Ich freue mich sehr darüber und bin besonders stolz auf das Cover, das wieder richtig gut zum Inhalt passt.
Wie bereits in "Affettuoso" wird die Handlung aus der Sicht von Mickey in der Ich-Form erzählt, und das auf gewohnt humorvolle und temporeiche Art. Diesmal bekommt er es mit dem harten Pflaster New York zu tun und verliebt sich in die zwanzigjährige Ruth Perlman, der Tochter eines Clans, der es ihm nicht leicht macht.
Und natürlich gibt es in New York neben familiären Schwierigkeiten und störrischen Clanmitgliedern auch eine Prise Drama.
Sowohl "Affettuoso" als auch "Camera Obscura" lassen sich unabhängig voneinander lesen, aber es hilft vielleicht doch, den ersten Teil zu kennen. Für Amazon Prime-Mitglieder sind beide Romane kostenlos herunterzuladen.
Unter *Weitere Informationen* können eine Leseprobe und der Link zum Buch aufgerufen werden.
Joshua öffnete mir, es war sein persönlicher Glückstag, seit heute
durfte er wieder in die behaglich warme Wohnung und was essen, geraspelte
Möhren und geschälte Äpfel, er hatte sich gut erholt, Henry war zufrieden mit
seinem Schützling.
-Wo warst du, überfiel er mich theatralisch, er lachte und zog an
meiner Mütze. Alle sind weg, du hast mir gefehlt.
-Ich hab ‘n paar wichtige Einkäufe getätigt, mümmelte ich, grässlich
hustend bugsierte ich Lukes Überraschung in die Diele, Joshua packte mit an,
ich hatte mir das Ding schon in der U-Bahn um die Ohren gewuchtet.
-Sieh einer an. Ich dachte, du bist ziemlich im Dalles.
-Bin ich auch, erwiderte ich, insgeheim diese komische Ausdrucksweise
verfluchend, die auf das Konto der Juden in Queens ging, mit denen er sich ab
und zu traf, bei ihnen hatte er sich auf seine Wurzeln besonnen, die redeten
alle den Kauderwelsch, kein Außenseiter konnte da mithalten. Er hatte rausgefunden,
dass es mich ärgerte, und seitdem bombardierte er mich bei jeder Gelegenheit
mit Jiddisch-Salven, zum Wahnsinnigwerden. Seine weiblichen Bekanntschaften
beschrieb er salopp als „machulle Schiksen“, die nur „Schmonzes“ im Kopf
hätten, und die Kumpels als „schofelige Schlemihls“,die mit „Schmu“ die dicke
Kohle machten und dabei unglaublich „Massel“ hatten, ich war so durcheinander, dass
ich erwog, ein Jiddisch-Lexikon anzuschaffen, das war wie ‘ne neue Sprache lernen.
-He, sagte er aufmunternd. Das Rad ist schön. Und deine scharfe
Aufmachung erst.
-Komm, mir ist nicht nach Witzen.
Eilfertig befreite er mich von den durchweichten Kunstlederstiefeln und
wrang kichernd die Zipfelmütze aus, in freudiger Erwartung eines gemütlichen
Abends vor dem Kamin lehnte ich mich zurück, noch eine Kippe und ein Glas Sherry,
und ich hätte vor Wonne angefangen zu schnurren.
-Henry will mich morgen in die Klinik mitnehmen.
-Schmonzes, sagte ich, stolz, ihn mit seinen eigenen Waffen
anzugreifen. Doch nicht schon morgen.
Er hockte auf dem Teppich neben mir und starrte nachdenklich ins Leere,
ich wuschelte sein Haar, das durch die Operation vor drei Monaten beinahe so
kurz war wie meins, vielleicht wurden wir beide allmählich bürgerlich.
-Ich muss dir was Lustiges erzählen, was mir in der Stadt passiert ist.
‘n Tollhaus, echt wahr-
Ruckartig richtete er sich auf, als hätte er einen Filmriss gehabt, was
wahrscheinlich auch der Fall war, diese geistige Abwesenheit war keine
Seltenheit bei ihm. Die Knie in den Flauscheteppich gebohrt, krallte er sich
meinen Arm.
-Mickey. Weißt du, was ich mir wünschen würde?
-Friede auf Erden und Eierkuchen für uns alle, sagte ich und ließ meine
strapazierten Nasenschleimhäute mittels eines zischenden Sprays um ein
Zehntelmillimeter spürbar abschwellen, es lebe die moderne Medizin.
-Ich würde die Zeit zurückdrehen, sagte er. Die für mich. Dann würde er
noch leben und vielleicht auch meine Mutter.
‘Er’ war sein Stiefvater, den er ohne es eigentlich zu wollen, um die
Ecke gebracht hatte, er sagte mir nie seinen Namen, ich wurde ein wenig
ernster.
-Das war nicht deine Schuld. So was, das kommt halt mal vor, ich hätte
an deiner Stelle sicher auch nicht anders reagiert.
-Danke, das ist nett von dir, aber irgendwie kein richtiger Trost. Ich muss
mich andauernd verstecken, hier sowieso, und Henry und Lynn mit ihrer
übertriebenen Fürsorge stehn mir bis hier. Ja, sie sind lieb und so, aber du
weißt schon, was ich meine. - Das Rad ist für Luke, stimmt’s? Er hat letzte
Woche geschrieben, willst du den Brief lesen?
Sicher wollte ich mir die Abenteuer meines Filius nicht durch die
Lappen gehen lassen, da gab’s bestimmt ‘ne Menge zu lachen, aber diese
ständigen Themenwechsel waren meine Sache nicht, ich hüpfte nicht so einfach hinterher,
später vielleicht.
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