platz im Keller, andererseits erzählen besonders diese Klappstühle viele Geschichten für mich. Ihr Alter sieht man ihnen bis auf das typische Design der 70er Jahre nicht an. Beide Stühle sind stabil, die Sitzfläche straff und nicht ausgebleicht. Natürlich sind sie nicht wie neu, aber dennoch gut in Schuss. Ein Blickfang im Garten und in einer Zeit, in der die Terrassenmöbel irgendwie alle gleich langweilig und grau aussehen.



Einiges, was ich als "überflüssigen" Krempel empfand während meiner Aufräumaktion, habe ich in Kartons peu à peu zum Mitnehmen vor die Tür gestellt, und bin doch erstaunt, dass die Sachen mit wenigen Ausnahmen weggehen wie warme Semmeln. Bestimmt wären meine Stühle auch schon längst weg, doch ich versteigere sie für Liebhaber und Nostalgiefans auf ebay und hoffe auf viele Gebote. Dort findet ihr auch weitere Fotos. Bei Interesse klickt auf den folgenden Link:


Vintage Campingstühle 1970er

 

Freitag, 11. Februar 2022

Jeden Tag zur guten Nacht 365 neue Geschichten / 365 Grains de Sable von Evalisa Agerthon u.a.

 Es gibt Bücher in meinem Leben, die ich schon lange nicht mehr besitze, an die ich mich jedoch erinnere und sie gelegentlich auch gern wieder hätte. Eines davon ist das unten abgebildete. Ich kann gar nicht genau sagen, was für mich die Faszination ausmacht, doch ich war überglücklich, als ich es auf Booklooker für einen guten Preis in einem altersgemäß tollen Zustand (die Ausgabe ist von 1978) erwerben konnte.

 


Das farbenfrohe Cover mit dem lockenköpfigen, schnurrbärtigen Sandmann/Zauberer (damals topmodisch!) ist einer der Faktoren, die mich begeistern und heimlich erfreuen. Ich meine, welcher Zauberer sieht denn heute noch so aus geschweige denn traut sich, in einem so spießigen Outfit einem Kind zu erscheinen? Überhaupt die Zeichnungen. Ich wage zu behaupten, dass ihnen das 1970/80er Jahre Flair anzumerken ist. Irgendwie sind die Illustrationen so bunt, liebenswert einfach, ein bisschen altbacken und trotzdem kunstvoll. So, wie schlichte Kinderbücher zu jener Zeit eben waren. Wenngleich verschiedene Texter und Zeichner am Werk waren, wirkt es sehr einheitlich. Das Format gefällt mir auch, und nicht zuletzt rankt sich eine kleine Geschichte um dieses Buch.

 


Gesehen habe ich es zum ersten Mal bei einer Freundin, die es entweder mir oder einer weiteren gemeinsamen Schulkameradin geschenkt hat, weil wir beide große Begeisterung bekundet haben (ich behaupte mal, dass ich die Glückliche war, kann es aber nicht mehr genau sagen). Da nicht ganz klar war, wem der Schatz nun gehörte, kam es zu Streit. 

Die großzügige Freundin war inzwischen umgezogen, und ich forderte das Buch zurück, das ich ausgeliehen hatte (oder es gehörte ohnehin dem anderen Mädchen... ziemlich verwirrend!). Um es mir mit der Freundin nicht zu verscherzen, die ich trotz allem sehr mochte, habe ich ihr das Buch überlassen und lange Zeit nicht mehr daran gedacht. Bis irgendwann der Rappel und Ehrgeiz kamen, alte Jugendbücher wieder aufzutreiben. Das war trotz Internet gerade bei diesem Buch schwieriger als gedacht. Ich wusste weder Autor/en noch den genauen Titel oder Verlag, und Gute-Nacht-Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Irgendwann habe ich es doch wiedergefunden, doch der Kauf entpuppte sich als Enttäuschung. Der Einband mehrfach mit farbigem Tesaband geklebt, innen teilweise Gekritzel, das war nicht in der Artikelbeschreibung zu lesen gewesen. Hätte es sich um meine eigenen Gebrauchsspuren gehandelt, hätte es mich nicht gestört, so aber habe ich das Buch als Schandfleck in meinem "Kinderbuchregal" empfunden (ja, ich bin mitunter ein kleiner Monk).

 


Umso mehr freut es mich jetzt, das Buch, das mir so viel bedeutet hat, unversehrt wieder zu besitzen. Da hatte ich ähnliches Glück wie mit dem Märchenbuch, das unvermuteterweise eine Leserin im Büchertreff erwähnt hatte. 

Und obwohl es völlig sinnlos ist, solche Bücher im Erwachsenenalter sein eigen zu nennen, erfüllt es mich mit Nostalgie und fast Glück, wenn ich es zur Hand nehme und durchblättere. Die kleinen Verse sind oft anrührend, lustig, teilweise fast skurril oder zum Nachdenken. Ein bisschen auch Zeitgeist, denn Kinder von heute kann man mit solchen Kurzgeschichten nicht mehr wirklich verzaubern.



Sonntag, 10. Januar 2021

Zum Gedenken an Opa Paul

Heute hätte mein Opa Geburtstag. Über hundert Jahre wäre er schon, und ich wette, er hätte sich gefreut, so alt zu werden. Denn mein Opa war ein lebenslustiger Mensch, bis zuletzt. Allerdings - er möge mir verzeihen - nicht unbedingt liebenswert, zumindest nicht, solange er der "alte" Opa war. Er war das, was man am ehesten mit "Opportunist" beschreibt: jemand, der seinen Vorteil auf Kosten anderer sucht, und Leute, die nicht seiner Meinung waren oder er als schwach empfand, hat er offen verachtet oder hinter deren Rücken schlecht gesprochen. Als Kind habe ich das nicht gemerkt; ich war gern bei meinen Großeltern. Erst später wurde mir bewusst, dass meine Oma diejenige war, die mich oft in Schutz vor seinen Spötteleien genommen hat. Eigentlich habe ich ihn nämlich bewundert. Bis ins hohe Alter war er viel unterwegs - hoch zu Ross, mit dem Fahrrad, und später - nach Omas frühem Tod - mit seiner Lebensgefährtin auf Fernreisen um die ganze Welt. Dafür nahm er einige Unannehmlichkeiten in Kauf, vor denen ich selbst in jungen Jahren zurückgeschreckt wäre.

 

In Thailand mit der Reisegruppe

Am Ort kannte man ihn wie einen bunten Hund. Gartenarbeit und seine Rosen waren neben lautem Singen im Liederkranz und auf Ausflügen seine zweite Leidenschaft, und er half häufig den Nachbarn bei der Pflege derselben. Immer auf seine Art, die natürlich keine Kompromisse duldete. Da er keinen Führerschein besaß, musste man ihn sofort und wenn er es wollte, überall hinfahren oder Botengänge für ihn erledigen. Wirklich nicht sympathisch. Und trotzdem denke ich ein bisschen mit Wehmut an ihn. In seinen letzten Jahren hat er sich nämlich geändert und dank meiner Mutter viel aus seinem Leben aufgearbeitet, das für sein bestimmendes Wesen verantwortlich war. Trotz Demenz war es ihm möglich, seine Kriegserlebnisse zu rekapitulieren und die schleichende Vergessenheit mit pflanzlichen Mitteln und dem Gebet seiner Tochter zu besiegen, so dass er am Ende seines Lebens völlig klar war. 

Ins Detail möchte ich nicht gehen, aber ich fand es sehr bemerkenswert, dass er meine Schwester und mich kurz vor seinem Tod mit 92 Jahren allein sprechen wollte. Unter Tränen hat er sich entschuldigt für all das, was er uns angetan hat - bewusst oder unbewusst. Ich war erschüttert, denn ich hatte meinen Opa nie weinen gesehen. Und mir fiel ein, wieviel Gutes auch in ihm gesteckt hat. Sein Lieblingsspruch war "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder; schlechte Menschen haben keine Lieder."



Geprägt hat er auch das Keller'sche Weihnachtsfest mit dem schönen Lied "Heil'ge Nacht o gieße du", das er gemeinsam mit den drei Söhnen in studioreifer Baritonlage jedes Jahr zum Besten gab, obwohl es gar kein Weihnachtslied war. Auf seinem Krankenbett hat er das mit meiner Mutter gesungen, nachdem er sich im Pflegeheim nicht ruhigstellen lassen wollte, ins Krankenhaus überwiesen wurde und dort um ein Haar eine Magensonde gelegt bekam. 

Daraufhin nahm meine Mutter ihn mit nach Hause, und wir pflegten ihn mithilfe dreier netter Männer aus Polen, die im Schichtwechsel bei Opa in seinen eigenen vier Wänden blieben und ihm zur Hand gingen. Bis zuletzt blieb Opa geistig wach, obwohl die Nächte oft schwer waren und die Familie auf den Plan riefen, um mit Opa zu beten oder ihn zu besänftigen, wenn er Alpträume und Visionen vom Krieg hatte und um sich schlug. 

Wenn er gut drauf war, nahm ich ihn zu meinem Reitunterricht mit, wo er seine Geschichten als Kavallerist und Reitlehrer mit der ihm eigenen Übertreibung erzählen durfte und alle Mädels dort um den kleinen Finger gewickelt hat. Ein Charmeur war er nämlich, wenn es um Frauen ging... und natürlich ein Experte in Sachen Pferde.

 

Fesch auf dem Zuchthengst Jugol

 

Manchmal vermisse ich ihn. Ich habe auch ehrlich getrauert und viel geweint, nachdem er nicht mehr da war. Innerhalb der Familie gab es den Ausspruch, dass Opa uns alle überlebt. Leider war es nicht so. Aber ich habe den Trost, dass er sich in seinen letzten Wochen zu Gott gewandt hat und ich ihn ganz bestimmt im Himmel wiedersehe, wo er mich mit einem aufmunternden "Auf, Auf, Aaa-auf!" begrüßt.

In dem Sinn, Opa Paul, alles Gute zu deinem Geburtstag!









Donnerstag, 6. August 2020

Bonanza, die Kultwesternserie (1959 - 1973)

Bei der ganzen unübersichtlichen Vielfalt auf Amazon Prime, Netflix und sonstigen Streamingportalen gibt es eine Serie, die mich seit meinen Kindertagen treu und mal mehr und mal weniger intensiv begleitet. "Bonanza" mit den Cartwrights auf der Ponderosa hat von jeher eine solche Faszination auf mich ausgeübt, dass es mich auf mehreren Ebenen inspririert und möglicherweise auch einige meiner Ansichten und Vorlieben geprägt hat.
 

L. Greene, P. Roberts, D. Blocker, M. Landon & all those pretty horses
 
 
Die Serie, die sich bis vor wenigen Jahren als TV-Dauerbrenner erwies, folgt einem Konzept, das zunächst sonderbar anmutet: Der Rancher Ben Cartwright (Lorne Greene) - ursprünglich weltgewandter Seemann - lebt mit seinen erwachsenen drei Söhnen Adam (Pernell Roberts), Hoss (Dan Blocker) und dem impulsiven Nesthäkchen Little Joe (Michael Landon), von denen jeder eine andere - mittlerweile jeweils natürlich verstorbene -  Mutter hat, in Nevada Territory in den 60ern des 19. Jahrhunderts. Erwähnenswert, da immer wiederkehrende Figuren, sind auch der ewig nörgelnde chinesische Koch Hop Sing (Victor Sen Yung) und der mit den Cartwrights befreundete Sheriff Roy Coffee (Ray Teal).
 
Ihr riesengroßer Besitz muss im Pilotfilm mit Klauen und Zähnen verteidigt werden, und auch im Lauf der weiteren Folgen gibt es immer wieder Neider oder ungebetene Siedler, doch die Cartwrights lassen sich nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen wie zu Beginn und versuchen, vernünftig auf jeden Neuling oder Fremden einzuwirken bzw. unvoreingenommen mit ihm umzugehen. Denn Besitz ist eigentlich viel wertvoller und macht mehr Freude, wenn man ihn teilt. Und das ist neben den schönen Pferden und den feschen Cowboys eines der Geheimnisse des Erfolgs der Serie: es geht nicht (nur) um Wildwestromantik und Saloongerangel.

"Bonanza" greift eine Palette von Werten und Themen aus unterschiedlichen Sichtweisen auf (u.a. auch von namhaften Regisseuren), die von ihrer Aktualität und Brisanz trotz des Alters der Serie nichts verloren haben. Oft humorvoll, anrührend und manchmal auch schockierend und erstaunlich ungeschönt setzen sich die Cartwrights mit seelischen Abgründen ihrer Familie, Fremden und Freunden auseinander, wobei jede Figur nach ihren Eigenschaften typisch handelt (oder auch mal aus dem typischen Verhaltensmuster ausbricht). 
 
Der felsenfeste Zusammenhalt der Familie ist Dreh- und Angelpunkt der Serie, wobei ihm ein herber Dämpfer verpasst wurde, als Adam / Pernell aus künstlerischen und persönlichen Gründen nach der sechsten Staffel ausstieg und auch nicht wiederkam, wenngleich ihm diese Option offengehalten wurde. Immerhin war er ein Ladies' Man, der die weiblichen Zuschauer verzaubert hat mit seiner Liebe für die musischen Künste, einem unerschütterlichen Pragmatismus, seiner schmelzenden Baritonstimme der Vernunft (die er gelegentlich auch zu einer Ballade erklingen lassen durfte), blendendem Aussehen und einem ausgeprägten Beschützerinstinkt. Zwar war der Produzent David Dortort bemüht, nach dem Abgang von Mr. Roberts adäquaten Ersatz zu finden, u.a. mit Serien-"Zorro" Guy Williams, der als Cartwright-Cousin vorgestellt wird, und dem draufgängerischen David Canary, doch so richtig gefunzt hat es nie zwischen den "Gaststars" und dem Publikum. Erfolgreich blieb die Serie trotzdem, wenn auch kurzzeitig die Quote sank. Der junge Michael Landon schrieb bewegende Drehbücher, die gut ankamen. Mitunter baute er sogar die Erwähnung des abwesenden Bruders mit ein, der offiziell auszog, um nach Architektur Medizin in St. Louis zu studieren - was seiner späteren Karriere als "Trapper John MD" zugute kam. Auch wenn er bereits in der Serie seine rudimentären chirurgischen Kenntnisse erfolgreich an den Mann / kleinen Bruder bringen konnte ("My brother's keeper"). 
 
Apropos Gaststars. Nicht nur Regisseure wie Robert Altman, die später legendär wurden, hatten ihr Debüt oder ein Stelldichein in Bonanza. Viele berühmte Namen tauchen schon in den ersten Staffeln auf, wie etwa Leonard Nimoy und De Forest Kelley aus "Star Trek", Lee Van Cleef, Lee Marvin und James Coburn als Psychopathen, Yvonne de Carlo als Theaterdiva und Ida Lupino als historisch verbürgte Bergmannstochter Annie O'Toole. Obendrein haben auch Mark Twain und Charles Dickens Virginia City aufgemischt, wenn man den Machern glauben darf. Wahrscheinlich hat man zur Erstausstrahlung der Folgen als versierter Kinogänger und Geschichtsfan jede Woche eine tolle Überraschung erlebt.

Generationenübergreifend ist die Serie nicht nur in Bezug auf die Themen, sondern auch in der Dynamik und Konstellation innerhalb der Familie. Zwischen dem kühlen Adam und dem heißblütigen Joe kriselt es oft, doch genauso häufig verlässt sich Joe auf Adam, der ein großer Bruder ist, wie er im Buche steht: fürsorglich, belesen, patent lösungsorientiert, vernünftig und trotzdem irgendwie lässig. Mit dem freundlichen Riesen Hoss, der eigentlich Erik heißt, kommt dagegen jeder gut aus; mitunter wird seine Gutmütigkeit jedoch gnadenlos von Little Joe und dessen Flausen ausgenutzt. Außerdem hat auch Hoss unter seiner imposanten Schale einen sensiblen Kern. Für heutige Verhältnisse ist der Mittlere wohl die modernste der Cartwright-Figuren: er liebt Tiere mehr als Menschen, denn die enttäuschen einen nicht und sagen immer die Wahrheit. Überraschenderweise war Hoss der heimliche Publikumsliebling - vielleicht, weil sich die Mehrheit am besten mit ihm identifizieren konnte. Als Dan Blocker mit nur 43 Jahren 1972 an den Folgen einer Gallensteinoperation stirbt, muss die Serie bald darauf eingestellt werden.
 
Einen Pa wie Lorne Greene hätten sich damals fast alle Zuschauer gewünscht. Tatsächlich wurde er mehrmals zum TV-Vater des Jahres gewählt und blieb auch im wahren Leben mit Michael Landon in einem herzlichen Vater-Sohn-Verhältnis verbunden (ihre Gräber auf dem Hillside Memorial Park in Culver City / Kalifornien liegen nebeneinander). So sehr Michael Landon und Dan Blocker in ihren Figuren aufgingen, war Lorne Greene seinem Seriencharakter offenbar am innigsten verbunden: nahe eines Golfplatzes in Mesa / Arizona, wo er wohnte, ließ er 1963 nach den Plänen der Setdesigner und Innenarchitekten ein Dublikat der Ponderosa aufbauen, das heute noch als historisches Privathaus besichtigt werden kann.

"Hast du dir auch die Hände gewaschen und desinfiziert?"

 
Ich bin gerade bei der zweiten Staffel. Wie oft ich die einzelnen Folgen angeschaut habe, weiß ich nicht, aber mit jedem Mal werden sie besser. Selbst solche, die ich vergessen hatte, haben ihren Reiz und ihre "Moral". Schön finde ich, dass die Geschichten nie mit dem Holzhammer daherkommen oder etwas verurteilen, das auf den ersten Blick nicht den Regeln der Gesellschaft entspricht. Da sind die Cartwrights gut erzogen und Top Notch Gentlemen. Mit Gewalt werden Konflikte selten bis nie gelöst. Lieber mit Köpfchen, Freundlichkeit und Flexibilität. Erstaunlicherweise wurde Bonanza allerdings vom deutschen Fernsehen bei der Erstausstrahlung wegen "zu viel Brutalität" selektiert und nur wenige Folgen gezeigt. Ich glaube eher, dass einige Themen damals zu progressiv waren, um als seichtes Vorabendprogramm über die Mattscheibe zu flimmern. Auch Rassismus und Ressentiments gegenüber Andersdenkenden wurden behandelt und Cartwright-mäßig bearbeitet. Selbst Nachhaltigkeit und der Respekt vor der Natur kamen nicht zu kurz. Vielleicht wurde manchmal ein bisschen zu dick aufgetragen, oder die Jungs und besonders Little Joe hatten zuweilen postpubertäre Phasen, in denen sie entweder rebellisch den Rat des Ranchpatrons ablehnten oder verzweifelt suchten, doch ich empfinde das weder als Manko noch albern oder altmodisch. Denn Ben ist wirklich weise. Fast wie König Salomon. Der einzige, der seine Beschlüsse und Entscheidungen hin und wieder in Frage stellt, ist Adam, der allerdings meist auch als Partner auf Augenhöhe agiert und sich der väterlichen Übermacht nur allzu gern entzieht (etwa beim Zäunereparieren auf den unendlichen Weiden oder dem Bullenkauf in Placerville), während die beiden Jüngeren uneingeschränkt auf Pas Seite stehen. Sein Status als schwarzes Schaf manifestiert sich schon bald in der Kleidung. Waren die ersten Outfits noch abwechslungsreich und modisch mutig mit lila- und pinkfarbenen Hemden, trägt Adam über vier Staffeln nur noch protestlerisches Schwarz von Kopf bis Fuß. 
 

Der schöne Adam. Oder auch der George Clooney der 1860er

 
Obwohl der ganz junge Little Joe mit seinem prächtigen ersten Schecken "Cochise" mein Liebling ist und von allen am überzeugendsten leiden und wimmern und weinen kann, fasziniert mich Adam als Charakter in besonderem Maß, da er mehr Facetten zeigt als der Rest der Familie und oft für eine Überraschung gut ist - Lee Marvin gelang es sogar beinahe, seine Grundfesten zu erschüttern ("The Crucible / Adam Cartwright geht durch die Hölle"). Seiner sonoren Originalstimme könnte ich zudem stundenlang zuhören, und keiner hat tiefere Grübchen beim Lächeln. Als er als letzter der Bonanza-Hauptdarsteller im Alter von 81 Jahren im Januar 2010 starb, saß ich fassungslos vor den Radionachrichten und habe ein paar Tränchen um den Mann und seine verstummte Samtstimme vergossen. Ich hoffe, dass die Vier gemeinsam mit ihren markanten Pferden - die selbst zu Stars wurden in Bonanza und sogar Fanpost erhielten - wieder über eine himmlisch(e) weite Wiese galoppieren können wie im ikonischen Vorspann.
 
 
 
 
Zum Glück gibt es die komplette Serie digitally remastered und in einem schönen und praktischen Schuber auf DVD. So kann ich immer mal wieder ein paar Folgen gucken, wenn mich der Bonanza-Rappel befällt und Dinge entdecken, die mir vorher nicht aufgefallen sind, z. B. die Sorgfalt, mit der die Kulissen gestaltet wurden und die doch gelegentlich liebenswert provisorisch wirken. Oder mich ganz einfach auf der Ponderosa wie zuhause fühlen. Weil einen die Cartwrights immer wie einen alten Bekannten begrüßen. 

Wer noch etwas mehr über die verborgenen Talente der vier herausfinden möchte, kann sich gerne weiterklicken: Bonanza - mehr als eine Westernserie
 



Freitag, 10. Januar 2020

Bimbo oder ein Trip in die Kindheit

Über Weihnachten und dem Dreikönigstag haben wir mal wieder etwas gemacht, das eigentlich völlig in Vergessenheit geraten ist und früher irgendwie bei Festen oder besonderen Anlässen im Kreis der Familie zum guten Ton gehört hat: mein Vater hat die alten Diafotos und Super 8-Filme vom Speicher herausgekramt. Als technikversierter Mensch war es früher sein Hobby, zu fotografieren und zu filmen und Material wie Projektor und Spulen sorgfältig aufzubewahren. Bald haben solche visuellen Ausrüstungen Museumsqualität; zumindest wirken sie in der digitalen Welt des Internets schon ein bisschen altertümlich.




Ich hatte befürchtet, dass die Dias verblichen und die Filme vom Alter brüchig sind und war positiv überrascht, wie frisch die Farben auf beiden Medien noch leuchten. Fast als hätte man sie gestern erst geknipst bzw. produziert. Und ich hatte noch etwas viel Wichtigeres festgestellt. Nämlich wie glücklich und frei und bunt meine Kindheit war. Auf den Bildern lache ich viel, beim Malen und Schaukeln, beim Spielen und Unsinn machen mit meiner Schwester, zu der ich - wie auch zu meinen Eltern - bis heute einen super Draht habe. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß man im Alltag oft gar nicht zu schätzen. Die nostalgische Reise auf der Leinwand hat mir aufs Neue bewusst gemacht, wie viel wir als Familie erlebt haben, ob im Urlaub oder zuhause, und wie schön das Leben sein kann. Es war nicht immer alles eitel Sonnenschein, aber die Film- und Diaabende haben gezeigt, wie viele schöne Momente es gab, und nur ein Bruchteil davon hat mein Papa mit der Kamera festgehalten.


Seltener Kinderkummer: Bimbo muss trösten.

  

Besonders berührt haben mich neben den plötzlich auftauchenden Erinnerungen und Geschichten die damalige Mode, das Handarbeitsgeschick meiner Mutter (fast alle unsere Hemden, Jacken und Hosen waren liebevoll auf unsere Lieblingsfarben abgestimmt und selbstgemacht) und mein Spielzeug. Ich hatte nicht so viel, wie ich immer dachte, dafür aber über Jahre heißgeliebte Stücke wie Bimbo der Affe und Bububär, ein roter Plastikbär (oder eine Maus?), dessen große Ohren ich damals als Zahnring zweckentfremdet hatte. Im Gegensatz zu Bimbo ist er mir irgendwann abhanden gekommen, doch er bleibt unvergessen wie mein Kater Oskar und meine Großeltern, die ich hoffentlich in einem späteren Leben wiedersehe (Bububär wird wohl nicht dabeisein, aber was soll's?).

Ganz durch sind wir noch nicht mit unseren Familienschätzen; zwei oder drei Filme gibt es noch zu gucken. Die Zeit verflog so schnell beim Anschauen der Bilder und Filme, und es war ein ganz sonderbares Gefühl, sich mal wieder als Baby und Kind zu sehen. Eine Prinzessin war ich nie und wurde auch nie zu einer gemacht; mir hat es viel besser gefallen, auf Baustellen im Dreck zu spielen, zu toben und dabei Latzhosen zu tragen. Im Rückblick ist das auch Freiheit und Dankbarkeit meinen Eltern gegenüber, die uns nie etwas aufgezwungen haben. Vielleicht war ich deshalb zwar immer schon ein bisschen der Schelm in der Familie, aber (fast) immer brav, ohne langweilig zu sein. Und dafür kann ich meinen Eltern nicht genug danken.

Bimbo und ich heute

Donnerstag, 9. Juni 2016

Hurra! Sie steht noch!

Es gibt Dinge, die nimmt man einfach als selbstverständlich oder glaubt, dass sie sich niemals ändern werden. Das können Menschen, Situationen oder auch die Natur und Orte sein. Eines dieser Dinge ist für mich die Pappel am Fluss, ein Platz, an dem ich schon sehr lange wohne bzw. den ich seit meiner Kindheit kenne.

Gestern Nachmittag schlug in die schöne, riesige Pappel während eines Unwetters der Blitz ein. Da sie sich sehr nahe an meinem Haus befindet, dachte ich zuerst, es wäre unmittelbar bei mir und geriet fast ein bisschen in Panik (der Krach war wirklich ohrenbetäubend!). Auch, weil für einen Moment alles hell war und ich schon befürchtete, es hätte meine Linde im Hof erwischt. Kurz darauf musste ich noch etwas besorgen und war erstaunt über die Holzsplitter entlang der Brücke, die die Straße säumten. Ich fand nämlich nichts, was sonst auf einen Blitzeinschlag in einen Baum hingedeutet hätte. Erst auf dem Rückweg entdeckten mein Nachbar und ich die lange "Streifwunde" an der Pappel. Ich war nicht weiter beunruhigt, bis gegen neun Uhr abends die Feuerwehr auftauchte, die Straße an meinem Geländer abgesperrt hat und sich bei andauerndem Leuchtsignal des Dienstwagens stundenlang beriet, was zu machen sei.

Ich fragte einen greifbaren Feuerwehrmann, was sie denn vorhätten, und er meinte, sie müssten wohl die Pappel aufgrund der Instabiltiät fällen, die der Blitz verursacht hat. Mein entsetztes Gesicht muss Bände gesprochen haben. Obwohl ich ihr in den letzten Jahren kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil sie so selbstverständlich geworden ist, ist die Pappel ein alter Freund aus Kindertagen. Damals wirkte sie auf mich immer ein bisschen unheimlich, sobald die Dunkelheit anbrach und sie sich - alles andere überragend - irgendwie gespenstisch und vertraut zugleich im Wind wiegte und mir zuwinkte.

Jedenfalls war ich schockiert. Meine Pappel, ein Relikt aus meiner Kindheit - einfach fort! Aber es musste wohl sein, denn sie befindet sich im Wohngebiet, und wäre sie mit ihren fast vierzig Metern auf die Häuser gekracht, wer weiß, was passiert wäre. Trotzdem tat es weh, zu sehen, wie die Feuerwehrmänner Ast um Ast absägten und alles aus großer Höhe ans Ufer und ins Wasser fiel. Ich brachte es nicht einmal über mich, ein Foto zu machen und ging schweren Herzens zu Bett.





Heute Morgen war die Absperrung entfernt, und wer noch da war, war die Pappel! Etwas dezimiert zwar (man sieht noch den Blitzeinschlag), aber sie steht und wird wohl noch eine Weile bleiben und mir zuwinken. Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich das freut. Und mein Respekt für die Arbeit der Feuerwehr ist noch größer geworden als ohnehin schon. Auch der für die Gewalten der Natur, aber das ist eine andere Geschichte.




Dienstag, 20. August 2013

Oma Dorle

Meine Oma mütterlicherseits hat heute Todestag. Sie ist nicht alt geworden - gerade mal Anfang 60, und schon länger nicht mehr da als mein halbes Leben. Und trotzdem habe ich noch lebhafte und gute und schöne Erinnerungen an sie - in den letzten Jahren leider nicht mehr, als sie schon von ihrer Krankheit, Schmerzen und Medikamenten gezeichnet war. Leider habe ich sie dann auch nicht mehr häufig besucht; etwas, das mir heute ein bisschen wehtut.

 

Oma macht Party

 

 Ich habe sie gern in Erinnerung, wie sie vorher war: Warm und weich und nach Kernseife duftend und so richtig zum Anlehnen und Reinfallen-lassen, wenn man Kummer oder sich das Knie aufgeschrammt hatte. Zu meiner Zeit waren das die Omas noch, weich und altmodisch, mit Kittelschürze und Brille und gern auch mit mehr auf den Rippen als notwendig. Ich komme mir gerade richtig alt vor, wenn ich bedenke, wie die Großmütter heute aussehen - wenn sie sich überhaupt "Oma" nennen lassen.

Nicht nur im Aussehen war meine Oma Dorle eine Wolke. Als gelernte Hauswirtschafterin war sie unübertroffen und gnadenlos perfekt im Handarbeiten, Putzen, Kochen, Backen und Ordnung halten. Ihre Mittwochvormittage, in denen sie bei uns zuhause mein Zimmer blitzblank geputzt hat, waren immer heiß ersehnt von mir.^^  Wenn ich von der Schule kam, wusste ich schon in wohliger Vorfreude, dass ich mal wieder eine ganz neues Raumgefühl erleben würde. Auch, wenn ich mittlerweile weiß, dass meine Mama häufig darunter gelitten hat, ihren Gutsherrenanforderungen nicht gerecht geworden zu sein.

Von ihrer Kochkunst und der Küche will ich gar nicht reden, und tu' es jetzt doch: ihre selbstgeschabten Spätzle und der Sauerbraten mit Endiviensalat (mit Vorliebe von uns in die Bratensoße getunkt) lassen mir heute noch das Wasser im Mund zusammenlaufen. Bei Familienfeiern musste dieses Gericht unbedingt auf den Tisch. Speziell für mich hat sie öfter Griesknöpflen gebacken, weil das nicht jeder mochte - und auch daran denke ich mit Wehmut. Weil, egal, woher man das Rezept bekommt oder wer es zubereitet: so wie bei Oma schmeckt's nie mehr.

 

Sauerbraten und Spätzle à la Oma

 

 Schade, dass ich beide Omas recht früh verloren habe. Vor kurzem starb die Mutter meiner angeheirateten Tante mit 91 Jahren, die für mich irgendwie ein kleiner Oma-Ersatz war. Wir haben uns nicht oft gesehen, aber sie war so nett, gewitzt, unternehmungslustig und fit bis ins hohe Alter, und zudem so, wie ich mir eine Oma vorstelle. Irgendwie ein bisschen traurig, dass es die Kittelschürzen-Generation wohl bald nicht mehr geben wird.


Mittwoch, 15. Mai 2013

25 zufällige Fakten über mich

  1.  Meine erste liebevolle Kindheitserinnerung ist der Legespielklassiker "Quips".
  2. Ich mag weder Eis noch Schokolade noch Kuchen. Wenn ich knabbere, dann eine Tüte Chips der Marke Tyrrell oder ungekochte Spätzle vor dem Fernseher.
  3. In der Regel liebe ich alte Dinge und halte sie in Ehren wie meine erste "Erwachsenentasse" Auch alte Filme und Musik gefallen mir im Allgemeinen besser als das, was gerade in ist.
  4. Wenn mir Benedict Cumberbatch einen Antrag machen würde, könnte ich schlecht ablehnen.
  5. Obwohl ich ziemlich faul bin, habe ich einen schnellen Stoffwechsel und bewege mich auch gern, sobald ich mir in den A**** getreten habe.
  6. Ein  Sonntagabend wird mit einer Pizza Mozzarella, einem Salat und einem guten Film erst komplett.
  7. Es macht mir nichts aus, keine Action zu haben. Manchmal genieße ich es auch, für mich zu sein.
  8. Am besten geht es mir, wenn es den Leuten gut geht, die ich liebe.
  9. Mein Haus ist dunkelrosa gestrichen und nostalgisch-dekadent eingerichtet.
  10. Meine Harry Potter-Brille trage ich nur in den eigenen vier Wänden oder wenn die Kontaktlinsen drücken, weil ich sonst Janis Joplin zu ähnlich sehe.
  11. Auf eine gesunde Ernährung lege ich viel Wert - verschmähe aber auch die gut bürgerliche Küche nicht gänzlich.
  12. Ich bin ein heimlicher Verehrer des Märchenkönigs Ludwig II.
  13. Fast alles, wofür ich Begeisterung aufbringe und empfinde, läuft in mehr oder weniger heftigen Phasen ab, bis das nächste Highlight ansteht.
  14. Vor Arztbesuchen habe ich einen Heidenbammel und meide sie wo immer möglich. Glücklicherweise bin ich selten krank.
  15. Bestimmte Wörter, die mit Fr- beginnen, kann ich nicht aussprechen. Ist aber keine Dysphasie.
  16. Ich habe eine Zahnlücke und stehe dazu. Meine Haare sind dagegen der blanke Horror.
  17. Zimmerpflanzen verschönern mein Heim, aber zu meinem Leidwesen habe ich nicht unbedingt das, was man einen grünen Daumen nennt.
  18. Mein Kater Joschi wurde 22 Jahre alt, und ich vermisse ihn noch immer. Auch seinen Kumpel Knitz.
  19. Kommunikationstechnisch bin ich eine Enttäuschung. Ich habe weder Smartphone noch Mp3-Player und bewundere Leute, die so selbstverständlich damit umgehen wie mit Klopapier.
  20. Ich liebe Gemüse und Obst, außer Rote Beete und (leider) Bananen, von denen ich würgen muss.
  21. Vor dem Schlafengehen gönne ich mir meist ein Glaserl Roséwein. 
  22. Alles, was mit Himbeeren, deren Aroma und Geschmack zu tun hat, ist nicht sicher vor mir. 
  23. Meine Lieblingscerealien sind Rice Krispies.
  24. Mit Fantasy-Romanen kann ich nichts anfangen. Der Hype um Harry Potter und Twilight ist komplett an mir vorübergegangen, und ich habe nicht das Gefühl, dass ich deshalb etwas verpasst hätte. Auch Chick-Lit finde ich furchtbar.
  25. Ich habe als Kind eine eigene Sprache erfunden, die ich heute nicht mehr beherrsche.

Freitag, 12. April 2013

Pure Nostalgie

Vielleicht geht es dem einen oder anderen ähnlich wie mir: An bestimmte Dinge von früher erinnert man sich wie aus heiterem Himmel mit einem Hauch Wehmut, und dann lässt einen eine ganze Weile der Gedanke nicht mehr los, wie schön es wäre, diese Dinge wieder zu haben. Unter die Kategorie "Verloren - aber unvergessen" fallen bei mir u. a. zwei Märchenbücher, von denen ich eines vor kurzem durch Zufall wieder mein eigen nennen kann. Wir hatten auf dem Büchertreff die Frage, aus welchen Büchern wir vorgelesen bekommen haben als Kind, und erstaunlicherweise nannte ein Mitglied dieses hier:





Ich bin fast ausgeflippt, als ich es gesehen habe. Seit Ewigkeiten suche ich dieses Buch! Als ich es geschenkt bekam, war ich zu klein, um die etwas gruselig anmutenden, aber fantastischen Zeichnungen von Ingeborg Haun zu würdigen, und so wanderte das Original irgendwann aggressiv verkritzelt und ohne großes Bedauern in den Papierkorb. Trotzdem habe ich im Nachhinein immer mal wieder an das Buch gedacht, und war zuweilen etwas verzweifelt, weil ich weder Autor, Verlag noch Titel mehr wusste (letzterer aber auch erschreckend nichtssagend). Ähnlich geht es mir mit einem Buch derselben Ausstattung. Ich weiß noch, dass ein Pferd (mit Reiter?) von der Seite darauf abgebildet war und ein ganz grausliges Märchen darin ("Jorinde und Joringel"(?), "Der goldene Vogel"(?)). Es war ein bisschen dünner als das abgebildete.

Wie auch immer, ich habe das Buch für ein paar Cent über Amazon beziehen können (ich hatte es ehrlich gesagt größer in Erinnerung (O;), so dass es jetzt wieder in meinem Bücherregal steht. Möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei der Leserin bedanken, die aus demselben Buch vorgelesen bekommen hat wie ich!