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Sonntag, 12. Oktober 2014

The Deep Blue Sea ~ "Weit wie das Meer" (2011)

Woran erkennt frau untrüglich, dass sie einen Schauspieler mag? Sie schaut plötzlich Filme an, die sie unter normalen Bedingungen nicht einmal mit der Kneifzange aus dem Kaufregal geholt hätte. So geschehen vor kurzem bei "Deep Blue Sea", mit Tom Hiddleston (*Schmacht*) und Rachel Weisz in den Hauptrollen.

 



Im Grunde bin ich absolut kein Liebesfilm-Fan, doch irgendwie war ich durch die Inhaltsangabe von diesem verführt zu glauben, die Geschichte einer unerlaubten Liasion in den 1950er Jahren könne mich überraschen und ähnlich berühren wie "Das Ende einer Affäre" mit Ralph Fiennes und Julianne Moore. Außerdem - Tom Hiddleston! Auf den ersten Blick so gar nicht mein Typ und äußerlich eher britisch Gentleman-mäßig blass wie Leslie Howard (wer erinnert sich nicht an Rhet Butlers schärfsten Konkurrenten in "Vom Winde verweht"?), fiel er mir erst in den Marvel-Verfilmungen als schwarzhaariger Schurke Loki auf.

Ich weiß nicht, was es ist, das ihn zumindest im Internet zu einem so begehrten Frauenschwarm macht. Die stattliche Größe von 187 cm? Der - zugegeben - perfekte und langgliedrige Body? Die leuchtend blauen Kinderaugen über den hohen Wangenknochen und sein Lachen? Der Oxfordakzent? Das alterslose und doch irgendwie gezeichnete Bubengesicht mit dem clownesken Ausdruck, der in Sekundenschnelle von traurig zu heiter wechseln kann? Seine elegisch schlanke Erscheinung, die an mütterliche Instinkte appelliert? Oder weil er sich ganz nebenbei für eine bessere Welt einsetzt und offenbar ein Kavalier der alten Schule ist? Auf jeden Fall hat er eine Leinwandpräsenz, die schier unwiderstehlich ist und bei mir nach drei Filmen gewirkt hat.

Leider nicht so richtig bei "Deep Blue Sea". Der Film war, um es kurz zu machen, eine Qual. Er basiert auf dem Theaterstück eines bereits verstorbenen Dramatikers (keine Wertung hier!) namens Terence Rattigan, und genauso muffig und miefig wurde es für die Leinwand übernommen - sechs Jahrzehnte nach seiner Entstehung.

Die profane Handlung: Die Richtersfrau Hester hat ein Verhältnis mit dem Piloten Freddie, der ihr das Gefühl gibt, als Frau begehrt zu sein im Gegensatz zu ihrem liebenden, aber mehr väterlich agierenden Ehemann. Als dieser Hester bei einem verfänglichen Telefongespräch mit ihrem Liebhaber belauscht, verweigert er ihr die Scheidung, die sie obendrein wohl gar nicht gewollt hätte, da Freddie ihr nicht die Sicherheit gibt, die sie von Gatte William gewohnt ist. Dennoch ist sie bereit, mit Freddie über alle Berge zu verschwinden, bis dieser sie brüsk zurechtweist und ihr unverblümt zu verstehen gibt, dass er sie nicht liebt und als Ehemann ohnehin versagen würde. Schweren Herzens lässt Hester nach langem Hin und Her ihren Geliebten am Ende ziehen und steht mit leeren Händen da. Doch immerhin ist da noch der langweilige William, der auf eine gemeinsame Zukunft hofft. Wahrscheinlich kehrt sie zu ihm zurück, obwohl sie Freddie verspricht, sich zu emanzipieren.

Meinung: Zu viel Kunstgedöns, kalte und trist ausgeleuchtete Bilder, zu wenig, dafür plakative Dialoge und ausgewalzte bedeutungslose und dann wieder symbolträchtige Szenen, die fast schmerzhaft anzusehen sind. Im Theater mag so etwas noch funktionieren, hier strapaziert es die Geduld der Zuschauer und zerrt an den Nerven, etwa wenn in einer Rückblende im U-Bahn-Schacht während eines Bombenalarms minutenlang "Molly Malone" von einem der Schutzsuchenden (immerhin passabel!) gesungen wird und in das alle miteinfallen. Ganz zu schweigen von dem grässlichen allgegenwärtigen Geschrammel, das man kaum als Soundtrack bezeichnen kann. Rachel Weisz hat in ihrer Rolle bei mir trotz gelegentlichem Verständis wenig punkten können - wahrscheinlich, weil die Protagonisten außer Simon Russell Beale als gehörnter, aber blutleerer Ehemann recht emotionslos und kalt geblieben sind. Nicht einmal der Hallodri Freddie hat mich überzeugt, obwohl man Tom Hiddleston außer einem blendenden Aussehen auch keineswegs Talent absprechen kann. Allerdings wurde zu viel und zu laut geschrieen. Das ist ganz ok auf der Bühne - für einen eher leisen Film wie diesen zu melodramatisch nach meinem Empfinden.

Die große Weisheit und Moral von der Geschicht' lautet: "Wahre Liebe lässt dem anderen Freiheiten und ihn ziehen, wenn er gehen möchte". Das hat bestimmt vor sechzig Jahren noch beeindruckt - heute kann ich nur müde darüber gähnen. Genau wie über die nahezu neunzig Minuten vorher.

Fazit: Nur etwas für Hardcore-Hiddleston-Fans oder Liebhaber von uralten, angestaubten Schwarzweiß-Theaterstücken, die man manchmal 1:1 auf der Mattscheibe am Nachmittag vorbeiflimmern sehen kann.


 Bewertung inklusive Hiddles-Bonus

  👍👍


Donnerstag, 30. Januar 2014

The End of the Affair ~ Das Ende einer Affäre (1999)

Nein, ich bin kein Fan von Liebesgeschichten, weder in Filmen noch in Büchern. Damit kann man mich eigentlich jagen. Komisch, dass ich da irgendwie falsch gepolt bin. Jeder mag doch insgeheim Schnulzen und Romanzen. Selbst Leute, von denen ich es nicht erwartet hätte, lassen sich eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung oder die Twilight-Saga nicht entgehen und sagen dafür schon mal schamlos einen Termin ab.

 

 

Einen einzigen Film gibt es in diesem Genre, der mich zu Tränen rührt und mir das Herz bricht: "Das Ende einer Affäre" von 1999, eine Adaption des Romans von Graham Greene, der 1951 erschien.

Verantwortlich für meine Sentimentalität sind die unglaublich tollen Darbietungen der Hauptakteure Ralph Fiennes (noch knackig und mit vielen sexy roten Haaren an den richtigen Stellen^^) und der aparten Julianne Moore. Nicht nur optisch sind die beiden im Film ein Genuss - es funkt derart gewaltig zwischen ihnen, dass man nicht nur die Bettlaken knistern hört, in denen sich das verbotene Paar ziemlich oft wälzt.

Der orchestrale, wehmutsvoll angehauchte Soundtrack von Michael Nyman ("Das Piano") tut ein Übriges, besonders zum Opener, als Maurice Bendrix (Mr. Fiennes) verbittert auf seine Schreibmaschine einhackt und in Rückblenden beginnt, ihr seine leidenschaftliche Affäre mit der verheirateten Sarah anzuvertrauen. Die Geschichte dahinter ist so melancholisch, so tiefgründig und so voller Symbolik und Mystik, dass man als Zuschauer fast glauben möchte, dass Sarah das ist, was Bendrix in ihr sieht: ein Engel, der den Fehler beging, sich Hals über Kopf in ein Wesen aus Fleisch und Blut zu verlieben und dafür am Ende bestraft wird.

Der tragische Verlierer in der komplizierten und ruhig erzählten, aber sehr emotionalen und aufwühlenden Dreiecksgeschichte ist allerdings nicht (nur) Maurice, der weder vergeben noch vergessen kann und dessen Groll sich auf Gott entlädt, sondern Henry, Sarahs Ehemann. Ohne Sarah scheint er vollkommen hilflos, fast lebensunfähig und bittet Bendrix sogar um Hilfe, als sie im Sterben liegt.

Hier geht's zu meinem Review für den meiner Meinung nach schönsten und am meisten unterschätzten Liebesfilm aller Zeiten: *Klick*

Ach so, Sterne gibt's natürlich auch, und zwar alle fünf!



👍👍👍👍👍


Bildquelle: Pinterest