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Donnerstag, 26. September 2013

Au revoir, les enfants ~ Auf Wiedersehen, Kinder



Von diesem Film habe ich zum ersten Mal gehört, als ich las, wie Quentin Tarantinos Freundin ins Kino wollte und ihm den Titel des Filmes nannte. Tarantino - wenig bewandert mit französischer Cineastenkost - verstand statt "Au revoir les enfants" "Reservoir Dogs", und der Rest ist Geschichte...

Etwas zu dem Film zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Der Regisseur Louis Malle arbeitet damit eine Kindheitserinnerung bzw. ein Trauma auf, das er ähnlich erlebt hat, und das im Rückblick erstaunlich distanziert aus der Sicht eines Zwölfjährigen. Trotzdem brach er bei der Premiere des Films 1987 in Tränen aus.

Handlung: Im Jahr 1943 wird der Jude Jean Kippelstein unter dem Namen Bonnet auf einem katholischen Jungeninternat versteckt. Seine wahre Identität wird erst spät von dem aufgeweckten Julien Quentin entdeckt, doch schon lange vorher erregt der fremde, verschlossene Junge Juliens Neugier. Sehr zögerlich und ruhig erzählt, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die für den Zuschauer nicht immer unbedingt zu sehen ist, da den zweien trotz aller Unterschiede eines gemeinsam ist: sie zeigen keine überschwänglichen Gefühle. Trotzdem spürt man, dass Julien Jean bewundert für Begabungen, die der wortgewandte, selbstbewusste Julien nicht hat: Klavier spielen und Mathematik. Beide teilen zudem eine Vorliebe für klassische Jugendliteratur.

Bei einer "Schatzsuche" im Wald von Fontainbleau, während der sie den Anschluss zu den anderen verlieren, kommen die zwei sich näher, und zugleich auch in eine für Jean brenzlige Situation, der sie mit viel Glück entkommen. Doch immer wieder kreuzen französische Milizen und deutsche Soldaten im Internat auf, um zu überprüfen, ob dort auch alles "mit rechten Dingen zugeht".

Am Ende verrät Julien seinen Freund unbeabsichtigt durch einen flüchtigen Blickkontakt. Das Internat wird geschlossen, und der Leiter Pater Jean, Bonnet und zwei weitere jüdische Flüchtlinge werden verhaftet.

Meinung: Ich mag diesen Film. Leicht anzuschauen ist er gewiss nicht, und man fragt sich - wie so oft - warum es so weit kommen konnte. Doch wahrscheinlich kann man sich die Zeit nicht vorstellen, wenn man lange nach den 1940er Jahren geboren wurde. Gewusst haben es sicher viele, es jedoch nicht riskiert, ihre jüdischen Nachbarn und Freunde zu beschützen aus Angst, selbst ins KZ zu kommen, so wie der mutige Pater Jean.

Als wohltuend empfand  ich die konsequent ruhige, unaufgeregte Erzählweise trotz des dramatischen Themas. Die beiden jungen Hauptdarsteller berühren und überzeugen in ihren Rollen. Auch die weiteren Schauspieler gefielen mir gut - selbst der zwielichtige Küchenjunge Joseph, der einen Schwarzhandel betreibt, und auch Juliens etwas süffisant wirkender großer Bruder Francois haben ihre Momente. Dass dem Zuschauer gegen Schluss die Tränen in den Augen stehen wie Julien, ist kein Grund zum Schämen.

 Fazit: "Auf Wiedersehen, Kinder" ist großes Kino, ohne zu intellektuell zu wirken oder zu moralisieren. Schwere Kost, und leider nimmt es - dem Lauf der Geschichte folgend - kein gutes Ende. Ein schwacher Trost ist da, dass der echte Jean Kippelstein das KZ überlebt hat. Dennoch würde ich den Film  weiterempfehlen ( er wurde übrigens, anders als die Fotos vermuten lassen, in Farbe gedreht).

Bewertung:


👍👍👍👍👍







Mittwoch, 25. September 2013

Feinarbeiten

Es überrascht mich selbst und dann auch wieder nicht: Ich besitze keinen ebook-Reader. Jedenfalls bis jetzt nicht. Abgeneigt bin ich ebooks nach einer kurzen Gewöhnungszeit keineswegs - dazu bin ich wahrscheinlich zu sehr Realist. Denn schöne, altmodische, zum Schnuppern und Anfassen würdige Bücher hin oder her - dem Medium des ebooks kann man sich auf Dauer nicht verschließen. Auch wenn ich sicher bin, dass das konventionelle Buch nie aus der Mode kommt. Gerade für viel lesende Badewannenfetischisten, Ordnungsstrategen und Globetrotter ist ein elektronisches Lesegerät jedoch unheimlich günstig und fast schon ein Must-Have.

Da ich gerade hauptsächlich englische Bücher lese, wäre ein Kindle mit Übersetzungshilfe schon sehr praktisch und hilfreich. Mal sehen, vielleicht erbarmt sich ja der Weihnachtsmann oder ich mich selbst schon früher...^^



Auf jeden Fall gibt es alle meine Romane natürlich auch in der Kindle-Edition. Gestern habe ich ein bisschen mit dem Cover Creator herumgespielt, um die Cover einheitlicher zu gestalten. Ganz durch bin ich noch nicht, aber mir gefällt das Ergebnis sehr gut, besonders die beiden abgebildeten. Der jugendliche Graf (ein Foto, das in Dr. Hazelgroves Arbeitszimmer steht) ist ein eigenes Bild aus meinem Fundus, das ich abfotografiert und hochgeladen habe und das sich auch auf der Printausgabe findet. Ursprünglich ist das Foto - ein Ganzkörperporträt eines etwa fünfzehnjährigen Jungen - um die hundert Jahre alt und auf eine feste Papp-Platte aufgezogen, wie es damals üblich war.



Und das hier finde ich sehr atmosphärisch. Es passt zu der Geschichte eines abgelegenen, mysteriösen Anwesens, das von einem despotischen Lord und seinen vier unterschiedlichen Söhnen bewohnt wird und auf dem Besucher alles andere als willkommen sind.

Der ursprüngliche Einband (kann man das bei einem ebook so nennen?) war nicht schlecht, aber jetzt schaut es m.M. nach besser und professioneller aus.

Außerdem experimentiere ich ja so gern... allerdings sollten die Cover jetzt so bleiben, ehe ein ständig wechselndes Design für Verwirrung sorgt.





Sonntag, 22. September 2013

Teilnehmen oder (ein) Teil nehmen?

Auch wenn es aus aktuellem Anlass anstehen würde und der Post-Titel es impliziert: Hier geht es nicht um die Bundestagswahl. Eher um die Qual der Wahl, der man ausgesetzt ist, wenn man zur schreibenden Zunft gehört. Dass ich dennoch zur Urne gepilgert bin, um im wahlpflichtigen Alter als mündiger Bürger meine Pflicht zu tun und meine Stimme abzugeben, ist eine Selbstverständlichkeit, um die ich nicht viel Aufhebens zu machen brauche ("Aufhebens um etwas machen" - schon die zweite Kuriosität in diesem Text).

Ich gebe zu, ich bin mitunter von gestern. Eine von denen, die noch die alte Rechtschreibung gelernt und sich lange gegen die neuen Regeln gesträubt haben. Auch war ich ein großer Scharf-S-Fan, das nun bis auf wenige Ausnahmen (nämlich bei langem Vokal) ausgedient hat. Richtig einleuchten wollte mir das nie - was für einen Autor freilich nicht eben günstig ist. Glücklicherweise habe ich jemanden kennengelernt (kennen gelernt?), der mir das *ss* und das *ß* sehr gut erklärt hat, als mir klar wurde, dass ich die neuen Regeln befolgen möchte. Schließlich will man nicht verstaubt erscheinen, und für einen Klassiker hat (noch) keines meiner Bücher das Zeug.





Einige Regeln sind aber nach wie vor verwirrend. Die der Zusammen- und / oder Getrennt-Schreibung, zum Beispiel. Ich weiß nicht, warum man dazu übergegangen ist, fast alles auseinander zu schreiben, und weshalb es dann doch wieder Ausnahmen gibt, die man lernen muss. Auch die Großschreibung von "Es tut mir Leid" (weil ich dir Leid angetan habe) oder "Er hat Recht" (Das Recht ist auf seiner Seite) erscheint mir merkwürdig. Ist das überhaupt noch aktuell, oder darf man mittlerweile wieder minimieren ohne den Rotstift zu kassieren? Warum wird aus Greuel *Gräuel*? Stammt es von Grau ab?

"Schnäuzen" finde ich auch furchtbar, allein schon deshalb, weil sich jedesmal (jedes Mal!) beim Lesen eine dicke schnaufende Walross-Antje vor mein inneres Auge hievt. Da macht es keinen Unterschied, ob sich ein zierliches elfenhaftes Wesen oder ein seehundartiger Herr die Nase putzt... sorry, das ist einfach respektlos und fast unfreiwillig komisch.

"Hab' ich es dir nicht eingebläut?" Hallo? Weil der Betroffene sonst sein blaues Wunder erlebt? Ich verstehe ja, dass aus dem Substantiv *Aufwand* das Adverb *aufwändig* werden soll, wenn die Reform einer gewissen Logik folgt - die mir häufig leider verschlossen bleibt - , obwohl mir "aufwendig" viel sympathischer ist. Aber an manche Regeln kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Manchmal kommt mir das wie eine Vergewaltigung der deutschen Sprache vor, die, wie wir alle aus der Schule wissen, ohnehin schwer ist. Warum wurde das "H" aus "rau" verbannt? Es ist doch ohnehin stumm und hat demzufolge nichts verbrochen.

Ach ja. Es ist halt so. Und irgendwie wäre es auch öde, wenn alles immer gleich bliebe. Wie gesagt, mit dem Doppel-S habe ich mich angefreundet. Und ich will nicht sagen, dass die Rechtschreibre-reform sinnlos wäre. Verwirrend schon, aber sinnlos? Eigentlich nicht. Trotzdem bin ich froh, dass ich kein Deutschlehrer geworden bin. Ich könnte "Schnäuzen" nicht mit meinem Sinn für Ästhetik vereinbaren.

Bildquelle: geralt / Pixabay

Freitag, 20. September 2013

Thor. Hammermäßig oder der Versuch einer Rezension

Ganz ehrlich: Sobald sich der Herbst ankündigt und es kein Wetter mehr ist, um draußen etwas zu unternehmen, ohne sich in unschmeichelhafte Michelinmännchen-Anoraks zu werfen, mutiere ich zur Couch-Potato. Und das Schlimmste: ich bilde mich nicht, indem ich es mir mit einer Tasse Tee und einem guten Buch gemütlich mache, nein. Ich flacke vor dem Fernseher!

Furchtbar, was dann alles angeguckt wird. Die Terror-Teenies auf Sat.1 waren bisher die Krönung, und trotzdem finde ich das gestellte, nach dem gleichen Muster ablaufende Format ganz interessant... was mich zur Überleitung meines eigentlichen Themas bringt, sowohl die Terror-Kids als auch das widerwillig Interessante.

Ich habe mir "Thor" mit Chris Hemsworth, Anthony Hopkins und Tom Hiddleston angeschaut. Eigentlich ein ganz untypischer Film für mich: Aufwändiger Hollywoodblockbuster mit viel Action, viel Computereffekten, wenig Dialog und wenig Tiefe auf den ersten und auch zweiten Blick. Chris Hemsworth wurde vermutlich ausgewählt, weil der Regisseur Kenneth Branagh inzwischen zu alt ist, um seine Eitelkeit auf der Leinwand zu befriedigen (Mann, bin ich fies! Trotzdem - er sieht ihm irgendwie ähnlich, oder?)

Jedenfalls fand ich den Film überraschenderweise recht gelungen. Schrilles, unterhaltsames Popcorn-Kino, fast so wie "Pirates of the Caribbean". Hauptsächlich war das Anthony Hopkins als Odin und Tom Hiddleston als Loki zu verdanken. Komisch, dass mir die zwielichtigen bis fiesen Gestalten in Film und Literatur oft viel besser gefallen. Mit der nordischen Göttersage kenne ich mich zwar nicht aus, aber das war auch kein Manko - erstens lernt man ein bissl was darüber, und zweitens hat sich Kenneth Branagh vieles ausgedacht - Loki und Thor sind in der Sage keine Brüder; noch nicht mal entfernte Verwandte. Macht aber gar nix. Der Dramaturgie hat der böse, listige Adoptivbruder des etwas tumben Thor gut getan. Ein bisschen eigenartig wirkte der Kontrast von Hemsworth' ausgeprägt australischem Englisch und Hiddlestons etwas halbseidener "british stiff upper lip". Andererseits hat das auch wieder zu den Charakteren gepasst, die sie jeweils verkörpern.

Die Idee, dass Thor auf die Erde *verbannt* wird, fand ich ebenfalls gut. Klar, wenn Halbgötter sich auf der Erde zurechtfinden müssen, kommt es zu klischeehafter Situationskomik, aber gestört hat sie mich nicht. Was ich dagegen nicht mochte, war die seltsame Liebesbeziehung zwischen Thor  Tarzan  und Jane. Die war überflüssig. Aber ich mag auch Nathalie Portman nicht. Sie ist für mich mit Keira Knightley identisch, die meiner Ansicht nach auch eine bessere Figur in Hochglanzmagazinen als in Filmen machen würde.

Loki alias Tom Hiddleston war allerdings Klasse! Es war der erste größere Auftritt von ihm, den ich gesehen habe, und er hat mich dann doch überzeugt. Spätestens nach seinem erst weinerlichen und dann wüsten Gekreische, als er Odin vorwirft, stets Thor bevorzugt zu haben und Loki als Druckmittel gegen die Eisgiganten zu benutzen (hieß das Volk so? Ich fand es ziemlich unlogisch, dass Loki von Frostbeulen abstammt, wenn er der Überlieferung nach der Gott des Feuers sein soll. Naja, Schwamm drüber), war mir klar, dass ich mir bestimmt auch den zweiten Teil ansehe, der Ende Oktober ins Kino kommt.

Alles nicht neu, aber manchmal brauchen auch alte Geschichten neue Aufgüsse. Außerdem wiederholt sich alles irgendwann wieder, besonders die Klassiker. Und wenn sie in so poppigem Gewand und mit einem echt finsteren, aber auch tragischen Schurken verpackt werden, vergebe ich als Anti-Blockbuster-Fan großzügig vier Sterne.






👍👍👍👍
 







Dienstag, 17. September 2013

Alte Schachteln - gar nicht unansehnlich!

Recycling ist schon eine feine Sache. Umso schöner, wenn man aus Resten und "unnützen" Dingen, die seit Jahren irgendwo in Ordnern oder Schubladen herumfliegen, weil man sie halt schön fand, etwas Nützliches herstellen kann.

Genau das haben wir vor Kurzem gemacht, und das Ergebnis ist so umwerfend, dass ich es hier auf meinem Blog teilen möchte.



Die Grundidee zu den Schachteln entstand beim Aufräumen. Da stießen wir auf massenhaft Pappschachteln, in denen früher Porzellanpuppenteile aufbewahrt wurden (Schuhkartons eigenen sich auch bestens zum Bekleben). Eigentlich ein Fall für den Container. Aber dann fielen uns gemusterte Stoffreste vom Patchwork und Flicken in die Hände, die zum Wegschmeißen viel zu schade waren, aber zu klein für Marmeladentöpfchen, geschweige denn um noch etwas daraus zu nähen.

Inmitten von Dekopapieren, Stoff-Fitzelchen, Bordüren und Postkartenmotiven von Engeln, Elfen und nostalgischen Gebrauchsgegenständen haben wir gewütet, was das Zeug hielt und hergab. Neu gekauftes Material braucht es dazu nicht - alles, was wir mit Acrylfarbe angestrichen und mit verdünntem Holzleim zu einem Ganzen zusammengefügt haben, sind Sachen, die seit Jahren keine Verwendung mehr fanden.







Sieht doch klasse aus! Ich bin leider kein Meisterfotograf, was das Ablichten von Details angeht. In echt sind die Schachteln noch eindrucksvoller. Jede ist natürlich ein Unikat, und das Wichtigste: Man hat in ihnen wieder viel Platz, um neue Lieblingsstücke zu verstauen. (O;







Sonntag, 15. September 2013

Roman Nr. 6

Geschafft! Nachdem ich mich noch einmal nervenaufreibend mit dem Layout und dem Format meiner Geschichte "Ein Spiel zu viel" beschäftigt habe, gibt es sie nun als ebook beim Kindle-Verlag und als Taschenbuch von Create Space.

Eigene Exemplare muss ich allerdings erst ordern - so neu ist das Buch noch. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das Cover der hier abgebildeten Printausgabe authentisch ist. Gefallen tun mir beide.




Das Genre lautet nun "Historisch / Fiktiv". Zugegeben, besonders aussagekräftig ist das erst mal nicht. Ich würde es trotzdem als historischen Psychothriller bezeichnen, denn es geht in der Hauptsache darum, wie sich eine Gruppendynamik drehen kann und wie abhängig die Clique - in diesem Fall ein paar weltfremde Schauspieler - von ihrem Anführer werden kann.

In "Ein Spiel zu viel" führt die Unstimmigkeit der Truppe zu einer dramatischen Wende der Ereignisse. Was wie ein harmloser Sommerurlaub beginnt, endet mit Konsequenzen für alle Beteiligten.

Wichtig sind mir dabei auch Charakterstudien der einzelnen Figuren und ihre Beziehung zueinander. Ich liebe es, mich mit menschlichen Abgründen und ihren Ursprüngen zu befassen und Charaktere zu erfinden, die ihre Macken haben und zuweilen völlig verrückt wirken. Bei den Schauspielern konnte ich mir zudem hin und wieder ein gewisses Maß an fast übertriebener Dramatik erlauben, das mir riesig Spaß gemacht hat.



Freitag, 13. September 2013

Back to the 70s ~ "Schach dem Roboter"

Dieser Film war einer meiner ersten "Gruselfilme". Ich war sieben, und in Dänemark auf Urlaub. Ich weiß nicht mehr, warum wir dort Fernsehen und zudem noch einen deutschen Sender hatten - Tatsache ist, das mich der Film von 1976 nachhaltig beeindruckt hat. Nicht dass ich Alpträume bekommen hätte oder mir überhaupt besonders gruselig zumute war, aber ich erinnere mich, dass ich nach dem Anschauen noch lange Geschichten zu dem Roboter erfunden (weil ich die eigentliche offenbar nicht verstanden hatte) und ihn verschwenderisch auf Zeichenpapier verewigt habe.

Alexandra_Koch / Pixabay


Seit kurzer Zeit gibt es den Film auf DVD. Fragt mich nicht, wie ich darauf gekommen bin, ihn mir mal wieder anzusehen. Ich weiß es selbst nicht - jedenfalls nicht genau. Ich bin fasziniert von Androiden und hatte beim Aufräumen einen Zeitungsartikel über den schachspielenden Türken gefunden, der im 18. Jahrhundert für Furore und Verblüffung sorgte. Also rasch gegoogelt (das ist ja so einfach heutzutage), und ich hatte, was ich wollte.

Meinung: Auf dem Cover wird der Film als "subtiler Grusel" in der Tradition von "Die Fliege" und "Das Kabinett des Professor Bondi" beschrieben, und genau so simpel ist er auch gestrickt. 

Ehrlich gesagt, ich war ein bisschen enttäuscht. Der Plot vorhersehbar, keine großen Gänsehautmomente, keine Überraschungen, und bei genauerer Betrachtung wirkt auch der einst so beeindruckende Roboter fast lächerlich. Vom Flair der Aufnahmen kann ich ebenfalls keine Lobeshymnen singen: Die 1970er Jahre mögen in zeitanalogen Serien wie "Das Haus der Krokodile" ganz amüsant anzusehen sein; hier haben mich die Zottelmähnen der Herren und die Perücken der Dame irgendwie gestört, abgesehen davon, dass das Ganze wie eine verstaubte Folge vom "Alten" rüberkam. Das Zeug zu einem Klassiker hat "Schach dem Roboter" meiner Ansicht nach nicht. 

Behalten werde ich ihn trotzdem. Der Roboter, in dem sich das Hirn eines Schachgenies verbirgt (wer hätte es gedacht?), das zu Lebzeiten mit einer virtuosen Pianistin verlobt war, war nämlich gelungen. Nicht mehr so unheimlich wie in Dänemark, aber niedlich. Anrührend, wie er zwar ohne Herz, aber immerhin mit Hirn, seine Verlobte erkannt hat und sie vor dem selben Schicksal bewahren wollte.

Fazit: Muss man nicht gesehen haben. Trotzdem war es recht nette Unterhaltung und mal wieder ein tiefer Griff in die Nostalgiekiste.


Bewertung:

👍👍👍
 



P.S. Ich hätte noch etwas über Aberglauben schreiben können, aber erstens machen das bestimmt schon ganz viel Blogger, und zweitens ist mir heute nicht mal eine Glückskatze über den Weg gelaufen, geschweige denn, dass ich eine Leiter gefunden habe. Pech gehabt!


Mittwoch, 11. September 2013

Jahrestag ~ World Trade Center Anschlag

Vermutlich wissen die meisten noch, was sie gerade gemacht haben oder wo sie waren, als sie vom dem furchtbaren Anschlag auf das World Trade Center in New York erfuhren - die deutlichste Kriegserklärung des Islamismus an die westliche Welt.





Ich habe damals gerade im Lager unseres Ladens Naturbast in Bündeln abgepackt - nicht gerade die dankbarste Arbeit. Eine Kollegin kam herein und sagte in alarmierendem Ton: "Weißt du, was mir Kunde X gerade erzählt hat?"

 Zuerst musste ich ernsthaft nachdenken, welches Datum wir hatten, da ich an einen Aprilscherz geglaubt hatte. Schon komisch. Doch als ich im Verkaufsraum war, waren bereits hitzige Diskussionen und Spekulationen im Gang - das zweite Flugzeug war, wenn ich mich recht erinnere - noch nicht eingeschlagen. Und trotzdem schien man schon zu ahnen, welche Konsequenzen der Anschlag nach sich ziehen würde.

Ich dachte beklommen an die vielen Menschen, die im World Trade Center arbeiten und an die Insassen des Flugzeugs und wie schrecklich das alles war - um zu bedenken, welche weltweite Bedrohung der Vorfall darstellte, dazu war ich politisch noch zu unbedarft. Zumindest in dem Augenblick.

Zuhause ließ ich bewusst den Fernseher aus. Was aber nicht viel gebracht hat: man hörte es überall, die Hiobsbotschaft von den ins World Trade Center crashenden Flugzeugen, die Flugzeugentführung zum Pentagon, bei der es ebenfalls viele Todesopfer zu beklagen gab. Tagelang. So lange und ausdauernd, dass ich irgendwann doch den TV eingeschaltet habe.

Besonders schlimm und tragisch hat sich mir die Szene der freiwillig aus dem Gebäude springenden Menschen eingeprägt und das verzweifelte Winken mit Tüchern, um die Rettungskräfte auf sich aufmerksam zu machen. Dass die Amateurvideos und Stimmaufnahmen mit Enyas "Only Time" unterlegt wurden, hat es nicht erträglicher gemacht (und ich kann die Künstlerin verstehen, dass sie deswegen "sauer" ist - auch wenn der Song Mut gibt und es das war, war gerade gebraucht wurde. Dennoch assoziiert seitdem jeder, der alt genug ist oder nicht hinterm Mond lebt, dieses schöne Lied mit dem schrecklichen Ereignis).




Und tatsächlich hat der gewaltsame und unerwartete Fall der Symbole der westlichen Welt zumindest nach meiner Meinung einen Zeitenwechsel eingeläutet. Nicht der viel verabscheute Euro, nicht das Millenium. Es war der Einsturz der Twin Towers. Danach war nichts mehr wie vorher. Weil wir gemerkt haben, dass westliche Werte nicht unangreifbar sind. Dass es Menschen gibt, die soviel Hass darauf schüren, dass ihnen ihr eigenes Leben und tausende andere völlig egal sind, wenn sie nur auf ihr Ziel hinarbeiten, westliche Ideale zu zerstören.

Heute jährt er sich der Angriff zum zwölften Mal. Ich möchte nicht monieren oder philosophieren, aber doch an die vielen Opfer erinnern, die so sinnlos am 11. September 2001 starben. Und beten und hoffen, dass etwas Vergleichbares nie wieder passiert.

Bildquelle: FrankWinkler / Pixabay

 

 

Samstag, 7. September 2013

Furchtlos zum Himmel

Ich darf mich mal wieder über eine Rezension auf dem Büchertreff freuen! Das hat mir wirklich den Tag versüßt! Vier Sterne - super, und eine Bewertung, mit der ich nicht gerechnet habe! Vor allem, wenn man bedenkt, dass "Furchtlos zum Himmel" mein erster ernsthafter Versuch zu schreiben war.



Heute würde ich vielleicht ein paar Kleinigkeiten anders machen, das ist ja oft so, wenn man auf seine Anfänge zurückblickt. Aber ich denke auch ein bisschen mit Wehmut daran.

Ich bin quasi mitgeklettert bei dieser Geschichte, und das Gefühl, richtig einzutauchen in eine fremde Welt und völlig darin zu verschwinden, vermisse ich irgendwie. Was soll's, wenn einige Situationen zugunsten der künstlerischen Freiheit etwas zu dramatisch sind oder sich Begebenheiten ereignen, die sich *in echt* vermutlich nicht so abgespielt hätten.

Hauptsache ist, dass mein Roman gut unterhalten hat und er von etwas erzählt, das ungewöhnlich ist.

Im Gros basiert die Geschichte tatsächlich auf Fakten. Die männlichen Charaktere sind für heutige Verhältnisse vielleicht in manchen Belangen ein wenig zu soft, und trotzdem waren das echte Kerle, die von einem einzigen Ziel beseelt das Unmögliche möglich zu machen versuchten.

Jedenfalls bin ich sehr happy über die Rezension! Danke schön, Pandi!





Mittwoch, 4. September 2013

Genre gesucht!



Gerade bin ich am Überarbeiten eines Manuskriptes. Ich merke dabei jedesmal, dass es gar nicht so leicht ist, sich kurz zu fassen - mit dem Klappentext habe ich lange gekämpft. Er soll ja neugierig machen, nicht zuviel verraten und dazu verführen, ins Buch zu schauen. Und was kurze oder zusammenfassende Texte betrifft, war das schon in der Schule nie meine Stärke.

Das Foto oben zeigt das vorläufige Cover. Da die Geschichte in einem spätsommerlichen England auf dem Land spielt, passen die Gräser sehr gut.

Was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist die Genre-Einteilung. Ist mein Roman jetzt "nur" historisch, weil er vor einem geschichtlichen Hintergrund (der Burenkrieg) stattfindet, oder könnte ich ihn unter "Psychothriller" publizieren?

Hat jemand davon überhaupt schon mal gehört - historischer Psychothriller? Das trifft es nämlich, wenn man's genau nimmt. In einem Thriller wird nicht automatisch ein Mord aufgeklärt wie in einem Krimi. Darum würde ich zu *Thriller* tendieren. *Psycho* deshalb, weil es weniger Action als über menschliche Abgründe zu lesen gibt. Letzteres finde ich ungleich spannender. Darum tun sich bei den Schauspielern derer eine ganze Menge auf.

Eine Leseprobe - genauer gesagt, den Prolog - findet ihr unter "Weitere Informationen".



Freitag, 30. August 2013

Freiluftkino - mit Logenplatz!

Mitten in der Stadt zu wohnen, hat nicht immer Vorteile. Seit ich vom Südteil der Stadt dorthin gezogen bin, geht es zuweilen nachts recht laut zu - auf der Straße unter mir. Egal, ob das heimtrudelnde Nachtschwärmer oder betrunkene Störenfriede sind. An die gewöhnt man sich jedoch mit der Zeit. Manchmal wird der Platz vor meinem Haus allerdings auch für Feste oder Veranstaltungen wie das missverständliche "Public Viewing" benutzt. Da helfen nicht mal Ohropax, und die einzige Alternative besteht darin, gute Miene zu machen oder sich unter die lärmende Menschenmenge zu mischen und mitzugrölen.

Ich finde es eigentlich auch ganz gut, wenn der neu gestaltete Burgplatz genutzt wird, an dem die mittelalterliche Stadtmauer rekonstruiert wurde. Trotzdem atme ich immer auf, sobald die umtriebigen Wochenenden vorüber sind und die Nächte wieder einigermaßen still.




Von meinem Schlafzimmerfenster aus habe ich einen ungehinderten Ausblick auf die Leinwand und verstehe sogar jedes Wort (wird übrigens jeder zweite Schauspieler von Sascha Rothermund synchronisiert oder klingen alle deutschen aktuellen Sprecher wie er?). Das ist richtig cool!

Ich fand den Film allerdings ziemlich albern, ein bisschen wie "Pirates of the Caribbean" im Wilden Westen. Und wenn ein Schauspieler einen ohnehin skurrilen Charakter aus seinem Repertoire parodiert, wirkt das eher peinlich als originell - auch wenn man Johnny Depp heißt, den ich in seiner komischen Totemmaske und dem ausgestopften Raben auf dem Kopf zuerst gar nicht erkannt habe.

Ich glaube, es gibt noch ein paar Filme zu sehen. Bin mal gespannt, welche das sind.





Dienstag, 27. August 2013

Mir ist kalt...

... den Satz kennt man ja aus Film und Fernsehen. Meist steht es dann nicht gut um den Betreffenden. Heute geht es mir genauso. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass der *heiße* Hochsommer, den ich so sehr mag, mal wieder viel zu kurz war ( jaja, ich sollte nicht meckern - trotzdem hätte es für meine Begriffe öfter Tage über 30°C geben können), oder ob ich etwas ausbrüte. Tatsache ist, ich fühle mich elend - körperlich. Was schon lange nicht mehr der Fall war.

Tatsächlich kann ich mich an ein ähnliches Krankheitsgefühl mit Temperatur, rauem Hals und morgendlichen, sehr lästigen Hustenanfällen gar nicht erinnern. Ich weiß nicht einmal, wann ich meinen letzten Schnupfen hatte. Selbst in den Wintermonaten oder zu periodischen Grippeattacken konnte ich nie mitjammern und schniefen, was mir manchmal selber komisch vorkam - auch wenn ich entsprechend mit Nahrungsergänzung vorsorge, die sich bewährt hat. Und jetzt nur ein kleiner Wetterumschwung, und schwupps bin ich im Eimer. Sehr ominös.

Vielleicht hat es außerdem etwas mit Stress zu tun. Und mit der Erkenntnis, dass spätestens Ende August wieder die Christstollen und Spekulatius in den Supermärkten ausliegen (ich hab sie schon gesehen, gestern!). Verrückt. Warum verkauft man die weihnachtlichen Süßigkeiten eigentlich nicht gleich übers ganze Jahr. Ich kenne zumindest einen, der sich darüber freuen und Christstollen auch zum Mittagessen verzehren würde. Der hat aber - unter uns - auch nicht wirklich alle Tassen im Schrank.




Vielleicht muss ich doch auswandern. Nach Bora Bora oder Hawaii. Irgendwohin, wo immer die Sonne scheint, und wo man nicht so hektisch lebt wie hier und den Augenblick genießen kann. Einfach mal nichts tun, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Das haben wir Mitteleuropäer im Allgemeinen verloren und verlernt. Wir haben es so eilig, dass wir bald wie in Australien Weihnachten draußen im Garten feiern können.

Darum werde ich mir jetzt eine Tasse Tee kochen, mich ein bisschen entspannen und von der Südsee träumen und später evtl. eine Runde "Go Vacation" im Seeresort absolvieren. Prima zum Ablenken und eine meiner momentanen Lieblingszeitverschwendung, die (bisher) nicht langweilig wird - besonders zu zweit mit den eigens erstellten Miis spielen macht riesigen Spaß, auch wenn die Steuerung zunächst ein bisschen störrisch daherkommt. Man kann sich ja steigern, in jeder Beziehung... und hoffentlich bald wieder fit werden.




Samstag, 24. August 2013

Rezension "Neverwhere" ~ Neil Gaiman

Der Vollständigkeit halber gehört eine Rezi einfach dazu, selbst wenn ich meine Meinung über den Roman schon mehrmals kundgetan habe und sie sich im Wesentlichen bis zu Seite 368 nicht geändert hat.

Handlung:  Der gutmütige Büroangestellte Richard Mayhew lebt an der Seite seiner kühlen und dominanten Verlobten Jessica ein unauffälliges Dasein, mit dem er im Großen und Ganzen zufrieden ist. Ausgerechnet an einem (für Jessica) wichtigen Geschäftstermin liest er auf der Straße ein verletztes Mädchen auf und lässt - sehr zum Ärger seiner Verlobten - das Meeting sausen, um dem Mädchen zu helfen, das unter keinen Umständen ins Krankenhaus will. Damit beginnt für Richard ein Abenteuer voller unerklärlicher Phänomene, merkwürdiger und gruseliger Gestalten, sinnloser Gewalt, Rattenflüsterern, eingeschlossener Engel und harten Prüfungen in einem Untergrund-London, für das Zeit und Raum keine Rolle zu spielen scheint. Richard fällt es schwer, sich dort zu behaupten, aber als er es schließlich schafft, merkt er, dass er Freunde und Selbstbewusstsein gewonnen hat.




Meinung: "Neverwhere" war mein erster Abstecher ins Fantasy-Genre und hat mich positiv überrascht. Neil Gaiman erzählt keine Klischees von arglistigen Zwergen, lieblichen Elfen, monströsen Drachen, blutrünstigen Werwölfen und Vampiren (zumindest nicht offiziell^^), sondern eine Geschichte mit einem für mich hohen Wahrheitsgehalt - mehr oder weniger symbolisch und mitunter auch gnadenlos schaurig. Er zeichnet dabei nicht nur die Figuren auf anschauliche Weise (bis auf die seltsam blasse Heldin Door sind fast mir alle und besonders Richard ans Herz gewachsen); es gelingt ihm auch, ein Motiv fantasievoll aufzubereiten, das sich aus der Bibel, Sagen und Märchen zusammensetzt. Sehr schön fand ich, dass Charaktere wie der windige Marquis de Carabas und die toughe Hunter nicht die sind, für die man sie zu Beginn des Buches hält. Auch nehmen Dinge eine Wendung, mit der man als Leser nicht unbedingt rechnet. 

Ein weiterer Pluspunkt war die Verquickung der Personennamen mit jeweiligen Orten bzw. Sehenswürdigkeiten in London und die geschichtlichen Andeutungen auf das Untergrundbahn-System. Für jeden Fan dieser Metropole ein witziger Wiedererkennungs- oder Aha-Effekt. Manche Handlungsstränge wie z.B. das Verschwinden von Doors Familie hätte ich mir trotzdem ein bisschen ausführlicher gewünscht. Vor allem gegen Ende hapert es ein bisschen an Erklärungen - auch wenn ich es ganz gut finde, dass man gelegentlich zwischen den Zeilen lesen muss.

Fazit: Ich glaube, "Neverwhere" wird mein einziger Fantasy-Roman bleiben. Nicht, weil er mich nicht überzeugen konnte - ganz und gar nicht. Aber ich denke, was Plot und Charaktere betrifft, wird er wohl einmalig und nicht zu toppen sein. Obwohl ich ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln hatte, habe ich mich super unterhalten gefühlt - gerade weil die Story für mich bei aller Absurdität und Phantasie nachvollziehbar war und Gaiman sehr geschickt biblische Motive und Vorstellungsvermögen in einer sehr eigenen Welt miteinander verwoben hat. 

Ein Lesespaß der besonderen Art, den ich vor allem auch durch unsere vielschichtige Leserunde auf dem Büchertreff hatte.

Bewertung:
👍👍👍👍






Donnerstag, 22. August 2013

Mein Etsy-Shop

"Tinnef" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie "Unsinn" oder auch "Schund" bzw. "nutzlose Dinge". Verbreitet war der Begriff besonders in der Ganovensprache. Wurde wertloser Plunder erbeutet, sprach man abfällig von Tinnef.

Die Sachen auf meinem Etsy-Shop sind ganz bestimmt nicht wertlos, aber auch nicht unbedingt lebensnotwendig, sondern für Individualisten mit Sinn für das Besondere. Darum finde ich den Namen recht passend.

Eigentlich wurde da aus einem Hobby ein wenig mehr. Vor ein paar Jahren fiel mir ein Anleitungsbuch über die japanischen Häkelfiguren, die sogenannten "Amigurumis", in die Hände, und ich war sofort Feuer und Flamme. Der Haken dabei: ich konnte nicht häkeln! Seit ich es in der dritten Klasse gelernt habe, ist einiges an Zeit vergangen, und ich bin nicht wirklich so der Handarbeitsfreak. Wie so oft, wurde mir das in der Schule ein bisschen verleidet. Aber die Amigurumis - als Haustiere der Mangas werbewirksam gepriesen - waren sooo süß! Die musste ich haben.







Also habe ich mir das Heft gekauft und mir das Häkeln wieder beigebracht. Die Schrift war auch für Dummies wie mich bestens erklärt, so dass bald eine ganze Bande der gehäkelten Gesellen meine Wohnung bevölkerte. Die ersten Exemplare waren noch ein wenig locker und unbeholfen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ein grüner Affe und ein Tiger aus verschiedenen Brauntönen thronen auf meinem Schrank und genießen die Aussicht und ihr Erstgeburtsrecht, indem sie bei mir bleiben.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Fliegenpilze. Sie sind nicht nur fix gemacht, sondern geben auch ein prima und originelles Nadelkissen ab, sind also kein Tinnef im engeren Sinne. Mädels und kleinen Prinzessinnen kommt natürlich das Einhorn gut an und alles, was rosa ist. Und jung gebliebene Erwachsene tragen ihr Amigurumi trendbewusst an Handtaschen und Rucksack oder als Glücksbringer in der Tasche. Manche fragen mich, ob es mir nicht leid tut, meine Amigurumis wegzugeben. Im Gegenteil! Ich bin froh um jedes Stückchen Platz, das ich für weitere Figuren machen kann.



Dienstag, 20. August 2013

Oma Dorle

Meine Oma mütterlicherseits hat heute Todestag. Sie ist nicht alt geworden - gerade mal Anfang 60, und schon länger nicht mehr da als mein halbes Leben. Und trotzdem habe ich noch lebhafte und gute und schöne Erinnerungen an sie - in den letzten Jahren leider nicht mehr, als sie schon von ihrer Krankheit, Schmerzen und Medikamenten gezeichnet war. Leider habe ich sie dann auch nicht mehr häufig besucht; etwas, das mir heute ein bisschen wehtut.

 

Oma macht Party

 

 Ich habe sie gern in Erinnerung, wie sie vorher war: Warm und weich und nach Kernseife duftend und so richtig zum Anlehnen und Reinfallen-lassen, wenn man Kummer oder sich das Knie aufgeschrammt hatte. Zu meiner Zeit waren das die Omas noch, weich und altmodisch, mit Kittelschürze und Brille und gern auch mit mehr auf den Rippen als notwendig. Ich komme mir gerade richtig alt vor, wenn ich bedenke, wie die Großmütter heute aussehen - wenn sie sich überhaupt "Oma" nennen lassen.

Nicht nur im Aussehen war meine Oma Dorle eine Wolke. Als gelernte Hauswirtschafterin war sie unübertroffen und gnadenlos perfekt im Handarbeiten, Putzen, Kochen, Backen und Ordnung halten. Ihre Mittwochvormittage, in denen sie bei uns zuhause mein Zimmer blitzblank geputzt hat, waren immer heiß ersehnt von mir.^^  Wenn ich von der Schule kam, wusste ich schon in wohliger Vorfreude, dass ich mal wieder eine ganz neues Raumgefühl erleben würde. Auch, wenn ich mittlerweile weiß, dass meine Mama häufig darunter gelitten hat, ihren Gutsherrenanforderungen nicht gerecht geworden zu sein.

Von ihrer Kochkunst und der Küche will ich gar nicht reden, und tu' es jetzt doch: ihre selbstgeschabten Spätzle und der Sauerbraten mit Endiviensalat (mit Vorliebe von uns in die Bratensoße getunkt) lassen mir heute noch das Wasser im Mund zusammenlaufen. Bei Familienfeiern musste dieses Gericht unbedingt auf den Tisch. Speziell für mich hat sie öfter Griesknöpflen gebacken, weil das nicht jeder mochte - und auch daran denke ich mit Wehmut. Weil, egal, woher man das Rezept bekommt oder wer es zubereitet: so wie bei Oma schmeckt's nie mehr.

 

Sauerbraten und Spätzle à la Oma

 

 Schade, dass ich beide Omas recht früh verloren habe. Vor kurzem starb die Mutter meiner angeheirateten Tante mit 91 Jahren, die für mich irgendwie ein kleiner Oma-Ersatz war. Wir haben uns nicht oft gesehen, aber sie war so nett, gewitzt, unternehmungslustig und fit bis ins hohe Alter, und zudem so, wie ich mir eine Oma vorstelle. Irgendwie ein bisschen traurig, dass es die Kittelschürzen-Generation wohl bald nicht mehr geben wird.


Samstag, 17. August 2013

Zwischenbilanz Leserunde "Neverwhere" ~ Neil Gaiman

Also, den Vergleich mit "Harry Potter" nehme ich reumütig zurück: Neverwhere ist auf gar keinen Fall eine Kindergeschichte. Obwohl in Grundzügen Parallelen vorhanden sind und ich gewisse Szenen und Gestalten in den Potter-Filmen ebenfalls ganz und gar nicht jugendgerecht empfand, toppt Neverwhere diese um Längen - und zwar in beschriebenen Grausligkeiten sowie in der psychologischen Tiefe.


Wir sind inzwischen beim 15. Kapitel von zwanzig, und ich bin sehr beeindruckt von Neil Gaimans Hintergrundwissen und der Art, wie er Dialoge schreibt und der Leichtigkeit trotz des tatsächlich ernsten Themas, das er auf eine groteske und mitunter amüsante Ebene gebracht hat. Im Prinzip wird in "Neverwhere" mit London Below die Hölle und deren Bewohner beschrieben, die in das reale, "obere" Leben eingreifen können und einem einzigen Herrscher unterstehen, gegen den nur noch die "Rattenmenschen" Widerstand leisten - so zumindest meine Interpretation. Das gelingt ihm auf vergnügliche, aber auch nachdenklich stimmende Weise.

Und es wurde mir schon sehr bald klar, dass der Autor sich schamlos an dem Buch der Bücher bedient hat. Aber so geschickt, dass ihm das keiner übel nimmt - viele große Schriftsteller, gerade wohl im Fantasy-Bereich - orientier(t)en sich an der Bibel. Wenn man es genau nimmt, ist sie wohl auch das spannendeste und unterhaltsamste Werk der Literatur überhaupt; das geben sicher auch Atheisten unumwunden zu. Jedenfalls ist "Neverwhere" eine überaus gelungene Mischung aus Spiritualität, Legenden, Popkultur und Allgemeinwissen.

Den Spaß an dem Roman habe ich aber vor allem der Leserunde zu verdanken. Als Langsamleser hätte ich nicht vermutet, dass ich so fleißig zu jedem Kapitel etwas poste und mit den anderen vier Teilnehmern diskutiere, was einem so nebenbei noch neue Einsichten eröffnet. Schon interessant, wie unterschiedlich Leser dasselbe Buch analysieren und verstehen.




 
 




Donnerstag, 15. August 2013

Danke!

Ich fühle mich heute einfach danach: Ich möchte Danke! sagen, und zwar zu all den Fans meiner Romane, die selbige und mich durch den Büchertreff kennen gelernt haben. Da wäre Dani, die mir so freundlich und tatkräftig ihre Hilfe angeboten hat, als ich auf dem BT noch ein Frischling war.

Meine herzlichsten Grüße und Küsse gehen ebenfalls an

Mareike die Strandläuferin, Pandämonium, Mara, Diana / Vicidog und Floxine, der Gewinnerin meines letzten Quiz. Und natürlich an alle Teilnehmerinnen unserer Leserunde im Februar, an die ich immer noch gern denke. Ihr habt super mitgemacht!




Ihr könnt euch nicht vorstellen, was es für mich bedeutet, dass ihr nicht nur einen meiner Romane gelesen habt bzw. lesen wollt. Ich weiß, meine Geschichten sind weder Mainstream noch leicht verdauliche Kost, geschweige denn, dass sie sich in ein festgelegtes Genre kategorisieren lassen, daher weiß ich euer Interesse, eure Begeisterung und wunderschönen Rezensionen meiner Bücher doppelt zu schätzen.

Die Mehrheit von euch wünscht sich ja eine Fortsetzung von "Vom Ernst des Lebens" (ist das wirklich ein fieser Cliffhanger am Ende?), und ich würde euch das gerne erfüllen. Leider fühle ich mich derzeit nicht in der Lage dazu - in meinem beruflichen Leben und in RL im Allgemeinen geht es momentan drunter und drüber, und irgendwie sind mir Miles und Rupert schon ziemlich entglitten - wahrscheinlich übern großen Teich. Ich möchte es aber im Auge behalten - schließlich soll man nie Nie sagen. Schon gar nicht, wenn man damit anderen eine kleine Freude machen kann.

Ich hoffe, es ist okay, dass ich euch auf meinem Blog ein Denkmal setze. Falls jemand Einwände hat, bitte vortreten. (O:

Bildquelle: pixel2013 / Pixabay



Mittwoch, 14. August 2013

Apropos Tage...

... heute mach ich's kurz - bin etwas in Eile. Aber einen verspäteten Beitrag zum "Linkshänder-Tag" (ähem... wann gibt es denn den kleinen Zeh-Tag - oder besser gesagt: *wann* ist der?) will ich als bekennender Lefty und hoffnungsloser Rechtshänder-Aspirant doch leisten. *Klick*



Carina Chen / Pixabay

Donnerstag, 8. August 2013

Weltkatzentag

Mittlerweile gibt es ja für alles Tage: Männertag, Angebrannter-Keks-Tag, Flipflop-Tag... aber der für die Katze ist mir als inzwischen katzenloser Katzenfan eine Erwähnung wert - auch wenn ich finde, dass für Katzenbesitzer jeder Tag im Jahr einer ist und man ihnen an den restlichen 364 Tagen dieselbe Aufmerksamkeit widmen sollte, weil sie das einfach verdient haben.




Meine beiden Katzenjungs waren etwas ganz Besonderes - kein anderer Kater wird mich je so liebevoll umarmen und mir mit seiner rauen Zunge den Hals lecken wie der Joschi es getan hat. Wenn ich daran denke, hat das etwas Rührendes, Erheiterndes und zugleich Schwermütiges für mich. Und trotzdem möchte ich - sollte ich irgendwann wieder ein Samtpfötchen haben - es nicht an seinen Vorgängern messen.

Mein anderer war ziemlich knitzig, weswegen wir ihn bald in "Knitz" umgetauft haben, obwohl er eigentlich Columbus hieß, weil er so naseweis und entdeckerfreudig war, und manchmal auch ein bisschen heimtückisch. Keinen Ton hat er gesagt, wenn er sich mal bei der Nachbarin hat verwöhnen lassen oder sich eine Schikane für Joschi hat einfallen lassen. Richtig böse konnte ihm dafür aber keiner sein - Joschi schon gar nicht.




Da wir sie sehr geliebt und verwöhnt haben, waren sie länger bei uns, als wir es uns erträumt hätten - und dennoch nicht lange genug. Knitz wurde als "kränkliches" Spätsommerkatzerl 12 Jahre alt, und Joschi sogar fast 22. Macht's gut, ihr zwei! Bis irgendwann!





Samstag, 3. August 2013

Kaiser Sößchen ~ Review "The Usual Suspects"

Im Archiv gegraben und nach langer Zeit mal wieder angeschaut: "The Usual Suspects" (Die üblichen Verdächtigen), mit Gabriel Byrne, Kevin Spacey und ein paar anderen Schauspielern, denen man Mitte der 1990er eine große Zukunft voraussagte, die heute aber kaum jemand mehr kennt.

 


Damals schienen Cop / Gangster-Filme ja groß in Mode zu sein - heute kräht kein Hahn mehr danach, oder? Irgendwie sind die aber auch alle gleich, und alle auch gleich schnell wieder in der (wohlverdienten) Versenkung verschwunden. Ich denke da an Tarantinos "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction", oder "Liar/Deceiver" mit Tim Roth und Chris Penn. Fast vergessen auch "Miller's Crossing" (zu Unrecht, eigentlich, denn der ist wirklich gut) - ebenfalls mit Gabriel Byrne.

Jedenfalls war es recht sonderbar, den Film mal wieder zu sehen und die bittere Tatsache festzuhalten, dass sich mir die preisgekrönten "Usual Suspects" selbst nach so langer Zeit nicht mehr erschließen als beim ersten Mal. Alles daran ist kryptisch und umständlich, und wenn Kevin Spacey / Verbal Kint über Gabriel Byrne / Dean Keaton sagt, für Cops muss alles simpel sein, dann wünscht man sich, der Film hätte mehr das Augenmerk auf die Cop-Perspektive gerichtet als auf die von Kayser Soze (Spoiler?).

Ich fand den Plot ziemlich wirr und über weite Strecken total langweilig, gerade weil er so konfus war. Wahrscheinlich habe ich mir die DVD nur wegen Mr. Byrnes blauen Augen, den dunklen Locken und seiner wahnsinnssexy Nase gekauft - tatsächlich horte ich mehrere (auch zweitklassige) Filme mit ihm in der Hauptrolle, weil er mir so gut gefällt - aber auch, weil er ein wirklich toller Schauspieler ist.

Sehr lachen mussten wir ja, als über Kayser Sozes Abstammung spekuliert wird: Deutsch und Türkisch. Was bitte soll denn an Soze und Kayser mit Y deutsch sein? Handelt es sich vielleicht um eine regionale Tunke zu einem kaiserlichen Gericht wie dem Kaiserschmarrn? Nachdem wir das spitzbekommen hatten, hat uns der Film plötzlich richtig gut unterhalten, und jedes fassungslose "Kayser Soze!" wurde zu einem ärgerlichen "Kaisersoße!" oder der Henkersmahlzeit, die sich die Opfer aussuchen durften (Sorry, das klingt jetzt echt spinnig, aber so bin ich hin und wieder).

Eine wirkliche Kritik kann ich nicht abgeben. Dazu war mir der Film zu kompliziert. Aber die epische  Musik im Abspann fand ich dann doch recht gelungen. Manchmal denke ich, man konzipiert Filme absichtlich so umständlich in der Hoffnung, sie hätten das Zeug zum Kult-Klassiker. Das mag gelegentlich klappen - bei den üblichen Verdächtigen ging die Verwirrung und das ganze "Wer ist Kayser Soze?" in die Hose (Achtung Wortspiel!). Immerhin gab es in "Dr. House" noch zwei oder drei Referenzen auf den Film. Kein Wunder: der Regisseur Bryan Singer hatte auch in der Serie ein Wörtchen mitzureden. Also rasch mal ein bisschen Schleichwerbung einstreuen...

Ach, und dort posaunt der langweilige Dr. Taub ganz fies des Rätsels Lösung aus, als sich Dr. Foreman "The Usual Suspects" auf Tivo anschauen will: Natürlich ist Kayser Soze der Mann mit denselben Initialen im richtigen Leben.


Bewertung: verwirrte, aber amüsierte


👍👍👍





Donnerstag, 1. August 2013

Das fiel mir auf: der Papst und "die Brüder"

Als vorgestern die Schlagzeile "Sie sind unsere Brüder" im Zusammenhang mit Schwulen und dem neuen Papst (Franziskus? Bin nicht so bewandert mit Heiligen und Kirchenabgeordneten *hüstel* ) auftauchte, dachte ich zuerst: Alle Achtung! Der traut sich ja was! Das ist beinahe so, als würden die Kirchenchristen endlich zugeben, dass die Wurzel ihrer Religion im Judentum zu finden ist. Gewagter Vergleich, ich weiß. Aber Homosexuelle sind schließlich genauso Menschen wie der Rest der Menschheit - nicht mehr und nicht weniger (und im Übrigen auch nichts Besonderes - auch wenn Leute wie Herr Wowereit das gern so hätten).

 

rainhard2 / Pixabay

 

 Jedenfalls fand ich es erstaunlich, dass das Oberhaupt der lustfeindlichen und zuweilen schnell verurteilenden katholischen Kirche sich zu so einer freimütigen Äußerung hinreißen lässt. Vielleicht, dachte ich, braucht er als Neuer ja auch noch ein paar Fans unter den Christopher Street Day-Veranstaltern, und so ein bisschen fishing for compliments ist da wahrscheinlich nicht die verkehrteste Taktik. Und ehrlich gesagt, er wirkt zumindest auf mich nicht so päpstlich seriös wie sein Vorgänger Ratzinger oder der charismatische Papst aus Polen. Da heiligt der Zweck wohl ein bisschen Populismus.

Aber dann fand ich heraus, dass er mit "Brüdern" die schwulen Priester meint - und war echt entsetzt. Will er damit etwa die Misshandlungen und den Missbrauch in Klöstern verharmlosen, unter denen Kinder und Jugendliche zu leiden haben und für den Rest ihres Lebens traumatisiert sind, weil sie seelische Narben davontragen?!

Ein Priester hat weder schwul noch hetero zu sein, lieber Franziskus! Er muss als asexuelles Wesen im Zölibat leben - so hat das deine Kirche befohlen und angeordnet. Hätte sie das nicht, könnten Priester heiraten und müssten sich nicht an wehr- und hilflosen Buben vergehen, um ihre Triebe zu befriedigen. Denn das ist G'tt ein Greuel. Nicht die Heirat per se, sondern das, wie es hinter kirchlichen Mauern zugeht, und wohl auch im Vatikan. Das lässt sich mit einem so toll klingenden Satz wie deinem nicht einfach schön reden.

Sympathiepunkte hat der Neue mit dieser Bemerkung bei mir nicht sammeln können. Wirklich nicht.






Freitag, 26. Juli 2013

Literarisches Neuland: "Neverwhere / Niemalsland" von Neil Gaiman



Man sollte es ja nicht für möglich halten: *Ich* greife zu einem Fantasy-Roman! Und finde das, was ich bisher gelesen habe, richtig gut! Viele, die meinen Geschmack kennen, wissen, warum das so außergewöhnlich ist: Fantasy ist nicht mein Ding, absolut nicht.

Die mitunter fast hysterische Begeisterung für Harry Potter ist für mich schwer zu verstehen (ein oder zwei Verfilmungen habe ich gesehen, weiß aber nicht mehr, welche Teile, so öde fand ich's - und für hundsgewöhnliche Muggels sprechen die Darsteller ohnehin chinesisch), und vorhersehbare LoveRomanceFantasy à la Twilight geht gar nicht - ich hab's versucht. Eher prügelt man mich zu einer Rosamunde Pilcher-Schmonzette im Zweiten - da gibt es wenigstens tolle Landschaften zu bestaunen, wenn schon kein Anspruch.

Neverwhere scheint ähnlich gestrickt wie Harry Potter. Ob J. K. Rowling sich davon hat inspirieren lassen? Die Frage stellt sich unwillkürlich, nachdem die Eltern des Mädchens Door, das magische Kräfte hat, von dem abgrundtief Bösen ermordet wurden und das nun auch nach dem Leben von Door trachtet, die daraufhin von "London Below" nach "London Above" flüchtet und dort von dem herzensguten, einfach gestrickten Richard Mayhew gefunden wird, für den damit ein unglaubliches Abenteuer beginnt. Auch einen ähnlichen Namen gibt es, der an den fiesen Lord Voldemort erinnert. 

Oder vielleicht folgen beide Autoren ja nur dem klassischen Fantasy-Muster - das kann ich als "Grünschnabel" nicht so genau beurteilen. Und trotzdem fesselt mich die Geschichte. Das liegt diesmal nicht nur an Benedict Cumberbatch, der in einer neuen Hörspielversion von BBC Radio dem Engel Islington eine gewaltige Stimme verleiht (Oh, ihr habt es geahnt, oder?

Neil Gaiman schreibt lebendig und atmosphärisch und mit schaurigen Einschüben, bei denen dem Leser eine Gänsehaut über den Rücken läuft; genauso, wie ich es liebe. Kopfkinomäßig. Und ich mag die Details, mit denen er seinen Figuren Macken und somit Tiefe verleiht. Außerdem ist mir der Protagonist Richard Mayhew mit seiner unfreiwilligen Troll-Sammlung und der Höhenangst bisher total sympathisch. In letzterem konnte ich ihm total nachempfinden - aufgrund meiner Höhenphobie fahre ich nicht einmal mehr in diesen pobeligen Riesenradgondeln, die einem nur bis zum angezogenen Knie reichen. Jaja, man wird nicht jünger...

Was mir ebenfalls gut gefällt an dem Buch, sind die altmodisch-ungewöhnlichen, buchstäblich nach Moder riechenden Aufzüge der Unterweltbewohner und dass viele von ihnen nach bekannten Stadtvierteln und Plätzen Londons benannt sind. Auf so etwas muss man erst mal kommen!

Ab Anfang August werde ich mit anderen Interessierten auf meinem Bücherforum an einer Leserunde über den Roman teilnehmen. Ich muss mich ordentlich zusammenreißen, um nicht voranzupreschen - und ehrlich: Das ist mir noch nie passiert. Schon gar nicht bei Fantasy. Bin sehr gespannt, ob das Buch hält, was es bisher verspricht (Ich habe schon das zweite Kapitel durch. Aber nicht verraten!).









Dienstag, 23. Juli 2013

Gewinnspiel: Vom Ernst des Lebens

Ich habe die Spendierhosen angezogen (langsam werden sie ein bisschen eng^^), und verlose wieder einmal einen meiner Romane. Diesmal handelt es sich um "Vom Ernst des Lebens", die Geschichte der beiden ehemaligen Oxfordkommilitonen Rupert Grayson und Miles Mayhew - beide so unterschiedlich wie Tag und Nacht, und doch verbindet sie eine Freundschaft, die sich auf einer für Rupert ominösen Reise nach Paris vertieft. Denn dort lernen die zwei nicht nur, wie man als Engländer im Ausland punkten kann (oh, bin ich böse!), sondern auch gegenseitiges Verständnis. Besonders Miles, der selbstbewusste, rede- und weltgewandte Gentleman, entdeckt Qualitäten in dem Bücherwurm und angehenden Professor Rupert, die er diesem anfangs nicht zugetraut hätte.

Kurzbeschreibung Amazon:

London, 1958: Der lebenslustige Miles Mayhew bedrängt seinen ehemaligen Oxford-Kommilitonen Rupert Grayson in einer Spontanaktion, für unbestimmte Zeit gemeinsam nach Paris zu reisen. Rupert, der sich lieber hinter Büchern vergräbt und Kontakte scheut, hält zwar wenig davon, kann jedoch nicht ablehnen. Miles scheint vor etwas zu fliehen, denn er checkt im Pariser Hotel unter falschem Namen ein und gibt Rupert als seinen Bruder aus. Dieser macht sich seine eigenen Gedanken über Miles’ Flucht aus England, da Miles nicht darüber reden möchte und sich recht geheimnisvoll gibt. Nach und nach vertieft sich ihre Freundschaft; Miles hilft Rupert, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln, während Rupert auf seine zurückhaltende Art dem Freund Dinge aus dessen Vergangenheit entlockt, die Miles lieber verschwiegen hätte…



Ich werde oft gefragt, ob "Vom Ernst des Lebens" von mehr als nur Freundschaft zwischen zwei Männern handelt. Normalerweise würde ich sagen: Finde es heraus. Doch da ich weiß, dass einige Leser nichts mit sogenannter "Gay Romance" am Hut haben, kann ich das wohl verneinen. Gelegentlich gibt es Hinweise darauf, dass Rupert mehr in Miles sieht als nur einen Freund - besonders, da dieser einen recht ungezwungenen Umgang mit Rupert pflegt. Aber er tut das ohne die Absicht, den eher ängstlichen und zurückhaltenden Freund zu etwas zu zwingen. Es ist einfach Miles' Art, seine Wertschätzung auszudrücken. Überdies ist er in einer "expliziten" Szene betrunken und besorgt um Rupert.

Geschrieben habe die Geschichte innerhalb von acht Wochen. Es war meine bestimmt schnellste, die ich je an meine Festplatte verfüttert habe, noch völlig inspiriert von einem Wochenendtrip nach Paris. Meine Begeisterung für Bücher, Filme, Kino und vergangene Zeiten kommt in "Vom Ernst des Lebens" ebenfalls zum Tragen.

Die Charaktere hatte ich genau vor Augen, und ob man es glaubt oder nicht - ich kenne zumindest einen Miles und ganz viele Ruperts, wenngleich Rupert ein wenig überspitzt wirkt, fast wie eine Karikatur. Von Miles würde sich der eine oder andere bestimmt gern eine Scheibe abschneiden, was Spontaneität und Tatkraft angeht. Er fackelt nicht lange, und sagt auch mal, was er denkt, wobei er weitgehend diplomatisch bleibt. Es gibt solche Menschen, nicht nur in Romanen. Beinahe unerträgliche heitere, unternehmungslustige Zeitgenossen, deren Charisma und Optimismus man bewundert und auf die man bisweilen sogar ein bisschen neidisch ist, weil ihnen alles zu gelingen scheint.

Trotzdem ist Miles kein Übermensch. Er hat Fehler und vor allem Ängste, hinter die Rupert erst mit der Zeit kommt.

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Was müsst ihr tun, um die beiden auf ihrem denkwürdigen Trip begleiten zu können?

Ganz einfach: Schreibt an

chris009@gmx.net unter dem Betreff "Quiz" bis zum 3. August, von welchem begnadeten Schauspieler, Tänzer und Entertainer der Hotelpage Julien schwärmt. Lieferadresse nicht vergessen!

Um 20.00 Uhr am Stichtag wird das Los entscheiden. Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück und würde mich nach dem Beenden der Lektüre riesig über eine Rezension auf Amazon und eurem Blog (sofern vorhanden) freuen!


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Die unvermeidlichen Regeln:

- Eure Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben und nur zum Zweck des Gewinnspiels benötigt. Nach der Verlosung werden sie gelöscht.
- Ich versende deutschlandweit. Ins Ausland verschicke ich nur, wenn das anfallende Porto erstattet wird.
- Falls das Päckchen auf dem Postweg verloren geht, übernehme ich keine Haftung.



Donnerstag, 11. Juli 2013

Kesse Beach Boys

Schon merkwürdig: ich dachte immer, ich muss über mich hinauswachsen oder etwas Großes erreichen, um glücklich zu sein. Aber inzwischen merke ich, dass es oft auch die kleinen und bunten Dinge sind, die mir Freude machen, auch wenn sie ziemlich spinnig sind. Zum Beispiel meine Amigurumis. Die haben keinen wirklichen Nutzen, und vielleicht finden sie manche auch albern und doof. Für mich ist es der ideale Zeitvertreib, um zu entspannen und mich zugleich inspirieren und einfach mal "die Seele baumeln" zu lassen.

Ich bin ganz verliebt in diese einfache, aber kreative Häkeltechnik, und besonders toll finde ich, dass man mit ein bisschen Übung eigene Entwürfe gestalten kann. So wie ich meine beiden Beachboys. Wenn es nach mir ginge, würde ich nichts anderes mehr machen. Beruflich, meine ich. Nur ein Püppchen nach dem anderen häkeln. Tricky waren eigentlich nur die Frisuren, denn die mussten sitzen - auch ohne Drei Wetter Taft. Und ich hatte eine genaue Vorstellung, wie sie aussehen sollten, was die Angelegenheit nicht gerade vereinfacht hat. Umso stolzer bin ich jetzt auf das Ergebnis.^^




Die Größe von dem kleineren beträgt etwa 20 cm, der Große ist um die 22 cm. Ich habe - Asche über mein Haupt - während dem Arbeiten keine Anleitung geschrieben, da ich kein Multitasking-Talent bin. Die zwei sind Prototypen und daher unverkäuflich. Wenn es unter euch Lesern Amigurumi-Fans gibt, die zu wenig Zeit haben, um sich ihr eigenes Maskottchen zu fertigen, besucht mich doch mal in meinem Etsy-Shop. Da biete ich eine Auswahl von süßen Figürchen an. Sie machen sich übrigens immer gut als Mitbringsel und sorgen für manchen Lacher vom Beschenkten. Apropos Lacher: neulich schenkte mir jemand, der mich genau kennt, etwas, das mich dazu brachte und zum Thema passt. So ähnlich sieht das wohl bei mir aus, auch wenn ich nur mit *einer* Nadel fuhrwerke.




Nett ist auch, wenn das Amigurumi etwas in den Gesichtszügen vom Charakter des neuen Besitzers widerspiegelt oder man es mit dem entsprechenden Hobby des Beschenkten ausstattet.

Das Surfbrett der beiden ist doppelt gehäkelt und könnte evtl. auch mit einem Karton im Inneren verstärkt werden.







Montag, 1. Juli 2013

Beruflicher Neustart und ein paar philosophische Gedanken dazu

Leichtgefallen ist uns der Entschluss allen nicht: nach einigen beschwerlichen Jahren als kleines Einzelhandelsgeschäft, das sich nach einer Sortimentsänderung auf Unikate und Geschenkideen spezialisiert hat, werden wir nun den herkömmlichen Verkauf nach fast vierzig Jahren Kaufmannserfahrung mit einer Sommeraktion ausklingen lassen.




Irgendwie ist das schon ein komisches Gefühl, auch wenn ich ahne, dass der Fachhandel, so wie er über Jahrhunderte bestand, wohl aus der Mode kommt. Ich bin in diesem Laden praktisch großgeworden, habe mich eingebracht und ihn stolz übernommen, nachdem ich meine Lehre als Einzelhandelskauffrau abgeschlossen hatte. Und ich hatte viel Spaß, solange er brummte und ich den Kunden mein Wissen über diverse Basteltechniken bei Beratungen oder Kursen weitergeben konnte - auch wenn ich nicht die geborene Verkäuferin bin.

Er hat viele Metamorphosen durchlaufen, der Laden - für einige Kunden fast zu viele. Oft waren sie ganz schockiert und fielen aus allen Wolken, wenn sie feststellen mussten, dass es nach dreißig Jahren nun mal kein Makrameezubehör und  Peddigrohr mehr gibt und stattdessen losen Tee und Knabbereien aus biologischem Anbau. Weil man sich an Altes eher gewöhnt und Neues in der Regel erst mal misstrauisch beäugt. Das geht mir nicht anders.

Und trotzdem möchte ich nach vorn schauen und optimistisch in die Zukunft - Veränderungen sind nicht schlecht, sondern öffnen Türen und erweitern den Horizont.  

Der Laden wird nicht geschlossen (aller Unkenrufe zum Trotz). Er verändert sich nur, wie schon so oft in vier Jahrzehnten.

Unsere Kunden haben sich immer wohlgefühlt bei uns, und das soll auch weiterhin so sein. Viele bezeichnen unseren Laden als "Kleinod", der in einer Großstadt wie Heidelberg die Aufmerksamkeit erhielte, die er verdiene. Es ist schon ein bisschen traurig, dass man wirklich viel Liebe und Herzblut in den Laden gesteckt hat in der Hoffnung, etwas Außergewöhnliches zu bieten, an dem die Leute Freude haben  - und dann feststellen zu müssen, dass Individualismus und Qualität gar nicht mehr so sehr gefragt sind. Aber wenn alles neu ist, kann alles ganz anders werden.

Und jetzt muss ich doch ein paar Tränchen verdrücken... entschuldigt mich bitte.