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Freitag, 4. September 2015

Der Lieblingsfilm als Buch


Eigentlich fragt man ja umgekehrt: Welches Buch müsste verfilmt werden? Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, welchen *Film* ich denn gerne als *Roman* erleben würde. Eingefallen ist mir dabei Third Star, ein Independentfilm mit Benedict Cumberbatch, der seit drei Jahren mein absoluter Lieblingsfilm ist.

Pixabay / MarandaP

Natürlich gibt es Drehbücher, doch die werden so geschrieben, dass sie nichts verraten, was man im späteren Film nicht ohnehin sieht. In meinem ausgewählten Film - den ich mittlerweile fast auswendig kenne - liest man als Zuschauer viel zwischen den Dialogen und dem Verhalten der vier Hauptcharaktere, und man kann sich in jeden der jungen Männer gut einfühlen. Es ist eine ruhige, zuweilen humorvolle und emotional fordernde Geschichte; nicht leicht zu verdauen, erzählt er von dem schwerkranken James, der mit seinen besten Freunden zu seinem Lieblingsplatz aufbricht, um dort sein Leben, das zukünftig von Schmerzen und Medikamenten bestimmt sein wird, zu beenden.

Das klingt erst mal furchtbar, doch der Film und die Schauspieler sind derart fantastisch und überzeugend, dass man am Schluss trotz komplett verbrauchter Kleenexbox überzeugt ist, James hat es auf seine Art richtig gemacht.

Als Erzähler meines Filmbuchs würde ich mir jedoch nicht James wünschen, sondern Miles, der bis vor dem Ausbruch von James' Krankheit dessen bester Freund und Seelenverwandter war. Für mich ist er die interessanteste und auch nachvollziehbarste Figur im Film. Verschlossen und fast arrogant am Anfang, gibt er sich eigentlich nur mit Bill ab, einem weiteren Kumpel, der zwar, wie alle im Leben, Fehler macht, sie aber mit einem Schulterzucken und Albernheiten abtut, während James ganz von Davy beschlagnahmt wird, der sich seit seiner Arbeitslosigkeit als James' "Krankenschwester" etabliert hat. Zwischen Miles und Davy gibt es bis zum Ende hin kaum Berührungspunkte und stattdessen mehr oder weniger versteckte Beleidigungen von beiden Seiten, was den Schluss nahelegt, dass ein wenig Eifersucht im Spiel ist.

Nur ganz selten lässt Miles die anderen seine Verzweiflung über den unvermeintlichen Verlust seines Freundes James sehen, den dasselbe Schicksal ereilt wie Miles' Vater, als Miles ein Teenager war. Das langsame Sterben einer ihm wichtigen Person ein zweites Mal mitansehen zu müssen, zehrt an ihm, doch er überspielt seine Gefühle mit Spott und Zynismus. Erst nach zwei Gesprächen unter vier Augen mit James zeigt er Verletzlichkeit, und offenbart auch das Geheimnis, das ihn über James' Tod hinaus weiter mit seinem besten Freund verbinden wird, obwohl er nicht vorhatte, es ihm zu sagen.

Seine Gedanken und Beweggründe sind in diesem wirklich grandiosen Film gut formuliert, was nicht zuletzt an JJ Feild liegt, dem die Rolle ein bisschen auf den Leib geschrieben wurde. Doch in einem Roman wäre man vermutlich unter Umständen überrascht, wie komplex der Charakter aufgebaut ist, mit welchen Problemen er konfrontiert wird und welcher emotionale Aufruhr in seinem Inneren tobt. Filme zeigen ja "nur" das Offensichtliche, und ich denke, Miles hätte viel zu erzählen, wenn er die Geschichte von sich, James und den gemeinsamen zwei Kumpels aufschreiben würde. Ein Buch fertiggestellt hat er ja schon... und was außer "Meine Güte, ist der schwer!" könnte er wohl auf dem letzten Bild gedacht haben? Bestimmt eine ganze Menge mehr.

Gibt es für euch einen Film, den ihr gerne als Buch hättet, um die Gedankenwelt von einem der Protagonisten besser zu ergründen? Ich bin gespannt. Antworten bitte im Kommentarbereich.



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