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Freitag, 15. Mai 2026

Der Bastian ~ Fernsehserie mit Horst Janson (1972)

Abends schauen wir Fernsehen zu dritt. Da ist es nicht immer einfach, jedem Geschmack gerecht zu werden. Nach "Der Alte" mit Siegfried Lowitz, "Derrick" und ein paar uralten Tatort-Folgen haben wir jetzt den Bastian entdeckt. Und finden die Serie aus der Feder von Barbara Noack toll in ihrer Unaufgeregtheit, mit der sie den turbulenten Alltag des Langzeitstudenten Bastian (ein erstaunlich junger Horst Janson) erzählt. Eine wichtige Rolle in seinem Leben spielt auch seine Oma, Martha Guthmann, die zu unserem heimlichen Liebling avanciert ist. Die renommierte Schauspielerin Lina Carstens war damals 80 Jahre alt, und sie wirkt so rüstig, unternehmungslustig und pfiffig, dass man sie einfach liebhaben muss.

 


 

Die einzelnen Folgen sind ca. 25 Minuten lang, so dass wir auch gern mal zwei am Stück angucken. Leider gibt es nur eine Staffel mit 13 Folgen, aber das ist das einzige Manko. Was uns besonders gut gefällt, ist natürlich der Nostalgiefaktor. München erkennt man schon noch, und trotzdem sah es so viel anders aus als heute (Marthas nach Schweden emigrierter Schwager Alois beklagt den technischen Fortschritt allerdings schon damals und fühlt sich fremd in seiner ehemaligen Heimat). Die U-Bahn war relativ neu und wurde wohl extra zum Olympiajahr '72 fertiggestellt - die Olympiade wird tatsächlich in zwei Folgen thematisiert. Süß, als Oma Guthmann das U-Bahn-Cruisen als neues Hobby entdeckt und dadurch zu spät zu einer Verabredung für den von Bastian verhassten Hosenkauf kommt. 

Was Bastian von vielen aktuellen (und vermutlich auch damaligen) Serien unterscheidet, ist, dass nichts wirklich Dramatisches geschieht. Es bleibt trotz aller Situationskomik und prekären Lagen, in die Bastian sich manövriert, irgendwie bayrisch gemütlich... und das, wo der Schauspieler und auch Lina Carstens gar keine Bayern sind. 

Weitere wichtige Figuren sind die ledige Susi (Monika Schwarz) mit neugeborenem Baby, die auf Wohnungssuche ist (schon damals schwer in München, doch mit Säugling ohne Vater ein Ding der Unmöglichkeit), und die Ärztin Katharina Freude (Karin Anselm), in die Bastian sich während eines Krankenhausbesuchs verliebt hat und ihr ziemlich hartnäckig auf den Fersen bleibt, obwohl sie findet, dass er zu jung für sie sei und außerdem ein "Traumtänzer". Zwar gehen sie in den Bergen wandern und kommen sich dort so nahe, dass Bastian den Eltern vorgestellt wird, doch da ist auch noch Bastians älterer und fleißiger Bruder Karli (Friedrich von Thun), der laut Bastian "viel eher dein Typ ist". Zu dumm, dass der aufgrund einer verbotenen Nacht-und Nebelaktion von Bastian und Susi auch noch die Bekanntschaft von Dr. Freude macht...

 

Das Baby im "Bäckerei-Wespenschutz"-Glaskasten

 

Das Flair, das "Der Bastian" verbreitet, ist für Nostalgiker wie mich einfach nicht zu toppen. Schlaghosen, Plastik allerorten (pfui eigentlich!), Bastians grüne, rostangefressene Ente, schrille Farben in der engen, vollgestopften Mansarde, die Bastian oft unfreiwillig teilen muss, und auch der Stachus, der aussieht wie auf einer Postkarte von der Wochenendkaffeefahrt der Großeltern in den 1970er Jahren, das sind kleine Highlights, auf die ich mich besonders freue. 

Natürlich ist auch Horst Janson ein Hingucker und unglaublich jung mit der blonden Mähne und der schlaksigen Figur, die zu der Zeit fast alle Schauspieler und Schlagerstars pflegten (was bestimmt nicht so leicht war, wie es aussah - andererseits war Fast Food noch nicht so omnipräsent wie heute. Man kommt trotzdem auf den Gedanken, es war in den 70ern eine Art Schönheitsideal für Männer um die Dreißig). Und irgendwie wünscht man sich, es gäbe mehr Bastians auf der Welt - Menschen, die das Leben nicht so ernstnehmen, nicht so pedantisch und tragisch und dabei ihr schelmisches, entwaffnendes Lächeln bewahren.

Vielleicht wirkt die Serie gemessen am aktuellen Fernsehgeschmack etwas brav und manche Szenen behäbig, doch wer auf ständige Action, Mord, Drama und Spannung verzichten kann und stattdessen gern in Nostalgie der Familienunterhaltung schwelgt und die frühen Siebziger (noch einmal) erleben will, für den ist der leichtlebige Bastian Guthmann mit seiner sich in alles einmischenden Oma Pflichtprogramm. Zu streamen gibt es die Serie in der ZDF-Schatzkiste auf Amazon Prime. Oder - für die Hardcore-Nostalgiker - ganz klassisch auf DVD.

 

Bewertung: 💫💫💫💫💫 

 

Bilder: Amazon

 

Samstag, 6. Januar 2024

"Menschengeschichten" von Hans Joachim Gelberg / Beltz & Gelberg

  Nachdem mir die 1972er Anthopologie "Geh und spiel mit dem Riesen" schon so gut gefallen hatte, wurde ich auf die beiden Folgebände aufmerksam, für die im Buch hinten geworben wurde. Eines der beiden habe ich nun über Booklooker erstanden. Es heißt "Menschengeschichten" und ist - so scheint es - eigens für mich geschrieben worden. Darum ist es kein Zufall, dass ich auf dem Foto das Covergirl abklatsche. Allein ihre (spekulative) Geschichte im Vorwort des Herausgebers hat mich nachdenklich-nostalgisch gestimmt. Und ganz unter uns, ich bin doch eh so eine. So eine hoffnungslose Nostalgikerin.

Obwohl ich erst angefangen habe mit dem Lesen, weiß ich jetzt schon, dass diese meine Lieblingsanthologie sein wird von den dreien, die ich bisher gesehen habe. Herrlich schräg die Geschichten, originell, witzig und vor allem nostalgisch und manchmal traurig. Man macht sich Gedanken in diesem Buch, die sich jeder einmal macht, die aber irgendwie zu unwichtig sind, um ihnen weiter Beachtung zu schenken oder sie weiterzuverfolgen. Gedanken über Erfahrungen, Zeit und Raum, über die Welt von Kindern und Erwachsenen und wie sie leben, aber vor allem über Menschen allgemein. 

Sehr gefallen hat mir ein Fotovergleich in dem der Fotograf 1945 eine Gruppe Leute ablichtete und dreißig Jahre später per Annonce dieselben Leute dazu aufrief, sich am selben Ort wieder fotografieren zu lassen. Das war unheimlich interessant, denn es waren nur wenige, die dem Ruf nicht folgten oder nicht kommen konnten. Selbst die Namen der Personen und ihre Beziehungen untereinander (sofern vorhanden) wurden festgehalten.

Apropos: viele alte Fotografien beinhaltet dieses Kleinod, oft als eine Art Lebenslauf. Für mich ein gefundenes Fressen. Ich liebe es, mich mit alten Dingen zu befassen, mich zu fragen, welche Geschichte in diesem Gegenstand oder jener Person steckt. Heute kurios anmutende Traueranzeigen von 1899, Hochzeitsbekanntgebungen und die Bedeutung von Parkbänken, all das wird neben vielem anderen unter die Lupe genommen. Irgendwie ist "Menschengeschichten" auch eine Sammlung über die Vergänglichkeit und den Wandel der Zeit, der schon immer spürbar war. Die auf den ersten Blick sinnlosen, aber durchaus reizvollen Geschichten wie im Vorgänger gibt es natürlich auch, etwa die Geschichte vom Mann, der sich durch die Parkprinzessin in einen Storch verwandelte.

Und als kleines Goodie und wie als Bonusmaterial, das die Theamtik unterstreicht, findet man in meiner gebraucht gekauften Ausgabe noch jede Menge gepresster Blumen. Das finde ich sehr charmant, weil auch eine Art Zeitdokument (wer trocknet und presst heute noch Blumen, um sie anschließend in Fotoalben oder Tagebücher - vorausgesetzt, man fotografiert und schreibt noch analog -  zu kleben? Viel zu aufwendig!). 


Vorwort mit Blume

 

Mit über 330 Seiten ist "Menschengeschichten" noch etwas umfangreicher als "Geh und spiel mit dem Riesen." Das freut mich sehr, denn der erste Band war recht schnell gelesen, auch wenn mein Tempo derzeit einer Schnecke zur Ehre gereicht. 

Wie schön, dass es diese Bücher noch gibt und man sie relativ preisgünstig auf Onlineplattformen erwerben kann. Tatsächlich scheint eine ganze Reihe davon erschienen zu sein, die sich "Kinderjahrbuch" nennen dürfen.

Für mich sind diese Anthologien eine echte Entdeckung, die ich selbst Kindern von heute noch ans Herz lege. Vielleicht wirkt die Sprache etwas altmodisch und sperrig, und einiges ist nicht mehr zeitgemäß. Aber gerade das macht den besonderen Reiz aus, zeigt es doch, dass jedes von Menschenhand erschaffene Werk vergänglich und irgendwann auch vergessen ist. Ich konnte zum Beispiel nichts mit Wolfdietrich Schnurres Erinnerungen an seinen Kittel anfangen, der zwar schrecklich und kratzig war, aber eine Bauchtasche vorne hatte, die für seinen Träger das Allerheiligste war und auch vom Rest der Freunde und Familie als solches nicht angerührt wurde. So nahm Herr Schnurre seine Kindheitschätze mit ins Erwachsenenalter. Ich mag solche Geschichten. Klein, fast banal aber bei näherer Betrachtung doch bedeutend und anrührend.

 

 

Wer ebenfalls wie ich nostalgisch angehaucht ist und sich gern mit der Vergangenheit befasst, in der es ihn / sie noch nicht gab - oder einfach mal neugierig ist auf die ungewöhnliche Aufmachung und die Geschichten in diesem Buch, der kann auf verschiedenen Plattformen danach stöbern. Es gibt es auch als handliche Taschenbuchausgabe, aber ich finde, man muss es als großes Hardcover besitzen und genießen. Bei Amazon gibt es derzeit nur die Taschenbuchausgaben, daher empfehle ich, auf Plattformen wie Booklooker danach zu suchen. Es lohnt sich! Als Familienlesebuch ist "Menschengeschichten" nämlich hervorragend geeignet und bietet eine Menge Diskussionsstoff.



Donnerstag, 15. September 2022

Milan ~ eine Leseprobe

Eine meiner ersten Geschichten war "Milan", welche die Beziehung zwischen einem erfolgreichen Theaterregisseur und seiner wesentlichen jüngeren Partnerin beleuchtet.
Sie ist ein wenig bis ziemlich altmodisch, da sie in den 1970er angesiedelt ist; ein Jahrzehnt, in dem Frauen erstmals gegen ihre Rolle als Vollzeit-Mama und Hausfrau aufbegehrten, Selbstverwirklichung suchten und die erste Ausgabe der "Emma" erschien. Und weil die Erzählerin alles andere ist als selbstbewusst. In ihren frühen Zwanzigern, macht sie sich viele Gedanken und lernt mit Milan, ihre traumatische Kindheit aufzuarbeiten. Die beiden haben ein recht ambivalentes Verhältnis; sie ist nicht einmal sicher, ob sie ihn liebt oder nur braucht, um sich weiterzuentwickeln auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Was sie über sich und Milan herausfindet, lässt sie weitere Schritte gehen, die sie zu Beginn ihrer Beziehung nicht gewagt hätte.
 
 

 


Obwohl "Milan" mit 236 Seiten eher eine Kurzgeschichte ist, erlebt die Ich-Erzählerin Höhen und Tiefen an der Seite ihres rätselhaften, aber unerschütterlichen Liebhabers und Mentors.

Hier kommt die Leseprobe (diesmal ohne Jump Break, da sie relativ kurz ist). Für moderne Ohren klingt sie wahrscheinlich ein bisschen sexistisch von Milans Seite und blondchen-naiv von Seiten der jungen Frau. Doch ich versichere, zumindest Milan ist nicht so, wie es scheint.


***


Er bleibt immer ein Rätsel, er hat keine Geschichte in dem Sinn wie ich eine habe, ich glaube, niemand kennt ihn wirklich, nicht einmal Maria. Die Sache mit Frederic ist alles, was ich von ihm weiß, wirklich weiß, alles andere haben Leute zusammengedichtet, die ihm nur flüchtig auf der Straße begegnet sind, die ein liebenswürdiges Grüß Gott mit ihm gewechselt haben, um sich hinterher verstohlen anzuschubsen: War das nicht-?

Ich kenne weder seine Vergangenheit noch seine Ziele, vermuten kann ich viel, aber die führen nicht zum gegenseitigen Verständnis, wahrscheinlich versteht keiner von uns beiden den anderen, wobei Milan der größere Heuchler ist. Ich gebe mir schon gar keine Mühe mehr, ihn zu verstehen. Doch ich will wissen, warum er mich fesselt, und was würde ich tun, falls er mich gehen lässt. Bin ich nicht im Gegenteil froh darüber, von ihm beherrscht zu werden? Jemanden zu haben, der über einen wacht, der aufpasst, dass man keine Fehler macht, und wenn doch, einen tröstet in der Not? Muss jede Beziehung nicht darauf hin wachsen, nicht umsonst heißt es in der Bibel "Die Frau sei dem Mann Untertan". Oder ist es altmodisch, deute ich es falsch? Wie denkt Milan darüber? Bei nächster Gelegenheit werde ich ihn fragen.

Milan: Wie kommst du jetzt wieder darauf, ich habe jetzt wirklich keine Zeit, ich muss dieses Buch zu Ende schreiben, vielleicht ein andermal -
Ich: Aber es steht dort ganz klar, dass die Frau sich dem Mann unterordnen soll. Ich kann das einfach nicht glauben, gerade in unserer Zeit -
Milan: Meinetwegen schließ dich der Frauenbewegung an.
Ich: Das ist nicht, worauf ich hinauswollte; ist es zuviel verlangt, zu fragen, was du davon hältst?
Milan: Der liebe Gott wird seine Gründe gehabt haben, dieses Gesetz zu erlassen. Ich maße mir nicht an, klüger zu sein als Gott.
Ich: Also hat es noch Gültigkeit für dich?
Milan: Du musst zugeben, es ist kein schlechtes Gesetz für die Männer. Es würde mich interessieren, warum dich das beschäftigt.
Ich: Ich habe viel Zeit, viel mehr als ich bräuchte, da ist es mir doch wohl erlaubt, mich mit unnützen Dingen zu befassen.
Milan: Wer spricht denn von unnützen Dingen, ich finde es gut, dass du dir Gedanken machst, aber musst du ausgerechnet jetzt darüber debattieren?
Ich: Willst du mich behalten?
Milan: Ich halte dich nicht. Ich halte niemanden.
Ich: Dann lasse ich mich halten von dir.
Milan: So wird es wohl sein.

Was ist so schlimm daran, Geborgenheit zu suchen, ist es verachtenswert, sich auf andere zu stützen, schwach zu sein, manchmal still in den Armen des anderen zu weinen, sei es aus Freude oder Unglück. Ich schäme mich nicht mehr meiner Tränen, er nimmt sie gelassen hin, doch begreift sie nicht, er ist eben anders. Unsere Gespräche bringen mich fast immer zum Weinen, ich weine mit oder ohne Tränen, doch jedes Mal enden sie schmerzlich, jedes Mal lässt er mich in eine Leere fallen, aus der es kein Entrinnen gibt. Doch ich will nicht ungerecht sein, denn er ist der einzige, dem ich alles anvertraue, niemandem sonst könnte ich erzählen, was ich ihm erzählt habe, und von niemandem sonst könnte ich mich ohne Vorbehalte berühren lassen.



Mittwoch, 9. März 2022

Altehrwürdige Campingstühle aus den späten 1960 / frühen 1970er Jahren

 Gerade bin ich dabei, unseren Minikeller zu entrümpeln, in dem sich so einiges angesammelt hat über die Jahre. Sogar mein altes, vom Flohmarkt erfeilschtes Klapprad steht noch dort, das mir ein mittlerweile verstorbener Bekannter geschenkt (verkauft?) hat. Das gebe ich nicht her, im Gegensatz zu einem Paar Campingstühle, das unserer Familie über Jahrzehnte treue Dienste erwiesen hat.

 


 

Keine Gartenparty haben sie ausgelassen, keinen Flohmarkt, auf dem wir einen Stand hatten, und natürlich haben sie auch im Urlaub nicht gefehlt, waren sie doch leicht und handlich und platzsparend im Kofferraum zu verstauen. Von Gegenständen wie diesen trenne ich mich stets mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich unheimlich froh um den neu geschaffenen Platz im Keller, andererseits erzählen besonders diese Klappstühle viele Geschichten für mich. Ihr Alter sieht man ihnen bis auf das typische Design der 70er Jahre nicht an. Beide Stühle sind stabil, die Sitzfläche straff und nicht ausgebleicht. Natürlich sind sie nicht wie neu, aber dennoch gut in Schuss. Ein Blickfang im Garten und in einer Zeit, in der die Terrassenmöbel irgendwie alle gleich langweilig und grau aussehen.



Einiges, was ich als "überflüssigen" Krempel empfand während meiner Aufräumaktion, habe ich in Kartons peu à peu zum Mitnehmen vor die Tür gestellt, und bin doch erstaunt, dass die Sachen mit wenigen Ausnahmen weggehen wie warme Semmeln. Bestimmt wären meine Stühle auch schon längst weg, doch ich versteigere sie für Liebhaber und Nostalgiefans auf ebay und hoffe auf viele Gebote. Dort findet ihr auch weitere Fotos. Bei Interesse klickt auf den folgenden Link:


Vintage Campingstühle 1970er

 

Freitag, 11. Februar 2022

Jeden Tag zur guten Nacht 365 neue Geschichten / 365 Grains de Sable von Evalisa Agerthon u.a.

 Es gibt Bücher in meinem Leben, die ich schon lange nicht mehr besitze, an die ich mich jedoch erinnere und sie gelegentlich auch gern wieder hätte. Eines davon ist das unten abgebildete. Ich kann gar nicht genau sagen, was für mich die Faszination ausmacht, doch ich war überglücklich, als ich es auf Booklooker für einen guten Preis in einem altersgemäß tollen Zustand (die Ausgabe ist von 1978) erwerben konnte.

 


Das farbenfrohe Cover mit dem lockenköpfigen, schnurrbärtigen Sandmann/Zauberer (damals topmodisch!) ist einer der Faktoren, die mich begeistern und heimlich erfreuen. Ich meine, welcher Zauberer sieht denn heute noch so aus geschweige denn traut sich, in einem so spießigen Outfit einem Kind zu erscheinen? Überhaupt die Zeichnungen. Ich wage zu behaupten, dass ihnen das 1970/80er Jahre Flair anzumerken ist. Irgendwie sind die Illustrationen so bunt, liebenswert einfach, ein bisschen altbacken und trotzdem kunstvoll. So, wie schlichte Kinderbücher zu jener Zeit eben waren. Wenngleich verschiedene Texter und Zeichner am Werk waren, wirkt es sehr einheitlich. Das Format gefällt mir auch, und nicht zuletzt rankt sich eine kleine Geschichte um dieses Buch.

 


Gesehen habe ich es zum ersten Mal bei einer Freundin, die es entweder mir oder einer weiteren gemeinsamen Schulkameradin geschenkt hat, weil wir beide große Begeisterung bekundet haben (ich behaupte mal, dass ich die Glückliche war, kann es aber nicht mehr genau sagen). Da nicht ganz klar war, wem der Schatz nun gehörte, kam es zu Streit. 

Die großzügige Freundin war inzwischen umgezogen, und ich forderte das Buch zurück, das ich ausgeliehen hatte (oder es gehörte ohnehin dem anderen Mädchen... ziemlich verwirrend!). Um es mir mit der Freundin nicht zu verscherzen, die ich trotz allem sehr mochte, habe ich ihr das Buch überlassen und lange Zeit nicht mehr daran gedacht. Bis irgendwann der Rappel und Ehrgeiz kamen, alte Jugendbücher wieder aufzutreiben. Das war trotz Internet gerade bei diesem Buch schwieriger als gedacht. Ich wusste weder Autor/en noch den genauen Titel oder Verlag, und Gute-Nacht-Geschichten gibt es wie Sand am Meer. Irgendwann habe ich es doch wiedergefunden, doch der Kauf entpuppte sich als Enttäuschung. Der Einband mehrfach mit farbigem Tesaband geklebt, innen teilweise Gekritzel, das war nicht in der Artikelbeschreibung zu lesen gewesen. Hätte es sich um meine eigenen Gebrauchsspuren gehandelt, hätte es mich nicht gestört, so aber habe ich das Buch als Schandfleck in meinem "Kinderbuchregal" empfunden (ja, ich bin mitunter ein kleiner Monk).

 


Umso mehr freut es mich jetzt, das Buch, das mir so viel bedeutet hat, unversehrt wieder zu besitzen. Da hatte ich ähnliches Glück wie mit dem Märchenbuch, das unvermuteterweise eine Leserin im Büchertreff erwähnt hatte. 

Und obwohl es völlig sinnlos ist, solche Bücher im Erwachsenenalter sein eigen zu nennen, erfüllt es mich mit Nostalgie und fast Glück, wenn ich es zur Hand nehme und durchblättere. Die kleinen Verse sind oft anrührend, lustig, teilweise fast skurril oder zum Nachdenken. Ein bisschen auch Zeitgeist, denn Kinder von heute kann man mit solchen Kurzgeschichten nicht mehr wirklich verzaubern.



Mittwoch, 11. September 2019

Altes Eisen und keine Wertschätzung mehr?

Diese Woche habe ich etwas zum Thema Nachhaltigkeit erlebt, das mich doch sehr nachdenklich gemacht hat.

Ich besitze eine Tisch-Drehpendeluhr aus den 1970er Jahren der Firma Kundo, Erbstück meines Opas. Obwohl sie keinen besonderen Wert hat, mag ich sie und möchte sie trotz ihres etwas nervigen Schlagwerks nicht missen. Das liegt vermutlich daran, dass ich mit dieser Uhr schöne Stunden bei meinen Großeltern verbinde. Irgendwie war sie immer da und hat trotz ihrer geringen Größe gravitätisch das gesamte Wohnzimmer dominiert. Jetzt steht sie bei uns im Esszimmer, und manchmal schaue ich - wie früher - gern dem beruhigend meditativen Kreisen der Drehpendel zu.




Vor etwa zehn Jahren habe ich sie zum Juwelier gebracht, da das Schlagwerk verstummt war und sie nicht mehr korrekt lief. Schon damals gab es die Herstellerfirma nicht mehr, doch der Chef - ein Tüftler und Uhrenliebhaber - versprach mir ganz enthusiastisch, sich darum zu kümmern, obwohl ich versicherte, dass der halbstündlich erschallende Klang nicht unbedingt wieder hergestellt werden musste. Dennoch. Er wurde, mitsamt allem anderen, was nicht in Ordnung gewesen war: Nachmittags konnte ich eine fast wie nagelneue Uhr wieder abholen.

Mittlerweile spinnt sie wieder. Geht bis zu einer Stunde nach oder schlägt vierzehnmal (!) hintereinander. Da ich beim Juwelier so gute Erfahrungen gemacht hatte, ging ich dort wieder hin in der Hoffnung, man könne ihre Altersmacken ein zweites Mal beheben.

Der Senior-Chef ist allerdings nicht mehr da oder war gerade anderweitig beschäftigt, und der Nachfolger hat sich kaum die Mühe gemacht, der Uhr fünf Minuten zu widmen, nachdem er lapidar festgestellt hatte, dass diese Art Uhren nicht für Reparaturen gemacht wurde (weil's ja wohl ein billiges G'lump ist, mit dem man damals ältere Leute auf Kaffeefahrten gelockt hat).

Mehr oder weniger durch die Blume gab er mir zu verstehen, dass ich mir entweder eine neue kaufen, oder, wenn ich so sehr an der alten hänge, mich im Internet schlaumachen, eine andere bestellen und das Uhrwerk austauschen soll. Damit und mit einem schief eingesetzten Batteriedeckel in meiner Uhr hat er sich dann wieder ohne ein Wort des Abschieds in sein Kabuff zurückgezogen.

Mir kam der Gedanke, dass die unselige Konsumwegwerfgesellschaft wohl auch deswegen entstanden ist, weil es immer weniger Handwerker gibt, die sich mit Mechanik auskennen und es selbst für fachkundige Verkäufer zu aufwendig und teuer ist, alte Dinge wertzuschätzen und zu reparieren. Das fand ich schon traurig.

Meiner Uhr hat der Ausflug in die Stadt wohl gefallen: seitdem läuft sie auf mysteriöse Weise wieder auf ein paar Minuten genau. Mal sehen, wie lange noch. In Ehren gehalten wird sie übrigens so oder so.



Donnerstag, 13. Juli 2017

Ein besonderer Junge ~ Philippe Grimbert

Weiter geht's mit meinem Lese-Sommer. So für zwischendurch und das durchwachsene Wetter habe ich ein kleines Büchlein gelesen, das mich in seiner Kürze sehr beeindruckt hat - obwohl ich mit dem poetischen, fast lyrischen Stil anfangs ein bisschen meine Probleme hatte. Im Nachhinein konnte "Ein besonderer Junge" jedoch nicht anders geschrieben sein, und wenn ich ehrlich bin, habe ich beim Schlusssatz ein paar Tränchen verdrückt.




Inhalt: 1970er Jahre: Der Student Louis ist ein Träumer und lebt in den Tag hinein. Ein abgebrochenes Psychologiestudium liegt hinter ihm, und mit der Juristerei kann er sich auch nicht so recht anfreunden. Seine Vorliebe für Bücher und seine bevorzugte Position, allein zu sein, machen es ihm schwer, Kontakt zu anderen zu knüpfen. Seine Eltern nennen ihn einen Sonderling oder, wenn sie es nett meinen, einen "besonderen Jungen." In den Semesterferien wird er auf eine Anzeige am schwarzen Brett der Universität aufmerksam, in dem ein Aufpasser für einen schwierigen Jugendlichen gesucht wird. Der genannte Ort ist es, der Louis schließlich dazu bringt, seine Scheu zu überwinden: in Horville verbrachte er regelmäßig die Sommerferien mit seinen Eltern, und er fand seinen einzigen Freund dort, den übermütigen und seelenverwandten Antoine, dem am letzten Urlaubstag sein Übermut zum Verhängnis wurde.

In Horville angekommen, lernt Louis die sarkastische, sexuell frustrierte  Helene und deren sechzehnjährigen Sohn Iannis kennen. Helene bezeichnet sich als Erotik-Autorin und möchte einen Roman schreiben, weswegen sie Ruhe braucht und nicht von Iannis abgelenkt werden möchte, der rund um die Uhr betreut werden muss: er spricht nicht, lebt in seiner eigenen Welt, verweigert den Toilettengang so lange wie möglich und neigt zu Selbstverletzung und Panikattacken. Für Louis stehen alle Anzeichen zunächst auf Flucht, doch Iannis verändert ihn ohne Worte und ohne große Gesten. Ganz allmählich entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die in ihrer Sparsamkeit und in den Gedankengängen des Ich-Erzählers Louis rätselhaft und rührend ist. Und als Louis sich nach acht Wochen verabschieden muss, zeigt ihm Iannis auf eigene Art seinen Schmerz darüber.

Meinung: Ein wenig klischeehaft klingt sie, die Geschichte zweier besonderer Jungen, die zueinander finden. Und ist es dabei absolut nicht. Es ist auch keine Rain Man-Variante, obwohl Iannis Autist ist. Louis ist fasziniert von seinem "Anders-Sein", von seinem schaukelnden Gang, seiner Schönheit, seiner ungefilterten Wildheit. Und er erkennt, dass Iannis Fähigkeiten hat, die ihn in den Augen der anderen unheimlich erscheinen lassen. So ergründet er z.B. Louis' Geheimnis um dessen Ferienbekanntschaft Antoine, und er spürt das Verlangen seiner Mutter, Louis zu verführen. All das äußert sich auf eine Weise, die mitunter bizarr anmutet und gerade darum erstaunlich originell und trotzdem glaubhaft für Iannis' Charakter wirkt.

 Durch den knappen und lyrischen Stil war es mir nicht wirklich möglich, "dabeizusein", aber eigentlich hat der Roman ein Eintauchen ins Geschehen nicht nötig. Gefühle kommen trotz des geringen Umfangs der Geschichte und den häufig etwas bemüht kunstvoll formulierten Sätzen nicht zu kurz. Wie gesagt, am Ende habe ich ein bisschen geweint, und das sagt viel über Louis und Iannis und ihr Verhältnis zueinander aus. Lesenswert!

Bewertung:
👍👍👍👍



Samstag, 8. Juli 2017

Es scheint die Sonne noch so schön ~ Barbara Vine

Passend zur Hitzewelle (die ich genieße!) habe ich zu einem Buch gegriffen, das schon jetzt zu meinen Jahreshighlights zählt und ein richtiger Pageturner ist: obwohl ich eher langsam lese, hatte ich die spannende und einfallsreiche Geschichte innerhalb von drei Tagen verschlungen.




Inhalt: Im Jahr 1986 kehrt der 29-jährige Adam Verne-Smith aus dem Urlaub mit Frau und Tochter zurück und findet durch die Presse heraus, dass auf seinem ehemaligen Landsitz Wyvis Hall in Suffolk ein grausiger Fund gemacht wurde. Die neuen Besitzer hatten bei der Bestattung ihres Hundes einen Tierfriedhof entdeckt, in dem sich neben den verblichenen Hausgenossen vergangener Jahrzehnte auch das Skelett einer jungen Frau und eines Babys befanden. Die Ermittlungen der Polizei laufen auf Hochtouren, und Adam gerät in Panik: vor zehn Jahren lebte er zwei Monate mit seinem Freund Rufus, der verrückten Zosie, der mütterlichen Vivien und Shiva, dem sanftmütigen Inder, in einer Art Hippie-Kommune auf Wyvis Hall, das er von seinem Großonkel überraschend geerbt hatte. Seit dieser Zeit hatten sich die fünf nie wieder gesehen und geschworen, so zu tun, als seien sie Fremde, sollten sie sich zufällig über den Weg laufen. Der Fund jedoch ändert die Situation. Adam nimmt Kontakt zu Rufus auf, der inzwischen ein erfolgreicher, aber dem Alkohol übermäßig zusprechender Gynäkologe ist, um ihn um Rat zu fragen, was zu tun sei - genauso wie in jenem ungewöhnlich heißen Sommer des Jahres 1976, der das Leben der jungen Leute nachhaltig geprägt hat - und zwar nicht zum Guten.

Meinung: Erzählt wird die Geschichte abwechselnd auf zwei Zeitebenen und aus der Perspektive von Adam Verne-Smith, Shiva dem Inder und dem abgeklärten Rufus Fletcher. Das war gelegentlich etwas verwirrend, und mehrere Male musste ich einen Absatz zweimal anfangen, um zu verstehen, ob ich nun in den 1970ern oder 1980ern war. Doch das ist mein einziger Kritikpunkt, wenn es denn überhaupt einer ist. Selten habe ich in jüngster Zeit Bücher gelesen, in denen die Atmosphäre und die Charaktere derart gut und bildhaft beschrieben wurden und in die man sich hineinversetzen konnte, als fläzte man sich in der aufgeheizten und dennoch nonchalanten Stimmung mit den drei Jungs und den zwei Mädels auf der riesigen Terrasse von Wyvis Hall. Ein Roman fürs Kopfkino, der mich vor allem durch die Figuren überzeugt hat. Keiner ist gut oder böse, weder besonders sympathisch noch hassenswert. Jeder handelt nach seinen Eigenschaften nachvollziehbar. Besonders der experimentierfreudige, ambivalente und lässige Rufus hat mir gut gefallen. Eher unfreiwillig nimmt er die Rolle des "Vaters" der zusammengewürfelten Kommune ein, während Vivien - stark beeinflusst durch fernöstliche Philosophien, typisch für die damalige Zeit - für Shiva und Zosie eine Art Mutterersatz wird. Wirkliche Gefühle gibt es unter den Fünf, die sich erst auf dem Anwesen kennenlernen, nicht, auch wenn sich Adam zu Rufus hingezogen fühlt und erschrocken reagiert, als Rufus ihn in einer Nacht mit Joints und zu viel Wein auf die Probe stellt. Gerade die psychologische Komponente und die Beziehung der Protagonisten untereinander fand ich bemerkenswert, gemeinsam mit dem untrüglichen Geschick der Autorin, dabei nie in Kitsch oder Klischees abzudriften und eine Geschichte zu erzählen, die bis zum Ende atemberaubend spannend bleibt, auch nachdem die Opfer schon längst feststehen.

Mir kam beim Lesen der Verdacht, dass ältere Bücher irgendwie origineller und frischer sind als die heutigen, aber das mag ein Trugschluss sein, da mich die meisten Neuerscheinungen bisher nie in der Weise fesseln konnten wie es "Es scheint die Sonne noch so schön" gelungen ist. Ein wirklich toller, kurzweiliger Roman und bestimmt nicht mein letzter von Barbara Vine.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍




Freitag, 18. November 2016

Arty Farty: High-Rise von Ben Wheatley (2015) Review

Nachdem ich den Film im Kino verpasst habe, habe ich das Anschauen heute auf DVD nachgeholt. Hauptgrund war Tom Hiddleston (den neckischen Trailer mit den Stewardessen im Flur fand ich herrlich!), und normalerweise verzeihe ich einem Film einiges, wenn mir zumindest einer der Darsteller sympathisch ist. Aber High Rise schafft es nicht mal ansatzweise, eine einigermaßen schlüssige Story zu erzählen, was vielleicht auch an der eher zähen Buchvorlage (Achtung Gesellschaftskritik im 70er Jahre-Stil!) liegen kann. Nach einer halben Stunde habe ich das Ende herbeigesehnt, und das passiert mir wirklich nicht oft. Ich mag bizarres Kino und habe nichts gegen Satire, aber hier hatte ich echt das Gefühl, einen eigentlich zehnstündigen Arthaus-Film anzuschauen, den man auf gnädige zweieinhalb Stunden zusammengeschnitten hat.





Zur Story (soweit es eine gibt): England, in den 1970er Jahren. Der Arzt Robert Laing zieht in ein modernes Hochhaus, das irgendwie eine Klassengesellschaft repräsentiert: ganz unten der Pöbel, oben die Superreichen. Er selbst lebt im 25. Stock, also irgendwo dazwischen. Auf dem Dach hat sich der Architekt Royal (Jeremy "Ich bin alt aber sah mal toll aus und möchte, dass der Zuschauer sich dessen bewusst ist" Irons) eingenistet, nebst Gattin, Pferd und Schaf. Laine macht schnell Bekanntschaft  mit beiden Seiten: er besucht Parties der Upper Class, bei denen psychedelische ABBA-Lieder gespielt werden, und fängt auch rasch mal ein paar Affären an, weil Freie Liebe und so. Als im Gebäude der Strom ausfällt und / oder der Pool für private Vergnügungen genutzt wird, sorgt das für Unmut, und es liegt Revolte in der Luft. Der Frust entlädt sich, als Laing einem Kollegen mitteilt, unheilbar krank zu sein und dieser sich aus dem 39. Stock stürzt.




Statt  freier Liebe entfesselt dieses Ereignis das Tier im Menschen, und plötzlich gehen alle aufeinander los. Laing prügelt sich im Supermarkt um einen Eimer Farbe, weil es dort außer Hundefutter und verfaultem Obst sonst nichts mehr wirklich Brauchbares gibt. Nachdem er seine Wohnung (Achtung Metapher!) himmelblau angestrichen hat, treibt er es mit der hochschwangeren Bewohnerin aus der untersten Etage. Deren Mann (Luke Evans mit den haarigsten Koteletten ever) stellt derweil Royal nach, um eine Enthüllungsstory über ihn zu drehen. Am Schluss sind alle tot und Laing grillt einen Hund auf seinem Balkon. Klingt seltsam, ist es auch. Spaß hatten die Beteiligten bestimmt, mir als Zuschauer ging es aber irgendwie so wie einem Erwachsenen mitten im Kindergeburtstag. Wer auf zusammenhanglose Szenen, pseudo-intellektueller Sozialkritik und Retro-70er Jahre-Flair steht, kommt vielleicht noch ein bisschen auf seine Kosten. Ein neckisch die Hüften schwingender Tom Hiddleston mit einer Combo Stewardessen hat mir jedenfalls nicht ausgereicht.


Bewertung:


👍 und ein halber👍




für den goldigen Hiddles und seinen Luxusbody, von dem man in diesem Film erstaunlicherweise mal nicht die blanke Hinterseite sah (hätte in dem Fall aber auch nichts mehr gerettet).





Sonntag, 1. Juni 2014

Leseprobe aus meinem Roman "Milan"

"Milan" ist eine meiner ersten längeren Geschichten. Die Inspiration dazu flog mich während eines Aufenthaltes in Israel an (eingedenk des völlig anderen Themas im Roman klingt das eigenartig, ist aber tatsächlich so). Während der müßigen Stunden am Strand bzw. im Toten Meer las ich ein Buch, das vom Alltag und der Wahrnehmung einer schizophrenen Persönlichkeit handelt, und irgendwie fand ich es in jeder Hinsicht faszinierend: Stil, Sprache, regelwidrige Interpunktion und Handlung waren so ganz anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte.

Die Idee, etwas in der Art entstehen zu lassen, auf meine ganz eigene Weise und mit eigenen Erfahrungen und Einfällen verwoben, nahm langsam Gestalt an - erst in meinem Kopf und auf Notizzetteln, dann zuhause auf dem ausrangierten Computers meines Vaters, weil ich noch keinen eigenen besaß (Zeiten waren das!). Damals habe ich die Ich-Perspektive bevorzugt und mich daher entschlossen, durch die Augen meiner Protagonistin zu schreiben.




Die Geschichte ist mit Sicherheit kein Herzschmerz oder eine Liebestragödie, auch wenn es um eine Beziehung geht. Sie erzählt von den Ängsten und Defiziten einer jungen, traumatisierten Frau, die mit einem wesentlich älteren Mann, der als Theaterregisseur arbeitet, zusammenlebt und erkennt, dass sie seinem Intellekt, seiner Erfahrung und seiner Weltgewandtheit nicht gewachsen ist und doch von ihm profitiert; zumindest solange, wie sie seine Führung benötigt, die er ihr gerne, aber nicht ganz ohne Bedingungen oder schmerzlos gewährt. Ich habe ein Faible für zerrissene und ein bisschen verrückte Charaktere. Einiges über ihre Vergangenheit findet über Gespräche in Dialogform statt, und vieles lässt Milan rätselhaft distanziert erscheinen und die Erzählerin kindlich und in starker Abhängigkeit zu der Person, von der sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben angenommen fühlt.

Obwohl die Beziehung alles andere als harmonisch verläuft und von Verlustängsten von seiten der jungen Frau geprägt ist, gelingt es Milan allmählich, ihr Selbstwertgefühl zu wecken, indem er sie (meist) so behandelt, wie sie behandelt werden möchte.

Leseprobe folgt wie immer nach "weitere Informationen".

Donnerstag, 1. Mai 2014

"Behind the Candelabra" ~ Liberace mit Michael Douglas und Matt Damon (2013)

Mutig, das Leben des Exzentrikers und Entertainers Liberace für Hollywood zu verfilmen - noch mutiger, die Hauptrollen mit zwei großen Stars zu besetzen, die sich lieben, küssen, einander schmeicheln, streiten und ganz hollywoodlike ihre Hängebacken wegoperieren bzw. das wenig ausgeprägte Kinn richten lassen. Steven Soderbergh hatte den Mut und dazu einen tollen Film abgeliefert, der mich trotz meiner Vorbehalte gegen den m. M. nach eigentlich blassen Matt Damon in der Rolle des jungenhaften Liebhabers der alternden Diva Michael Douglas vorzüglich unterhalten hat!




Den Film wollte ich bereits im Kino sehen, habe ihn dort aber nicht erwischt, da er in unserem Dorf höchstens eine Woche als Matineevorstellung lief. Ich sehe Filme mit Michael Douglas ganz gern, weil er - wie er in "Behind the Candelabra" (Originaltitel) wieder eindrücklich bewiesen hat - ein vielseitiger und überzeugender Charakterdarsteller ist. Mit Matt Damon hatte ich erst Probleme. Die Perücke saß nicht richtig (ok, die von Mr. Douglas auch nicht - es wird aber im Drehbuch offensichtlich, dass Liberace ein Haarteil trägt - ein Schock für den neu eingeführten Liebhaber nach fünf Monaten "wilder Ehe"), und ich mag Mr. Damon nicht besonders gern - irgendwie ist er mir zu sehr netter Kerl von nebenan und ein bisschen langweilig. Tom Hanks-Riege eben.

In "Liberace" musste ich mein Urteil über ihn revidieren. Eine bessere Besetzung als die beiden kerligen Kerle hätte man nicht finden können für dieses leise und doch grelle Biopic des Vorgängers von Siegfried und Roy, oder - Parallelen sind nicht beabsichtigt, drängen sich jedoch auf - des Münchner Paradiesvogels und Modezars Rudoph Mooshammer. Auch Liberace lebt mit Hunden in seiner Villa und pflegt ein enges Verhältnis zu seiner greisen Mutter.

Mir gefiel die Geschichte, weil sie ganz ohne Effekthascherei und Spezialeffekte auskommt (sieht man von den Face-Lifting Exzessen und einem kaum wiederzuerkennenden Rob Lowe einmal ab) und sowohl durch die Performances der Schauspieler als auch dem sorgfältigen Setting von den 1970ern in die 80er Jahre authentisch wirkt. Obwohl ich Michael Douglas so einiges zutraue, war ich verblüfft, mit wie viel Energie und Hingabe er den Las Vegas-Pianist Liberace verkörpert, und wie hemmungslos er mit Matt Damon / Scott Thorson flirtet, in dem Liberace seine große Liebe findet. Als hätte er nie etwas anderes getan.

Fazit: Vermutlich hätte man den Künstler, der sich für ein Genie hielt und dem aufgrund seiner Homosexualität der Wunsch nach einer eigenen Familie verwehrt blieb, auch karikieren oder unsympathisch darstellen können - Michael Douglas und der Regisseur verzichten darauf und schaffen somit einen ganz besonderen, atmosphärischen Film, der durch Warmherzigkeit und eine unaufgeregte und urteilsfreie Erzählweise neugierig auf einen heute vergessenen Showstar macht. Mit in der DVD gibt es noch ein 60minütiges Special zu den Dreharbeiten und dem Leben von Liberace. Angucken!

Bewertung: Glanzvolle
👍👍👍👍





Freitag, 7. Februar 2014

Der-aus-dem-Rahmen-fällt

Es gibt einen neuen Roman von mir. Eigentlich und wenn ich ehrlich bin, ist er gar nicht mehr so neu. Aber ich habe das Manuskript überarbeitet und ein paar Veränderungen angebracht, nachdem ich die Geschichte nach einiger Zeit wieder gelesen habe. Sie fällt aus dem Rahmen, weil es die einzige ist, in der ich aus dem Blickwinkel einer jungen Frau berichte. Sie lebt mit einem älteren Mann zusammen, der es ihr nicht leicht macht und sie trotzdem auf die richtige Fährte bringt, was ihren weiteren Lebensweg angeht. Meine Erzählerin ist psychisch labil und alles andere als selbstbewusst und tough - ihre Kindheit ist gezeichnet von Verlustängsten und kindlichen Traumata. Gemeinsam mit Milan deckt sie nach und nach die Geister ihrer Vergangenheit auf und lernt, mit ihnen umzugehen.




Auch wenn der Roman in einem etwas ungewöhnlichen Stil und der Ich-Perspektive verfasst ist, so trägt er keine autobiografischen Züge. Natürlich wurden eigene Erfahrungen darin verarbeitet, aber es ist mir doch wichtig, zu erwähnen, dass das Werk fiktional ist - allein die Zeit, in der es spielt, ist mir fremd. Aber gerade das ist meiner Ansicht nach das Schöne am Schreiben - dass man seiner Fantasie freien Lauf lassen und sich etwas ausdenken kann, das so ganz anders ist als das, was man normalerweise kennt. Und natürlich - damit es trotz aller Fantasie noch glaubwürdig und authentisch ist - die Recherche, mit der ich es tatsächlich sehr genau nehme.

Eine Liebegeschichte im herkömmlichen Sinn ist mein Roman nicht; es geht um die Suche nach sich selbst und darum, sich von Ängsten und Abhängigkeit zu befreien. Ein ziemlich philosophischer Ansatz also, dem ich hoffentlich gerecht werde. Immerhin war ich zum Zeitpunkt der Entstehung der Geschichte genauso alt bzw. jung wie die Protagonistin.

Eine Leseprobe folgt unter weitere Informationen.