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Freitag, 10. Januar 2020

Bimbo oder ein Trip in die Kindheit

Über Weihnachten und dem Dreikönigstag haben wir mal wieder etwas gemacht, das eigentlich völlig in Vergessenheit geraten ist und früher irgendwie bei Festen oder besonderen Anlässen im Kreis der Familie zum guten Ton gehört hat: mein Vater hat die alten Diafotos und Super 8-Filme vom Speicher herausgekramt. Als technikversierter Mensch war es früher sein Hobby, zu fotografieren und zu filmen und Material wie Projektor und Spulen sorgfältig aufzubewahren. Bald haben solche visuellen Ausrüstungen Museumsqualität; zumindest wirken sie in der digitalen Welt des Internets schon ein bisschen altertümlich.




Ich hatte befürchtet, dass die Dias verblichen und die Filme vom Alter brüchig sind und war positiv überrascht, wie frisch die Farben auf beiden Medien noch leuchten. Fast als hätte man sie gestern erst geknipst bzw. produziert. Und ich hatte noch etwas viel Wichtigeres festgestellt. Nämlich wie glücklich und frei und bunt meine Kindheit war. Auf den Bildern lache ich viel, beim Malen und Schaukeln, beim Spielen und Unsinn machen mit meiner Schwester, zu der ich - wie auch zu meinen Eltern - bis heute einen super Draht habe. Dass das nicht selbstverständlich ist, weiß man im Alltag oft gar nicht zu schätzen. Die nostalgische Reise auf der Leinwand hat mir aufs Neue bewusst gemacht, wie viel wir als Familie erlebt haben, ob im Urlaub oder zuhause, und wie schön das Leben sein kann. Es war nicht immer alles eitel Sonnenschein, aber die Film- und Diaabende haben gezeigt, wie viele schöne Momente es gab, und nur ein Bruchteil davon hat mein Papa mit der Kamera festgehalten.


Seltener Kinderkummer: Bimbo muss trösten.

  

Besonders berührt haben mich neben den plötzlich auftauchenden Erinnerungen und Geschichten die damalige Mode, das Handarbeitsgeschick meiner Mutter (fast alle unsere Hemden, Jacken und Hosen waren liebevoll auf unsere Lieblingsfarben abgestimmt und selbstgemacht) und mein Spielzeug. Ich hatte nicht so viel, wie ich immer dachte, dafür aber über Jahre heißgeliebte Stücke wie Bimbo der Affe und Bububär, ein roter Plastikbär (oder eine Maus?), dessen große Ohren ich damals als Zahnring zweckentfremdet hatte. Im Gegensatz zu Bimbo ist er mir irgendwann abhanden gekommen, doch er bleibt unvergessen wie mein Kater Oskar und meine Großeltern, die ich hoffentlich in einem späteren Leben wiedersehe (Bububär wird wohl nicht dabeisein, aber was soll's?).

Ganz durch sind wir noch nicht mit unseren Familienschätzen; zwei oder drei Filme gibt es noch zu gucken. Die Zeit verflog so schnell beim Anschauen der Bilder und Filme, und es war ein ganz sonderbares Gefühl, sich mal wieder als Baby und Kind zu sehen. Eine Prinzessin war ich nie und wurde auch nie zu einer gemacht; mir hat es viel besser gefallen, auf Baustellen im Dreck zu spielen, zu toben und dabei Latzhosen zu tragen. Im Rückblick ist das auch Freiheit und Dankbarkeit meinen Eltern gegenüber, die uns nie etwas aufgezwungen haben. Vielleicht war ich deshalb zwar immer schon ein bisschen der Schelm in der Familie, aber (fast) immer brav, ohne langweilig zu sein. Und dafür kann ich meinen Eltern nicht genug danken.

Bimbo und ich heute

Donnerstag, 11. Juli 2013

Kesse Beach Boys

Schon merkwürdig: ich dachte immer, ich muss über mich hinauswachsen oder etwas Großes erreichen, um glücklich zu sein. Aber inzwischen merke ich, dass es oft auch die kleinen und bunten Dinge sind, die mir Freude machen, auch wenn sie ziemlich spinnig sind. Zum Beispiel meine Amigurumis. Die haben keinen wirklichen Nutzen, und vielleicht finden sie manche auch albern und doof. Für mich ist es der ideale Zeitvertreib, um zu entspannen und mich zugleich inspirieren und einfach mal "die Seele baumeln" zu lassen.

Ich bin ganz verliebt in diese einfache, aber kreative Häkeltechnik, und besonders toll finde ich, dass man mit ein bisschen Übung eigene Entwürfe gestalten kann. So wie ich meine beiden Beachboys. Wenn es nach mir ginge, würde ich nichts anderes mehr machen. Beruflich, meine ich. Nur ein Püppchen nach dem anderen häkeln. Tricky waren eigentlich nur die Frisuren, denn die mussten sitzen - auch ohne Drei Wetter Taft. Und ich hatte eine genaue Vorstellung, wie sie aussehen sollten, was die Angelegenheit nicht gerade vereinfacht hat. Umso stolzer bin ich jetzt auf das Ergebnis.^^




Die Größe von dem kleineren beträgt etwa 20 cm, der Große ist um die 22 cm. Ich habe - Asche über mein Haupt - während dem Arbeiten keine Anleitung geschrieben, da ich kein Multitasking-Talent bin. Die zwei sind Prototypen und daher unverkäuflich. Wenn es unter euch Lesern Amigurumi-Fans gibt, die zu wenig Zeit haben, um sich ihr eigenes Maskottchen zu fertigen, besucht mich doch mal in meinem Etsy-Shop. Da biete ich eine Auswahl von süßen Figürchen an. Sie machen sich übrigens immer gut als Mitbringsel und sorgen für manchen Lacher vom Beschenkten. Apropos Lacher: neulich schenkte mir jemand, der mich genau kennt, etwas, das mich dazu brachte und zum Thema passt. So ähnlich sieht das wohl bei mir aus, auch wenn ich nur mit *einer* Nadel fuhrwerke.




Nett ist auch, wenn das Amigurumi etwas in den Gesichtszügen vom Charakter des neuen Besitzers widerspiegelt oder man es mit dem entsprechenden Hobby des Beschenkten ausstattet.

Das Surfbrett der beiden ist doppelt gehäkelt und könnte evtl. auch mit einem Karton im Inneren verstärkt werden.







Dienstag, 30. April 2013

Bekenntnisse eines verhinderten Hoarders

Früher habe ich alles gesammelt: Briefmarken (kennt das antiquierte Hobby überhaupt noch jemand?), scheußliche Mini-Plastikfiguren aus dem Kaugummiautomaten, Abziehbilder für Panini-Alben, Fliegenpilze aus Polyresin, schöne Postkarten, Briefe, Setzkastenutensilien und Katzenfiguren aus aller Herren Länder. In letzterem habe ich es tatsächlich zu einer beachtlichen Sammlung gebracht. Ich liebe Katzen, und es war immer sehr aufregend, am Urlaubsort auf Souvenirsuche in Form einer Katzenfigur zu gehen. Obwohl ich schon lange keine Fernreise mehr gemacht habe, ergreift mich in jedem Nippesladen einer fremden Stadt das Jagdfieber. Besonders originelle Exemplare schaffen es meist auch tatsächlich in meine Vitrine, die bald aus allen Nähten platzt.




Aber eigentlich möchte ich mich von meinen materiellen Gütern ein wenig befreien. Das liegt nicht nur daran, dass man Geld nicht mehr so sorglos ausgibt wie zu besseren Zeiten. Manchmal empfinde ich zuviel Besitz als Ballast. Und trotzdem ist er eine zweischneidige Sache, der Besitz.

Als ich aus dem Elternhaus auszog, habe ich viel zurückgelassen und weggeworfen, um das es mir heute leid tut. Klar, das Sammeln von Erfahrungen, Erkenntnissen und Erlebnissen ist wichtiger. Es ist auch nicht so, dass ich jeden Tag der Vergangenheit nachhänge und mich schmerzhaft an meinen BubuBär und seine abgekauten roten Plastikohren erinnere. Was aber nichts daran ändert, dass mir gewisse Erinnerungsstücke aus meiner Kindheit gelegentlich fehlen. Ich möchte sie nicht festhalten, aber auch nie ganz verlieren. Dabei helfen mir Fotos und sichtbare Gegenstände mehr als Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen.

Von anderen Dingen, die mich nicht so lange begleitet haben, trenne ich mich dagegen erstaunlich leicht. Nach meinem zweiten Umzug hatte ich noch größere Wegwerfwut und habe sozusagen Großreine gemacht (wie immer man das schreibt). Ich finde allerdings, dass heuer viel zu viel zu schnell weggeworfen wird. Warum sollte man aber auch eine Kaffeemaschine zur Reparatur bringen, wenn die Anschaffung einer neuen billiger ist? Ich habe gehört, dass manche Hersteller ihre Ware absichtlich für eine kurze Lebensdauer präparieren, um größeren Profit zu machen. Wundern tut es mich ja nicht - ich frage mich bloß, warum dagegen nichts unternommen wird. Ehrlich: der Gedanke, dass wir der Nachwelt einen kilometerhohen Plastikberg hinterlassen statt kunstvoll bemalte und emailierte Krüge wie die antiken Völker, ist schon ein bisschen creepy. Der einzige Trost dabei ist, dass Plastik vermutlich nicht ganz so lang überdauert wie die Gerätschaften der Ägypter, Griechen und Römer.

Umweltbewusstsein wird im Allgemeinen eh nicht großgeschrieben bei den meisten, und derjenige, der zur Reparatur geht, wird milde belächelt mit dem Ratschlag: "Sei doch nicht blöd und geh' zu *piep* - da gibt's die Flachbildschirme diese Woche im Angebot." Apropos: ich habe noch einen Röhrenfernseher, mit dem ich genug sehe. Will ich HD, mit dem ich mit Adleraugen jede Pore im Gesicht der Schauspieler erkenne? Nicht wirklich.

Klamotten - ein heikles Thema. Ich war nie übermäßig modebewusst. Natürlich hat man das getragen, was gerade in den Kaufhäusern angeboten wurde, aber wohl musste ich mich darin fühlen. Bis heute habe ich keine Schuhe mit Absätzen, obwohl ich es versucht habe und High Heels auch sexy finde. Nur leider nicht für mich. Es gibt Lieblingsstücke in meinem Kleiderschrank, die ich nur noch selten oder gar nicht trage, und die dennoch da hineingehören. Die selbstgenähte Weste und dazu passende Shorts aus dem Israel-Urlaub. Das viel zu große, gestreifte Herrenhemd, in dem ich eine Adamo-Imitation zum besten gab und dazu "Gestatten Sie Monsieur?" karaoke gesungen habe.

Aufgeschriebene Erinnerungen und materielle Freiheit, schön und gut, und ich bewundere jeden, der auf überflüssigen Plunder verzichten kann. Trotzdem will ich manchmal etwas in den Händen halten, daran riechen, es fühlen und mich so an jene Begebenheit erinnern, die für mich schön waren. Denn jeder Gegenstand hat seine eigene, persönliche Geschichte.