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Sonntag, 10. April 2016

Britischer Humor trifft Mystery: "Stag" (2016, BBC)

Diese Miniserie der BBC gibt es leider nicht mit deutscher Tonspur, doch als absoluter JJ Feild-Fan musste ich sie einfach gesehen haben - und wer hört schon gern die deutsche Synchro, wenn der Mann eine Stimme zum Reinlegen hat? (O;

Außerdem liebe ich Jungs / Männer auf Abenteuertrips und ein bisschen Grusel, und genau das hat "Stag" versprochen. Enttäuscht wurde ich trotz des makaberen Plots nicht.

Inhalt: Ian Telford (Comedian Jim Howick) ist ein eher langweiliger und unscheinbarer Lehrer aus Eastbourne, der nicht trinkt, Vegetarier ist und alles verabscheut, was mit Sport und Blut zu tun hat. Umso überraschender, dass sein zukünftiger Schwager Angus Johnners (Steven Campbell Moore im albernen Plüschhirschkostüm) einwilligt, ihn auf Anraten von Ians Schwester als Aufpasser mit auf den Junggesellenausflug in die schottischen Wälder mitzunehmen. Johnners und seine Freunde planen ein Jagdwochenende, bei dem sie einen oder mehrere kapitale Hirsche erlegen wollen.

Doch was als harmloser Spaß und jungenhaftes Imponiergehabe beginnt, entwickelt sich bald für alle zum Horrortrip. Ian findet heraus, dass die Freunde doch nicht so herzlich befreundet sind wie es scheint, und dass jeder der Beteiligten in einen Bankskandal verwickelt ist, der vertuscht werden soll, da jeder davon profitieren möchte. Damit nicht genug: die Männer werden nach und nach auf mysteriöse Weise eliminiert und somit selbst zu Gejagten - manche Opfer tauchen erst nach Tagen wieder kopfüber hängend in verlassenen Hütten auf, andere als zwei Hälften.

Die Überlebenden verdächtigen sich gegenseitig, und besonders der arrogant wirkende Ledge (JJ Feild) macht mehr als einmal sarkastische Bemerkungen, die nicht gerade für Vertrauen in der Gruppe sorgen. Leider muss ziemlich zum Ende auch er auf unappetitliche Weise dran glauben (*Heul!*), so dass Ian/Ewok/R2-D2 keinen Zweifel mehr hat, in eine Falle geraten zu sein, aus der es kein Entrinnen gibt.

Meinung: Wie bereits erwähnt, war JJ Feild der Auslöser, die Serie anzuschauen. Wahrscheinlich hätte ich darauf verzichtet, hätte er nicht mitgespielt. Ich liebe den Mann einfach und finde ihn umwerfend! Er ist ein toller, vielseitiger Schauspieler, blendend aussehend, groß und athletisch, und er wirkt so nett, lieb und geerdet, dass ich mich wundere, weshalb er nicht einem größeren Publikum bekannt ist *Schmacht*. "Stag" zeigt ihn in einer Rolle, die ihn ein wenig gegen den Strich bürstet, wenn man seine anderen Filme kennt - als prolligen und lauten Banker, der erst am Schluss von seinen Qualitäten als "Best man" nicht mehr überzeugt ist und sich am gewaltsamen Tod der Kameraden die Schuld gibt. Trotzdem hat Ledge etwas ungeheuer Liebenswertes an sich (kann JJ Feild überhaupt anders?).

Aber auch die anderen Charaktere mochte ich. Die Chemie zwischen den Schauspielern war zwar nicht so deutlich zu spüren wie zwischen dem Cast in Third Star, doch im Lauf der Zeit bekamen alle sieben Männer ein Gesicht und - soweit möglich - Eigenschaften und Macken, die sie mir sympathisch oder unsympathisch gemacht haben. Die Guten waren neben Ledge der etwas eingebildete, aber gutmütige Cosmo (Rufus Jones), der den Cockerspaniel des ansässigen "Spielführers" rettet, und Mex (Amit Shah), der eigentlich Inder ist und am liebsten "Hitesh" genannt werden möchte statt Mexican, weil ersteres sein richtiger Name ist.

Es gab Witze und Situationskomik, über die ich lachen musste, und Szenen, bei denen ich mich gegruselt habe. Teilweise war mir "Stag" ein bisschen zu blutig, und mit Ledges brutalem Ende war ich überhaupt nicht einverstanden. Die Handlung und vor allem der Schluss fallen fast banal aus, und trotzdem fand ich die Serie unterhaltsam und durch den unerschrockenen Mix verschiedener Genres auch sehr originell.

Zudem waren trotz des eher gewaltsamen und nicht ganz ernst gemeinten Themas innige Freundschaftsmomente zu entdecken (Stichwort "Calmex), lustige Popkultur-Referenzen für die Nerds (Gruffalo-Bullshit, Star Wars, Lost und Elton Johns "I'm still standing"), eine geheimnisvolle, unberührte und weite Landschaft, und natürlich mein schöner John Joseph. Need I say more?






Bewertung: 

  👍👍👍👍




Freitag, 21. März 2014

Monty Python's Flying Circus

Momentan huldige ich mal wieder meiner Vorliebe für britischen Humor, indem ich meine Monty Python Flying Circus DVD-Box anschaue. Jeden Abend wohldosiert etwa drei bis vier Episoden. Leider bin ich bald durch - allzu lange konnten die sechs damals jungen Herren ihr Niveau nicht halten, was irgendwie auch verständlich ist. Zudem ist es bestimmt nicht leicht, auf Dauer in einer Gruppe extrovertierter Exzentriker zu arbeiten.

 Ich liebe Monty Python, aber besonders ihre Anfänge. Die folgenden Filme wie "Meaning of Life" (1983) oder "The Life of Brian (1979) sind mir teilweise schon zu verwirrend bzw. zu böse, respektlos und satirisch. Das Schöne am Flying Circus (1969 - 1974)  ist die fast schon naive Originalität und die Nostalgie, die in den erstaunlich zeitlosen Sketchen doch zu spüren ist, einschließlich den Cartoons und Collagen des vorzugsweise unsichtbaren Terry Gilliam. Außerdem mag ich die Typen, und zwar jeden einzelnen. Am meisten den schnuckelig-sonnigen Michael Palin (Bildmitte), der später preisgekrönte Reisedokumentationen machte und das Zwei Meter-Aushängeschild der Truppe, den etwas unheimlichen John Cleese (ausnahmsweise lachend und mit Kochmütze).

Beim Schauen fiel mir auf, dass viele deutsche Komiker sich von der Art Humor beeinflussen ließen und ihn sogar recht schamlos abgekupfert haben. Zu nennen wären da Otto Waalkes in seiner Anfangszeit (circa zeitgleich mit den Pythons), Harald Schmidt und Herbert Feuerstein in ihrer Show "Schmidteinander" und sogar Michael "Bully" Herbig. Alles nicht neu, wenn man Monty Python kennt. Trotzdem sind deren Sketche unverwechselbar und haben in ihrem skurrilen Wortwitz und den Sprachschöpfungen selbst den Internet-Jargon geprägt. "Spam" war ursprünglich eine undefinierbare Zutat eines Imbiss-Lokals, die in jedem Gericht serviert wurde. Ohne Spam kam kein Gast davon.





Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, welches mein Lieblingssketch ist, aber "Salad Days" von Sam *Peckinpa* gehört definitiv dazu. Eric Idles indignierter Abschlusskommentar "Pretty strong meat there" war vor Jahren so eine Art geflügeltes Wort bei uns.

Ich mag auch den Matratzenkauf, in dem der frischgebackene Ehemann an den Eigenarten der Verkäufer verzweifelt und die Kollegen an sich selber. Zum Wegschmeißen! Aber genauso toll finde ich Raymond Luxury Yacht spelled Throatwobbler Mangrove, Dennis Moore mit seinen Lupinen oder Ken Air-Cleaner-System, den tumben Boxer.

Gerade das Absurde und Sinnlose daran ist es, was mich zum Lachen bringt. Der Humor hat keine Botschaft, ist manchmal seeeehr anarchistisch und ganz weit entfernt von political correctness. Ich glaube, heute würde kein Fernsehsender eine solche Serie mehr genehmigen, und wäre es nicht Kult, würde man sie im Nachhinein vermutlich zensieren. Wie gerade die "Poofters" häufig ihr Fett wegkriegen, könnte schon als beleidigend und diskriminierend betrachtet werden. Würde Oliver Pocher heute darüber Scherze machen, bekäme er wohl lebenslang. Trotzdem finde ich das ehrlich gesagt ziemlich erfrischend. Man lacht darüber statt sich aufzuregen oder Andersartige mit Samthandschuhen anzufassen, die stattdessen mit einem Augenzwinkern zur Groteske parodiert werden.

Wer ein wenig bewandert ist in englischen Wortspielen und von Monty Python bisher nur gehört, sie aber noch nicht gesehen hat, sollte das mit dem "Flying Circus" unbedingt nachholen. Herumwälzen auf dem Sofa vor Lachen ist garantiert.