I solve crimes and blog about it
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Samstag, 2. November 2013
Pflanze einen Baum!
Gerade habe ich auf Hase Hatschis wunderbarem Berlin-Blog gelesen, wie ich ganz ohne Mühe und Schweiß genau das tun kann und obendrein einen Beitrag für die Umwelt leiste. Ich habe mich für eine elegante Robinie entschieden, weil ich - unter uns - diesen Baum dem Namen nach nicht kannte.
Tolle Sache und auf jeden Fall wert, sie weiterzuverbreiten!
Hier ist der Link dazu: I plant a tree.
Also, in die Hände gespuckt, Ärmel hochgekrempelt und den virtuellen Spaten gezückt!
Hund oder Katze?
Ich schaffe es einfach nicht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein neuer Kater seinen Platz einnimmt. Klar, es wäre ein ganz anderer, mit Joschi nicht zu vergleichen, und bestimmt würde er mein Herz im Sturm erobern, wie das so Katzenart ist. Aber ich hatte den Joschi so lange, habe ihn so geliebt und so viel mit ihm erlebt, dass es mir nicht leicht fällt, einen neuen Stubentiger ins Haus zu holen. Zumal der im wörtlichen Sinn einer bleiben müsste. Ich wohne mitten in der Stadt, was für kleine Katzen nicht der ideale Spielplatz ist. Meine beiden älteren Kater hatten bereits Erfahrung und waren nach dem Umzug schlau genug, fahrende Autos zu meiden.
Witzigerweise bin ich Hunden allerdings nicht mehr so ganz abgeneigt, seit ich Tigra kenne. Sie ist ein spanisches Windhundmädel und sieht etwa so aus:
Ich mag sie irgendwie. Sie hat einen rührenden Blick und sieht immer traurig aus, obwohl sie es eindeutig nicht ist. Erstaunlicherweise glaube ich, dass sie mich auch mag. Gestern ist sie von ihrer Decke aufgestanden, als ich das Zimmer betrat und hat mich schwanzwedelnd begrüßt, obwohl wir uns am selben Tag schon gesehen hatten. Ich muss sagen, da war ich teils ein bisschen stolz und teils ein bisschen verwirrt. Denn eigentlich merken Hunde sofort, dass ich ihnen gern aus dem Weg gehe und verbellen mich dafür, besonders die Westies und andere Terrier-Arten...^^
Bildquelle Hund: Compi-Service / Pixabay
Dienstag, 29. Oktober 2013
"Sherlock verliebt" ~ Sena Jeter Naslund
Das erste neu gekaufte Buch, das ich nun schneller fertig gelesen habe als erwartet (weil ich ja ein bisschen aus der Übung bin), ist "Sherlock verliebt". Es war so spannend und originell, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte!
Inhalt: Endlich wird die Fan-Gemeinde des berühmtesten Detektivs aller Zeiten darüber aufgeklärt, was es mit Sherlock Holmes' lebenslanger Reserviertheit gegenüber Frauen auf sich hatte.
Der alte Witwer Watson kehrt nach dem Tod seines Freundes Holmes in die gemeinsame Wohnung in der Baker Street zurück. Heimgesucht von geisterhaften Visionen des verstorbenen Freundes versucht er, seinem Leben einen Sinn zu geben, indem er beschließt, eine Biografie über Sherlock Holmes zu verfassen. Seine Recherchen werden von anonymen Drohbriefen und einem Eindringling in das Apartment 221b durchkreuzt, der es offenbar auf Notizen und Tagebücher abgesehen hat. Doch Watson ist durch die Widerstände umso entschlossener, sein Werk zu Ende zu bringen und Holmes ein Denkmal zu setzen. Beim Stöbern in alten Dokumenten werden in Watson allmählich wieder Erinnerungen an ungelöste Fälle lebendig. Darunter auch die an jenen jungen Musiker, dem die beiden Freunde einst bis nach Bayern an den Hof Ludwig II. folgten. War Victor Sigerson Sherlock Holmes' große Liebe?
Meinung: Anfangs hatte ich enorme Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Sie ist - wie die meisten Originalgeschichten - aus Watsons Sicht geschrieben, aber zuweilen gerade zu Beginn ein wenig konfus. Einige Sätze musste ich zweimal lesen, um sie zu verstehen. Doch je weiter die Handlung sich entwickelt, desto mehr habe ich gestaunt über die eingeflochtenen Referenzen zu den Originaltexten und über das Geschick der Autorin, beinahe unerträgliche Spannung aufzubauen und reale Persönlichkeiten mit fiktiven zu vermischen, ohne dass es albern wirkt. Auch die Charakterisierungen der Figuren - historisch oder fiktiv - sind gut getroffen.
Traurig und rührend waren die Passagen, in denen Watson sich an Holmes' Anwesenheit in der Baker Street erinnert, wehmütig die jetzt verstummte Geige betrachtet und teilweise Holmes' Gewohnheiten adaptiert, wie das Aufbewahren des Tabaks im persischen Hausschuh. Auch das Ende ist kein glückliches, geht dafür aber unter die Haut.
Über den wahren Grund, weshalb sein Freund Frauen gegenüber stets distanziert blieb und der Identität des Musikers, der zugleich fingerfertig im Violinspiel und der Zauberei und zudem ein wahrer Verkleidungskünstler ist (klingelt's?), tappt Watson bis zuletzt im Dunkeln. Als er Besuch von einer Dame in Rot erhält, die Holmes-Fans durchaus ein Begriff ist, wird ihm klar, dass Holmes ihm trotz der Vertrautheit zwischen ihnen zeitlebens ein Geheimnis verschwiegen hat.
Fazit: Lesenswert, nicht nur für Sherlock Holmes-Fans. Um wirklich Spaß am Roman zu haben, schadet es allerdings nicht, Vorkenntnisse über den Meisterdetektiv zu besitzen. Zuerst wollte ich vier Sterne vergeben, doch das Ende war so überraschend und bittersüß, dass mir die volle Punktzahl angemessen scheint.
Bewertung:
Sonntag, 27. Oktober 2013
Lesen! Lesen! Lesen!
Statt abends faul vor der Glotze abzuhängen, werde ich versuchen, mindestens eine Stunde zu lesen. Vor ein paar Tagen habe ich in der Stadtbibliothek ausrangierte Bücher ergattert, die recht interessant klingen. "Es scheint die Sonne noch so schön" habe ich vor Jahren im Sommerurlaub gelesen und war begeistert.
Angefangen habe ich mit "Sherlock verliebt", mit dem ich bisher ein bisschen Probleme habe, obwohl ich die Grundidee originell finde. Nach Holmes' Tod lebt der alte Dr. Watson in der Baker Street (und schläft auch in Holmes' Bett!) und wird vermeintlich vom Geist des Verstorbenen heimgesucht. Um sich abzulenken, will er eine Biografie über Sherlock Holmes und der Zeit an seiner Seite schreiben. Nebenbei bemerkt: zwischen den Zeilen lese zumindest ich mehr als *nur* eine lebenslange Freundschaft... manchmal kommt mir Watson vor wie der trauernde Witwer.
Der Stil der Autorin wird hochgelobt, da sie dem des Urhebers der Protagonisten treu geblieben sein soll. Mir erschließt sich das nach 70 Seiten noch nicht. Zwar fand ich einige Passagen und die Charakterisierung Holmes' durchaus gelungen, andere dagegen sind m. M. nach wirr und wenig nachvollziehbar. Etwa wenn Watson Besuch von einem ehemaligen "Mitarbeiter" von Holmes erhält, den Watson sofort als zurückhaltend einstuft, obwohl nichts an seinem Auftreten darauf schließen lässt. Da hat Holmes wohl ein Erbe hinterlassen, das Watson zu dessen Lebzeiten selten bis nie gezeigt hat.
Oder - ein grober Schnitzer - Holmes bezeichnet Irene Adler verächtlich als "das Weibsbild" (!), während er von ihr im Original von Arthur Conan Doyle mit widerwilligem Respekt als "The Woman" redet. Auch stören mich einige überflüssige Kommas (pingelig, ich weiß), und erstaunlicherweise die Tatsache, dass der Roman noch in der alten Rechtschreibung übersetzt wurde.
Amüsant ist das Buch allemal. So, wie ich es verstehe, spielt der Tod des Kinis im Jahr 1886 eine Schlüsselrolle, und es ist schon ziemlich clever, den großen Detektiv auf den bis heute ungelösten Fall anzusetzen. Dass er aber auf Ludwig II. stehen soll, wäre selbst für eine altehrwürdige Ikone eine gewagte These, daher vermute ich, es geht um jemand anderen.
Heute Abend darf ich den Münchner Tatort nicht verpassen, aber spätestens übermorgen bin ich schlauer.
Donnerstag, 24. Oktober 2013
The Age of Aquarius (O;
Knapp zehn Tage nach dem Adieu seines Vorgängers stellt sich mein neuer kleiner Wassermann vor. Ich muss sagen, ich finde ihn sehr knuffig - fast goldiger als den ersten, obwohl er vielleicht noch nicht ganz fertig ist, dafür aber sozusagen frisch geschlüpft.
Die Augen sind nun vollständig aus Filz, und er hat eine etwas andere Plunderhose an als der erste, ein bisschen peppiger mit bunten Akzenten. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich ihn nicht - wie sein Vorbild im Buch - in eine Jacke statt eine Weste stecken soll. Ob man's glaubt oder nicht: an der Jacke bin ich am längsten gesessen. Die Ärmel einzunähen, war mir heute Abend einfach zu viel G'schäft...
Und sein Seetang gehört eventuell ein wenig gestutzt. Da er aber 2013 geboren wurde und nicht 1956 wie das Original, darf er ruhig ein bisschen moderner aussehen, oder?
Ich mag ja gerade den zeitgenössischen Charme der Zeichnungen so sehr im "kleinen Wassermann"... mal sehen, morgen bei Tageslicht sieht die Sache eventuell anders aus. Er braucht auf jeden Fall noch rote Lippen (charakterisch für den Wasser-Bub) und die Andeutung einer Nase, die beim zweidimensionalen Wassermann ziemlich ausgeprägt ist. Leider habe ich meinen Rotstift verlegt und muss ihn erst wieder finden, um sein Gesicht noch ein wenig auszuarbeiten.
Montag, 21. Oktober 2013
My body is a Wonderwork...
Heute habe ich mir das in die Hose gerutschte Herz gefasst und einen Termin beim Augenarzt vereinbart und durfte gleich vorbeikommen. War ein bisschen eigenartig. Das Wartezimmer funktioniert nach dem Amt-Prinzip, und bis ich gerafft habe, dass ich eine Nummer abreißen muss, die aufgerufen wird, war ein Patient vor mir dran, der mich zwar freundlicherweise in die praxiseigenen Mysterien einweihte, aber doch vor meiner Nase ins Sprechzimmer entschwand, obwohl ich länger gewartet habe. Naja, ich hatte Zeit. Ein bisschen Bammel auch. Die Käseblätter im Wartezimmer waren ganz durchweicht von meinem Angstschweiß.
Der Garagen ähnlichen Praxis hätte eine Feng-Shui-Runderneuerung gut getan, aber wichtig ist, dass der Arzt gut ist, und er war auch recht nett. Nachdem ich ihm mein Problem erklärt hatte, untersuchte er meine Augen und war dann ziemlich baff. Er konnte nicht glauben, dass ich mich vor Höllenqualen nicht in die Praxis gewunden habe, denn was die Entzündung verursacht hat, war ein Fremdkörper in der Hornhaut. Das tut normalerweise sakrisch weh (leide ich an dem höchst seltenen CIPA-Syndrom?) und hätte mich viel früher dazu verleiten müssen, einen Doktor aufzusuchen. Denn mittlerweile ist mein Körper eifrig dabei, Blutgefäße zu bilden, die den organischen Fremdkörper (kleines Insekt oder Ästchen) zersetzen bzw. "dauen" (seine Worte. Das bedeutet soviel wie dass der Körper den Fremdkörper in körpereigene Substanz umwandelt). In einer Woche wären meine Beschwerden von selbst wieder vergangen, da der Selbstheilungsprozess fast schon abgeschlossen ist. Faszinierend!
Da hätte ich mir die unangenehme Prozedur des Entfernen des *dauten* Dings (doch kein CIPA!) und die fünf Euro für die rezeptpflichtige Augensalbe sparen können. (O; Ich bin trotzdem erleichtert, dass es nichts Ernstes war und ich jetzt Gewissheit habe.
Samstag, 19. Oktober 2013
Halloween Klassiker ~ Sleepy Hollow (1999)
Gruseln tue ich mich dagegen hin und wieder ganz gern, gerade im Dunkeln, auf dem Sofa aneinandergekuschelt. Darum wird bei mir am 31. bestimmt wieder "Sleepy Hollow" laufen, entweder im Fernsehen oder auf DVD (was mir mehr Spaß macht, denn die Vorteile liegen klar auf der Hand: Originalton und keine Werbepausen).
Ziemlich abgefahren ist die Geschichte ja schon. Ich bin auch kein Fan von Hexen, deren aus Ekelzutaten gebrautem Frühschoppen und Magie, gleich ob schwarz oder weiß. Einmal im Jahr drücke ich aber ein Auge zu. Ich mag die düstere Atmosphäre, die den für seine Zeit (1799) unkonventionellen Constable Ichabod Crane gleich zu Beginn seiner Ankunft in dem verschlafenen Loch gefangen nimmt, und die Tatsache, dass die Handlung auf einer Legende beruht, die ihren Ursprung in Deutschland bzw. Hessen hat und nach Amerika übergeschwappt ist, um dort kleinen Kindern den Schlaf zu rauben. Der kopflose Reiter hat dort in etwa den gleichen Stellenwert wie bei uns der Nachtkrabb. Das gibt der Story irgendwie etwas Episches.
Die Figuren sind bis zu den Nebenrollen und Gastauftritten grandios besetzt. Goldig, wie Johnny Depp aus dem Hasenfuß Ichabod Crane einen felsenfest entschlossenen Ermittler macht, der aufgrund der unerklärlichen Ereignisse in Sleepy Hollow auch gerne mal in Ohnmacht fällt. Trotzdem bleibt er am Ball bzw. rollenden Kopf - nicht zuletzt, weil er sich in Katrina verliebt, der Tochter eines höhergestellten Beamten, der unter Verdacht gerät, die Morde zu begehen, die Crane auflösen soll. Sie hilft dem Constable bei seinen weiteren Recherchen, gemeinsam mit einem Jungen, dessen Vater auf mysteriöse Weise den Kopf verlor - wie so viele Bewohner des Dorfes vor ihm.
Mein absoluter Favorit ist aber - wie könnte es anders sein? - Christopher Walken als Hesse / kopfloser Reiter. Er spricht keinen Ton (wie auch, ohne Mund), und selbst als ihm Ichabod verzweifelt seinen Schädel zuwirft, der im Zeitraffer wieder an seinen Hals wächst (Grusel pur!), entweicht nur ein undefinierbares Gegrunze seinen neu geformten Strichlippen, ehe er sich die Übeltäterin schnappt und auf seinem Daredevil zum Tor der Unterwelt prescht, um die Lebenden nicht weiter zu behelligen bzw. heimzusuchen.
Die einzige Enttäuschung ist die Tatsache, dass Chris Walken im scharfen Ritt gedoubelt wurde. Obwohl er ein so toller Tänzer ist und daher bestimmt ein guter Reiter wäre, hat er Angst vor Pferden und saß daher meist auf einer Attrappe. Naja, passt ja auch wieder...
Fazit: Gelungener Gruselspaß und ein Muss für die lange Halloween-Nacht
Dienstag, 15. Oktober 2013
Leb wohl, kleiner Wassermann!

Ein älteres Ehepaar bekundete besonderes Interesse an meinem Amigurumi-Regal, bis sie sich schließlich für meinen Wassermann entschieden haben.
Komischerweise habe ich ihm ein bisschen nachgetrauert: ich habe bei der Herstellung versäumt, eine Anleitung von ihm niederzuschreiben, so dass ich ihn nicht 1:1 nachhäkeln kann. Aber gefreut habe ich mich trotzdem. Die Frau ging so liebevoll mit dem Wassermann um, als würde er tatsächlich durch Kiemen atmen. Als ihr Mann ihn in den Korb legte, meinte sie: "Ganz vorsichtig mit dem Zipfelmützchen!" Das ist angenäht, es kann also nicht viel passieren *grins*. Trotzdem fand ich das sehr süß. So weiß ich, dass mein Wassermann-Bub in gute Hände gekommen ist. Demnächst wird an einem Nachfolger gearbeitet...
Montag, 14. Oktober 2013
Erste Trockenübungen zum Malkurs im November.
Nein, es geht um etwas anderes. Darum, sich überhaupt zu *trauen*, einen Stift und Pinsel in die Hand zu nehmen und sein Talent zu entdecken - wie immer das aussehen mag. Vielleicht lachen jetzt einige, aber selbst ich habe das lange nicht getan - und ich habe früher gern gemalt und gezeichnet, bis ein Tiefpunkt in meinem Leben mir jegliche Spontaneität und den Mut, nicht perfekt zu sein, schlagartig genommen hat.
In erster Linie geht es darum, sich wohlzufühlen und in der Gemeinschaft von anderen mitzuwerkeln statt gegeneinander. Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und das Be- und Verurteilen aus der Schulzeit abzulegen (Das kannst du aber besser!). Das ist gar nicht so leicht wie man denkt, aber sehr viel entspannender als zu glauben, man müsse jetzt Wunder was aus dem Ärmel schütteln respektive aufs leere Blatt zaubern, damit alle Beifall klatschen. Ich war lange so geprägt, gleich in welchen Bereichen, und durch meinen bereits erwähnten Tiefpunkt hatte ich gar keine Lust mehr, irgend etwas anzufangen. In Sachen Kreativität war ich wie gelähmt durch den falschen Gedanken "Ach, lass es. Kriegst du doch nicht hin."
Ich muss sagen, es war schön heute. Wir haben mit Bleistift gerade Linien und Wellen gemalt (mit vollem Körper- bzw. Armeinsatz), und waren erstaunt über die unterschiedlichen Ergebnisse und wie die Persönlichkeit des Einzelnen durch die Bilder sichtbar wurde. Besonders schön war für mich, dass es doch ganz gut geklappt hat und kein bisschen anstrengend war. Meine Bilder sind nicht weltbewegend, aber sie anzufertigen, hat mir sehr viel mehr Spaß gemacht als erwartet. Vor allem, weil auch noch genug Zeit zum Scherzen und Diskutieren war und das bewusst langsame Zeichnen etwas Meditatives hatte, das ich total genossen habe. Trotzdem ging es lustig zu in unserer Runde mit Wasser, Kaffee und Keksen.
Ganz ausgereift ist das Konzept noch nicht, aber ich bin sicher, wir kriegen das hin.
Freitag, 11. Oktober 2013
Biografie Benedict Cumberbatch ~ Marc Halupczok
Beschreibung Amazon:
Brillanter Wissenschaftler, Meisterdetektiv, intergalaktischer Terrorist und Drache in Mittelerde.
Benedict Cumberbatch kam scheinbar aus dem Nichts wir dürfen live dabei sein, um ihn bei seinem unaufhaltsamen Weg an die Spitze zu begleiten.
Ruhm und Ansehen sind ihm gewiss, denn auch in kleineren Rollen schafft es der britische Gentleman, mächtig Eindruck zu hinterlassen. In Großbritannien ist sein Name längst Synonym für die Rolle, mit der ihm
den internationalen Durchbruch gelang Sherlock Holmes. In der TV-Serie brillierte er und erweckte diesen hochgradig leistungsfähigen Soziopathen zum Leben.
Doch kam Benedict Cumberbatch tatsächlich aus dem Nichts? Und wer ist dieser Mensch, der das britische Understatement mit dieser grandiosen Gelassenheit zur Schau stellt, nur um im nächsten Moment vor Emotionen zu explodieren?
Marc Halupczok zeichnet den Weg des Mimen in dieser Biografie nach, von den bescheidenen Anfängen als Theaterschauspieler zum preisgekrönten TV- und Filmstar. Unterstützt wird die Biografie von zahlreichen
großformatigen Bildern. Das perfekte Buch für den Liebhaber und Kenner!
Meinung:
Ein bisschen zu vollmundig, das Versprechen von Amazon. Gerade mal 125 Seiten stark, hat man diese fundierte Biografie recht schnell durchgelesen. Als großer Fan dieses vielseitigen Schauspielers und Ausnahmetalents habe ich allerdings auch nicht allzu viele Überraschungen und Offenbarungen erwartet. Wer einen Einblick über Cumberbatchs berufliches Schaffen gewinnen möchte, wird nicht enttäuscht.
Chronologisch aufgelistet und kurz kommentiert werden Inhalte von Theaterstücken, Radiosendungen und Fernsehrollen, die Benedict vor dem internationalen Durchbruch als Sherlock in der gleichnamigen BBC-Serie angenommen und gespielt hat.
Es mag überraschen, dass er 2003 an der Seite von "Dr. House" Hugh Laurie dessen Sohn in einer britischen Sitcom verkörperte - der wahre Fan hat "Fortysomething" (deutscher Titel "Dr. Slippery") schon längst auf DVD. Leider kamen mir in diesem Zusammenhang Hintergrundinformationen wie Privates, die Beziehung zu Kollegen und Anekdoten im Allgemeinen über den zurückhaltenden, aber sehr eloquenten Benedict Cumberbatch zu kurz. Dafür werden einige Dinge erwähnt (u. a. ein unangenehmer Zwischenfall in einer Londoner Parfümerie), die holprig geschrieben sind und auf die der Autor besser verzichtet hätte, wenn er schon nicht selbst dabei war.
Bewunderswert ist Benedicts Bescheidenheit trotz des durchschlagenden Erfolges in den letzten Jahren und seine Selbstironie (ich musste lachen, als er die private Filmaufnahme zu seinem ersten Tandemsprung beschreibt), die in Interviewausschnitten deutlich wird. Auch seine Einstellung zum Leben und die ihm gebliebene Bodenständigkeit verdienen Respekt und machen mir den Mann sympathisch. Ein wichtiger Auslöser, der zu dieser Einstellung führte, ist die Entführung in Südafrika bei Dreharbeiten im Jahr 2005, bei der er und zwei Kollegen nur knapp mit dem Leben davongekommen sind. Allerdings wird nicht näher darauf eingegangen - schade. Die Ehrlichkeit, mit der der Schauspieler über dieses einschneidende Erlebnis einer britischen Tageszeitung berichtet hat, wäre mehr als eine Seite im Buch wert gewesen. Zu den Bildern und Fotos muss gesagt werden, dass ich mir da eine sorgfältigere und bessere Auswahl gewünscht hätte - aber das ist natürlich Geschmacksache. Teilweise wird mir auch zu sehr auf Benedicts "exotischem" Aussehen herumgeritten.
Fazit: Für unbedarfte Fans und Neueinsteiger eine passable informative Quelle, die einem vor allem den Schauspieler bzw. seine Arbeit näher bringt. Der faszinierende Mensch hinter den Rollen bleibt im Buch ein wenig blass - nicht nur im bildlichen Sinn.
Bewertung: Für mich persönlich würde ich die Biografie bei zwei Sternen ansetzen, doch für den "durchschnittlich" Interessierten bietet sie einiges an solider Info und erhält daher gnädige drei Sterne.
Dienstag, 8. Oktober 2013
Heureka! Es ist da!
Mit fast dreiwöchiger Verspätung hat mich heute mein neues Buch erreicht. Das habe ich indirekt Benedict Cumberbatch zu verdanken, über den ich mir eine deutschsprachige Biografie bestellt habe, an der offensichtlich noch gefeilt wurde, ehe sie auf den neuesten Stand gebracht wurde und jetzt im Oktober erschienen ist.
Mit 490 Seiten ist das Buch nach "Vom Ernst des Lebens" und "Ausnahmsweise doppelgleisig" wieder mal ein richtiger Wälzer! Das Cover sieht so aus wie oben abgebildet (ich war mir nicht sicher, welches Bild verwendet wird), und sogar das Autorenfoto auf der letzten Seite, das mich auf einer Löwenstatue vor der Alten Pinakothek in München zeigt, ist trotz Anmahnung gut herausgekommen.
Ich bin immer noch tierisch aufgeregt, sobald ich ein eigenes Werk in den Händen halte, was sicher jeder nachvollziehen kann. Wahnsinn, wie viel Arbeit, Schweiß und vor allem Spaß am Tun darin steckt. Da ich die Geschichte erst kürzlich überarbeitet und mir vor allem am Format und dem Layout fast die Zähne ausgebissen habe, genieße ich momentan einfach, es bei mir stehen zu haben statt reinzulesen. Komplett ist mein Regal noch nicht - ich sollte wirklich mal alle meine Bücher auf einen Schlag bestellen und sie nicht verschenken oder verkaufen.^^
Die Biografie von Benny hat sich dagegen nicht wirklich gelohnt. Als notorisches Cumberbabe wusste ich den Großteil des mitunter eigenartigen Inhalts (auf einige allzu detailierte Infos hätte ich gut verzichten können - wer will schon erfahren, dass er als Jobber in einer Edel-Parfümerie schwer verschnupft das neu erworbene Eau de toilette von Schauspielkollegen Richard E: Grant versehentlich mit seinem Rotz (Zitat des Autors!) veredelt hat?), und die Fotos kenne ich auch bereits samt und sonders - ich finde sie nicht einmal wirklich toll. Da gibt es auf Tumblr bessere. Teilweise wirkt es eher wie ein Girlie-Fanbuch, obwohl der Autor angeblich männlichen Geschlechts ist.
Montag, 7. Oktober 2013
Warum ich meine Brille nicht mag...
Ziemlich hip, möchte man meinen. Harry Potter-Style. Aber ich verrate jetzt ein Geheimnis: ich trage sie kaum und konnte mich nie an sie gewöhnen. Vor allem draußen in freier Wildbahn war sie für mich ein echter Horror. Weniger, weil sie nicht kleidsam wäre, sondern einfach, weil sie mich dann extrem beeinträchtigte und ich das Gefühl hatte, sie immer zu verlieren. Darum war ich froh, als ich mir Kontaktlinsen anpassen lassen konnte. Anfangs bin ich zwar stundenlang zu "I did it my way" in der Früh vor dem Handspiegel gesessen und habe mit den glitschigen Dingern herumgepfriemelt, aber mittlerweile kann ich sie - die Macht der Gewohnheit - notfalls ohne Spiegel einsetzen.
Zur Zeit laboriere ich an einer Augenentzündung und muss zwangsläufig auf meine alte Brille zurückgreifen, um die Hornhaut zu schonen. Die Kommentare von Freunden und Bekannten, die mich nur *oben ohne* kennen, bleiben dann natürlich nicht aus. Die Bemerkung "Du siehst aus wie eine Lehrerin" schmeichelt mir kein bisschen. Vielleicht bin ich da empfindlich, weil meine bebrillten Lehrerinnen alle keine guten und dafür sehr streng waren - außer meine erste in der ersten und zweiten Klasse. Manche halten das ja für ein Kompliment. Ich find's irgendwie doof, vor allem, wenn man es mehrmals täglich verdauen muss. Überhaupt. Was man nicht alles zu hören bekommt, wenn man mit einem ungewohnten Accessoire auftritt. Seit vier elenden Tagen renne ich damit herum, und heute habe ich zum ersten Mal ein ermutigendes "Hey, die steht dir echt gut!" zu Ohren bekommen.
Samstag, 5. Oktober 2013
Passend zur Jahreszeit: Der Club der toten Dichter
Gestern lief "Der Club der toten Dichter" auf ZDFNeo. Ich weiß nicht, ob es an der deutschen Fassung lag oder daran, dass "Carpe Diem" überstrapaziert wurde, dass ich ihn auf einmal nicht mehr so mochte. Vieles kam mir zu plakativ vor, u. a. der Schauspieler, der Knox Overstreet spielt (den ich süß fand, früher). In seiner Schwärmerei zur Parodie einer High School-Cheerleaderin, die klischeebehaftet und zu allem Übel mit einem fäusteschwingenden Muskelprotz verbandelt ist, wirkt er einfach nur peinlich. Kann man nicht mal stehen lassen, dass das Mädel schwülstigen Gedichten nichts abgewinnen kann? Mir kam es so vor, als hätte sie Knox nur deshalb erhört, weil er - durch den Lehrer Keating ( Robin Williams) mit dem "Carpe Diem"- Virus infiziert - hartnäckig um sie wirbt und dabei verzweifelt aufdringlich wirkt. Quasi aus Mitleid. Egal, was Keating über Frauen und Gedichte sagt (übrigens auch ein böses Klischee): So einen würde ich gleich in den Wind schießen.
Und die deutschen Stimmen der Jungs klangen richtig blöde. Übertrieben großspurig und dramatisch. Klar, sie sind siebzehn, da sind Buben so. Zumindest hier. Nicht unbedingt in Neuengland. Ich kann mich erinnern, dass sie in der Originalfassung allesamt erwachsener und weniger laut scheinen.
Gestört hat mich auch die aufgeregte Performance von Neil Perry als "Puck" - unter schauspielerischem Talent verstehe ich etwas anderes. Wahrscheinlich war wieder die Synchro schuld, denn Robert Sean Leonard ist an sich ein professioneller Theaterdarsteller und war es schon damals mit Anfang Zwanzig. Goldig sah er aus, richtig herzzereißend im unterlegenen Clinch mit dem verbohrten Vater, der nur das Beste für seinen Sohn wollte und ihn letztlich zu einer folgenschweren Entscheidung treibt. Da musste ich wirklich schlucken.
Traurig fand ich, dass mir zum ersten Mal klar wurde, wie schwer es Neues hat, vor Altem - in diesem Fall der Tradition des alterwürdigen Internats und des veralteten Schulsystems - zu bestehen oder gar ohne Aggression dagegen anzugehen. Mr. Keating hat nichts Falsches getan.
Das weiß er auch, sonst würde er die Schule nicht mit dem heiteren Lächeln eines weisen Buddhas und inbrünstig hervorgestoßenen "O Captain, mein Captain!"- Rufen im Rücken verlassen, und dennoch wird sich nichts ändern in Welton und an den vorbestimmten Anwalts- und Ärztekarrieren der Schüler. Vielleicht spricht die Klasse noch mit großer Ehrfurcht vom schrulligen Querdenker, aber bald wird sie die Hierarchie wieder einholen. Das hat sie eigentlich bereits, als ausnahmslos alle Schüler mehr oder weniger freiwillig Keatings "Strafversetzung" unterschrieben haben.
Ein nachdenklich stimmender, aber nicht besonders ermutigender Film für Individualisten und Weltverbesserer. Weil ich ihn im Original einer Fünf-Sterne-Wertung für würdig erachte, ziehe ich nur einen Stern ab. Und jetzt mach' ich Carpe Diem. Cheerio!
Bewertung:
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Winter wird's... *schnüffi*.
Viele denken jetzt mit Freude an wohlig warme Stricksocken, leckere Kürbis-Suppe, Kerzenlicht und lauschige Abende vor dem Kamin bzw. dem Fernseher oder hinter ihren Büchern, die vielleicht in den Sommermonaten zu kurz gekommen sind. Und dann dauert es ja auch nicht mehr lange bis Weihnachten - das Wichtelfieber hat bereits um sich gegriffen, zumindest online. Kaum versieht man sich, gilt es, Listen anzufertigen, Plätzchen zu backen und Adventskalender und Geschenke für die Lieben zu besorgen und zu basteln.
Insofern hat die kalte Jahreszeit sicherlich positive Seiten. Aber ich kann mir nicht helfen: ich hätte am liebsten das ganze Jahr über Sommer, wo ich barfuss oder in Flipflops und Shorts ins Schwimmbad schläppeln kann und mir keine großen Gedanken machen muss, was ich tagsüber anziehe und nachts im Schlafzimmer bei geöffnetem Fenster ungeniert die Laken durchschwitze. Klingt komisch, ist aber so. Außerdem feiert meine Familie kein Weihnachten, nicht im traditionellen Sinn mit Geschenken und Tannenbaum. Einerseits ist es ganz entspannend, sich dem Konsumstress zu verweigern und einfach faul zu sein; andererseits gäbe es schon ein paar Dinge, die ich mir wünsche - manchmal auch ein bisschen weihnachtliche Stimmung oder schnöde materielle Geschenke. Allerdings muss ich von Büchern vorerst Abstand nehmen, oder mein SUB (Stapel ungelesener Bücher) wächst wie einst der Turm zu Babel. In diesem Jahr habe ich so wenig gelesen wie selten vorher. Dafür gab es ein paar literarische Schmankerln, die in englischer Sprache erschienen sind und mir in meinen Mußestunden schon Spaß gemacht haben, auch wenn sie bis auf zwei oder drei Ausnahmen storytechnisch nicht besonders anspruchsvoll und zuweilen auch fast unerträglich *sappy* und / oder vorhersehbar waren.
Ein paar Kisten voll von deutschsprachigen Büchern, CDs und DVDs habe ich dieses Jahr rigoros aussortiert. Ich finde es trotz meiner Hoarder-Neigung immer sehr befreiend, Platz zu schaffen und sie somit zu überlisten. Vergangenes Wochenende hatte ich einen kleinen Flohmarkt im Hof organisiert und erstaunt festgestellt, dass Bücher nicht so begehrt waren wie Filme und Musik. Ich bin seit Jahren auf Trödel- und Flohmärkten unterwegs - meine sehr gut bis wie neu erhaltenen Bücher waren bisher meist der Renner. Bedeutet das letztlich doch, dass das ebook auf dem Vormarsch ist? Täte mir irgendwie leid. So wie der Rückzug des Sommers. Aber zum Glück kommt der ja wieder.
Bildquelle: suju / Pixabay
Montag, 30. September 2013
Gepflegte Langeweile ~ Brideshead Revisited
Insgesamt gibt es an die sechs oder acht Folgen in Spielfilmlänge (mir kommt's länger vor), in denen rein gar nichts passiert. Wen interessieren schon die Problemchen der Upper Class, zu der Charles Ryder (Jeremy Irons) und sein bemitleidenswert erzkatholischer Intimus Lord Sebastian Flyte (Anthony Andrews) zählen? Mich nicht. Einfach nur furchtbar langweilig. Ich werde die Serie wohl abbrechen, nachdem ich mich mühsam zum Ende der zweiten Folge gequält habe. Obwohl mir Charles eigentlich recht sympathisch ist und ich Männerfreundschaften sehr interessant finde, werde ich mit den Charakteren nicht warm. Sebastian und sein komischer Bär gehen mir auf die Nerven, aber das ist noch gar nichts gegen die latent schwule Gesellschaft, in der sich Bär und Mann bewegen. Scheinbar sind alle Studenten in Oxford homosexuell und mehr oder weniger heimlich in ihresgleichen verliebt. So jedenfalls klingt es, wenn man Charles Ryder in blumigen Ausdrücken über den kindischen Lord sinnieren hört. Nicht falsch verstehen - ich mag England um die Edwardianische Epoche herum, und ich mag es auch, wenn Männer offen zu ihren Gefühlen stehen. Aber dieses Schwülstig-Verklemmte, das in der Serie und vielleicht auch in der Buchvorlage dominiert, ist echt zu viel des Guten.
Und nebenbei bemerkt: Die Väter der beiden - dargestellt von den lorbeerbekränzten Recken Sir Laurence Olivier und Sir John Gielgud (Mr. Ryder senior) wirken wie Karikaturen auf mich, und ich kann von Glück sagen, dass beide nur kurze Auftritte haben.Merkwürdig, wie anders und glaubwürdiger ich dagegen den Großen Gatsby fand. Auch da ging es um die Oberschicht, und trotzdem war das Thema interessant und unterhaltsam aufbereitet. Etwas, das ich von "Brideshead" leider nicht sagen kann. Haben die beiden denn nun oder haben sie nicht...? Natürlich muss es nicht zwangsläufig so sein. Freundschaft kommt in den unterschiedlichsten Facetten, so dass ich selbst Sebastians Eifersucht ein bisschen nachvollziehen kann und verstehe, weshalb er Charles von seiner ach so makellosen Familie fernzuhalten versucht. Dass Charles Schwester Julias Charme erliegen wird - weil sie ihn an ein weibliches Pendant von Sebastian erinnert - ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
Freitag, 27. September 2013
Der große Gatsby (1974 / ohne Leo, aber trotzdem sehenswert)
Eines vorweg: Robert Redford ist absolut nicht mein Typ, weder in "jung" noch in alt, und mit konventionellen Liebesgeschichten mit Happy End kann ich genauso wenig anfangen. Aber ich bin fasziniert von den Roaring Twenties und der Zeit davor. Und ich war es auch von Scott F. Fitzgeralds Roman "Der große Gatsby", den ich in meinen Teenagerjahren mehrmals gelesen habe, um mir daraufhin die Verfilmung anzusehen (auch mehrmals), obwohl ich die zum Gähnen fand.
Das Remake von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio hat mir den Film wieder ins Gedächtnis zurückgerufen. Angeschaut habe ich ihn mir nur ausschnittweise, wobei ich glaube, dass DiCaprio seine Sache ganz gut macht. Aber irgendwie sind mir Baz Luhrmann-Filme im Allgemeinen zu laut und zu grell.
Es hat ja schon seinen Reiz, Filme nach langer Zeit noch einmal zu gucken, um zu prüfen, ob man sie heute anders versteht als beim ersten Mal. Lustigerweise konnte ich mich trotz Überlänge an jede Szene erinnern, und einige Dialoge sogar auswendig hersagen.
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Michael_Luenen / Pixabay |
Es braucht eine Weile, bis man sich an den geschraubten Erzählstil von Gatsbys neu zugezogenem Nachbar und Daisys Cousin Nick Carraway gewöhnt hat, und manche Einstellungen wie z.B. Gatsbys Rendezvous mit Daisy am Schwanenteich und dem gefühlt stundenlangen, unromantischen Saugkuss (Videoclip-Charakter!) hätte man sich sparen können. Aber von seiner Tragik hat die Figur Gatsby nicht verloren - im Gegenteil. Tragisch und bezeichnend war bei letzterwähnter Szene übrigens auch, dass er sich in seine alte Uniform zwängen musste, um von Daisy bewundert werden zu können.
Wie gesagt, ich mag Robert Redford nicht und finde ihn als Schauspieler und vor allem Womanizer ziemlich überschätzt.
Als Nick Carraway zu dieser Feststellung gelangt, ist es für Gatsby bereits zu spät. Und irgendwie war das noch tragischer, als wenn sie es ihm selbst unverblümt ins Gesicht gesagt hätte. Gatsbys gesamtes freudloses Leben bestand aus Illusionen und der Anstrengung, Daisy durch angehäuften Reichtum und Protzigkeit für sich zu gewinnen - um jeden Preis. Dabei schreckt er auch vor Peinlichkeiten und Offenbarungen nicht zurück, während denen man sich innerlich windet. Wie kann man nur so hohl und naiv sein, fragt man sich als Zuschauer nicht nur ein Mal. Und ist doch schockiert, wie ihm seine Naivität schließlich gedankt wird.
Der Erzähler Nick Carraway bringt es auf den Punkt, nachdem Gatsby sich kurz vor dem "Attentat" mit Nick für den Nachmittag verabredet. They're a rotten crowd. You're worth the whole damn bunch put together, sind seine letzten Worte an ihn. Spätestens da merkt man, dass Gatsby in der hartherzigen, kalten, vergnügungssüchtigen Welt der Zwanziger Jahre keinen Platz mehr hat und seine Ideale veraltet und zum Scheitern verurteilt sind. Von daher überraschen einen die folgenden Minuten nicht mehr allzu sehr.
Oder vielleicht habe ich den Film schon zu oft gesehen, um mich noch überraschen zu lassen. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Ich war schon überrascht. Nämlich davon, dass ich ihn besser fand als die paar Male davor.
Einen Extra-Stern gibt es für die fantastisch authentische Ausstattung und die mutigen Outfits von Robert Redford.
Bewertung:
Donnerstag, 26. September 2013
Au revoir, les enfants ~ Auf Wiedersehen, Kinder
Von diesem Film habe ich zum ersten Mal gehört, als ich las, wie Quentin Tarantinos Freundin ins Kino wollte und ihm den Titel des Filmes nannte. Tarantino - wenig bewandert mit französischer Cineastenkost - verstand statt "Au revoir les enfants" "Reservoir Dogs", und der Rest ist Geschichte...
Etwas zu dem Film zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Der Regisseur Louis Malle arbeitet damit eine Kindheitserinnerung bzw. ein Trauma auf, das er ähnlich erlebt hat, und das im Rückblick erstaunlich distanziert aus der Sicht eines Zwölfjährigen. Trotzdem brach er bei der Premiere des Films 1987 in Tränen aus.
Handlung: Im Jahr 1943 wird der Jude Jean Kippelstein unter dem Namen Bonnet auf einem katholischen Jungeninternat versteckt. Seine wahre Identität wird erst spät von dem aufgeweckten Julien Quentin entdeckt, doch schon lange vorher erregt der fremde, verschlossene Junge Juliens Neugier. Sehr zögerlich und ruhig erzählt, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die für den Zuschauer nicht immer unbedingt zu sehen ist, da den zweien trotz aller Unterschiede eines gemeinsam ist: sie zeigen keine überschwänglichen Gefühle. Trotzdem spürt man, dass Julien Jean bewundert für Begabungen, die der wortgewandte, selbstbewusste Julien nicht hat: Klavier spielen und Mathematik. Beide teilen zudem eine Vorliebe für klassische Jugendliteratur.
Bei einer "Schatzsuche" im Wald von Fontainbleau, während der sie den Anschluss zu den anderen verlieren, kommen die zwei sich näher, und zugleich auch in eine für Jean brenzlige Situation, der sie mit viel Glück entkommen. Doch immer wieder kreuzen französische Milizen und deutsche Soldaten im Internat auf, um zu überprüfen, ob dort auch alles "mit rechten Dingen zugeht".
Am Ende verrät Julien seinen Freund unbeabsichtigt durch einen flüchtigen Blickkontakt. Das Internat wird geschlossen, und der Leiter Pater Jean, Bonnet und zwei weitere jüdische Flüchtlinge werden verhaftet.
Meinung: Ich mag diesen Film. Leicht anzuschauen ist er gewiss nicht, und man fragt sich - wie so oft - warum es so weit kommen konnte. Doch wahrscheinlich kann man sich die Zeit nicht vorstellen, wenn man lange nach den 1940er Jahren geboren wurde. Gewusst haben es sicher viele, es jedoch nicht riskiert, ihre jüdischen Nachbarn und Freunde zu beschützen aus Angst, selbst ins KZ zu kommen, so wie der mutige Pater Jean.
Als wohltuend empfand ich die konsequent ruhige, unaufgeregte Erzählweise trotz des dramatischen Themas. Die beiden jungen Hauptdarsteller berühren und überzeugen in ihren Rollen. Auch die weiteren Schauspieler gefielen mir gut - selbst der zwielichtige Küchenjunge Joseph, der einen Schwarzhandel betreibt, und auch Juliens etwas süffisant wirkender großer Bruder Francois haben ihre Momente. Dass dem Zuschauer gegen Schluss die Tränen in den Augen stehen wie Julien, ist kein Grund zum Schämen.
Fazit: "Auf Wiedersehen, Kinder" ist großes Kino, ohne zu intellektuell zu wirken oder zu moralisieren. Schwere Kost, und leider nimmt es - dem Lauf der Geschichte folgend - kein gutes Ende. Ein schwacher Trost ist da, dass der echte Jean Kippelstein das KZ überlebt hat. Dennoch würde ich den Film weiterempfehlen ( er wurde übrigens, anders als die Fotos vermuten lassen, in Farbe gedreht).
Bewertung:
Mittwoch, 25. September 2013
Feinarbeiten
Da ich gerade hauptsächlich englische Bücher lese, wäre ein Kindle mit Übersetzungshilfe schon sehr praktisch und hilfreich. Mal sehen, vielleicht erbarmt sich ja der Weihnachtsmann oder ich mich selbst schon früher...^^
Und das hier finde ich sehr atmosphärisch. Es passt zu der Geschichte eines abgelegenen, mysteriösen Anwesens, das von einem despotischen Lord und seinen vier unterschiedlichen Söhnen bewohnt wird und auf dem Besucher alles andere als willkommen sind.
Der ursprüngliche Einband (kann man das bei einem ebook so nennen?) war nicht schlecht, aber jetzt schaut es m.M. nach besser und professioneller aus.
Außerdem experimentiere ich ja so gern... allerdings sollten die Cover jetzt so bleiben, ehe ein ständig wechselndes Design für Verwirrung sorgt.
Sonntag, 22. September 2013
Teilnehmen oder (ein) Teil nehmen?
Ich gebe zu, ich bin mitunter von gestern. Eine von denen, die noch die alte Rechtschreibung gelernt und sich lange gegen die neuen Regeln gesträubt haben. Auch war ich ein großer Scharf-S-Fan, das nun bis auf wenige Ausnahmen (nämlich bei langem Vokal) ausgedient hat. Richtig einleuchten wollte mir das nie - was für einen Autor freilich nicht eben günstig ist. Glücklicherweise habe ich jemanden kennengelernt (kennen gelernt?), der mir das *ss* und das *ß* sehr gut erklärt hat, als mir klar wurde, dass ich die neuen Regeln befolgen möchte. Schließlich will man nicht verstaubt erscheinen, und für einen Klassiker hat (noch) keines meiner Bücher das Zeug.
Einige Regeln sind aber nach wie vor verwirrend. Die der Zusammen- und / oder Getrennt-Schreibung, zum Beispiel. Ich weiß nicht, warum man dazu übergegangen ist, fast alles auseinander zu schreiben, und weshalb es dann doch wieder Ausnahmen gibt, die man lernen muss. Auch die Großschreibung von "Es tut mir Leid" (weil ich dir Leid angetan habe) oder "Er hat Recht" (Das Recht ist auf seiner Seite) erscheint mir merkwürdig. Ist das überhaupt noch aktuell, oder darf man mittlerweile wieder minimieren ohne den Rotstift zu kassieren? Warum wird aus Greuel *Gräuel*? Stammt es von Grau ab?
"Schnäuzen" finde ich auch furchtbar, allein schon deshalb, weil sich jedesmal (jedes Mal!) beim Lesen eine dicke schnaufende Walross-Antje vor mein inneres Auge hievt. Da macht es keinen Unterschied, ob sich ein zierliches elfenhaftes Wesen oder ein seehundartiger Herr die Nase putzt... sorry, das ist einfach respektlos und fast unfreiwillig komisch.
Ach ja. Es ist halt so. Und irgendwie wäre es auch öde, wenn alles immer gleich bliebe. Wie gesagt, mit dem Doppel-S habe ich mich angefreundet. Und ich will nicht sagen, dass die Rechtschreibre-reform sinnlos wäre. Verwirrend schon, aber sinnlos? Eigentlich nicht. Trotzdem bin ich froh, dass ich kein Deutschlehrer geworden bin. Ich könnte "Schnäuzen" nicht mit meinem Sinn für Ästhetik vereinbaren.
Bildquelle: geralt / Pixabay
Freitag, 20. September 2013
Thor. Hammermäßig oder der Versuch einer Rezension
Furchtbar, was dann alles angeguckt wird. Die Terror-Teenies auf Sat.1 waren bisher die Krönung, und trotzdem finde ich das gestellte, nach dem gleichen Muster ablaufende Format ganz interessant... was mich zur Überleitung meines eigentlichen Themas bringt, sowohl die Terror-Kids als auch das widerwillig Interessante.
Ich habe mir "Thor" mit Chris Hemsworth, Anthony Hopkins und Tom Hiddleston angeschaut. Eigentlich ein ganz untypischer Film für mich: Aufwändiger Hollywoodblockbuster mit viel Action, viel Computereffekten, wenig Dialog und wenig Tiefe auf den ersten und auch zweiten Blick. Chris Hemsworth wurde vermutlich ausgewählt, weil der Regisseur Kenneth Branagh inzwischen zu alt ist, um seine Eitelkeit auf der Leinwand zu befriedigen (Mann, bin ich fies! Trotzdem - er sieht ihm irgendwie ähnlich, oder?)
Jedenfalls fand ich den Film überraschenderweise recht gelungen. Schrilles, unterhaltsames Popcorn-Kino, fast so wie "Pirates of the Caribbean". Hauptsächlich war das Anthony Hopkins als Odin und Tom Hiddleston als Loki zu verdanken. Komisch, dass mir die zwielichtigen bis fiesen Gestalten in Film und Literatur oft viel besser gefallen. Mit der nordischen Göttersage kenne ich mich zwar nicht aus, aber das war auch kein Manko - erstens lernt man ein bissl was darüber, und zweitens hat sich Kenneth Branagh vieles ausgedacht - Loki und Thor sind in der Sage keine Brüder; noch nicht mal entfernte Verwandte. Macht aber gar nix. Der Dramaturgie hat der böse, listige Adoptivbruder des etwas tumben Thor gut getan. Ein bisschen eigenartig wirkte der Kontrast von Hemsworth' ausgeprägt australischem Englisch und Hiddlestons etwas halbseidener "british stiff upper lip". Andererseits hat das auch wieder zu den Charakteren gepasst, die sie jeweils verkörpern.
Die Idee, dass Thor auf die Erde *verbannt* wird, fand ich ebenfalls gut. Klar, wenn Halbgötter sich auf der Erde zurechtfinden müssen, kommt es zu klischeehafter Situationskomik, aber gestört hat sie mich nicht. Was ich dagegen nicht mochte, war die seltsame Liebesbeziehung zwischen Thor
Loki alias Tom Hiddleston war allerdings Klasse! Es war der erste größere Auftritt von ihm, den ich gesehen habe, und er hat mich dann doch überzeugt. Spätestens nach seinem erst weinerlichen und dann wüsten Gekreische, als er Odin vorwirft, stets Thor bevorzugt zu haben und Loki als Druckmittel gegen die Eisgiganten zu benutzen (hieß das Volk so? Ich fand es ziemlich unlogisch, dass Loki von Frostbeulen abstammt, wenn er der Überlieferung nach der Gott des Feuers sein soll. Naja, Schwamm drüber), war mir klar, dass ich mir bestimmt auch den zweiten Teil ansehe, der Ende Oktober ins Kino kommt.
Alles nicht neu, aber manchmal brauchen auch alte Geschichten neue Aufgüsse. Außerdem wiederholt sich alles irgendwann wieder, besonders die Klassiker. Und wenn sie in so poppigem Gewand und mit einem echt finsteren, aber auch tragischen Schurken verpackt werden, vergebe ich als Anti-Blockbuster-Fan großzügig vier Sterne.
Dienstag, 17. September 2013
Alte Schachteln - gar nicht unansehnlich!
Genau das haben wir vor Kurzem gemacht, und das Ergebnis ist so umwerfend, dass ich es hier auf meinem Blog teilen möchte.
Die Grundidee zu den Schachteln entstand beim Aufräumen. Da stießen wir auf massenhaft Pappschachteln, in denen früher Porzellanpuppenteile aufbewahrt wurden (Schuhkartons eigenen sich auch bestens zum Bekleben). Eigentlich ein Fall für den Container. Aber dann fielen uns gemusterte Stoffreste vom Patchwork und Flicken in die Hände, die zum Wegschmeißen viel zu schade waren, aber zu klein für Marmeladentöpfchen, geschweige denn um noch etwas daraus zu nähen.
Inmitten von Dekopapieren, Stoff-Fitzelchen, Bordüren und Postkartenmotiven von Engeln, Elfen und nostalgischen Gebrauchsgegenständen haben wir gewütet, was das Zeug hielt und hergab. Neu gekauftes Material braucht es dazu nicht - alles, was wir mit Acrylfarbe angestrichen und mit verdünntem Holzleim zu einem Ganzen zusammengefügt haben, sind Sachen, die seit Jahren keine Verwendung mehr fanden.
Sieht doch klasse aus! Ich bin leider kein Meisterfotograf, was das Ablichten von Details angeht. In echt sind die Schachteln noch eindrucksvoller. Jede ist natürlich ein Unikat, und das Wichtigste: Man hat in ihnen wieder viel Platz, um neue Lieblingsstücke zu verstauen. (O;
Sonntag, 15. September 2013
Roman Nr. 6
Eigene Exemplare muss ich allerdings erst ordern - so neu ist das Buch noch. Ich bin mir gar nicht sicher, ob das Cover der hier abgebildeten Printausgabe authentisch ist. Gefallen tun mir beide.
Das Genre lautet nun "Historisch / Fiktiv". Zugegeben, besonders aussagekräftig ist das erst mal nicht. Ich würde es trotzdem als historischen Psychothriller bezeichnen, denn es geht in der Hauptsache darum, wie sich eine Gruppendynamik drehen kann und wie abhängig die Clique - in diesem Fall ein paar weltfremde Schauspieler - von ihrem Anführer werden kann.
In "Ein Spiel zu viel" führt die Unstimmigkeit der Truppe zu einer dramatischen Wende der Ereignisse. Was wie ein harmloser Sommerurlaub beginnt, endet mit Konsequenzen für alle Beteiligten.
Wichtig sind mir dabei auch Charakterstudien der einzelnen Figuren und ihre Beziehung zueinander. Ich liebe es, mich mit menschlichen Abgründen und ihren Ursprüngen zu befassen und Charaktere zu erfinden, die ihre Macken haben und zuweilen völlig verrückt wirken. Bei den Schauspielern konnte ich mir zudem hin und wieder ein gewisses Maß an fast übertriebener Dramatik erlauben, das mir riesig Spaß gemacht hat.
Freitag, 13. September 2013
Back to the 70s ~ "Schach dem Roboter"
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Alexandra_Koch / Pixabay |
Behalten werde ich ihn trotzdem. Der Roboter, in dem sich das Hirn eines Schachgenies verbirgt (wer hätte es gedacht?), das zu Lebzeiten mit einer virtuosen Pianistin verlobt war, war nämlich gelungen. Nicht mehr so unheimlich wie in Dänemark, aber niedlich. Anrührend, wie er zwar ohne Herz, aber immerhin mit Hirn, seine Verlobte erkannt hat und sie vor dem selben Schicksal bewahren wollte.
Fazit: Muss man nicht gesehen haben. Trotzdem war es recht nette Unterhaltung und mal wieder ein tiefer Griff in die Nostalgiekiste.
Bewertung:
Mittwoch, 11. September 2013
Jahrestag ~ World Trade Center Anschlag
Vermutlich wissen die meisten noch, was sie gerade gemacht haben oder wo sie waren, als sie vom dem furchtbaren Anschlag auf das World Trade Center in New York erfuhren - die deutlichste Kriegserklärung des Islamismus an die westliche Welt.
Ich habe damals gerade im Lager unseres Ladens Naturbast in Bündeln abgepackt - nicht gerade die dankbarste Arbeit. Eine Kollegin kam herein und sagte in alarmierendem Ton: "Weißt du, was mir Kunde X gerade erzählt hat?"
Zuerst musste ich ernsthaft nachdenken, welches Datum wir hatten, da ich an einen Aprilscherz geglaubt hatte. Schon komisch. Doch als ich im Verkaufsraum war, waren bereits hitzige Diskussionen und Spekulationen im Gang - das zweite Flugzeug war, wenn ich mich recht erinnere - noch nicht eingeschlagen. Und trotzdem schien man schon zu ahnen, welche Konsequenzen der Anschlag nach sich ziehen würde.
Ich dachte beklommen an die vielen Menschen, die im World Trade Center arbeiten und an die Insassen des Flugzeugs und wie schrecklich das alles war - um zu bedenken, welche weltweite Bedrohung der Vorfall darstellte, dazu war ich politisch noch zu unbedarft. Zumindest in dem Augenblick.
Zuhause ließ ich bewusst den Fernseher aus. Was aber nicht viel gebracht hat: man hörte es überall, die Hiobsbotschaft von den ins World Trade Center crashenden Flugzeugen, die Flugzeugentführung zum Pentagon, bei der es ebenfalls viele Todesopfer zu beklagen gab. Tagelang. So lange und ausdauernd, dass ich irgendwann doch den TV eingeschaltet habe.
Besonders schlimm und tragisch hat sich mir die Szene der freiwillig aus dem Gebäude springenden Menschen eingeprägt und das verzweifelte Winken mit Tüchern, um die Rettungskräfte auf sich aufmerksam zu machen. Dass die Amateurvideos und Stimmaufnahmen mit Enyas "Only Time" unterlegt wurden, hat es nicht erträglicher gemacht (und ich kann die Künstlerin verstehen, dass sie deswegen "sauer" ist - auch wenn der Song Mut gibt und es das war, war gerade gebraucht wurde. Dennoch assoziiert seitdem jeder, der alt genug ist oder nicht hinterm Mond lebt, dieses schöne Lied mit dem schrecklichen Ereignis).
Und tatsächlich hat der gewaltsame und unerwartete Fall der Symbole der westlichen Welt zumindest nach meiner Meinung einen Zeitenwechsel eingeläutet. Nicht der viel verabscheute Euro, nicht das Millenium. Es war der Einsturz der Twin Towers. Danach war nichts mehr wie vorher. Weil wir gemerkt haben, dass westliche Werte nicht unangreifbar sind. Dass es Menschen gibt, die soviel Hass darauf schüren, dass ihnen ihr eigenes Leben und tausende andere völlig egal sind, wenn sie nur auf ihr Ziel hinarbeiten, westliche Ideale zu zerstören.
Heute jährt er sich der Angriff zum zwölften Mal. Ich möchte nicht monieren oder philosophieren, aber doch an die vielen Opfer erinnern, die so sinnlos am 11. September 2001 starben. Und beten und hoffen, dass etwas Vergleichbares nie wieder passiert.
Bildquelle: FrankWinkler / Pixabay
Samstag, 7. September 2013
Furchtlos zum Himmel
Heute würde ich vielleicht ein paar Kleinigkeiten anders machen, das ist ja oft so, wenn man auf seine Anfänge zurückblickt. Aber ich denke auch ein bisschen mit Wehmut daran.
Ich bin quasi mitgeklettert bei dieser Geschichte, und das Gefühl, richtig einzutauchen in eine fremde Welt und völlig darin zu verschwinden, vermisse ich irgendwie. Was soll's, wenn einige Situationen zugunsten der künstlerischen Freiheit etwas zu dramatisch sind oder sich Begebenheiten ereignen, die sich *in echt* vermutlich nicht so abgespielt hätten.
Hauptsache ist, dass mein Roman gut unterhalten hat und er von etwas erzählt, das ungewöhnlich ist.
Im Gros basiert die Geschichte tatsächlich auf Fakten. Die männlichen Charaktere sind für heutige Verhältnisse vielleicht in manchen Belangen ein wenig zu soft, und trotzdem waren das echte Kerle, die von einem einzigen Ziel beseelt das Unmögliche möglich zu machen versuchten.
Jedenfalls bin ich sehr happy über die Rezension! Danke schön, Pandi!