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Sonntag, 17. April 2022

Frohe Ostern!

 Mit dieser wundervollen Skizze möchte ich frohe Ostern wünschen. Seit Jahren ist es eine Zeichnung, die mich berührt wie selten ein Bild. Das liegt vor allem an der Ausdruckskraft und auch der Symbolik zwischen Jesus und dem Lamm, dessen Blut vergossen wird. Und gleichzeitig fühlt das Lämmchen sich geborgen auf dem Arm des guten Hirten, der Jesus / Gott ist. Man sieht, wie zufrieden es ist und zu lächeln scheint.

 


 Jesus ist bereits gekreuzigt worden, was das Mal an seiner Hand beweist; wahrscheinlich begegnet er dem Lämmchen kurz nach seiner Auferstehung. Und er ist froh und erleichtert, dass alles überstanden ist. Denn - und ich finde, man kann es in der Skizze deuten - leicht war es für den Sohn Gottes nicht, sich zu Unrecht verspotten und zum Tode verurteilen zu lassen. Da war Jesus doch auch Mensch, der Ängste ausstehen musste. Umso größer ist die Tat, die er vollbracht hat, um uns ewiges Leben im Himmel zu schenken. 

"Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen." Lukas 22, 42 (Übersetzung: Hoffnung für alle).

Und was geschehen ist, war und ist so wunderbar, dass man es gern in Anspruch für sich nehmen kann, jeder einzelne von uns.

 

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Die Künstlerin Katherine Brown besitzt eine Website, auf der ihre wunderschönen Drucke zu erwerben sind.



Donnerstag, 14. April 2022

"Das Geheimnis der Schwestern" ~ Victoria Holt

 Dieses Buch hat mich sofort an Daphne Du Mauriers Klassiker "Rebecca" erinnert, und tatsächlich ist es der Geschichte in groben Zügen ähnlich. Die düstere Atmosphäre eines Herrenhauses in Cornwall, mysteriöse Begebenheiten, undurchsichtige Liebesaffären, der Erzählstil und die Protagonistin Favel waren nur einige Gemeinsamkeiten, die mir auf die Schnelle einfallen. Trotzdem oder gerade deshalb fand ich den Roman lesenswert und bis zum Schluss nur in manchen Punkten vorhersehbar. Von dem trashigen 1960er Jahre Cover habe ich mich nicht abschrecken lassen.



Inhalt: Die junge Favel Farington lebt behütet mit ihrem Vater auf Capri, bis eines Tages ein attraktiver Fremder aus Cornwall das Atelier besucht, in dem der Vater seine Kunstwerke verkauft. Roc Pendorric verliebt sich in Favel und nimmt sie als seine Braut mit nach Cornwall, nachdem der Vater bei einem Schwimmunfall stirbt. 

Auf dem sanierungsbedürftigen Pendorric lernt Favel die übrige Familie kennen, die sie mehr oder weniger wohlwollend aufnimmt - besonders die Zwillinge Lowella und Hyson bringen der jungen Braut zwiespältige Gefühle entgegen. Und dann ist da noch das Gerede über Barbarina, Rocs Muttter, die in Pendorric zu Tode stürzte und nun als ruheloser Geist darauf sinnt, dass eine andere ihren Platz einnimmt. Obwohl Favel pragmatisch veranlagt ist und auch die anderen den Spuk als Legende abtun, kann sie bald nicht mehr anders, als ihn ernstzunehmen, denn irgendjemand aus Pendorric scheint es auf ihr Leben abgesehen zu haben. Könnte es Roc selbst sein, der nach Favels Recherchen nicht planlos nach Capri kam, wie er Favel zunächst glauben machte?

Als sie sich als reiche Erbin herausstellt und gemeinsam mit der ernsten Hyson in der Gruft der Pendorrics eingesperrt und nur durch "einen Zufall" geretttet wird, verdichtet sich Favels Argwohn gegen ihren Ehemann, der zudem kein Kind von Traurigkeit ist und Favel mehr als einmal Grund zur Eifersucht und zu Misstrauen gibt mit seinem sonderbaren Verhalten.

 

diego_torres / Pixabay

 

Meinung: Wider Erwarten ("Naja, probieren wir's mal damit") mochte ich das Buch mit seiner dichten, vielschichtigen Geschichte und den überraschenden Wendungen sehr. Der etwas angestaubte, ausführliche Erzählstil ließ Bilder von Landschaften und Personen in meinem Kopf lebendig werden, angefangen vom heißen Italien bis zum windumtosten Cornwall und dessen raue Bewohner, die alle ein wenig versponnen, aber vor allem rätselhaft wirken. 

Auch Favel - charakterlich ein bisschen wie das namenlose Lämmchen aus der schon erwähnten Rebecca - fand ich interessant. Sie lässt sich zwar nicht einschüchtern von den Ereignissen auf Pendorric, ist aber keine toughe Powerfrau und zeigt auch ihre weibliche, verletzliche Seite. Mit Roc, der sich in ihrer Gegenwart charmant, liebevoll und auch leidenschaftlich gibt, weiß sie nicht, woran sie ist, und das weckt Unsicherheit. Ist er auch so bei den anderen Frauen im Dorf, die ihn samt und sonders anhimmeln? Und hat er es nur auf ihren Reichtum abgesehen, von dem Favel selbst nichts ahnte, als die beiden heirateten? Irgendwann verdächtigt sie ihn gar des Mordes an ihrem geliebten Vater. Wenn da nicht noch andere wären, die Grund hätten, Favel aus dem Weg zu räumen, um die Legende von Pendorric weiterleben zu lassen...

Fazit: Spannend, ein bisschen unheimlich und lebendig erzählt, hat mich "Das Geheimnis der Schwestern" gut unterhalten. Die Kapitel waren ein wenig zu lang, aber das ist mein einziger Kritikpunkt; vielleicht ging mir der Schluss etwas zu schnell, doch alles in allem kann ich den Roman allen empfehlen, die Cornwall, Spukgeschichten und tragisch verflochtene Familienschicksale lieben.


Bewertung: 💫💫💫💫

 

 


Dienstag, 12. April 2022

A walk down memory lane - alte Fotoalben.

 Was ich am Wochenende festgestellt habe: ab einem gewissen Alter macht das Blättern in alten (analogen!) Fotoalben sentimental. Im besten Fall ein wenig melancholisch. 

Bei meinen Eltern stehen nicht viele Fotoerinnerungen im Regal. Hauptsächlich wurden Schnappschüsse aus den 1960er bis 1990er Jahren aufbewahrt. Später hat man wohl nicht mehr so viel fotografiert oder scheute im Zeitalter der Digitalkamera den Aufwand. Und irgendwie ist das ja auch verständlich. Trotzdem schade, dass Erinnerungen nicht mehr so liebevoll handgemacht festgehalten werden wie in jenen Fotoalben. 

 


Besonders eindrucksvoll fand ich dieses Bild, das leider einen so starken Rotstich aufweist, dass ich es schwarzweiß bearbeitet habe. Es zeigt meinen Papa und mich mit Kater Oskar auf der heimischen Terrasse an einem Sommerabend und versinnbildlicht mehr als Worte meine Kindheit. Wenn ich es betrachte, weckt es so viele Gefühle - das an heißen Sommertagen (die ich geliebt habe trotz meiner sonnenempfindlichen Haut), das Gefühl von Geborgenheit und die ungestüme Liebe zu dem gutmütigen Oskar, der schwarz war, ohne als Unglückskatze zu gelten oder verschmäht zu werden aufgrund seiner Fellfarbe (dass es heute weitgehend so ist, wusste ich bis vor kurzem nicht, erklärt aber, warum die bildschönen schwarzen Katzen seltener bzw. unbeliebter werden).



Hier ein Schnappschuss aus... (Tusch!) dem berühmten Skiort Gstaad in der Schweiz. Ohne Schnee. Der beste Freund meines Vaters hatte uns als Familie damals eingeladen, mit ihm, seiner Frau und der kleinen Tochter den Urlaub zu verbringen. Ich finde, das Motiv wirkt wie aus einer Reisewerbung. 

Die Berge haben uns so gut gefallen, dass wir - vor die Wahl gestellt, ob Meer oder Berge - uns immer für letzteres entschieden. Was aber vielleicht auch daran liegt, dass meine Eltern ein paar Jahre in Rosenheim gelebt haben. Jedenfalls sind wir immer noch richtige Bergfexe, auch wenn wir nicht mehr so steile Hügel erklimmen. 

Im Rückblick auf meine Kindheit beschleicht mich ein wenig das traurige Gefühl, dass eine durchschnittliche Kindheit bis zu den 2000er Jahren ohne Internet glücklicher war - im Allgemeinen. Man folgte keinen Influencern oder wollte einer werden, sondern war viel draußen und hat sich mit anderen getroffen, um harmlos und ganz ohne political correctness und Zensur zu spielen. Computer gab es zwar auch schon, aber ich kann mich erinnern, dass es ein gesetztes Zeitlimit fürs Zocken gab, an das man sich zu halten hatte. Außerdem nahm der PC prinzipiell eher eine untergeordnete Rolle im Alltag ein.

 

Picknick im Wallis

 

Manchmal wünsche ich mir tatsächlich die gute alte Zeit zurück. Haltet mich für ewiggestrig, aber ich bin der Ansicht, dass früher doch einiges besser war. Vielleicht werde ich aber auch nur ein bisschen altersweise, wer kann das sagen?


Mittwoch, 6. April 2022

Alles wieder im (Corona-)Butter? Und meine Aufräum-Aktion.

 Zurzeit scheint sie ja jeden zu erwischen, ob geimpft oder nicht: die Omikron-Variante des Coronavirus, und das nicht immer mit mildem Verlauf. Aktuell gibt es mindestens drei Fälle in meinem näheren Bekanntenkreis, auch unter Geboosterten.

Umso erstaunter bin ich, dass seit gestern keine Maskenpflicht in Läden mehr gilt und auch sonst sämtliche Einschränkungen der letzten zwei Jahre zurückgefahren werden - wohl, weil das Infektions- bzw. Seuchenschutzgesetz außer Kraft tritt. Ich muss mich wundern, denn anders als die Spanische Grippe von vor über hundert Jahren ist Covid-19 nach besagter Zeitspanne leider noch nicht Vergangenheit - ich habe eher den Eindruck, es ist ansteckender denn je. Jedenfalls werde ich nach wie vor umsichtig sein und unter mir fremden Menschen die Maske tragen, auch wenn andere meine Vorsicht belächeln. 

 

 

Mir fehlt der alltägliche Umgang mit anderen schon, auch Kino und Kultur, aber ganz ehrlich, man hat sich in der langen Zeit seit März 2020 eingewöhnt in die Beschränkungen und sich weitgehend damit arrangiert, die Abende daheim zu sein. Vielleicht ist man dadurch auch ein wenig bequem geworden - das kann ich zumindest an uns beobachten.

 Da wir in den letzten Wochen durch das Virus ebenfalls keine große Sprünge machen konnten, habe ich die Gelegenheit genutzt und die Wohnung etwas entrümpelt und auf Vordermann gebracht. Und siehe da, es hat mir richtig Spaß gemacht! Anders als meine Oma selig bin ich leider keine Putzfee mehr (früher hatten die Ordnungsgene noch Durchschlagskraft) und zudem gerade ein wenig schlapp, so dass ich auf die nun blitzeblanke Behausung doppelt stolz bin. Zwar ist sie noch nicht vollends sauber, aber den letzten Teil knöpfe es mir vor, sobald ich wieder Zeit habe. Und die muss ich mir nehmen, das geht nicht mal so nach der Arbeit. Der geplante Frühjahrsputz war nämlich ein Tagwerk von 11:00 - 20:00 Uhr.


Sonnenuntergang vom Balkon aus


Wenn man so lange nicht mehr gründlich geputzt hat wie ich (kurz mal Staubwischen zählt nicht), ist es ein total schönes Gefühl, nach Hause in eine veränderte Wohnung zu kommen, in der man sich wieder neu wohlfühlt. 

Für mich war der Großputz auch deshalb ein voller Erfolg, weil ich mich beim Aufräumen normalerweise schnell ablenken lasse von Dingen, die ich ewig nicht mehr in den Händen gehalten habe, oder nach der ersten Anstrengung die Segel streiche. Ich dachte, ich kann nicht mehr so ordentlich und strategisch putzen wie früher, und obendrein mangelt es mir momentan an der nötigen Energie. Wie schön, dass ich mir das Gegenteil bewiesen habe. 

 


 

 Jetzt möchten wir noch das Wohnzimmer und Treppenhaus hell streichen, und auch ein paar andere Bilder aufhängen. Vorher sah unsere Wohnung laut Gästen wie ein Museum aus, da wir uns bei der Einrichtung von der Belle Epoque inspirieren ließen (die ich immer noch faszinierend finde, möbeltechnisch). Mittlerweile wirkt sie ein bisschen moderner, aber immer noch originell. Was gut ist. Wenn man draußen keine Abwechslung findet, muss man sie sich halt drinnen schaffen... 😉


Dienstag, 22. März 2022

Wertvolle Erfahrungs-Tipps gegen Corona

 Eigentlich hatten wir nicht damit gerechnet, hielten wir doch sämtliche Maßnahmen und Restriktionen ein und sind seit zwei Jahren mehr oder weniger unter uns: letzten Monat hat uns Corona erwischt. Ob Omikron oder Delta, spielt keine Rolle, doch mit Erschöpfungszuständen, Schwäche und vor allem Atemnot, die benommen macht und die Brust zuschnürt, ist nicht zu spaßen. Allerdings kam ein Krankenhausaufenthalt als Alternative nie in Betracht.

 

Die Doterra Hausapotheke

 

Das Gebot der Stunde: nur keine Panik. Stattdessen Gottvertrauen und Heilmittel anwenden. Und das taten wir, regelmäßig und ausdauernd. Mit natürlichen Ölen von Doterra (besonders bewährt haben sich Weihrauch und Air), dem Inhalieren von Meerwasser und Smoothies haben wir dem fiesen Virus den Kampf angesagt.

Die Öle sind außerordentlich wohltuend im Raumdiffuser neben dem Bett und als Massage. Auch beim direkten Inhalieren kehrt spürbar neue Kraft in die Zellen. Man kann die hoch antibakteriell und entzündungshemmenden Öle Air und Weihrauch in destilliertem Wasser mischen oder direkt mit speziell aufbereitetem Meerwasser einatmen. Als sehr hilfreich und belebend erwiesen sich zudem Algen-Bäder, die zusätzlich für eine Entgiftung des Körpers sorgen.

Sämtliche  Produkte sind hier erhältlich. 

Ausgesprochen gut war auch das unaussprechliche, auf pflanzlicher Basis hergestellte Umckaloabo, für das nicht zu Unrecht omnipräsent geworben wird.


Meerwassser und Inhalator

Wer keinen Inhalator für die Öle besitzt, kann auf den schon genannten Diffuser oder den altbewährten Wasserdampf über dem Kochtopf zurückgreifen. Die Erleichterung setzt schnell ein, und der Kopf wird freier. Abends gab es einen vitaminreichen selbstgemixten Smoothie, angereichert mit der ABC-Kur von Ringana, und Massagen mit Doterra-Ölen. Das streichelt nicht nur die Gesundheit, Haut und Seele, sondern riecht auch noch gut! Auch nicht zu vergessen bzw. zu unterschätzen: ausruhen, selbst wenn alles andere erst mal liegenbleibt und man das Gefühl hat, nutzlos zu sein. Gesundheit ist wichtiger als Fleiß.

Was uns ebenso ermutigt und gutgetan hat, waren die gegenseitige Achtsamkeit und Hilfe im Haushalt untereinander. Alleine bzw. völlig isolliert möchte man in so einem Zustand nicht sein. Covid-19 ist kein Zuckerschlecken. Ganz raus sind wir noch nicht, wenn auch nicht mehr ansteckend und aus der Quarantäne, die zu mehreren gar nicht so schlimm war. Wichtig ist, dass wir wieder alle auf die Beine kamen. 

 

Noch ein bisschen groggy...

 Ich würde mich freuen, wenn dieser Erfahrungsartikel Mut macht. Er zeigt, dass man auch mit natürlichen Mitteln gegen einen Virus angehen kann, der in der Tat nicht von Pappe ist. Konsequent muss man halt sein, aber das fiel uns angesichts der spürbaren Fortschritte und dem Wiedererhalt unserer Gesundheit nicht schwer.

Die letzten beiden Sonntage waren wir sogar wieder wandern, wenn auch mit mehr Pausen als gewöhnlich. Doch es macht Spaß und beweist, dass wir unsere Energie wieder zurückgewinnen und es aufwärts geht.


Dienstag, 15. März 2022

Der kleine Gärtner & Der Hase mit den himmelblauen Ohren

 Zwei etwas ungewöhnliche Buchtipps für mich, aber interessant für Mamas und Papas zum Vorlesen für die Kleinen. Beide Bilderbücher mit wundervollen Zeichnungen haben mich sehr berührt und wurden seinerzeit in der biblisch-therapeutischen Seelsorge meiner Eltern eingesetzt, wenngleich es sich nicht um religiöse Lektüre handelt. Das erste ist "Der kleine Gärtner" von Gerda M. Scheidl und Bernadette. 



 

Inhalt: Der kleine Gärtner versteht die Sprache von Tieren und Pflanzen und liebt seinen verwilderten Garten, in dem er jede freie Minute verbringt. Alles lebt in Harmonie und gedeiht prächtig. Bis der kleine Gärtner eine Unzufriedenheit beim Gänseblümchen feststellt, die ihm Sorgen macht. Bald findet er heraus, dass es lieber im Garten des Nachbarn wachsen würde, der voller Rosen, Rittersporn und gepflegten Beeten ist. Um den Nachbarn nicht zu vergrätzen und dem Gänseblümchen seinen Wunsch zu erfüllen, verpflanzt er es heimlich über Nacht. Doch der Nachbar ist nicht erfreut: Unkraut hat in seinem Garten nichts zu suchen. Kurzerhand wirft er das Gänseblümchen auf den Komposthaufen. Was für ein Schreck für die benachbarte Flora und Fauna! Ohne Wasser muss das Gänseblümchen elend verdursten! Kann es eine Rettung geben?

Meinung: Natürlich gibt es die. Eine Rettung, die nachdenklich macht. Nicht nur das Gänseblümchen. Auch die Leser. Und sie zeigt, dass das, was man hat, viel zu wenig mit Dankbarkeit gewürdigt wird. Auch wenn es nur kleine Dinge sind, an denen wir uns erfreuen.


~*~


Das nächste Buch war "Der Hase mit den himmelblauen Ohren" von Max Bolliger und Jürg Obrist.




Inhalt: Der Hase mit den himmelblauen Ohren schämt sich. Er sieht anders aus als die Tiere in seiner Stadt. Sein einziger Freund ist der Mond, aber der kann nicht mit ihm reden. Der Hase begibt sich auf Wanderschaft, weil er glaubt, in seiner Stadt nicht willkommen zu sein. Unterwegs flattern ihm Hüte entgegen, wie etwa ein Schornsteinfegerzylinder und ein Gärtnerhut. Viermal wechselt er die Hüte, denn keiner will ihm so richtig passen. Obwohl er durch die Kopfbedeckung verschiedene Berufe ausübt, verlachen ihn seine Kollegen, sobald ihm durch eine unglückliche Fügung der Hut vom Kopf fliegt und die himmelblauen Ohren freigibt. Wird der ungewöhnliche Hase dennoch Freunde finden?

Meinung: Da sich die Reise des blauohrigen Hasen in vielem wiederholt, ist auch der Satzbau oft derselbe, aber umso eindrücklicher wirkt die Geschichte. Auf den ersten Blick scheint sie simpel, und doch ist sie aktueller denn je. Anderssein ist kein Makel, und erst recht kein Grund, sich zu schämen und zu verkriechen. Das merkt auch der Hase, als er feststellt, dass er sich das Problem selbst gemacht hat. Und er kann seiner Vergangenheit sogar etwas Positives abgewinnen: Sein "Fehler", sich nicht anzunehmen wie er ist, hat ihm trotz seines mangelnden Selbstwertgefühls Türen geöffnet und ihn um viele Erfahrungen reicher gemacht. 

Fazit: Zwei entzückende Bilderbücher, die zu Akzeptanz, Dankbarkeit und Wertschätzung aufrufen. Nicht nur für Kinder. Auch ich hatte meine Freude an den liebevollen Zeichnungen und vor allem an der jeweiligen Botschaft der Geschichten. 

 

Bewertung: 💫💫💫💫💫




Mittwoch, 9. März 2022

Altehrwürdige Campingstühle aus den späten 1960 / frühen 1970er Jahren

 Gerade bin ich dabei, unseren Minikeller zu entrümpeln, in dem sich so einiges angesammelt hat über die Jahre. Sogar mein altes, vom Flohmarkt erfeilschtes Klapprad steht noch dort, das mir ein mittlerweile verstorbener Bekannter geschenkt (verkauft?) hat. Das gebe ich nicht her, im Gegensatz zu einem Paar Campingstühle, das unserer Familie über Jahrzehnte treue Dienste erwiesen hat.

 


 

Keine Gartenparty haben sie ausgelassen, keinen Flohmarkt, auf dem wir einen Stand hatten, und natürlich haben sie auch im Urlaub nicht gefehlt, waren sie doch leicht und handlich und platzsparend im Kofferraum zu verstauen. Von Gegenständen wie diesen trenne ich mich stets mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich unheimlich froh um den neu geschaffenen Platz im Keller, andererseits erzählen besonders diese Klappstühle viele Geschichten für mich. Ihr Alter sieht man ihnen bis auf das typische Design der 70er Jahre nicht an. Beide Stühle sind stabil, die Sitzfläche straff und nicht ausgebleicht. Natürlich sind sie nicht wie neu, aber dennoch gut in Schuss. Ein Blickfang im Garten und in einer Zeit, in der die Terrassenmöbel irgendwie alle gleich langweilig und grau aussehen.



Einiges, was ich als "überflüssigen" Krempel empfand während meiner Aufräumaktion, habe ich in Kartons peu à peu zum Mitnehmen vor die Tür gestellt, und bin doch erstaunt, dass die Sachen mit wenigen Ausnahmen weggehen wie warme Semmeln. Bestimmt wären meine Stühle auch schon längst weg, doch ich versteigere sie für Liebhaber und Nostalgiefans auf ebay und hoffe auf viele Gebote. Dort findet ihr auch weitere Fotos. Bei Interesse klickt auf den folgenden Link:


Vintage Campingstühle 1970er

 

Freitag, 11. Februar 2022

Jeden Tag zur guten Nacht 365 neue Geschichten / 365 Grains de Sable von Evalisa Agerthon u.a.

 Es gibt Bücher in meinem Leben, die ich schon lange nicht mehr besitze, an die ich mich jedoch erinnere und sie gelegentlich auch gern wieder hätte. Eines davon ist das unten abgebildete. Ich kann gar nicht genau sagen, was für mich die Faszination ausmacht, doch ich war überglücklich, als ich es auf Booklooker für einen guten Preis in einem altersgemäß tollen Zustand (die Ausgabe ist von 1978) erwerben konnte.

 


Das farbenfrohe Cover mit dem lockenköpfigen, schnurrbärtigen Sandmann/Zauberer (damals topmodisch!) ist einer der Faktoren, die mich begeistern und heimlich erfreuen. Ich meine, welcher Zauberer sieht denn heute noch so aus geschweige denn traut sich, in einem so spießigen Outfit einem Kind zu erscheinen? Überhaupt die Zeichnungen. Ich wage zu behaupten, dass ihnen das 1970/80er Jahre Flair anzumerken ist. Irgendwie sind die Illustrationen so bunt, liebenswert einfach, ein bisschen altbacken und trotzdem kunstvoll. So, wie schlichte Kinderbücher zu jener Zeit eben waren. Wenngleich verschiedene Texter und Zeichner am Werk waren, wirkt es sehr einheitlich. Das Format gefällt mir auch, und nicht zuletzt rankt sich eine kleine Geschichte um dieses Buch.

 


Gesehen habe ich es zum ersten Mal bei einer Freundin, die es entweder mir oder einer weiteren gemeinsamen Schulkameradin geschenkt hat, weil wir beide große Begeisterung bekundet haben (ich behaupte mal, dass ich die Glückliche war, kann es aber nicht mehr genau sagen). Da nicht ganz klar war, wem der Schatz nun gehörte, kam es zu Streit. 

Die großzügige Freundin war inzwischen umgezogen, und ich forderte das Buch zurück, das ich ausgeliehen hatte (oder es gehörte ohnehin dem anderen Mädchen... ziemlich verwirrend!). Um es mir mit der Freundin nicht zu verscherzen, die ich trotz allem sehr mochte, habe ich ihr das Buch überlassen und lange Zeit nicht mehr daran gedacht. Bis irgendwann der Rappel und Ehrgeiz kamen, alte Jugendbücher wieder aufzutreiben. Das war trotz Internet gerade bei diesem Buch schwieriger als gedacht. Ich wusste weder Autor/en noch den genauen Titel oder Verlag, und Gute-Nacht-Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Irgendwann habe ich es doch wiedergefunden, doch der Kauf entpuppte sich als Enttäuschung. Der Einband mehrfach mit farbigem Tesaband geklebt, innen teilweise Gekritzel, das war nicht in der Artikelbeschreibung zu lesen gewesen. Hätte es sich um meine eigenen Gebrauchsspuren gehandelt, hätte es mich nicht gestört, so aber habe ich das Buch als Schandfleck in meinem "Kinderbuchregal" empfunden (ja, ich bin mitunter ein kleiner Monk).

 


Umso mehr freut es mich jetzt, das Buch, das mir so viel bedeutet hat, unversehrt wieder zu besitzen. Da hatte ich ähnliches Glück wie mit dem Märchenbuch, das unvermuteterweise eine Leserin im Büchertreff erwähnt hatte. 

Und obwohl es völlig sinnlos ist, solche Bücher im Erwachsenenalter sein eigen zu nennen, erfüllt es mich mit Nostalgie und fast Glück, wenn ich es zur Hand nehme und durchblättere. Die kleinen Verse sind oft anrührend, lustig, teilweise fast skurril oder zum Nachdenken. Ein bisschen auch Zeitgeist, denn Kinder von heute kann man mit solchen Kurzgeschichten nicht mehr wirklich verzaubern.



Mittwoch, 9. Februar 2022

Meine Zeichnung "Draußen im Feld"

 Da letzten Sonntag unsere Wandertour aufgrund von Dauerregen und Sturmböen zum ersten Mal seit Karfreitag 2021 ausfiel (meh!), habe ich mal wieder zu Blei- und Buntstiften gegriffen. Obwohl wir im KUNSTraum mehrere Techniken anbieten, drücke ich mich immer ein bisschen vorm Zeichnen, ich weiß nicht warum.

Früher habe ich nämlich ausschließlich mit Bleistift skizziert, und das nicht mal schlecht. Vielleicht traut man sich später gerade deshalb nicht mehr - man könnte es ja verlernt haben und sich blamieren. Was Blödsinn ist. Selbst wenn es nicht mehr so gelingt wie früher, muss man eben wieder üben.



Jedenfalls war ich mutig und habe einfach angefangen, mit einer vagen Idee im Kopf, die nicht einmal besonders spektakulär war. Gefreut hat es mich, dass ich auf Anhieb zufrieden war mit dem Ergebnis. Es war jedoch deutlich, dass die Skizze nicht fertig war. Nun stellte sich die Frage: schwarzweiß ausarbeiten oder farbig? Farbe verwende ich im KUNSTraum relativ oft, so dass eine Schwarzweiß-Zeichnung verlockend schien, entweder mit Schraffur oder / und Kohle  veredelt.



Entschieden habe ich mich letztendlich doch für die Kolorierung, und zwar sehr dezent, da das Motiv an sich illustrativen Charakter hat und von pastös deckenden Kreiden oder Gouachefarben erschlagen werden würde. Wie so oft habe ich hinterher gedacht, ich hätte es lassen sollen, aber ich glaube, durch die Farbe gewinnt das Bild etwas mehr an Tiefe. Und man erkennt mehr von der Landschaft. 

Falls es jemand erwerben möchte, es steht auch zum Verkauf. Besonders toll würde es sich in Kinderzimmern machen oder als Geschenk für einen Jäger. In echt sieht es bunter aus als auf den vergleichsweise blassen Fotos.



 

Weitere Bilder von mir findet ihr unter meinem Instagram-Account ChrisArt

Ich freue mich über Follower und besonders auch Interessenten, die mich gern anschreiben können und meine Zeichnungen und Gemälde bei sich zuhause zu einem günstigen Preis aufhängen möchten. Noch sind sie erschwinglich... 😁



Mittwoch, 2. Februar 2022

Saving Mr. Banks (2013) ~ ein Disney der besonderen Art

 Bis gestern war es mir ein Rätsel, warum Tom Hanks als Mr. Banks gerettet werden muss. Von dem Film hatte ich zwar gehört, mich aber nie genauer informiert, um was es geht. Mehr aus Langeweile gab ich ihm dann eine Chance. Und war richtig gerührt von den Schauspielern und der herzerwärmenden Story.

 


Handlung: Seit über zwanzig Jahren versucht Walt Disney (unglaublich authentisch: Tom Hanks) an die Lizenzrechte von "Mary Poppins" der Kinderbuchautorin P. L. Travers (Emma Thompson) heranzukommen, Lieblingslektüre seiner Töchter. Doch die allein in London lebende 60jährige stellt sich stur, bis ihr Agent sie angesichts der finanziellen Lage dazu überredet, nach Los Angeles zu fliegen, um sich wenigstens anzusehen, wie die Verfilmung ihres Buches vorangehen könnte. 

Pamela erweist sich als äußerst britisch für amerikanische Verhältnisse: unterkühlt, starrsinnig und humorlos. Nach einer Woche ist sie mit den Nerven am Ende - ebenso wie der geduldige, aber genauso hartnäckige Onkel Walt, der "Mary Poppins" als Musical verfilmen möchte. Ein No-Go für die Autorin. Auch soll es kein Zeichentrickfilm sein und die Farbe Rot nicht darin vorkommen (!).

Ohne einen Kompromiss zu erzielen, trennt man sich wieder trotz einiger Lichtblicke, die die Autorin nicht überzeugen können. Walt Disney reist ihr nach und besucht sie in England auf eine Tasse Tee, während der die beiden nicht nur Milch und Whisky, sondern sich auch gegenseitig ihr Herz ausschütten - wobei Pamela nicht alles von sich preisgibt; das erfährt nur der Zuschauer aus Rückblenden und erahnt der intuitive Walt mit psychologischem Gespür. 

Als Travers 1964 zur Premiere von "Mary Poppins" erscheint, erleben alle Mitwirkenden eine Überraschung...

Meinung: Anfangs skeptisch, hat mich die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte mitgerissen und berührt. Sehr schön gemacht waren die Rückblenden in die australische Kindheit der spröden Pamela, die als Mädchen ihren sehr phantasie- und liebevollen Vater (toll: Colin Farrell) vergöttert. Der ist als Direktor einer Bank überfordert und greift immer häufiger zur Flasche. Die verzweifelte Mutter (Ruth "Jane Eyre" Wilson) ruft nach einem von Scham und Existenzangst getriebenen gescheiterten Selbstmordversuch ihre resolute Schwester Ellie auf den Plan, die Ordnung in das familiäre Chaos bringen soll. Dennoch gelingt es nicht, die frühere Harmonie zwischen Travers Goff und seinen vier Mädchen wiederherzustellen. Als die kleine Helen (und spätere Pamela) dem suchtkranken Vater auf dessen Drängen eine Whiskyflasche ins Bett schmuggelt und die Konsequenz einschneidend ist, hadert sie ein Leben lang mit Schuldgefühlen.

Auch Walt Disney hat Probleme mit seinem Vater Elias, von denen er später erzählt. Und wie Pamela den ihren, liebt er ihn und verzeiht ihm seine Fehler; genau wie die Britin nach der Begegnung mit Disney lernt, ihre eigenen zu verzeihen.

Fazit: Unerwartet tiefsinnig, mit lustigen, traurigen und bittersüßen Momenten, ist "Saving Mr. Banks" eine der besten Disney-Realverfilmungen, die ich je gesehen habe oder erinnere. Der Cast ist überzeugend, wobei mich besonders Tom Hanks positiv überrascht hat. Sein Walt Disney ist genauso, wie man den geschäftstüchtigen Phantast und Tycoon aus Dokumentationen kennt - zwar streng und zielstrebig, aber auch mitfühlend und verständnisvoll. 

 


 

Eine besonders berührende *Beziehung* haben der Chauffeur Ralph (Paul Giamatti) und die "Missus", wie er Pamela Travers nennt. Sie geht nicht in die Tiefe und ist trotzdem fein und eindrucksvoll ausgearbeitet, indem die Autorin ihm bescheinigt, der "einzig nette Amerikaner" zu sein, den sie getroffen hat.

Und auch, wenn ich jetzt schon gespoilert habe, wer der echte Mr. Banks ist, ist der Film nicht nur für Mary Poppins-Kenner eine blitzblanke Empfehlung.


 Bewertung: 💫💫💫💫💫



Donnerstag, 27. Januar 2022

Unsere Wandersteine ~ eine lustige Idee, die Freude bereitet

 Angefangen hat es damit, dass wir letzten Sommer im Wald von Massenbach während unserer Touren einen schön bemalten Kieselstein fanden und darüber völlig geplättet und erfreut waren, das Schmuckstück nach einem Foto aber liegenließen. Zuhause googelten wir (weil man heute ja alles googeln kann) und lernten das Phänomen des "Wandersteines" kennen, das offenbar in Corona-Zeiten ausgeheckt wurde.


Zum Auswildern fast zu schade...

Das Prinzip ist ganz einfach: man bemalt einen Kieselstein und / oder verziert ihn mit Sinnsprüchen, lackiert und und setzt ihn irgendwo in der freien Natur aus, um dem Finder eine Freude zu machen. Der kann das Schmuckstück entweder behalten oder es an anderer Stelle für einen weiteren Finder platzieren. Wir waren sehr fasziniert und gerührt von dem netten Gedanken, doch die Idee, es selbst zu tun, kam uns erst Ende letzten Jahres. 

Als Kind fand ich Steinebemalen doof, denn mir fehlte es an Geduld und Feinmotorik. Daher wollte ich es eigentlich nicht wieder probieren, doch wider Erwarten macht es richtig Spaß und geht besser als früher. Mittlerweile haben wir bestimmt um die fünfzig Stück und sind schon fleißig dabei, sie auf unseren Wanderungen zu verteilen. Was - ehrlich gesagt - nicht immer leicht ist. Aber wie albern wäre es, sein Herz an Steine zu hängen?

 


Trotzdem sind sie kleine Kunstwerke, in die neben allem Spaß doch Zeit und Liebe investiert werden. Um sie nicht komplett in den leeren Raum zu geben, haben wir auf die Rückseite unsere Atelieradresse geschrieben. So hat der Finder die Möglichkeit, die Herkunft des Steines zu erfahren und uns vielleicht auch mal über unsere Facebook-Seite eine Nachricht zukommen zu lassen, was uns tierisch freuen würde.


Freddie Mercury und Justin Bieber sind dabei!
 

 Ein bisschen schade ist es nämlich schon, dass man das überraschte Gesicht des Finders nicht sehen kann - oder überhaupt weiß, ob sie je entdeckt werden. Wir achten zwar darauf, dass wir sie an Hütten, Rastplätzen oder sonstigen gut frequentierten Stellen auswildern, aber manchmal sieht man ja vor lauter Wald die Bäume (Steine) nicht... und dann ist da noch die Frage, ob gewisse Plätze im Sommer anders aussehen bzw. zuwachsen. Wenn die Steine nicht in Hütten sitzen, dann sollte man in Baumlöcher schauen oder unseren Wanderblog lesen, wo ich jeden Sonntag berichte.

 



Samstag, 22. Januar 2022

Frauenarzt Dr. Sibelius (1962) ~ "Schmonzes" mit Starbesetzung

 Wie bereits angekündigt, habe ich mir ein paar Lex Barker-Filme auf DVD und BluRay gegönnt. Letztens war die Arthur Brauner-Produktion an der Reihe. In Schwarzweiß gedreht, mit damaligen Zugpferden wie Senta Berger (die immer noch flott untterwegs ist!), Barbara Rütting und dem Publikumsliebling Lex Barker in ungewohnter Rolle als Frauenarzt in tausend Nöten. Und irgendwie ist der Film gar nicht so piefig, wie man meinen sollte. Sogar nackte Brüste (!) sind in Senta Bergers Alptraumsequenz zu sehen.



Inhalt: Der angesehene Gynäkologe und Klinikchef Georg Sibelius ist beliebt bei seinen Patientinnen und geht in seiner Arbeit auf. Besonders seit seine junge Frau Elisabeth (Senta Berger) und er sich nichts mehr zu sagen haben. Elisabeth ist notorisch eifersüchtig und auch etwas neurotisch, seit sie und Georg ein Kind verloren haben und keine weitere haben können. 

Da tritt Elisabeths Freundin, die weitgereiste, emanzipierte Sabine Hellmann (Barbara Rütting) auf den Plan, ganz das Gegenteil der häuslichen und untätigen Elisabeth. Auch Georg und Sabine kennen sich, und die alte Liebe flammt wieder auf. Als Sabine unerwartet zu Georgs Patientin wird, spitzt sich die Lage zu. Nachdem Sabines Schwester auf Georgs Vorschlag hin zu den Eheleuten in die viel zu große Villa ins Gästezimmer zieht, argwöhnt Elisabeth zudem eine Affäre - mit Grund? Und als sei das nicht genug, bekommt Georg auch noch von einer minderjährigen hysterischen Patientin eine Vaterschaftsklage an den Hals...

Meinung: Es klingt ein bisschen nach Groschenroman, und wahrscheinlich ist es das auch. Dennoch genießt der Film bei Fans nicht zu Unrecht Kultstatus, wozu nicht nur das Ensemble beiträgt, das in den 1960ern sehr populär war, wie z.B. die Mutter von Götz George, Berta Drews, als Hauswirtschafterin, und Elisabeth Flickenschild als preußisch disziplinierte, zerstreute Schwiegermama.

Für eine Überraschung gut ist der ansonsten eher stoische Lex Barker als blendender Halbgott in Weiß. Äußerlich definitiv für eine solche Rolle prädestiniert, gibt er trotz des in Bezug auf ihn klischeebeladenen Drehbuchs einen überzeugenden, von Zweifeln und Sorgen geplagten Doktor, der es allen (Frauen) recht machen will und dabei seine eigene Frau vernachlässigt, ohne es wirklich zu merken. Typisch Mann, halt. Vor allem in der Zeit, in der der Film spielt. Manchmal ist ihr Umgang miteinander recht grob, dann wieder um Aussöhnung bemüht, aber sie schaffen es nicht, sich gegenseitig zu verstehen. Wen wundert's, dass Elisabeth fast krank wird vor Eifersucht und daher von einem Fettnapf in den nächsten tritt, wenn ihr Mann keine Anstalten macht, ihr die Wahrheit zu sagen? Das hat mich ein wenig gestört, auch wenn klar ist, dass es aus dramaturgischen Gründen nicht möglich war. Oder dass Georg ohnehin nicht sicher ist, ob er und Elisabeth eine Zukunft haben.

Heute könnte man einen solchen Stoff auf die Art nicht mehr verfilmen, ohne die Feministen auf die Palme zu bringen, denn was sich Georg leistet, würde keine noch so geduldige Frau tolerieren. Oder sich wie Elisabeth in der Opferrolle gefallen. Allerdings springt sie am Ende über ihren Schatten, ohne wirklich Beweise zu haben. Was ein bisschen komisch war, doch sie ist wohl noch so verliebt, dass sie nicht hinterfragt - oder sie kennt Georg besser als der von Missgunst zerfressene Assistenzarzt Dr. Möllendorf (Harry Meyen), der sie telefonisch zu überzeugen versucht, dass an der Vaterschaftsklage etwas dran ist. 

Fazit: Trotz der nervigen musikalischen Krimi-Untermalung à la Edgar Wallace und den mitunter etwas melodramatisch-hysterischen Tönen der weiblichen Besetzung ein für die damalige Zeit progressiver und beinahe mutiger Film, in dem Lex Barker nicht den edelmütigen Helden spielt, der für jedes Problem eine Lösung aus dem Ärmel schüttelt, sondern zur Abwechslung innere Zerrissenheit und Gefühl zeigen darf.


Bewertung: 💫💫💫💫




Donnerstag, 20. Januar 2022

Die Vergeltung des roten Korsaren (1958) ~ Piratenfilm mit Lex Barker

Zufällig ist mir das Cover dieser DVD ins Auge gesprungen, und da ich von klein auf großer Lex Barker- und auch Piratenfilm-Fan bin, habe ich den Film mit einigen anderen des US-Schauspielers bestellt, der nach fünf Tarzan-Spielfilmen und einer Reihe von B-Western vor allem in Europa eine beispiellose Karriere gemacht hat. Kaum ein Streifen der 1950er/60er kommt ohne Lex Barker aus, den blonden Hünen mit dem markanten und buchstäblich wie gemeißelten Gesicht. Dass es Filme zu purer Unterhaltung bar intellektuellen Anspruchs waren, tut dem Spaß beim Anschauen keinen Abbruch. Und dann ist der Mann ja auch noch was fürs Auge... 👀



Inhalt: Ende des 18. Jahrhunderts macht der Edelmann Enrico di Ventimiglia (Lex Barker) als roter Korsar die Weltmeere unsicher, um den Tod seines Vaters zu rächen (vermutlich Burt Lancaster aus "Der rote Korsar", das wohl als inoffizielles Prequel gilt) und für Gerechtigkeit zu sorgen. Als er einen Verräter fasst, der sich auf einer gekaperten Galeone versteckt hielt, erfährt er, dass seine totgeglaubte Halbschwester noch lebt und verliebt sich außerdem in die rassige Marquesa Carmen di Montelimar (die aus Österreich stammende Silvia Lopez), die er aus den Klauen seiner ausgehungerten Männer befreit. 

Es beginnt eine etwas verwirrende Suche nach der Schwester Neala, die nicht nur für Enrico von Interesse ist. Ist sie doch zugleich die Prinzessin eines Indiovolkes und würde außerdem durch eine Heirat mit dem Gouverneur von Panama diesem zu großem Einfluss verhelfen. Doch Neala ist in den Bruder der Marquesa verliebt und zudem die Zofe von Carmen. Kurz, jeder will nicht nur *ein* Stück vom Kuchen, sondern den ganzen abhaben. Und dann ist da noch die für den Grafen entflammte Carmen, die nie weiß, ob sie seinen Worten trauen kann. Dennoch findet Enrico unerwartet Verbündete auf seiner Mission, die er mit Gewieftheit und Heldenmut meistert.

 Meinung: Zugegeben, ich bin etwas befangen, wenn es um Lex Barker geht. Als Mensch und Schauspieler finde ich ihn einfach toll, und in diesem Kostümschinken, der sein erster auf europäischem Boden ist, lässt er sogar hin und wieder schelmischen Errol Flynn-Charme hervorblitzen, an dem er sich offenbar orientiert hat. Und außerdem macht er in jeder Verkleidung eine klasse Figur. Die Ausstattung, Musik und die farbenprächtigen Kostüme haben mir ebenfalls gut gefallen und mich sogar überrascht. In der Hinsicht steht der Film modernen Piraten-Adaptionen in nichts nach. Als sehr authentisch und schmissig empfand ich die Szene der Tänzerin mit den jamaikanischen Eingeborenen (ist der Ausdruck rassistisch? Falls ja, entschuldige ich mich.), die an eine Combo junger Harry Belafontes erinnern. Frivoler und stimmungsvoller konnte das auch Black Sails nicht einfangen.

An manchen Stellen war mir die Story allerdings ein bisschen verworren und die Kumpane des Grafen zu albern, aber das ist wohl dem Geschmack des damaligen Publikums geschuldet. Die Bildqualität hätte ich mir für den Preis von 13,00 Euro schärfer gewünscht - man ist ja so verwöhnt durch die allgegenwärtige HD-Qualität. Trotzdem hat er mich gut unterhalten und in Nostalgie schwelgen lassen, denn zum ersten Mal gesehen habe ich ihn natürlich nicht. Aber fragt mich nicht, wie lange das her ist.

Jedenfalls ist es kein Wunder, dass man sich im römischen Cinecittà die Finger nach Lex Barker geleckt hat. Nicht nur, dass er athletisch, sportlich und gutaussehend war; er sprach auch fließend Italienisch, was den Produzenten und Regisseuren zugute kam. 

"Die Vergeltung des roten Korsaren" legt den Grundstein für viele weitere zweiklassig rund um den Globus gedrehte Abenteuerfilme mit Lex Barker, der auf diese Weise zum Kosmopolit wird. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.

 

Bewertung: 💫💫💫💫



Dienstag, 11. Januar 2022

Der unterschätzte Entertainer Michael Schanze

   Deutschland hat nicht mehr viele - wenn überhaupt noch im klassischen Sinn -, doch vor ein paar Jahrzehnten gab es große Namen unter den Entertainern, die dieser Bezeichnung mehr als gerecht wurden. Allround-Talente wie Peter Alexander, Hans-Joachim Kuhlenkampff, Harald Juhnke und auch Rudi Carrell haben die Fernsehlandschaft geprägt und bereichert mit ihrer Kreativität und Vielseitigkeit. Einer wird hierbei fast vergessen und zu Unrecht oft als Sonnyboy belächelt: der im TV notorisch gutgelaunte Michael Schanze. 

 

 

Vor kurzem lief in der Serie "Lebenslinien" auf BR3 ein Bericht über Michael Schanze, der 1947 in Tutzing geboren wurde und im Alter von neun Jahren seinen Vater verlor, der ein Radioorchestra leitete und sich scheinbar ohne erkennbaren Grund das Leben nahm. Daraufhin wird die Familie getrennt, denn die berufstätige Mutter bringt sich und die zwei Buben nicht alleine durch. Michael kommt ins Internat, der kleine Bruder zu Pflegeeltern in München. Erst als Michael zwölf ist, stellt ein Lehrer fest, dass er sich nicht einleben kann und sich abkapselt. Der Lehrer schreibt einen besorgten Brief an die Mutter, die die Kinder wieder zu sich nimmt. Zuhause ist Michael "der Mann im Haus", und die drei werden unzertrennlich.

Entdeckt wird Michael Schanze durch seine unverwechselbar freundliche und sanfte Stimme zuerst fürs Radio, dann fürs Fernsehen, wo er moderieren und singen darf. Sein Privatleben ist mit Sport ausgefüllt; 1976 nimmt er sogar an einer Windsurferregatta auf den Bahamas teil und belegt den siebten Platz. 

Die Sportlichkeit und Körperbeherrschung haben mich sehr beeindruckt, ebenso seine Einfühlsamkeit und Liebe für Kinder. Aus seiner ersten Ehe gehen drei Söhne hervor, doch schon in den 1970er Jahren moderiert er die aus den USA stammende Kinder-Quizshow "Eins, Zwei oder Drei" mit dem Plopp - heute Kult! Ich hab' das übrigens leider nie geschafft, den Plopp. Obwohl wir es in den Pausen auf dem Schulhof immer geübt haben und manche echt gut waren. 

Danach folgen große Samstagabend-Shows, diesmal für die Erwachsenen oder die ganze Familie ( "Flitterabend" und "Nur keine Hemmungen!").

 



2003 hat der durchtrainierte und von Sport fast besessene Michael Schanze einen schweren Skiunfall. Und das war offenbar ein Wendepunkt in seinem Leben. Ob seine Ehe vorher schon geschieden wurde, war aus der Doku nicht ersichtlich, doch der Unfall hat auch physische Folgen. Der stets so schlanke Michael Schanze nimmt gewaltig zu - von dem sprichwörtlich jungen Hüpfer ist nichts mehr zu sehen. 

Ich fand das irgendwie traurig. Sein Bruder Christian meinte, man nähme nur den dicken Mann wahr und nicht das Drama und die Vorgeschichte der depressiven Familienangehörigen, die dahintersteckten, und bestimmt hat er recht. Dennoch wünscht man einem Menschen, der immer so sportlich und drahtig war, kein solches Schicksal. Innerlich ist er jedoch anscheinend immer noch fröhlich-beschwingter Optimist und hat im reifen Alter ins Charakterfach des Theaters gewechselt, wo ihm Rollen angeboten werden, an die für den jungen Michael Schanze nicht zu denken war. Außerdem spielt er nach wie vor gern Klavier, an dem er Kindermusicals komponiert. Insofern hat er "Glück im Unglück" gehabt, wie man so sagt. Und außerdem lebt er lieber in der Gegenwart als in der Vergangenheit. Chapeau!




Am 15. Januar wird Michael Schanze 75. Dazu von Herzen alles Gute und viele weitere glückliche Jahre einem Idol meiner Kindheit! 💗



Freitag, 7. Januar 2022

Drama mit Liam Neeson und Meryl Streep: "Davor und danach" (1996)

 Dieser Film fand sich auf meiner Liste in Disney+. Ich hatte ihn vor langer Zeit gesehen und hatte ihn zwar als deprimierend und grau, aber ziemlich clever in Erinnerung. Jedoch hat mich beim zweiten Faktor mein Gedächtnis im Stich gelassen.

 


Inhalt: Der 15-jährige Jacob (ein elegisch-phlegmatischer Edward Furlong), Sohn des Ehepaares Dr. Caroline und Ben Ryan (interessante Kombination: Meryl Streep und Liam Neeson) wird des Mordes an einem gleichaltrigen Mädchen verdächtigt, mit dem er befreundet war. Als der Sheriff das abgelegene Anwesen aufsucht, ist Jacob verschwunden. Doch Vater Ben entdeckt Blutspuren am Chevy, mit dem der Sohn unterwegs gewesen ist. Rasch beseitigt er sie, bevor die Polizei den Wagen konfisziert. Caroline und Ben beauftragen einen windigen Anwalt (Alfred Molina) mit der Verteidigung von Jacob. Gemeinsam mit Ben und Jacob tüfteln sie eine Version aus, in der Jacob als unschuldig hervorgeht, weil er beim Verbrechen angeblich nicht anwesend war. Aber der erzählt die wahre Geschichte, mit der Mutter Caroline als Zeugin vor Gericht aussagt. Jacob muss in den Jugendknast, und Ben verbüßt eine Haftstrafe für Meineid.

Meinung: Obwohl ich den Film schon beim ersten Mal nicht den Burner fand, war ich doch sehr enttäuscht von der unoriginellen und vorhersehbaren Story. Ja, Liam Neeson und Meryl Streep als Ehepaar in Nöten des nach außen hin braven, aber impulsiven Filius, das hatte was, aber irgendwie war selbst die Interaktion der beiden eher lau, passend zu Eddie Furlongs blutleerem Auftreten, dem man genausogut den Twilight-Vampir abgekauft hätte. 

Die kleine Schwester, die als Off-Erzählerin zu Beginn und Ende agiert, bleibt ebenfalls blass. In der Kurzbeschreibung hieß es, dass die Ryans mit aufbrausenden Bewohnern der Kleinstadt in Konflikt geraten. Doch außer Drohanrufen, die so nebenbei passieren, merkt man als Zuschauer wenig vom Bürgerterror, sieht man von Bens abgefackeltem Kunstwerk im Garten mal ab. 

Emotional hat mich der Film nicht abholen können; dazu waren mir die Schauspieler und der Plot nicht überzeugend genug. Nur der Besuch der Eltern von Jacob in Untersuchungshaft ließ einen Hauch von Gefühl erahnen und hat dann auch prompt ein wenig auf die Tränendrüse gedrückt ("Ich hätte nicht gedacht, dass ihr mich so sehr liebt").

In der Anfangsszene gab es eine falsche Fährte, von der ich mir mehr versprochen hatte: Martha Taverner, das ermordete Mädchen, trägt rote Handschuhe und einen blauen Anorak. In Jacobs Erzählung (in Rückblenden) trägt sie etwas anderes. Ich dachte daher die ganze Zeit, es käme noch eine dritte Version heraus, quasi die Wahrheit, aber so, wie es aussah, handelte es sich um einen in Film und Fernsehen berüchtigten Anschlussfehler, der vermutlich den wenigsten Zuschauern aufgefallen ist. 

Witzig waren immerhin die für die 1990er typischen Oversized-Klamotten selbst für Bären wie Liam Neeson und Flanellhemden für Mädchen. Und der Gedanke, dass man damals noch kein Internet im Film hatte, obwohl alle so modern bzw. mit der Zeit waren. Insofern ist der Film eindeutig *Davor*.

Bewertung: 

💫💫 und ein halber 💫



Freitag, 31. Dezember 2021

Guten Rutsch und Happy New Year 2022!

 Mit diesem Tag wäre auch das letzte Jahr geschafft, das wie das vorletzte von der Pandemie geprägt war. Ich hatte Anfang 2020 tatsächlich angenommen, es wäre spätestens im Sommer desselben Jahres vorbei... wie man sich täuschen kann. 

Auch gab es im Zusammenhang mit Corona einige Vorfälle, die mich persönlich betroffen (gemacht) haben und Freundschaften, die auf einmal keine mehr waren. Das hat mich wohl am meisten bestürzt. Nicht die vielen Fakten, Zahlen und andere Konstrukte, mit denen viele argumentieren und diskutieren. Statistiken kann man fälschen und beschönigen bzw. verschlimmbessern. Zudem wirken sie auf Papier bzw. im Internet abstrakt und unpersönlich. Ein Freund von Zahlen war ich nie, dafür aber von emotionaler Intelligenz, die 2021 leider nicht trendy war. Zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich nach der Spaltung in der Gesellschaft in Impfbefürworter und Impfgegner nur schwer wieder kitten. 

Ich hoffe sehr, dass das 2022 möglich ist und man trotz unterschiedlicher Meinungen wieder mehr aufeinander zugeht, auch wenn - so wie es aussieht - weiterhin Abstand und social distancing gewahrt werden müssen.

 

TillVoigt / Pixabay

Trotzdem blicke ich postiv nach vorne. Denn irgendwann muss Corona die Puste ausgehen, so wie allen Epidemien und Seuchen in der Geschichte. Schon jetzt liest man vereinzelt, dass die Erkrankungen allgemein nicht mehr so schwer verlaufen, da die Virusvariante Omikron zwar ansteckender, aber schwächer sei als die vorigen. Und zwar sowohl bei Geimpften als auch Ungeimpften. Die angekündigte Impfpflicht im Februar wird hoffentlich verfallen; immer mehr Politiker, die sie forderten, ändern ihre Meinung. Vielleicht auch, weil die Impfung nicht hielt, was die Regierung anfangs versprach. 

Aber ich will nicht davon sprechen; irgendwann hat man einfach genug von dem ganzen Hickhack und wird müde, davon zu hören und zu lesen. Daher möchte ich euch einen wundervollen und unbeschwerten Start ins neue Jahr mit viel Segen, Erfolg, Glück und Hoffnung wünschen.💗🍀 Und natürlich sehnen wir uns alle danach, wieder etwas Normalität ins Leben einkehren zu lassen. Ich wünsche mir, dass das ganz bald Realität wird.

Falls ihr Neujahrsvorsätze habt (von denen ich auch ohne Maske schon lange Abstand genommen habe), kommt hier ein Tipp: 

Formuliert sie positiv ("Ich fange an, zu..." statt "Ich höre auf mit..."), das stärkt laut einer schwedischen Studie die Motivation und hilft beim Durchhalten. Die obligate Quellenangabe? Kai Pflaumes wissenswerte Quizsendung "Wer weiß denn sowas?!"



Sonntag, 26. Dezember 2021

13 Jahre Büchertreff. Und das Ende.

 Nach dreizehn Jahren, in denen ich mich gern und auch mit erstellten Themen und Leserunden am Forenleben des "Büchertreff" beteiligt habe, wurde vor ca. einer Woche eine Sperre meines Kontos verhängt. Grund dafür waren meine Beiträge und besonders mein letzter im Smalltalk-Bereich, in dem es um die Corona-Impfung ging. 

 


   Ohne Hintergedanken einer Provokation habe ich dort meine Meinung und Skepsis zur Impfung kundgetan, die von denen der anderen User abweicht. Obwohl gut begründet mit persönlicher Erfahrung meiner Impfschäden und akuten Fällen von Folgeerscheinungen wie Herzrhythmus-Störungen in meinem Bekanntenkreis, die weniger glimpflich ausgingen, war der Gegenwind enorm. Auch vor Beschimpfungen und persönlicher Beleidigung schreckte man nicht zurück. Meldete ich mich nicht auf entsprechende Beiträge, hieß es, ich "hätte nicht genug Arsch in der Hose", um meinen Standpunkt zu verteidigen bzw. mit Quellenangaben zu untermauern (weil es die angeblich nicht gäbe) oder die Zahlen und Fakten gelten zu lassen, die mir um die Ohren gehauen wurden. Die streite ich gar nicht ab, bin jedoch auch hier skeptisch, was deren Wahrheitsgehalt angeht. Und ich finde, das darf man sein, zumal sich nun allmählich herauskristallisiert, dass die Impfung allein die Pandemie nicht bekämpfen kann und auch Nebenwirkungen hat, die unter Umständen schwerwiegender sind als eine Erkrankung an Covid-19 (wobei ich das nicht verharmlose).

Als man mich wiederholt als Schwurbler, Querdenker und Lügner bezeichnet hat und nach einer Blockierung meines Accounts verlangte, "weil man Schwurbler schon im realen Leben akzeptieren muss, aber nicht auf Foren", habe ich mit einem Vergleich pariert, der mir leidtut und für den ich mich nach der Sperre beim Administrator entschuldigt habe. Es gäbe keine Worte der Entschuldigung für einen solchen Vergleich, hieß es als Antwort, und man sei "mehr als überrascht", dass ich nach so langer Zeit, in der ich nicht negativ auffiel, derart unangemessen reagiert habe. 

Ganz ehrlich, ich bin es auch. Denn ich lege viel Wert auf einen höflichen Umgang, auch im Online-Bereich. Aber irgendwie - und das soll keine Rechtfertigung sein - war das Maß einfach voll. Ich empfand die aggressive und beleidigende Art der Impfbefürworter schon als Mobbing, und hätte ein Eingreifen der Moderatoren der Fairness halber früher erwartet. Nicht, dass man Partei für meinen Standpunkt ergreift, aber doch wenigstens zur Mäßigung aufruft, ehe die Diskussion eskalieren konnte. Es wurde auch tatsächlich einmal verhalten gemahnt, doch der Ruf der Vernunft ging unter und ist nach der Entwicklung der Situation nun hinfällig, hatten die anderen doch recht mit ihrer Unterstellung, "es käme Stimmung in den Thread", wenn ich wieder mitmische.

 


Die Sperre macht mich traurig und beschäftigt mich mehr, als sie es sollte. Wenn man so lange einem Forum treu geblieben ist, dann ist der Abschied nicht leicht. Vor allem, wenn er dermaßen ungut vonstatten geht. Wäre ich öfter in den dreizehn Jahren verwarnt worden, hätte ich den Rauswurf verstanden. So aber zeigt er mir, dass Meinungsfreiheit in Sachen "Impfen - Pro und Kontra" nicht erwünscht ist und man meine Beiträge und mich als "geoutete Ungeimpfte" nicht mehr wertschätzt. 

Mein erster Post zum Thema hatte zum Inhalt, dass mich die Spaltung der Gesellschaft sehr belastet. Ich war der Ansicht, vielen Mitgliedern - ob geimpft oder nicht - würde es ähnlich gehen. Offenbar ist das nicht der Fall, solange man zur Mehrheit der Geimpften gehört und der Panikmache von Politik und Medien Glauben schenkt. Übrigens gibt es in meinem Umfeld auch Ärzte, Pfleger/innen und Akademiker, die sich der Impfung nicht unterziehen wollen.

Ja, Corona ist schlimm. Sehr sogar. Aber Angst bekämpft die Pandemie noch weniger als die Impfkampagnen es tun, die mir ein wenig vorkommen wie der Mut der Verzweiflung. Vorsicht ist nach wie vor angebracht, ohne Frage. Auch die verordneten Maßnahmen bleiben uns wohl noch eine Weile erhalten. Doch vielleicht darf man Hoffnung haben, dass die Pandemie irgendwann ihren Schrecken verliert. Zum Alltag gehört, aber nicht mehr in der Dimension, wie wir sie seit zwei Jahren erleben. 

 


Mein Büchertreff-Konto bleibt gesperrt, trotz der Tatsache, dass ich um die Löschung des Beitrags bat, der dazu führte. Ich habe keinerlei Ambitionen, eine neue Community zu suchen. Das, was ich mir dort aufgebaut habe (und ich spreche nicht nur von meiner Eigenschaft als Autorin), hat lange wachsen müssen. Außerdem habe ich mich willkommen gefühlt, war ein etabliertes Mitglied, dessen Beiträge und Themenerstellungen von anderen gern gelesen und angenommen wurden. Und wo ich mich mit Gleichgesinnten zum Thema Lesen austauschen konnte. Von denen ich auch ihren Buchgeschmack kennengelernt und tolle Empfehlungen erhalten habe, die ich sonst nie entdeckt hätte.

Falls ein Büchertreffler dies hier liest, so möchte ich dich um Verzeihung bitten für den Eklat im Thread. Und auch um ein bisschen Verständnis für meine Position. Ich habe es nicht böse gemeint, habe einmal durch die andauernden Grobheiten die Nerven verloren (in der Diskussion habe ich niemanden persönlich beleidigt oder von meiner Meinung zu überzeugen versucht; vielleicht ist das noch nachzulesen, wenn meine Smalltalk-Beiträge mittlerweile nicht komplett entfernt wurden) und wurde in eine Ecke gedrängt, in die ich nicht gehöre. Niemand möchte sich gern beschimpfen lassen, und die Meinung zu verbieten und sich nach einer Entschuldigung unversöhnlich zeigen, halte ich ebenfalls nicht für förderlich in den fragilen zwischenmenschlichen Beziehungen der aktuellen Zeit, sei das on- oder offline. Bleibt gesund und passt aufeinander auf.

Und sucht keinen Schuldigen, an dem ihr euren Frust über die Einschränkungen auslasst. Das gilt für beide Seiten. Denn so werden wir nicht wieder zu einem friedlichen Miteinander zurückkehren können. Schlimm genug, dass es soweit gekommen ist.

Bilder: Christine Wirth


Freitag, 17. Dezember 2021

Jahresrückblick 2021

Alle Jahre wieder gegen Weihnachten... der Jahresrückblick. Für mich ein positiver. Ehrlich. Trotz Corona und dem damit verbundenen politischen Rumgegurke, einem Ungeimpften-Status (man mag es kaum mehr zugeben), und einem mehr oder weniger isolierten Alltag. 

Als ganz großer Segen erweisen sich die beiden Katerchen Mikkel und Toby, die Anfang Juli bei uns eingezogen sind und sich zu prachtvollen und lieben und süßen Familienmitgliedern "mausern". Mit ihnen wird es selbst im wenig abwechslungsreichen Pandemie-Leben nicht langweilig. 

 

Was guckst du?!

 Wenn sie nicht gerade auf ihrem Kartonstapel ein Nickerchen halten oder like Bosses die Lage überblicken, sind sie stets zu Spielen, Streichen und Streicheleinheiten aufgelegt und freuen sich ihres Daseins. Auch die Kastration vor einer Woche haben sie gut überstanden und sich danach umso mehr gefreut, ein schönes Zuhause zu haben und bleiben zu dürfen. Und wir, unsere Burschis nach sechs Stunden Abwesenheit wohlbehalten wieder verwöhnen zu können. Toby und Mikkel sind eine klassische Win/Win-Kombination, und ich wundere mich, wie ich anfangs Bedenken haben konnte, mich je wieder an andere Katzen als an Knitz und Joschi zu gewöhnen und mein Herz von tierischen Mitbewohnern stehlen zu lassen.



Ein weiteres Highlight war - wie bereits im letzten Jahr - das Familienwandern. Man kann sich kaum vorstellen, wie wohltuend die Ausflüge in die Natur für uns alle sind. Keiner mag mehr darauf verzichten, egal wie das Wetter ist. Ob Sonne, Nebel oder gar Nieselregen - sonntags sind wir draußen. Geht es mal nicht (einmal mussten wir unsere Tour aufgrund Schneeregens abbrechen), ist der Tag nicht komplett für mich.

Zum Geburtstag der Eltern haben wir ein Album mit einem Überblick unserer bisherigen Touren über www.fotokasten.de gestaltet und drucken lassen, das seitdem auf dem Wohnzimmertisch liegt und immer wieder gern angeschaut wird. Die Qualität der Fotos ist gigantisch! Wer ein persönliches Geschenk sucht, wird dort garantiert fündig. Die Software kostet ein bisschen Aufwand, ist aber nach kurzer Einarbeitungszeit leicht zu bedienen und macht Spaß. Das fertige Produkt hat alle Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen.



Last but not least bin ich durch eine gute Freundin zu einem Abo von Disney+ gekommen, und obwohl wir (nicht mehr) so die Fans sind, findet man im Angebot sehenswerte Filme, die man entweder zum ersten Mal sieht oder mit nostalgischem Gefühl neu entdeckt. Auch die Dokumentationen sind interessant, etwa die der ehemaligen Disney-Chefzeichner Frank Thomas und Ollie Johnston, die sich auch privat gut verstanden und ergänzt haben. Ein abonnierter Kanal ist eine tolle Alternative zu den häufigen Schreckensnachrichten im Fernsehen. 

Zwischenmenschlicher Kontakt von außerhalb hat freilich weitgehend gefehlt, was schade war. Restaurantbesuche und Kino fielen flach wie gehabt, und das vermisse ich am meisten in der aktuellen Situation. Ich dachte am Ende von 2020, Corona wäre spätestens dieses Jahr Geschichte. Weit gefehlt. Mittlerweile befürchte ich, dass es uns noch ziemlich lange begleiten wird. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Vor allem nicht angesichts der bevorstehenden Festlichkeit, als Jesus auf die Erde kam und uns das Himmelreich und ein Leben in Fülle auch schon in der Welt versprochen hat. Davon bin ich fest überzeugt. Was soll mich da noch schrecken?



In diesem Sinn wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr!



Samstag, 27. November 2021

"Der Rausch" (2020) mit Mads Mikkelsen von Thomas Vinterberg

 Gleich vorweg: als Fan von Mads Mikkelsen habe ich auf diesen Film lange gewartet und wollte ihn eigentlich im Kino sehen. Ging aufgrund der Pandemie leider nicht, doch gestern haben wir ihn uns im Home Cinema angeschaut. Berauschend fand ich ihn nicht wirklich; die guten Kritiken, internationale Auszeichnungen und auch der Name Thomas Vinterberg haben meine Erwartungen wahrscheinlich zu hoch geschraubt.

 


Inhalt: Die befreundeten Lehrer Martin (Mads Mikkelsen), Tommy (Thomas Bo Larsen), Peter (Lars Ranthe) und Nikolai (Magnus Milang) sind genervt von Job und Alltag und starten auf Nikolais Initiative ein "psychologisches Experiment", das besagt, dass jeder Mensch mit 0,5 % Promille zu wenig geboren wurde, um locker und entspannt zu sein. Tatsächlich zeigt das Experiment Erfolg und (ver-)führt zu weiteren, die von dem Psychologielehrer Nikolai dokumentiert werden. Doch sie führen auch zu Problemen und Sinnkrisen. Martins ohnehin bröckelnde Ehe zeigt ihr wahres Gesicht, Tommy verliert völlig die Kontrolle, Peter empfiehlt einem nervösen Schüler ein paar Drinks vor der Abschlussprüfung, und Nikolai pinkelt im Schlaf auf sich selbst statt seine Jungs auf ihn.

Die Message des Films (wenn ich ihn richtig verstanden habe): Alkohol ist auch keine Lösung, aber in einzelnen Fällen ganz hilfreich.

Meinung: Außer der großartige Mads Mikkelsen kamen mir einige Gesichter bekannt vor; ein paar Schauspieler hatten ihren Auftritt bereits in "Die Jagd", allen voran Thomas Bo Larsen, der auch im Rausch die wichtigste Figur neben dem Hauptdarsteller spielen darf. 

 Amüsant und liebenswert waren die vier frustrierten Pädagogen in ihrer Freundschaft allemal und hatten wunderbar "hyggeligen" Umgang untereinander. Auch gab es Momente, die mich zum Lachen brachten, etwa wenn die Männer im Vollrausch alle Hemmungen fahren lassen und trotzdem sorgsam choreografiert das Tanzbein schwingen. Aber die Tiefe von "Die Jagd" habe ich irgendwie vermisst. 

Erst am nächsten Tag ging uns auf, dass Tommy etwas mit dem Scheitern von Martins und Anikas Ehe zu tun haben könnte, doch es ist nur vage durch Tommys Worte an Martin angedeutet und vielleicht Interpretationssache wie in vielen europäischen Filmen. Das Highlight war für mich die Schluss-Szene, in der Martin als ehemaliger Tänzer (der Mads Mikkelsen auch in RL ist) am Pier eine Performance hinlegt, die Gene Kelly alle Ehre macht.

 


Fazit: Ein Must-See ist "Der Rausch" nicht, bietet aber gute Unterhaltung an einem Abend - und einen sexy Mads Mikkelsen, der altert wie guter Wein. 😏

Bewertung: 💫💫💫 und ein halber 💫



Freitag, 5. November 2021

"And then there were none" (2015) ~ Dreiteiler nach Agatha Christie

 Als Fan von Agatha Christie kann ich mich nicht wirklich bezeichnen, und trotzdem ist dieser Thriller aus ihrer Feder ein Meisterwerk aus Grusel, Psychologie und Spannung. Und die Besetzung aus namhaften Schauspielern top!

 


Handlung: Acht Personen, die sich nicht kennen, werden unter dem Vorwand, Gäste einer Party zu sein bzw. das Personal zu unterstützen, auf eine einsame Insel in Devon zu dem Anwesen des nie in Erscheinung tretenden Ehepaares Owen eingeladen. Das Haushälterpaar Rogers sind die einzig Verbliebenen der Bewohner, doch sie geraten bald in Verdacht, den Ankömmlingen schaden zu wollen - der draufgängerische Mr. Marston (Douglas Booth) wird mit Zyankali vergiftet und stirbt. Doch auch der Arzt Edward Armstrong (Toby Stephens) wird verdächtigt. 

In den nächsten Tagen gibt es unter den Gästen immer mehr Verunfallte, die unter mysteriösen Umständen das Zeitliche segnen und oft in merkwürdig skurrilen Situationen den Tod finden. Die junge Gouvernante Vera Claythorne (Maeve Dermody) findet heraus, dass die zehn Jadefiguren auf dem Tisch und der Kinderreim "Ten little Soldier Boys / Zehn kleine Negerlein" (der in jedem Zimmer der Gäste hängt) in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen stehen. Zunächst wird ihre Theorie lächerlich gemacht, doch als der Diener und seine Frau als bisher Hauptverdächtige sterben, beginnt die Hysterie. Jeder verdächtigt jeden, man lässt sich nicht mehr aus den Augen, konspiriert untereinander und ist verzweifelt bemüht, die eigene Haut zu retten.

Wie der Titel jedoch schon verrät, bleibt am Ende keiner mehr übrig. Und jeder, der später auf die Insel kommt, wird sich wundern, denn keiner der Todesfälle kann aufgeklärt werden. Nur der Zuschauer weiß, welches Grauen sich dort abgespielt hat.

Meinung: Gekauft habe ich mir "And then there were none" seinerzeit wegen Toby Stephens, aber ich muss sagen, der Film ist auf allen Ebenen eine Perle. Auch die übrigen Darsteller sind überzeugend, das 1930er Jahre-Setting des herrschaftlichen Anwesens und die gesamte Ausstattung unglaublich authentisch, und überdies bietet die Geschichte psychologische Raffinesse at its best. Was mir an Agatha Christie-Stoffen nie so gefällt, ist die wie aus heiterem Himmel kommende Aufklärung der Tat, die meist von einem neunmalklugen Hercule Poirot oder der pfiffigen Miss Marple verklickert wird - hier ist das nicht so, und das nicht, weil beide Figuren in dieser Geschichte nicht vorkommen. Man wird überrascht, kann aber nachvollziehen, was geschehen ist bzw. wo die Ursachen liegen, die zu dem Grauen auf der Insel führen. Und der (im Deutschen nicht mehr politisch korrekte) Kinderreim ist so geschickt eingebaut in das Ganze, dass ich meinen Hut ziehe vor Mrs. Christies Können. 

Ein großer Bonus ist der Gänsehaut-Faktor, der mehrmals auftritt. Denn hier wird man Zeuge von seelischen Abgründen und Traumata, die jeden Protagonisten gefangenhalten und ihn letztendlich zerstören. Dazu gehören auch die eingefügten Rückblenden, die durch ihren wiederkehrenden Charakter oft ein wenig geisterhaft anmuten. Und ich mochte alle Schauspieler, die exzellent ihre Rollen spielen. Man merkt allen an, dass sie Spaß hatten.

Fazit: Ein makaberer und wirklich düsterer Thriller, der von der gewohnten, eher locker-flockig unterhaltsamen Christie-Kost abweicht, obwohl man Parallelen zu weiteren ihrer Werke feststellen kann. Psychologisch ausgefeilt wie immer, aber irgendwie dennoch anders. Absolute Empfehlung!

 

Bewertung:  💫💫💫💫💫