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Sonntag, 27. September 2015

Nostalgie, Wind und Sonnenschein

Heute bin ich trotz Sonntag recht früh aufgestanden. Eigentlich, weil ich beim Bäcker frische Semmeln holen wollte. Nach einem guten Frühstück entschieden wir uns zu einem morgendlichen Spaziergang, anstatt wie üblich die Rechner anzuschalten. 

 

Ratfink1973 / Pixabay


Auf unserer Runde kommen wir oft an einem Industriegebäude vorbei, auf dem hin und wieder museumsreife, aber fahrtüchtige Oldtimer stehen wie ein VW-Bus aus den 1950er oder ein amerikanischer Schlitten von 1930. Da wir sie bereits näher in Augenschein genommen haben und von den Angestellten auch nicht unbemerkt blieben, weiß ich, dass alte Automobile eine *Spielerei* vom Chef des Unternehmens sind. Der kam heute auch prompt vorbei, als wir uns ehrfürchtig einer grün lackierten, funkelnden Tin Lizzy mit offenem Verdeck auf dem Fuhrpark näherten, um sie gebührend zu bewundern.

Er fragte uns, ob wir Lust auf eine kleine Spritztour hätten, und mal ehrlich, wer hätte die nicht? Es war irgendwie total verrückt, da hinten raufzusteigen, den Chef beim Betätigen der altmodischen Kurbel vorne am Motor zu beobachten und dann mit sechzig Sachen durch die Stadt zu fahren. Ich hätte ja "Tuckern" gesagt, aber das wäre der verkehrte Ausdruck. Die Tin Lizzy ist rasant schnell, oder vielleicht kam es mir auch nur so vor, mit dem Fahrtwind in den Haaren und ziemlich exponiert auf dem hohen Sitz. Besonders die Kurven hatten es in sich, und wir mussten uns gelegentlich festhalten wie auf einer Achterbahnfahrt. (O;

Unser nostalgisches Gefährt zog natürlich sämtliche Blicke auf sich, während unser großzügiger Chauffeur ein paar technische Daten vom Stapel ließ, wenn wir nicht gerade lachten wie blöd vor unerwarteter Freude, uns wie Filmstars in einem Kostümschinken fühlten (hehe) oder er uns besorgt fragte, ob wir nicht frieren ("Nein, nein! Überhaupt nicht!").

Das Modell stammt von 1913, ist also über hundert Jahre alt, und trotzdem braucht man weder eine Genehmigung oder einen speziellen Führerschein, um solche Oldtimer im Verkehr zu lenken. Recht erstaunlich fand ich, dass es nicht einmal Sicherheitsgurte gab, denn wie gesagt: das Tempo, das wir vorlegten, war teilweise schon atemberaubend und hätte mit diesem Soundtrack unterlegt werden können:





Nach einer Stadtrundfahrt durch die Hauptstraße setzte er uns wieder am Ausgangspunkt ab. Ich war total geflasht und habe mich an die tausend Mal bedankt, denn im Museum kann man solche Fossilen ja ohne weiteres sehen - in einem sitzen und auch noch fahren dürfen bestimmt nur wenige.

Schade nur, dass wir beide keine Handys dabei hatten, um Fotos zu machen, die unser nostalgisches Erlebnis dokumentiert hätten.





Samstag, 26. September 2015

Bombastische Kostümfilme in den 1990ern

Irgendwie scheinen sie im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts groß in Mode gewesen zu sein, und das vermutlich nicht von ungefähr: Opulent ausgestattete Kostümschinken, die lange Zeit zuvor verpönt waren und Anfang der 1990er dank den Merchant / Ivory-Filmen eine neue, kurze Blütezeit und Renaissance erlebten. In meiner Videothek befinden sich noch etliche Filme dieses Genres und eben jener Zeit, was mich kürzlich beim Aussortieren selbst überrascht hat - aber nur ein bisschen. Zugegeben, von ein paar würde ich mich nicht trennen, und bei manchen tut es mir rückblickend fast leid, dass ich es getan habe.

 

 

Im Zuge meiner Aussortierungswut habe ich mir "Meine Unsterbliche Geliebte" mit Gary Oldman als Beethoven angesehen; ich mochte den Film früher und dachte, ich könnte ihn mir mal wieder zu Gemüte führen, da ich die Geschichte so gut wie nicht mehr kannte. Aus gutem Grund, wie mir dann dämmerte. Bis auf die bereits erwähnte sorgfältig authentische Ausstattung und dem Flair des 18. Jahrhunderts war der gesamte Film dermaßen grottig, dass ich mich wunderte, wie ich ihn mal gut finden konnte. Nicht einmal Gary Oldman konnte den Schmu retten, auch wenn er eine tolle Figur in Kniebundhosen machte. Im Gegenteil; er kam mir - wie alle anderen Schauspieler auch - zu dick aufgetragen in Gestik und Sprache vor. Alles wirkte grotesk und theatralisch bis zur Grenze der Glaubwürdigkeit, die scheinbar ohnehin nicht angestrebt wurde. Nicht schlimm in einem fiktionalen Werk, und doch hat mich der Film geärgert.

Merkwürdigerweise ging es mir fast genauso mit "Mary Shelley's Frankenstein", der gestern im Fernsehen lief. Aus demselben Jahr wie der Beethoven-Film, ließ er sich für mich auf dieselbe Formel reduzieren: Sämtliche Schauspieler nerven mit einem Over-Acting, das irgendwie deplatziert und melodramatisch wirkt - selbst in Szenen, in denen keine Melodramatik nötig oder weniger mehr gewesen wäre. Dass der Hauptdarsteller Kenneth Branagh einen Hang zur Selbstdarstellung hat und sich gerne in Szene setzt, ist ja kein Geheimnis und auch ok, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Doch pathetisch-symbolische Hilfsmittel wie die blutrote, kilometerlange Schleppe der geliebten Adoptivschwester, minutenlanges Greinen im Close-Up und Robert de Niros gummiartige Frankenstein-Kreatur gingen mir nach spätestens einer halben Stunde auf den Senkel. Na gut, widerwillig amüsiert habe ich mich auch. Und mich gefreut, dass ich einige Schauspieler sah, die nur in den 1990ern gefragt waren und danach wieder in der Versenkung verschwanden wie beispielsweise der unheimlich blauäugige Aidan Quinn, den ich in weiteren Filmen sehr mag und der in Frankenstein einen kleinen Auftritt als Polarforscher hatte. 

Auch hier gefielen mir die sorgfältige Kostümierung und das Setting, aber das mitunter videoclipartige Flair und Sir Kenneths demonstrativ zur Schau gestellter Waschbrettbauch waren mir einfach too much und haben die positiven Aspekte unangenehmerweise aufgewogen.

Ich frage mich, ob sich das Zuschauerverhalten bzw. meine Wahrnehmung geändert hat oder man allgemein in neueren Filmen subtiler agiert. Denn ehrlich: hochkarätige Mimen, als die zumindest Gary Oldman und Robert de Niro ja ehrfürchtig bezeichnet werden, stelle ich mir souveräner und weniger theatralisch vor. So ganz hinter einer Maske zu verschwinden und den Berserker oder das Enfant terrible zu geben, ist in meinen Augen keine allzu große Kunst.

Aber vermutlich bin das nur ich. Zu Gary Oldmans Ehre muss ich hinzufügen, dass ich ein Fan von ihm war / bin und ihn in anderen Rollen in weitaus besserer Erinnerung habe - vielleicht aber auch deshalb, weil die Figuren, die er dort spielt, keine teutonischen Wurzeln haben. Jedenfalls wandert "Immortal Beloved" demnächst auf meine Liste der ausgedienten Filme.





Sonntag, 20. September 2015

Ein Rotrock reist durch Raum und Zeit...

Meine aus Film und Fernsehen inspirierten Häkelpüppchen, die ich in der Freizeit anfertige, erweisen sich als äußerst reiselustig und haben dabei eine Menge zu erzählen.

Sherlock Holmes und Bilbo Beutlin sind gerade dabei, das Rätsel um einen in Portugal verschwundenen Ring zu lösen und halten mich bei ihrem Abenteuer in Bild und Text auf dem Laufenden - vielen Dank an Sabrina und ihren Papa! Jeden Tag freue ich mich auf Nachricht von ihnen und bewundere sie am Flughafen, in Orten mit höchst exotisch klingenden Namen, beim Garnelenpuhlen und Wein verkosten; das ist fast, als hätte ich einen Adventskalender im September. (O:


Bilbo und Sherlock vor ihrer Reise


 

Nun geht auch mein historischer Rotrock Major John André auf Reisen - und das, obwohl ich ihm tatsächlich eine kleine Träne nachgeweint habe. Ein Ersatz ist aber bereits vorhanden.

Sein Ziel heißt Chesterfield in Virginia / USA. Zum Glück sind die Animositäten zwischen Amerikanern und Briten heute weitgehend passé. Ich hätte ihm sonst verboten, dort erneut aufzukreuzen, hat man ihn doch anno 1780 mit gerade mal dreißig Jahren wegen Verrats zum Tod am Strang verurteilt.

Die Geschichte, die dem Grund seiner Reise vorausgeht, ist folgende: Vor kurzem hatte ich - stolz wie Oskar auf meine neueste Kreation - ein Foto auf Twitter gepostet, das den Major im Garten zeigt. Innerhalb von kurzer Zeit hatte das Foto einige Retweets und Favoriten und tatsächlich Anfragen, ob man ihn denn irgendwo erwerben könne. Mit einer so großen Nachfrage habe ich nicht gerechnet, war aber umso stolzer, dass er bei den Fans der Serie "Turn - Washington's Spies" so gut ankam. Einem davon habe ich ihn über meinen Etsy-Account verkauft - den habe ich noch, auch wenn ich momentan keine Artikel im Shop anbiete.




Kurz und gut, der Major hat nach ein paar wenigen 140 Zeichen-Nachrichten den Besitzer gewechselt. Erstaunlich übrigens, wie schnell und unkompliziert das mit Paypal auch im entfernten Ausland geht. Gleich am nächsten Tag habe ich ihn reisefertig gemacht, ihm ein letztes Goodbye-Bussi auf den blonden Schopf gedrückt und ihn zur Post gebracht.

Der absolute Clou der Geschichte ist der, dass der Fan, der ihn bestellt hat, nahe der Drehorte wohnt, an denen im Spätherbst die dritte Staffel der Serie weiter gefilmt wird (in der der Major vermutlich das Zeitliche segnet - *sniffle*). Nachdem ich ihn versendet und der Empfängerin mitgeteilt hatte, er sei unterwegs, schrieb sie mir zurück, dass sie vorhat, *meinen* selbst gehäkelten Rotrock JJ Feild zu überreichen, wenn sie ihn im Rahmen der Dreharbeiten treffen sollte!!! Wie aufregend ist das denn?! Das Fangirl in mir ist beinahe explodiert vor Freude.

Und selbst, wenn er es nicht in Mr. Feilds männlich-kräftige Hände schaffen sollte, so ist durch mein Amigurumi doch eine originelle Idee ins Rollen gekommen, genau wie die von Sabrina und ihrem Vater. Ich finde das richtig schön.



Freitag, 4. September 2015

Der Lieblingsfilm als Buch

Eigentlich fragt man ja umgekehrt: Welches Buch müsste verfilmt werden? Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, welchen *Film* ich denn gerne als *Roman* erleben würde. Eingefallen ist mir dabei Third Star, ein Independentfilm mit Benedict Cumberbatch, der seit drei Jahren mein absoluter Lieblingsfilm ist.
 
 
Frank_Reppold / Pixabay

 
Natürlich gibt es Drehbücher, doch die werden so geschrieben, dass sie nichts verraten, was man im späteren Film nicht ohnehin sieht. In meinem ausgewählten Film - den ich mittlerweile fast auswendig kenne - liest man als Zuschauer viel zwischen den Dialogen und dem Verhalten der vier Hauptcharaktere, und man kann sich in jeden der jungen Männer gut einfühlen. Es ist eine ruhige, zuweilen humorvolle und emotional fordernde Geschichte; nicht leicht zu verdauen, erzählt er von dem schwerkranken James, der mit seinen besten Freunden zu seinem Lieblingsplatz aufbricht, um dort sein Leben, das zukünftig von Schmerzen und Medikamenten bestimmt sein wird, zu beenden.

Das klingt erst mal furchtbar, doch der Film und die Schauspieler sind derart fantastisch und überzeugend, dass man am Schluss trotz komplett verbrauchter Kleenexbox überzeugt ist, James hat es auf seine Art richtig gemacht.

Als Erzähler meines Filmbuchs würde ich mir jedoch nicht James wünschen, sondern Miles, der bis vor dem Ausbruch von James' Krankheit dessen bester Freund und Seelenverwandter war. Für mich ist er die interessanteste und auch nachvollziehbarste Figur im Film. Verschlossen und fast arrogant am Anfang, gibt er sich eigentlich nur mit Bill ab, einem weiteren Kumpel, der zwar, wie alle im Leben, Fehler macht, sie aber mit einem Schulterzucken und Albernheiten abtut, während James ganz von Davy beschlagnahmt wird, der sich seit seiner Arbeitslosigkeit als James' "Krankenschwester" etabliert hat. Zwischen Miles und Davy gibt es bis zum Ende hin kaum Berührungspunkte und stattdessen mehr oder weniger versteckte Beleidigungen von beiden Seiten, was den Schluss nahelegt, dass ein wenig Eifersucht im Spiel ist.



Nur ganz selten lässt Miles die anderen seine Verzweiflung über den unvermeintlichen Verlust seines Freundes James sehen, den dasselbe Schicksal ereilt wie Miles' Vater, als Miles ein Teenager war. Das langsame Sterben einer ihm wichtigen Person ein zweites Mal mitansehen zu müssen, zehrt an ihm, doch er überspielt seine Gefühle mit Spott und Zynismus. Erst nach zwei Gesprächen unter vier Augen mit James zeigt er Verletzlichkeit, und offenbart auch das Geheimnis, das ihn über James' Tod hinaus weiter mit seinem besten Freund verbinden wird, obwohl er nicht vorhatte, es ihm zu sagen. 

Seine Gedanken und Beweggründe sind in diesem wirklich grandiosen Film gut formuliert, was nicht zuletzt an JJ Feild liegt, dem die Rolle ein bisschen auf den Leib geschrieben wurde. Doch in einem Roman wäre man vermutlich unter Umständen überrascht, wie komplex der Charakter aufgebaut ist, mit welchen Problemen er konfrontiert wird und welcher emotionale Aufruhr in seinem Inneren tobt. Filme zeigen ja "nur" das Offensichtliche, und ich denke, Miles hätte viel zu erzählen, wenn er die Geschichte von sich, James und den gemeinsamen zwei Kumpels aufschreiben würde. Ein Buch fertiggestellt hat er ja schon...

Gibt es für euch einen Film, den ihr gerne als Buch hättet, um die Gedankenwelt von einem der Protagonisten besser zu ergründen? Ich bin gespannt. Antworten bitte im Kommentarbereich.





Samstag, 22. August 2015

Sherlock Holmes meets the Hobbit...

... und sie gehen zusammen auf Reisen. Nein, nicht nach Mittelerde oder Baker Street in London, sondern nach Portugal und Spanien, wo der weltgewandte Bilbo dafür sorgen wird, dass Sherlock sich keinen Sonnenbrand der empfindlichen britisch-blassen Alabasterhaut einfängt und ihm die Drehorte von Game of Thrones zeigen wird.





Ein Sherlock- und Game of Thrones-Fan, den ich via Facebook kennengelernt habe, macht dort mit den beiden Urlaub, und besonders der abenteuerlustige Bilbo brennt darauf, seine Riesenfüße plattzulaufen. Vielleicht kann er Sherlock hin und wieder ein bisschen tragen und trösten, wenn den Ermüdungserscheinungen oder Heimweh plagen. Momentan wartet Sherlock ganz relaxt im Norden Deutschlands auf seinen Reisegefährten Herr Beutlin, der am Montag zu seinem Abenteuer aufbrechen wird, ehe es dann Anfang September ab in südliche Gefilde geht.




Ich finde die Idee richtig klasse und bin gespannt auf die Urlaubsfotos!

Übrigens: wer selbst einen kleinen Sherlock oder Hobbit als Maskottchen sein eigen nennen will, darf sich gerne an mich wenden. Auch wenn mich Bilbo - der ein Prototyp war, also mein erster Versuch - zuweilen mit seinem wilden Schopf zur Verzweiflung getrieben hat, weiß ich jetzt, wie's geht. Natürlich werden alle Figuren ein bisschen unterschiedlich, aber deswegen heißt es ja Handarbeit. Sherlock und Bilbo sind ca. dreißig Zentimeter groß, ihr Innenleben besteht aus waschbarer Füllwatte, und sie sind beide anschmiegsame Kuschler.


Sonntag, 16. August 2015

Affettuoso ~ mein neuestes, *altes* Werk

Gerade bin ich dabei, ein paar Geschichten aus meiner Festplatte auszugraben. Und zuweilen stoße ich dabei auf recht interessante Dinge. "Affettuoso", ein Manuskript, das nicht mehr ganz so taufrisch ist, gehört dazu.

Der Titel (Begriff aus der Musik: bewegt, wild) ist Programm. Es geht wirklich ziemlich bewegt zu in den Biografien der beiden Protagonisten Mickey und Joshua, denen der Ausbruch aus einem südkalifornischen Gefängnis gelingt. Beeinflusst hat mich damals der französische Schriftsteller Philippe Djian.







Nach einer gründlichen Überarbeitung habe ich mich entschlossen, die Geschichte zu veröffentlichen. Damals, als ich sie von meiner Buchhändlerin und Freunden lesen ließ, kam sie gut an. Besonders gefreut hat mich das Kompliment eines Mannes, der mich erstaunt gefragt hat, wie es sein kann, dass ich mich so gut in die Psyche des Ich-Erzählers Mickey hineinversetze, der doch viel älter und zudem ein Kerl ist. Man würde gar nicht merken, dass das Buch von einer Frau stammt.

Natürlich ist die Erzählperspektive keine Geschlechterfrage, aber es hat mich schon ein bisschen stolz gemacht, von einem Leser so etwas zu hören. Vielleicht ist "Affettuoso" eher ein *Männerroman*, wenn wir denn schon kategorisieren, doch ich denke, dass auch Frauen ihren Spaß an dem knappen, humorvollen Stil haben werden, der - wenn ich ganz ehrlich bin - heute nicht mehr so wirklich meiner ist.

Trotzdem gefällt mir die Geschichte nach wie vor, und da ich für Abwechslung bin, freue ich mich, sie hier vorstellen und bald als Buch in den Händen halten zu können. Sie geht gerade durch die Review-Phase und wird in den nächsten Tagen als Printausgabe und Kindleversion erscheinen.




Samstag, 25. Juli 2015

Goldene Schreibregel: Show don't tell

Jedem Autor läuft dieses Mantra früher oder später (besser früher)  über den literarischen Weg, und ich gestehe, dass ich mich lange Zeit gefragt habe, was damit eigentlich gemeint ist. Worin besteht der Unterschied zwischen Show und Tell? Ist das nicht irgendwie dasselbe? Warum ist das eine besser als das andere? In Büchern kann man doch *nur* erzählen, oder? Zeigen? Wie soll das denn gehen?


Cherrfully_lost / Pixabay


Nachdem ich mich jetzt endlich ein bisschen schlau gemacht habe, wurde mir klar, dass ich glücklicherweise diese Regel ganz intuitiv anwende in meinen Romanen und Erzählungen.

In Kürze: Es geht darum, zu umschreiben, wie etwas gerade geschieht oder empfunden wird, ohne zu verallgemeinern. "Show don't tell" soll dem Leser helfen, sich in den Charakter im Buch hineinzuversetzen, und zwar so, dass er nicht das Gefühl hat, etwas von außen "erzählt", sondern etwas von innen "gezeigt" zu bekommen. Ähnlich wie in einem Film, damit das Kopfkino eine Chance hat. Distanziert das Offensichtliche erzählt zu bekommen, ist wenig spannend und auf Dauer sogar ermüdend. Im Alltag machen wir es so, und das ist es vielleicht, was manche Autoren zum Haareraufen bringt, wenn der Lektor / Dozent ganz klar und hart befindet: Zu viel Tell!

Ein Beispiel aus meinem Roman "Das Bildnis des Grafen" verdeutlicht es. In dieser Szene lernt der eben in Yorkshire angekommene Psychologe Gaspard Renoir seinen neuen Arbeitgeber kennen, den Earl of Whitehurst.

Drinnen waren die Wände in heimelig rötlichgelbes Licht getaucht, welches das prasselnde Feuer im Schornstein reflektierte. Aus den Augenwinkeln nahm Renoir die exotische Einrichtung wahr; einzig der Ohrensessel vor dem Kamin verriet europäisches Handwerk. Links und rechts an der Wand begafften ihn afrikanische Masken und Skulpturen in ihrer ganzen Groteske, er zog abweisend die Schultern hoch und konnte nicht umhin, sich beobachtet zu fühlen. Ein Löwenfell und etliche Vergrößerungen gerahmter Photos rundeten den visuellen Trip auf den schwarzen Kontinent ab; vor einem Bild, das einen athletischen, strahlenden Mann mittleren Alters in Siegerpose auf einem erlegten, von zähnefletschenden Eingeborenen eingekreisten Löwen zeigte, blieb er stehen und wartete, bis der Hausherr sich ächzend aus seinem Sessel hievte und mit ausgestreckter Hand auf ihn zukam. Um die Identität des Herrn auf dem Bildnis brauchte Renoir nun nicht mehr zu rätseln. Für sein Alter – er musste auf die Siebzig zugehen – hielt der Earl seine immer noch attraktive Statur sehr aufrecht, tatsächlich überragte er den Arzt. Die buschigen Augenbrauen wölbten sich über dunklen Augen in gutmütigem Spott, als er ihm kraftvoll die Hand schüttelte. 

Diese Szene hätte ich auch anders schildern können, etwa so:  

Renoir betrat das exotisch ausstaffierte Zimmer, in dem der Earl of Whitehurst ihn erwartete und ihm zur Begrüßung kraftvoll die Hand schüttelte.

Hätte eigentlich ausgereicht. Und trotzdem wäre viel verloren gegangen. Der erste Abschnitt *zeigt* den Earl so, wie er auf Renoir wirkt: abenteuerlustig in seinen jungen Jahren, immer noch vital und ein geborener Siegertyp, der es gewohnt ist, seinen Willen durchzusetzen. Außerdem erfahren wir etwas über das Aussehen und die Vorlieben des Earl (Safari / Jagd), ohne zu verallgemeinern mit dem Satz "Er war groß und liebte offenbar die Jagd". Und als Bonus wissen wir durch Renoirs Körpersprache, wie er sich in Gegenwart des anderen Mannes fühlt, nämlich nicht wirklich selbstsicher.

Im zweiten Abschnitt *erzähle* ich neutral die Tatsachen und beschränke mich darauf. Irgendwie langweilig, oder? Allerdings - zu viel des Guten ist nicht immer wundervoll. Gelegentlich genügt eine sachliche Feststellung vollkommen, und ich finde es auch nicht verkehrt, wenn man sich kurz fasst; oft bewundere ich das sogar. Beschränkungen auf das Wesentliche können auch die Phantasie des Lesers beflügeln. Nur zur Regel sollte es nicht werden. Dafür gibt's ja "Show don't tell". Und ich bin froh, dass es sie gibt, die SdT-Regel, denn sonst wären Lesen und Schreiben keine emotionalen Angelegenheiten, die es uns ermöglichen, in andere Köpfe, Epochen und Welten einzutauchen.




Mittwoch, 15. Juli 2015

Bald 500 Daumen auf Facebook! Dafür ein Dankeschön!

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr habe ich meine Autorenseite auf Facebook eingerichtet. Immer noch betreibe ich sie gern, auch wenn es gelegentlich nicht so einfach ist, einen neuen Beitrag zu verfassen, der themenrelevant ist. Ich erlaube mir daher auch, zwischendurch etwas zu posten, das mit meinen weiteren Hobbies zu tun hat oder im weitesten Sinn mit Schreiben und Büchern. Es macht Spaß und irgendwie gefällt mir auch, was sich in meiner Chronik mittlerweile so tummelt.

Die Likes und Kommentare habe ich natürlich meinen Fans zu verdanken. Ich möchte mich dafür revanchieren und stelle über das ebook-Portal Xinxii als Bonbon für eine Woche (15. - 22. Juli) meinen umfangreichen Gruselkrimi "Das Bildnis des Grafen" als kostenlosen Download zur Verfügung. Alles, was ihr tun müsst, ist, euch bei Xinxii registrieren (falls ihr nicht schon Mitglieder seid), und beim Ausloggen diesen Gutschein-Code einlösen (kopieren und in das entsprechende Feld einfügen):


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Ich wünsche viel Spaß, Rästelraten und Spannung mit Carrick Escaray, Gaspard Renoir und Valentine Whitehurst und würde mich sehr über Rückmeldungen entweder hier auf meinem Blog oder auf Facebook freuen! Natürlich dürft ihr auch gern eine Rezension auf den Online-Portalen eurer Wahl verfassen. (O:


Dienstag, 7. Juli 2015

Die dreizehnte Geschichte ~ Diane Setterfield

"Die dreizehnte Geschichte" ist eines jener Bücher, um die ich jahrelang herumschleiche und eigentlich nie so recht weiß, warum ich es nicht einfach mal zur Hand nehme und reinlese. Schadet niemandem, und es tut mir erst mal nicht weh. Und trotzdem gibt es einige solcher Romane, die zwar meinen Geschmack ganz gut treffen könnten, vor denen ich aber dennoch zurückschrecke. Vielleicht, weil ich befürchte, dass mich die Story zwischen den Buchdeckeln dann wochenlang nicht loslässt.

Ein bisschen so wird es mir jetzt wohl auch tatsächlich ergehen. Jedenfalls wird die ungewöhnliche Geschichte noch länger in mir nachhallen als die Zeit, in der ich sie buchstäblich verschlungen habe: Über 500 Seiten in drei Tagen (!), auf dem Markisen überdachten Balkon und mit wenig Unterbrechungen, die ich bei der sommerlichen Hitze von 39° Grad entweder zur Wasserauf- oder zur Wasserentnahme genutzt habe. So spannend waren die fiktiven Biografien der ebenso fiktiven Schriftstellerin Vida Winter, ihrer "Geisterschreiberin" Margaret Lea, den verwilderten Zwillingen und ihrer verruchten (toll, das Wort!) Abstammung, dass ich das Buch kaum zur Seite legen mochte.





Und auf merkwürdige Art ging es mir ähnlich wie der Erzählerin Miss Lea, die von Vida Winter engagiert wird, ihre Biografie niederzuschreiben: nach und nach wird man hineingezogen in den Bann von Angelfield, dem geheimnisvollen Anwesen in Yorkshire und dessen Bewohnern - einer so verrückt und verschroben wie der andere. Ereignisse und Tragödien spielen sich ab, die auf den ersten Blick keine sind, oder die man sich als Leser nicht erklären kann, bis es erst im letzten Drittel des Buches zu Erklärungen kommt, die plötzlich alle einen Sinn ergeben, und mit denen man nicht gerechnet hat bzw. nicht rechnen konnte, wenn man die Geschichte nicht bereits kennt. Und ich liebe so etwas! Dieses erstaunte "Uff! Wie konnte das denn...? Ach ja, natürlich!"

Einfach großartig, wie sich Vida Winters und Miss Leas Leben gleicht, ohne dass sie viel gemeinsam haben und sogar recht gegensätzlich sind. Bei Miss Lea hatte ich ständig das Lämmchen aus Daphne Du Mauriers "Rebecca" vor Augen (also Joan Fontaine^^), während die anfangs autoritär und selbstbewusst auftretende Vida Winter eine Grand Dame par exellence war. Zumindest an der Oberfläche, die im Lauf der Geschichte nicht nur äußerlich bröckelt. Und irgendwie erzählt "Die dreizehnte Geschichte" nicht nur zwei Lebensläufe, sondern auch von einer ungleichen Freundschaft, die sich erst entwickelt, dann aber aufgrund der Ähnlichkeit fast so etwas wie Ebenbürtigkeit erreicht zwischen den unterschiedlichen Frauen.

Die einzelnen Schicksale der weiteren Charaktere haben mich ebenfalls emotional sehr berührt; besonders das des etwas einfältig wirkenden, herzensguten Kuchenmeisters Aurelius. Aber auch John the-dig und Mrs. Dunne haben sich einen Platz in meinem Leserherz erobert. Am wenigsten warm wurde ich mit der kurzfristigen Gouvernante der Zwillinge, die gemeinsam mit dem Doktor "Experimente" an den beiden Mädchen ausprobiert und sich ein wenig wie ein weiblicher Gregor Mendelsohn aufführt, auch, um den Dorfarzt zu beeindrucken, wie sich später herausstellt. Und ihre Tagebucheintragungen in Kursivschrift waren sehr ermüdend. Trotzdem fand ich es schön, dass auch sie nicht einfach sang- und klanglos zwischen den Seiten verschwand. Selbst Kater Shadow, das "zierliche Gespenst", das der jungen Besucherin in Yorkshire auf Schritt und Tritt folgt, erhält ein ihm würdiges Ende.

Was mir - vielleicht erstaunlicherweise - nicht gar so gut gefiel, waren die ständigen Referenzen auf die ewig gleichen Klassiker. Dass Jane Eyre noch eine Bewandtnis mit dem Schicksal der Angelfields haben könnte, habe ich mir gedacht ohne das Buch zu kennen, doch die anderen Hinweise auf Sturmhöhe, Die weiße Frau und die übertriebene Bibliophilie beider Protagonisten erschienen mir zuweilen plakativ ("Was retten Sie zuerst? Bücher oder Menschen?"). Trotzdem ist dies mein einziger kleiner Kritikpunkt, der mich nicht davon abhält, diesem grandiosen, fantastisch geschriebenen und clever durchdachten Pageturner fünf Sterne zu geben.
 



👍👍👍👍👍



Samstag, 27. Juni 2015

The Imitation Game ~ Ein streng geheimes Leben (2014)

Hmm... ich weiß nicht recht, wie ich anfangen soll, wenn es um meine Meinung zu diesem Film geht. Einerseits habe ich mich gefreut, ihn endlich auf DVD sehen zu können, und andererseits habe ich im Vorfeld bereits geahnt, dass das Thema zu trocken und "mathematisch" für mich ist. Vermutlich waren meine Erwartungen angesichts der vielen Jubelstimmen und Auszeichnungen einfach zu hoch.

Mit kopflastigen Genies kann ich im Allgemeinen wenig anfangen, wenn sie nicht tief im Inneren einen weichen Kern haben, den sie zuweilen auch zeigen oder lustige, menschliche und weise Sprüche auf Lager haben wie Albert Einstein. Und so, wie Benedict Cumberbatch das zu Unrecht in Vergessenheit geratene Entschlüsselungsgenie Alan Turing (1912 - 1954) dargestellt hat, kam bei mir für den Menschen dahinter wenig rüber. Nicht, dass er mir unsympathisch gewesen wäre mit seiner direkten und gelegentlich unfreiwillig komischen Art - das kann ich sogar nachvollziehen: die Szene, in der seine Kollegen ihn zum Essen einladen, war hinreißend!

Auch fand ich es bewunderswert, mit wie viel Verve er sich seiner Aufgabe widmet, und süß und liebenswert schrullig die Idee, seiner Maschine einen Namen zu geben (den seines einzigen Freundes in der Schule, mit dem er bereits damals einen geheimen Code entwickelt hat).

Damit hatte es sich an Persönlichem und Liebenswertem aber auch schon. Das geheime Leben blieb mir zu geheim. Und ich meine damit nicht seine homosexuellen Neigungen. Es war im Gegenteil recht wohltuend, dass der Fokus nicht darauf gelegt wurde, zumal man sie dem echten Turing faktisch nicht nachweisen konnte (was sein Schicksal fast noch tragischer macht). Nach dem Film bezweifle ich, dass er überhaupt sinnliche Empfindungen hatte, wenn es nicht um seine Arbeit ging.

Und das ist ein bisschen traurig, denn genauso hat sich der Film für mich angefühlt: distanziert und maschinenartig. Nicht einmal der Gefühlsausbruch am Ende hat mir geholfen, Alan Turing näher zu kommen. Wahrscheinlich war das so beabsichtigt vom Regisseur, doch wenn ich einen Film über eine historische Person sehe, möchte ich in der Lage sein, mit ihr zu fühlen, oder zumindest sie zu verstehen. Vielleicht auch entdecken, dass diese Person trotz aller erbrachten Leistungen Mensch ist.

Alan Turing wäre - geht man nach dem Film - wohl lieber eine Maschine gewesen. Intelligenz und Verstand zählen mehr als Herz und Emotionen, die man am besten unterdrückt. Natürlich gibt es Gründe, sich anderen zu verschließen, und selbst wenn keine Gründe da sind, liegt es mir fern, *Sonderlinge* wie Turing zu kritisieren. Ja, es ist ohne Zweifel lobens- und erzählenswert, was er getan hat. Die Menschlichkeit blieb dabei zwar auf der Strecke, aber hey, Hauptsache, wir haben heute alle einen Apple-Computer. (0;

Auch hätte der Drehbuchautor bedenken sollen, dass der Film in den 1940/50er Jahren spielt, und ein Coming-Out selbst von weltoffenen Zeitgenossen mitnichten auf die leichte Schulter genommen wurde (wer gab das außerdem damals schon zu?). Keira Knightleys nonchalantes "Na und? Wir sind halt beide anders", hätte in die heutige Zeit gepasst, aber keinesfalls in die miefigen 1950er. Ebenso merkwürdig war die Enttarnung des russischen Spions. Welcher Intelligenzbolzen ist denn so blöd und lässt die Bibel mit dem mit einem Eselsohr markierten Hinweis auf seine Identität offen auf dem Arbeitspult liegen?

Das Mantra, dass gerade kleine Leute Großes bewirken können, war wichtig und richtig, aber mit mehrmaligem Zitieren deutlich überstrapaziert. Ich möchte behaupten, dass Alan Turing kein kleiner Mann war, sondern eine Menschmaschine mit Visionen. Und wer sonst kann das von sich sagen?

Sonderling und Freak, na schön. Davon gibt es viele. Alan Turing gab es nur einmal. Und vielleicht sollte mir der Film deutlich machen, dass ich kein Alan Turing bin, aber dafür auf anderen Gebieten ein einzigartiger Freak. Also doch ganz okay, der Film. Nichts fürs Herz, aber streng geheim genommen irgendwie doch.

Bewertung: 


👍👍👍




Sonntag, 21. Juni 2015

Review "Amazing Grace" (2006) mit Benedict Cumberbatch und Ioan Gruffudd

Mit dem Erwerb dieses Filmes habe ich schon länger geliebäugelt, spielen doch zwei meiner Lieblingsschauspieler darin die Rollen historisch bedeutender Männer: die von Englands jüngstem Premierminister William Pitt (Benedict Cumberbatch) und des gescheiterten Sängers und Parlamentariers Wilbur Wilberforce (Ioan Gruffudd), der nach einem erbitterten und scheinbar zunächst aussichtslosen Kampf gegen die Obrigkeit im Jahr 1833 - kurz vor seinem Tod - die Sklaverei in Großbritannien abgeschafft hat.

Gestern lief der Film im Fernsehen, und ich war natürlich sehr gespannt. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Zwar fand ich die Ausstattung beeindruckend und authentisch, aber irgendwie fehlte mir das gewisse Etwas. Die Freundschaft zwischen Wilbur und dem Premierminister kam mir zu kurz und war nach meinem Empfinden zu emotionslos. Es gab kaum Momente, in denen man sich als Zuschauer miteinbezogen gefühlt hat ins Geschehen. Wenn überhaupt, gab es nur den einen Augenblick, in dem Pitt auf dem Sterbebett fast erschreckend plakativ Wilburs Hand nimmt und ihm gesteht, dass er gerne seinen unerschütterlichen Glauben hätte, um keine Angst vor dem Tod haben zu müssen.

Über weite Strecken langweilig, wurden hauptsächlich Szenen im Oberhaus gezeigt, in dem hitzige politische Debatten stattfinden. Die zweifellos charismatische Figur Wilberforce blieb trotz seiner dargestellten Menschlichkeit blass, was ganz bestimmt nicht an Ioan Gruffudd lag, den ich in skurrilen walisischen Fernsehproduktionen sehr schätze.

Im Rückblick wurde eigentlich ständig auf dem Elend und der menschenverachtenden Behandlung der schwarzen Sklaven herumgeritten, was auf Dauer ermüdend und wenig erbaulich war. Natürlich ist dieses Thema kein einfaches, und ich denke, es belastet die ehemaligen Kolonialmächte bis heute, so dass eine Aufarbeitung in Form von diversen historisch belegten Spielfilmen nicht verkehrt ist - ähnlich wie man bei uns und vor allem in Hollywood das Dritte Reich aufgearbeitet hat (empfindsame Gemüter mögen mir den etwas derben Vergleich verzeihen). Aber bei aller historischer Recherche und politischer Detailgenauigkeit hätte ich mir von "Amazing Grace" mehr vom persönlichen Aspekt über die Männerfreundschaft gewünscht und somit ein bisschen mehr Unterhaltungswert. Auch wenn der Film wirklich schöne Bilder hatte.

Vom Titel, der sich auf das weltweit bekannte Gospel bezieht, hatte ich mir ebenfalls mehr versprochen. Naiv wie ich bin, dachte ich, dass Wilbur Wilberforce damit in ähnlicher Verbindung steht wie Joseph Mohr zu "Stille Nacht", doch wie ich es verstanden habe, hatte er es von einem Seemann, der jahrelang Sklaven von Afrika nach Jamaica transportiert und reumütig dieses Lied komponiert hat, als er bereits im Ruhestand war. Überhaupt musste man sich einiges zusammenreimen in der etwas wirren Story, oder aber ich habe nach einer halben Stunde geistig abgeschaltet, weil jede Szene der vorigen glich. Auch Erklärungen zu Wilburs Krankheit habe ich vermisst, und wie es dazu kam, dass er trotz Laudanum-Abhängigkeit und den ständigen Krämpfen seinen anfangs so properen Weggefährten William Pitt überlebt hat.

Fazit: Nicht unbedingt ein Muss, aber wahrscheinlich im Original und für die Engländer ein wichtiges historisches Zeitdokument.



Bewertung:  👍👍 und ein halber 👍
                                                                                         für Benedicts coole Perücken.




Dienstag, 9. Juni 2015

Warum *stinkt* Eigenwerbung eigentlich?

In letzter Zeit fiel es mir auf, und darin sind wir uns bestimmt alle einig: Aufdringliche und ständige Werbung nervt. Besonders, wenn sie unerwartet irgendwo am Rand des Bildschirms aufpoppt und nur unter Mühen wieder zu beseitigen ist (oder gar nicht). Merkwürdigerweise sind die aggressivsten Werberiesen ohnehin gut laufende Ketten und Filialen. Trotzdem wird beworben bis zum Erbrechen, und mit den blödesten Sprüchen und absurdesten Versprechungen Kunden angelockt.

 

Pixabay / Bru-nO
 
 
Es gibt aber auch die Art Werbung, die klein unter Bekannten und Freunden anfängt und hofft, zarte und später bunte Blüten zu treiben. Gemeint ist die Werbung der Selfmademen bzw. Selfpublisher, über die recht viele Leser insgeheim die Nase rümpfen, ohne je einen Blick in ihre Werke geworfen zu haben.

Eine tolle Werbemöglichkeit bietet für mich Facebook, was auch der Grund ist, weshalb ich es nicht gänzlich boykottiere (ok, ich pflege auch Kontakte mit netten Leuten, lerne neue Freunde kennen und unterhalte mich hin und wieder auch gern über "Belangloses"). Nicht nur meine Bücher, auch mein Geschäft und meine Tätigkeit bewerbe ich dort. Nicht pausenlos, aber regelmäßig. Weniger aus Spaß an der Freud', sondern weil ich davon leben muss. Es ist ein wenig mühsam, doch auf einer Plattform, auf der sich Millionen tummeln, war das nicht auszuschließen. Trotzdem finde ich es praktisch und unterhaltsam, auf so unkomplizierte Art recht viele Menschen zu erreichen.

Und da bin ich beim Punkt: einige können damit absolut nicht umgehen und reagieren extrem empfindlich. Entweder man wird entfreundet oder gerüffelt, weil man es wagt, ihnen mit Eigenwerbung auf die Nerven zu gehen. Wird man höflich ignoriert, hat man noch Glück gehabt. Obwohl ich selbst viel zu viele Aufforderungen zum "Gefällt mir" erhalte, versuche ich, entspannt damit umzugehen, solange sich diesselben Absender nicht häufen. Ich bilde mir sogar ein, dass wir trotz meinen gelegentlichen Absagen gute Freunde bleiben, soweit das virtuell möglich ist. Denn eines ist von meiner Seite aus sicher: ich will nicht auf Biegen und Brechen die Leute dazu bringen, meine Romane zu lesen, daher denke ich, dass Freunde und Kollegen das ähnlich sehen.

Schließlich steht es jedem frei, Werbeangebote abzulehnen; keiner wird gezwungen, etwas zu kaufen, für das er kein Interesse aufbringt. Doch bevor man das weiß und darüber wettert, könnte man zumindest einen kurzen Blick darauf werfen: es tut garantiert nicht weh. Und vielleicht ist das Angebot gerade das, wonach man schon lange sucht, sei das neuer Lesestoff, eigenwillige Kunst, individuelle Dienstleistungen oder einen biologisch abbaubaren Schimmelpilzvernichter. Viele Kaufentscheidungen werden ja erst in allerletzter Sekunde getroffen.

Ja, ich stehe dazu: Ich möchte etwas verkaufen, wie die meisten Menschen, die etwas zu bieten haben. Dass ich Indieautor bin, macht keinen Unterschied. Natürlich wäre es schön, wenn andere für mich werben würden oder ich mir große Kampagnen leisten könnte wie die großen Verlage für Verlagsautoren. Dann wäre Werbung anscheinend nicht halb so anrüchig. Aber muss ich deswegen mein Licht unter den Scheffel stellen? Bin ich nur sympathisch und "vertrauenswürdig", wenn ich mich mäuschenklein in eine Ecke drücke?

Auf das, was ich geschrieben habe, bin ich stolz. Es hat mir Freude bereitet, es zu erschaffen, und ich teile meine Freude gerne. Schade, wenn man dafür abgewatscht wird, weil man nach Wegen sucht, die Arbeit seiner Hände bekannt zu machen und zu hoffen, dass andere im besten Fall davon profitieren und selbst ein paar vergnügliche Stunden mit der eigenen Idee verbringen. Oder sich gern darüber unterhalten bzw. Fragen dazu haben.

Jedes Produkt, das hergestellt wurde, hat das Recht darauf, beworben zu werden, gleich ob von großen Firmen oder dem kleinen Mann von nebenan. Und wenn niemandem dabei geschadet wird oder Rufmord betrieben ("Meins ist viel besser als..."), sehe ich nichts Verwerfliches an Eigenwerbung.

Bei der Gelegenheit möchte ich mich bei allen bedanken, die meine Arbeit und mich mit Däumchen, Rezensionen, lieben Kommentaren, dem Teilen meiner Beiträge und Werbemöglichkeiten unterstützen!




Dienstag, 12. Mai 2015

Rezension Paperboy / Wörter auf Papier ~ Vince Vawter

Dieses mit ca. 220 Seiten eher schmale Büchlein für Jugendliche wurde mir von meiner Bloggerkollegin Frau Seitengeraschel empfohlen, die nicht nur meine Liebe zu Büchern teilt, sondern darüber hinaus auch einen ähnlichen Geschmack betreffs Büchern. Jedenfalls kennt sie einige meiner (literarischen) Vorlieben genau; daher habe ich mich unbesehen dazu hinreißen lassen, den Roman zu kaufen, der als Reminiszenz an 'Wer die Nachtigall stört' gefeiert wird.




Inhalt: Der elfjährige Victor Vollmer übernimmt in den Ferien einen Monat die Zeitungsroute seines Freundes Arthur, der bei Verwandten auf der Farm den Urlaub verbringt. Zunächst freut sich Victor darauf, denn er kann gut werfen - Baseball und, wie er feststellt - auch Zeitungen. Doch jeden Freitag ist Zahltag; der Tag, an dem die Zeitungsjungen ihren Wochenlohn einfordern. Das bedeutet, Victor muss reden. Wenn er etwas nicht mag, dann das, und er hat guten Grund dazu: Victor stottert. Doch Beobachtungsgabe, Mitgefühl und eine fast philosophische Weisheit, die ihm seine resolute aber herzensgute und lebenserfahrene Nanny *Mam* Nellie und später sein Kunde Mr. Spiro vermitteln, helfen ihm, an seiner Aufgabe zu wachsen. Am Ende des Sommers ist er zwar kein anderer Mensch, aber er hat viel über das Leben gelernt.

Meinung: Vince Vawter erzählt eine semibiografische Geschichte in Memphis der 1950/60er Jahre trotz fehlender Kommata so anrührend und plastisch, dass ich mir bei einigen Szenen verstohlen ein Tränchen aus dem Gesicht gewischt habe. Den Ich-Erzähler muss man einfach mögen; er ist ein Junge, der sich Gedanken macht über sich und die Welt und den Umgang miteinander. Warum werden Leute, die anders sind, verlacht oder berühren "normale" Leute in peinlicher, bestensfalls mitleidiger Weise? Warum dürfen Schwarze nur in Begleitung von Weißen vorne im Bus sitzen oder in den Zoo gehen? Und ist es nicht viel wichtiger, was der Mensch sagt, als wie er es sagt?

Mir gefielen alle Charaktere von der unglücklichen Faye Worthington bis Big Sack sehr gut, doch bemerkenswert fand ich auch, dass sich nicht alles um Victors Handicap dreht und er sich dabei ertappt, wie ungerecht er manchmal selbst handelt und urteilt, wenn er nur die Oberfläche sieht. Die spätere Freundschaft zu TV-Boy war für mich daher eines der heimlichen Highlights im Roman. Dazu trägt Mr. Spiro nicht unerheblich bei, ein einstiger Weltumsegler, der sich mit Büchern umgibt, gewählt spricht und seinem "Messenger" und "stuttering poet" das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden.

Anrührend in verschiedenen Aspekten war für mich ebenfalls die Vater / Sohn-Beziehung, die zwar nicht den Zentralpunkt des Romans bildet (sofern dieser überhaupt vorhanden ist), aber in ihrer Ehrlichkeit und den Bemühungen des Vaters, seinem Sohn eine gute Zeit zu schenken, wohl gerade in den 1950er Jahren eher ungewöhnlich war und den Leser bewegt.

Ich habe die englische Ausgabe gelesen und mich hin und wieder doch gefragt, wie wohl ein Roman ins Deutsche übersetzt wurde, in dem es hauptsächlich um Sprache und damit verbundene Assoziationen und Redewendungen geht. Allein die fehlenden Kommata hätten mich bei einer Übersetzung wohl genervt; hier hat es nach der Erklärung einfach gepasst.

Fazit: Ein lesenswerter, über weite Strecken beschaulicher, atmosphärischer Roman ohne große Dramatik, ohne einer politischen Botschaft oder dem plakativen Aufruf zu mehr Toleranz - und doch steckt von jedem etwas darin; und vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Übrigens: wusstet ihr, dass Darth Vader-Stimme und Schauspiel-Legende James Earl Jones Stotterer war?

 
 
Bewertung:               👍👍👍👍👍








Donnerstag, 7. Mai 2015

Gib deinem Buch ein Gesicht und Co.

Auf Facebook machen es sich einige Leser zur Aufgabe, Autoren zu unterstützen und vorzustellen, gleich, ob bekannte oder junge Namen. Einer dieser Leser ist Mandy, die ihre Seite Gib deinem Buch ein Gesicht mit verdientem Erfolg dort vertreibt.


Zum Vergrößern Bild anklicken!


 

Gestern war ich an der Reihe, und was soll ich sagen?! Es ist einfach traumhaft, wie sie meine Bücher und Statements in ihre Collage eingefügt hat, die bei jedem Autor variiert und passend auf das Genre / Thema abgestimmt wird.

Alles, was man als Teilnehmer dazu tun muss, ist Mandy über Direktnachricht zu kontaktieren, eine Frage zu beantworten und Bilder (Porträt und Buchcover) beizusteuern. Sehr empfehlenswert für alle, die abseits des üblichen Marketing potentielle Leser erreichen möchten und einen Eyecatcher suchen. Ich find's total Klasse!

Ebenso zu empfehlen ist Sandras "Aktion Bruchstücke" . Bei ihr hatte ich kurz vor Weihnachten das Vergnügen, ein Bruchstück meines Romans "Das Bildnis des Grafen" wiederzugeben. Beide Seiten haben bereits über 1000 Fans und erfreuen sich somit einer großen Leserschaft. Also, Schreiberlinge: ran an Mandy und Sandra! (O; Sie freuen sich über Post.





Donnerstag, 30. April 2015

Whoa! Ich habe die Titanic angefasst!

In Speyer im historischen Museum am Domplatz gibt es noch bis Ende Juni eine ganz besondere Ausstellung zu bewundern: Exponate der RMS Titanic sind dort zu sehen, und zwar sowohl Teile des Schiffes als auch persönliche Gegenstände der Passagiere.




Als großer Fin de Siècle-Fan und ehemaliger Fast-Titanic-Nerd war es für mich selbstverständlich, die Ausstellung zu besuchen, die mit fünfzehn Euro pro Kopf seinen Eintritt voll und ganz wert ist. Neben der Eintrittskarte erhält jeder "Passagier" eine Boarding Card, die wohl an die Tickets der damaligen Zeit erinnert. Ein Einfall, der mir gut gefallen hat.

Im Foyer vor dem Rundgang dürfen sich Mutige auf einen Schiffsbug stellen und Leo und Kate-mäßig fotografieren lassen. Bestimmt bekommt derjenige, der "Josephine in my flying machine" dazu brummt, einen Preisnachlass. Ausprobiert haben wir es nicht (mein Handy kann leider keine Fotos oder Videos machen - ich habe das Fossil nur zum Telefonieren).

Mich hat es erstaunt, wie liebevoll und detailreich die Ausstellung in dem doch eher kleinen Museum gestaltet war. Man gewinnt einen guten Eindruck des üppigen Luxus, der so gewaltig war, dass die Passagiere der zweiten Klasse meinten, man hätte sie versehentlich in die erste gebucht.

Einige Teile des Gebäudes waren so umfunktioniert, dass man sich mittendrin wähnte in Szenen, die wir normal Sterblichen und Technikverwöhnten nur aus den Filmen kennen, wie z. B. den Korridor der Kabinen der ersten Klasse mit dem roten Teppich und den edlen Leuchtern, eine Erste-Klasse-Kabine oder die Stockbetten der dritten Klasse im Unterbauch des Schiffes, über die ständig die Maschinen dröhnen und noch Rohre an der Decke entlangliefen. Für die Auswanderer damals war es dennoch ein großer Komfort, ein eigenes Bett zu haben, und fast jede Kabine besaß fließend Wasser, das in Mahagoni-Wandschränken mit einer raffinierten Tank-Technik versteckt war. Ebenso originell war die plötzliche Kälte in dem Raum, in dem der Untergang thematisiert wird, den kurz zuvor ein spürbarer Temperaturwechsel durch den Eisberg eingeleitet hat.

Am meisten haben mich jedoch die persönlichen Fundstücke beeindruckt und der Gedanke, wem sie wohl gehört haben. Tatsächlich kann man einige noch bestimmten Passagieren zuordnen. Es gab eine kleine Geschichte von zwei jungen Weltenbummlern, von denen einer dem anderen einen Koffer nach Amerika zurückbringen wollte - weder Koffer noch der Freund kamen je dort an, doch die Exponate erzählen immer noch die bewegende Geschichte der Männer. Auch das Porzellan, teilweise noch vollständig erhalten, sofern es gut verpackt war, wie ein floral bemalter Teller (im Jugendstil, topmodern zu jener Zeit!!!), zeugt von einzelnen Schicksalen. Und manche Gegenstände sind sogar in Reih und Glied am Meeresboden gefunden worden: Teller in einem Holzschrank, der durch die Jahrzehnte verrottet ist, oder ein Paar (riesige) Schuhe aus Gummi. Leder erweist sich in 4000 Metern Tiefe durch ein Jahrhundert wohl am widerstandsfähigsten. Viele Geldbörsen wurden geborgen, sogar mit Inhalt, Münzen, Papiergeld und Rechnungen. Richtig gruselig und rührend zugleich waren eine goldene Nickelbrille, ein Herrenanzug im Hahnentrittmuster, Socken (noch paarweise zusammengehörend!) und die vielen aufgequollenen Taschen.

Auch die Besatzung wird dem Besucher näher gebracht. Überhaupt stößt man auf viele Fotos und Geschichten der Reisenden, von denen über 1500 nicht ankamen, so dass die Katastrophe von 1912 noch einmal eine weitere Dimension erhält, die zum Nachdenken anregt.

Nach ca. drei Stunden durch Zeit und Raum, die wir auf der Titanic verbracht hatten, konnte man einen Teil der Stahlfassung an der Außenkante sogar durch ein "Guckloch" berühren. Etwas so Geschichtsträchtiges, Altes anzufassen, war schon irgendwie ein erhebendes Gefühl, auch wenn es jetzt komisch klingt. Aber ich war nach der Ausstellung ohnehin ein emotionales Wrack, musste die teilweise neuen Informationen sacken lassen (kein Wortspiel beabsichtigt), und mich erst mal mit einem Vanille-Milchshake stärken.

Fazit: Empfehlenswert, nicht nur für geschichtlich Interessierte und Technikfans! Unbedingt anschauen!




Montag, 27. April 2015

Der große Bruder vom kleinen Amor

In meinem Bekanntenkreis hat es sich allmählich herumgesprochen, dass ich die verrückte Amigurumi-Tante bin. Manche fragen mich, ob ich ihnen ein Maskottchen in Form ihres Lieblingstieres häkeln würde oder allgemein einen Glücksbringer. Ich bin dann sehr geschmeichelt und gebe mein Bestes; auch wenn das Chinchilla einer Freundin mehr Ähnlichkeit mit einer Ratte hatte. Sie (die Freundin!) war immerhin taktvoll genug, die Schönheit des buschigen Schwanzes zu bewundern... (O; Vielleicht starte ich irgendwann einen dritten Versuch in Sachen Flauschmaus, denn leider ist der zweite mit Effektgarn gründlich misslungen.




Am liebsten entwerfe ich Fabelwesen mit meinem Stempel darauf, so wie meine Wassermänner und -frauen oder den kleinen blondgelockten Amor. Das Besondere an den menschlichen Maskottchen ist für mich der Ausdruck ihrer Gesichter, die ich individuell gestalte. Mein kleiner Amor hat jetzt einen Bruder bekommen, der gestern fertig wurde. Er ist zwar knapp ein halbes Jahr später entstanden, mit seiner etwas abgeklärten Mimik unter halbgeschlossenen Lidern aber eindeutig der ältere.




Ist er nicht herzig, wie er da auf seinem Liebespfeil sitzt, jederzeit bereit, selbigen durch die Luft schwirren zu lassen? Ich musste jedenfalls nach der Fotosession schnell in Deckung gehen, damit er mich nicht trifft. Sonst hätte ich mich glatt in den kleinen Nackedei verliebt...




Mittwoch, 22. April 2015

Aktion zum Welttag des Buches am 23. April

Uiuiui, ich habe es mal wieder fast verschlafen, das Online-Mega-Event der Buchblogger: zum Welttag des Buches am 23. April werden heuer auf fast jedem Buchblog Gewinnspiele veranstaltet, bei dem es Bücher unter den Teilnehmern abzustauben gibt, die den bloggenden Leser restlos begeistert haben. Eine tolle Sache, die, wie ich finde, Unterstützung verdient. Daher starte ich jetzt inoffiziell meine ganz eigene Buchaktion für die Schnellen unter euch. 


Pixabay / Free-Photos

 

Schreibt mir bis zum 23. April um 23.59 Uhr in den Kommentarbereich mit eurer Kontaktmöglichkeit - entweder Email oder Webseite -, welches meiner ausgewählten Bücher ihr haben möchtet und vielleicht eine kleine Begründung dazu. Ihr findet sie (die Bücher) unter dem Beitrag im Amazon-Widget, wo ihr euch auch näher über den Inhalt informieren könnt, falls ihr keines der Bücher kennt.

Bitte beachten: ich versende nur deutschlandweit!

Das besondere an diesen Romanen ist allerdings, dass sie mich NICHT begeistern oder fesseln konnten; einige habe ich sogar abgebrochen. Lasst euch davon nicht schrecken - mein Geschmack war immer ein bisschen eigenartig. Beweis gefällig? Für mich war die viel gepriesene Bücherdiebin von Markus Zusak eine Zumutung, und ich war mehr als froh, dass sich bald ein glücklicher Abnehmer dafür fand. Vermutlich könnte ich noch mehr Beispiele nennen, aber ich denke, dieses ist aussagekräftig genug. (O;

Der Gewinner wird sich dann in den nächsten Tagen über ein Päckchen mit neuem Lesefutter freuen können. Viel Glück und denkt daran: Lesen macht nicht nur schön und schlau, sondern auch clever.



Freitag, 17. April 2015

Tom Hiddleston wäre mein Carrick Escaray!

Jeder Autor träumt mehr oder weniger davon, dass sein Buch nach Hollywood verkauft wird und ein Film entsteht, was ja in den Köpfen der Erfinder auch irgendwie der Fall ist. Ohne Kopfkino und meiner Phantasie und der visuellen Vorstellung der Protagonisten könnte ich nicht schreiben, und ich bin sicherlich nicht die einzige Autorin, der es so geht. 

 


 Im Herbst kommt nun ein "Goth-Gruselschocker" in die Kinos, nämlich Crimson Peak von Gulliermo del Toro, mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle. Die Bilder vom Set und Promofotos erinnern mich sehr stark an meinen Roman "Das Bildnis des Grafen", und ich hätte mir sooo gewünscht, dass der schmucke und charismatische Hauptdarsteller in die Rolle meines englischen Grafen geschlüpft wäre anstelle in die des nicht minder mysteriösen Thomas Sharpe.

Denn es ist irgendwie witzig: Das Porträt, das in der Galerie des Schlosses hängt, stelle ich mir genau so vor wie Tom Hiddleston im Film aussieht. Natürlich fehlt die weiße Strähne, eines der markanten Merkmale von Carrick, aber das wäre ja im Nu erledigt. Witzig auch, dass Tom Hiddleston in diesem Film dunkle Haare hat, wo er ursprünglich hell ist, und dass er bereits mit Jeremy Irons zwei Filme bzw. Serien gedreht hat, der - wie vielleicht aufmerksame Leser meines Blogs bereits wissen - das Vorbild war für den französischen Psychologen Gaspard Renoir, der versucht, das Geheimnis hinter dem Bildnis zu ergründen.

Leider wäre Mr. Irons mittlerweile ein bisschen zu graue Eminenz vom Dienst für Gaspard, aber auch das wäre nichts, was sich in der Filmindustrie nicht beheben ließe. Allerdings bin ich nicht sicher, ob man ihm mit Mitte Sechzig noch einen Endvierziger abnehmen würde. Andererseits - wirklich jung sah er ja nie aus, und dieses Elegische und Schwermütige hat er immer noch.

Bliebe von den Hauptfiguren nur noch Valentine Whitehurst, der traumatisierte junge Soldat, wegen dem Gaspard überhaupt erst in Yorkshire auftaucht. Der Schauspieler, den ich damals vor Augen hatte, war schon beim Schreibprozess nicht mehr im passenden Alter, aber bestimmt ließe sich jemand finden - kein Schönling, sondern jemand, der Arroganz, Sprunghaftigkeit und Verletzlichkeit unter einen Hut bringen kann. Vielleicht würde der Regisseur genau den richtigen auswählen. Ach ja, von was man als Autor so träumt...





Dienstag, 7. April 2015

Mal mal wieder!

Gelegentlich tobe ich mich gern mit Farben aus. Nicht, um eine große Botschaft mit meinen Werken ausdrücken zu wollen, sondern einfach, weil es mir Freude macht. Das geht besonders gut in unseren Workshops, die jeden Samstag im WIRTHs HAUS unter jeweils drei Themen im Monat stattfinden.




 Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass ich so viel Spaß daran haben würde, mit verschiedenen Materialen zu experimentieren und die Kurse mehrmals zu absolvieren. Aber ich habe festgestellt, dass ich sicherer und mutiger werde, je öfter ich mich mit dem Thema auseinandersetze, das ich vor ein paar Wochen kennen gelernt habe. Pastellkreide zum Beispiel. Ich fand sie früher nie wirklich so *gschmeidig* und fast ein bisschen kompliziert und viel zu staubig für meine Begriffe; zumindest die ohne Öl. Allerdings lässt sich in den Kursen eine Menge über Handhabung und auch die Beschaffenheit des Materials erfahren, und man lernt den bestmöglichsten Umgang damit, so dass man nach den ersten "Kämpfen" der Schnupperphase doch die Oberhand gewinnt und sich die Farbe mit wenigen Ausnahmen so aufs Papier legt, dass man mit dem Endergebnis zufrieden ist und auch während der Bildentwicklung Möglichkeiten entdeckt, die man sich zuvor nie zugetraut hätte oder auf die man ohne einen Denkanstoß von außen gar nicht gekommen wäre (Schachtelsatz - sorry!).




Mein zweites Bild, das ich "Schiefer Tisch" genannt habe, wäre um ein Haar nach dem Skizzenentwurf im Papierkorb gelandet. Ein Problem hätte damit keiner gehabt (außer ich vielleicht), und trotzdem wollte ich nach dem ersten Frust nicht gleich aufgeben, nur weil mir der Anfang nicht gefiel. Das Schöne an Pastellkreiden ist, dass sie sich immer übermalen lassen und es auch interessant wirkt, wenn Skizzen auf dem fertigen Bild noch zu erahnen sind. Schließlich haben auch große Künstler wie DaVinci halbfertige Zeichnungen stehen lassen oder ihre Werke mit mehreren Schichten übermalt.

Was mich immer wieder aufs Neue verblüfft, ist die Tatsache, dass die Bilder nach meinem Empfinden am meisten gelingen, wenn man von Dunkel ins Helle arbeitet.

Wer Interesse hat, unsere Kurse als Teilnehmer zu besuchen, kann sich gern auf unserer Homepage über die Termine schlaumachen.




Freitag, 3. April 2015

Die Top Ten meiner Lieblingsbücher

Was lesen Autoren? Welche Geschichten inspirieren sie und haben den Wunsch geweckt, selbst zu schreiben? Bei mir war es eindeutig der eher unbekannte Roman "Nacht ohne Gesicht" (River of Darkness) von Rennie Airth. Dessen Protagonist John Madden - ein vom Ersten Weltkrieg traumatisierter Inspector Detective - war das Vorbild meines Psychologen Gaspard Renoir in "Das Bildnis des Grafen", der tatsächlich und überraschenderweise auch hier in der Liste auftaucht. (O;




Entstanden ist diese Geschichte aufgrund der Tatsache, dass ich häufig in Buchhandlungen trotz der Riesenauswahl nicht fündig werde. Entweder sind mir die Thriller zu splatter, die Liebesromane zu kitschig, die historischen Romane zu emanzipiert ("Die Wanderhure", "Die Goldschmiedin", "Die Hebamme"...), die humorvollen Romane zu schenkelklopfer-mäßig und die Unterhaltungsliteratur allgemein zu flach (nichts gegen Berieselung und Unterhaltung, aber ich möchte beim Lesen gern mitdenken und herausgefordert werden). Daher sind meine Ansprüche auf literarischem Gebiet doch schon recht hoch. Here we go:

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1. Nacht ohne Gesicht - Rennie Airth
2. Das Bildnis des Grafen - Christine Wirth
3. Zeit der Nähe - William Maxwell
4. The complete Sherlock Holmes - Arthur Conan Doyle
5. Das vergessene Kind - John Matthews
6. Die Sünde der Brüder - Diana Gabaldon
7. Sherlock verliebt - Sena Jeter Neslund
8. Das späte Geständnis des Tristan Sadler - John Boyne
9. Choral am Ende der Reise - Erik Fosnes Hansen
10. Der kleine Wassermann - Otfried Preußler


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Meine "All-Time-Favourites" haben mich auf unterschiedliche Weise beeindruckt und beeinflusst, und mich zudem zum Nachdenken gebracht, das heißt, ihre Geschichten klangen noch lange in mir nach. Ich liebe ungewöhnliche, unvorhersehbare Stories, die den Leser mit auf eine Reise durch Zeit, Länder und Welten nehmen. Auch Romane, die auf historischen Fakten beruhen und mir dennoch ganz eigene Figuren vorstellen, faszinieren mich, etwa Erik Fosnes Hansens "Choral am Ende der Reise", der die fiktiven Lebensläufe und das verbürgte Schicksal der Musiker auf der Titanic mit liebevoller Detailgenauigkeit für Personen und die Epoche beschreibt.

"Zeit der Nähe" von William Maxwell hat meine Vorliebe für literarische Freundschaften geprägt. In den USA gilt das Buch über den selbstbewussten, sportlichen Spud und den schüchternen Lymie, den Spud vor dem Ertrinken rettet und die seitdem eine sensible Freundschaft verbindet, als Klassiker. Es ist ruhig erzählt, mit viel Feingefühl und psychologischem Gespür, daher liebe ich es. Ähnlich verhält es sich mit "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" von John Boyne.

Auch Diana Gabaldons "Die Sünde der Brüder" fällt knapp in diese Kategorie. Knapp deshalb, weil die Autorin eher sprachgewaltig und manchmal derb daherkommt und eigentlich nicht zu meinen Inspirationen zählt. Trotzdem gefallen mir ihr Protagonist Lord John und sein Stiefbruder Perseverance, zwischen denen sich etwas entwickelt, das zwischen Geschwistern nicht sein darf und das den Lord in Schwulitäten bringt (no pun intended!).

Und als Fan des klassischen Krimis bzw. des genialen Sherlock Holmes dürfen natürlich dessen Abenteuer in meiner Liste nicht fehlen. Lustigerweise gehört zu meinen Lieblingen in diesem Kontext auch eine romantische Variante des Meisterdetektivs, mit der sich Sena Jeter Neslund beschäftigt hat. Ihre Interpretation von Holmes' großer und einziger Liebe wartet mit einem Clou auf, der völlig überraschend kommt. Auch das Verhältnis Holmes / Watson wird in ihrer Geschichte anrührend und - wie ich meine - authentisch beschrieben.

Ein weiterer Krimi-Klassiker in meiner Liste ist "Das vergessene Kind" von John Matthews. Obwohl das Thema dem Leser beileibe nicht schonend beigebracht wird und an den Nerven zerrt, hat es mich in seinen Bann gezogen, als ich Kommissar Fournier durch drei Jahrzehnte begleitet habe in der Hoffnung, einen mysteriösen Fall aufzuklären.

"Der kleine Wassermann" hatte für mich von kleinauf einen großen Zauber, was größtenteils an den putzigen, aber sehr eigenwilligen Zeichnungen lag und daran, dass ich immer gerne eine Nixe / ein Meermädchen hätte sein wollen. Aber auch die einfache und herzliche Erzählweise von Otfried Preußler hat mich als Kind sehr angesprochen. Wobei ich mit Hexe und Räuber Hotzenplotz nie etwas anfangen konnte...

Bildquelle: Gellinger / Pixabay

Dienstag, 31. März 2015

Kein verfrühter Aprilscherz: Facebook Resümee, und warum ich eine Pause einlege.

Obwohl ich mich ja lange dagegen gewehrt habe, bin ich nun seit über einem halben Jahr regelmäßig auf Facebook aktiv. Ein besonderes Anliegen ist mir dabei meine Autorenseite, die ich in der Tat mit viel Herzblut pflege, auf der ich Leseproben poste und so manchen themenverwandten Psychotest, der mir in meiner Chronik begegnet. Und es macht mir sogar Spaß, mich in gewissen (selbst ausgewählten!!!) Gruppen rege zu beteiligen bzw. auch Sinn und Unsinn zu posten, wo es erlaubt ist oder lieb zu kommentieren (böse Kommentare oder solche zu schrecklichen Tragödien im Tagesgeschehen erspare ich mir, das sollen andere machen, die sich auf diese Art Luft verschaffen mögen). 

Ich habe schnell *Freunde* gewonnen, verschollen Geglaubte gefunden, und natürlich freue ich mich über Anfragen / Gefällt mir der eigenen Beiträge / putzige Tiervideos und über brandaktuelle und seltene Bildchen meiner Lieblingsstars. 

 

Pixabay / EsaRiutta


Und da wäre ich bereits beim Knackpunkt: ich bin zu häufig auf Facebook, genau wie ich es anfangs befürchtet habe. Plagt mich die Langeweile, logge ich mich eben kurz mal ein. Das geht fix und zu jeder Zeit. Ist auch nichts dabei, schließlich erfährt man auf diese Art das Allerneueste von ganz vielen verschiedenen Leuten mit verschiedenen Meinungen. Aber für mich ist das auf Dauer nicht das Gelbe vom Ei (Ostern naht!). 

Manchmal wächst mir die Flut von Informationen über den Kopf oder deprimiert mich - leider bin ich seit ein paar Jahren psychisch nicht mehr so belastbar wie früher. Und ehrlich gesagt, das andere ist doch eigentlich nur Zeit-Totschlag. Zudem lenkt es mich vom Wesentlichen und meiner Arbeit ab.

Teilweise wundere ich mich auch, wie manche User sich entblößen oder Banalitäten posten, um sie dem Rest der weiten Facebook-Welt mitzuteilen. Und wie schnell man sich nach einer Freundschaftsbestätigung in einer obskuren oder für einen selbst völlig uninteressanten Gruppe findet. Von Spam und unerwünschten Markierungen will ich gar nicht erst anfangen. 

Notorische Jammerlappen und ewige Nörgler gehören leider auch zu meiner Freundesliste und tragen nicht unbedingt zur Verbesserung des Betriebsklimas bei. Ich frage mich dann schon, ob es nicht gescheiter wäre, ihnen zu kündigen, selbst wenn ich sie eigentlich ganz gern mag und weiß, dass es im Grunde sympathische Menschen sind, die durch das Mitteilen ihrer Probleme aufblühen - sowas soll es geben. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sind jedoch kein Ersatz für ein persönliches Gespräch mit einem guten Freund, der sich das Problem in aller Seelenruhe anhört und, sofern gewünscht, gut gemeinte, individuelle Lösungen anbietet. Vielleicht sollte man das überdenken, ehe man praktisch Fremde tagtäglich damit behelligt und dann noch hofft, bei allen Mitleid einzuheimsen Verständnis zu wecken.

Die Chatfunktion habe ich schon länger deaktiviert, weil ich Facebook ursprünglich nicht für Privatgespräche nutzen wollte, wenngleich es ganz nett und praktisch ist, hin und wieder von "richtigen" Freunden zu hören, die man schon länger aus anderen Foren kennt, die dieselben Interessen haben oder die man nicht oft persönlich sieht.

Trotzdem habe ich beschlossen, in Kürze dasselbe mit meinem Konto zu tun. Deaktivieren nämlich. Wahrscheinlich nicht für immer, aber doch eine Zeitlang, in der ich lediglich als Administrator unter anderem Namen bzw. auf anderen Konten fungiere. Meine Autorenseite bleibt demnach erhalten und aktiv, doch das "Hauptkonto" verschwindet fürs Erste, zumindest für ein paar Wochen. Ich hoffe, meine FB-Freunde bleiben mir trotzdem gewogen - ein bisschen stolz bin ich schon auf sie.^^ Und komplett aufgeben werde ich Facebook nicht. Dazu ist es wohl schon zu spät. Also, wer mich evtl. vermisst im Selfie-Camp: I'll be back.







Dienstag, 17. März 2015

Das Phänomen "Passiver Protagonist"

Man erfährt und lernt ja so einiges, wenn man im Internet surft. Oft stolpert man dabei über Dinge oder Begriffe, die man noch nie gehört hat, die aber irgendwie neugierig machen. In Facebook z. B. lief mir gestern ein passiver Protagonist über den Weg.

 

Wikiimages /Pixabay

 Was um Himmels Willen ist das denn?! Ich kenne mich im Schreiben doch einigermaßen mit Protagonisten und Antagonisten aus, aber das? Noch nie gehört. Und dann die Feststellung dazu, dass der passive Protagonist in neunzig Prozent aller Romane einen festen (und verpönten) Platz besetzt. Ich musste unbedingt wissen, was es mit ihm auf sich hat. Ist er wirklich so schlimm, wie der Artikel impliziert?

Ehrlich gesagt, ich denke nicht. Obwohl ich in meinen eigenen Romanen mehr Frodos habe als Hamlets (für mich das klassische Beispiel eines passiven Protagonisten), hat Hamlet durchaus eine Daseins-Berechtigung. Nicht nur, weil man mit ihm fühlen kann, sondern auch, weil er - anders als der aktive Protagonist - kein makelloser Held ist und sich in den meisten Fällen von den Ereignissen um sich herum überrumpelt fühlt. Wie man sich selbst oft im richtigen Leben. Klar, jeder taucht gern in fremde Welten ab und fiebert mit dem Helden, erlebt atemberaubende Abenteuer an seiner sicheren Seite, die er in unerschrockener Kühnheit beeinflusst und meistert. Und noch lieber wäre jeder selbst gern ein bisschen mehr aktiver Protagonist. Aber hat der passive Protagonist nicht auch seine Vorzüge?

Mir fällt da mein eigener Roman "Vom Ernst des Lebens" ein. Auf den ersten Blick wäre der selbstbewusste Miles der aktive Protagonist, während der eher zögerliche und scheue Rupert den passiven Part (uiuiui - nicht missverstehen!) übernimmt. Allerdings stellt sich im Lauf der Geschichte heraus, dass Rupert durchaus den Lauf der Handlung beeinflusst; vielleicht genauso sehr wie sein gegensätzlicher Freund. Anfangs wirkt er neben Miles ängstlich und apathisch, aber er versteht es bereits im zweiten Kapitel, Unternehmungslust zu zeigen, mit der er dem Roman eine Wende verleiht, die es ohne sein beherztes Handeln nicht gegeben hätte. Überhaupt: ganz ohne das Eingreifen des Protagonisten - sei er aktiv oder passiv - erzählt sich keine Geschichte, oder? Mir zumindest fiele ad hoc kein Beispiel ein, in der eine Hauptfigur völlig lethargisch am Geschehen vorbeischwimmt. Selbst Hamlet greift zum Schwert (Giftpott? Sehr beliebt und das Mittel der Wahl in der Renaissance), wenn ich es richtig in Erinnerung habe.

Eine mir bekannte Figur gibt es jedoch, die tatsächlich wenig bis gar nichts zum Geschehen beiträgt. Edmund Talbot aus William Goldings "Rites of Passage" / "To the Ends of the Earth" (deutscher Titel "Äquatortaufe"). Er kommt als Aristokrat an Bord eines Schiffes, das nach Australien unterwegs ist, und wird Zeuge der "Animalisierung" auf engstem Raum während der strapaziösen Reise von Großbritannien nach Down Under. Dabei bleibt er stets Beobachter und folglich größtenteils distanziert. Seine einzigen Tätigkeiten beschränken sich auf seine Tagebucheintragungen, fast peinliche, der Handlung meist undienliche Ausrutscher oder verdutzte Blicke (sehr schön veranschaulicht von einem noch extrem jungen Benedict Cumberbatch in der Miniserie "To the Ends of the Earth" von der BBC aus dem Jahr 2005).

Und dennoch ist William Golding mit diesem Roman von 1989 ein moderner Klassiker gelungen. Ich glaube, gerade weil Mr. Talbot so unbeholfen und passiv wirkt und scheinbar kein Fettnäpfchen auslässt, gewinnt er Sympathien unter Lesern und Zuschauern. Viele können sich mit ihm besser identifizieren als mit dem forschen Helden, der die Geschichte zu seinen Gunsten in die Hände nimmt und stets auf den eigenen Vorteil bedacht ist oder die Geschicke einer Welt / eines Volkes lenken muss wie Frodo.

Vielleicht habe ich den Artikel aber auch völlig falsch verstanden. Dann bitte ich um Entschuldigung. Ich bin jedenfalls beim Durchlesen insgeheim ein bisschen froh gewesen, dass in all meinen Romanen kein Protagonist so passiv ist, dass man behaupten könnte, er sei überflüssig für die Story.




Mittwoch, 11. März 2015

"Ich schreib' dir eine Rezension. Versprochen."

Einige meiner Leser sind Kollegen (also Indie-Autor wie ich), und kennen sicher das, was ich versuche, hier zu erklären: Rezensionen für ein eher unbekanntes Buch einzuheimsen, ist nicht einfach, wenn man sie sich auf ehrliche Weise verdienen möchte. Und wenn man keine tausend Freunde hat, die einen unterstützen in Sachen Buchmarketing. Dabei ist es so simpel, etwas Gutes zu tun.

Nicht, dass ich um Bewertungen oder Meinungen zu meinen Romanen betteln gehen würde oder wollte. Ich will auch niemanden zwingen oder bezahlen für einen Eindruck auf Amazon / auf Leserforen und Bücherportalen.

Manchmal finde ich es dennoch schade, wenn ich feststelle, dass Versprechungen nicht eingehalten werden, die auf ein Geben und Nehmen basieren. Natürlich haben viele, die beim Überreichen beteuern, mein Buch nach getaner Lektüre zu rezensieren, oft Wichtigeres zu tun oder etwas kommt dazwischen, oder der SuB wächst ins Unermessliche, oder oder oder... Ich verstehe das, und es ist noch lange kein Grund, sich deswegen zu grämen.

Doch im Großen und Ganzen bin ich ein bisschen enttäuscht. Ich gebe meine Romane kostenlos an interessierte Leser weiter, veranstalte Gewinnspiele und stelle Gutscheine für ebooks zur Verfügung, und wenn ich den Aufwand vergleiche, den ich dafür betreibe, sieht das Ergebnis bzw. die Rezensionsanzahl meiner Bücher doch recht mau aus. Andererseits ist es ein zweischneidiges Schwert, (subtil) um eine öffentliche Meinung zum Werk zu bitten. Dabei kommt nicht immer das heraus, was man erwartet. Kritik - besonders destruktive - kann schon sehr weh tun. Aber man muss als Autor damit rechnen und hoffen, dass andere Leser das Buch trotzdem interessiert und sie ein tolles Erlebnis beim Schmökern haben. Dass der Inhalt hält, was der Klappentext verspricht. Und dass eventuell die negative Meinung von einer guten neutralisiert wird (klingt das zu sehr nach Star Trek?).

Die Leser, die mir begeistertes Feedback hinterlassen, sind für mich ungeheuer hilfreich und wichtige Weggefährten im Dschungel der Selfpublisher und Bestsellerautoren, und ich möchte ihnen auf diesem Weg ganz herzlich danken. Was die anderen denken, weiß ich nicht, und vielleicht ist es sogar besser für den Seelenfrieden eines sensiblen Künstlers (*räusper*), es nie zu erfahren, als Dinge über seinen Roman lesen zu müssen, die ungerechtfertigt erscheinen und einem selbst völlig unverständlich. Vielleicht machen sich die wenigsten Leser darüber Gedanken, doch auch Indie-Autoren sind stolz auf ihre Werke und haben sie in der Regel mit viel Akribie, Recherche und Herzblut verfasst, auf Orthographie und Grammatik geachtet, auf korrekte Infinitivanwendung und Logik in der Geschichte.

Wer mir versprochen hat, eine Rezension zu schreiben oder es gerne tun möchte und nicht so recht weiß, wie: Bitte traut euch und nehmt euch die Zeit. Es kostet nichts außer ein bisschen Aufwand, muss kein Roman sein und würde mir viel Freude machen. Im besten Fall nämlich genauso viel wie euch das Lesen meiner Bücher.

Die Kollegen unter euch würde ich gern fragen, wie ihr das handhabt mit den Rezensionen. Bestecht ihr eure Leser mit Zuckerl? Im Kommentarbereich ist Platz für Antworten.




Übrigens: Heute wurde mir "Das Bildnis des Grafen" mit neuem Cover zugesandt. Ich dachte, ich zeige es euch mal. Schick, oder?