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Sonntag, 26. Dezember 2021

13 Jahre Büchertreff. Und das Ende.

 Nach dreizehn Jahren, in denen ich mich gern und auch mit erstellten Themen und Leserunden am Forenleben des "Büchertreff" beteiligt habe, wurde vor ca. einer Woche eine Sperre meines Kontos verhängt. Grund dafür waren meine Beiträge und besonders mein letzter im Smalltalk-Bereich, in dem es um die Corona-Impfung ging. 

 


   Ohne Hintergedanken einer Provokation habe ich dort meine Meinung und Skepsis zur Impfung kundgetan, die von denen der anderen User abweicht. Obwohl gut begründet mit persönlicher Erfahrung meiner Impfschäden und akuten Fällen von Folgeerscheinungen wie Herzrhythmus-Störungen in meinem Bekanntenkreis, die weniger glimpflich ausgingen, war der Gegenwind enorm. Auch vor Beschimpfungen und persönlicher Beleidigung schreckte man nicht zurück. Meldete ich mich nicht auf entsprechende Beiträge, hieß es, ich "hätte nicht genug Arsch in der Hose", um meinen Standpunkt zu verteidigen bzw. mit Quellenangaben zu untermauern (weil es die angeblich nicht gäbe) oder die Zahlen und Fakten gelten zu lassen, die mir um die Ohren gehauen wurden. Die streite ich gar nicht ab, bin jedoch auch hier skeptisch, was deren Wahrheitsgehalt angeht. Und ich finde, das darf man sein, zumal sich nun allmählich herauskristallisiert, dass die Impfung allein die Pandemie nicht bekämpfen kann und auch Nebenwirkungen hat, die unter Umständen schwerwiegender sind als eine Erkrankung an Covid-19 (wobei ich das nicht verharmlose).

Als man mich wiederholt als Schwurbler, Querdenker und Lügner bezeichnet hat und nach einer Blockierung meines Accounts verlangte, "weil man Schwurbler schon im realen Leben akzeptieren muss, aber nicht auf Foren", habe ich mit einem Vergleich pariert, der mir leidtut und für den ich mich nach der Sperre beim Administrator entschuldigt habe. Es gäbe keine Worte der Entschuldigung für einen solchen Vergleich, hieß es als Antwort, und man sei "mehr als überrascht", dass ich nach so langer Zeit, in der ich nicht negativ auffiel, derart unangemessen reagiert habe. 

Ganz ehrlich, ich bin es auch. Denn ich lege viel Wert auf einen höflichen Umgang, auch im Online-Bereich. Aber irgendwie - und das soll keine Rechtfertigung sein - war das Maß einfach voll. Ich empfand die aggressive und beleidigende Art der Impfbefürworter schon als Mobbing, und hätte ein Eingreifen der Moderatoren der Fairness halber früher erwartet. Nicht, dass man Partei für meinen Standpunkt ergreift, aber doch wenigstens zur Mäßigung aufruft, ehe die Diskussion eskalieren konnte. Es wurde auch tatsächlich einmal verhalten gemahnt, doch der Ruf der Vernunft ging unter und ist nach der Entwicklung der Situation nun hinfällig, hatten die anderen doch recht mit ihrer Unterstellung, "es käme Stimmung in den Thread", wenn ich wieder mitmische.

 


Die Sperre macht mich traurig und beschäftigt mich mehr, als sie es sollte. Wenn man so lange einem Forum treu geblieben ist, dann ist der Abschied nicht leicht. Vor allem, wenn er dermaßen ungut vonstatten geht. Wäre ich öfter in den dreizehn Jahren verwarnt worden, hätte ich den Rauswurf verstanden. So aber zeigt er mir, dass Meinungsfreiheit in Sachen "Impfen - Pro und Kontra" nicht erwünscht ist und man meine Beiträge und mich als "geoutete Ungeimpfte" nicht mehr wertschätzt. 

Mein erster Post zum Thema hatte zum Inhalt, dass mich die Spaltung der Gesellschaft sehr belastet. Ich war der Ansicht, vielen Mitgliedern - ob geimpft oder nicht - würde es ähnlich gehen. Offenbar ist das nicht der Fall, solange man zur Mehrheit der Geimpften gehört und der Panikmache von Politik und Medien Glauben schenkt. Übrigens gibt es in meinem Umfeld auch Ärzte, Pfleger/innen und Akademiker, die sich der Impfung nicht unterziehen wollen.

Ja, Corona ist schlimm. Sehr sogar. Aber Angst bekämpft die Pandemie noch weniger als die Impfkampagnen es tun, die mir ein wenig vorkommen wie der Mut der Verzweiflung. Vorsicht ist nach wie vor angebracht, ohne Frage. Auch die verordneten Maßnahmen bleiben uns wohl noch eine Weile erhalten. Doch vielleicht darf man Hoffnung haben, dass die Pandemie irgendwann ihren Schrecken verliert. Zum Alltag gehört, aber nicht mehr in der Dimension, wie wir sie seit zwei Jahren erleben. 

 


Mein Büchertreff-Konto bleibt gesperrt, trotz der Tatsache, dass ich um die Löschung des Beitrags bat, der dazu führte. Ich habe keinerlei Ambitionen, eine neue Community zu suchen. Das, was ich mir dort aufgebaut habe (und ich spreche nicht nur von meiner Eigenschaft als Autorin), hat lange wachsen müssen. Außerdem habe ich mich willkommen gefühlt, war ein etabliertes Mitglied, dessen Beiträge und Themenerstellungen von anderen gern gelesen und angenommen wurden. Und wo ich mich mit Gleichgesinnten zum Thema Lesen austauschen konnte. Von denen ich auch ihren Buchgeschmack kennengelernt und tolle Empfehlungen erhalten habe, die ich sonst nie entdeckt hätte.

Falls ein Büchertreffler dies hier liest, so möchte ich dich um Verzeihung bitten für den Eklat im Thread. Und auch um ein bisschen Verständnis für meine Position. Ich habe es nicht böse gemeint, habe einmal durch die andauernden Grobheiten die Nerven verloren (in der Diskussion habe ich niemanden persönlich beleidigt oder von meiner Meinung zu überzeugen versucht; vielleicht ist das noch nachzulesen, wenn meine Smalltalk-Beiträge mittlerweile nicht komplett entfernt wurden) und wurde in eine Ecke gedrängt, in die ich nicht gehöre. Niemand möchte sich gern beschimpfen lassen, doch die Meinung zu verbieten und sich nach einer Entschuldigung unversöhnlich zeigen, halte ich ebenfalls nicht für förderlich in den fragilen zwischenmenschlichen Beziehungen der aktuellen Zeit, sei das on- oder offline. Bleibt gesund und passt aufeinander auf.

Und sucht keinen Schuldigen, an dem ihr euren Frust über die Einschränkungen auslasst. Das gilt für beide Seiten. Denn so werden wir nicht wieder zu einem friedlichen Miteinander zurückkehren können. Schlimm genug, dass es soweit gekommen ist.

Bilder: Christine Wirth


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