Inhalt: Der zehnjährige Jason (Cecilio Andresen) ist Autist und braucht eine strukturierte Umwelt mit klaren Regeln und Routinen. Veränderungen, laute Geräusche und unerwartete Körperkontakte überfordern ihn. Als im Raum steht, dass Jason auf eine Förderschule versetzt wird, schließt sein Vater Mirco (Florian David Fitz) einen Pakt mit ihm: Wenn Jason sich bemüht, seine Mitschüler und Lehrer auf der Regelschule nicht zu provozieren und er sich seinerseits nicht provozieren lässt, hilft Papsi ihm dabei, seinen Lieblingsfußballverein zu finden.
Da Jason analytisch und logisch vorgeht, ist es für ihn undenkbar, den Verein nach Leistung oder Wohnort zu wählen, wenngleich beide Elternteile fußballbegeistert sind. Er stellt für sich strenge Kriterien auf:
- Der Verein darf kein peinliches Maskottchen oder alberne Rituale wie bunte Schuhe haben.
- Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein müssen eingehalten werden - von den Fans und vom Verein. Auch dürfen keine Nazis im Stadion sein.
- Jason muss alle Spiele live im Stadion gesehen haben - insgesamt 56 Stadion stehen auf seiner Agenda, bevor er sich für einen Verein entscheidet.
Für Mirco, der als Unternehmensberater viel unterwegs ist und eigentlich wenig Zeit hatte für seinen Sohn, beginnt eine chaotische und emotionale Odyssee durch deutsche und europäische Stadien. Das fordert Papsi extrem heraus, da Jasons Bedürfnisse und Regeln oft nicht konform gehen mit dem Fußballverhalten von Fans und Spielern. Der Film beleuchtet ungeschönt, aber humorvoll den herausfordernden Alltag einer Familie mit einem neurodivergenten Kind.
![]() |
| Thomas Ulrich / Pixabay |
Meinung: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte - die der Familie Juterczenta. Vielleicht erklärt das die wenig strukturierte und langatmige Handlung. Ich hoffe, es ist kein Megaspoiler, wenn ich schreibe, dass der echte Jason noch immer mit Papsi auf der Suche ist. Also irgendwie unspektakulär und doch total außergewöhnlich. Oft habe ich mich gefragt, wie man Herausforderungen, die Menschen wie Jason an ihr Umfeld stellen, meistern kann und dabei nicht die Nerven verliert. Wo "Rain Man" noch anrührend war, empfand ich "Wochenendrebellen" als anstrengend und schroff, beinahe brutal. Weil Jason unbeabsichtigt alle um sich herum manipuliert, altklug daherredet und auch Papsi Floran Fitz nach gefühlten zwei Stunden Filmlänge etwas zu seinem Sohn sagt, das - wie er meint - unverzeihlich ist. Und ich fand das auch furchtbar, trotz der Tatsache, dass ich Papsis Wut fast verstehen konnte. Das hat Jason aber schon vergessen. "Ich weiß ja, dass du mich liebst", sagt er, und widmet sich schon wieder den schwarzen Löchern oder der Quantenphysik, über die er morgens um Vier unbedingt seiner Mutter einen Vortrag halten muss. Ich würde ausflippen, ganz ehrlich.
Aber gut gemacht war der Film. Er hat mich nachdenklich gemacht. Nicht wirklich sensibel für Asperger-Autisten, für die Verständnis aufzubringen mir leider und zugegebenerweise schwerfällt, wenn ich Jason betrachte. Ein netter Junge eigentlich, der schnell über Kleinigkeiten wie ein besetzter Platz an der Bushaltestelle zum Tyrann werden kann. Das Unverständnis mancher Menschen war allerdings genauso verstörend. Würde man mir erklären, weshalb jemand so reagiert, würde ich doch versuchen, die Ordnung wiederherzustellen, selbst wenn sie mir unsinnig vorkommt. Wenn man dafür jedoch weder ein "Danke" noch "Bitte" hört, sondern es als selbstverständlich hingenommen wird, dass man den anderen hofiert, dann merke ich, dass ich den Kontakt mit Autisten wie Jason nicht suchen würde. Ein wenig Respekt sollte man jedem entgegenbringen können, ohne sie zu beschimpfen und zu toben. Aber wer wäre ich als Nicht-Neurodivergente, das zu beurteilen? Insgesamt war der Film aufschlussreich und hat mir auf jeden Fall gezeigt, wie unterschiedlich und zugleich erstaunlich das Autistenspektrum ist.
Bewertung: 💫💫💫

