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Donnerstag, 30. Januar 2014

The End of the Affair ~ Das Ende einer Affäre (1999)

Nein, ich bin kein Fan von Liebesgeschichten, weder in Filmen noch in Büchern. Damit kann man mich eigentlich jagen. Komisch, dass ich da irgendwie falsch gepolt bin. Jeder mag doch insgeheim Schnulzen und Romanzen. Selbst Leute, von denen ich es nicht erwartet hätte, lassen sich eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung oder die Twilight-Saga nicht entgehen und sagen dafür schon mal schamlos einen Termin ab.

 

 

Einen einzigen Film gibt es in diesem Genre, der mich zu Tränen rührt und mir das Herz bricht: "Das Ende einer Affäre" von 1999, eine Adaption des Romans von Graham Greene, der 1951 erschien.

Verantwortlich für meine Sentimentalität sind die unglaublich tollen Darbietungen der Hauptakteure Ralph Fiennes (noch knackig und mit vielen sexy roten Haaren an den richtigen Stellen^^) und der aparten Julianne Moore. Nicht nur optisch sind die beiden im Film ein Genuss - es funkt derart gewaltig zwischen ihnen, dass man nicht nur die Bettlaken knistern hört, in denen sich das verbotene Paar ziemlich oft wälzt.

Der orchestrale, wehmutsvoll angehauchte Soundtrack von Michael Nyman ("Das Piano") tut ein Übriges, besonders zum Opener, als Maurice Bendrix (Mr. Fiennes) verbittert auf seine Schreibmaschine einhackt und in Rückblenden beginnt, ihr seine leidenschaftliche Affäre mit der verheirateten Sarah anzuvertrauen. Die Geschichte dahinter ist so melancholisch, so tiefgründig und so voller Symbolik und Mystik, dass man als Zuschauer fast glauben möchte, dass Sarah das ist, was Bendrix in ihr sieht: ein Engel, der den Fehler beging, sich Hals über Kopf in ein Wesen aus Fleisch und Blut zu verlieben und dafür am Ende bestraft wird.

Der tragische Verlierer in der komplizierten und ruhig erzählten, aber sehr emotionalen und aufwühlenden Dreiecksgeschichte ist allerdings nicht (nur) Maurice, der weder vergeben noch vergessen kann und dessen Groll sich auf Gott entlädt, sondern Henry, Sarahs Ehemann. Ohne Sarah scheint er vollkommen hilflos, fast lebensunfähig und bittet Bendrix sogar um Hilfe, als sie im Sterben liegt.

Hier geht's zu meinem Review für den meiner Meinung nach schönsten und am meisten unterschätzten Liebesfilm aller Zeiten: *Klick*

Ach so, Sterne gibt's natürlich auch, und zwar alle fünf!



👍👍👍👍👍


Bildquelle: Pinterest



Dienstag, 28. Januar 2014

"Was hat dich eigentlich zum *Bildnis des Grafen* inspiriert?"

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Und sie ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn ich habe keine literarischen Vorbilder im engeren Sinn. Aber ich bin fasziniert von komplexen Kriminalgeschichten und unerklärlichen Phänomenen, was nicht bedeutet, dass ich mich für Parapsychologie interessiere oder glaube, dass die Wahrheit irgendwo da draußen ist.

Als ich anfing, den "Grafen" zu schreiben, hatte ich zuvor Rennie Airths "Nacht ohne Gesicht" gelesen und war begeistert von den Protagonisten und der Dynamik zwischen dem wortkargen, vom Krieg und einer Familientragödie gezeichneten Einzelgänger Detective John Madden und dem übereifrigen Polizeianfänger Billy Styles, der in stiller Ehrfurcht zu seinem Vorgesetzten aufsieht. Die beiden waren ein seltsames, aber sympathisches Gespann, und ich habe ein wenig bedauert, dass in den Folgebänden um John Madden der junge "Rookie" nicht mehr auftaucht, der dann nicht mehr ganz so jung und unerfahren wäre. Auch die anschaulichen, aber nie weitschweifigen Landschaftsbeschreibungen und die Zeit, in der der Roman angesiedelt ist, haben mein Kopfkino angekurbelt, ganz zu schweigen von der psychologischen Komponente, die sich auf sämtliche Charaktere erstreckt - besonders auf John Madden und den Täter, der entgegen der gängigen Regel eines Krimis schon bald enttarnt wird. Dennoch wird die Geschichte auf keiner Seite langweilig, im Gegenteil.

Ich habe das Buch mehrmals und auch im Original gelesen, und jedes Mal habe ich Neues entdeckt, auf das ich beim vorigen Schmökern nicht geachtet hatte. Kurz gesagt, ich liebe diesen Roman, der bis heute zu meinen absoluten Lieblingsbüchern zählt. Vermutlich wird da so schnell nichts nachkommen...




Die ungewöhnliche Geschichte ließ mich lange nicht los, und irgendwann stand mein Entschluss fest, etwas zu schaffen, das mir ebenso viel Spaß macht. Ganz anders, natürlich, aber angelehnt an die Figur des einsamen Wolfes, der Schreckliches erlebt hat und erst durch ein Ereignis und die damit verbundene Beziehung zu Dritten wieder einigermaßen ins normale Leben zurückfindet. So war mein französischer Psychologe Gaspard Renoir geboren, den ich ins edwardianische England geschickt habe, um auf einem Herrensitz auf seinen ersten und härtesten Fall nach dem Krieg zu treffen: den schwer traumatisierten Valentine Whitehurst, Neffe und zukünftiger Erbe des Earl of Whitehurst. Valentine macht es Renoir nicht leicht, und auch der rasch aufbrausende Earl ist wenig willens, Renoir bei der Therapie freie Hand und beide - Arzt und Patient - unbeobachtet zu lassen. Doch Renoir freundet sich mit dem Gärtner des Anwesens an, der ihm vorschlägt, mit Valentine in der Abgeschiedenheit des leerstehenden Nachbargrundstückes Escaray Hall die Behandlung fortzusetzen.

Der Name Escaray ist mir im Kino aufgefallen. Die Firma, welche die Säle bestuhlt (bestuhlt - das klingt komisch, oder?^^), hieß Eskaray (und heißt immer noch so). Ich fand, das hatte einen guten Klang. Ich weiß nicht mehr, ob die Herkunft und die Geschichte meines Titelhelden zu dieser Zeit schon für mich feststanden. Sicher war, dass er diesen Namen tragen sollte. Und mysteriös sollte er sein, vielleicht sogar ein bisschen unheimlich. Schließlich gilt sein Anwesen offiziell als verwaist, nachdem es während der ersten Kriegsjahre als Lazarett gedient hatte.




Würde man mich nach meiner Lieblingsfigur im "Bildnis des Grafen" fragen, so wäre das wahrscheinlich Carrick Escaray, obwohl ich alle meine Charaktere bis auf die kleinste Nebenfigur mag. Selbst den jähzornigen Benjamin Earl of Whitehurst, der durchaus nicht völlig grundlos zu dem geworden ist, was im hohen Alter verstärkt zu Tage tritt - ein harter, verbitterter Mann, der den von der Front heimgekehrten Neffen einzig deshalb therapieren lassen will, um die Nachkommenschaft zu sichern.

Die "unerklärlichen" Elemente habe ich miteingebaut, weil ich Schauergeschichten liebe und mich selbst hin und wieder gern grusele, sei das bei einem subtilen Horrorfilm oder einem Gänsehaut erzeugenden Buch. Obendrein kam mir zugute, dass Kriegsgeschädigte häufig unter Halluzinationen und / oder erhöhter Wahrnehmung leiden. Valentine, der anfangs mit niemandem spricht, gelingt es, mit dem Grafen Kontakt aufzunehmen, und zwar auf recht ungewöhnliche Weise. Ob es sich dabei allerdings um Visionen handelt, möchte ich hier nicht verraten.

Ich bin ein Freund von offenen Enden, heißt ich liebe es, meine Leser zum Nachdenken anzuregen und sie ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen. Als Leser schätze ich es wenig, alles haarkein erklärt zu bekommen. Stattdessen beschäftige ich mich gern noch eine Weile mit dem Gelesenen, lasse die Geschichte noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren und auf mich wirken, sowohl als Leser als auch als Autor, wenn mich der Roman gefesselt hat. Am "Grafen" habe ich um die zwei Jahre geschrieben. Und sie waren jede Minute wert.

Mittlerweile ist der Roman mehrere Jahre alt. Trotzdem gefällt mir die Geschichte von Escaray, Valentine und Renoir noch immer. Und das kann ich nicht von jeder meiner Geschichten behaupten...



Samstag, 25. Januar 2014

May the Force be with you ~ Popcornkino auf gehobenem Niveau

Star Wars ist ja eigentlich eher was für abenteuerlustige Buben und junggebliebene Männer, die noch mit Laserschwertern herumfuchteln oder sich eines zu Weihnachten wünschen - davon kenne ich einige. Ich kann mich aber dem Reiz dieses Weltraum-Klassikers selbst als gestandenes Mädchen nicht entziehen, auch wenn ich mich keineswegs mit Prinzessin Leia identifiziere oder mich als Fan bezeichnen würde, der mit nahezu religiösem Eifer der Saga, dem Meister George Lucas und Jedi-Riten huldigt.





Als ich vor Jahren alle Filme mit Harrison Ford sehen musste, die ich in die Finger bekam, stand Star Wars nach Indiana Jones gleich an zweiter Stelle. Ich habe mich damals vor allem an dem besserwisserischen C-3PO ergötzt, den ich total niedlich fand (nach dem kernigen Han Solo, versteht sich).

Da Pro7 Star Wars in der restaurierten und modernisierten Fassung gerade zeigt, habe  ich Gelegenheit, die Trilogie plus die später gedrehte Vorgeschichte von Darth Vader wiederanzusehen, und jetzt erst richte ich meine Aufmerksamkeit mehr auf die Handlung, die wirklich unterhaltsam ist und zudem noch eine Botschaft hat, für die man heuer auf Motivations- und Lifecoach-Seminaren empfindlich zur Kasse gebeten wird. Dass George Lucas damals schon wusste, worauf es wirklich ankommt, verdient Respekt!

Die Teile aus den späten 1970 / frühen 1980er wurden zwar aufgemotzt, aber mir gefällt der verbliebene altmodische Touch, der nicht halb so lächerlich wirkt wie die Pappmachee-Kulissen und Klamotten aus "Star Trek", der Serie (auch das hat kultigen Charme). Meine Lieblingsfigur ist momentan der zottelige Chewbacca. Irgendwie erinnert er mich an den ängstlichen Löwen aus "Der Zauberer von Oz", so wie der sprachenbegabte Goldjunge C-3PO an den Blechmann mit Herz (aber wer ist dann die Vogelscheuche? Han Solo?^^).

Leider hatte Peter Cushing im ersten Teil ja nur einen ebenso kurzen wie eindrucksvollen Auftritt. Kaum zu glauben, dass der Mann als ausgesprochener Kinderfreund galt, wenn man nur seine Rollen und sein habichtähnliches Aussehen kennt, das alles andere als vertrauenswürdig wirkt.^^





Meine Schwärmerei für Harrison Ford kann ich heute nicht mehr wirklich nachvollziehen, aber ein guter Schauspieler war und ist er als Han Solo allemal noch. Ich mag auch die tragische, vor Gram keuchende Figur von Darth Vader und kann es kaum abwarten, zu erfahren, wie es zu seiner Abtrünnigkeit und der Rebellion gegen die gute Seite der Macht und seinen Meister Obi-Wan Kenobi kam. Insofern bin ich auch auf die neuen "alten" Teile gespannt.


Bildquelle: www.thinkgeek.com




Mittwoch, 22. Januar 2014

Zeichnen mal anders



Ganz unbegabt bin ich nicht, was Zeichnen und Malen angeht, obwohl ich es in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt habe, nicht nur zugunsten des Schreibens, sondern auch aus Faulheit. Natürlich zeigt sich eine ungeübte Hand beim Ehrgeiz, ein perfektes Porträt oder Tiere und Gegenstände in korrekter Perspektive zu zeichnen. Meist war ich dann nach den ersten fünf, maximal zehn Minuten frustriert und fand meinen kläglichen Versuch nur noch reif für den Papierkorb, möglichst in kleinsten Fetzen, damit niemand sonst ihn sieht.

In den letzten Tagen habe ich das Zeichnen auf neue Weise erfahren. In Vorbereitung auf unseren Kurs im Februar haben wir uns vorgenommen, von "innen heraus" statt von außen etwas aufs Papier zu bringen, mitunter sogar beidhändig und "blind". Da war es nötig, von Vorstellungen abzurücken, die dazu führen, dass man immer zur gleichen, bevorzugten Farbpalette greift, die gleichen Formen und Schnörkel zeichnet und überhaupt bestrebt ist, ein Bild zu fabrizieren, das allgemeines wohlwollendes Kopfnicken der Betrachter einheimst. Man wundert sich, wie sehr beide Hände miteinander korrespondieren, wenn sie gleichzeitig beschäftigt sind, so dass es kleiner Tricks bedarf, mit der linken ein anderes Muster zu gestalten oder Linien zu ziehen als mit der rechten, die die Arbeit automatisch spiegelverkehrt ausführt. Probiert es mal. Ihr werdet staunen.

Zuerst hatte ich Schwierigkeiten, mich auf etwas einzulassen, das nicht in Grundzügen steht bzw. geplant wird ("Ich zeichne jetzt ein Haus!") oder das völlig meiner Arbeitsweise widerspricht. Und plötzlich wurde es doch extrem spannend, zu beobachten, was sich mit mal langsamen und dann wieder schnellen Strichen von Kreiden und Kohlestiften entwickelte, ohne dass ich willentlich etwas dazu beisteuerte. Vieles gefiel mir anfangs nicht so sehr, und ich hätte das Bild gern weggelegt oder unwiderruflich entsorgt. Aufgeben wollte ich aber auch nicht gleich, also habe ich mich ausgetobt. Über zwei Stunden lang an je einem Bild, mit Kaffeepausen dazwischen, aus verschiedenen Blickwinkeln und Drehen des Papiers, manchmal sachte und dann wieder mehr kraftvoll und fast aggressiv, ohne Rücksicht auf Verluste. Schön war auch das Gefühl, mal ganz für mich zu sein, allein mit Sam Cookes "Wonderful World" und meinen Experimenten. In eine andere Welt einzutauchen und sich auf nichts anderes zu konzentrieren. Das ist fast wie Geschichten erfinden.




Das Bild oben ist eine Kombination aus allen Aufgaben, die wir uns gestellt haben bzw. ich mir vornahm. Ein paar Schnörkel und gefällige Ornamente überleben trotz aller Bemühungen, aber das ist eben meine persönliche Note. Die wollte ich allerdings bewusst verändern, ausbrechen aus alten Mustern und Gewohnheiten. Im Resümee ist mir das auch recht gut gelungen, und ich bin schon ein bisschen stolz. Normalerweise zeichne und male ich nämlich ziemlich akkurat und naturgetreu. Wenn ich Farbe verwende, dann meist bunte. Hier habe ich mich zurückgehalten und mich mehr auf das besonnen, was mir weniger entspricht: Dezente Mischtöne, nur gelegentliche Farbtupfer und Akzente. Und selbst die kommen mir noch ein bisschen zu üppig daher.

Im nächsten Bild - einem erdachten Wohlfühlort - habe ich mich besser lösen können, denn es wirkt weniger zeichnerisch und beinahe schon wie ein Gemälde, wenngleich auch hier nur mit Kreiden, Kohle und Wasser zum Vermischen gearbeitet wurde. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der nicht noch ein kleines Finish braucht. Aber da ich mich bereits gut und zufrieden fühle beim Betrachten, ist die Aufgabe wohl einigermaßen gelöst. 

Eines wurde mir klar, als ich beide Bilder habe entstehen lassen: man sollte sich Zeit lassen beim Arbeiten, den Mut haben, Skizzen zu übermalen und vor allem jedem Werk eine Chance geben. Denn keine Kunst ist schlecht. Nur eben nicht jedermanns Geschmack. Und es hat etwas Befriedigendes und Befreiendes, sich selbst überraschen zu können mit Dingen, zu denen man sich nicht fähig geglaubt hat.





Samstag, 18. Januar 2014

Too hot to handle ~ Chicago Fire

Außer "Sherlock" und Benedict Cumberbatch gibt es für mich noch ein weiteres *Guilty Pleasure*, und das ist der australische Schauspieler Jesse Spencer (kaum zu glauben, dass ich das jetzt zum ersten Mal erwähne!). Infiziert habe ich mich mit dem Spencer-Virus beim "Dr. House"-Gucken, wo der süße Bub dem kreativen und raffinierten Dr. Robert Chase ein goldiges Gesicht und ein interessantes Profil verleiht. Und nicht zuletzt ein sonniges in der Serie eher seltenes Lächeln und wunderschöne, zum neidisch werdende Haare! Ehrlich, Jesse Spencer und sein Aussie-Akzent bewogen mich dazu, "House MD" eine Chance zu geben - zuerst habe ich die Serie eher skeptisch betrachtet.

 

 

Und weil ich Jesse nicht nur in seiner Rolle als Chase mag, sondern auch als Charakter-Darsteller in "Swimming Upstream" und ihn überhaupt gern sehe, haben wir seit kurzem die erste Staffel seines neuen Erfolgs-Hit "Chicago Fire" auf DVD. Vom Hocker hauen mich die ersten Folgen nicht. Ich muss gestehen, dass mir Jesses Imagewechsel und sein "hottes" Aussehen nicht mehr so gut gefallen. Die Begeisterung der vielen vorrangig weiblichen Fans ist mir bis jetzt noch unbegreiflich. Wo ist mein niedlicher, ein bisschen schüchtern und linkisch wirkender Aussie-Doktor mit Tiefe hin?

Angefangen von dem sträflich kurzen Haarschnitt über den fürchterlichen Akzent bis hin zu den gestählten Muskeln hat Jesse sich total verändert. Schön für ihn, wenn er damit glücklich ist und er seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen kann. Und trotzdem fand ich ihn als Dr. Chase charakterlich besser und vielschichtiger. Klar, als Feuerwehrmann, einem *Held der Nation*, muss man aufrecht-hölzern, diszipliniert und moralisch unantastbar sein. Und wohl auch ein bisschen langweilig und ein Spielverderber. Obendrein hat er nur zwei Gesichtsausdrücke in Petto: waidwund oder empört. Und wenn er seinen Kollegen männlich-kernig-lobend zunickt, eine Mischung von beiden.

Erstaunlicherweise gibt es Figuren in der Serie, die mir auf den ersten Blick gar nicht sympathisch waren (zum Beispiel Lady Gaga-Gspusi Taylor Kinney, der bei jeder Gelegenheit sein Six- oder Eightpack in die Kamera hängen muss), und die mir nun aufgrund ihrer Macken und Fehler authentischer vorkommen als der perfekte Lt. Matthew Casey.

Aber mir ist zu viel Action in Chicago Fire, zu viel Krach und zu viel nackte Männerhaut. Nicht dass ich schöne Körper nicht zu würdigen wüsste - wenn aber jedes muskelspielende Mannsbild immer wirkt, als tappe es gerade aus der Dusche, wird das irgendwann eintönig und fast penetrant, so als wolle man den Zuschauerinnen auf die Nase binden, was für toll durchtrainierte Bodies die Hauptdarsteller im Besonderen und Feuerwehrleute im Allgemeinen zu bieten haben. Viel mehr habe ich bisher auch nicht feststellen können... andererseits ist es zur Abwechslung mal ganz erholsam, nicht so scharf mitdenken zu müssen beim Fernsehen.^^

Außerdem finde ich die Herzlichkeit und die eher simplen Gemüter der meisten Charaktere gar nicht mal so unattraktiv. Und Jesse ist immer noch schnuckelig. *Butch* hin oder her.







Freitag, 17. Januar 2014

Toleranz: Nicht nur im Duden ein Fremdwort.

Es muss einfach mal raus: die derzeit hitzige Hitzlsperger-Debatte und Schlagzeilen über die geforderte Offenheit zum Thema Homosexualität in Schule, Freizeit und Beruf gehen mir auf den Senkel. Warum? Weil ich finde, dass ein Outing eines Fußballstars und auch die Einführung von "Schwule sind genauso Menschen wie wir" im Unterricht weder mutig noch fortschrittlich sind. Erstens geht es mich nichts an, welche Art Privatleben bzw. sexuelle Vorlieben ein Promi oder der Nachbar hat - das ist mir sowas von schnurz, so lange er mir nicht damit schadet. Und zweitens: Selbst wenn ich ihn nicht leiden könnte, wäre das kein Grund, ihn entweder anzugreifen oder besondere Rücksicht zu üben, weil er - Entschuldigung -  "im Bett eben anders ist", was immer das sein mag. 

 

Pixabay / marcelkessler

 

 Sogar die Glückwünsche zu Hitzlspergers "Geständnis" sind irgendwie peinlich. Als wäre es ein besonderes Verdienst, sein intimes Privatleben als Prominenter an die große Glocke zu hängen. Keiner hat ihn doch dazu gedrängt, und ob es im Profisport etwas ändert, wage ich zu bezweifeln. Für mich zeugen beide Reaktionen - Glückwünsche und Abscheu - von Intoleranz. Wäre die Welt toleranter, dann gäbe es keine Aufregung über Homosexuelle, Andersdenkende, Andersgläubige und auch Andersartige.

Weshalb kann man nicht locker und entspannt jedes Individuum so nehmen, wie es nun mal ist, ohne es an den eigenen, verqueren Vorstellungen zu messen? Ich finde das traurig. Vielleicht auch, weil ich selbst mindestens einer Randgruppe (allein der Begriff klingt scheußlich) angehöre, die bei gewissen Menschen entweder "Du bist was Besonderes!"-Gefühle oder "Du Loser!"-Ressentiments hervorruft. Dabei tragen doch gerade die Vielfalt und das Anderssein der Mitmenschen zu persönlicher Bereicherung bei und bauen vielleicht (und hoffentlich) sogar Vorurteile ab. Männliche Homosexuelle greifen nicht jedem Kerl an den Hintern, auch wenn das das gängige Klischee ist - schon mal daran gedacht, dass sie vielleicht auch so etwas wie Romantik und Treue kennen? Dass Heteros sich auch mal in das gleiche Geschlecht vergucken oder ein schwuler Mann sich in eine Frau verlieben kann bzw. umgekehrt?

Das ist evtl. eine recht provokante These, aber ich glaube, man wird nicht homosexuell geboren, sondern durch Umstände und Einflüsse geprägt. Ich habe das selbst in meinem Bekanntenkreis erlebt. Da wurde die jahrelang treue Ehefrau lesbisch, weil ihr Vater zu streng war und der spätere Mann ihr nicht genug Beachtung geschenkt hat. Sie lebt jetzt glücklicher in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft - zumindest, als ich das letzte Mal von ihr hörte. Ist es an mir, das zu bewerten oder zu verurteilen? Bestimmt nicht. Es steht mir auch nicht zu, es laut herauszuposaunen. Schließlich ist das ihre Sache und die ihrer Lebensgefährtin und geht mich nichts an. Ich möchte nicht wissen, wie ein homosexueller Alltag aussieht, genauso wenig wie ich von einem Heteropaar erfahren möchte, wie oft und auf welche Art sie in der Woche Sex haben.

Aber ich hätte gern, dass diejenigen, die aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit von der breiten Masse beschimpft, verspottet und physisch und psychisch gequält werden, akzeptiert werden wie alle anderen, die sich durch "nichts Besonderes" von der "Norm" abheben. Kurz gesagt, ich plädiere für weniger bis gar kein Bohai um "Freaks". Auch und gerade für solche, die nichts dafür können, dass sie zur Zielscheibe von engstirnigen Terror-Teenagern auf Schulhöfen und daraus resultierenden kleinlichen, gehässigen Erwachsenen im Job werden.

Dazu bräuchte es meinetwegen keine politischen Reformen, spezieller Unterricht in den Schulen, übertriebene Political Correctness oder Gesetze für Randgruppen, die eh nicht eingehalten werden. Sondern neben der entsprechenden Erziehung nur Respekt, Toleranz und gesunder Menschenverstand. So schwer kann das doch nicht sein.

P.S. Schade, dass man einen *Schokokuss* nicht mehr Negerkuss nennen kann, ohne schief angeguckt zu werden. Schwarze küssen nämlich auch echt lecker... (O;




Mittwoch, 15. Januar 2014

Rezension "The Sign of Four"


"The Sign of Four" ist nach "A Study in Scarlet" der zweite Fall des viktorianischen Meisterdetektivs und seines Adlatus Dr. John Watson. Ich habe den Roman in der abgebildeten Ausgabe zum Weihnachtswichteln auf dem Büchertreff erhalten und ihn Anfang Januar - passend zur Ausstrahlung der adäquaten Episode der Serie - im Rahmen einer Online-Minileserunde gelesen.

Handlung: Die junge Mary Morstan sucht Sherlock Holmes mit einem mysteriösen Anliegen auf: Jedes Jahr zum vierten Mai erhält sie per Post eine wertvolle Perle von einem anonymen Absender, der nun auf ein persönliches Treffen in Begleitung zweier Freunde drängt. Auch zeigt sie Holmes ein Dokument, unterzeichnet mit dem "Zeichen der Vier", das sie in den Unterlagen ihres verstorbenen Vaters Captain Morstan gefunden hat. Holmes und Watson nehmen sich des Falles an und stoßen dabei auf Familienunstimmigkeiten, einen indischen Schatz, skurrile Typen und kleine gemeine Ureinwohner Südamerikas, die mit Giftpfeilen um sich schießen. In den seltenen Atempausen, die einem die Geschichte lässt, entdeckt Dr. John Watson seine romantische Seite und verliebt sich in die Klientin.

Als Holmes und Watson endlich der Lösung des Rätsels näherkommen, erleben sie eine Enttäuschung für alle Beteiligten, die sich am Ende als Glück für das frisch verliebte Paar herausstellt...

Meinung: Es ist offensichtlich, dass Arthur Conan Doyle sich bei "The Sign of Four" noch sehr stark an seinem Erstling orientiert hat. Das Geständnis des holzbeinigen Jonathan Small - einer der Vier - erinnert jeden aufmerksamen Leser unversehens an das des rachsüchtigen, aber tragischen Jefferson Hope. Auch Small reist um die ganze Welt, um zu seinem Recht zu kommen. Er ruht nicht eher, als bis er mit eigenen Augen gesehen hat, wie sein eidesbrüchiger Partner Major Sholto in die Grube fährt.

Amüsant waren für mich wieder einmal die kleinen Referenzen zur aktuellen Serie ("Agra" und der junge Wiggins), die das Lesevergnügen für jeden Fan noch steigern. Erstaunt bin ich auch bei jeder noch so kurzen oder langen Holmes-Geschichte, mit wie viel Details und forensischem, kriminalistischem und allgemeinem Wissen Doyle seine Protagonisten ausstattet. Dabei kommt jedoch nie das Persönliche oder die beinahe poetischen Beschreibungen des viktorianischen Londons oder anderer Orte zu kurz. Ein bisschen gruselig wird es hin und wieder ebenfalls.

Etwas grenzwertig, aber Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch nicht so verwerflich wie heute, erscheint mir Holmes' Neigung, sich mit Kokain zuzudröhnen, sobald ihn die Langeweile zu übermannen droht, was am Anfang und auch am Schluss der Geschichte der Fall ist. Nicht einmal die Mahnung und fachkundige Prophezeiung seines besorgten Freundes können ihn davon abhalten.

Fazit und Bewertung: Zeitlos spannend, unterhaltsam und ein Ende, mit dem ich ganz ehrlich nicht gerechnet habe! Sicher dauert es nicht lange, bis ich zu meinem nächsten Holmes-Abenteuer greife.



👍👍👍👍



Montag, 13. Januar 2014

Sherlock "His Last Vow" ~ "Sein letzter Schwur" Finale der dritten Staffel (Spoiler???)


"I don't understand", sagte Watson zu dem fiesen Magnussen.

Ja, mein lieber Watson, ich auch nicht. Wenn zwei oder drei Superhirne und hochfunktionsfähige Soziopathen aufeinandertreffen, sind alle anderen die Dummen. Ehrlich, das war mir zu hoch. Vergleichbar mit der ersten Folge von Staffel Zwei, die ich auch nie wirklich kapiert habe. Die mit "The Woman". Manche Stories sind einfach zu *cleverclever* für mich, und oh, was war ich froh, dass ich nicht die Einzige war, die absolut nicht gerafft hat, was das alles zu bedeuten hatte.




Meine Vorahnungen haben sich zumindest teilweise bestätigt, aber der Rest ist Schweigen. Ich würde sehr gern ein wenig näher auf die Handlung eingehen, aber um nicht zu spoilern bzw. meine Unwissenheit zuzu- und mir selbst eine Blöße zu geben (schließlich ist Wissen Besitz, wie der böse Magnussen so treffend bemerkte), muss ich mich kurz fassen.

Eine Enttäuschung erster Güte war Charles Augustus "Can I flick your face?" Magnussen. Vom ersten Moment an fand ich ihn extrem abstoßend, und es scheint, dass man in Skandinavien keine Manieren beigebracht bekommt. Wer leckt denn einer fremden Frau das Gesicht ab? Igitt! Vielleicht lag es aber auch daran, dass er im echten Leben der große Bruder von Hannibal ist, und der hat ja bekanntlich alle Menschen zum Fressen gern.

Die Rolle und Bedeutung von Mary ist mir immer noch nicht klar. Wohl hat sich herausgestellt, dass John Watson sich unweigerlich von Psycho- und Soziopathen angezogen fühlt und nichts dagegen tun kann, aber warum hat sie auf Sherlock geschossen, wenn sie eigentlich die verhängnisvollen Informationen auf dem USB-Stick von Magnussen haben wollte? Hinterher stellt sich dann heraus, dass es ihr leid getan hat und ihr keine andere Wahl blieb. Kann mir jemand erklären, weshalb? Ich muss irgendwie kurz weg gewesen sein. Apropos: Die Sequenz, in der Sherlock außer Gefecht gesetzt wird und das folgende Gedöns im Krankenhaus war mir zu lang und ausgewalzt. Schon toll, was man mit Tricktechnik alles machen kann, aber übertreiben sollte man es nicht, weil sonst der Plot ins Hintertreffen gerät und noch konfuser wird als ohnehin schon. Das hat mich irgendwie unangenehm ans neue experimentelle "Tatort"-Format erinnert.

Die große Überraschung gab es dann doch: der bereits von mir abgeschriebene Moriarty erscheint Sherlock in einer Art Gummizelle und macht ihm klar, dass er sich nicht gehen lassen kann, weil er John retten muss. Sherlock gehorcht und löst nebenbei noch sein Gelübde gegenüber dem Ehepaar Watson ein, das er in "The Sign of Three" feierlich gegeben hat. Bevor die Regierung respektive Mycroft ihn dafür des Landes verweist, generiert Sherlock geschickt zum richtigen Zeitpunkt seine Tumblr-Warteschleife, in der Moriarty außer auf Tumblr zudem in den Nachrichten und auf Billboards erscheint. Da niemand anderes mit dem Kindskopf fertig wird als the great detective himself, und Moriarty obendrein nicht nur für John, sondern auch für Krone und Vaterland eine Gefahr darstellt, pfeift Mycroft das schlaue Brüderchen zurück.

Bennys Spiel war toll. Ich mag ihn einfach, sein Talent, sein Aussehen, seine Samtstimme und die Eleganz, die er an sich hat. Zu seinem Sherlock bleibt nicht viel mehr zu sagen, als dass er ihn genial verkörpert. Außerdem würde frau zu gern mal ehrfürchtig seufzend über seine mal mehr und mal weniger glatte Alabasterbrust streichen...

Louise Brealey alias Molly Hooper war mir in der Folge zu moralisch und zu streng. Irgendwie werde ich mit der Figur generell nicht warm. Herzig dagegen wieder die Cumberbatches - die häuslichen Szenen an Weihnachten fand ich zu süß, besonders den Papa mit seiner roten Fliege und Mama, die ihre beiden erwachsenen Söhne beim Rauchen ertappt.

Ansonsten fand ich, dass zu viel heiße Luft um die Episode gemacht wurde, denn so berühmt war sie nicht. Und Gatiss und Moffat haben uns tatsächlich verschaukelt: Es hieß doch, dass Moriarty nicht überlebt. Wenn sie jetzt beide - Moriarty und Sherlock - ihren Tod vorgetäuscht hätten, wäre das schon ein bisschen lahm. Allerdings würde ich mich auf mehr Andrew Scott in der nächsten Staffel total freuen - er erweist sich in meinen Augen als Schurke mit größerem Format als Lars Mikkelsen.

Bester Anmach-Spruch: "Sherlock is actually a girl's name."






Donnerstag, 9. Januar 2014

Der Medicus. Mittelalter-Melodram (milde Spoiler)

Gute Vorsätze habe ich für das neue Jahr nur solche gefasst, die mir wortwörtlich gut tun. Das heißt, ich möchte mich nicht einschränken oder bestrafen, indem ich verzichte, sondern ich möchte gewinnen. In jeder Beziehung. Darum war einer meiner ersten Vorsätze, wieder öfter ins Kino zu gehen.

Einen Gefallen habe ich mir mit meinem ersten Leinwand-Film des Jahres 2014 nicht getan. "Der Medicus" besticht vielleicht mit internationalen Namen wie Ben Kingsley (eigentlich immer ein Garant für anspruchsvolle Unterhaltung) und großäugig blickenden Jünglingen, aber mehr hat er nicht zu bieten. Erstaunlich, wie lang zweieinhalb Stunden sein können, wenn man das Ende selbiger herbeisehnt.

Ich muss erwähnen, dass ich den Bestseller von Noah Gordon nicht kenne (ich Kulturbanause!), und das war vielleicht sogar noch mein Glück, denn sonst hätte ich mich unnötig im Sessel gewunden und meine Stuhlreihen-Nachbarn mit verächtlichen oder empörten Kommentaren genervt. Nicht einmal die Bilder haben mich beeindrucken können, von der zerfahrenen Story und dem nicht vorhandenen Plot ganz zu schweigen.  Statt auf der Leinwand hätte ich mir "Der Medicus" eher als einen Fernseh -Zweiteiler à la "Pilgerin" und "Wanderhure" vorstellen können - das hätte meinen Geldbeutel geschont und mich vor gähnender Langeweile bewahrt.




Von Charakterentwicklung oder ernsthafte Einblicke in die damals in Europa noch neuartige Medizin war nichts zu sehen und zu spüren, dafür zu viel von einem Gary Stu, wie er im Buche steht (Wundergabe, ungewöhnliche, aber der Wissenschaft dienliche Einfälle und Ideen und daher der Liebling des Hakims), während ein Klischee nach dem anderen herangezogen wurde, um die Beschwerlichkeit der Reise von England nach dem Orient zu betonen und die Unterschiede der Religionen.

Dass die jüdische Prinzessin aus dem Karawanenzug noch schwanger wird vom jugendlichen Held und ihr Retter und verabscheuter Ehemann der Pest zum Opfer fällt, war dann wirklich das Tüpfelchen auf dem I. Seifiger kann man einen Film kaum machen. Ich frage mich, ob im Buch das Ende genauso zuckrig und vorhersehbar ist. Rosamunde Pilcher im Mittelalter! Hilfe!

Die Schauspieler fand ich bis auf Sir Ben Kingsley wenig markant. Und irgendwie war dessen Schauspielkunst für den Schmarrn fast vergeudet. Der Hauptdarsteller Tom Payne war ja ganz nett anzusehen, aber das allein reicht eben nicht, um mich bei Stange zu halten. Es war deutlich zu merken, dass der Film zwar ambitioniert gedreht, aber der 850-seitigen Vorlage bei weitem nicht gerecht wurde. Als Autor hätte ich bei diesem Projekt mein Veto eingelegt. Aber vermutlich verkauft sich das über fünfzehn Jahre alte Buch jetzt wieder wie geschnitten Brot. Das ist dann ja auch was wert.

Bewertung:

👍


Bildquelle: Pinterest



Montag, 6. Januar 2014

Sherlock "The Sign of Three" ~ "Das Zeichen der Drei", zweite Folge der dritten Staffel (Spoiler)

Na gut, an die etwas "familiäre" Qualität der Serie und den diesmal um Nuancen gedämpfteren Fanservice habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Will sagen, es stört mich nicht so sehr, dass der Kriminal-Fall (diesmal ging es so ganz nebenbei um John Watsons ehemaligen Vorgesetzen Major Sholto) im Gewirr von Hochzeit, emotionaler Trauzeugenrede und rasanten Kameraschnitten und technischen Sperenzchen fast unterging. Statt auf das zu achten, was mir nicht so gut gefallen hat, habe ich mir vorgenommen, die positiven Aspekte der Folge hervorzuheben, und von denen gab es erstaunlicherweise doch einige.

Die Szene, in der Sherlock die Hochzeitsgäste durch seinen erst peinlich-cringeworthy Toast auf John (und Mary *ach ja, die gibt es auch noch* Morstan) zu Tränen rührt, war einer davon. Ich war wider Willen ebenfalls beeindruckt und hätte Sherlock wie John am liebsten in den Arm genommen, als er sich so verunsichert an seinen Freund wendet, nachdem er doch so viel Anstrengung in die Rede gesteckt und sich akribisch auf den Tag und jedes Detail daran vorbereitet hat, von der bestochenen Umarmung eines altklugen Kindes bis zum Pirourettendrehen! Putzig!




Außerdem fand ich es irgendwie nett, wie in (manchmal etwas hektischen) Rückblenden von Fällen erzählt wurde, die Sherlock und John mehr oder weniger gelöst haben, und dass sie oft so skurril anmuteten (Abendessen mit einem Geist, Verfolgungsjagd eines Zwergwüchsigen, Elefant im Zimmer = Wortspiel).

Die Menschlichkeit, die Sherlock in der dritten Staffel zeigt, wird ihm ja von einigen Fans angekreidet, aber ich finde, er ist sich den Umständen entsprechend treu geblieben. Wer würde denn nicht ein bisschen schwach werden, wenn man fürchten muss, dass der beste Freund einem durch Heirat entgleitet? Gerade für den ansonsten wenig sozialen Sherlock wäre das wohl ein herber Verlust. Apropos: Wie er sich noch einmal in einem Nebensatz bei John für dessen Verlust (Sherlocks Verschwinden) entschuldigt hat, war trotz der damit demonstrierten Überheblichkeit niedlich.

Mein Höhepunkt war aber der Junggesellen-Abschied, für den sich Sherlock ebenfalls mächtig ins Zeug gelegt hat. Erst einmal bringt er eigene "Gläser" mit geringerem Fassungsvermögen mit (den Witz dabei habe ich nicht recht verstanden. Sollte er auf Sherlocks penible Art hinweisen?), und dann betrinkt er sich hemmungslos mit John auf einer *mörderischen* Kneipentour. Großartig, wie das gespielt war von beiden. Hier fand ich auch die Verdeutlichung der beeinträchtigten Gehirnaktivität zum Brüllen, als sie zu einem Fall gerufen werden ("Egg?? Chair??? Sitty thing????") und Johns Erklärung "He's clueing for looks", während Sherlock mit der Lupe vor der Nase fast auf dem Teppich einschläft und schließlich zusammensackt.

Die etwas täppische Komponente an Sherlock gefällt mir sehr gut, auch wenn ich mich anfangs gefragt habe, woher er Madonna kennt, die er Watson beim "Wer bin ich?" auf die Stirn gepappt hat. Keine Ahnung vom Sonnensystem, aber Popmusik hören... das passt nicht so recht zusammen, oder? (Okay, hier ist die Lösung: "I don't know who you are, I just picked a name from the papers...")

Und jetzt kommt's: der Mega-Spoiler und eine gewagte Theorie dazu: Ich glaube nicht, dass das Baby, das Mary erwartet, von John ist. Wie ich darauf komme? Sherlock hat Mary in der ersten Episode als Lügnerin entlarvt, und zudem liest er einen Glückwunsch auf der Hochzeitsfeier vor, der ziemlich rätselhaft ist und mit "CAM" unterzeichnet wurde. Versierte Fans ahnen, dass sich dahinter die Initialen für Charles Augustus Magnussen verbergen, der in der nächsten Folge einen oberfiesen und grausigen Auftritt haben wird. Und der sieht wirklich finster aus. Nichts mehr mit Slapstick und Johnlock und Babies. Es sei denn, Mary stirbt, und John und Sherlock müssen Baby Hamish als gleichgeschlechtliches Ehepaar erziehen. Das wäre aber wieder zu sehr Fan-Service...

Physisch und schauspielerisch ist Benny in dieser Folge in Höchstform, und ah... ich kann es mir nicht verkneifen: der Mann sieht einfach klasse und so elegant aus! Im Fazit schneidet diese Folge bei mir besser ab als "The Empty Hearse."


Gif: Tumblr




Samstag, 4. Januar 2014

Rezension: Mord auf vier Pfoten ~ Lilo Beil

Aufmerksamen Lesern meines Blogs wird noch in Erinnerung sein, dass wir in der Vorweihnachtszeit die Autorin Lilo Beil zu einer Lesung eingeladen hatten. Die war sehr unterhaltsam, und ich habe besonders Lilos sympathische Art und ihr Vorlese-Talent bewundert. Auch wenn es vielen selbstverständlich vorkommt für einen Autor: vor Publikum laut und gut zu lesen und die Geschichten mit schauspielerischem Talent und persönlichen Anekdoten zu würzen, ist nicht jedermanns Sache.

Natürlich habe ich mir ihr neuestes Werk dann auch gesichert. 

Inhalt: Das Buch ist aufgeteilt in 22 Kurzgeschichten, in denen Herrchen und Frauchen mit ihren jeweiligen Hunden bzw. Katzen eine untergeordnete Rolle spielen - die Erzählerrolle übernehmen die normalerweise schreibuntüchtigen vierbeinigen Hausgenossen, die menschliche Abgründe aufdecken und sogar mal zur Selbsthilfe bzw. dem Giftschrank greifen. Filmfreaks und Vielleser kommen aufgrund der vielen Hommagen an bekannte Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart voll auf ihre Kosten. Sogar Columbos Basset "Hund" berichtet von einem zunächst aussichstloslosen Fall, der nur dank seiner feinen Spürnase gelöst werden kann. Aber auch Lokalkolorit aus der Pfalz und Heidelberg findet seinen Platz.






Meinung: Ich bin zwiespältig, wie ich das Buch bewerten soll. Zunächst war ich begeistert von Lilos Art, zu formulieren. Die Geschichten lesen sich flüssig, sind überraschend schwarzhumorig, manchmal auch schockierend und anfangs sehr einfallsreich, auch die abgewandelte Form des Märchens vom Fischer und seiner Frau oder die Verbeugung vor Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof". Besonders gefallen hat mir die originelle Story des Katers Oskar, dem der neue Untermieter ein Dorn im Auge ist, weil sich das Frauchen in sein Oskar-Werner-Aussehen verliebt und nicht erkennt, dass er Böses gegen sie im Schilde führt. Als der schlaue Kater den bösen Nachbar überführt, erfährt er zum Dank eine Namensänderung. Gut, dass Frauchen außer für den österreichischen Schauspieler auch noch für einen berühmten irischen Dichter schwärmt...

Ein wenig einseitig fand ich das Muster, mit dem Menschen und auch Tiere charakterisiert werden. Der Mann ist stets der Treuherzige, Angeschmierte mit einem ebenso treuen, grundlos schuldbewussten Hund, während Frauen meist als egoistische Luxusweibchen mit hinterlistigen, verschlagenen Katzen beschrieben werden. So bot sich wenig Überraschendes, was den Charakter der handelnden Personen und Tiere betrifft. Das hat mich nach etwa der Hälfte des Buches doch ein wenig gestört.

Fazit und Bewertung: Nette Unterhaltung, und ganz bestimmt ein kurzweiliges Leseerlebnis für diejenigen, die schon immer wussten, dass Hunde die besseren Menschen und Katzen zwar schlauer als Menschen, aber gemeiner und raffinierter als Hunde sind. Da ich mich dem ganz und gar nicht anschließen kann, gibt es von mir 


👍👍👍




Freitag, 3. Januar 2014

Ein Grund zum Feiern!

Nicht nur Rennfahrer-Legende Michael Schumacher (von Herzen gute Besserung, Schumi!), Filmstar Mel Gibson und der Herr der Ringe J. J. Tolkien haben heute Geburtstag: seit genau einem Jahr blogge ich auf Google, und das regelmäßiger, als ich es je für möglich gehalten hätte.

Und was wäre ein Blog ohne Leser? Auch da wurden meine nicht-existenten Erwartungen übertroffen - meine Statistik ist mit ca. tausend Besuchern im Monat überraschend hoch. Alle, die den Sinn und Unsinn meines Blogs mitverfolgen, will ich daher mit einem kleinen Gewinnspiel belohnen und verlose meinen Debütroman "Das Bildnis des Grafen", eine Mischung aus Grusel und historischem Krimi.





Teilnahmebedingungen:

Nennt mir ein prominentes Geburtstagskind vom 3. Januar außer den oben erwähnten und schickt die Antwort zusammen mit eurer Postanschrift unter dem Betreff "Quiz" bis zum 10. Januar an chris009@gmx.net.

Um 20.00 Uhr am Stichtag wird das Los entscheiden. Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück und würde mich nach dem Beenden der Lektüre riesig über eine Rezension auf Amazon und eurem Blog (sofern vorhanden) freuen! Bitte gebt in eurer Mail an, ob ihr den Roman mit Widmung haben möchtet.


~~~


Weitere Regeln: 

- Eure Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben und nur zum Zweck des Gewinnspiels benötigt. Nach der Verlosung werden sie gelöscht.
- Ich versende deutschlandweit. Ins Ausland verschicke ich nur, wenn das anfallende Porto erstattet wird.
- Falls das Päckchen auf dem Postweg verloren geht, übernehme ich keine Haftung.





Donnerstag, 2. Januar 2014

Sherlock "The Empty Hearse" ~ "Der leere Sarg": Fan-Service hoch 3 (Spoiler-Alarm!)

Ich mach's kurz und werde mal wieder meinem Ruf als Spaßbremse gerecht: Das, was BBC One am Neujahrstag um 21:00 Uhr Ortszeit gezeigt hat, war nicht das, auf das ich über ein Jahr gewartet habe. Ich hatte ja gar nicht damit gerechnet, einen funktionierenden Livestream zum britischen TV-Programm zu finden (habe Tumblr unterschätzt), und war dann freudig überrascht, doch zu den Auserwählten in diesem Land zu zählen, die "The Empty Hearse" schon vor der deutschen Ausstrahlung sehen durften.

Den Anfang hatte ich dank schlechter Verbindung nur bruchstückhaft auf dem Bildschirm und habe ihn erst für einen Armani- oder Hugo Boss-Parfüm-Werbespot gehalten.


Ja, okay, es stimmt. Ein bisschen neidisch war ich auch, als mir klar wurde, dass nur einer so wilde und zugleich gepflegte Locken haben kann... der sonst so kühle Sherlock küsst Molly! Zwar nur hypothetisch, aber es war der erste *Fan-Wank* für die "Sherlollys" (Himmel, das ganze Fangirlish klingt wie eine eigene Sprache!), derer es merkwürdigerweise nicht wenige gibt.

Munter weiter ging's im Fan-Vera***en, und das völlig ungeniert (ich sage nur "Moriarty auf dem Dach" - WTF?!).

Ich will mich wirklich nicht als humorlos outen oder den Leuten den Spaß an der Folge verderben, die super ankam. Aber ich fand es schon ein bisschen erstaunlich, dass niemand die plumpe Fanparodie kritisch betrachtet. Es ist Unterhaltung, klar, und trotzdem. Euphorische Internetausrufe wie "Guys, we are Anderson!" wären für mich wenig schmeichelhaft, denn er scheint mit seiner fanatischen Überzeugung über Sherlocks Überleben, dem hysterischen Gebaren und vor lauter "Sherlolly-Shippen" nicht nur seinen Job bei Scotland Yard, sondern auch den Verstand verloren zu haben.

Intelligentes Fernsehen sieht in meinen Augen anders aus. Wie schön war es, als Sherlock noch arrogant, aber auch erfrischend naiv sein durfte und sich einen Dreck darum geschert hat, was andere über ihn denken. Moffat und Gatiss ist das offenbar nicht egal, darum werden tausende Klischees aus Fanfiction und Forumsdiskussionen bedient, die dort ihren berechtigten Platz haben, aber - wie ich meine - nicht in die Serie gehören. Denselben Fehler habe ich schon bei "House MD" festgestellt. Es täte mir leid, wenn "Sherlock" auf ähnliches Niveau absinkt. Dann könnte man im Prinzip gleich uns Fangirls bitten, die Drehbücher zu schreiben.

Zur wirren Handlung kann ich nicht viel erzählen und will auch nicht zu viel verraten. Bild- und Tonqualität meines Links waren nicht überragend, und manchmal merke ich halt doch, dass Englisch nicht meine Muttersprache ist. Ein paar Dinge, die offenbar wichtig waren, sind mir total entgangen, wie z.B. der tiefere Sinn des Bombenattentats im U-Bahn-Waggon aka Leichenwagen, das in letzter Minute verhindert wurde, als John Watson Sherlock in seinen Mind Palace scheucht, bei dem eigentlich keine Zuschauer erwünscht sind (das ist wohl auch der Grund, warum es so lange dauert, bis Sherlock den Ausschaltknopf für die Zündung gefunden hat).

Zu Watsons und Holmes' erster Begegnung nach über zwei Jahren: Die Wiedervereinigung hatte ich mir anders und weniger brutal vorgestellt. Ich verstehe, dass sich echte Kerle nicht weinend in den Armen liegen können und Sherlock auch viel zu verlegen wäre, um Gefühle einzugestehen - und dass John als Ex-Soldat seine Zuneigung wohl auf unkonventionelle Art ausdrückt. Aber ständig Haue, musste das sein? Immerhin hat Sherlock ja vorgehabt, zurückzukommen - und er fragt ihn sogar im Angesicht der drohenden Explosion, ob er ihn heiraten möchte anstatt Mary (*GNAH*! - da hüpft das "Johnlock"-Herz!). Gut, dass die wenigstens vermittelnd einspringt, weil sie Sherlocks sprödem Charme erliegt. Wenn ihr das in der nächsten Folge bloß nicht zum Verhängnis wird. Denn wie sagt Sherlock so vorausschauend zu John: "Be careful what you wish for."

Wenn wir schon dabei sind: ich hätte mir eine Episode gewünscht, in der die Figuren mehr auf den Charakteren von Sir Arthur basieren und der Interpretation der Macher als auf den Hirngespinsten der Fans.

Eine Idee allerdings gab es, die meinen uneingeschränkten Beifall fand: das Cameo von Mr. und Mrs. Cumberbatch - ihres Zeichens ebenfalls Schauspieler - als Sherlocks Eltern. Das war wirklich originell und brachte neben Amanda Abbington (Martin Freemans RL-Partnerin) auch für Benny einen Hauch familiärer Atmosphäre ins Spiel.

Ansonsten bleibt mir zu sagen, dass ich es jetzt doch nicht so kurz gemacht habe wie geplant und dass ich hoffe, keinen Fan vor den Kopf gestoßen zu haben. "Sherlock" ist immer noch meine Lieblingsserie, und das wird auch so bleiben. Sicher wird die nächste Folge am Sonntag spannender und kehrt zur gewohnten Qualität zurück. Ich betrachte "The Empty Hearse" einfach als ein augenzwinkerndes Geschenk der Drehbuchautoren an allzu verrückte Fans, die vor Verzückung ob der visuellen Realisierung ihrer Sherlock-Fantasien die Höschen feucht gemacht haben. Und gut is'.


Gif: Tumblr.



Montag, 30. Dezember 2013

Jahresrückblick 2013 und Schumi

Wie immer zwischen den Jahren und Dollerei und Juxraketen werde ich ein bisschen melancholisch. Viel zu schnell gehen die 365 Tage eines Jahres vorüber, und immer schneller, je älter man wird. War nicht erst Silvester 2012? Komisch eigentlich, warum das jeder so empfindet. Ich habe zumindest noch keinen Erwachsenen das Gegenteil behaupten hören.

Pixabay / StefleiFotografie

Mein Jahr 2013 war keines, das mir aufgrund glücklicher Ereignisse im Gedächtnis haften bleiben wird. Viel wahrscheinlicher geht es als das Jahr der Umbrüche und Veränderungen in meine persönlichen Annalen ein - ich bin kein großer Freund von beiden, auch wenn man an Herausforderungen bekanntlich wächst.

Privat und beruflich hat sich einiges getan, auf das ich - wenn ich ehrlich bin - gut hätte verzichten können. So schön berufliche Narrenfreiheit ist, vermisse ich doch ein bisschen die Routine eines geregelten Arbeitalltages. Momentan bin ich noch dabei, meinen Platz zu suchen im neuen Konzept. Man sagt ja, aus Krisen gehe man gestärkt hervor - entweder trifft das nicht auf jeden zu oder meine Krise ist noch nicht komplett überwunden. Aber immerhin ist das, was schlimm gewesen ist, weitgehend überstanden oder hat sich als Mücke anstatt eines Elefanten herausgestellt. Natürlich hat man an so manchem Brocken noch zu knabbern; insgesamt bin ich jedoch froh und vor allem dankbar, dass meine Lieben gesund sind.

Wie zerbrechlich und was für kostbare Güter Wohlbefinden und Gesundheit sind, hat mir u. a. der Skiunfall von Michael Schumacher gezeigt. Obwohl ich ihn nicht persönlich kenne, tat mir die Nachricht über seinen lebensbedrohenden Zustand weh und beschäftigt mich immer noch, mehr vielleicht als es sollte. Ich wünsche ihm und seiner Familie alles erdenklich Gute und viel Kraft.

Auch an die Schwester einer Freundin denke ich oft, die dieses Jahr völlig unvermutet in eine Situation geraten ist, die Stärke von einem selbst erfordert und die Gnade unseres Schöpfers.

In diesem Sinn gehe ich mal mutig voran ins kommende Jahr (was bleibt mir anderes übrig? (O;) und hoffe auf ein leichteres, freudigeres als das letzte. In der Hauptsache wünsche ich mir einfach mehr Unbeschwertheit, die ich irgendwie und irgendwo zwischen 2010 und 2013 verloren habe.





Samstag, 28. Dezember 2013

Neues Jahr - neuer Platz. Für ein schmuckes Familienerbstück

Ein Beitrag in eigener Sache. Ich muss mich von einem Erbstück meiner Oma trennen. Leicht fällt mir das nicht, weil ich das zweiteilige Wohnzimmerbuffet aus Nussbaumholz immer noch schön und vor allem originell  finde. Die Krux dabei: es steht überall im Weg herum.




Der Stil (späte 1950er / frühe 1960er Jahre) passt nicht in meine viktorianisch anmutende Wohnung, so dass das edle Stück - übrigens ein Unikat meines Großvaters, der Schreiner war - zuerst ein Dasein im Keller und nun in einer Art Abstellkammer fristet. Trotzdem: ich habe es sehr gern gehabt und fände es schön, wenn es in gute Hände käme respektive an jemanden, der es zu schätzen weiß und nicht auf billige Massenware Made in China aus ist. Es ist ziemlich schwer, aber wie gesagt, man kann es auseinandernehmen.

Mein Vater bietet es auf ebay an, zum Startpreis von einem Euro. Um ehrlich zu sein, es täte mir leid, es zu diesem Preis weggeben zu müssen... obwohl es mir nach einiger Überredungskunst von seiten meiner Familie einleuchtet, dass es in beiden Wohnungen einfach zu dominant wirkt.

Es hat nur minimale Gebrauchsspuren, noch alle Schlüssel und Böden und einen kleinen Spiegel über der linken Schublade. Die verzierten Glasfenster sind verschiebbar. Früher hatte ich dahinter meine Porzellankatzen-Sammlung aufbewahrt. Der untere Schrank ist in zwei Fächer aufgeteilt und wurde von mir als Stauraum für große Brettspiele genutzt, während im oberen hauptsächlich Bücher und DVDs untergebracht waren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein neuer, netter Besitzer findet, der es so in Ehren hält wie ich.



Freitag, 27. Dezember 2013

Sherlock returns!

ENDLICH! Nach zweijähriger Durststrecke für die Fans der BBC-Serie kehrt Sherlock am Neujahrstag auf den (britischen) Bildschirm zurück! Einen Auftakt und Vorgeschmack auf die dritte Staffel gab es bereits am 24. Dezember mit der Mini-Episode "Many happy Returns", über die ich ehrlich gesagt nicht so glücklich war. Es kommt mir eigenartig vor, dass Sherlock John Watson über eine Videobotschaft "aus der Gruft" seine Rückkehr ankündigt. Ich meine, wo bleibt denn da der große Überraschungsmoment für den trauernden John? Auf der Strecke doch.

 


Aber vielleicht kann man die erste Folge auch ohne das im Hinterkopf genießen. Erlesene Testzuschauer haben jedenfalls einhellig befunden, dass man das unerwartete Wiedersehen zwischen Arzt und Detektiv nicht besser hätte machen können. Bin sehr gespannt - vor allem, wie Sherlock John seinen angeblichen Abgang vom Dach des St. Bart's Krankenhauses erklärt. Was er in der Zwischenzeit ohne John gemacht hat, wird wohl aus der Mini-Ep ersichtlich. Fürs Bienenzüchten in Surrey und sich dort aufs Altenteil zurückzuziehen, ist Benny-Sherlock eben zu energetisch...

Wer danach sucht, findet viele Spoiler über die kommende Staffel im Internet. Ich möchte hier gar keine posten, obwohl ich gegen den einen oder anderen Hinweis oder Infos nichts einzuwenden habe. Schade finde ich, dass Sherlocks Erzfeind Moriarty nicht mehr mit von der Partie ist. In der ersten Folge wird wohl in Rückblenden erklärt, wie genau Sherlock den von Moriarty erzwungenen Sturz überlebt hat, aber leider wird der geniale Andrew Scott von einem Bösewicht (oder zwei) ersetzt, der meiner Meinung nach nicht halb so gefährlich und bedrohlich wirkt. Aber bevor ich kritisiere, sollte ich es mir erst anschauen, gell? Trotzdem: verglichen mit Moriarty wirkt der Professoren-Look des Neuen irgendwie altbacken, und ich werde den gelangweilten Kindskopf vermissen.

John Watson ist nach einer siebenmonatigen Trauer-Witwenzeit übrigens auch nicht untätig geblieben (Spoiler?), und genau genommen war er ja derjenige der beiden, der hin und wieder einen Abstecher in die *weibliche* Psyche und vor allem Physis macht, um seine Hormone in Schuss zu halten - für Sherlock praktisch undenkbar und so fremd wie die Tatsache, dass die Erde um die Sonne kreist: Der gute John lernt eine neue Liebe kennen, die ihm über den angeblichen Tod Sherlocks hinweghilft. Witzigerweise gespielt von Martin Freemans Lebenspartnerin Amanda Abbington. Ein Happy End wird es für das innig vertraute Paar nicht geben, das darf ich als Leser der Holmes-Geschichten schon mal prophezeien. Aber es hätte irgendwie ja auch nicht in eine so ungewöhnliche Männerfreundschaft gepasst, oder?

Die graue Maus und Pathologin Molly Hooper ist natürlich wieder ebenso dabei wie Polizeichef Lestrade und sein ewig über Sherlock nörgelnder Assi Anderson. Der hat jetzt im Gesicht zu viel, was Lestrade auf dem Kopf zu wenig hat. Apropos: Gesichtsbehaarung spielt wohl eine wichtige Rolle, zumindest in der ersten Folge, in der sich John Watson aus Gram einen biederen Schnauzer hat stehen lassen. Was mit dem geschieht, bleibt nicht lange ein Geheimnis: dem heimgekehrten Sherlock missfällt er - also ab damit. Und damit Sherlock bleibt, tut der treue Watson wirklich alles. Aber ehrlich gesagt: ohne sieht er auch einfach smarter aus (wenn schon nicht jünger^^). Und natürlich darf auch Mrs. Hudson / Una Stubbs nicht fehlen, die gute Seele der Baker Street.

Wann der deutsche Ausstrahlungstermin ist, steht noch nicht fest. Ich schätze aber, es dauert nicht sehr lange, da Sherlock eine Serie ist, die sich hauptsächlich durch Merchandise-Artikel und DVD-Kollektionen finanziert. Für den US-Markt und Großbritannien ist die komplette Staffel auf DVD bereits für Mitte Februar geplant. Ich freu' mich schon drauf!







Dienstag, 24. Dezember 2013

Merry Christmas! / Weihnachtsgrüße



Allen meinen Lesern, Nicht-Lesern, Blogger-Kollegen, Cumberbabes und *normalen* verrückten Menschen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Auf dass 2014 noch schöner und besser für euch wird
und viele angenehme Überraschungen bereit hält!

To all my followers, non-followers, fellow bloggers, Cumberbabes and *regular* crazy people a merry Christmas from the bottom of my heart!

May next year be even kinder and greater than last one with lots of pleasant surprises to come! 

~*~




Quelle Gedicht: Pinterest

Sonntag, 22. Dezember 2013

Ein Meisterwerk: Lawrence of Arabia / Lawrence von Arabien (1962)

Oh, ich liebe diesen Film! Und nein, ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass ich wegen Peter O'Toole voreingenommen bin (vielleicht ein bisschen...).




In erster Linie ist der Star des Films die Wüste. Unglaublich, wie jede Szene - wirklich jede, ich habe darauf geachtet - wie ein Gemälde wirkt.

Peter O'Toole als T. E. Lawrence ist eine tolle Wahl, und es scheint, als wäre ihm die Rolle des ambivalenten Kriegshelden auf den geschmeidigen, eleganten Leib geschneidert. Aber tatsächlich wurde sie ihm von US-Kollege Montgomery Clift weitervermittelt, der in den homosexuellen Tendenzen von Lawrence (im Film nur angedeutet) einen Zusammenhang zu seinen eigenen fürchtete. Briten sind da halt weniger zart besaitet... (O;

Die Riege damals großer und aufstrebender Hollywood-Stars gibt sich in "Lawrence von Arabien" die Klinke in die Hand;  auch eine Tatsache, die mich fasziniert. Ein junger wilder Omar Sharif an der Seite des noch wilderen Hitzkopfes  Auda Abu Tayi / Anthony Quinn zu sehen, dazwischen ein kultivierter, zurückhaltender Prince Faisal / Sir Alec Guiness ist für feinsinnige Cineasten schon ein besonderer Genuss.

Eindrucksvoll fand ich auch die Figur des türkischen Hauptmanns (José Ferrer), dem der arme Lawrence durch eigenes Verschulden und sein exotisch-kaukasisches Aussehen in die gierigen Hände fällt. Uh, da lief mir echt ein Schauer über den Rücken! Man hat irgendwie sofort gespürt, dass der Hauptmann nichts Gutes im Schilde führt und von dem britischen Offizier mehr als angetan war ("Your eyes are blue"), als er ihm das wallende Gewand von den schmächtigen, alabasterweißen Schultern reißt.

Die Szene der Folterung und anschließenden Vergewaltigung, von der der echte Lawrence in seinen Memoiren später schreibt, ist subtil und vor allem Letzteres natürlich nicht einmal angedeutet, sieht man von dem voyeuristischen Hüsteln des Hauptmanns hinter der halb geöffneten Tür ab. Trotzdem hinterlässt die Szene, als Sherif Ali / Omar Sharif den misshandelten Lawrence wortwörtlich aus dem Dreck zieht, einen beklemmenden Verdacht, der zur Gewissheit wird, als Lawrence sich bei der Einnahme des damals von den Türken besetzten Damaskus in einen Blutrausch steigert, der selbst den mit ihm kämpfenden Arabern Rätsel aufgibt - kannten sie ihren Anführer bisher doch eher diplomatisch und britisch-unterkühlt.

Bevor er sich jedoch als abgestumpfte, hirnlose Kampfmaschine bewähren soll, zieht Lawrence in letzter Minute die Reißleine, widersetzt sich den Befehlen von oben und kehrt nach England zurück.




Wie gesagt, ein großartiger Film, der nicht nur hervorragend unterhält und trotz der Überlänge von dreieinhalb Stunden nie langweilig wird. Er erzählt auch ein Stück Geschichte aus einer Zeit, die mich aus verschiedenen Gründen begeistert, brilliert mit einem exzellenten Cast und einer wahnsinnig guten orchestralen musikalischen Untermalung, welche die einzigartige Atmosphäre und die gigantische Wüste perfekt vertonen. Gekrönt natürlich von einem zuerst unbeholfen und täppisch erscheinenden Peter O'Toole, der im Lauf des Films eine Verwandlung zu einer fast überirdischen Lichtgestalt für die arabischen Stämme durchmacht, um sich wieder nach einem "gewöhnlichen" Leben zu sehnen.

Fazit: Nicht nur geschichtlich und vom ästhetischen Gesichtspunkt aus interessant, sondern zudem eine detailierte Charakterstudie eines Mannes, der bei allem politischen Individualismus an der andersartigen Mentalität der Araber scheiterte. Auch wenn er den geschichtlichen T. E. Lawrence und die damit verbundenen Ereignisse der Arabischen Revolte nicht ganz korrekt wieder gibt, sollte der Film in keiner anspruchsvollen Videothek fehlen.


Bewertung:
 
👍👍👍👍👍







Dienstag, 17. Dezember 2013

Smaugs Einöde ~ für mich eher blöde

Gerade komme ich aus dem Kino und mache mich mal wieder unbeliebt. Für mich war der zweite Teil der Hobbit-Trilogie von Peter Jackson nämlich eine Riesenenttäuschung. Nichts, überhaupt gar nichts rechtfertigt meiner Meinung nach den Hype um den Film. Wären die tollen Landschaftsaufnahmen nicht gewesen und die schönen Städte in den Wäldern und am Wasser, ich wäre nach der ersten halben Stunde eingenickt. Die Spinnen hatten ja noch einen gewissen Grusel-Faktor, bei dem ich verschreckt die Äuglein zugekniffen und mit Popcorn um mich geschmissen habe, um sie mir vom Leib zu halten, aber (fast) alles andere habe ich im ersten Teil besser bzw. schon mal gesehen. 
 
 


Eigentlich wollte ich mit den positiven Dingen anfangen. Das Unglück ist nur, dass es die in "Smaugs Einöde" kaum gab. Na schön, ich würde gerne wissen, in welchem Dojo die Elben ihre akrobatischen Kampfkünste erlernen und verfeinern und welches Glätteisen sie für ihre Wallemähnen verwenden. Orlando Bloom als Legolas und Lee Pace als sein Vater waren wirklich beeindruckend. Damit hat es sich aber auch schon.

Die erfundene "Liebesgeschichte" zwischen der Elbin Tauriel und dem komischen Zwerg war so überflüssig wie das Endlosgeschwätz der grottigen, mottigen Echse (irgendwann hätte ich ihr am liebsten die schlapprige Gurgel zugedrückt!), die in Sachen Hässlichkeit und Plumpheit dem Lindwurm Fuchur aus der Unendlichen Geschichte locker das Wasser reichen kann. Womit wir beim Hauptpunkt meiner Kritik angelangt wären: der Titelheld. Ich weiß nicht, ob es an der Synchronisation lag, oder ob Benny dem Vieh auch einen so unerträglich süffisanten und fast schon koketten Tonfall verleiht. So stellt man sich keinen gefährlichen Drachen vor, der dem bösen Sauron dient. Ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht, ob ich Lust habe, es nachzuprüfen, sobald der Film auf DVD erscheint.

Und die Orks! Mir wurde schon richtig schlecht, wenn ich sie nur habe sehen müssen. Im ersten Teil mag das Schlachtengetümmel ja noch angebracht gewesen sein (obwohl ich mich auch da gelangweilt habe), aber jetzt war es einfach too much. Ich hatte den Eindruck, dass die drei Stunden halt irgendwie aufgefüllt werden mussten, und wenn es überflüssige Szenen sind, wenn juckt's? Mich.

Eine nicht minder unangenehme Überraschung war für mich Stephen Fry als der verlotterte Bürgermeister von Bree. Ich mag ihn einfach nicht, weder als Schauspieler noch als Rampensau. Zum Glück war seine Rolle dann eher klein. Zu groß dagegen die von Richard Armitage alias Thorin Eichenschild, der es fertig gebracht hat, dem zum Statisten verkommenen Hobbit die Schau zu stehlen mit markigen Sprüchen und Heldentum, das ihm aus jeder Pore trieft. Mal echt jetzt: für diese Miniauftritte als Stichwortgeber musste Martin Freeman extra nach Neuseeland reisen? Ich glaube, der wollte nur schönen bezahlten Urlaub machen. Vermutlich ist der anerkannte Frauenschwarm ein Superschauspieler - ich kenne ihn nur als Thorin und muss zu meiner Schande gestehen, dass ich ihn in dieser Rolle ziemlich lächerlich finde. Zu der Ehre des Schauspielers muss jedoch gesagt werden, dass wohl jeder mit Fleisch-Hand-Stulpen lächerlich wirkt.

Handlung, ach ja, die gab es auch ein bisschen. Teilweise sogar recht symbolträchtig, wenn man an die Geschichte und den uralten Streit um Land denkt. Als die Zwerge endlich ihr altes Reich wiedersehen, war das der Zeitpunkt im Film, der mich gerührt hat. Da habe ich sogar ein paar Tränchen verdrückt. Vertrieben zu werden und dann zurückzukehren, um festzustellen, wie sehr sich die Heimat verändert hat, ist wohl eine Situation, die jeder nachvollziehen kann.

Aber wenn noch einer sagt, Smaug sähe seinem aparten Sprecher ähnlich, dann fange ich an, eine Plaudertasche zu werden, bis ich denjenigen vom Gegenteil überzeugt habe oder Feuer spucke. Ach, und da fällt mir doch noch etwas Positives ein: der trockene Kommentar meiner Begleitung, als die Zwerge vor Smaugs Feuer flüchten: "Gleich gibt's Fruchtzwerge. Das kleine Steak für zwischendurch."


Bewertung: knappe
👍👍👍inkl. Elben-Bonus






Montag, 16. Dezember 2013

Abschied von Peter O'Toole (1932 - 2013)

Als ich gestern von Peter O'Tooles unerwartetem Tod im Videotext erfuhr, hat mich das schon getroffen. Ich kann mich jetzt nicht als ausgesprochenen Fan bezeichnen, aber es gab eine Phase, in der ich mich ausführlich mit dem irischen Schauspieler befasst und auch viele seiner Filme angeschaut habe.




Lawrence von Arabien besitze ich immer noch auf DVD und würde den Film nie hergeben. Obwohl ich der über dreistündigen Handlung nie so ganz folgen konnte, fand ich die epische Musik, die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der Wüste und besonders Peter O'Toole / Lawrence einfach unwiderstehlich und gigantisch gut. Wie blau seine Augen waren, und wie golden sein Haar! Dazu das Draufgängertum, in dem er Errol Flynn nicht unähnlich war (eine Persiflage an ihn folgt 1982 in der Klamotte "My favourite Year" - auch heißgeliebt von mir in meiner Peter O'Toole-Phase).

Irgendwie macht es mich immer ein bisschen traurig, wenn alte Hollywood-Größen gehen. Sie wachsen halt nicht nach. Schauspieler mit dem Charisma eines O'Toole, Errol Flynn, Gene Kelly oder Gregory Peck findet man heutzutage nur noch vereinzelt, wenn überhaupt.

Auch die Geschichten, die die alte Garde der Schauspielrecken zu erzählen hatte, suchen wohl ihresgleichen. Peter O'Tooles Biografie zu lesen war für mich unterhaltsamer als jeder Abenteuerroman, auch wenn vielleicht einiges dazugedichtet wurde oder man im Lauf der Zeit Dinge verklärter oder dramatischer sieht, je nachdem, wie man sie sehen will.

Anfang des letzten Jahrhunderts aufzuwachsen, hat die Leute doch sehr geprägt. Es gab viele Verbote und Gebote, die man heute als lächerlich empfindet. Hängengeblieben ist bei mir, dass Peter O'Toole ein umerzogener Linkshänder war - man bezeichnete die linke Hand als die böse Hand - und aus diesem Grund bis ins Teenageralter im Schlaf das Bett nassgemacht hat. Aber selbst solche Geschichten beschreibt er mit einem Augenzwinkern. Okay, er hatte sicher auch dunkle Seiten - das Trinken war wohl eine davon. Was eben ein waschechter Ire ist...

Es hat mir trotzdem leid getan. Mit 81 Jahren ist man heute noch nicht wirklich alt oder lebenssatt. Peter O'Toole, der letztes Jahr seinen Abschied von der Theaterbühne bekannt gegeben hat, war es offenbar. "Ich habe die Leidenschaft verloren" soll er gesagt haben, und wenn ich ehrlich bin, ist das so ungefähr der traurigste Grund, um abzutreten. Verständlich zwar, aber wer sagt denn, dass sie nicht wiederkommen kann, die Leidenschaft?

ChinChin, Peter O'Toole. Du warst einer der Größten!

P.S. : Ich warte auf ein Biopic mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle! (O;




 


Samstag, 14. Dezember 2013

Eine kleine Biografie von 2011


Diese Biografie stand eine Zeit lang auf dem Autorenportal Pagewizz. Es gibt sie dort nicht mehr, weil "persönliche" bzw. Erfahrungsberichte nicht mehr erwünscht sind (es sei denn Erfahrungsberichte über ein bestimmtes Produkt)  und Pagewizz sich mittlerweile als Plattform für professionelle Texter und Journalisten versteht. Für meine Schreibe ist da nicht mehr so wirklich Platz. No hard feelings...

Es fällt mir nicht ganz leicht, den Artikel hier einzustellen, doch er sagt viel über mich aus und hilft vielleicht einigen, mich besser zu verstehen. Außerdem hat er vielen Lesern Mut gemacht, die Ähnliches erlebt haben (leider konnte ich die Kommentare zum Bericht nicht mit hinüber retten).


~~~



Kinderzeit - auf den ersten Blick unbeschwert... aber prägend

 

Dieser Bericht wird ein bisschen persönlich. Ich hoffe, nicht zu sehr, denn ich neige dazu, meine Gefühle mit mir durchgehen zu lassen, wie mir die letzten anderthalb Jahre gezeigt haben, die alles andere als ein Honigschlecken waren. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass ich - eigentlich optimistisch, fröhlich und fantasievoll - ein recht komplizierter Mensch bin.

Von klein auf habe ich eine halbseitige Lähmung, verursacht durch eine Folgeerscheinung der unzähligen Impfungen, die ich als Frühchen über mich habe ergehen lassen müssen. Die Ärzte prophezeiten mir ein Leben im Rollstuhl oder bestenfalls auf Krücken. Überrascht habe ich alle, als ich nur etwas später als der Durchschnitt laufen lernte. Krankengymnastik, Beinschiene und Übungen zuhause gehörten zum Alltag, und ich glaube, dass daher meine Krankenhausphobie rührt, die ich nie überwunden habe. Glücklicherweise bin ich selten krank und brauche auch keine Medikamente, so dass ich mich als Kind und Teenager nicht sehr von meinen nicht behinderten Freundinnen und Freunden unterschied. Überhaupt: als behindert habe ich mich nie betrachtet. Alles, was andere Gleichaltrige machten, wollte ich auch tun und habe es durch eisernen Willen auch geschafft. Reiten, Schwimmen, Radfahren, am Sportunterricht teilnehmen... alles Dinge, an denen ich Spaß fand und die mir das Gefühl gaben, kein Außenseiter aufgrund einer körperlichen Einschränkung zu sein.

 

Der Ernst des Lebens...  beginnt nach der Grundschule


Nach der vierten Klasse kam ich aufs Gymnasium. Fast alle meine Freundinnen waren auf anderen Schulen, und ich hatte es schwer, Anschluss zu den neuen Klassenkameraden zu finden. Es gab Fächer, in denen ich gut war. Englisch, Deutsch und Religion. Das, was mir vorher sehr viel Freude gemacht hat, nämlich der Sportunterricht, wurde zur Qual. Früher bekam ich Anerkennung dafür, dass ich daran teilgenommen habe - jetzt wurde ich regelmäßig als Letzte für Mannschaftssportarten ausgewählt und bekam meine physischen Unzulänglichkeiten nicht nur von Mitschülern zu spüren. Fast schlimmer waren die Lehrer, die mir vorwarfen, mir die "Rosinen" herauszupicken, wenn mir etwas zu schwer schien, oder solche, die Hänseleien oder Handgreiflichkeiten keinen Einhalt geboten. Manche sahen meine Behinderung nicht und beschimpften mich als ungeschickt. Noten? Gab es in Sport nicht mehr. Selbst auf ein "Mit Erfolg teilgenommen" habe ich später vergebens gehofft. Wie sehr mich das Verhalten von damals verletzt hat, habe ich erst in jüngster Zeit rekapituliert und verstanden. Ich hoffe, dass man das heute auf Schulen anders handhabt.

Nach Abschluss der neunten Klasse verließ ich das Gymnasium, um die Mittlere Reife und anschließend eine Lehre als Einzelhandelskauffrau zu machen.


 

 Begabungen und Erfolge... sind nicht abrufbar


Mit meiner Familie habe ich ein Geschäft aufgebaut, das zu der Zeit, als ich es als Selbständige übernahm, ganz gut lief. Wir waren auf Ausstellungen, Fortbildungsseminaren und jagten jedem Trend in der Bastelbranche hinterher. Nebenbei habe ich ernsthaft das Schreiben angefangen und zwei Romane veröffentlicht. So weit, so gut.

Anfang 2010 machten sich erste Burn-Out-Erscheinungen bemerkbar. Beruflich hatte ich mich verausgabt, viel investiert, nicht viel zurückbekommen. Dazu kam die Enttäuschung, dass offenbar niemand Interesse an meinen Büchern zeigte. Die Meinung, ich schreibe halt "über Themen, die nicht so populär sind" fand ich als Entschuldigung ein bisschen dürftig. Natürlich gibt es auch positives feedback, was mir viel bedeutet hat. Trotzdem waren meine Unbeschwertheit und mein Selbstwertgefühl plötzlich wie weggeblasen. Ich hatte keinen Appetit mehr, war apathisch und mutlos und wollte oft gar nicht aufstehen, weil mir alles so sinnlos schien.

Als ich nur noch 45 Kilo wog und ein Schatten meiner selbst war, schleppte mich meine Mutter zum Arzt, der zugleich auch Psychotherapeut ist. Der stellte Perfektionismus, selbst auferlegten Leistungsdruck und ein straffes Bindegewebe fest (immerhin!). Gefallen hat mir mein Zustand selbst nicht. Dank meiner Familie, meinem Willen und nicht zuletzt meinem Glauben an Gott, den ich nie verloren habe, geht es mir heute wieder besser. Ich weiß, dass ich mich nicht anstrengen muss, um geliebt zu sein und zu werden.




Meine Schreibblockade macht mir immer noch zu schaffen, aber ich bin doch stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Demütigung und Verletzungen von Menschen sind schlimm und können sich wie in meinem Fall unbewusst durch das gesamte Leben ziehen. Daher bin ich froh, dass ich mein Problem erkannt habe und mir jetzt erst mal eine Pause gönnen darf. Alles andere wird sich finden.