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Mittwoch, 29. Mai 2013

Meine Romane und ich

Manchmal kann ich es ja immer noch nicht fassen, dass ich fünf (!) Romane veröffentlicht habe - und dabei noch gar nicht so alt bin... Im Allgemeinen bin ich nicht wirklich diszipliniert, und vieles, was ich mit Enthusiasmus anfange, versandet häufig so schnell, wie ich dafür entflamme (tatsächlich habe ich nie damit gerechnet, dieses Blog regelmäßig bis jetzt zu führen). Hinzu kommt meine perfektionistische Ader: bleibe ich bei einer Sache, muss sie in meinen Augen einwandfrei sein, sonst bin ich nicht zufrieden. Recherche ist selbstverständlich, aber auch Emotionen, Drama und vor allem Originalität sind mir wichtig in meinen Romanen.

Hier stelle ich sie noch einmal einzeln in chronologischer Reihenfolge vor, mit der jeweiligen Kurzbeschreibung bzw. dem Klappentext:





Das Bildnis des Grafen

England, Winter 1917
Der französische Psychologe Gaspard Renoir wird vom Earl of Whitehurst nach Yorkshire beordert, um dessen kriegsgeschädigten Neffen Valentine zu kurieren. Im Park des Herrenhauses trifft der Arzt Mallord Grimby, der Renoir und seinem Patienten den Aufenthalt in einem verwaisten Schloss anbietet, in dem Mallord früher beschäftigt war. Der Schlossherr Carrick Escaray verschwand auf rätselhafte Weise. Genauso rätselhaft erscheinen das Schloss selbst, Mallord und seine Umwelt. Als Renoir beginnt, über Escaray Hall und seine früheren Bewohner Nachforschungen anzustellen, stößt er im Dorf auf heftige Ablehnung und Unverständnis. Ein Geheimnis umweht die Escarays, das offenbar eines bleiben soll. Auch der Landarzt Elwyn Hazelgrove – einst Ziehvater des jungen Carrick – scheint mehr zu wissen, als er preisgibt. Nach und nach entwirrt Renoir mit Hilfe seines jungen Patienten das Geflecht zwischen den beiden seit Generationen verfeindeten Familien Whitehurst und Escaray.
Seiten: 502

Vom Ernst des Lebens

London, 1958
Der lebenslustige Miles Mayhew bedrängt seinen ehemaligen Oxford-Kommilitonen Rupert Grayson in einer Spontanaktion, für unbestimmte Zeit gemeinsam nach Paris zu reisen. Rupert, der sich lieber hinter Büchern vergräbt und Kontakte scheut, hält zwar wenig davon, kann jedoch nicht ablehnen. Miles scheint vor etwas zu fliehen, denn er checkt im Pariser Hotel unter falschem Namen ein und gibt Rupert als seinen Bruder aus. Dieser macht sich seine eigenen Gedanken über Miles’ Flucht aus England, da Miles nicht darüber reden möchte und sich recht geheimnisvoll gibt. Nach und nach vertieft sich ihre Freundschaft; Miles hilft Rupert, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln, während Rupert auf seine zurückhaltende Art dem Freund Dinge aus dessen Vergangenheit entlockt, die Miles lieber verschwiegen hätte…
Seiten: 200

Fairlight 

Mittelengland, Herbst 1916
Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust. Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen.
Seiten: 400

Furchtlos zum Himmel

England, 1923
Der Bergsteiger Gareth Preston begibt sich mit einem Expeditionstrupp erfahrener Alpinisten nach Tibet, um als Erster den höchsten Berg der Welt zu besteigen. Auf der abenteuerlichen Reise über den Ozean und durch Indien lernt er den blutjungen Neuling im Team kennen und schätzen, sehr zum Missfallen der übrigen Expeditionsteilnehmer. Die Anziehungskraft ist gegenseitig, und Gareth nimmt Timothy Milford unter seine Fittiche. Eine Entscheidung, die nicht ohne Folgen bleibt....
Seiten: 582

Ausnahmsweise doppelgleisig

München, 2000
Die Ehe des erfolgreichen Unfallchirurgen Branko Schuster steht auf der Kippe; er und seine Frau Annika leben getrennt voneinander, da er jahrelang ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren Krankenschwester Carolin Cremer hatte. Auf der Beerdigung seiner dreiundachtzigjährigen Mutter sieht er einen Mann bei Annika und der gemeinsamen Tochter Jana stehen, von dem er annimmt, es sei Annikas neuer Lebensgefährte. Doch der Fremde folgt ihm, stellt sich als Seraphin Engel vor und scheint ein wenig wunderlich zu sein. Er redet von einer Aufgabe, die mit Branko zu tun hat und lässt sich durch nichts vertreiben. Branko nimmt ihn vorläufig bei sich auf, weiht jedoch am nächsten Morgen seinen Vorgesetzten Dr. Wolf-Horvath ein, der die psychiatrische Abteilung leitet. Allerdings gibt es keinen Insassen dieses Namens, auch in der näheren Umgebung nicht. Branko nimmt den Fremden wieder mit nach Hause, der sich erstaunlich anhänglich und hilfsbereit zeigt. Er hilft Branko, seinen schwierigen Klinikalltag zu meistern und hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Bald erregt Brankos ständiger Begleiter allgemeine Aufmerksamkeit und stellt nicht nur dessen Leben völlig auf den Kopf.
Seiten: 240 




Ich freue mich über Feedback und auch Rezensionen bzw. Meinungen zu meinen Büchern! (O:

Montag, 27. Mai 2013

Wii fit bist du?

Nachdem ich die Wii-Konsole  mit Balanceboard im Verwandtenkreis getestet habe, bin ich nun Besitzer einer eigenen. Etwas für die Fitness zu tun, und das auch noch mit minimalem Aufwand, ist schließlich nie verkehrt. Und ich habe gemerkt, dass ich etwas dafür tun muss - mein tägliches Trampolintraining habe ich in der letzten Zeit nämlich sträflich vernachlässigt. Außerdem ist das Bellicon für die Ausdauer und die Gelenke ganz gut - für die Beweglichkeit und optimale Körperbeherrschung eher weniger.




Der erste Besuch als virtuelles Mii bei meinem persönlichen Trainer war dann auch eher niederschmetternd: mein biologisches Alter lag deutlich über meinem realen, wenngleich der Doktor vor wenigen Jahren ein ziemlich ordentliches festgestellt hat - damals lag es zwölf Jahre darunter. Was ich vor allem meinen Organfunktionen und meinem Bindegewebe zu verdanken hatte und weniger meiner körperlichen und geistigen Fitness.

Nun habe ich mir vorgenommen, täglich mit der Wii zu trainieren, so wie empfohlen mindestens eine halbe Stunde. Ist ja schon ein tolles Gerät, und auch absolut seriös mit großem Spaßfaktor. Allein das zweite Ich - das Mii - zu erstellen, macht Laune. Ich habe ziemlich herumprobiert, bis ich mit mir zufrieden war, aber nicht zu lange - es warten noch so viele andere interessante und witzige Gimmicks in der Konsole. Da ich Anfänger bin, starte ich nicht besonders anspruchsvoll. Die Balancespiele zählen bisher zu meiner bevorzugten Kategorie, und dort vor allem die Kugelspiele und das Pinguin-Picknick, weil ich da auch einen gewissen Erfolg verbuche.

 

Sieger beim schwindelerregenden Hindernisparcours



Schwer tue ich mich erstaunlicherweise mit Yoga. Habe ich bisher unterschätzt. Als Laie dachte ich bisher, man nimmt beim Yoga *einfach* meditative Posen ein und geht "Ohm"-mäßig in sich. Dass Muskeln gedehnt werden, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte, ist mir tatsächlich neu. Auch ist es gar nicht einfach, während der Übungen seinen Schwerpunkt zu halten und im Gleichgewicht zu bleiben ohne das Board unter den Füßen zu verlieren. Dranbleiben möchte ich aber auf jeden Fall. Schön finde ich, dass man selbst bei Misserfolgen motiviert wird, es weiter zu versuchen.

Was ich so gar nicht abkann, sind die Rhythmus- und Aerobic-Spiele. Zum Glück ist bei mir weniger die Fettverbrennung nötig als der Muskelaufbau, wofür es noch mal extra Übungen gibt. Die fange ich an, sobald ich im Balancieren ein bisschen sicherer bin.





Freitag, 24. Mai 2013

Rezension "The Adventures of Sherlock Holmes"

 

 
Weil ich gerade so drin bin im Sherlock Holmes-Fieber, kommt hier mein Review zu den Kurzgeschichten, mit denen ich begonnen habe, den literarischen Sherlock kennen zu lernen. Eines muss ich ja trotz aller Genauigkeit und Raffinesse, mit der die neue BBC-Serie entwickelt wurde, kritisch anmerken: Sherlock Holmes ist kein "Soziopath" im engeren Sinn und schon gar kein Asperger-Kandidat, denn gerade in den Kurzgeschichten zeigt er erstaunlich viel Mitgefühl und Verständnis. Irgendwie wurde er da von diversen Regisseuren und Drehbuchautoren um der Dramatik Willen ein wenig missverstanden. Sei's drum. Ich liebe die Figur - trotz ihrer Angeberei und der Besserwisserei. Oft hat er ja tatsächlich recht, der gute Holmes. Umso sympathischer, wenn er mal daneben liegt oder den Fall nach seiner eigenen Vorstellung löst, die nicht ganz frei ist von Objektivität. Und ich bin schon mit Begeisterung am Lesen der ersten chronologischen Geschichte "A Study in Scarlet", in der er und Watson kurzentschlossen eine Wohngemeinschaft gründen...

~~~

Diese Ausgabe besitze ich als Taschenbuch. Gereizt hat mich dabei das Cover und das Vorwort der Macher der BBC-Serie, durch die ich die Romanfigur Sherlock Holmes erst wirklich entdeckt habe. Als Fan der Serie ist es besonders interessant, die Referenzen aufzuspüren, die in der modernen TV-Fassung subtil und der Neuzeit angepasst transferiert werden (für Insider: Five Pips in "The Great Game" und das vegetarische Restaurant in "The Hound of the Baskervilles".
Inhalt: In diesem Buch finden sich 12 Kurzgeschichten um den eigenbrötlerischen Privatdetektiv Sherlock Holmes und seinem Gehilfen Dr. John Watson, die 1891/92 im berühmten "Strand"-Magazine erschienen sind. Teilweise ist Watson in den Geschichten bereits verheiratet, zieht jedoch für die Dauer der Lösung des jeweiligen Verbrechens zu Holmes in die Baker Street, um ihn besser unterstützen zu können. Die Fälle erscheinen auf den ersten Blick häufig banal (Beispiel: Eine junge Frau fragt um Rat, ob sie einen gutbezahlten Job als Gouvernante bei einem merkwürdigen Gentleman annehmen soll), entpuppen sich jedoch meist als perfides Verbrechen und /oder psychologisch gut durchdachte Einblicke in seelische Abgründe, die dem Meisterdetektiv Holmes natürlich nicht verborgen bleiben. Kleinigkeiten sind es, die ihn auf die richtige Fährte führen, und die im aufmerksamen Leser einen nachhaltigen Aha-Effekt auslösen.

Meinung: Hauptsächlich las ich das Buch, weil ich - wie bereits erwähnt - ein Riesenfan der BBC-Serie "Sherlock" bin. Und ich wurde oft überrascht von Arthur Conan Doyle. Mein Augenmerk lag nämlich nicht nur auf den raffiniert aufgebauten Fällen und deren Lösungen, sondern auch auf den darin agierenden Protagonisten, allen voran natürlich Holmes und Dr. Watson. Während letzterer als Erzähler und Beobachter eher im Hintergrund bleibt, fielen mir besonders die vielen Facetten des in Verfilmungen / Serien eher kühl oder egozentrisch dargestellten Holmes positiv auf. Er lacht gerne, kann kindisch sein, hat Spaß an Verkleidungen und ist ein Mann von außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen. Besonders weibliche Klienten behandelt er zuvorkommend und verständnisvoll. In "Scandal in Bohemia" zollt er der mysteriösen, ihm ebenbürtigen Irene Adler Respekt, indem er sie ehrfürchtig in Zukunft nur "The Woman" nennt, und in "The Adventures of the Copper Beeches" hofft Watson gar auf eine Partie für Sherlock Holmes in Gestalt der forschen Violet Hunter. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass Sherlock Holmes Junggeselle bleiben muss - schließlich ist er mit seiner Arbeit verheiratet und hätte für das "Normale" gar keine Zeit.

Die Freundschaft zwischen Holmes und Watson hat einige markante und sogar warmherzige Momente, die mir sehr gut gefallen haben, wie z. B. das gemeinsame Weihnachtsessen in "The Adventure of the Blue Carbuncle". Holmes bezieht Watson wie selbstverständlich in seine Fälle mit ein, und Watson hilft, so gut er kann, auch wenn er sich meist von Sherlock Holmes erklären lassen muss, wie er auf die Lösung des Falles kam.

Fazit:
Die wenige Seiten langen Geschichten sind alle lesenswert (ein wenig gewöhnungsbedürfig ist das heute etwas veraltete Englisch), doch mein Lieblingsfall war "The Adventure of the Speckled Band", das nicht nur gewohnt clever konstruiert war, sondern auch mit Hilfe einer gruseligen Atmosphäre und dem düsteren Setting ein "Baskerville"-ähnliches Feeling heraufbeschwört. Zeitlos und spannend.
 

Bewertung:
👍👍👍👍👍

Sonntag, 19. Mai 2013

Leseprobe: "Vom Ernst des Lebens"

In diesem Teil des dritten Kapitels lernt Rupert Grayson den Bistrobesitzer Thierry Levant kennen, mit dem er und Miles in Zukunft noch mehr zu tun haben werden. Eigentlich schließt Rupert nicht schnell Freundschaften - selbst die zu Miles ist zu Beginn nicht gerade tief und ihm eher suspekt. Doch in Paris gelingt es Rupert, über seinen Schatten zu springen und sich mit Menschen zu befassen statt mit Büchern, nachdem Miles ein "Rendezvous" mit dem Hotelpagen Julien Delaroche hat.



Die Vorgeschichte zu dieser Leseprobe könnt ihr auf meiner Homepage lesen.



Donnerstag, 16. Mai 2013

Review "Star Trek ~ Into Darkness" (spoilerfrei)

Obacht: Wenngleich ich ein großer Benedict Cumberbatch-Fan bin und auch in Sachen Originalserie "Raumschiff Enterprise" aus den 1960er Jahren nicht ganz unbedarft, gibt das keine Lobeshymne. Vielleicht liegt es aber auch gerade daran, dass ich das Ensemble aus der Serie optimal fand und mit den "jüngeren" Ausgaben der Schauspieler nie wirklich warm geworden bin.Wäre Benedict Cumberbatch nicht gewesen, und hätte ich im Vorfeld nicht so viele gute Meinungen über den Film gehört, hätte ich mir elf Euro für den Schrott erspart. 
 
Schon ganz erschöpft von der Vorschau in 3D, in der pausenlos Weltuntergangszenarien abgespult werden und kreischende Menschen auf dich zufliegen (fällt den Filmleuten eigentlich nichts anderes mehr ein?), war ich doch gespannt, weshalb um den Film so ein Wirbel gemacht wird. Naja, die Spannung hielt sich ehrlich gesagt in Grenzen: ich kannte das große Geheimnis um John Harrisons Identität bereits, und außerdem ist meine sogenannte "Trekkie"-Zeit auch schon lange über den Zenit; will sagen, dass mir Science Fiction nicht mehr so liegt, um es mal freundlich auszudrücken.

Abgesehen von der dürftigen Story bot der Film ein bisschen Kirk / Spock-Kitsch für die Fanfiction-Schreiber (wie ich diese Szenen doof fand -  "Sie hätten dasselbe für mich getan, Spock!" - "KIIIIIRK! Nicht sterben, ich liebe Sie!" So überzogen emotional hätte der Leonard Nimoy-Spock nie reagiert). Überhaupt: Zachary Quinto als Spock habe ich gefressen. Weiß nicht, was alle an ihm finden. Dass Frisur und Ohren nicht wie angegossen sitzen wie bei Mr. Nimoy, ist dabei noch das kleinere Übel. Eins muss man ihm aber lassen: Rennen kann er. Die Verfolgungsjagd und der anschließende Zweikampf waren die einzigen Szenen, in denen ich - abgesehen vom ständigen Krach im gesamten Film - mal wachgeworden bin und mitgebibbert habe - für den Bösen, natürlich. Angeblich flotte und markige Sprüche und unfreiwillig komische Momente gehören seit jeher zum Star Trek-Erfolgskonzept, nicht nur die unterschwellige Homoerotik zwischen Spock und Kirk. Neu und unangenehm aufgefallen sind dagegen deren abtörnende zukunftsweisende Latexanzüge. Wer will denn da noch im Jahr 2259 leben? Die Hochwasserhosen und die Pyjamaoberteile mit Bordüre aus den 1960ern waren modisch wenigstens top-authentisch.

Scotty fand ich blass und altbacken im Vergleich zum Original James Doohan, wie eigentlich alle weiteren bekannten Mitglieder der Enterprise-Crew. Chekovs russischer Akzent klang zu übertrieben und schwul, und der einzige, der mich vom Charakter her ein wenig an die Originalfigur erinnert hat, war der knurrige Schiffsarzt Leonard "Pille" McCoy. Und was hatte eigentlich die "heiße" Blondine auf dem Schiff verloren? Spioniert ihren Vater aus, um ihm eins auszuwischen? Komische Story-Line, die überflüssig war und eine Abwatsche von Menschmaschine John Harrison sogar verdient hat (Merke: Frauen schlägt man nicht, wenn man ein Gentleman sein will). Oh, und noch ein Minuspunkt: Spock und Uhura als zerstrittenes Liebespaar zum multikulturellen Exotenbonus. Das wirkte so aufgesetzt und albern, dass ich nicht umhin konnte, bei ihrem geschlechterspezifischen Wortgefecht in der Transportkapsel verächtlich zu prusten.

Ziemlich vorhersehbar war der Plot auch. Langweilig halt und wenig originell: die Welt ist mal wieder bedroht. Ich hätte alle fünf Minuten auf die Uhr geschaut, wenn ich eine gehabt hätte.

Zum einzigen Lichtblick Benedict Cumberbatch... physisch war er schwer gefordert, und zuweilen flackerte sogar Mitleid bei mir für ihn auf, obwohl er ja wirklich seeeeehr böse ist und das auch gut rüberbringt - ebenso wie das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein. Seine Rache schien irgendwie verständlich. Aber komisch, vom Hocker gerissen hat mich seine Performance nicht wirklich, und ich war ein wenig entäuscht von dem nur wenig kribbeligen Fangirl in mir. So überragend, wie die Presse und Kritiken seine Darstellung als Terrorist beschreiben, fand ich ihn keineswegs. Vielleicht habe ich da einfach zuviel erwartet. Oder wusste schon zuviel. Denn überraschend kam seine unfreiwillige "Heldentat" für mich nicht, und auch John Harrisons Ende konnte man sich an zwei Fingern ausrechnen. Manchmal bin ich übrigens echt erschrocken vor seinem Gesichtsausdruck: mit entsprechender Miene sah er tatsächlich aus wie ein Monster, obwohl ich finde, dass er ein außergewöhnlich attraktiver Mann ist.

Sprachlich war der Film eine Katastrophe für meine niedlich rund geformten Ohren. Leider läuft die Originalversion nicht bei uns, so dass ich nicht beurteilen kann, ob Kirk dort auch ständig "Scheiße!" bzw. "Fuck!" sagt und alle mit Slangausdrücken um sich werfen, aber ich nehme es mal an, weil das ja so in Mode ist. Auch sonst hat man sich bei der Synchro nicht gerade Mühe gegeben und ist, wie ich meine, den Originalfiguren wenig gerecht geworden. Klar, sie sollen noch jünger sein als die 1960er Crew (auch wenn sie nicht so aussehen), aber das ist kein Grund, sich wie pöbelnde und pubertierende Jungs aufzuführen. Kirk als Sandwichfüllung beim Dreier mit beschwanzten Katzenaußerirdischen - ich will nicht wissen, was William Shatner dazu sagt. Kirks Ruf als Schürzenjäger kam auch damals schon gut rüber - subtiler und weniger plump.

Ach, und eine Frage muss zum Schluss noch erlaubt sein: Wie war es denn möglich, dass die scheinbar unbesiegbare Kampfmaschine John Harrison doch noch überwältigt wurde? War der erst missglückte und unbeholfen ausgeführte Vulcan-Nackengriff beim zweiten Versuch doch von Erfolg gekrönt, nachdem die "Blut-Transfusion" an Kirk den Gegner geschwächt hatte? Oder bin ich wieder eingenickt?

Fazit: Sci-Fi-Fans, Hobby-Pyrotechniker und Jungs und Fangirls, die Spock und Kirk gern als latent verliebtes Paar sehen, kommen wohl auf ihre Kosten - ich kam es nicht.

Bewertung: Die zwei Sternchen sind einzig und allein Benedict Cumberbatch zu verdanken, der schon wirklich eine tolle Präsenz auf der Leinwand hat, selbst in einem hautengen Spaceanzug Figur und Haltung bewahrt und sich beneidenswert elegant und körperbetont trotz exzessivem Workout durch die Darkness des Star Trek-Prequels windet.




👍👍




Gif: Tumblr



Mittwoch, 15. Mai 2013

25 zufällige Fakten über mich

  1.  Meine erste liebevolle Kindheitserinnerung ist der Legespielklassiker "Quips".
  2. Ich mag weder Eis noch Schokolade noch Kuchen. Wenn ich knabbere, dann eine Tüte Chips der Marke Tyrrell oder ungekochte Spätzle vor dem Fernseher.
  3. In der Regel liebe ich alte Dinge und halte sie in Ehren wie meine erste "Erwachsenentasse" Auch alte Filme und Musik gefallen mir im Allgemeinen besser als das, was gerade in ist.
  4. Wenn mir Benedict Cumberbatch einen Antrag machen würde, könnte ich schlecht ablehnen.
  5. Obwohl ich ziemlich faul bin, habe ich einen schnellen Stoffwechsel und bewege mich auch gern, sobald ich mir in den A**** getreten habe.
  6. Ein  Sonntagabend wird mit einer Pizza Mozzarella, einem Salat und einem guten Film erst komplett.
  7. Es macht mir nichts aus, keine Action zu haben. Manchmal genieße ich es auch, für mich zu sein.
  8. Am besten geht es mir, wenn es den Leuten gut geht, die ich liebe.
  9. Mein Haus ist dunkelrosa gestrichen und nostalgisch-dekadent eingerichtet.
  10. Meine Harry Potter-Brille trage ich nur in den eigenen vier Wänden oder wenn die Kontaktlinsen drücken, weil ich sonst Janis Joplin zu ähnlich sehe.
  11. Auf eine gesunde Ernährung lege ich viel Wert - verschmähe aber auch die gut bürgerliche Küche nicht gänzlich.
  12. Ich bin ein heimlicher Verehrer des Märchenkönigs Ludwig II.
  13. Fast alles, wofür ich Begeisterung aufbringe und empfinde, läuft in mehr oder weniger heftigen Phasen ab, bis das nächste Highlight ansteht.
  14. Vor Arztbesuchen habe ich einen Heidenbammel und meide sie wo immer möglich. Glücklicherweise bin ich selten krank.
  15. Bestimmte Wörter, die mit Fr- beginnen, kann ich nicht aussprechen. Ist aber keine Dysphasie.
  16. Ich habe eine Zahnlücke und stehe dazu. Meine Haare sind dagegen der blanke Horror.
  17. Zimmerpflanzen verschönern mein Heim, aber zu meinem Leidwesen habe ich nicht unbedingt das, was man einen grünen Daumen nennt.
  18. Mein Kater Joschi wurde 22 Jahre alt, und ich vermisse ihn noch immer. Auch seinen Kumpel Knitz.
  19. Kommunikationstechnisch bin ich eine Enttäuschung. Ich habe weder Smartphone noch Mp3-Player und bewundere Leute, die so selbstverständlich damit umgehen wie mit Klopapier.
  20. Ich liebe Gemüse und Obst, außer Rote Beete und (leider) Bananen, von denen ich würgen muss.
  21. Vor dem Schlafengehen gönne ich mir meist ein Glaserl Roséwein. 
  22. Alles, was mit Himbeeren, deren Aroma und Geschmack zu tun hat, ist nicht sicher vor mir. 
  23. Meine Lieblingscerealien sind Rice Krispies.
  24. Mit Fantasy-Romanen kann ich nichts anfangen. Der Hype um Harry Potter und Twilight ist komplett an mir vorübergegangen, und ich habe nicht das Gefühl, dass ich deshalb etwas verpasst hätte. Auch Chick-Lit finde ich furchtbar.
  25. Ich habe als Kind eine eigene Sprache erfunden, die ich heute nicht mehr beherrsche.

Freitag, 10. Mai 2013

Was Jesus tut...

Ich war lange nicht bloggen, und das hat seinen Grund. Heute vor einer Woche ist für mich die Welt still gestanden. Meine beste Freundin und (Seelen-)Schwester, mit der ich viele Interessen und Albernheiten teile, bekam eine Diagnose vom Arzt, die mich umgeworfen hat: eine große Geschwulst im Bauch, sofortige Überweisung ins Krankenhaus, nichts Genaues weiß man nicht. Das durfte nicht sein! Das durfte nicht passieren. Nicht uns! Doch im Krankenhaus schmiss man mit schlimmen Verdachtskrankheiten geradezu um sich, ohne zu bedenken, wie niederschmetternd das für die Betroffenen ist. Schlimmster und dringendster Verdacht: Bösartiger Tumor am Darm trotz verblüffend optimaler Blutwerte und einer fast jungfräulichen Anamnese.

 

ArtTower / Pixabay



N. wurde zur Chefsache erklärt - mit einem prominenten Professor wurde eine Riesen-OP geplant. Natürlich nicht, ohne alle fürchterlichen Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Ich war am Boden. Sie ist einer der Menschen, die ich am meisten liebe, und der Gedanke, sie zu verlieren, hat mich innerlich zerrissen.

Aber was konnte ich tun, hilfloser Mensch, der ich bin? Geholfen hat mir der Healing Code von Alex Loyd und Ben Johnson. Als ich zuerst vor einigen Monaten davon hörte, war ich mehr als skeptisch, aber ich habe in dieser harten Woche erfahren, was er bewirkt.

Nicht nur der Code war es, der mich davor bewahrt hat, zu verzweifeln und den Mut zu verlieren. Es waren Menschen, die für N. gebetet haben und für mich und die Familie da waren. Die ermutigende Worte fanden. Und über allen von G'tt eingefädelten Begegnungen hat er uns so wunderbar und gut geführt, dass ich nach allen Zweifeln, die ich vor dem Vorfall hatte, nun wirklich und wahrhaft weiß, dass G'tt exisiert und die Menschen liebt und nicht verloren gibt. Man muss nach ihm fragen, das ist alles. Dankbar sein für
seine Schöpfung. Schade, dass wir eigentlich nur in Notsituationen nach ihm verlangen, so wie ich jetzt in dieser. Ich glaube zwar schon lange an G'tt, aber so lebendig und nah wie in der letzten Woche habe ich Jesus noch nie erfahren. Vielleicht habe ich ihn sogar vernachlässigt, nicht mehr so ernst genommen.

Insofern war dieses Erlebnis für mich nicht nur ein Wunder. Es war eine Besinnung auf das, was ich wertschätzen darf und sollte. Meine Freunde, Familie, das Leben, die Liebe, einfache Freuden. Dass ich einiges ändern sollte in meinem Leben und neu ordnen. Und dass Angst nie hilfreich ist und man sie zertreten muss, wenn sie einen zu ergreifen droht. Solche Situationen gab es in der Woche mehr als genug, und ich habe oft den Kopf hängen lassen und manchmal auch vor Angst geheult.

Dann habe ich den Healing Code gebetet, zu G'tt gestammelt (mittlerweile bin ich durch die Übung ein etwas eloquenterer Gesprächspartner (o; ), und die beiden alten Kirchenlieder "Großer Gott wir loben dich" und "Lobe den Herren" gesungen. Gerade letzteres traf mich mitten ins Herz, weil der Text so passend war. Beim Singen wurde ich ruhiger und weniger nervös - ebenso wie beim Beten des Healing Codes, für den ich mir ein entsprechendes Gebet ausgedacht habe.

Vor kurzem war die OP. Sie ist gut verlaufen. Tief im Inneren habe ich trotz der medizinischen Unkenrufe nichts anderes erwartet; auch wenn die Ärzte uns im Vorfeld wenig Mut gemacht haben. G'tt freut sich, wenn man ihn in vollem Vertrauen und in Ehrlichkeit fordert. Der "Tumor" hat sich als gutartige Zyste herausgestellt - etwas, das gar nicht so ungewöhnlich ist und fast ein Routineeingriff.

Mal sehen, ob wir, - N. und ich - über die Erlebnisse ein Buch schreiben, wenn sie wieder zuhause ist und sich von den Strapazen der schmerzhaften und unnötigen Prozeduren und dem Eingriff erholt hat. Romane füllen könnte man damit auf jeden Fall.



Donnerstag, 2. Mai 2013

Mein Mai-Buch



Diese Geschichte habe ich nach einem Wochenendtrip nach Paris geschrieben. Ich finde die Stadt sehr inspirierend und auf charmante Weise altmodisch. Viele Plätze, die ich dort besucht habe, hätten in den 1950er Jahren, in denen "Vom Ernst des Lebens" angesiedelt ist, schon genauso aussehen können - das verwitterte Karussell unter Montmartre, die Straßenlaternen, die Brücken über der Seine, Bistros und Lokale, in denen wir gegessen haben.

Im Prinzip geht es in der Geschichte um das Erwachsenwerden. Rupert, ein scheuer, fast schon misanthropischer Bücherwurm, wird von seinem Ex-Kommillitonen Miles "heimgesucht" und ohne weiteres Getue und Fragen über den Kanal mit nach Paris genommen. Miles - charakterlich das genaue Gegenteil von Rupert - lebt sich in Frankreich schnell ein, und selbst Rupert, der sich zunächst gegen den unfreiwilligen Urlaub sträubt, gewinnt an Selbstvertrauen, als beide dem Bistrobesitzer Thierry dabei helfen, seinen Laden wieder auf Vordermann zu bringen. Doch der Umgang mit dem charismatischen, weltgewandten Miles hat für Rupert nicht nur Vorteile. Bald schon fühlt er sich zu ihm hingezogen - auf eine Art, die ihm bisher fremd war und die ihn in Verwirrung stürzt; umso mehr, da er glaubt, Beweise zu erhalten, dass Miles noch stärker für ihn empfindet als Rupert für ihn.

Von der Seitenanzahl ist "Vom Ernst des Lebens" mit 200 Seiten meine kürzeste und geradlinigste Erzählung. Ich muss gestehen, dass mir Rupert im Nachhinein ein wenig zu neurotisch daher kommt - andererseits hat er vermutlich auch allen Grund dazu. Meine Lieblingsfiguren sind die Delaroches - Bekannte von Thierry, die bei der Methamorphose des "Bambi's" zum "Olde Vic" kräftig mitanpacken. Raoul, ein Buchhändler und passionierter Handwerker, gehört mehr zur schweigsamen Sorte, während sein Neffe Julien quirlig und zu allen Schandtaten bereit ist.

Der Roman konzentriert sich trotz der relativ vielen Nebenfiguren auf das Verhältnis von Miles und Rupert, die unterschiedlich sind wie Tag und Nacht und doch beide voneinander profitieren und lernen, sich durch die gemeinsame Reise besser zu verstehen - sich selbst und den anderen.



Mittwoch, 1. Mai 2013

Some habits die hard...

Pffttt... das deutsche Adäquat fällt mir gerade nicht ein. Sinngemäß etwa: "Alte Gewohnheiten sind nicht leicht abzulegen." Stimmt das denn? Eigenartigerweise habe ich nämlich festgestellt, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. Seit circa zwei Wochen (oder drei?) halte ich als Nicht-Betroffene (*aufHolzklopf*) mehr oder weniger unfreiwillig Diät - aufgrund eines innerfamiliären, verblüffend hartnäckigen Darm-Infekts kommt bei uns seitdem nur noch Suppe auf den Tisch. Gemahlener Dinkel mit püriertem Gemüse, abwechselnd Spinat, Paprika, Karotten, Fenchel, Tomaten und auch mal Kartoffeln. Von der kann man essen, soviel man möchte, und sie schmeckt auch noch und sättigt überraschend gut.




Morgens mache ich Müsli aus Joghurt, das ich mit einer speziellen Mischung verrühre und schnipple Kiwi und eine Banana darüber (ausgerechnet Bananen mag ich nicht sooo sehr, aber sie sollen ja sakrisch gesund und tierisch gut verdaulich sein). Dazu gibt's Krunchy mit gefriergetrockneten Erdbeeren. Auf die morgendliche Tasse Kaffee brauche ich nicht zu verzichten, aber eine reicht mir jetzt - im Gegensatz zu vorher - vollkommen aus. Apropos: ein alter Bekannter aus Ostdeutschland hat bei uns vor Jahren den Cappuccino eingeführt, zur Mittagszeit und nach Feierabend oder auch mal zwischendurch. Den habe ich nun abgeschafft und mit dem wenig hippen, aber gesünderen Caro-Kaffee ersetzt - und es ist mir nicht mal schwer gefallen! Im Gegenteil. Nach einer kurzen Gewöhnungszeit mag ich ihn lieber als das zuckerverseuchte Cappu-Pulver, in dem trotz sorgfältigem Umrühren stets ein eklig-süßer pulveriger Klumpen hängenblieb. Es geht halt auch klüger. (O;

Was mich tatsächlich ein wenig hart ankommt, ist der Verzicht auf die abendliche Nascherei vor dem Fernseher respektive auf dem Sofa, die so einen Tagesausklang erst gemütlich macht. Nicht, dass ich es in der Hinsicht übertrieben hätte, aber hin und wieder die Pizza oder das Thai Essen beim Tatort oder eine Tüte Tyrrell's Chips zu zweit zwischen der Geschichtsdokumentation und Inspector Lynley - das fehlt schon, irgendwie. Alternativ sind wir auf Sun Maid Rosinen umgeswitcht - wenigstens, bis der Darm wieder vollkommen in Ordnung ist.

Ich freue mich auch auf den Tag, an dem wir wieder "normal" essen und auch ab und zu sündigen dürfen, aber wie gesagt: ich hatte mir den Verzicht viel schwerer vorgestellt. Man muss nur erst mal anfangen mit der Umstellung und nicht gleich bei der ersten "Lust"-Attacke die Flinte ins Korn werfen bzw. den guten Willen über Bord. Außerdem - da möchte ich wetten - schmeckt die Pizza nach einer längeren Pause viel besser.


Bildquelle: silviarita / Pixabay


Dienstag, 30. April 2013

Bekenntnisse eines verhinderten Hoarders

Früher habe ich alles gesammelt: Briefmarken (kennt das antiquierte Hobby überhaupt noch jemand?), scheußliche Mini-Plastikfiguren aus dem Kaugummiautomaten, Abziehbilder für Panini-Alben, Fliegenpilze aus Polyresin, schöne Postkarten, Briefe, Setzkastenutensilien und Katzenfiguren aus aller Herren Länder. In letzterem habe ich es tatsächlich zu einer beachtlichen Sammlung gebracht. Ich liebe Katzen, und es war immer sehr aufregend, am Urlaubsort auf Souvenirsuche in Form einer Katzenfigur zu gehen. Obwohl ich schon lange keine Fernreise mehr gemacht habe, ergreift mich in jedem Nippesladen einer fremden Stadt das Jagdfieber. Besonders originelle Exemplare schaffen es meist auch tatsächlich in meine Vitrine, die bald aus allen Nähten platzt.




Aber eigentlich möchte ich mich von meinen materiellen Gütern ein wenig befreien. Das liegt nicht nur daran, dass man Geld nicht mehr so sorglos ausgibt wie zu besseren Zeiten. Manchmal empfinde ich zuviel Besitz als Ballast. Und trotzdem ist er eine zweischneidige Sache, der Besitz.

Als ich aus dem Elternhaus auszog, habe ich viel zurückgelassen und weggeworfen, um das es mir heute leid tut. Klar, das Sammeln von Erfahrungen, Erkenntnissen und Erlebnissen ist wichtiger. Es ist auch nicht so, dass ich jeden Tag der Vergangenheit nachhänge und mich schmerzhaft an meinen BubuBär und seine abgekauten roten Plastikohren erinnere. Was aber nichts daran ändert, dass mir gewisse Erinnerungsstücke aus meiner Kindheit gelegentlich fehlen. Ich möchte sie nicht festhalten, aber auch nie ganz verlieren. Dabei helfen mir Fotos und sichtbare Gegenstände mehr als Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen.

Von anderen Dingen, die mich nicht so lange begleitet haben, trenne ich mich dagegen erstaunlich leicht. Nach meinem zweiten Umzug hatte ich noch größere Wegwerfwut und habe sozusagen Großreine gemacht (wie immer man das schreibt). Ich finde allerdings, dass heuer viel zu viel zu schnell weggeworfen wird. Warum sollte man aber auch eine Kaffeemaschine zur Reparatur bringen, wenn die Anschaffung einer neuen billiger ist? Ich habe gehört, dass manche Hersteller ihre Ware absichtlich für eine kurze Lebensdauer präparieren, um größeren Profit zu machen. Wundern tut es mich ja nicht - ich frage mich bloß, warum dagegen nichts unternommen wird. Ehrlich: der Gedanke, dass wir der Nachwelt einen kilometerhohen Plastikberg hinterlassen statt kunstvoll bemalte und emailierte Krüge wie die antiken Völker, ist schon ein bisschen creepy. Der einzige Trost dabei ist, dass Plastik vermutlich nicht ganz so lang überdauert wie die Gerätschaften der Ägypter, Griechen und Römer.

Umweltbewusstsein wird im Allgemeinen eh nicht großgeschrieben bei den meisten, und derjenige, der zur Reparatur geht, wird milde belächelt mit dem Ratschlag: "Sei doch nicht blöd und geh' zu *piep* - da gibt's die Flachbildschirme diese Woche im Angebot." Apropos: ich habe noch einen Röhrenfernseher, mit dem ich genug sehe. Will ich HD, mit dem ich mit Adleraugen jede Pore im Gesicht der Schauspieler erkenne? Nicht wirklich.

Klamotten - ein heikles Thema. Ich war nie übermäßig modebewusst. Natürlich hat man das getragen, was gerade in den Kaufhäusern angeboten wurde, aber wohl musste ich mich darin fühlen. Bis heute habe ich keine Schuhe mit Absätzen, obwohl ich es versucht habe und High Heels auch sexy finde. Nur leider nicht für mich. Es gibt Lieblingsstücke in meinem Kleiderschrank, die ich nur noch selten oder gar nicht trage, und die dennoch da hineingehören. Die selbstgenähte Weste und dazu passende Shorts aus dem Israel-Urlaub. Das viel zu große, gestreifte Herrenhemd, in dem ich eine Adamo-Imitation zum besten gab und dazu "Gestatten Sie Monsieur?" karaoke gesungen habe.

Aufgeschriebene Erinnerungen und materielle Freiheit, schön und gut, und ich bewundere jeden, der auf überflüssigen Plunder verzichten kann. Trotzdem will ich manchmal etwas in den Händen halten, daran riechen, es fühlen und mich so an jene Begebenheit erinnern, die für mich schön waren. Denn jeder Gegenstand hat seine eigene, persönliche Geschichte.







Samstag, 27. April 2013

I want to ride my bicycle

Das Wetter war ja wirklich sommerlich schön in den letzten Tagen. Leider ist es jetzt wieder regnerisch, aber was soll's? Dafür kommen dann von heute auf morgen um die 40°C im Schatten... ja, so ist das mit der globalen Erwärmung: Nothing you can do about it.

Etwas gegen meine sich im Winter eingeschlichene Trägheit kann ich dagegen schon tun: Radeln. Ich liebe mein altes Klapprad fast so sehr wie sein mir zuvor geklauter Vorgänger, der ähnlich aussah, bloß in meiner Farbe Grün.

Der Mann einer Bekannten hat es für mich vor Jahren auf dem Flohmarkt erstanden - für damals 150,-- DM (Uiii, das ist echt schon lange her!).





Jedenfalls ist es nach einer langen Zeit im Keller fahrtauglich - Reifen aufgepumpt, Rahmen poliert, optimale Sitzhöhe eingestellt, Spinnweben entfernt, entstaubt usw. etc. pp. Voller Elan habe ich mich auf den eisenharten Sattel geschwungen (ok, ich übertreibe - mit dem Elan und dem Schwung), und bin zum Nachbarsort geradelt, der in Fußballkreisen trotz Kaff-Charakter kein unbeschriebenes Blatt ist.

Schon nach wenigen Kilometern vermisste ich schmerzlich die Gangschaltung und beargwöhnte, dass die Kette dringend eine Ölkur nötig gehabt hätte. Ich war am Keuchen und Schwitzen, um das verflixte Ding in Bewegung zu halten und nicht frustriert abzusteigen. Vielleicht bin ich ja ein wenig aus der Kondition, das soll vorkommen nach faulen und müßigen Wintermonaten - obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich mich so oft wie möglich im Freien aufhalte. Wie sagte meine Reitlehrerin so passend: "Schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur schlechte Kleidung". Aber ich schweife ab...

Hab ich es also geschafft, acht Kilometer hin und zurück auf dem Radweg zu absolvieren. Eigentlich ein Klacks. Dachte ich, weil ich es früher richtig genossen habe, mit dem Rad unterwegs zu sein, das wie geschmiert lief trotz fehlendem Schnickschnack und Komfort. Und weil viele mich darauf ansprechen und in nette Gespräche verwickeln, denen der erstaunte Ausruf vorausgeht: "Ein echtes Klapprad!"

Froh war ich dann doch, als ich zu Hause angelangt war. Denn es war nicht nur die Kette, die eine Ölung braucht - auch mein schmerzender Tokus hätte nichts dagegen gehabt...

 

Freitag, 26. April 2013

(K)eine Eule nach Athen getragen...

Mann, war das ein anstrengender Tag! Ich habe mir vorgenommen, eine Anleitung bzw. den Entwurf  für eine Häkelfigur von mir aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Die Tierchen und Puppen selbst zu fertigen ist ja nicht so schwer, wenn man schon ein bisschen Übung hat, aber die einzelnen Schritte zwischendurch immer wieder zu Papier zu bringen - uff! Nicht so mein Ding.

Das Meiste, das man kreativ macht, entsteht doch eher intuitiv, zumindest gilt das für mich. Und außerdem bin ich nicht gerade die Fingerfertigkeit in Person, wenn es ums Fotografieren geht. Mit dem Ergebnis bin ich aber recht zufrieden. Und meine Eulchen auch. Hat sich die Mühe gelohnt. (O:



Donnerstag, 25. April 2013

Little Manga Girl

Gestern lief mal wieder - wie so oft - nichts im Fernsehen. Ich hatte trotzdem Bock, mich eingekuschelt auf meinem Megasofa zu lümmeln (das Einzige, das ich im Sommer vermissen werde) und die Glotze einzuschalten. Hängengeblieben bin ich bei einer Reportage über das "neue" China, die mich total schockiert hat. Chinesische Mädchen im Schönheits-OP-Wahn! Zuerst dachte ich, man veralbert uns jetzt, aber die Interviews von Soziologen, Betroffenen und Parvenüs in Sachen plastischer Chirurgie können ja nicht alle getürkt gewesen sein. David Bowie wird sich bedanken, wenn er erfährt, wie wenig angesagt sein exotisches China Girl mittlerweile ist und den Song vermutlich noch einmal neu aufnehmen - mit dem Titel meines Beitrages.



Pexels / Pixabay



Junge Mädchen wollen aussehen wie Britney Spears, und solche, die ihre Metamorphose vom "flachgesichtigen" Asiaten zum "nasenrückenhohen" Europäer bereits hinter sich haben, sind begehrte Fotomodels in der Branche. Meist sind die OPs noch nicht ganz abgeschlossen, aber Hauptsache, man sieht aus wie ein zwitterhaftes, ausdrucksloses Mangawesen vom anderen Stern bzw. der westlichen Welt. Auf Schönheitschirurgie spezialisierte Praxen schießen in China wie Pilze aus dem Boden, so dass man bzw. Frau schnell mal in der Mittagspause Bauchfett absaugen und es sich in die Wangen spritzen lassen kann (kein Witz!).

Auch die Haut soll vornehm blass und nicht "gelb" sein: dann hat man angeblich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gibt es in jeder Drogerie Weißmachercremes zu kaufen. Wer gründlich und schneller sein will, lässt sich Infusionen verpassen, die den Weißmacher direkt unter die Haut leiten. An gesundheitliche Risiken scheint dabei keiner zu denken.

Traurig, wenn man sieht, wie wenig selbstbewusst junge Chinesinnen offenbar sind. Das Wichtigste ist den Interviewten, schön "dreidimensional" auf Fotos auszusehen - mit einoperierter Lidfalte, schmalem Gesicht und nachmodellierten, hohen Wangenknochen. Umso schlimmer, dass es niemanden gibt, der sie zur Vernunft bringt - die selbst ernannten plastischen Chirurgen schon gar nicht. Ich weiß, man ist nicht immer zufrieden mit sich, aber in fünf Jahren ist vielleicht das China Girl vom Aussterben bedroht und darum heiß begehrt. Dann gucken die Manga Girls aber dumm aus der Wäsche mit ihren riesigen, multi-lid-faltigen Augen und ihren europäisch umoperierten Schmollmündern - die hat übrigens auch nicht jede westliche Frau.




Mittwoch, 24. April 2013

Buchverfilmung ~ Hui oder Pfui?

Von passionierten Lesern erfolgreicher Belletristik gefürchtet und zugleich ersehnt: die früher oder später unvermeidliche Verfilmung des Lieblingsbuchs. Wie aufregend, wenn Bella und Edward zum "scheintoten" Leben erweckt werden und der schnuckelige kleine Hobbit in Leinwandgröße widerwillig auf einen Abenteuertrip geht (den fand ich sehr nett, obwohl ich kein Tolkien-Fan bin und mir das Buch extra vor der Premiere des Films besorgt habe, um wenigstens ein *bisschen* Ahnung zu haben).

 

MarandaP / Pixabay



Die Meinung über Buchverfilmungen ist allerdings keine allgemein wohlwollende - zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Ich verstehe das eigentlich nie so ganz, obwohl meine Enttäuschung über den mickrigen, schlaffen, schweine-nasigen Lindwurm Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte" keine Grenzen kannte, hatte ich ihn mir doch in meiner Phantasie bei der Lektüre des Buches majestätisch und elegant durch die Lüfte gleitend vorgestellt. Mein Urteil wurde auch von der Tatsache nicht gemildert, dass ich bei der Besichtigung der Bavaria-Studios auf dem hässlichen Schmuddelkopf sitzen durfte (er ist ja nicht mal komplett! Was für eine Vera***e!). Atréju wiederum fand ich richtig niedlich.

Dennoch. Sich den Film über sein Lieblingsbuch anzuschauen, bleibt jedem selbst überlassen. Mit einer Enttäuschung muss man rechnen, wenn man sich zuvor ein allzu genaues Bild der Figuren und der Handlung gemacht hat, und das tut man in der Regel, wenn man mitgefiebert hat. Natürlich kann ein Film in anderthalb Stunden nie das erzählen, was ein Buch auf über 500 Seiten tut.

Und besonders die Schauspieler können einem ganz schnell Illusionen rauben. Ich meine, warum ist der aktuelle James Bond blond, wenn er in den Romanen als dunkel beschrieben wird? Warum will man für "Shades of Grey" nicht gleich Kirsten Stewart und Robert Pattison verpflichten?

Abgesehen davon finde ich, dass es wirklich sehr gute und sehenswerte Verfilmungen gibt, die heute vielleicht bekannter sind als das Buch und / oder das Zeug zum Klassiker haben. Die Winnetou-Filme zum Beispiel. Da trifft für mich sogar der umgekehrte Fall zu: ich habe sie vor den Büchern konsumiert und war dementsprechend enttäuscht von der biederen Beschreibung meines Helden Old Shatterhand respektive Kara Ben Nemsi. Bart und landesübliche Kopfbedeckung wie Cowboyhut oder Fez? So fesch wie er ist, damit hätte Lex Barker nie die Herzen seiner Fans erobert (der Bart kommt glücklicherweise bereits in "Der Schatz im Silbersee" ab - das Testpublikum mochte ihn nicht, weil er zuviel von Barkers männlicher Physiognomie verdeckt hat).

Welches Buch *ich* mir auf Celluloid wünschen würde? Wahrscheinlich "Mere Mortals" oder "Die geheime Geschichte". Ich habe es noch nie geschafft, das Buch komplett zu lesen, aber die Story klingt spannend und vielversprechend mysteriös. Manchmal ist es einfach bequemer, ins Kino zu gehen und zu glotzen als lesen und die Phantasie zu bemühen... (O;







Montag, 22. April 2013

Im Akkord, zwei, drei...

Wie machen manche Autoren das bloß? Schreiben, schreiben, schreiben. Veröffentlichen, schreiben, veröffentlichen und wieder an den Schreibtisch. Beispiele dafür fallen mir ad hoc ein Dutzend ein: Sir Arthur Conan Doyle, Anne Perry, Sebastian Fitzek, Cecila Ahern, Nicholas Sparks, Elizabeth George, Cornelia Funke und viele mehr. Sie produzier(t)en erfolgreiche Bücher wie der normale Mensch Kohlenstoffdioxyd beim Atmen. Oder Rinder Methangase beim Verdauungsvorgang.

 

Marcellosokal / Pixabay


Über Letztgenannte habe ich neulich ein Porträt im Fernsehen gesehen, und ehrlich gesagt, ich war ein bisschen neidisch. In Los Angeles leben, den eigenen Tagesablauf bestimmen, eine tolle Villa bewohnen und sich zum erfolgreichen Schreiben ins Gartenhäuschen zurückziehen, zwischendurch im hauseigenen Pool planschen und anstehende Hollywoodverfilmungen der eigenen Phantasie als Berater mitbestimmen - das Paradies auf Erden.

Für Cornelia Funke hat sich ein Wunsch erfüllt, von dem wohl jeder Autor heimlich träumt. Das Schöne dabei: es macht ihr immer noch Spaß, wenn Fans sie bitten, Fortsetzungen ihrer Geschichten zu schreiben. Und irgendwie scheint sie total glücklich zu sein mit dem, was sie tut, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ganz anders Sir Arthur Conan Doyle, der irgendwann von Sherlock Holmes derart frustriert war, dass er ihn erst einmal sterben ließ, bevor der Meisterdetektiv auf Druck der Leser wieder auferstehen musste. Wahrscheinlich lag Doyles Frust darin begründet, dass er viel lieber als Arzt praktiziert hätte und in diesem Beruf - im Gegensatz zum Schriftstellertum - nie so recht Fuß fassen konnte. Seine mit Enthusiasmus aufgebaute Praxis musste er aufgrund fehlender Patienten wieder schließen. Trotzdem oder gerade deswegen bewundere ich seine Werke, mit denen er Generationen erfreut und zu eigenen Geschichten mit seinen Charakteren inspiriert hat. 

Die Kurzgeschichten lese ich gerade, und ich bin immer wieder erstaunt, wie durchdacht und originell sich die zumeist anfangs banal erscheinenden Fälle entwickeln und auflösen, auch wenn häufig - wie bei vielen erfolgreichen Autoren -nach Schema F vorgegangen wird. Eine interessante Parallele zu Conan Doyle ist übrigens die Tatsache, dass Sherlock Holmes Medizin studiert hat und John Watson Arzt ist. So hat der Autor doch noch ein wenig von seinem ureigenen Interessengebiet mitverarbeitet. Ziemlich clever.

Ob Funke oder Doyle, es ist einfach verblüffend, dass viele Autoren so viele Ideen in relativ kurzer Zeit zu Papier bzw. in ihren Rechner bringen können und damit so vielen Lesern und letztendlich sich selbst eine Freude machen. Da ziehe ich ehrfürchtig meinen nicht vorhandenen Hut.

Außerdem zolle ich jenen Autoren Respekt, die sich lediglich durch ein einziges Werk einen Namen gemacht haben, sei es weil sie danach keine Zeit mehr hatten, weitere zu schreiben, so wie "Vom Winde verweht"- Autorin Margaret Mitchell, die im Alter von 49 Jahren tödlich verunglückte und sich damit nicht als so unverwüstlich erwies wie die Beliebtheit ihres Südstaaten-Epos, oder auch Susan E. Hinton, die jugendliche Autorin des modernen Klassikers "Die Outsiders". 

Nicht zu vergessen Harper Lees großartiger Roman "Wer die Nachtigall stört." Die Verfilmung mit Gregory Peck gehört für mich zu den gelungensten Filmadaptionen überhaupt.

Freitag, 19. April 2013

Neu, schräg und herzig: Tinnef!

"Tinnef" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie "Unsinn" oder auch "Schund" bzw. "nutzlose Dinge". Verbreitet war der Begriff besonders in der Ganovensprache. Wurde wertloser Plunder erbeutet, sprach man abfällig von Tinnef.

Die Sachen auf meinem gestern neu eröffneten Etsy-Shop sind ganz bestimmt nicht wertlos, aber auch nicht unbedingt lebensnotwendig, sondern für Individualisten mit Sinn für das Besondere. Darum finde ich den Namen recht passend.

Eigentlich wurde da aus einem Hobby ein wenig mehr. Vor ein paar Jahren fiel mir ein Anleitungsbuch über die japanischen Häkelfiguren, die sogenannten "Amigurumis", in die Hände, und ich war sofort Feuer und Flamme. Der Haken dabei: ich konnte nicht häkeln! Seit ich es in der dritten Klasse gelernt habe, ist einiges an Zeit vergangen, und ich bin nicht wirklich so der Handarbeitsfreak. Wie so oft, wurde mir das in der Schule ein bisschen verleidet. Aber die Amigurumis - als Haustiere der Mangas werbewirksam gepriesen - waren sooo süß! Die musste ich haben.

Also habe ich mir das Heft gekauft und mir das Häkeln wieder beigebracht. Die Schrift war auch für Dummies wie mich bestens erklärt, so dass bald eine ganze Bande der gehäkelten Gesellen meine Wohnung bevölkerte. Die ersten Exemplare waren noch ein wenig locker und unbeholfen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ein grüner Affe und ein Tiger aus verschiedenen Brauntönen thronen auf meinem Schrank und genießen die Aussicht und ihr Erstgeburtsrecht, indem sie bei mir bleiben.




Inzwischen versuche ich mich an eigenen Entwürfen, und selbst mein *Guilty Pleasure*, Sherlock Holmes aka Benedict Cumberbatch wurde in Wolle kreiert (wenn ich schon nicht den echten haben kann, *hihi*). Der ist allerdings unverkäuflich. Vielleicht werde ich mich mal wieder an einen weiteren Versuch wagen und mir dann gleichzeitig die Anleitung aufschreiben - das hatte ich nämlich vergessen. Und eigentlich sollte ich ihm Dr. Watson zur Seite stellen - das Problem ist nur, dass der nicht so schöne unverwechselbare Locken hat wie Sherlock.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Fliegenpilze. Sie sind nicht nur fix gemacht, sondern geben auch ein prima und originelles Nadelkissen ab, sind also kein Tinnef im engeren Sinne. Bei Mädels und kleinen Prinzessinnen kommt natürlich das Einhorn gut an und alles, was rosa ist. Jungs lieben skurrile Außerirdische, putzige Flugzeuge und Bären aller Art. Und jung gebliebene Erwachsene tragen ihr Amigurumi trendbewusst an Handtaschen und Rucksack oder als Glücksbringer in der Tasche. Manche fragen mich, ob es mir nicht leid tut, meine Amigurumis wegzugeben. Im Gegenteil! Ich bin froh um jedes Stückchen Platz, das ich für weitere Figuren machen kann.



Donnerstag, 18. April 2013

Faszination Erster Weltkrieg

Viele der Geschichten in meinen Romanen haben den Ersten Weltkrieg zum Thema. Nicht vordergründig, denn ich bin kein Fan von blutigen, sinnlosen Gemetzeln, auch wenn ich zuweilen in Rückblenden literarische Abstecher auf die Schlachtfelder in Flandern und Frankreich mache und durch entsprechende Filme und Bücher den Hauch einer Ahnung habe, wie furchtbar das gewesen sein muss. Doch die Zeit und die psychischen und politischen Nachwirkungen auf Land und Leute faszinieren mich mehr. Besonders im Vereinigten Königreich, wo dieser Krieg als "The Great War" Einzug in die Geschichtsbücher gefunden hat, kam es zu Umwälzungen und Veränderungen: die glorreiche viktorianische Epoche gehörte endgültig der Vergangenheit an, und die Verluste, die England erlitten hatte, waren durch die Giftgasangriffe höher als je zuvor in einem Krieg. Noch heute gilt der "Great War" in England als beinahe verheerender und denkwürdiger als der folgende in den 1940er Jahren.




Aber auch persönlich bin ich davon ein wenig betroffen. Mein Ur-Großvater väterlicherseits fiel kurz vor Kriegsende nahe Verdun, gilt aber offiziell als verschollen. Keiner weiß genau, wo er begraben liegt - man nimmt an, dass ihn eine Granate Bein und Arm gekostet hat und er verblutet ist.

Das Einzige, das sich heute noch als Erinnerung an ihn im Familienbesitz befindet, ist sein imposanter Regiments-Bierkrug - mit vom Zahn der Zeit abgebrochenem Adler und symbolisch eingeschlagenem Boden als Zeichen dafür, dass der Soldat in Ehren fürs Vaterland  gestorben ist und kein anderer je aus dem Gefäß trinken darf (eine zweifelhafte Ehre, aber naja, so war die Zeit). Bis vor kurzem dachte ich, er wäre unabsichtlich beschädigt worden.

Meine Oma - ein kleines Mädchen noch beim Abschied des Vaters - kam nie wirklich über seinen Tod hinweg. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern und hat ihn sehr geliebt.  Ich habe ihr einmal das Chanson "Sag mir wo die Blumen sind?" kindlich ahnungslos vorgesungen, weil mir die Melodie so gut gefallen hat, und werde nie vergessen, dass sie anfing zu weinen. Für mich war das ein großer Schock. Ich kannte meine Oma nur lachend und lustig, selbstironsch oft, aber traurig habe ich sie vorher und nachher nie wieder erlebt, und ich habe mich schrecklich geschämt, dass ich der Auslöser dafür war - auch wenn ich nichts dafür konnte.

Meine Cousins haben ihr häufig angeboten, in die Champagne zu fahren, um das Soldatengrab ausfindig zu machen. Aber sie hat stets abgelehnt. Lieber hat sie im Alter von über siebzig mit dem Freund ihres Sohnes (mein Papa) eine spontane Segelfliegertour gemacht.




Ich selbst war im Rahmen eines Schüleraustausches bei Paris in der Gegend und auch in Verdun und der Gedenkstätte Douaumont, doch die Zeit war zu knapp, um die riesigen Friedhoffelder abzugrasen in der Hoffnung, den Namen meines Urgroßvaters dort zu entdecken. Vielleicht hätte es meine Oma doch getröstet, ein Foto zu sehen, auf dem seine letzte Ruhestätte verewigt ist - wenn es sie denn überhaupt gibt. Viele Soldaten wurden anonym bestattet.

Der Spruch Zeit heilt alle Wunden traf nicht auf meine Oma zu, zumindest nicht, was den Tod ihres Vaters anging. Und irgendwie kann ich das verstehen. Aber ich habe nie gemerkt, dass sie deswegen bitter gewesen wäre; etwas, das ich an meiner Oma sehr bewundere.




Montag, 15. April 2013

Zeit für ein Outing...

Ich bin Fan von alten Schlagern. Also die wirklich alten. Solche, die selbst noch auf der CD oder im MP3 heimelig knistern. Schuld daran ist ganz bestimmt das alte Radio meines Opas väterlicherseits und die Plattensammlung meiner Oma mütterlicherseits, deren Lieblinge Peter Alexander und Rudi Schuricke waren. Nicht lachen, aber bei den Caprifischern muss ich - wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin - tatsächlich ein paar Tränchen verdrücken. Und das nicht nur wegen der Erinnerung an meine liebe Oma selig.

 

Skitterphoto / Pixabay

Die Comedian Harmonists liebe ich bis heute. Es gab eine Zeit, in der ich mich fast obsessiv mit den sechs befrackten Herren beschäftigt habe, von ihren Lebensläufen bis zu ihrer tragisch endenden Erfolgsgeschichte - kurz bevor die grottige Vilsmaier-Verfilmung erschien.

Ich lernte ihre Namen kennen und sogar, in den Liedern ihre Stimmen zu unterscheiden, nachdem ich die sehr informative und gelungene Dokumentation von Eberhard Fechner im TV gesehen und auch das dazugehörige Buch gelesen hatte.

Und ich höre hin und wieder Tino Rossi, dessen naturgetreue Nachbildung in Lebensgröße (einen so genannten Androiden) man im Bruchsaler Musikautomatenmuseum bewundern kann. Vielleicht geht seine Musik heute vielen auf die Nerven und sie ist auf jeden Fall nicht mehr zeitgemäß, aber ich mag dieses Wehmütige, Melancholische in seiner Stimme, das mich bereits bei Rudi Schuricke im Kleinkindalter so beeindruckt hat, wenn meine Oma von der Reise zur blauen Grotte schwärmte.

Mein Lieblingslied von Monsieur Rossi ist "J'attendrai", aber das habe ich leider nicht gefunden... Catari ist aber auch schön.






Samstag, 13. April 2013

Mere Mortals ~ Erastes



Düster, geheimnisvoll, in abgeschiedenen Gegenden in einer anderen Zeit, unerwartete Wendungen und rätselhafte, aber psychologisch ausgefeilte Protagonisten - solche Geschichten liebe ich! Allein schon das Cover von "Mere Mortals" - in gediegenden Brauntönen gehalten - hat mich neugierig gemacht. Eigentlich bin ich kein Fan von englischer Lektüre, weil mir häufig die Wörter fehlen, aber dieses Buch ist so fantastisch und ausgeklügelt geschrieben, dass ich etwas verpasst hätte, hätte ich es nicht gelesen.

Handlung: Norfolk, England, 1846. Der reiche Philip Smallwood lebt abgeschieden auf einer Insel in einem großen, verwinkelten Haus, umgeben von Luxus und Dienern. Der Ich-Erzähler Crispin Thorne, 17 Jahre alt und Waise, wird dorthin eingeladen, um von dem ihm unbekannten Smallwood unter dessen Fittiche genommen zu werden. Überrascht stellt er fest, dass er nicht der Einzige ist: zwei weitere Jungen in seinem Alter, Jude Middleton und Myles Graham, erwarten ihn und erklären ihm, von dem Hausherrn aus demselben Grund "adoptiert" worden zu sein. Smallwood selbst zeigt sich den Jungen selten - häufig ist er nicht zuhause, achtet jedoch darauf, dass den Jungen Manieren beigebracht werden und alles, was sie gesellschaftlich weiter bringt: Reiten, Fechten, Tanzen, Smalltalk auf Partys, die er um ihretwillen veranstaltet. Doch er verbietet ihnen ausdrücklich, zu segeln oder überhaupt zum Fluss zu gehen.

In dem alten Haus, das wundervoll beschrieben wird, stoßen die Jungen auf viele Rätsel, und auch Philip Smallwood gibt ihnen manch harte Nuss zu knacken: jeder erhält den Namen "Dominic" nach ihren Rufnamen, sie finden eine Taschenuhr, die identisch denen ist, die Philip ihnen als Willkommengeschenk gemacht hat, und zudem entdecken sie ein völlig zerspittertes Boot im lange nicht benutzten Bootshaus. Spekulationen werden geschürt. Hatte Smallwood einen Sohn, der im Alter der Jungen ums Leben kam und ertrank, und sucht er einen Ersatz für den Verlust? Fast scheint es so.

Zwischen Crispin und Jude entsteht mehr als nur Freundschaft. Spielerische sexuelle Annäherungen finden statt, die von letzterem bald verneint und brüsk zurückgewiesen werden. Währendessen kümmert sich Smallwood rührend um alle drei Jungs und erteilt ihnen mit ausgesuchten Tutoren Unterricht, jedoch stets einzeln. Außer den gemeinsamen Mahlzeiten sieht er sie nie zusammen. Als Crispin von einer Migräne-Attacke heimgesucht wird, lässt Smallwood besorgt den Doktor kommen. Zwischen ihm und Smallwood herrscht eine Antipathie, die sich die Jungen nicht erklären können, jedoch nicht unbegründet ist.

Waren die drei zu Beginn immer zusammen, kapselt sich Jude allmählich ab, und Crispin beginnt ein Verhältnis mit Myles. Irgendwann erzählt ihnen Jude stolz, er sei derjenige, der Dominics Platz einnehme - es stellt sich heraus, dass Dominic Waise wurde wie die drei und von Philip Smallwood als Freund der verstorbenen Eltern aufgenommen und unterrichtet wurde - in sämtlichen Bereichen.

Die Lage spitzt sich zu, als Philip Smallwood die drei Jungs im "Queen's Favour" überrascht, dem "verbotenen" Zimmer, das einst Dominic gehörte. Der sonst so beherrschte und freundliche Gastgeber reagiert auf den Vertrauensbruch in schockierender und unvorhergesehener Weise.

Meinung: Selten habe ich ein so spannendes Buch gelesen, das mich einfach nicht mehr losgelassen hat. Anfangs war es nicht ganz einfach, den teilweise etwas langatmigen Ausführungen zu folgen, doch entschädigt wurde ich mit einem großartigen Kopfkino, wozu die detailreichen Beschreibungen erheblich beigetragen haben. Merkwürdigerweise wurde ich mit Jude "dear boy" Middleton und Philip Smallwood erst recht spät warm. Aber dann wurde mir die Tragik von Smallwoods Geschichte bewusst; seine Trauer um den tödlich verunfallten Dominic hat etwas unbeschreiblich Rührendes. Und man kann ihn in seiner Wut und Verzweiflung sogar verstehen, als er im Affekt etwas tut, das die Idylle zwischen Mentor und seinen "Zöglingen" auf immer zerstört - selbst wenn offen bleibt, was er mit den beiden "Nicht-Dominics" getan hätte und einiges für Myles' Theorie spricht, sie beseitigen zu wollen, nachdem Philip seinen Kandidaten ausgewählt hat.

Fazit: Kein Happy End, traurigerweise, das ich dem Protagonist Philip Smallwood  und auch den Buben so gegönnt hätte. Aber ein wirklich toller Roman, der so überraschend wie ungewöhnlich ist, dass ich ihm viele Leser wünsche. Obwohl die Thematik wohl nicht jeden anspricht und ein wenig heikel ist für empfindsame Gemüter, versteht es die Autorin, die unter Pseudonym im Genre m / m schreibt, in Andeutungen zu erzählen, ohne dass man sich dabei langweilt, sondern große Sympathie für ihre vielschichtigen Figuren entwickelt und empfindet.

Ein kleines, gruseliges Detail ist die Doppeldeutigkeit des Titels: "Mere" bedeutet "Bloß", und ist zugleich der Name des Flusses, in dem Dominic ertrank und an dem Philip Smallwoods Haus steht.

Bewertung: Volle Punktzahl!

👍👍👍👍👍


Freitag, 12. April 2013

Pure Nostalgie

Vielleicht geht es dem einen oder anderen ähnlich wie mir: An bestimmte Dinge von früher erinnert man sich wie aus heiterem Himmel mit einem Hauch Wehmut, und dann lässt einen eine ganze Weile der Gedanke nicht mehr los, wie schön es wäre, diese Dinge wieder zu haben. Unter die Kategorie "Verloren - aber unvergessen" fallen bei mir u. a. zwei Märchenbücher, von denen ich eines vor kurzem durch Zufall wieder mein eigen nennen kann. Wir hatten auf dem Büchertreff die Frage, aus welchen Büchern wir vorgelesen bekommen haben als Kind, und erstaunlicherweise nannte ein Mitglied dieses hier:





Ich bin fast ausgeflippt, als ich es gesehen habe. Seit Ewigkeiten suche ich dieses Buch! Als ich es geschenkt bekam, war ich zu klein, um die etwas gruselig anmutenden, aber fantastischen Zeichnungen von Ingeborg Haun zu würdigen, und so wanderte das Original irgendwann aggressiv verkritzelt und ohne großes Bedauern in den Papierkorb. Trotzdem habe ich im Nachhinein immer mal wieder an das Buch gedacht, und war zuweilen etwas verzweifelt, weil ich weder Autor, Verlag noch Titel mehr wusste (letzterer aber auch erschreckend nichtssagend). Ähnlich geht es mir mit einem Buch derselben Ausstattung. Ich weiß noch, dass ein Pferd (mit Reiter?) von der Seite darauf abgebildet war und ein ganz grausliges Märchen darin ("Jorinde und Joringel"(?), "Der goldene Vogel"(?)). Es war ein bisschen dünner als das abgebildete.

Wie auch immer, ich habe das Buch für ein paar Cent über Amazon beziehen können (ich hatte es ehrlich gesagt größer in Erinnerung (O;), so dass es jetzt wieder in meinem Bücherregal steht. Möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei der Leserin bedanken, die aus demselben Buch vorgelesen bekommen hat wie ich!


Dienstag, 9. April 2013

Ich lese keine Bücher, weil...

So lautet der provokante Titel eines Themas im Büchertreff. Zugegeben, als ich ihn las, war ich erst mal verblüfft. Jemand, der auf einem Literaturforum angemeldet ist, liest keine Bücher?! Was soll das denn? Ein verspäteter Aprilscherz? Aufklärung gab's im Thread selbst: es ging darum, warum immer weniger Leute lesen, besonders junge, und wie man sie davon überzeugen könnte, dass Lesen bildet und bereichert (denn beides tut es ohne Frage).

Ich bin kein militanter Leser, der anderen Bücher aufzwingt, die ich toll und lesenswert finde. Es ist mir ehrlich gesagt auch schnurz, ob jemand lieber mit dem Computer spielt oder fernsieht. Fernsehen bildet auch, in gewisser Weise. Es spiegelt die Gesellschaft und manchmal werden auch gute Filme und Dokumentationen gezeigt, bei denen man auf unterhaltsame Art etwas lernt. Klar, die Phantasie verkümmert, wenn man nicht mehr selbst seinen Grips anstrengen muss. Aber ich hoffe doch, dass auch Nichtleser ihre Mittel dazu haben, z. B. bei Rollenspielen (an denen ich nie Gefallen gefunden habe - jedenfalls nicht online). Abgesehen davon flacke ich abends auch mal gern auf dem Sofa und lasse mich berieseln. Am liebsten vom History Channel, Guido Knopp und seinen unermüdlichen Detektiven der Geschichte... (O;




Was mich persönlich wundert (nicht ärgert - über dieses Stadium bin ich hinaus), ist die Tatsache, dass sehr wenig Freunde, Bekannte und Verwandte meine Bücher lesen; selbst solche, die einen Bestseller nach dem anderen verschlingen, fragen mich selten danach. Ich wiederum frage mich dann, ob sie überhaupt in meine Romane reingeschaut haben, und ob sie fürchten, mich von einer Seite kennenzulernen, die ihnen womöglich nicht gefällt. Oder ob sie die Geschichten überhaupt nicht interessieren, die ihre Freundin / Bekannte / Verwandte ausbrütet.

Merkwürdigerweise erhalte ich von denjenigen, die das Experiment wagen, kaum Feedback (Ausnahmen bestätigen die Regel - mein Gemüsehändler ist mein größter Fan. Darüber freue ich mich fast zu überschwänglich). Mein Onkel sagte mir mal ganz verdutzt, dass er gar nicht wusste, wie gut ich formulieren kann, nachdem ich ihm "Vom Ernst des Lebens" ausgeliehen hatte mit den Worten: "Willst du es nicht mal lesen?" Beinahe hätte ich noch ein *Bitte* hinzugefügt.

Ein Resümee habe ich nicht erhalten, und na ja, man will dann auch nicht impertinent darauf bestehen. Ich weiß ja auch, dass meine Geschichten nicht jedermanns Sache sind. Und wie sagen die Amis so diplomatisch: "If you don't have something nice to say, don't say anything at all". 

In diesem Sinne: Leben und leben lassen, oder?

Sonntag, 7. April 2013

Sensitive about my name

Leute mit ungewöhnlichen Namen haben es nicht leicht. Entweder macht man sie zum Gespött (hart ausgedrückt), oder man spricht ihre Namen falsch aus. Ich weiß nicht, was schlimmer ist, denn außer "wer nichts wird, wird Wirt(h)" bekomme ich Spötteleien eher selten zu hören. Und mit dieser kann ich leben, weil ich weiß, dass ich trotzdem was geworden bin.

Was mir bisweilen ein bisschen Gedanken macht, ist mein Vorname. Der lautet nämlich entgegen der landläufigen Meinung nicht "Christine", sondern "Christine", Wortstamm französisch. Mit stummem "e".

Wer mich kennen lernt oder meinen Namen erst liest, bevor ich mich vorstelle, nennt mich natürlich Christine, Wortstamm deutsch. Merkwürdig: obwohl sich die Namen nicht sooo sehr unterscheiden, reagiere ich auf die verkehrte Aussprache entweder gar nicht oder allergisch. Ganz schlimm war ein österreichischer Schilehrer, der mich trotz ständiger Korrektur meinerseits hartnäckig mit "Kirsten" anredete. Damals war ich elf, und der Schilehrer, der - die Ironie! - auch noch Jacques hieß, hat bei mir kein Stein im Brett (ok, ich übertreibe. Nach so vielen Jahren kann man auch ein bisschen Nachsicht üben).

Neulich fragte mich glatt der Kumpel meines Vaters, wie ich denn jetzt eigentlich heiße - ich würde mich ja mit einem "e" schreiben. Hat er etwa all die Jahre in Unwissenheit meinen Namen benutzt? Ich war ein wenig schockiert. Besagter Kumpel kennt mich mein ganzes Leben lang, und dann sorgt dieses überflüssige E auf einmal für Zweifel.

Positiv überrascht war ich von Michael Fitz, dem ehemaligen Tatort-Kommissar Carlo Menzinger, als ich ihn nach dem Konzert im Münchner Schlachthof im Jahr 2008 um eine persönliche Widmung auf seiner CD "Nackert" bat. Die Gegenfrage kam wie aus der Pistole geschossen: "Mit 'e' oder ohne?" Und man mag es glauben oder nicht - ich war so verwirrt und auch irgendwie star-struck (der Michi fragt nach meinem Namen!), dass ich gesagt habe: "Ohne."

Auf der Plattenhülle steht jetzt "Für Christin". Zuerst habe ich mich über mich und meine Aufregung geärgert. Inzwischen gefällt es mir aber fast besser als "Christine".




Ich habe schon ernsthaft darüber nachgedacht, mich in "Kristin" umtaufen zu lassen. Weil ich bei meinem Namen einfach empfindlich bin. An dieser Stelle entschuldige ich mich bei Arnim, meinem G+ Bekannten, der für mich der Einfachheit halber zu Armin wurde...





Donnerstag, 4. April 2013

Das späte Geständnis des Tristan Sadler ~ John Boyne

Ich muss zugeben, zum Lesen komme ich nicht mehr so oft. Das hat weniger damit zu tun, dass ich selbst schreibe (denn andere Werke können äußerst inspirierend sein), als vielmehr damit, dass ich mich nach einer schwierigen Phase in meinem Leben nicht mehr so gut konzentrieren kann.





Nach langer Leseabstinenz und Kurzgeschichten zum Aufwärmen habe ich mir auf Empfehlung "Das späte Geständnis des Tristan Sadler" besorgt.

Der Autor John Boyne wurde durch "Der Junge im gestreiften Pyjama" bekannt und wird seitdem als literarisches Wunderkind gefeiert. Zu Recht. In diesem Buch wird ein Thema behandelt, das mich selbst fasziniert und zugleich traurig und melancholisch stimmt: der Erste Weltkrieg, in dem so viele junge Männer sinnlos ihr Leben lassen mussten.

Meinung: Ich war begeistert von dem leichten Stil, der Atmosphäre und der Charakterisierung der Rekruten, die von dem despotischen Sergeant James Clayton auf die große Schlacht vorbereitet werden. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Will Bancroft, von dem von Anbeginn kein Zweifel bleibt, dass er sterben wird, denn sein Freund Tristan verabredet sich nach dem Krieg in Norwich mit dessen Schwester Marian, um ihr die Briefe zu übergeben, die sie ihrem Bruder ins Feld schrieb.

Zwischen ihm und Tristan entwickelt sich von einer sofortigen, fast magischen Freundschaft eine Art unfreiwillige Liebesgeschichte, die ihren Anfang nimmt, als der selbsternannte Kriegsverweigerer Arthur Wolf mit eingeschlagenem Schädel noch vor der Überschiffung nach Frankreich im Wald gefunden wird. Dessen baldiges Ende war ein ziemlicher Schocker - dass er im Regiment gepiesackt und schikaniert wurde, nahm mich nicht weiter wunder, aber dass man ihn auf Anordnung Claytons stillschweigend beseitigt hat, ist schon echt starker Tobak.

Bemerkenswert an der Beziehung zwischen Will und Tristan finde ich, dass Ersterer sich dafür schämt, seinen Kameraden körperlich zu begehren, und er dennoch die Initiative ergreift. Er erklärt es vor Tristan damit, "Trost zu suchen", aber Tristan, der schon früh seine homosexuellen Neigungen durch den Nachbarsjungen Peter erkennt, fühlt sich dadurch entwertet. Als sich Will aufgrund eines folgenschweren Vorfalls zum Absolutist (der Originaltitel des Buches) und Tristan zum Feigling erklärt, greift der gedemütigte, zurückgewiesene Tristan zu einer Maßnahme, die völlig überrascht und mich entsetzt hat.

John Boyne gelingt es, das Grauen und den Wahnsinn des Krieges und die Verrohung der Soldaten plastisch zu beschreiben, ohne dabei das verletzte Selbstverständnis seines Protagonisten aus den Augen zu verlieren. Obwohl meine Sympathie von Beginn an uneingeschränkt bei Will war, tat mir Tristan sehr leid. Verstoßen und verachtet von Familie und Freunden, sobald er zu seinen Gefühlen stand, hat er zuletzt selbst von dem Menschen Ablehnung erfahren, den er als seinen Geliebten bezeichnet hat.

"Das späte Geständnis des Tristan Sadler" ließ mich traurig und nachdenklich zurück. Traurig für Tristan und Will, und nachdenklich, weil ich mich unwillkürlich gefragt habe, wie ich in Tristans Situation gehandelt hätte  - und zwar sowohl im Schützengraben als auch später in der letzten Unterredung mit Will.

Fazit: Kein Feel-Good-Buch, dafür eindringlich, tiefgründig und spannend mit einem ungewöhnlichen Thema. Eine Lektüre, die ich in dieser Art so bald nicht wiederholen möchte und die es trotzdem wert war, gelesen zu werden.