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Mittwoch, 11. September 2024

"Mamas roter Pullover" ~ Jade Perkin

 Bücher über Trauer und Trauerbewältigung habe ich seit einem Jahr viele gelesen. Aber wirklichen Trost hat keines gebracht. Das, welches mir geholfen hat, war "Der Himmel" von Randy Alcorn, und auch das klingt - zugegebenermaßen - bisweilen etwas fantastisch. Trotzdem möchte ich glauben, dass das Ewige Leben so ist, wie der Autor es beschreibt, und dass Mama dort ist und eine gute Zeit hat. 

 

💖Mama im Sommer 2022💖

 

Als gläubiger Mensch hätte ich nicht gedacht, dass die Trauer jeden Tag ein Kampf ist. Nicht, dass ich sie nicht zulassen möchte. Aber es fällt schwer, "tapfer" zu sein. Das gilt nicht nur dafür, wenn andere Menschen in der Nähe sind, sondern allgemein. Andauernde Trauer kann krank machen. Ich merke, wie sie mich verändert. Ich lache seltener, breche oft in Tränen aus, weil ich Mama vermisse, meine Freundin, Gesprächspartnerin und Ermutigerin. Jeder Tag ist mühsam, nicht mehr schön. Obwohl wir einen tollen Sommer hatten und ich heiße Temperaturen liebe, war er mir letztendlich egal, manchmal fast lästig (wie kann die Sonne scheinen, wenn Mama nicht mehr da ist?).

Auf Facebook bin ich auf ein Bilderbuch gestoßen, das mich sofort angesprochen hat. Das Cover hat mich an Mama erinnert, auch wenn es das kleine Mädchen zeigt, die in jenem Buch ihre Mutter verliert - auf ähnliche Weise wie ich. Auch sie hatte Gedanken wie ich ("Am liebsten hätte ich sie mit nach Hause genommen.") und nicht die Gelegenheit, sich zu verabschieden, weil ihre Mama im Krankenhaus war.


 

Ihre Gefühlswelt danach wird sehr gut beschrieben. So kurz wie das Buch ist (es eignet sich für Kinder ab sechs Jahren), ist es doch sehr anrührend und zeigt, dass es nicht verkehrt ist, um einen geliebten Menschen zu trauern. Der Titel des Buches spielt eine wichtige Rolle, vor allem im metaphorischen Sinn. Der Papa des kleinen Mädchens (der aussieht wie der früh verstorbene Buddy Holly) ist ein sehr kluger und einfühlsamer Mann, der seiner Tochter erklärt, dass die Trauer immer bleiben, aber die Welt um sie herum größer wird - so wie sie selbst, damit sie in Mamas Pullover hineinwachsen kann. Das Bild fand ich sehr schön, wenn ich auch weiß, dass mir Mamas Pullover nie passen werden... nicht, weil ich schon erwachsen bin, sondern weil ich nie das werden kann, was Mama war. Für mich war sie eine Künstlerin und eine herzliche, kluge, und emotional gebildete Frau, voller Kraft und Energie und Lebensfreude, von der wir als ihre Familie profitiert haben. 

 


Im Fazit ist das Buch eher etwas für Kinder, denn es zeigt mir, dass man als Kind irgendwie besser mit Trauer klarkommt (im Allgemeinen). Zwar vermittelt das Buch keine Botschaft vom Himmel oder davon, wo die Mama hingegangen ist, doch das Mädchen findet zusammen mit ihrem Papa Trost darin, dass das Leben irgendwann weitergeht - wenn auch nicht so wie bisher. Die Trauer bleibt gleichgroß - aber die Welt um sie herum wird größer mit der Zeit.

Für mich persönlich kann ich das nicht bestätigen, was mich aber nicht daran hindert, dass Buch für Menschen zu empfehlen, die kleinen Kindern über einen schweren Verlust helfen möchten. Zudem fand ich die Zeichnungen entzückend. Gerade in ihrer Einfachheit sind sie und die Geschichte universell und nachdenklich stimmend.

 

Bewertung: 💫💫💫💫💫 


Dienstag, 15. März 2022

Der kleine Gärtner & Der Hase mit den himmelblauen Ohren

 Zwei etwas ungewöhnliche Buchtipps für mich, aber interessant für Mamas und Papas zum Vorlesen für die Kleinen. Beide Bilderbücher mit wundervollen Zeichnungen haben mich sehr berührt und wurden seinerzeit in der biblisch-therapeutischen Seelsorge meiner Eltern eingesetzt, wenngleich es sich nicht um religiöse Lektüre handelt. Das erste ist "Der kleine Gärtner" von Gerda M. Scheidl und Bernadette. 



 

Inhalt: Der kleine Gärtner versteht die Sprache von Tieren und Pflanzen und liebt seinen verwilderten Garten, in dem er jede freie Minute verbringt. Alles lebt in Harmonie und gedeiht prächtig. Bis der kleine Gärtner eine Unzufriedenheit beim Gänseblümchen feststellt, die ihm Sorgen macht. Bald findet er heraus, dass es lieber im Garten des Nachbarn wachsen würde, der voller Rosen, Rittersporn und gepflegten Beeten ist. Um den Nachbarn nicht zu vergrätzen und dem Gänseblümchen seinen Wunsch zu erfüllen, verpflanzt er es heimlich über Nacht. Doch der Nachbar ist nicht erfreut: Unkraut hat in seinem Garten nichts zu suchen. Kurzerhand wirft er das Gänseblümchen auf den Komposthaufen. Was für ein Schreck für die benachbarte Flora und Fauna! Ohne Wasser muss das Gänseblümchen elend verdursten! Kann es eine Rettung geben?

Meinung: Natürlich gibt es die. Eine Rettung, die nachdenklich macht. Nicht nur das Gänseblümchen. Auch die Leser. Und sie zeigt, dass das, was man hat, viel zu wenig mit Dankbarkeit gewürdigt wird. Auch wenn es nur kleine Dinge sind, an denen wir uns erfreuen.


~*~


Das nächste Buch war "Der Hase mit den himmelblauen Ohren" von Max Bolliger und Jürg Obrist.




Inhalt: Der Hase mit den himmelblauen Ohren schämt sich. Er sieht anders aus als die Tiere in seiner Stadt. Sein einziger Freund ist der Mond, aber der kann nicht mit ihm reden. Der Hase begibt sich auf Wanderschaft, weil er glaubt, in seiner Stadt nicht willkommen zu sein. Unterwegs flattern ihm Hüte entgegen, wie etwa ein Schornsteinfegerzylinder und ein Gärtnerhut. Viermal wechselt er die Hüte, denn keiner will ihm so richtig passen. Obwohl er durch die Kopfbedeckung verschiedene Berufe ausübt, verlachen ihn seine Kollegen, sobald ihm durch eine unglückliche Fügung der Hut vom Kopf fliegt und die himmelblauen Ohren freigibt. Wird der ungewöhnliche Hase dennoch Freunde finden?

Meinung: Da sich die Reise des blauohrigen Hasen in vielem wiederholt, ist auch der Satzbau oft derselbe, aber umso eindrücklicher wirkt die Geschichte. Auf den ersten Blick scheint sie simpel, und doch ist sie aktueller denn je. Anderssein ist kein Makel, und erst recht kein Grund, sich zu schämen und zu verkriechen. Das merkt auch der Hase, als er feststellt, dass er sich das Problem selbst gemacht hat. Und er kann seiner Vergangenheit sogar etwas Positives abgewinnen: Sein "Fehler", sich nicht anzunehmen wie er ist, hat ihm trotz seines mangelnden Selbstwertgefühls Türen geöffnet und ihn um viele Erfahrungen reicher gemacht. 

Fazit: Zwei entzückende Bilderbücher, die zu Akzeptanz, Dankbarkeit und Wertschätzung aufrufen. Nicht nur für Kinder. Auch ich hatte meine Freude an den liebevollen Zeichnungen und vor allem an der jeweiligen Botschaft der Geschichten. 

 

Bewertung: 💫💫💫💫💫