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Donnerstag, 22. August 2013

Mein Etsy-Shop

"Tinnef" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie "Unsinn" oder auch "Schund" bzw. "nutzlose Dinge". Verbreitet war der Begriff besonders in der Ganovensprache. Wurde wertloser Plunder erbeutet, sprach man abfällig von Tinnef.

Die Sachen auf meinem Etsy-Shop sind ganz bestimmt nicht wertlos, aber auch nicht unbedingt lebensnotwendig, sondern für Individualisten mit Sinn für das Besondere. Darum finde ich den Namen recht passend.

Eigentlich wurde da aus einem Hobby ein wenig mehr. Vor ein paar Jahren fiel mir ein Anleitungsbuch über die japanischen Häkelfiguren, die sogenannten "Amigurumis", in die Hände, und ich war sofort Feuer und Flamme. Der Haken dabei: ich konnte nicht häkeln! Seit ich es in der dritten Klasse gelernt habe, ist einiges an Zeit vergangen, und ich bin nicht wirklich so der Handarbeitsfreak. Wie so oft, wurde mir das in der Schule ein bisschen verleidet. Aber die Amigurumis - als Haustiere der Mangas werbewirksam gepriesen - waren sooo süß! Die musste ich haben.







Also habe ich mir das Heft gekauft und mir das Häkeln wieder beigebracht. Die Schrift war auch für Dummies wie mich bestens erklärt, so dass bald eine ganze Bande der gehäkelten Gesellen meine Wohnung bevölkerte. Die ersten Exemplare waren noch ein wenig locker und unbeholfen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ein grüner Affe und ein Tiger aus verschiedenen Brauntönen thronen auf meinem Schrank und genießen die Aussicht und ihr Erstgeburtsrecht, indem sie bei mir bleiben.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Fliegenpilze. Sie sind nicht nur fix gemacht, sondern geben auch ein prima und originelles Nadelkissen ab, sind also kein Tinnef im engeren Sinne. Mädels und kleinen Prinzessinnen kommt natürlich das Einhorn gut an und alles, was rosa ist. Und jung gebliebene Erwachsene tragen ihr Amigurumi trendbewusst an Handtaschen und Rucksack oder als Glücksbringer in der Tasche. Manche fragen mich, ob es mir nicht leid tut, meine Amigurumis wegzugeben. Im Gegenteil! Ich bin froh um jedes Stückchen Platz, das ich für weitere Figuren machen kann.



Donnerstag, 25. April 2013

Little Manga Girl

Gestern lief mal wieder - wie so oft - nichts im Fernsehen. Ich hatte trotzdem Bock, mich eingekuschelt auf meinem Megasofa zu lümmeln (das Einzige, das ich im Sommer vermissen werde) und die Glotze einzuschalten. Hängengeblieben bin ich bei einer Reportage über das "neue" China, die mich total schockiert hat. Chinesische Mädchen im Schönheits-OP-Wahn! Zuerst dachte ich, man veralbert uns jetzt, aber die Interviews von Soziologen, Betroffenen und Parvenüs in Sachen plastischer Chirurgie können ja nicht alle getürkt gewesen sein. David Bowie wird sich bedanken, wenn er erfährt, wie wenig angesagt sein exotisches China Girl mittlerweile ist und den Song vermutlich noch einmal neu aufnehmen - mit dem Titel meines Beitrages.



Pexels / Pixabay



Junge Mädchen wollen aussehen wie Britney Spears, und solche, die ihre Metamorphose vom "flachgesichtigen" Asiaten zum "nasenrückenhohen" Europäer bereits hinter sich haben, sind begehrte Fotomodels in der Branche. Meist sind die OPs noch nicht ganz abgeschlossen, aber Hauptsache, man sieht aus wie ein zwitterhaftes, ausdrucksloses Mangawesen vom anderen Stern bzw. der westlichen Welt. Auf Schönheitschirurgie spezialisierte Praxen schießen in China wie Pilze aus dem Boden, so dass man bzw. Frau schnell mal in der Mittagspause Bauchfett absaugen und es sich in die Wangen spritzen lassen kann (kein Witz!).

Auch die Haut soll vornehm blass und nicht "gelb" sein: dann hat man angeblich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gibt es in jeder Drogerie Weißmachercremes zu kaufen. Wer gründlich und schneller sein will, lässt sich Infusionen verpassen, die den Weißmacher direkt unter die Haut leiten. An gesundheitliche Risiken scheint dabei keiner zu denken.

Traurig, wenn man sieht, wie wenig selbstbewusst junge Chinesinnen offenbar sind. Das Wichtigste ist den Interviewten, schön "dreidimensional" auf Fotos auszusehen - mit einoperierter Lidfalte, schmalem Gesicht und nachmodellierten, hohen Wangenknochen. Umso schlimmer, dass es niemanden gibt, der sie zur Vernunft bringt - die selbst ernannten plastischen Chirurgen schon gar nicht. Ich weiß, man ist nicht immer zufrieden mit sich, aber in fünf Jahren ist vielleicht das China Girl vom Aussterben bedroht und darum heiß begehrt. Dann gucken die Manga Girls aber dumm aus der Wäsche mit ihren riesigen, multi-lid-faltigen Augen und ihren europäisch umoperierten Schmollmündern - die hat übrigens auch nicht jede westliche Frau.