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Freitag, 28. Juni 2013

Übertrieben!

Hm, tja. Ich neige leider zum Extremen. Vor etwa einem Monat habe ich ja angefangen, auf meiner Wii herumzuzappeln, und zwar durchschnittlich eine Stunde pro Tag. Ich bin nach wie vor begeistert von den vielen Möglichkeiten und der Genauigkeit, mit der das Gerät diverse Körperfunktionen, den Schwerpunkt und das Gewicht misst (den Körpertest mache ich allerdings nicht so gern - die Übungen für die motorischen und geistigen Fähigkeiten überfordern mich oft... (O;). Meine Lieblingsspiele sind derzeit "Kung Fu" und der "Spielmannszug" - etwas, das ich am Anfang Null gerafft habe, weil mein Rhythmusgefühl quasi nicht vorhanden war. Da habe ich also schon eine Verbesserung erfahren, ebenso wie bei einigen Koordinationsspielen.

Die Yoga-Posen sind immer noch kein Honigschlecken; mit anmutiger Kraft habe ich es nicht so sehr (ist das nicht ein Paradox?). Vor allem die anspruchsvollen, auf einem Bein oder den Zehenspitzen ausgeführten fallen mir schwer, und Instabilität nach all der schweißtreibenden Mühe bescheinigt zu bekommen, ist nicht gerade motivierend, es weiter zu versuchen. Aber Übung macht bekanntlich den Meister, gell? Außerdem muss ich ja kein Guru werden. Und den herabschauenden Hund bekomme ich ganz gut hin, wenn erst mal endlich meine Fersen ansatzweise den Boden berühren.


Uffzi... gleich... gleich hab' ich's!


Meine bevorzugte Yoga-Pose ist allerdings der Sonnengruß - weil ich da meist gelobt werde und ihn tatsächlich gerne mache. Auch wenn ich derzeit umsonst grüße - die will sich einfach nicht von ihrer wärmsten Seite zeigen.

Worauf ich eigentlich hinauswollte - mein persönlich zusammengestelltes Trainingsprogramm aus Muskel- und Yogaübungen ist wider meinen Ansichten doch noch ausbaufähig: Das "Klappmesser", bei dem ich regelmäßig Lob meines virtuellen Trainers eingeheimst habe ("Du machst es klasse!"), hätte ich wohl besser auf einer speziellen Turnmatte ausgeführt. Vorgestern habe ich nämlich festgestellt, dass meine Rückenwirbel eklig aufgescheuert sind, weil der Boden für diese Übung einfach zu hart ist. Das tut schon ziemlich fies weh und eitert sogar ein wenig - auf ein Foto verzichte ich an dieser Stelle mal lieber.

Ich habe das Klappmesser jetzt gelöscht und durch das Horizontale Stretching ersetzt, bis der Rücken verheilt ist. Danach schaffe ich mir eine Isomatte an, auch wenn die sich auf meinem Orientteppich recht unvorteilhaft ausnimmt.






Bildquelle Yogakatze: jonathansautter / Pixabay




Dienstag, 18. Juni 2013

"Das vergessene Kind" ~ John Matthews

Manchmal habe ich richtig Glück: Diesen über 500 Seiten spannenden Krimi habe ich von einer lieben Nachbarin bekommen, die gelegentlich gebrauchte Bücher bei mir vorbeibringt, damit ich sie entweder lese oder zu Kleingeld auf Booklooker mache. Letzteres ist bei ihren Büchern meist der Fall, da es sich bei der Lektüre im Gros um Frauenliteratur oder stark politisch gefärbte Thriller handelt. Beides nicht so wirklich mein Genre. 





Handlung und Meinung: "Das vergessene Kind" von John Matthews hat jedoch meine Neugier geweckt - es geht nicht um Liebesgedöns und politische Verschwörungen (nicht vorrangig, zumindest), dafür um einen mysteriösen elfjährigen Jungen, der bei einem Verkehrsunfall Mitte der 1990er Jahre seine Eltern verliert und während der Therapie unter Hypnose durch einen Psychologen beginnt, Französisch im südlichen Dialekt zu sprechen, ohne die Sprache zu kennen. Das soll es tatsächlich geben: man nennt dieses Phänomen "Xenoglossie." Der englische Junge, Eyran, erzählt von einem weiteren Buben in seinem Alter, der in seinen Träumen verspricht, Eyran zu helfen, die Eltern zu finden, mit deren Tod sich Eyran nicht konfrontieren will. "Gigo", wie er seinen Freund bezeichnet, hat scheinbar dasselbe Schicksal erlitten und fühlt sich solidarisch mit Eyran. 

Der Psychologe Lambourne bittet eine Parapsychologin aus den Staaten um Hilfe, und bald finden sie heraus, dass es keineswegs Unsinn oder Geltungssucht ist, was Eyran unter Hypnose erstaunlich detailliert berichtet: 1963 wurde "Gigo" unter nie aufgeklärten Umständen in einem Weizenfeld vergewaltigt und so schwer verletzt, dass er wenige Tage später starb - sein richtiger Name lautet Christian Rousselot. Damals wurde der junge Gendarm Dominic Fornier mit dem Fall betraut. Als Täter kommt ein verdächtiger Landstreicher in Frage, doch dessen Schuld konnte nie eindeutig bewiesen werden. Dennoch wird er verhaftet und kurzerhand ein Prozess gemacht: der Mann verbringt sein restliches Leben hinter Gittern.

All die Jahre nagt der Fall an Dominics Gewissen. Er heiratet Christians Mutter, nachdem deren Mann sich aus Kummer um den Tod des geliebten Sohnes das Leben nahm (auch die Beziehung Dominic - Monique kommt nicht zu kurz und ist sehr schön beschrieben). Der mutmaßliche Täter hatte in der Verhandlung von einem grünen Sportwagen in der Nähe des Tatorts geredet, so dass Dominic Fornier nicht umhin kann, zu glauben, den Falschen verhaftet zu haben. Für den Leser steht der wirkliche Täter übrigens von Anfang an fest, aber das tut der Spannung keinen Abbruch - im Gegenteil.

Als die Parapsychologin Marinella und Lambourne sich dreißig Jahre später aufgrund einiger älteren Zeitungsartikel mit ihm in Verbindung setzen und er nach England eingeladen wird, ist er zunächst skeptisch, doch mehrere Indizien lassen darauf schließen, dass Eyran und Christian in der Tat so etwas wie Seelenverwandte sind. Doch kann man dem schwer traumatisierten Jungen und seinem "zweiten Ich" Christian zumuten, einen Mord zu schildern - noch dazu den eigenen?

Mit der Erzählperspektive hatte ich zunächst Probleme, da sie rasch gewechselt wird und ziemliches Tempo ins Buch bringt - ich bevorzuge eigentlich ruhige Romane. Auch das Thema bzw. das Tatmotiv an sich ist schwer verdaulich: ein hochangesehener Anwalt und spätere Politiker steht auf junge Knaben und besucht selbst nach der Mordtat ungestraft einschlägige Etablissements. Kein heißes Eisen wird ausgelassen: Schießereien in Bars, Erpressung, Schmiergeldaffären. 

Fazit: Und trotzdem liebe ich dieses Buch. Die "Guten" sind sympathisch (mit Abstrichen nur die publicity-geile Marinella Calvan, deren größter Wunsch es ist, bei Ophrah Winfrey Lorbeeren einzuheimsen und somit ihrem Beruf zu gesellschaftlicher Akzeptanz zu verhelfen), die "Bösen" verachtenswert, und was mich besonders fasziniert hat, waren die psychologische Komponente, die sorgsame Recherche und das lebendige Flair der verschiedenen Zeitepochen von 1960 zu den 1990er Jahren. Ich konnte jeden Ort, jede Begebenheit bildhaft vor mir sehen (was nicht immer positiv war), und selbst die Gesichter der Protagonisten nahmen trotz sparsamer Personenbeschreibung Gestalt an. Nicht zuletzt sorgt der originelle und brisante Plot dafür, dass man "Das vergessene Kind" kaum aus der Hand legen kann. Ein Muss fürs Freibad, Baggersee oder Balkonien.

Bewertung: Volle Punktzahl!

Bildquelle: matuska / Pixabay


👍👍👍👍👍




Freitag, 14. Juni 2013

Rezension "A Study in Scarlet"



Den Titel fand ich schon immer ziemlich ominös. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie hat er mich stets abgeschreckt, das Buch zu lesen. "A Study in Scarlet" bezieht sich nicht nur auf das Blut, das der Täter, dem Holmes auf die Schliche kommen soll, als Zeichen an der Wand hinterlässt. Im Lauf der Geschichte erfährt der Leser von einer weiteren Greueltat, die sich Jahrzehnte zuvor ereignet hat - verübt und verewigt in scharlachroter Erde.

Handlung und Meinung: In diesem ersten Band lernen sich Detektiv und Arzt auf ziemlich unkonventionelle Art im Labor des Krankenhauses St. Barts kennen. Es ist recht amüsant, wie schnell Sherlock Holmes und Dr. John Watson zueinander finden bzw. der etwas blasierte Holmes Watson gar keine andere Wahl lässt als sein Mitbewohner zu werden. Trotz vieler Unterschiedlichkeiten in Charakter und Gewohnheiten stellen sich die beiden rasch aufeinander ein und halten ihren Haushalt ganz ohne die Hilfe ihrer (im Buch eher nebensächlichen) Vermieterin Mrs. Hudson in Schuss. Wirklich dubious ist an Holmes eigentlich nur, dass er weniger Allgemeinwissen als ein Drittklässler aufzuweisen hat - dafür in seinem Kopf aber alles vermeintlich Nebensächliche speichert, was anderen entgeht und somit einen eigenen Beruf kreiert, mit dem er Kohle machen kann und offenbar nicht schlecht lebt, wie die Räumlichkeiten der Baker Street beweisen. Auch eine Art, zum Stadtgespräch zu werden. (O;

Der Fall selbst hat mich eigentümlich berührt, da er - man denkt es nicht und wird letztendlich überrascht - nicht nur tragisch, sondern auch überaus romantisch ist - ein ungewöhnlicher Plot für eine klassische Detektivgeschichte. Sir Arthur Conan Doyle bedient sich eines uralten Musters der Literatur, nämlich des Hasses eines von Unrecht Getriebenem, der den Tod eines Weggefährten und dessen adoptierter Tochter rächen will, wofür er ein halbes Leben lang um die halbe Welt reist und seine Mission schließlich in London erfüllt sieht. Erstaunlich dabei ist, wie unsentimental und dennoch emotional und daher nachvollziehbar der "Rächer" Jefferson Hope auf den Leser wirkt. Ich habe nur Sympathie für ihn empfunden, denn das Unrecht, das ihm zugefügt wurde, hat mich tief erschüttert, nachdem man im zweiten Teil der Geschichte in die Vergangenheit und nach Utah in die Vereinigten Staaten geführt wird, um die Gründe für seine Unversöhnlichkeit zu erfahren. Fünf Kapitel ohne die Hauptprotagonisten - das war gewöhnungsbedürftig. Doch in diesen Kapiteln lernt der Leser vieles über die US-amerikanische Geschichte und die der Mormonen im Besonderen. Außerdem sind John Ferrier und Tochter Lucy, die Verlobte von Jefferson Hope, ebenso interessante Charaktere wie Jefferson Hope selbst. Die Gepflogenheiten der Mormonen wirken sonderbar - und auch die drei haben damit so ihre Probleme. Obwohl es John Ferrier zu Ansehen und Wohlstand bringt in Utah, kann er sich nicht mit den Ritualen der Gemeinde identifizieren - er bleibt zur Verwunderung der übrigen Bewohner ledig (keine einzige Frau hat er!) und daher ein widerwillig geduldeter Außenseiter.

Als seine hüsche, aber ebenso "sture" Tochter Lucy sich in den Abenteurer Jefferson Hope verliebt, der nicht der Gemeinde angehört, ziehen sich über ihr und John Ferrier endgültig düstere Wolken in Form von anonymen Drohungen zusammen, und sie planen mit Hope einen Fluchtversuch. Doch zwei heiratsfähige junge Männer des Clans nehmen die Verfolgung auf mit dem Ziel, Lucy als weiteres Glanzstück ihres jeweiligen Harems zu gewinnen... und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Fazit: So tragisch das Ganze endet, haben mich Originalität und Struktur des Falles sehr angesprochen, und auch Holmes' Reaktion, dem Mann das Gefängnis ersparen zu wollen, zeigt ihn wieder einmal von seiner menschlichen Seite. Man war teilweise verblüfft über die Fäden, die Arthur Conan Coyle so virtuos zusammengefügt hat und dem Geschick, mit dem er sich eines völlig "unbritischen" Themas annahm. Einen Stern Abzug gibt es nur, weil ich Holmes und Watson im zweiten Teil zunächst schmerzlich vermisst habe - aber was hätten zwei viktorianische Gentlemen - eingefleischte Junggesellen noch dazu - in Salt Lake City unter Cowboys und Polygamisten verloren?

Bewertung: 

  👍👍👍👍


Samstag, 8. Juni 2013

"Bella Italia"



So lautet der inoffizielle Name unseres Balkons, sobald wir ihn mitsamt Hollywoodschaukel und Topfpflanzen sommertauglich gemacht haben. Das war in den letzten Tagen der Fall, in denen endlich mal wieder nach der verheerenden Regenflut die Sonne die Oberhand gewonnen hat. Viel herumschwadronieren möchte ich daher heute gar nicht - es ist zudem Wochenende, an dem ich bei schönem Wetter lieber draußen bin als meinen PC zu füttern.

Aber ich habe ein paar Fotos gemacht, die ganz gut das Feeling wiedergeben, das uns in unserem "Bella Italia" erfasst. Leider ist die Hollywoodschaukel trotz Schutzfolie über den Winter ein bisschen marode geworden und deshalb nicht besonders fotogen. Wahrscheinlich bleibt uns nichts anderes übrig, als uns eine neue anzuschaffen - geflickt ist sie schon mehrmals.

Viel Spaß mit meinen Balkon-Impressionen! (O:

Ich setze mich jetzt noch ein bisserl raus und lese, bevor's Tomaten mit Mozzarella gibt - natürlich in Bella Italia.





Mittwoch, 5. Juni 2013

Sherlock vs. Holmes

Zur Zeit bin ich im Sherlock Holmes-Fieber, und das dank Benedict Cumberbatch und der BBC-Serie schon seit November 2012. Die Sonderedition mit allen Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle wartet noch darauf, gelesen zu werden, aber zum Glück gibt's ja auch handlichere Taschenbuchausgaben, an die ich mich nun gewagt habe - natürlich im englischen Original. Ich mag Sherlock Holmes und seine weisen Sprüche wie "To a great mind, nothing is little".

Er ist zuvorkommend, höflich, einfühlsam - aber auch manchmal fast kindisch, impertinent und von sich selbst so überzeugt, dass es schon mehr als Arroganz sein könnte. Oft geht er damit selbst dem phlegmatischen Watson auf die Nerven, der ihn eigentlich bewundert für seine außergewöhnlichen Fähigkeiten als Detektiv.

Gestern habe ich mir seit langem mal wieder eine der Uralt-Verfilmungen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce zu Gemüte geführt, nämlich "The Hound of the Baskervilles" von 1939.

Basil Rathbone ist für mich einer der ganz Großen, und er wird es immer sein als Schurke und Errol Flynn-Gegenspieler in Filmen wie "Unter Piratenflagge" und "Robin Hood".

Als Sherlock Holmes - fast tut es mir leid, zu sagen - ist er m. M. nach charakterlich nicht so sehr geglückt. Angesichts der äußeren Erscheinung und der markanten "Adlernase" hätte Sir Arthur ganz bestimmt verzückt die Hände zusammengeschlagen, doch was Holmes' Art und Macken angeht, wirkt Mr. Rathbone zu brav und zu vornehm. Natürlich hat er damit der Figur Sherlock Holmes seinen Stempel aufgedrückt (auch diverse Nachfolger-Holmses wie Peter Cushing und Jeremy Brett schwimmen in Basils Fahrtwasser), doch der literarische Holmes kann auch mal völlig aus der Reihe tanzen und sich einen feuchten Kehricht scheren um viktorianische Konventionen.

Geprägt durch Sir Rathbones Bild in den Filmen fand ich es dann auch merkwürdig zu lesen, dass Sherlock Holmes während einer Kundenkonsultation ungeniert und demonstrativ den Klienten angähnt, um seine Langeweile zu betonen, oder dass er ungehemmt kichert, wenn ihn etwas amüsiert. Wie ein Spürhund auf alle viere geht und eifrig an Dingen schnüffelt, um eine Fährte aufzunehmen. Sieht man das Basil je tun? Verliert er je die Contenance?

Nicht, dass ich seine Verdienste als Sherlock Holmes schmälern möchte. Wirklich dran am Original ist er aber nicht. Von Nigel Bruce als cholerischem Sidekick Dr. Watson rede ich lieber nicht. Nicht missverstehen. Ich finde beide Schauspieler klasse, nur: Watson ist kein Typ, der so rasch in die Luft geht wie Mr. Bruce, der für solche Rollen offenbar prädestiniert war.

Da sind mir die beiden Herren aus der Serie doch näher dran an Sir Arthurs Hirngespinst und Nemesis. Martin Freeman, der den traumatisierten, zurückgekehrten Soldaten mit einer gewissen Leidensfähigkeit verkörpert, die ihn trotzdem nicht am Leben verzweifeln lässt, ist alles andere als ein Hitzkopf. Das ist auch gut so, denn dafür neigt Sherlock-Cumberbatch zu Schnellschüssen und Impulsivität, auf die Watson-Freeman ausgleichend einwirken kann (vorausgesetzt, er möchte es). Irgendwie sind da die Rollen genau vertauscht im Vergleich zu Rathbone / Bruce. Vielleicht hat man die beiden letzteren einfach nicht gegen den Strich besetzen wollen, zumal Sherlock Holmes als distinguierter Gentleman besser kommt als ein aufgeblasener Kindskopf. Schön, dass Benedict Cumberbatch beides sein darf... ich glaube, seine Ambivalenz macht gerade den Erfolg und den Reiz der Serie aus.




Was Robert Downey Jr. und Jude Law betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben; die Filme habe ich nicht komplett gesehen und es eigentlich auch nicht vor. Aber das Video ist köstlich! Und heute Abend schaue ich mir evtl. den nächsten Holmes-Oldie meiner etwas zu Unrecht verstaubten Collection an. Denn eines muss ich zugeben: Basils Morgenrock ist eleganter als Benedicts.^^



Montag, 3. Juni 2013

Es wird schlüpfrig...

Als jemand, der ein wenig nostalgisch angehaucht ist und Altes oft in Ehren hält (ich besitze immer noch den ollen Steiff-Teddybär, den mein Onkel und meine Tante mir zu meiner Geburt geschenkt haben), beschäftige ich mich gerne mit den Ursprüngen von Dingen, sei das in technischen, medizinischen oder geschichtlichen Bereichen.




Vielleicht macht mir deswegen die Recherche zu meinen Geschichten soviel Spaß: Man erfährt immer Neues, das eigentlich schon ganz alt ist und das im Lauf der Zeit perfektioniert oder geändert wurde, so dass man es nur noch in "moderner" Form kennt. Wer hätte zum Beispiel vermutet, dass die ersten Verhüterlis aus Schildplatt bestanden? Oder andere für den mehrmaligen Gebrauch vorgesehen waren? Nicht zu glauben? Hier ist der Artikel dazu: *Klick* (der übrigens nichts mit Recherchen zu meinen Büchern zu tun hat...)


Bildquelle: vreichel / Pixabay









Mittwoch, 29. Mai 2013

Meine Romane und ich

Manchmal kann ich es ja immer noch nicht fassen, dass ich fünf (!) Romane veröffentlicht habe - und dabei noch gar nicht so alt bin... Im Allgemeinen bin ich nicht wirklich diszipliniert, und vieles, was ich mit Enthusiasmus anfange, versandet häufig so schnell, wie ich dafür entflamme (tatsächlich habe ich nie damit gerechnet, dieses Blog regelmäßig bis jetzt zu führen). Hinzu kommt meine perfektionistische Ader: bleibe ich bei einer Sache, muss sie in meinen Augen einwandfrei sein, sonst bin ich nicht zufrieden. Recherche ist selbstverständlich, aber auch Emotionen, Drama und vor allem Originalität sind mir wichtig in meinen Romanen.

Hier stelle ich sie noch einmal einzeln in chronologischer Reihenfolge vor, mit der jeweiligen Kurzbeschreibung bzw. dem Klappentext:





Das Bildnis des Grafen

England, Winter 1917
Der französische Psychologe Gaspard Renoir wird vom Earl of Whitehurst nach Yorkshire beordert, um dessen kriegsgeschädigten Neffen Valentine zu kurieren. Im Park des Herrenhauses trifft der Arzt Mallord Grimby, der Renoir und seinem Patienten den Aufenthalt in einem verwaisten Schloss anbietet, in dem Mallord früher beschäftigt war. Der Schlossherr Carrick Escaray verschwand auf rätselhafte Weise. Genauso rätselhaft erscheinen das Schloss selbst, Mallord und seine Umwelt. Als Renoir beginnt, über Escaray Hall und seine früheren Bewohner Nachforschungen anzustellen, stößt er im Dorf auf heftige Ablehnung und Unverständnis. Ein Geheimnis umweht die Escarays, das offenbar eines bleiben soll. Auch der Landarzt Elwyn Hazelgrove – einst Ziehvater des jungen Carrick – scheint mehr zu wissen, als er preisgibt. Nach und nach entwirrt Renoir mit Hilfe seines jungen Patienten das Geflecht zwischen den beiden seit Generationen verfeindeten Familien Whitehurst und Escaray.
Seiten: 502

Vom Ernst des Lebens

London, 1958
Der lebenslustige Miles Mayhew bedrängt seinen ehemaligen Oxford-Kommilitonen Rupert Grayson in einer Spontanaktion, für unbestimmte Zeit gemeinsam nach Paris zu reisen. Rupert, der sich lieber hinter Büchern vergräbt und Kontakte scheut, hält zwar wenig davon, kann jedoch nicht ablehnen. Miles scheint vor etwas zu fliehen, denn er checkt im Pariser Hotel unter falschem Namen ein und gibt Rupert als seinen Bruder aus. Dieser macht sich seine eigenen Gedanken über Miles’ Flucht aus England, da Miles nicht darüber reden möchte und sich recht geheimnisvoll gibt. Nach und nach vertieft sich ihre Freundschaft; Miles hilft Rupert, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln, während Rupert auf seine zurückhaltende Art dem Freund Dinge aus dessen Vergangenheit entlockt, die Miles lieber verschwiegen hätte…
Seiten: 200

Fairlight 

Mittelengland, Herbst 1916
Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust. Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen.
Seiten: 400

Furchtlos zum Himmel

England, 1923
Der Bergsteiger Gareth Preston begibt sich mit einem Expeditionstrupp erfahrener Alpinisten nach Tibet, um als Erster den höchsten Berg der Welt zu besteigen. Auf der abenteuerlichen Reise über den Ozean und durch Indien lernt er den blutjungen Neuling im Team kennen und schätzen, sehr zum Missfallen der übrigen Expeditionsteilnehmer. Die Anziehungskraft ist gegenseitig, und Gareth nimmt Timothy Milford unter seine Fittiche. Eine Entscheidung, die nicht ohne Folgen bleibt....
Seiten: 582

Ausnahmsweise doppelgleisig

München, 2000
Die Ehe des erfolgreichen Unfallchirurgen Branko Schuster steht auf der Kippe; er und seine Frau Annika leben getrennt voneinander, da er jahrelang ein Verhältnis mit der wesentlich jüngeren Krankenschwester Carolin Cremer hatte. Auf der Beerdigung seiner dreiundachtzigjährigen Mutter sieht er einen Mann bei Annika und der gemeinsamen Tochter Jana stehen, von dem er annimmt, es sei Annikas neuer Lebensgefährte. Doch der Fremde folgt ihm, stellt sich als Seraphin Engel vor und scheint ein wenig wunderlich zu sein. Er redet von einer Aufgabe, die mit Branko zu tun hat und lässt sich durch nichts vertreiben. Branko nimmt ihn vorläufig bei sich auf, weiht jedoch am nächsten Morgen seinen Vorgesetzten Dr. Wolf-Horvath ein, der die psychiatrische Abteilung leitet. Allerdings gibt es keinen Insassen dieses Namens, auch in der näheren Umgebung nicht. Branko nimmt den Fremden wieder mit nach Hause, der sich erstaunlich anhänglich und hilfsbereit zeigt. Er hilft Branko, seinen schwierigen Klinikalltag zu meistern und hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Bald erregt Brankos ständiger Begleiter allgemeine Aufmerksamkeit und stellt nicht nur dessen Leben völlig auf den Kopf.
Seiten: 240 




Ich freue mich über Feedback und auch Rezensionen bzw. Meinungen zu meinen Büchern! (O:

Montag, 27. Mai 2013

Wii fit bist du?

Nachdem ich die Wii-Konsole  mit Balanceboard im Verwandtenkreis getestet habe, bin ich nun Besitzer einer eigenen. Etwas für die Fitness zu tun, und das auch noch mit minimalem Aufwand, ist schließlich nie verkehrt. Und ich habe gemerkt, dass ich etwas dafür tun muss - mein tägliches Trampolintraining habe ich in der letzten Zeit nämlich sträflich vernachlässigt. Außerdem ist das Bellicon für die Ausdauer und die Gelenke ganz gut - für die Beweglichkeit und optimale Körperbeherrschung eher weniger.




Der erste Besuch als virtuelles Mii bei meinem persönlichen Trainer war dann auch eher niederschmetternd: mein biologisches Alter lag deutlich über meinem realen, wenngleich der Doktor vor wenigen Jahren ein ziemlich ordentliches festgestellt hat - damals lag es zwölf Jahre darunter. Was ich vor allem meinen Organfunktionen und meinem Bindegewebe zu verdanken hatte und weniger meiner körperlichen und geistigen Fitness.

Nun habe ich mir vorgenommen, täglich mit der Wii zu trainieren, so wie empfohlen mindestens eine halbe Stunde. Ist ja schon ein tolles Gerät, und auch absolut seriös mit großem Spaßfaktor. Allein das zweite Ich - das Mii - zu erstellen, macht Laune. Ich habe ziemlich herumprobiert, bis ich mit mir zufrieden war, aber nicht zu lange - es warten noch so viele andere interessante und witzige Gimmicks in der Konsole. Da ich Anfänger bin, starte ich nicht besonders anspruchsvoll. Die Balancespiele zählen bisher zu meiner bevorzugten Kategorie, und dort vor allem die Kugelspiele und das Pinguin-Picknick, weil ich da auch einen gewissen Erfolg verbuche.

 

Sieger beim schwindelerregenden Hindernisparcours



Schwer tue ich mich erstaunlicherweise mit Yoga. Habe ich bisher unterschätzt. Als Laie dachte ich bisher, man nimmt beim Yoga *einfach* meditative Posen ein und geht "Ohm"-mäßig in sich. Dass Muskeln gedehnt werden, von deren Existenz ich keine Ahnung hatte, ist mir tatsächlich neu. Auch ist es gar nicht einfach, während der Übungen seinen Schwerpunkt zu halten und im Gleichgewicht zu bleiben ohne das Board unter den Füßen zu verlieren. Dranbleiben möchte ich aber auf jeden Fall. Schön finde ich, dass man selbst bei Misserfolgen motiviert wird, es weiter zu versuchen.

Was ich so gar nicht abkann, sind die Rhythmus- und Aerobic-Spiele. Zum Glück ist bei mir weniger die Fettverbrennung nötig als der Muskelaufbau, wofür es noch mal extra Übungen gibt. Die fange ich an, sobald ich im Balancieren ein bisschen sicherer bin.





Freitag, 24. Mai 2013

Rezension "The Adventures of Sherlock Holmes"

 

 
Weil ich gerade so drin bin im Sherlock Holmes-Fieber, kommt hier mein Review zu den Kurzgeschichten, mit denen ich begonnen habe, den literarischen Sherlock kennen zu lernen. Eines muss ich ja trotz aller Genauigkeit und Raffinesse, mit der die neue BBC-Serie entwickelt wurde, kritisch anmerken: Sherlock Holmes ist kein "Soziopath" im engeren Sinn und schon gar kein Asperger-Kandidat, denn gerade in den Kurzgeschichten zeigt er erstaunlich viel Mitgefühl und Verständnis. Irgendwie wurde er da von diversen Regisseuren und Drehbuchautoren um der Dramatik Willen ein wenig missverstanden. Sei's drum. Ich liebe die Figur - trotz ihrer Angeberei und der Besserwisserei. Oft hat er ja tatsächlich recht, der gute Holmes. Umso sympathischer, wenn er mal daneben liegt oder den Fall nach seiner eigenen Vorstellung löst, die nicht ganz frei ist von Subjektivität. Und ich bin schon mit Begeisterung am Lesen der ersten chronologischen Geschichte "A Study in Scarlet", in der er und Watson kurzentschlossen eine Wohngemeinschaft gründen...

~~~

Diese Ausgabe besitze ich als Taschenbuch. Gereizt hat mich dabei das Cover und das Vorwort der Macher der BBC-Serie, durch die ich die Romanfigur Sherlock Holmes erst wirklich entdeckt habe. Als Fan der Serie ist es besonders interessant, die Referenzen aufzuspüren, die in der modernen TV-Fassung subtil und der Neuzeit angepasst transferiert werden (für Insider: Five Pips in "The Great Game" und das vegetarische Restaurant in "The Hound of the Baskervilles". 


Inhalt: In diesem Buch finden sich 12 Kurzgeschichten um den eigenbrötlerischen Privatdetektiv Sherlock Holmes und seinem Gehilfen Dr. John Watson, die 1891/92 im berühmten "Strand"-Magazine erschienen sind. Teilweise ist Watson in den Geschichten bereits verheiratet, zieht jedoch für die Dauer der Lösung des jeweiligen Verbrechens zu Holmes in die Baker Street, um ihn besser unterstützen zu können. Die Fälle erscheinen auf den ersten Blick häufig banal (Beispiel: Eine junge Frau fragt um Rat, ob sie einen gutbezahlten Job als Gouvernante bei einem merkwürdigen Gentleman annehmen soll), entpuppen sich jedoch meist als perfides Verbrechen und /oder psychologisch gut durchdachte Einblicke in seelische Abgründe, die dem Meisterdetektiv Holmes natürlich nicht verborgen bleiben. Kleinigkeiten sind es, die ihn auf die richtige Fährte führen, und die im aufmerksamen Leser einen nachhaltigen Aha-Effekt auslösen.

Meinung: Hauptsächlich las ich das Buch, weil ich - wie bereits erwähnt - ein Riesenfan der BBC-Serie "Sherlock" bin. Und ich wurde oft überrascht von Arthur Conan Doyle. Mein Augenmerk lag nämlich nicht nur auf den raffiniert aufgebauten Fällen und deren Lösungen, sondern auch auf den darin agierenden Protagonisten, allen voran natürlich Holmes und Dr. Watson. Während letzterer als Erzähler und Beobachter eher im Hintergrund bleibt, fielen mir besonders die vielen Facetten des in Verfilmungen / Serien eher kühl oder egozentrisch dargestellten Holmes positiv auf. Er lacht gerne, kann kindisch sein, hat Spaß an Verkleidungen und ist ein Mann von außergewöhnlichem Einfühlungsvermögen. Besonders weibliche Klienten behandelt er zuvorkommend und verständnisvoll. In "Scandal in Bohemia" zollt er der mysteriösen, ihm ebenbürtigen Irene Adler Respekt, indem er sie ehrfürchtig in Zukunft nur "The Woman" nennt, und in "The Adventures of the Copper Beeches" hofft Watson gar auf eine Partie für Sherlock Holmes in Gestalt der forschen Violet Hunter. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass Sherlock Holmes Junggeselle bleiben muss - schließlich ist er mit seiner Arbeit verheiratet und hätte für das "Normale" gar keine Zeit.

Die Freundschaft zwischen Holmes und Watson hat einige markante und sogar warmherzige Momente, die mir sehr gut gefallen haben, wie z. B. das gemeinsame Weihnachtsessen in "The Adventure of the Blue Carbuncle". Holmes bezieht Watson wie selbstverständlich in seine Fälle mit ein, und Watson hilft, so gut er kann, auch wenn er sich meist von Sherlock Holmes erklären lassen muss, wie er auf die Lösung des Falles kam.

Fazit:
Die wenige Seiten langen Geschichten sind alle lesenswert (ein wenig gewöhnungsbedürfig ist das heute etwas veraltete Englisch), doch mein Lieblingsfall war "The Adventure of the Speckled Band", das nicht nur gewohnt clever konstruiert war, sondern auch mit Hilfe einer gruseligen Atmosphäre und dem düsteren Setting ein "Baskerville"-ähnliches Feeling heraufbeschwört. Zeitlos und spannend.
 

Bewertung:

👍👍👍👍👍

Sonntag, 19. Mai 2013

Leseprobe: "Vom Ernst des Lebens"

In diesem Teil des dritten Kapitels lernt Rupert Grayson den Bistrobesitzer Thierry Levant kennen, mit dem er und Miles in Zukunft noch mehr zu tun haben werden. Eigentlich schließt Rupert nicht schnell Freundschaften - selbst die zu Miles ist zu Beginn nicht gerade tief und ihm eher suspekt. Doch in Paris gelingt es Rupert, über seinen Schatten zu springen und sich mit Menschen zu befassen statt mit Büchern, nachdem Miles ein "Rendezvous" mit dem Hotelpagen Julien Delaroche hat.



Die Vorgeschichte zu dieser Leseprobe könnt ihr auf meiner Homepage lesen.



Donnerstag, 16. Mai 2013

Review "Star Trek ~ Into Darkness" (spoilerfrei)

Obacht: Wenngleich ich ein großer Benedict Cumberbatch-Fan bin und auch in Sachen Originalserie "Raumschiff Enterprise" aus den 1960er Jahren nicht ganz unbedarft, gibt das keine Lobeshymne. Vielleicht liegt es aber auch gerade daran, dass ich das Ensemble aus der Serie optimal fand und mit den "jüngeren" Ausgaben der Schauspieler nie wirklich warm geworden bin.Wäre Benedict Cumberbatch nicht gewesen, und hätte ich im Vorfeld nicht so viele gute Meinungen über den Film gehört, hätte ich mir elf Euro für den Schrott erspart. 
 
Schon ganz erschöpft von der Vorschau in 3D, in der pausenlos Weltuntergangszenarien abgespult werden und kreischende Menschen auf dich zufliegen (fällt den Filmleuten eigentlich nichts anderes mehr ein?), war ich doch gespannt, weshalb um den Film so ein Wirbel gemacht wird. Naja, die Spannung hielt sich ehrlich gesagt in Grenzen: ich kannte das große Geheimnis um John Harrisons Identität bereits, und außerdem ist meine sogenannte "Trekkie"-Zeit auch schon lange über den Zenit; will sagen, dass mir Science Fiction nicht mehr so liegt, um es mal freundlich auszudrücken.

Abgesehen von der dürftigen Story bot der Film ein bisschen Kirk / Spock-Kitsch für die Fanfiction-Schreiber (wie ich diese Szenen doof fand -  "Sie hätten dasselbe für mich getan, Spock!" - "KIIIIIRK! Nicht sterben, ich liebe Sie!" So überzogen emotional hätte der Leonard Nimoy-Spock nie reagiert). Überhaupt: Zachary Quinto als Spock habe ich gefressen. Weiß nicht, was alle an ihm finden. Dass Frisur und Ohren nicht wie angegossen sitzen wie bei Mr. Nimoy, ist dabei noch das kleinere Übel. Eins muss man ihm aber lassen: Rennen kann er. Die Verfolgungsjagd und der anschließende Zweikampf waren die einzigen Szenen, in denen ich - abgesehen vom ständigen Krach im gesamten Film - mal wachgeworden bin und mitgebibbert habe - für den Bösen, natürlich. Angeblich flotte und markige Sprüche und unfreiwillig komische Momente gehören seit jeher zum Star Trek-Erfolgskonzept, nicht nur die unterschwellige Homoerotik zwischen Spock und Kirk. Neu und unangenehm aufgefallen sind dagegen deren abtörnende zukunftsweisende Latexanzüge. Wer will denn da noch im Jahr 2259 leben? Die Hochwasserhosen und die Pyjamaoberteile mit Bordüre aus den 1960ern waren modisch wenigstens top-authentisch.

Scotty fand ich blass und altbacken im Vergleich zum Original James Doohan, wie eigentlich alle weiteren bekannten Mitglieder der Enterprise-Crew. Chekovs russischer Akzent klang zu übertrieben und schwul, und der einzige, der mich vom Charakter her ein wenig an die Originalfigur erinnert hat, war der knurrige Schiffsarzt Leonard "Pille" McCoy. Und was hatte eigentlich die "heiße" Blondine auf dem Schiff verloren? Spioniert ihren Vater aus, um ihm eins auszuwischen? Komische Story-Line, die überflüssig war und eine Abwatsche von Menschmaschine John Harrison sogar verdient hat (Merke: Frauen schlägt man nicht, wenn man ein Gentleman sein will). Oh, und noch ein Minuspunkt: Spock und Uhura als zerstrittenes Liebespaar zum multikulturellen Exotenbonus. Das wirkte so aufgesetzt und albern, dass ich nicht umhin konnte, bei ihrem geschlechterspezifischen Wortgefecht in der Transportkapsel verächtlich zu prusten.

Ziemlich vorhersehbar war der Plot auch. Langweilig halt und wenig originell: die Welt ist mal wieder bedroht. Ich hätte alle fünf Minuten auf die Uhr geschaut, wenn ich eine gehabt hätte.

Zum einzigen Lichtblick Benedict Cumberbatch... physisch war er schwer gefordert, und zuweilen flackerte sogar Mitleid bei mir für ihn auf, obwohl er ja wirklich seeeeehr böse ist und das auch gut rüberbringt - ebenso wie das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein. Seine Rache schien irgendwie verständlich. Aber komisch, vom Hocker gerissen hat mich seine Performance nicht wirklich, und ich war ein wenig entäuscht von dem nur wenig kribbeligen Fangirl in mir. So überragend, wie die Presse und Kritiken seine Darstellung als Terrorist beschreiben, fand ich ihn keineswegs. Vielleicht habe ich da einfach zuviel erwartet. Oder wusste schon zuviel. Denn überraschend kam seine unfreiwillige "Heldentat" für mich nicht, und auch John Harrisons Ende konnte man sich an zwei Fingern ausrechnen. Manchmal bin ich übrigens echt erschrocken vor seinem Gesichtsausdruck: mit entsprechender Miene sah er tatsächlich aus wie ein Monster, obwohl ich finde, dass er ein außergewöhnlich attraktiver Mann ist.

Sprachlich war der Film eine Katastrophe für meine niedlich rund geformten Ohren. Leider läuft die Originalversion nicht bei uns, so dass ich nicht beurteilen kann, ob Kirk dort auch ständig "Scheiße!" bzw. "Fuck!" sagt und alle mit Slangausdrücken um sich werfen, aber ich nehme es mal an, weil das ja so in Mode ist. Auch sonst hat man sich bei der Synchro nicht gerade Mühe gegeben und ist, wie ich meine, den Originalfiguren wenig gerecht geworden. Klar, sie sollen noch jünger sein als die 1960er Crew (auch wenn sie nicht so aussehen), aber das ist kein Grund, sich wie pöbelnde und pubertierende Jungs aufzuführen. Kirk als Sandwichfüllung beim Dreier mit beschwanzten Katzenaußerirdischen - ich will nicht wissen, was William Shatner dazu sagt. Kirks Ruf als Schürzenjäger kam auch damals schon gut rüber - subtiler und weniger plump.

Ach, und eine Frage muss zum Schluss noch erlaubt sein: Wie war es denn möglich, dass die scheinbar unbesiegbare Kampfmaschine John Harrison doch noch überwältigt wurde? War der erst missglückte und unbeholfen ausgeführte Vulcan-Nackengriff beim zweiten Versuch doch von Erfolg gekrönt, nachdem die "Blut-Transfusion" an Kirk den Gegner geschwächt hatte? Oder bin ich wieder eingenickt?

Fazit: Sci-Fi-Fans, Hobby-Pyrotechniker und Jungs und Fangirls, die Spock und Kirk gern als latent verliebtes Paar sehen, kommen wohl auf ihre Kosten - ich kam es nicht.

Bewertung: Die zwei Sternchen sind einzig und allein Benedict Cumberbatch zu verdanken, der schon wirklich eine tolle Präsenz auf der Leinwand hat, selbst in einem hautengen Spaceanzug Figur und Haltung bewahrt und sich beneidenswert elegant und körperbetont trotz exzessivem Workout durch die Darkness des Star Trek-Prequels windet.




👍👍




Gif: Tumblr



Mittwoch, 15. Mai 2013

25 zufällige Fakten über mich

  1.  Meine erste liebevolle Kindheitserinnerung ist der Legespielklassiker "Quips".
  2. Ich mag weder Eis noch Schokolade noch Kuchen. Wenn ich knabbere, dann eine Tüte Chips der Marke Tyrrell oder ungekochte Spätzle vor dem Fernseher.
  3. In der Regel liebe ich alte Dinge und halte sie in Ehren wie meine erste "Erwachsenentasse" Auch alte Filme und Musik gefallen mir im Allgemeinen besser als das, was gerade in ist.
  4. Wenn mir Benedict Cumberbatch einen Antrag machen würde, könnte ich schlecht ablehnen.
  5. Obwohl ich ziemlich faul bin, habe ich einen schnellen Stoffwechsel und bewege mich auch gern, sobald ich mir in den A**** getreten habe.
  6. Ein  Sonntagabend wird mit einer Pizza Mozzarella, einem Salat und einem guten Film erst komplett.
  7. Es macht mir nichts aus, keine Action zu haben. Manchmal genieße ich es auch, für mich zu sein.
  8. Am besten geht es mir, wenn es den Leuten gut geht, die ich liebe.
  9. Mein Haus ist dunkelrosa gestrichen und nostalgisch-dekadent eingerichtet.
  10. Meine Harry Potter-Brille trage ich nur in den eigenen vier Wänden oder wenn die Kontaktlinsen drücken, weil ich sonst Janis Joplin zu ähnlich sehe.
  11. Auf eine gesunde Ernährung lege ich viel Wert - verschmähe aber auch die gut bürgerliche Küche nicht gänzlich.
  12. Ich bin ein heimlicher Verehrer des Märchenkönigs Ludwig II.
  13. Fast alles, wofür ich Begeisterung aufbringe und empfinde, läuft in mehr oder weniger heftigen Phasen ab, bis das nächste Highlight ansteht.
  14. Vor Arztbesuchen habe ich einen Heidenbammel und meide sie wo immer möglich. Glücklicherweise bin ich selten krank.
  15. Bestimmte Wörter, die mit Fr- beginnen, kann ich nicht aussprechen. Ist aber keine Dysphasie.
  16. Ich habe eine Zahnlücke und stehe dazu. Meine Haare sind dagegen der blanke Horror.
  17. Zimmerpflanzen verschönern mein Heim, aber zu meinem Leidwesen habe ich nicht unbedingt das, was man einen grünen Daumen nennt.
  18. Mein Kater Joschi wurde 22 Jahre alt, und ich vermisse ihn noch immer. Auch seinen Kumpel Knitz.
  19. Kommunikationstechnisch bin ich eine Enttäuschung. Ich habe weder Smartphone noch Mp3-Player und bewundere Leute, die so selbstverständlich damit umgehen wie mit Klopapier.
  20. Ich liebe Gemüse und Obst, außer Rote Beete und (leider) Bananen, von denen ich würgen muss.
  21. Vor dem Schlafengehen gönne ich mir meist ein Glaserl Roséwein. 
  22. Alles, was mit Himbeeren, deren Aroma und Geschmack zu tun hat, ist nicht sicher vor mir. 
  23. Meine Lieblingscerealien sind Rice Krispies.
  24. Mit Fantasy-Romanen kann ich nichts anfangen. Der Hype um Harry Potter und Twilight ist komplett an mir vorübergegangen, und ich habe nicht das Gefühl, dass ich deshalb etwas verpasst hätte. Auch Chick-Lit finde ich furchtbar.
  25. Ich habe als Kind eine eigene Sprache erfunden, die ich heute nicht mehr beherrsche.

Freitag, 10. Mai 2013

Was Jesus tut...

Ich war lange nicht bloggen, und das hat seinen Grund. Heute vor einer Woche ist für mich die Welt still gestanden. Meine beste Freundin und (Seelen-)Schwester, mit der ich viele Interessen und Albernheiten teile, bekam eine Diagnose vom Arzt, die mich umgeworfen hat: eine große Geschwulst im Bauch, sofortige Überweisung ins Krankenhaus, nichts Genaues weiß man nicht. Das durfte nicht sein! Das durfte nicht passieren. Nicht uns! Doch im Krankenhaus schmiss man mit schlimmen Verdachtskrankheiten geradezu um sich, ohne zu bedenken, wie niederschmetternd das für die Betroffenen ist. Schlimmster und dringendster Verdacht: Bösartiger Tumor am Darm trotz verblüffend optimaler Blutwerte und einer fast jungfräulichen Anamnese.

 

AstralEmber / Pixabay


N. wurde zur Chefsache erklärt - mit einem prominenten Professor wurde eine Riesen-OP geplant. Natürlich nicht, ohne alle fürchterlichen Konsequenzen in Betracht zu ziehen. Ich war am Boden. Sie ist einer der Menschen, die ich am meisten liebe, und der Gedanke, sie zu verlieren, hat mich innerlich zerrissen.


Aber was konnte ich tun, hilfloser Mensch, der ich bin? Geholfen hat mir der Healing Code von Alex Loyd und Ben Johnson. Als ich zuerst vor einigen Monaten davon hörte, war ich mehr als skeptisch, aber ich habe in dieser harten Woche erfahren, was er bewirkt.

Nicht nur der Code war es, der mich davor bewahrt hat, zu verzweifeln und den Mut zu verlieren. Es waren Menschen, die für N. gebetet haben und für mich und die Familie da waren. Die ermutigende Worte fanden. Und über allen von G'tt eingefädelten Begegnungen hat er uns so wunderbar und gut geführt, dass ich nach allen Zweifeln, die ich vor dem Vorfall hatte, nun wirklich und wahrhaft weiß, dass G'tt exisiert und die Menschen liebt und nicht verloren gibt. Man muss nach ihm fragen, das ist alles. Dankbar sein für
seine Schöpfung. Schade, dass wir eigentlich nur in Notsituationen nach ihm verlangen, so wie ich jetzt in dieser. Ich glaube zwar schon lange an G'tt, aber so lebendig und nah wie in der letzten Woche habe ich Jesus noch nie erfahren. Vielleicht habe ich ihn sogar vernachlässigt, nicht mehr so ernst genommen.

Insofern war dieses Erlebnis für mich nicht nur ein Wunder. Es war eine Besinnung auf das, was ich wertschätzen darf und sollte. Meine Freunde, Familie, das Leben, die Liebe, einfache Freuden. Dass ich einiges ändern sollte in meinem Leben und neu ordnen. Und dass Angst nie hilfreich ist und man sie zertreten muss, wenn sie einen zu ergreifen droht. Solche Situationen gab es in der Woche mehr als genug, und ich habe oft den Kopf hängen lassen und manchmal auch vor Angst geheult.

Dann habe ich den Healing Code gebetet, zu G'tt gestammelt (mittlerweile bin ich durch die Übung ein etwas eloquenterer Gesprächspartner (o; ), und die beiden alten Kirchenlieder "Großer Gott wir loben dich" und "Lobe den Herren" gesungen. Gerade letzteres traf mich mitten ins Herz, weil der Text so passend war. Beim Singen wurde ich ruhiger und weniger nervös - ebenso wie beim Beten des Healing Codes, für den ich mir ein entsprechendes Gebet ausgedacht habe.

Vor kurzem war die OP. Sie ist gut verlaufen. Tief im Inneren habe ich trotz der medizinischen Unkenrufe nichts anderes erwartet; auch wenn die Ärzte uns im Vorfeld wenig Mut gemacht haben. G'tt freut sich, wenn man ihn in vollem Vertrauen und in Ehrlichkeit fordert. Der "Tumor" hat sich als gutartige Zyste herausgestellt - etwas, das gar nicht so ungewöhnlich ist und fast ein Routineeingriff.

Mal sehen, ob wir, - N. und ich - über die Erlebnisse ein Buch schreiben, wenn sie wieder zuhause ist und sich von den Strapazen der schmerzhaften und unnötigen Prozeduren und dem Eingriff erholt hat. Romane füllen könnte man damit auf jeden Fall.





Donnerstag, 2. Mai 2013

Mein Mai-Buch



Diese Geschichte habe ich nach einem Wochenendtrip nach Paris geschrieben. Ich finde die Stadt sehr inspirierend und auf charmante Weise altmodisch. Viele Plätze, die ich dort besucht habe, hätten in den 1950er Jahren, in denen "Vom Ernst des Lebens" angesiedelt ist, schon genauso aussehen können - das verwitterte Karussell unter Montmartre, die Straßenlaternen, die Brücken über der Seine, Bistros und Lokale, in denen wir gegessen haben.

Im Prinzip geht es in der Geschichte um das Erwachsenwerden. Rupert, ein scheuer, fast schon misanthropischer Bücherwurm, wird von seinem Ex-Kommillitonen Miles "heimgesucht" und ohne weiteres Getue und Fragen über den Kanal mit nach Paris genommen. Miles - charakterlich das genaue Gegenteil von Rupert - lebt sich in Frankreich schnell ein, und selbst Rupert, der sich zunächst gegen den unfreiwilligen Urlaub sträubt, gewinnt an Selbstvertrauen, als beide dem Bistrobesitzer Thierry dabei helfen, seinen Laden wieder auf Vordermann zu bringen. Doch der Umgang mit dem charismatischen, weltgewandten Miles hat für Rupert nicht nur Vorteile. Bald schon fühlt er sich zu ihm hingezogen - auf eine Art, die ihm bisher fremd war und die ihn in Verwirrung stürzt; umso mehr, da er glaubt, Beweise zu erhalten, dass Miles noch stärker für ihn empfindet als Rupert für ihn.

Von der Seitenanzahl ist "Vom Ernst des Lebens" mit 200 Seiten meine kürzeste und geradlinigste Erzählung. Ich muss gestehen, dass mir Rupert im Nachhinein ein wenig zu neurotisch daher kommt - andererseits hat er vermutlich auch allen Grund dazu. Meine Lieblingsfiguren sind die Delaroches - Bekannte von Thierry, die bei der Methamorphose des "Bambi's" zum "Olde Vic" kräftig mitanpacken. Raoul, ein Buchhändler und passionierter Handwerker, gehört mehr zur schweigsamen Sorte, während sein Neffe Julien quirlig und zu allen Schandtaten bereit ist.

Der Roman konzentriert sich trotz der relativ vielen Nebenfiguren auf das Verhältnis von Miles und Rupert, die unterschiedlich sind wie Tag und Nacht und doch beide voneinander profitieren und lernen, sich durch die gemeinsame Reise besser zu verstehen - sich selbst und den anderen.



Mittwoch, 1. Mai 2013

Some habits die hard...

Pffttt... das deutsche Adäquat fällt mir gerade nicht ein. Sinngemäß etwa: "Alte Gewohnheiten sind nicht leicht abzulegen." Stimmt das denn? Eigenartigerweise habe ich nämlich festgestellt, dass das nicht zwangsläufig so sein muss. Seit circa zwei Wochen (oder drei?) halte ich als Nicht-Betroffene (*aufHolzklopf*) mehr oder weniger unfreiwillig Diät - aufgrund eines innerfamiliären, verblüffend hartnäckigen Darm-Infekts kommt bei uns seitdem nur noch Suppe auf den Tisch. Gemahlener Dinkel mit püriertem Gemüse, abwechselnd Spinat, Paprika, Karotten, Fenchel, Tomaten und auch mal Kartoffeln. Von der kann man essen, soviel man möchte, und sie schmeckt auch noch und sättigt überraschend gut.




Morgens mache ich Müsli aus Joghurt, das ich mit einer speziellen Mischung verrühre und schnipple Kiwi und eine Banana darüber (ausgerechnet Bananen mag ich nicht sooo sehr, aber sie sollen ja sakrisch gesund und tierisch gut verdaulich sein). Dazu gibt's Krunchy mit gefriergetrockneten Erdbeeren. Auf die morgendliche Tasse Kaffee brauche ich nicht zu verzichten, aber eine reicht mir jetzt - im Gegensatz zu vorher - vollkommen aus. Apropos: ein alter Bekannter aus Ostdeutschland hat bei uns vor Jahren den Cappuccino eingeführt, zur Mittagszeit und nach Feierabend oder auch mal zwischendurch. Den habe ich nun abgeschafft und mit dem wenig hippen, aber gesünderen Caro-Kaffee ersetzt - und es ist mir nicht mal schwer gefallen! Im Gegenteil. Nach einer kurzen Gewöhnungszeit mag ich ihn lieber als das zuckerverseuchte Cappu-Pulver, in dem trotz sorgfältigem Umrühren stets ein eklig-süßer pulveriger Klumpen hängenblieb. Es geht halt auch klüger. (O;

Was mich tatsächlich ein wenig hart ankommt, ist der Verzicht auf die abendliche Nascherei vor dem Fernseher respektive auf dem Sofa, die so einen Tagesausklang erst gemütlich macht. Nicht, dass ich es in der Hinsicht übertrieben hätte, aber hin und wieder die Pizza oder das Thai Essen beim Tatort oder eine Tüte Tyrrell's Chips zu zweit zwischen der Geschichtsdokumentation und Inspector Lynley - das fehlt schon, irgendwie. Alternativ sind wir auf Sun Maid Rosinen umgeswitcht - wenigstens, bis der Darm wieder vollkommen in Ordnung ist.

Ich freue mich auch auf den Tag, an dem wir wieder "normal" essen und auch ab und zu sündigen dürfen, aber wie gesagt: ich hatte mir den Verzicht viel schwerer vorgestellt. Man muss nur erst mal anfangen mit der Umstellung und nicht gleich bei der ersten "Lust"-Attacke die Flinte ins Korn werfen bzw. den guten Willen über Bord. Außerdem - da möchte ich wetten - schmeckt die Pizza nach einer längeren Pause viel besser.


Bildquelle: silviarita / Pixabay


Dienstag, 30. April 2013

Bekenntnisse eines verhinderten Hoarders

Früher habe ich alles gesammelt: Briefmarken (kennt das antiquierte Hobby überhaupt noch jemand?), scheußliche Mini-Plastikfiguren aus dem Kaugummiautomaten, Abziehbilder für Panini-Alben, Fliegenpilze aus Polyresin, schöne Postkarten, Briefe, Setzkastenutensilien und Katzenfiguren aus aller Herren Länder. In letzterem habe ich es tatsächlich zu einer beachtlichen Sammlung gebracht. Ich liebe Katzen, und es war immer sehr aufregend, am Urlaubsort auf Souvenirsuche in Form einer Katzenfigur zu gehen. Obwohl ich schon lange keine Fernreise mehr gemacht habe, ergreift mich in jedem Nippesladen einer fremden Stadt das Jagdfieber. Besonders originelle Exemplare schaffen es meist auch tatsächlich in meine Vitrine, die bald aus allen Nähten platzt.




Aber eigentlich möchte ich mich von meinen materiellen Gütern ein wenig befreien. Das liegt nicht nur daran, dass man Geld nicht mehr so sorglos ausgibt wie zu besseren Zeiten. Manchmal empfinde ich zuviel Besitz als Ballast. Und trotzdem ist er eine zweischneidige Sache, der Besitz.

Als ich aus dem Elternhaus auszog, habe ich viel zurückgelassen und weggeworfen, um das es mir heute leid tut. Klar, das Sammeln von Erfahrungen, Erkenntnissen und Erlebnissen ist wichtiger. Es ist auch nicht so, dass ich jeden Tag der Vergangenheit nachhänge und mich schmerzhaft an meinen BubuBär und seine abgekauten roten Plastikohren erinnere. Was aber nichts daran ändert, dass mir gewisse Erinnerungsstücke aus meiner Kindheit gelegentlich fehlen. Ich möchte sie nicht festhalten, aber auch nie ganz verlieren. Dabei helfen mir Fotos und sichtbare Gegenstände mehr als Erinnerungen, die mit der Zeit verblassen.

Von anderen Dingen, die mich nicht so lange begleitet haben, trenne ich mich dagegen erstaunlich leicht. Nach meinem zweiten Umzug hatte ich noch größere Wegwerfwut und habe sozusagen Großreine gemacht (wie immer man das schreibt). Ich finde allerdings, dass heuer viel zu viel zu schnell weggeworfen wird. Warum sollte man aber auch eine Kaffeemaschine zur Reparatur bringen, wenn die Anschaffung einer neuen billiger ist? Ich habe gehört, dass manche Hersteller ihre Ware absichtlich für eine kurze Lebensdauer präparieren, um größeren Profit zu machen. Wundern tut es mich ja nicht - ich frage mich bloß, warum dagegen nichts unternommen wird. Ehrlich: der Gedanke, dass wir der Nachwelt einen kilometerhohen Plastikberg hinterlassen statt kunstvoll bemalte und emailierte Krüge wie die antiken Völker, ist schon ein bisschen creepy. Der einzige Trost dabei ist, dass Plastik vermutlich nicht ganz so lang überdauert wie die Gerätschaften der Ägypter, Griechen und Römer.

Umweltbewusstsein wird im Allgemeinen eh nicht großgeschrieben bei den meisten, und derjenige, der zur Reparatur geht, wird milde belächelt mit dem Ratschlag: "Sei doch nicht blöd und geh' zu *piep* - da gibt's die Flachbildschirme diese Woche im Angebot." Apropos: ich habe noch einen Röhrenfernseher, mit dem ich genug sehe. Will ich HD, mit dem ich mit Adleraugen jede Pore im Gesicht der Schauspieler erkenne? Nicht wirklich.

Klamotten - ein heikles Thema. Ich war nie übermäßig modebewusst. Natürlich hat man das getragen, was gerade in den Kaufhäusern angeboten wurde, aber wohl musste ich mich darin fühlen. Bis heute habe ich keine Schuhe mit Absätzen, obwohl ich es versucht habe und High Heels auch sexy finde. Nur leider nicht für mich. Es gibt Lieblingsstücke in meinem Kleiderschrank, die ich nur noch selten oder gar nicht trage, und die dennoch da hineingehören. Die selbstgenähte Weste und dazu passende Shorts aus dem Israel-Urlaub. Das viel zu große, gestreifte Herrenhemd, in dem ich eine Adamo-Imitation zum besten gab und dazu "Gestatten Sie Monsieur?" karaoke gesungen habe.

Aufgeschriebene Erinnerungen und materielle Freiheit, schön und gut, und ich bewundere jeden, der auf überflüssigen Plunder verzichten kann. Trotzdem will ich manchmal etwas in den Händen halten, daran riechen, es fühlen und mich so an jene Begebenheit erinnern, die für mich schön waren. Denn jeder Gegenstand hat seine eigene, persönliche Geschichte.







Samstag, 27. April 2013

I want to ride my bicycle

Das Wetter war ja wirklich sommerlich schön in den letzten Tagen. Leider ist es jetzt wieder regnerisch, aber was soll's? Dafür kommen dann von heute auf morgen um die 40°C im Schatten... ja, so ist das mit der globalen Erwärmung: Nothing you can do about it.

Etwas gegen meine sich im Winter eingeschlichene Trägheit kann ich dagegen schon tun: Radeln. Ich liebe mein altes Klapprad fast so sehr wie sein mir zuvor geklauter Vorgänger, der ähnlich aussah, bloß in meiner Farbe Grün.

Der Mann einer Bekannten hat es für mich vor Jahren auf dem Flohmarkt erstanden - für damals 150,-- DM (Uiii, das ist echt schon lange her!).





Jedenfalls ist es nach einer langen Zeit im Keller fahrtauglich - Reifen aufgepumpt, Rahmen poliert, optimale Sitzhöhe eingestellt, Spinnweben entfernt, entstaubt usw. etc. pp. Voller Elan habe ich mich auf den eisenharten Sattel geschwungen (ok, ich übertreibe - mit dem Elan und dem Schwung), und bin zum Nachbarsort geradelt, der in Fußballkreisen trotz Kaff-Charakter kein unbeschriebenes Blatt ist.

Schon nach wenigen Kilometern vermisste ich schmerzlich die Gangschaltung und beargwöhnte, dass die Kette dringend eine Ölkur nötig gehabt hätte. Ich war am Keuchen und Schwitzen, um das verflixte Ding in Bewegung zu halten und nicht frustriert abzusteigen. Vielleicht bin ich ja ein wenig aus der Kondition, das soll vorkommen nach faulen und müßigen Wintermonaten - obwohl ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass ich mich so oft wie möglich im Freien aufhalte. Wie sagte meine Reitlehrerin so passend: "Schlechtes Wetter gibt es nicht. Nur schlechte Kleidung". Aber ich schweife ab...

Hab ich es also geschafft, acht Kilometer hin und zurück auf dem Radweg zu absolvieren. Eigentlich ein Klacks. Dachte ich, weil ich es früher richtig genossen habe, mit dem Rad unterwegs zu sein, das wie geschmiert lief trotz fehlendem Schnickschnack und Komfort. Und weil viele mich darauf ansprechen und in nette Gespräche verwickeln, denen der erstaunte Ausruf vorausgeht: "Ein echtes Klapprad!"

Froh war ich dann doch, als ich zu Hause angelangt war. Denn es war nicht nur die Kette, die eine Ölung braucht - auch mein schmerzender Tokus hätte nichts dagegen gehabt...

 

Freitag, 26. April 2013

(K)eine Eule nach Athen getragen...

Mann, war das ein anstrengender Tag! Ich habe mir vorgenommen, eine Anleitung bzw. den Entwurf  für eine Häkelfigur von mir aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Die Tierchen und Puppen selbst zu fertigen ist ja nicht so schwer, wenn man schon ein bisschen Übung hat, aber die einzelnen Schritte zwischendurch immer wieder zu Papier zu bringen - uff! Nicht so mein Ding.

Das Meiste, das man kreativ macht, entsteht doch eher intuitiv, zumindest gilt das für mich. Und außerdem bin ich nicht gerade die Fingerfertigkeit in Person, wenn es ums Fotografieren geht. Mit dem Ergebnis bin ich aber recht zufrieden. Und meine Eulchen auch. Hat sich die Mühe gelohnt. (O:



Donnerstag, 25. April 2013

Little Manga Girl

Gestern lief mal wieder - wie so oft - nichts im Fernsehen. Ich hatte trotzdem Bock, mich eingekuschelt auf meinem Megasofa zu lümmeln (das Einzige, das ich im Sommer vermissen werde) und die Glotze einzuschalten. Hängengeblieben bin ich bei einer Reportage über das "neue" China, die mich total schockiert hat. Chinesische Mädchen im Schönheits-OP-Wahn! Zuerst dachte ich, man veralbert uns jetzt, aber die Interviews von Soziologen, Betroffenen und Parvenüs in Sachen plastischer Chirurgie können ja nicht alle getürkt gewesen sein. David Bowie wird sich bedanken, wenn er erfährt, wie wenig angesagt sein exotisches China Girl mittlerweile ist und den Song vermutlich noch einmal neu aufnehmen - mit dem Titel meines Beitrages.



Pexels / Pixabay



Junge Mädchen wollen aussehen wie Britney Spears, und solche, die ihre Metamorphose vom "flachgesichtigen" Asiaten zum "nasenrückenhohen" Europäer bereits hinter sich haben, sind begehrte Fotomodels in der Branche. Meist sind die OPs noch nicht ganz abgeschlossen, aber Hauptsache, man sieht aus wie ein zwitterhaftes, ausdrucksloses Mangawesen vom anderen Stern bzw. der westlichen Welt. Auf Schönheitschirurgie spezialisierte Praxen schießen in China wie Pilze aus dem Boden, so dass man bzw. Frau schnell mal in der Mittagspause Bauchfett absaugen und es sich in die Wangen spritzen lassen kann (kein Witz!).

Auch die Haut soll vornehm blass und nicht "gelb" sein: dann hat man angeblich mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dazu gibt es in jeder Drogerie Weißmachercremes zu kaufen. Wer gründlich und schneller sein will, lässt sich Infusionen verpassen, die den Weißmacher direkt unter die Haut leiten. An gesundheitliche Risiken scheint dabei keiner zu denken.

Traurig, wenn man sieht, wie wenig selbstbewusst junge Chinesinnen offenbar sind. Das Wichtigste ist den Interviewten, schön "dreidimensional" auf Fotos auszusehen - mit einoperierter Lidfalte, schmalem Gesicht und nachmodellierten, hohen Wangenknochen. Umso schlimmer, dass es niemanden gibt, der sie zur Vernunft bringt - die selbst ernannten plastischen Chirurgen schon gar nicht. Ich weiß, man ist nicht immer zufrieden mit sich, aber in fünf Jahren ist vielleicht das China Girl vom Aussterben bedroht und darum heiß begehrt. Dann gucken die Manga Girls aber dumm aus der Wäsche mit ihren riesigen, multi-lid-faltigen Augen und ihren europäisch umoperierten Schmollmündern - die hat übrigens auch nicht jede westliche Frau.




Mittwoch, 24. April 2013

Buchverfilmung ~ Hui oder Pfui?

Von passionierten Lesern erfolgreicher Belletristik gefürchtet und zugleich ersehnt: die früher oder später unvermeidliche Verfilmung des Lieblingsbuchs. Wie aufregend, wenn Bella und Edward zum "scheintoten" Leben erweckt werden und der schnuckelige kleine Hobbit in Leinwandgröße widerwillig auf einen Abenteuertrip geht (den fand ich sehr nett, obwohl ich kein Tolkien-Fan bin und mir das Buch extra vor der Premiere des Films besorgt habe, um wenigstens ein *bisschen* Ahnung zu haben).

 

MarandaP / Pixabay



Die Meinung über Buchverfilmungen ist allerdings keine allgemein wohlwollende - zumindest nicht nach meiner Erfahrung. Ich verstehe das eigentlich nie so ganz, obwohl meine Enttäuschung über den mickrigen, schlaffen, schweine-nasigen Lindwurm Fuchur aus der "Unendlichen Geschichte" keine Grenzen kannte, hatte ich ihn mir doch in meiner Phantasie bei der Lektüre des Buches majestätisch und elegant durch die Lüfte gleitend vorgestellt. Mein Urteil wurde auch von der Tatsache nicht gemildert, dass ich bei der Besichtigung der Bavaria-Studios auf dem hässlichen Schmuddelkopf sitzen durfte (er ist ja nicht mal komplett! Was für eine Vera***e!). Atréju wiederum fand ich richtig niedlich.

Dennoch. Sich den Film über sein Lieblingsbuch anzuschauen, bleibt jedem selbst überlassen. Mit einer Enttäuschung muss man rechnen, wenn man sich zuvor ein allzu genaues Bild der Figuren und der Handlung gemacht hat, und das tut man in der Regel, wenn man mitgefiebert hat. Natürlich kann ein Film in anderthalb Stunden nie das erzählen, was ein Buch auf über 500 Seiten tut.

Und besonders die Schauspieler können einem ganz schnell Illusionen rauben. Ich meine, warum ist der aktuelle James Bond blond, wenn er in den Romanen als dunkel beschrieben wird? Warum will man für "Shades of Grey" nicht gleich Kirsten Stewart und Robert Pattison verpflichten?

Abgesehen davon finde ich, dass es wirklich sehr gute und sehenswerte Verfilmungen gibt, die heute vielleicht bekannter sind als das Buch und / oder das Zeug zum Klassiker haben. Die Winnetou-Filme zum Beispiel. Da trifft für mich sogar der umgekehrte Fall zu: ich habe sie vor den Büchern konsumiert und war dementsprechend enttäuscht von der biederen Beschreibung meines Helden Old Shatterhand respektive Kara Ben Nemsi. Bart und landesübliche Kopfbedeckung wie Cowboyhut oder Fez? So fesch wie er ist, damit hätte Lex Barker nie die Herzen seiner Fans erobert (der Bart kommt glücklicherweise bereits in "Der Schatz im Silbersee" ab - das Testpublikum mochte ihn nicht, weil er zuviel von Barkers männlicher Physiognomie verdeckt hat).

Welches Buch *ich* mir auf Celluloid wünschen würde? Wahrscheinlich "Mere Mortals" oder "Die geheime Geschichte". Ich habe es noch nie geschafft, das Buch komplett zu lesen, aber die Story klingt spannend und vielversprechend mysteriös. Manchmal ist es einfach bequemer, ins Kino zu gehen und zu glotzen als lesen und die Phantasie zu bemühen... (O;







Montag, 22. April 2013

Im Akkord, zwei, drei...

Wie machen manche Autoren das bloß? Schreiben, schreiben, schreiben. Veröffentlichen, schreiben, veröffentlichen und wieder an den Schreibtisch. Beispiele dafür fallen mir ad hoc ein Dutzend ein: Sir Arthur Conan Doyle, Anne Perry, Sebastian Fitzek, Cecila Ahern, Nicholas Sparks, Elizabeth George, Cornelia Funke und viele mehr. Sie produzier(t)en erfolgreiche Bücher wie der normale Mensch Kohlenstoffdioxyd beim Atmen. Oder Rinder Methangase beim Verdauungsvorgang.

 

Marcellosokal / Pixabay


Über Letztgenannte habe ich neulich ein Porträt im Fernsehen gesehen, und ehrlich gesagt, ich war ein bisschen neidisch. In Los Angeles leben, den eigenen Tagesablauf bestimmen, eine tolle Villa bewohnen und sich zum erfolgreichen Schreiben ins Gartenhäuschen zurückziehen, zwischendurch im hauseigenen Pool planschen und anstehende Hollywoodverfilmungen der eigenen Phantasie als Berater mitbestimmen - das Paradies auf Erden.

Für Cornelia Funke hat sich ein Wunsch erfüllt, von dem wohl jeder Autor heimlich träumt. Das Schöne dabei: es macht ihr immer noch Spaß, wenn Fans sie bitten, Fortsetzungen ihrer Geschichten zu schreiben. Und irgendwie scheint sie total glücklich zu sein mit dem, was sie tut, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ganz anders Sir Arthur Conan Doyle, der irgendwann von Sherlock Holmes derart frustriert war, dass er ihn erst einmal sterben ließ, bevor der Meisterdetektiv auf Druck der Leser wieder auferstehen musste. Wahrscheinlich lag Doyles Frust darin begründet, dass er viel lieber als Arzt praktiziert hätte und in diesem Beruf - im Gegensatz zum Schriftstellertum - nie so recht Fuß fassen konnte. Seine mit Enthusiasmus aufgebaute Praxis musste er aufgrund fehlender Patienten wieder schließen. Trotzdem oder gerade deswegen bewundere ich seine Werke, mit denen er Generationen erfreut und zu eigenen Geschichten mit seinen Charakteren inspiriert hat. 


symvol / Pixabay

 
Die Kurzgeschichten lese ich gerade, und ich bin immer wieder erstaunt, wie durchdacht und originell sich die zumeist anfangs banal erscheinenden Fälle entwickeln und auflösen, auch wenn häufig - wie bei vielen erfolgreichen Autoren - nach Schema F vorgegangen wird. Eine interessante Parallele zu Conan Doyle ist übrigens die Tatsache, dass Sherlock Holmes Medizin studiert hat und John Watson Arzt ist. So hat der Autor doch noch ein wenig von seinem ureigenen Interessengebiet mitverarbeitet. Ziemlich clever.

Ob Funke oder Doyle, es ist einfach verblüffend, dass viele Autoren so viele Ideen in relativ kurzer Zeit zu Papier bzw. in ihren Rechner bringen können und damit so vielen Lesern und letztendlich sich selbst eine Freude machen. Da ziehe ich ehrfürchtig meinen nicht vorhandenen Hut.

Außerdem zolle ich jenen Autoren Respekt, die sich lediglich durch ein einziges Werk einen Namen gemacht haben, sei es weil sie danach keine Zeit mehr hatten, weitere zu schreiben, so wie "Vom Winde verweht"- Autorin Margaret Mitchell, die im Alter von 49 Jahren tödlich verunglückte und sich damit nicht als so unverwüstlich erwies wie die Beliebtheit ihres Südstaaten-Epos, oder auch Susan E. Hinton, die jugendliche Autorin des modernen Klassikers "Die Outsiders". 

Nicht zu vergessen Harper Lees großartiger Roman "Wer die Nachtigall stört." Die Verfilmung mit Gregory Peck gehört für mich zu den gelungensten Filmadaptionen überhaupt.

Freitag, 19. April 2013

Neu, schräg und herzig: Tinnef!

"Tinnef" stammt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie "Unsinn" oder auch "Schund" bzw. "nutzlose Dinge". Verbreitet war der Begriff besonders in der Ganovensprache. Wurde wertloser Plunder erbeutet, sprach man abfällig von Tinnef.

Die Sachen auf meinem gestern neu eröffneten Etsy-Shop sind ganz bestimmt nicht wertlos, aber auch nicht unbedingt lebensnotwendig, sondern für Individualisten mit Sinn für das Besondere. Darum finde ich den Namen recht passend.

Eigentlich wurde da aus einem Hobby ein wenig mehr. Vor ein paar Jahren fiel mir ein Anleitungsbuch über die japanischen Häkelfiguren, die sogenannten "Amigurumis", in die Hände, und ich war sofort Feuer und Flamme. Der Haken dabei: ich konnte nicht häkeln! Seit ich es in der dritten Klasse gelernt habe, ist einiges an Zeit vergangen, und ich bin nicht wirklich so der Handarbeitsfreak. Wie so oft, wurde mir das in der Schule ein bisschen verleidet. Aber die Amigurumis - als Haustiere der Mangas werbewirksam gepriesen - waren sooo süß! Die musste ich haben.

Also habe ich mir das Heft gekauft und mir das Häkeln wieder beigebracht. Die Schrift war auch für Dummies wie mich bestens erklärt, so dass bald eine ganze Bande der gehäkelten Gesellen meine Wohnung bevölkerte. Die ersten Exemplare waren noch ein wenig locker und unbeholfen, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Ein grüner Affe und ein Tiger aus verschiedenen Brauntönen thronen auf meinem Schrank und genießen die Aussicht und ihr Erstgeburtsrecht, indem sie bei mir bleiben.




Inzwischen versuche ich mich an eigenen Entwürfen, und selbst mein *Guilty Pleasure*, Sherlock Holmes aka Benedict Cumberbatch wurde in Wolle kreiert (wenn ich schon nicht den echten haben kann, *hihi*). Der ist allerdings unverkäuflich. Vielleicht werde ich mich mal wieder an einen weiteren Versuch wagen und mir dann gleichzeitig die Anleitung aufschreiben - das hatte ich nämlich vergessen. Und eigentlich sollte ich ihm Dr. Watson zur Seite stellen - das Problem ist nur, dass der nicht so schöne unverwechselbare Locken hat wie Sherlock.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Fliegenpilze. Sie sind nicht nur fix gemacht, sondern geben auch ein prima und originelles Nadelkissen ab, sind also kein Tinnef im engeren Sinne. Bei Mädels und kleinen Prinzessinnen kommt natürlich das Einhorn gut an und alles, was rosa ist. Jungs lieben skurrile Außerirdische, putzige Flugzeuge und Bären aller Art. Und jung gebliebene Erwachsene tragen ihr Amigurumi trendbewusst an Handtaschen und Rucksack oder als Glücksbringer in der Tasche. Manche fragen mich, ob es mir nicht leid tut, meine Amigurumis wegzugeben. Im Gegenteil! Ich bin froh um jedes Stückchen Platz, das ich für weitere Figuren machen kann.