Translate

Freitag, 10. März 2017

"Kong - Skull Island" mit Tom Hiddleston (2017)

Und wieder mal eine Rezension aus der Rubrik "Filme, die ich wegen Tom Hiddleston gesehen habe und die die Welt trotzdem nicht braucht":





Zum Inhalt, der dürftig vorhanden ist: In den 1970er Jahren macht sich eine Gruppe von Wissenschaftlern in Begleitung von Militärs und einer Fotografin auf, um eine bisher unbekannte Insel im Südpazifik zu erforschen. Beim Anflug mit Hubschraubern holt sie ein Riesenaffe vom Himmel, und fortan ist die dezimierte Gruppe auf der Insel gestrandet, wo sie um ihr Überleben kämpfen muss. Denn außer Kong befinden sich noch fußlose Echsen, niedliche Baumstümpfe in Insektenform, Kraken und Spinnen auf der Insel, die alle ziemlich fies auf Beute aus sind.

Als die Gruppe sich aufteilt, stößt die Gruppe um James Conrad (Tom Hiddleston) auf den Veteranen Marlowe, der im 2. Weltkrieg über der Insel abgestürzt ist und bei den Einheimischen lebt, die Kong wie einen Gott verehren, ansonsten aber nur mit versteinerten Gesichtern herumstehen. Der andere Teil, angeführt von Colonel Packard (Samuel L. Jackson), hat weniger Glück. Denn aus irgendeinem Grund besteht Packard darauf, dem Affen den Garaus zu machen, und verhält sich dabei wie die Axt im Walde - oder die Machete im Dschungel in diesem Fall. Conrad und die Fotografin Wesley (Brie Larson) machen derweil intimere Bekanntschaft mit Kong, als sie einen Fluß auskundschaften und urplötzlich der Affe vor ihnen auftaucht. Als er an Wesleys Hand schnuppert, fangen beide an zu weinen, und der geneigte Zuschauer erkennt zweifellos die Geburt zweier Ökos. Denn von jetzt ab hat Kong zwei Beschützer, die er eigentlich gar nicht braucht, aber hey, der Film soll ja auch irgendwie eine Botschaft haben dürfen. Wesley und Conrad stellen sich Packard in den Weg ("Kong verteidigt nur sein Revier!"), als er Kong eine Falle stellt und ihn anschließend in die Luft sprengen will. Aber eigentlich müssten sie das gar nicht, denn es gibt ja noch den gemeinsamen Feind, nämlich eine seltsam deformierte Echse, die einfach nicht totzukriegen ist.

Meinung: Ich habe selten einen dümmlicheren, platteren und langweiligeren Fantasy-Actionfilm gesehen. Da hilft es nicht, dass Tom Hiddleston heroisch über Riesenaffen-Friedhöfe rennt und kleine hässliche Flatterviecher mit der Machete köpft (und dabei eine höchst unkleidsame Gasmaske vorm Gesicht hat). Die Protagonisten sterben wie die Fliegen und keinen kümmerts, die Figuren bleiben flach und bei den Special Effects hat das Budget nicht ausgereicht, um der grässlich-ekligen Echse zumindest ein Paar Hinterfüße zu gönnen.

Wer auf abstürzende Hubschrauber, überdimensionale Affen, Spinnen und würgende Dinosaurier steht, der könnte eventuell auf seine Kosten kommen, denn gefühlte anderthalb Stunden sieht man nichts anderes in dem Film. Die restliche halbe Stunde wird mit Phrasen gefüllt wie "Er war einer unserer Besten!", "Sag mir, dass das keine gute Idee war" - "Das war keine gute Idee" oder "Wir müssen hier weg!" oder auch "Wir sind hier, um unsere Lieben zuhause vor Kreaturen wie dieser zu schützen!"

Dazwischen kommt mal so kurz ein bisschen was wie Spannung auf, wenn Conrad von seinem noch heroischeren Daddy erzählt oder Wesley einem kugeligen Wasserbüffel helfen will, sich von einem auf ihn herabgestürzten Flugzeugwrack zu befreien. Alles in allem ist Skull Island aber ein Film, den man sich selbst als Tom Hiddleston-Fan ersparen kann.

 Bewertung:



👍


P.S. Ich muss ihn wirklich mögen, den Tom. Irgendwie sind seine filmischen Ausrutscher nämlich auch recht liebenswert.



Sonntag, 5. März 2017

"Haunted" - Haus der Geister (1995)

Gemeinsam mit einigen Uralt-Klassikern war dieser Film wohl mein Einstieg ins Gruselgenre und hat meine Vorliebe für Schauergeschichten geprägt. Vor langer Zeit schon gesehen, habe ich die (leider qualitativ ausbaufähige) DVD mal wieder ausgegraben. Und irgendwie mag ich "Haunted" immer noch, was besonders den tollen Hauptdarstellern (allen voran Aidan Quinn mit seinem verwunderten Kinderblick) und der unheimlichen Atmosphäre geschuldet ist.





Inhalt: Amerika/England, 1925. Der Psychologieprofessor David Ash (Aidan Quinn) glaubt nicht an Übersinnliches, seit er als Kind seine Zwillingsschwester Juliet bei einem Unglück verloren hat, an dem er sich schuldig fühlt. In seinen Vorlesungen und auf Seáncen tut er alles, um den Schwindel um Tote im Jenseits zu widerlegen, die Kontakt zu den Lebenden aufnehmen möchten. Als ein Hilferuf von Nancy Webb (Anna Massey) aus Edbrook Hall in England kommt, reist er dorthin, um die alte Frau von ihren angeblichen Geistern zu befreien. Mit ihr im Anwesen leben drei Geschwister, die sich in jeder Hinsicht sonderbar benehmen. So ist Simon ein alberner Kindskopf, der nur wüste Streiche im Kopf hat, und der distanziert-joviale Robert (Anthony Andrews aus "Brideshead Revisited") scheint eine inzestuöse Beziehung zu Christina (Kate Beckinsale) zu unterhalten.

Und nicht nur das mutet sonderbar an in Edbrook Hall. Außer der überspannten "Nanny" und den spinnerten Eigenheiten der verschworenen Drei sieht und erlebt David einiges, was ihn an seinem rationalen Wissenschafterverstand (ver-)zweifeln lässt. Zu allem Überfluss verliebt er sich natürlich in die betörend schöne Christina und handelt sich damit nicht nur Roberts Eifersucht ein: Christina ist besitzergreifender, als David vermutet hätte... und warum geistert Davids Schwester Juliet eigentlich auf dem Anwesen herum?

Meinung: "Haunted" ist klassischer Grusel. Kein Klischee wird ausgelassen. Ein traumatisierter Protagonist wird in ein unheimliches Umfeld geworfen, das er mit allen Mitteln und seiner Vernunft  zu erklären versucht, und auch die geschwisterliche Überliebe ist in Schauergeschichten ein beliebtes, weil verstörendes Stilmittel (aktuelles Beispiel: Crimson Peak). Die Unfälle wie Gaslampenexplosion und brennender Keller, von denen David auf Edbrook Hall Zeuge wird, deuten auf die Vergangenheit des Spukhauses hin, und Nanny - obwohl hilflos und verängstigt und alles andere als über den Dingen schwebend - gehört schon selbst fast zum uralten Inventar. Ihre gequälte Erscheinung allein jagt einem bereits eine Gänsehaut über die Arme.

Einige Ungereimtheiten gibt es, bei denen ich mich als Zuschauer gefragt habe, wie das denn möglich ist (Sex mit Gespenstern - hallo?) - aber hey, es ist eine Geistergeschichte. Da ist praktisch alles erlaubt, oder? Und wenn der Film eine so überzeugend spooky Atmosphäre versprüht, Aidan Quinn mit seinen großen blauen Augen blinzelt und er am Ende sicher an der Hand seiner Schwester das zerstörte Anwesen verlässt, bevor sie sich endgültig mit weisen Worten von ihm verabschiedet, bin ich am Rand eines emotionalen Ausbruchs.

Fazit: Ein sehenswerter Film, wenn man es mit der Realität nicht so genau nimmt und sich einfach mal gut unterhalten und gruseln möchte.

Bewertung:
👍👍👍👍
 



Donnerstag, 16. Februar 2017

Review "Die Königin und der Leibarzt" (A Royal Affair)

In Dänemark gehört die tragische Affäre zwischen Königin Caroline Mathilde (1751-1775) und dem deutschen Arzt Johann Friedrich Struensee (1737-1772) zum Kulturgut. Hierzulande wurde sie immerhin anno 1955 unter dem Titel "Herrscher ohne Krone" verfilmt.

Die Geschichte zur neuen Version von 2012 klingt klischeebeladen und wie aus einem Groschenroman, und man mag kaum glauben, dass sie sich höchstwahrscheinlich exakt so abgespielt hat, wie es im Film dargestellt wird. Trotzdem gehört er zu meinen momentanen Lieblingsfilmen. Die atmosphärische Ausstattung, die tollen Schauspieler und vor allem ein überragender und sexy  Mads Mikkelsen in der Rolle von Johann Struensee sorgen dafür, dass ich als Zuschauer die damalige Zeit miterlebe und mittendrin bin. Vielleicht liegt der Charme des Films auch an der emotionalen Kraft der Bilder, von denen jedes wirkt wie ein Gemälde.

Handlung: Dänemark, 1769. Die aus England stammende Caroline von Hannover (Alicia Vikander) wird mit dem dänischen Prinzen Christian VII. (Klasse: Mikkel Boe Følsgaard) verheiratet. Die Ehe ist nicht glücklich, denn Christian stellt lieber vollbusigen, ordinären Animierdamen nach und ist auch ansonsten wenig zartfühlend. Da er obendrein von oft vulgärer und kindischer Natur ist, bescheinigen ihm der Hof und seine Stiefmutter Juliane ein umnachtetes Gemüt. Während einer Reise durch Europa lernt Christian den deutschen Arzt Struensee kennen, der anonyme Pamphlete gegen Adel und Kirche verfasst und ein Anhänger Voltaires ist. Da Struensee ihn ernstnimmt, fühlt sich Christian erstmals im Leben verstanden. Sofort entwickelt er große Zuneigung zu dem nicht nur in medizinischen Belangen progressiven Struensee. Er ernennt ihn zu seinem Leibarzt und lässt ihn später sogar die Regierungsgeschäfte übernehmen - sehr zum Verdruss des hofstaatlichen Rates.



"Don't touch the paper! It's poisoned."

 

Doch nicht nur die Geschäfte vertraut er ihm an - er soll seine lethargische Ehefrau von ihrer Melancholie heilen und sie "lustig machen". Das gelingt Struensee schneller als der Aufstieg zum König von Preußen. In den Nächten teilen Caroline und Johann das königliche Bett miteinander, bei Tag bestimmen Christian und Johann neue Gesetze und Dekrete zum Wohl des Volkes. Adel und Klerus kochen vor Wut.

Als die Affäre durch eine innige verräterische Geste während eines Spaziergangs durch den Park von Stiefmama Juliane entdeckt wird, sieht der Adel seine Chance gekommen, den Spieß umzudrehen, das Land vor ketzerischer Aufklärung zu bewahren und die alten Zustände wiederherzustellen.


Dieses Ziel verfolgen sie mit Härte und schweren Konsequenzen für die königliche Familie und Struensee. Mit einer Lüge schüchtern die ehemaligen Ratsherren und Grafen den König ein und zwingen ihn dazu, Struensee verhaften zu lassen. Ohne sein Wissen und mit der Hoffnung auf Begnadigung wird dieser gemeinsam mit einem Freund im Frühling des Jahres 1772 einen Kopf kürzer gemacht. Am Ende versinkt Dänemark wieder ins finstere Mittelalter und Christian VII. in völlige Umnachtung. Die nach Celle verbannte Caroline stirbt an Scharlach. Ihre beiden Kinder von zwei Vätern sieht sie nie mehr wieder. Doch ihr Sohn führt Jahre später Struensees angefangenes Werk fort und verhilft seinem Land zu Gleichberechtigung und Freiheit.

Meinung: Wo Mads Mikkelsen mitmischt, kann ich nicht unparteiisch sein. (O; Als Schauspieler und Typ finde ich ihn einfach unwiderstehlich! Die Rolle des Dr. Struensee - verständnisvoll, charismatisch, sinnlich, ambivalent, analytischer Beobachter und ermutigender Berater  - passt ihm wie maßgeschneidert. Außerdem hat er mich bisher noch nie enttäuscht in irgendeinem Film. Und ich merke, dass ich doch ein olles Fangirl bin...

Auch der junge Mikkel Boe Følsgaard  - preisgekrönt für Christian VII., mit dem er sein Filmdebut gab - beeindruckt in jeder Szene, sei er unflätig, frivol, unsicher oder kindlich eifersüchtig auf jeden, der Struensee zu nahe kommt.

Fazit: Obwohl eindeutig als Kostümfilm konzipiert, wirkt der Film an keiner Stelle angestaubt, manchmal sogar verblüffend aktuell. Wer sich zudem gern von einem grandiosen Mads Mikkelsen und schönen Bildern vom historischen Dresden und Kopenhagen verzaubern lassen und einen Blick in die Geschichte werfen möchte, dem sei "Die Königin und der Leibarzt" aufs Wärmste empfohlen.


Bewertung: volle Punktzahl


👍👍👍👍👍

  






Bildquelle: Amazon


Mittwoch, 1. Februar 2017

Literarische Identifikationsfigur - ja oder nein?

Neulich fand ich auf Facebook einen Beitrag, der mich nachdenklich gemacht hat. Die Autorenkollegin Moa Graven schrieb, dass sie keine besonders gute Rezension für einen Krimi erhalten hat, weil ihre Romane "unvorhersehbare Wendungen" hätten, mit denen der Rezensent nichts anfangen konnte bzw. sich davon überrumpelt fühlte, da die Handlung nicht in sein Denkschema passte. Ich fand das sehr schade und konnte Moa (die erfolgreich Ostfrieslandkrimis veröffentlicht) gut nachempfinden in ihrer Traurigkeit, eine schlechte Kritik für Originalität erhalten zu haben. Und mir stellte sich die Frage: Braucht ein Roman Vorhersehbarkeit und vor allem: muss sich der Leser / die Leserin mit den Protagonisten identifizieren können, damit Handlung und Figuren nachvollziehbar werden?

Klar, als Kinder wollten wir alle wie Pippi Langstrumpf sein. Ich zumindest. Das lag vor allem am kleinen Onkel und Herr Nilson, mit denen sie ihre Villa Kunterbunt geteilt hat. Viel weniger daran, wie sie war, auch wenn ich das toll fand. Manchmal aber schon ein bisschen nervtötend mit ihrer altklugen Art. Jedenfalls war sie keine Identifikationsfigur wie heute zum Beispiel für viele LeserInnen Claire Randall aus Dianas Gabaldons Highlandsaga. Claire sieht toll aus, findet sich selbst aber unansehnlich, sie ist tough und schlagfertig und trotzdem weich wie Wachs in den Händen ihres geliebten Jamie. Identifiziert sich frau deshalb so sehr mit ihr? Sind viele Frauenromane nach Schema F gestrickt, weil die Autorinnen genau wissen, wie man die Gefühlswelt einer Leserin kitzelt, die nur allzu gerne ihren Alltag mit Fantasiewelten würzt, in die sie Romane wie die von Frau Gabaldon oder "Shades of Grey" entführen? Ich bin skeptisch, denn das wäre doch - unter uns - ziemlich oberflächlich.

Als Autor hat man es nicht leicht. Einerseits sollen Charaktere und Handlung für den Leser nicht fremd sein, andererseits erwartet man eine erfrischende Geschichte, die nicht bereits vorher in zig Variationen auf den Markt kam. Oder etwa nicht? Auch hier macht sich Skepsis breit, wenn ich an die vielen Nachfolger von Harry Potter und Shades of Grey denke. Wahrscheinlich muss die Frage jeder Autor und jeder Leser für sich selbst beantworten.

Was mich betrifft, so schätze ich noch nie dagewesene Ideen sowohl plot- als auch figurentechnisch. Eine literarische Identifikation brauche ich nicht. Im Gegenteil. Das liegt nicht nur daran, dass in meinen eigenen Romanen kaum Frauen eine größere Rolle spielen (die keine bis wenig autobiografische Züge aufweisen) oder ich generell zufrieden bin mit dem, was und wie ich bin. 

Es gefällt mir, Charaktere kennenzulernen, die ganz anders handeln, als ich es getan hätte. Die mir gar nicht ähnlich sind und gerade deswegen trotzdem sympathisch und liebenswert. Oder aufgrund ihrer Erfahrungen durchtrieben. Vielleicht an sich zweifeln. Die mich überraschen. Genau wie die Handlung mich überraschen darf. Wenn ich vorhersagen kann, wie der Roman endet, warum sollte ich ihn dann mit Feuereifer lesen? Schließlich möchte ich Neues erfahren, andere Sichtweisen ergründen. Und im besten Fall sogar daraus lernen. Aber vor allem will ich gut unterhalten und inspiriert werden. Und das werde ich durch neue Impulse.

Wie seht ihr das? Lest ihr lieber "Altbewährtes" mit einer Figur, die euch ähnelt oder betretet ihr auch gern mal unerforschte Pfade? Ich würde mich sehr über eure Meinung im Kommentarbereich oder auf meiner Fanpage freuen.




Sonntag, 22. Januar 2017

Hannibal, die Serie (2013-2015)

Eine Weile hat es gedauert, bis ich mit "Hannibal" warm wurde. Trotz Mads Mikkelsen. Obwohl ich Serien nicht konsumiere, schaue ich mir gern welche an, da es - wie schön! - Fortsetzungen gibt. Wenn einem Figuren und Geschichte gefallen und zum Mitdenken und Interpretieren anregen, kann es (fast) nichts Unterhaltsameres geben.




Hannibal ist so eine Serie. Sie hat einige Gemeinsamkeiten zu "Sherlock", der allerdings für meinen Geschmack bereits in der dritten Staffel stark nachgelassen hat. Auch in Hannibal geht es um die Beziehung zweier Außenseiter, die voneinander nicht lassen können. Das Interessante für mich dabei sind weder die grotesken Fälle noch die inflationären Splatter-Elemente (durch die Hannibal Lecter gelegentlich seine Zuneigung zu FBI-Profiler Will Graham ausdrückt), sondern vielmehr der psychologische Aspekt, der schon allein durch Hannibals Beruf als ehemaliger Chirurg und praktizierender Psychologe gegeben ist. Doch ein Klient bringt seine kühle Professionalität ins Wanken: als Will Graham (Hugh Dancy), von seiner Arbeit beim FBI überfordert, bei Hannibal Therapiestunden nehmen muss, erkennt Hannibal einen Seelenverwandten in dem welpenhaft plüschigen, oft missverstandenen, aber um die Ecke denkenden Will, der sich selbst als Asperger-Autist beschreibt. Seine damit einhergehenden Fähigkeiten sind es, die das FBI auf ihn aufmerksam machten, da er ein hohes Maß an Beobachtung und Empathie besitzt und sich in die Denkweise eines Killers / Verbrechers hineinversetzen kann. Hannibal ist fasziniert.

Seine Faszination geht so weit, dass er eine Freundschaft zu Will anstrebt, die diesem gar nicht behagt - ahnt er doch als Einziger von Hannibals dunkler Seite, die ihn in fiebernden und wirren Alpträumen verfolgt. Er ist von dem charismatischen Psychotherapeuten wider Willen beeindruckt und unfähig, sich dessen manipulativem Einfluss zu entziehen. Wenn man Mads Mikkelsen seinen Hannibal spielen sieht, kann man ihm das auch kaum verdenken.

Nach außen hin kultiviert, elegant und souverän, besitzt Hanni-Mads eine Anziehungskraft, die er nicht nur bei Will skrupellos einsetzt, sondern bei allen, die ihm beim Erreichen seiner Ziele nützlich sein können. Anders als Will werden die übrigen Opfer allerdings selten bis gar nicht verschont.





Vielleicht ist die Serie hauptsächlich "Sick-Shit", mit den sehr kontroversen Themen und Gemetzeln, und bisweilen geht mir der übertrieben werbeästhetische Anspruch des Erfinders Bryan Fuller auf den Senkel und stiehlt Zeit, aber ganz ehrlich - "Hannigram" macht für mich die Serie sehenswert. Ich finde es recht mutig, eine solch ungewöhnliche Beziehung  in einer Fernsehserie zu porträtieren, selbst wenn es nie zu eindeutig körperlicher Intimität kommt. Mads Mikkelsen meistert die Gradwanderung vom unnahbaren Narzissten über den "antisozialen Gesellschaftsmensch" zum besitzergreifenden Welpen-Beschützer mit Bravour und einem unschlagbar charmanten Akzent.

In jeder Szene zwischen den beiden Männern flirrt die Luft vor Spannung. Es muss gar nicht viel passieren oder gezeigt werden, um zu verdeutlichen, dass es in Hannibal um eine zerstörerische Liebe geht, die keine Zukunft hat und die dennoch berührt, etwa wenn Hannibal zu epischen Klängen seine Gefühle für Will offenbart. Irgendwie tun einem dann beide leid, denn trotz Hannibals wüsten Neigungen bleiben sowohl er als auch Will nachvollziehbare Charaktere in ihrem Handeln.

Leider sieht es momentan für die Serie düster aus - die dritte Staffel war die vorläufig letzte, obwohl eine Miniserie nach den Motiven von Thomas Harris' "Das Schweigen der Lämmer" angedacht wird. Vielleicht war das Thema zu blutig-brisant und wurde zu ernst genommen, vielleicht haben sich viele Zuschauer geekelt (ich mich oft auch), aber ich hoffe sehr, dass es in nicht allzu ferner Zeit eine Fortsetzung gibt, in der beide Protagonisten das dramatische Finale überlebt haben.









Montag, 2. Januar 2017

"Nach der Hochzeit" (2006) Review

Dank dem sexy großen Dänen (nicht zu verwechseln mit dem alten Schweden!) Mads Mikkelsen sehe ich in letzter Zeit recht viele europäische Filme und stelle fest, dass man es in der alten Welt oft ebenso gut versteht, Filme zu drehen wie in der neuen. Besonders die ruhigen, tiefsinnigen haben es mir angetan, und "Nach der Hochzeit" ist mit Sicherheit einer davon. Er war mein Silvesterfilm, und das Kontrastprogramm zur Knallerei draußen bereits von Mitternacht hat mir irgendwie gut gefallen.




Die Handlung beginnt in Indien, was zunächst ein bisschen befremdlich wirkt. Jacob Petersen ist dort in einem Waisenhaus engagiert, in dem er von Kollegen respektiert und von den Kindern heiß geliebt wird (wen wundert's?). Seine Chefin überbringt ihm die Nachricht, er müsse für kurze Zeit zurück nach Dänemark, um dort einen Deal mit einem Multimillionär in Spenderlaune abzuschließen. Widerwillig tut Jacob, was verlangt wird, feiert doch sein besonderer Schützling in ein paar Tagen seinen achten Geburtstag. Doch was tut man nicht alles für eine großzügige Spende?

Als er in Dänemark ankommt, versteht Jacob die Welt nicht mehr: Scheinbar spontan wird er zur anstehenden Hochzeit der Millionärstochter eingeladen, die sich als Tochter seiner Jugendliebe und jetzigen Ehefrau des jovialen Jorgen herausstellt. Durch eine peinsame Rede während der Hochzeit wird Jacob klar, dass er der leibliche Vater von Anne sein muss. Wütend und um seine Rechte als liebender und treusorgender Vater betrogen, spricht er mit Helene, die ihm zu verstehen gibt, sie habe ihm die Schwangerschaft verschwiegen und einen anderen geheiratet, weil sie wusste, dass Jacob selbst sich nicht um das Kind kümmern würde.

Doch die Arbeit im Waisenhaus hat Jacob verändert, und er beginnt, sich für Anne zu interessieren, die ebenfalls ziemlich geflasht ist von ihrem neuen Papa. So sehr, dass Annes Ehemann aus Frust kurz nach der Hochzeit fremd geht. Und noch mehr Katastrophen bannen sich an: Jorgen, der philantropische Millionär, ist todkrank, hat es jedoch vor seiner Familie verschwiegen; genauso wie den Plan, den er mit Jacobs Rückkehr verfolgt...

Meinung: Ja, es stimmt, der Film klingt vorhersehbar. Ist er auch, wenngleich es ein mehr oder weniger offenes Ende gibt. Was ihn so besonders macht, sind die durchweg fantastischen und emotionalen Leistungen der Schauspieler (einzig auf die melodramatische Szene, in der Jorgen von seinem Elend übermannt wird, hätte ich gern verzichtet) und die vielseitigen Talente von Mads Mikkelsen. Egal, ob er verletzt guckt, mit seiner Filmtochter in inniger Umarmung das Tanzbein schwingt oder beleidigte Achtjährige tröstet: der Mann veredelt jeden mittelmäßigen Streifen, ob europäisches Autorenkino oder Megablockbuster. Und mittelmäßig ist "Nach der Hochzeit" auf keinen Fall.




Bewertung: 



👍👍👍👍



Samstag, 17. Dezember 2016

Stephen King made in Germany: Die Tür (2009). Ein Magical Thriller mit Mads Mikkelsen

Ich liebe Mads Mikkelsen. In letzter Zeit ist er meine Nummer Eins. Das geht soweit, dass ich mir sogar die Serie Hannibal besorgt habe, obwohl das Thema so gar nicht mein Ding ist. Mystery schon eher, und darum habe ich nicht gezögert, mir diesen Film anzuschauen, auch wenn Jessica Schwarz und Heike Makatsch in einer kleinen, aber bedeutenden Gastrolle nicht gerade glänzen (Vorsicht: Subjektive Meinung!).





Die Handlung: Der Maler David Andernach und seine Frau Maja (Jessica Schwarz) haben sich nicht mehr viel zu sagen. Abwechselnd passen sie auf die kleine gemeinsame Tochter Leonie auf und leben ansonsten aneinander vorbei. Als David seine Pflichten als Vater vernachlässigt und stattdessen auf einen Seitensprung bei der flippigen Gina (Heike Makatsch) vorbeischaut, geschieht das Unglück: Leonie - notorisch mit ungebundenen Schnürsenkeln unterwegs - fällt in den Pool, wobei sich ihre Schnürsenkel derart verheddern, dass sie nicht mehr an die Wasseroberfläche gelangt. David kommt zu spät und kann nur noch ihren leblosen Körper bergen.

Fünf Jahre später haben sich Maja und David schon lange getrennt. David plagen Schuldgefühle und die Trauer um Leonie, Maja letzteres und Hass und Verbitterung auf den Exmann. Da erhält David unverhofft eine zweite Chance: er findet eine magische Tür, die ihn in der Zeit zurückkatapultiert; genau an den Tag, an dem Leonie ertrinkt. Er rettet sie, doch die Tat hat ihren Preis: er ist gezwungen, den ersten David umzubringen, um nicht aufzufliegen. Sein Geheimnis hütet er gut, doch Leonie ist misstrauisch, hat sie Paps Zwei doch heimlich dabei beobachtet, wie er Paps Eins zur Strecke bringt. Als David seinem besten Freund und Malerkollegen Max die Tat beichtet, glaubt dieser ihm nicht, bis er den im Garten verbuddelten ersten David findet. Bevor er der Polizei davon berichten kann, wird er vom Nachbarn kaltgestellt, der wie David die magische Tür kennt und ihm von einer Parallelwelt erzählt, in der die Zweitausgaben der gesamten Dorfbewohner allmählich das Zepter übernehmen...

Meinung: Die Geschichte klingt spannend, dramatisch und mysteriös und hält im Großen und Ganzen, was sie verspricht. Von Mystery allerdings hatte ich fast ein bisschen zu viel des Guten: weder wurde erklärt, weshalb die Parallelmenschen ihre Vorgänger auslöschen wollen (die Behauptung, die Neuen seien "besser", fand ich *meh*), noch warum es auch für mehr Leute als David nötig war, die magische Pforte zu durchqueren und vor allem, warum sie derart kriminell handeln mussten. Schließlich hat keiner der befreundeten Nachbarn ein ähnliches Trauma erlebt wie David und Maja, so dass für mich die allgemeine Anziehungskraft der Tür nicht wirklich nachvollziehbar war - insbesondere, wenn es darum geht, bei der Ankunft in die Vergangenheit als erstes sein eigenes Leben auszulöschen, das eigentlich gar nicht mehr das eigene ist. Irgendwie... mysteriös.

Aber ganz ehrlich: wen jucken Plotlücken, wenn Mads Mikkelsen blankzieht, tieftraurig guckt, einmal lächelt, die schicke Ponyfrisur zurechtstutzt und das Drehbuch bzw. seine Textpassagen komplett in passablem Deutsch (!) absolviert? Mich nicht. Daher vergebe ich trotz Erklärungsbedarf und einer bestenfalls mittelmäßigen Jessica Schwarz


👍👍👍 und ein halber  👍






Dienstag, 22. November 2016

"The Creeping Flesh" Gothic Horror vom Feinsten mit den Gentlemen des Gruselkinos

Der deutsche Titel  lautet "Nachts, wenn das Skelett erwacht" und klingt nach trashigem 1970er Jahre-Horror. Gedreht 1972, also lange nach den glorreichen Hammer-Movies aus den 1950ern, habe ich nicht allzu viel erwartet. Aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gut unterhalten und auch wenn der Film nicht wirklich gruselig ist mit seinen damaligen Tricktechniken und dem unvermeidlichen Pappmachee-Charme, fand ich die Darsteller überzeugend und die Geschichte ziemlich originell.


Story: 1893: Der Forscher und Wissenschaftler Emmanuel Hildern (Peter Cushing) bringt von einer seiner Forschungsreisen ein monströses Skelett aus Neuginea mit ins viktorianische England. Er findet mit Hilfe alter Bücher heraus, dass dieses Skelett das Böse in sich trägt und beginnt damit, ein Serum dagegen zu entwickeln. Sollte er erfolgreich sein, könnte er - so glaubt Emmanuel - die Menschheit vom Bösen befreien. Das hat auch einen persönlichen Grund: seine Frau wurde wahnsinnig und vegetiert seit Jahren in der Irrenanstalt seines Halbbruders James (Christopher Lee) vor sich  hin. Emmanuels Tocher Penelope weiß davon nichts und glaubt, ihre Mutter sei schon lange tot. Tatsächlich erhält Emmanuel nach seiner Rückkehr die Nachricht, dass seine Frau kürzlich verstorben ist. Er versucht, es vor Penelope geheimzuhalten, doch sie erfährt davon und regt sich dermaßen darüber auf, dass Emmanuel fürchtet, sie könnte wahnsinnig werden wie die Mutter. Er spritzt ihr das Serum, in der Hoffnung, dass es das "Böse" besiegt und Penelope vom Wahnsinn verschont bliebt.

Dummerweise ein Schnellschuss, denn das Böse lässt sich nicht mit einer kleinen Spritze aufhalten. Penelope entwickelt kriminelle Energie und bringt zwei Männer um, bevor sie zu Onkel James ins Irrenhaus gebracht wird. James findet heraus, woran sein Bruder arbeitet, und ist selbst interessiert an dem mysteriösen Knochenfund. Er lässt es aus Emmanuels Labor stehlen, was aber ziemlich schiefgeht (merke: nur ein knochentrockenes Skelett ist ein gutes Skelett). Nachdem das wiederauferstandene Böse seinen linken Mittelfinger von Emmanuel zurückfordert, den dieser für Proben analysiert hat, verliert Emmanuel den Verstand und landet in einer Zelle im Irrenhaus seines ehrgeizigen Bruders... und es bleibt mehr oder weniger dem Zuschauer überlassen, wer von den beiden Brüdern der Wahnsinnige ist.

Mir hat der Film gut gefallen, was nicht zuletzt an den beiden großen Herren des britischen Horrorkinos liegt. Mit welcher Überzeugung und Ernsthaftigkeit die beiden in einem relativ dünnen Plot spielen, das macht einfach Spaß. Und es ist einer der wenigen Filme, die den Charme der Hammer-Filme in die 70er gerettet haben. Zudem wartet "The Creeping Flesh" mit sämtlichen Zutaten klassischer Gothic-Geschichten auf, die in den überwiegend klamottigen 1970er Jahren eigentlich gar nicht mehr in Mode waren. Dadurch wirkt der Film erfrischend zeitlos, sogar fast modern und ein bisschen, als könnte er heute noch ohne allzu große Veränderungen ein Remake vertragen. Dann allerdings leider ohne die beiden charismatischen Hauptdarsteller - und das gäbe schon einen Stern weniger.

Fazit: Wirklich empfehlenswert für alle, die mehr auf Atmosphäre als auf Gemetzel stehen und sich nicht an antiquierten Tricktechniken stören.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍
 



Freitag, 18. November 2016

Arty Farty: High-Rise von Ben Wheatley (2015) Review

Nachdem ich den Film im Kino verpasst habe, habe ich das Anschauen heute auf DVD nachgeholt. Hauptgrund war Tom Hiddleston (den neckischen Trailer mit den Stewardessen im Flur fand ich herrlich!), und normalerweise verzeihe ich einem Film einiges, wenn mir zumindest einer der Darsteller sympathisch ist. Aber High Rise schafft es nicht mal ansatzweise, eine einigermaßen schlüssige Story zu erzählen, was vielleicht auch an der eher zähen Buchvorlage (Achtung Gesellschaftskritik im 70er Jahre-Stil!) liegen kann. Nach einer halben Stunde habe ich das Ende herbeigesehnt, und das passiert mir wirklich nicht oft. Ich mag bizarres Kino und habe nichts gegen Satire, aber hier hatte ich echt das Gefühl, einen eigentlich zehnstündigen Arthaus-Film anzuschauen, den man auf gnädige zweieinhalb Stunden zusammengeschnitten hat.





Zur Story (soweit es eine gibt): England, in den 1970er Jahren. Der Arzt Robert Laing zieht in ein modernes Hochhaus, das irgendwie eine Klassengesellschaft repräsentiert: ganz unten der Pöbel, oben die Superreichen. Er selbst lebt im 25. Stock, also irgendwo dazwischen. Auf dem Dach hat sich der Architekt Royal (Jeremy "Ich bin alt aber sah mal toll aus und möchte, dass der Zuschauer sich dessen bewusst ist" Irons) eingenistet, nebst Gattin, Pferd und Schaf. Laine macht schnell Bekanntschaft  mit beiden Seiten: er besucht Parties der Upper Class, bei denen psychedelische ABBA-Lieder gespielt werden, und fängt auch rasch mal ein paar Affären an, weil Freie Liebe und so. Als im Gebäude der Strom ausfällt und / oder der Pool für private Vergnügungen genutzt wird, sorgt das für Unmut, und es liegt Revolte in der Luft. Der Frust entlädt sich, als Laing einem Kollegen mitteilt, unheilbar krank zu sein und dieser sich aus dem 39. Stock stürzt.




Statt  freier Liebe entfesselt dieses Ereignis das Tier im Menschen, und plötzlich gehen alle aufeinander los. Laing prügelt sich im Supermarkt um einen Eimer Farbe, weil es dort außer Hundefutter und verfaultem Obst sonst nichts mehr wirklich Brauchbares gibt. Nachdem er seine Wohnung (Achtung Metapher!) himmelblau angestrichen hat, treibt er es mit der hochschwangeren Bewohnerin aus der untersten Etage. Deren Mann (Luke Evans mit den haarigsten Koteletten ever) stellt derweil Royal nach, um eine Enthüllungsstory über ihn zu drehen. Am Schluss sind alle tot und Laing grillt einen Hund auf seinem Balkon. Klingt seltsam, ist es auch. Spaß hatten die Beteiligten bestimmt, mir als Zuschauer ging es aber irgendwie so wie einem Erwachsenen mitten im Kindergeburtstag. Wer auf zusammenhanglose Szenen, pseudo-intellektueller Sozialkritik und Retro-70er Jahre-Flair steht, kommt vielleicht noch ein bisschen auf seine Kosten. Ein neckisch die Hüften schwingender Tom Hiddleston mit einer Combo Stewardessen hat mir jedenfalls nicht ausgereicht.


Bewertung:


👍 und ein halber👍




für den goldigen Hiddles und seinen Luxusbody, von dem man in diesem Film erstaunlicherweise mal nicht die blanke Hinterseite sah (hätte in dem Fall aber auch nichts mehr gerettet).





Sonntag, 30. Oktober 2016

Ziemlich strange: "Doctor Strange" (Review)

Drei Tage ist es her, dass ich den Film gesehen habe. Normalerweise setze ich mich sofort hin, um meine Meinung zu Kinofilmen zu verfassen; diesmal war ich mir unschlüssig, wie und ob ich den heißersehnten neuen Marvel mit Benedict Cumberbatch als Zauberlehrling überhaupt bewerten soll. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass er anders sein soll als die anderen, actionlastigen Comic-Realverfilmungen, aber irgendwie konnte ich im Vergleich keinen rechten Unterschied feststellen. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht gut unterhalten gefühlt und an einem fantastischen Hauptdarsteller erfreut habe. Vom Hocker gerissen hat mich der "LSD-Trip in 3D" allerdings auch nicht.


"Follow my finger with your eyes!"


Die an sich simple Geschichte hatte gute Ansätze, die auch, wie von Marvel gewohnt, bombastisch gut umgesetzt wurden. Der arrogante und von sich selbst überzeugte Neurochirurg Dr. Steven Strange erleidet einen schweren Autounfall, bei dem seine kostbaren Hände zu Matsch werden. Er hört von einer Heilerin in Nepal (Tilda Swinton) und begibt sich sofort dorthin. Am Ziel angekommen, wird er in verschiedenen Zaubertechniken unterwiesen und erfährt - Schockschwerenot! -, dass es mehr Realitäten gibt als seine eigene. Doch er kommt auch hinter das dunkle Geheimnis der Meisterin und muss - Überraschung - die Welt retten, nachdem die drei Tempel der Weltenwächter vom bösen Mads Mikkelsen bedroht werden, der auf der Suche nach dem ewigen Leben ist (hatten wir das nicht erst neulich? Egal...). Nach etlichen Slapstickeinlagen, freiwilliger Komik und elegant-sphärischem Herumschweben im Multiuniversum gelingt es ihm, sich als Torwächter und überlegener Zauberer zu beweisen.

Meinung: Vielleicht habe ich mir ein bisschen viel versprochen. Das lag allein schon am süßen Benedict Cumberbatch, der seine Sache gut gemacht, aber m. M nach besser hätte machen können. Richtig warm wurde ich mit Dr. Strange nicht; dafür war er mir zu sehr eine Mischung aus Sherlock und "Dr. House". Einerseits witzig, andererseits oberflächlich und wenig bis gar nicht charismatisch. Aber das sei ihm verziehen, denn schließlich handelt der Film von den Anfängen des großen Dr. Strange, so dass in weiteren Teilen durchaus noch Luft nach oben ist betreffs Charakterentwicklung. Die Nebendarsteller sind dennoch neben ihm und den Effekten fast ein bisschen verblasst. Vor allem Mads Mikkelsen als Schurke hat mich enttäuscht. Super: der Umhang, der sich Dr. Strange "erwählt", ein Eigenleben hat und somit für die besten komischen Szenen des Filmes sorgt.

Auch interessant: Dr. Strange lernt mehr oder weniger autodidaktisch, die Zeit zu beeinflussen. Tricktechnisch einfach toll! Die Szene mit dem Apfel und dem Buch mit den fehlenden Seiten gehörte zu meinen Highlights. Leider nervte es dagegen, als Dr. Strange sich für die Menschen und den Tempel in Hongkong opfert - beim fünften Mal musste ich schon verhalten gähnen. Überhaupt: Streckenweise gab es Längen, doch auch das kennt man ja von Marvel und dürfte für den Fan nicht wirklich ein Kritikpunkt sein (ich bin keiner - Fan, nicht Kritikpunkt).

Vielversprechend für alle Fangirls: In der legendären ersten Schluss-Sequenz trifft sich Dr. Strange mit Hemsworth-Thor in New York und redet mit ihm bei wie von Zauberhand stets voll gefüllten Gläsern über: LOKI!!! Nun sind ja die meisten Cumberbatch-Fans ebenfalls für dessen Kumpel Tom Hiddleston / Loki entflammt, so dass die Aussicht, beide als Gegenspieler im Duell der Marvel-Magier antreten zu lassen, schon ein raffinierter Köder ist. Einer jedoch, den selbst ich mit Wohlwollen schlucken würde. ;)






Fazit: Spitzenmäßige Effekte wie Städte in auseinanderklaffender Kaleidoskop-Optik in eine durchschnittliche und nicht ganz neue Fantasy-Story verpackt. Nett für einen Abend und einen Eimer Popcorn. Wer glaubt, mit Weltanschauungsphilosophien wie in Matrix, Inception oder Lucy nachdenklich gestimmt zu werden, ist fehl am (Kino-)Platz. Zwar habe ich von einer Comicverfilmung nichts wirklich Tiefsinniges erwartet und wurde daher in dieser Hinsicht nicht enttäuscht, doch den Hype um "Dr. Strange" finde ich irgendwie schon ziemlich strange.

 Bewertung: Großzügige

👍👍👍  und ein halber 👍



Sonntag, 23. Oktober 2016

Gratis-Download Rezensionsexemplare von "Das Bildnis des Grafen"

Für zwischendurch gibt es mal wieder eine kleine Aktion von mir: bis zum 26. Oktober könnt ihr euch Gratis-Lesefutter für den Herbst besorgen.




Alles, was ihr tun müsst, ist, euch bei Xinxii kostenlos registrieren und beim Ausloggen folgenden Gutscheincode einlösen:

7B6C66A1CC


Mit der Teilnahme an der Aktion und dem Registrieren bei Xinxii verpflichtet ihr euch zu nichts - außer zum Entdecken einer Menge toller ebooks und natürlich zum Lesen meines Debütromans. Eine Rezension auf Amazon, Xinxii, eurem Blog und / oder Bücherforen würde mich sehr freuen, wenn euch "Das Bildnis des Grafen" gefallen hat. 

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Spaß beim Rästeln, Mitfiebern und Nägelkauen... ;)






Samstag, 22. Oktober 2016

Halloween Tipps in Buch und Film

Der Herbst hat uns ja wieder so richtig im Griff: prasselnder Regen, eisiger Wind und rotgolden leuchtende Blätter bestimmen Wetter und Straßenbild.

Und obwohl ich eindeutiger Sommermensch bin und nichts dagegen hätte, 365 Tage im Jahr in Shorts und Flipflops bei tropischen Temperaturen herumzuhüpfen, kann ich der düsteren Jahreszeit mit ein bisschen Mühe etwas Positives abtrotzen: die langen Schmöker- und Fernsehabende, am liebsten zu zweit unter einer Kuscheldecke und einer Kanne Tee.

Daher habe ich ein kleines Video mit meinen Lieblingen - passend zum Thema Halloween - zusammengestellt. Vielleicht kennt ihr ja den einen oder anderen noch nicht und werdet neugierig auf meine Tipps.





Welches ist denn euer Halloween-Schmankerl? Schreibt mir einen echt gruseligen Roman oder Film in den Kommentarbereich, wenn euch etwas einfällt.


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Review "Die Insel der besonderen Kinder" (Tim Burton, 2016)

Endlich scheint mein Vorsatz zu klappen, öfter ins Kino zu gehen, so wie gestern in die Buchverfilmung von Ransom Riggs. Von dem Roman habe ich zwar öfter schon gehört, ihn aber nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob sich Tim Burtons neuestes Werk detailgetreu daran hält oder er sich einige Freiheiten erlaubt hat, die mir nicht ganz klar waren. Jedenfalls habe ich mich gut unterhalten, und der Film war originell, mit gigantischen Effekten und tollen Darstellern. Allerdings fehlte mir ein bisschen das gewisse Etwas, das die früheren Tim Burtons auszeichnet, wie z.B. "Edward mit den Scherenhänden."




Handlung: Der sechzehnjährige Jacob Portman lebt in Florida, ist ein Außenseiter und hat eine besondere Beziehung zu seinem Großvater Abe, der ihm als kleinem Jungen Geschichten erzählt hat, die Jakes Eltern für eine Ausschmückung der Geschehnisse im zweiten Weltkrieg halten. Eines Nachts findet der Enkel ihn ohne Augen hinter seinem Bungalow und kann gerade noch ein schreckliches Monster durch den Wald laufen sehen, das es offensichtlich auf den Großvater abgesehen hatte. Bevor er stirbt, teilt Abe Jake noch mit, dass er zu Miss Peregrine nach Wales gehen soll und sie ihm alles erklären wird.

Der Tod des geliebten Opas löst eine Depression in Jake aus, deretwegen er sich in psychiatrische Behandlung begeben muss. Da die Alpträume nicht nachlassen, rät die Psychologin Jake, eine Reise nach Wales zu unternehmen, um sein Trauma bewältigen zu können. Gemeinsam mit seinem Vater befolgt Jake den Rat und erlebt seltsame Dinge auf der Insel Cairnholmes. Er lernt die besonderen Kinder kennen - sie altern nicht und nehmen Jake mit in eine Zeitschleife, in der sich unaufhörlich ein Tag im September 1943 wiederholt; der Tag, an dem Miss Peregrines Kinderheim bombardiert wurde. Miss Peregrine stellt die Zeitschleife selbst her und kann so sich und die Kinder beschützen. Nicht jedoch vor einer Gruppe "Hollows", die einst ebenfalls besondere Kinder waren und durch eigene Experimente "misslungen" und nun böse sind. Sie sind auf der Jagd nach Augen, die sie essen müssen, um ihre Suche nach dem ewigen Leben fortsetzen zu können. Dank Jakes Fähigkeit, die an sich unsichtbaren Monster sehen zu können,  kommt es zum Kampf zwischen den Hollows und den besonderen Kindern. Als dieser nach dem Durchtreten diverser Zeitschleifen gewonnen wird, hat Jake seinen Großvater retten können, kann durch die Zeit reisen und hat außerdem die Liebe seines Lebens gefunden: die leichtgewichtige Emma, die nur dank Bleischuhen nicht den Boden unter den Füßen verliert.

Überhaupt sind alle Kinder in Miss Peregines Heim tatsächlich außergewöhnlich. Natürlich passt da auch der in der gewöhnlichen Welt als Sonderling geltende Jake hinein - wie sein Großvater vor ihm.





Meinung: Wie bereits erwähnt, fand ich den Film sehr unterhaltsam. Überraschend ist er und voller Ideen, die mich zum Staunen und auch zum Gruseln gebracht haben. Mein Highlight war das Schiffswrack RMS Augusta, das durch die luftige Emma und den vereinten Kräften der allesamt schnuckeligen Kinder wieder fahrtüchtig gemacht wurde. Wahnsinn, wie viel Detailgenauigkeit da drinsteckt! Aber irgendwas an der Geschichte war nicht ganz rund. Ich bin es eigentlich von Tim Burton gewohnt, dass er bittersüße Gefühle weckt (vielleicht auch durch Danny Elfmans zauberhaften Soundtrack, der hier fehlt), und das war in keiner einzigen Szene der Fall. Technisch super und einwandfrei gespielt, mangelt es der Insel der besonderen Kinder m. M. nach an Tiefe und märchenhaft rührenden Momenten. Auch war ich unzufrieden mit dem Schicksal des armen Victor, der später, als sich die Zeitschleife auf Cairnsholmes auflöst, mit keiner Silbe mehr erwähnt wird. Was hätte ich mich gefreut, wenn er ebenfalls den Hollows entkommen wäre! Vielleicht wird im Buch genauer auf ihn eingegangen ebenso wie auf Grandpa Portmans Vergangenheit. Aber um das herauszufinden, müsste ich es lesen... und ich bin mir nicht sicher, ob mir der Film in diesem Maß Lust darauf gemacht hat. Teilweise fand ich die Horror-Effekte für Kinder auch zu krass - ich konnte selbst kaum die Augen schließen in der Nacht aus Angst, jemand reißt sie mit rosaroten Tentakeln heraus.


Bewertung:

👍👍👍 und ein halber 👍




Montag, 12. September 2016

Rezension "Der Kastrat" von Richard Harvell

Kurzbeschreibung Amazon: Hoch in den Schweizer Alpen, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, nimmt eine unglaubliche Geschichte ihren Anfang: Moses Froben erblickt als uneheliches Kind das Licht der Welt. Der Dorfpfarrer muss fürchten, als Vater entlarvt zu werden, und stößt den Jungen in einen Gebirgsbach. Moses wird gerettet und kommt in die Abtei St. Gallen, wo er zum Meistersänger des Chores heranreift. Dann wird er kastriert, damit seine Engelsstimme erhalten bleibt. Und Moses feiert Erfolge auf Europas Bühnen. Aber ein Geheimnis bleibt: Wie kam der weltbekannte Kastrat zu einem Sohn?

›Der Kastrat‹ ist die hinreißende Lebensbeichte eines unwahrscheinlichen Liebhabers, eines Mannes mit der Stimme eines Engels, dessen Gehör zum tragischen Fluch wie auch zum größten Segen seines Lebens wurde.



Inhalt und Meinung: Zunächst einmal etwas zum Klappentext, und das wird der einzige Kritikpunkt sein, den ich anzubringen habe: Er klingt reißerisch und wird den leisen und doch lauten Tönen des Romans nicht gerecht. Jedes Kind, das der Zielgruppe von Lesern angehört, weiß, dass Kastraten keine solchen zeugen können, und es ist daher auch beileibe kein Geheimnis, dass Moses das Kind eines anderen "Sohn" nennt. Aber die Mutter ist nicht irgendeine; es ist Amalia Riecher, geborene Duft, die Liebe seines Lebens. Doch vor lauter Begeisterung greife ich vor. Allerdings ist es gar nicht leicht, diesen ungewöhnlichen und doch so klar und einfach erzählten Roman - die fiktive Biografie des Erzählers Moses - zu beschreiben.

Die Geschichte beginnt mit Moses' tauber Mutter, die in einem Schweizer Bergdorf die Glocken läutet und im Glockenturm wohnt. Der Klang ist etwas Besonderes für sie, weil sie ihn im ganzen Körper spüren kann - eine Eigenschaft, die sie ihrem kleinen Sohn weitergibt, der namenlos bleibt, bis er von den Mönchen Nikolai und Remus aus einem reißenden Fluss gerettet und adoptiert wird. Vor allem mit Nikolai freundet sich der schweigsame Junge an, er bewundert ihn und wird von ihm beschützt, als er im Kloster von St. Gallen ein neues Zuhause findet. Genauer gesagt, wird er dort geduldet; die Chorknaben verspotten ihn aufgrund seiner schönen Stimme und finden in ihm ein Opfer ihrer grausamen Streiche. Der Chorleiter erkennt Moses' Stimmwunder und fördert ihn; als er zehn Jahre alt ist, lässt er ihn heimlich kastrieren, damit er seine Stimme nicht verliert.

Erst Jahre später findet Nikolai es heraus und rächt sich furchtbar an Chorleiter Ulrich, der fortan des Klosters verstoßen wird, ebenso wie die beiden Mönche. Moses erhält die "Gnade", Novize zu werden, da sich für ihn laut Aussage des Abtes die Frage nicht stellt, ob er weltlicher Liebe entsagen kann. Außerdem würde ihn ohnehin keiner haben wollen. Aber es gibt jemanden: Amalia Duft, die Moses bereits seit Kindertagen kennt. Doch Moses schämt sich. Er ist ein "halber Mann mit dem Gesicht eines Engels" und daher darf Amalia ihn bei ihren heimlichen nächtlichen Treffen nicht ansehen. Trotzdem kann man in jeder Zeile lesen, wie sehr sich die beiden lieben. Für mich wurde schon bald klar, dass Amalia recht früh um Moses' Geheimnis wusste und ihn dennoch zu keiner Zeit deswegen verachtet oder belächelt hat - ebenso wie Moses ganz sicher war, dass Amaila trotz eines steifen Beines die Frau seines Lebens ist.

Und das war für mich irgendwie der Schlüssel und die Schönheit des Buches. Ohne großes Gewese oder Kitsch wird eine Liebesgeschichte erzählt, die tief zu Herzen geht und trotz der oft schlimmen Dinge, die Moses widerfahren, mit Humor und (Selbst-)Ironie gewürzt ist. Als Moses unter beschwerlichen Bedingungen nach Wien reist, um die dort reich verheiratete Amalia ausfindig zu machen, musste ich über seine Unerfahrenheit und seinen Sinn fürs Unpraktische manchmal schmunzeln, und man möchte ihn manchmal einfach in die Arme nehmen und ihm übers Haar streichen. Mir gefallen Protagonisten, die nicht perfekt, aber liebenswert und gelegentlich auch unsicher sind, und Moses ist einer der wenigen dieser Sorte. Er trifft einen weiteren "Bruder des Messers", seinen Maestro, der ihn zum professionellen Opernsänger ausbildet. Doch Amalia verliert Moses nie aus den Augen.

Im wahren Leben, das er im Rückblick seinem Sohn erzählt, ist er eher schweigsam und ein stiller Beobachter von Klängen, oft ungeschickt und weltfremd, doch der Autor Richard Harvell schreibt ihn in poetischen, eloquenten und anrührenden Sätzen nieder, lässt ihn ein wenig wie einen Sonderling wirken und dann doch wieder wie jemand, der das möchte, was alle wollen und dafür bereit wäre, auf alle Reichtümer und Gaben dieser Erde zu verzichten. Da ihm und Amalia kein langes Glück beschieden ist (das ich den beiden von Herzen gegönnt hätte), liebt er ihren Sohn wie seinen eigenen.

Fazit: Ein toller Roman, unaufdringlich, gefühlvoll, ungekünstelt und trotzdem von großer Sprachgewalt, die mich als Leser am Ende sprachlos gelassen hat. Eine absolute Leseempfehlung!



Bewertung:               👍👍👍👍👍



Montag, 29. August 2016

Review "Wuthering Heights" (1992) nach Emily Bronte

Momentan versuche ich mich an den englischen Klassikern. Es ist ein bisschen beschämend, wenn man als quasi anglophile Autorin die Brontes und Jane Austen nur vom Hörensagen kennt. Das im Titel genannte Buch habe ich tatsächlich irgendwann mal angefangen zu lesen - und wieder aufgegeben. So sehr es wohl zu Recht ein Klassiker ist, konnte es mich nicht wirklich fesseln. Da ich aber wie die Brontes eine Vorliebe habe für einsame, schaurige Gegenden, menschliche Abgründe und dramatische Wendungen, habe ich es bequemerweise mit der Verfilmung probiert, die sich nahe an die Vorlage hält. Ralph Fiennes als Heathcliff hat seinen Teil dazu beigetragen, aber nicht wirklich geholfen, was mein Verständnis für den Stoff respektive meine Begeisterung entfacht hätte. Ich glaube fast, es ist für mich kein Versäumnis, bei britisch-literarischem Allgemeinwissen nicht zu punkten. Außer für den unwahrscheinlichen Fall, ich säße mal bei einer Quizsendung auf dem heißen Stuhl.

Die doch recht simple Handlung hat sich mir nicht im Detail eingeprägt, leider. In Emily Brontes Roman geht es um Rache und alles verzehrende Liebe, die doch keusch bleiben muss, und ich fragte mich die ganze Zeit, weshalb, waren Catherine Earnshaw (Juliette Binoche) und Heathclifff doch gar keine leiblichen Geschwister, nicht einmal entfernt miteinander verwandt. Warum die Tussi ihn nicht haben wollte und stattdessen den faden Edward geheiratet hat, blieb mir ein Rätsel. Immerhin haben sich beide in schwülstigen Ergüssen seit Kindesbeinen ihre Liebe zueinander geschworen, und was macht's, dass Heathcliff ein Zigeuner ist? Oder habe ich etwas Wichtiges verpasst?

Jedenfalls kommt seine Rache für die stumme Zurückweisung über die gesamte Familie, wenn er nicht gerade die Diva spielt und sich gekränkt zurückzieht. Die Sprache fand ich gewöhnungsbedürftig, die Dialoge fast zu symbolträchtig für alles Kommende ("Wenn du mich noch einmal küsst, Heathcliff, dann sterbe ich." - und so war es.). Catherine segnet das Zeitliche natürlich im Kindbett wie alle anderen schwangeren Frauen im Roman. Siebzehn Jahre später ergreift Heathcliff die Gelegenheit, ihre Tochter zu kidnappen, nachdem er sich bereits Hareton, den Sohn von Catherines leiblichem Bruder Hindley, unter den Nagel gerissen hat, seines Zeichens legitimer Erbe von "Wuthering Heights", was dieser jedoch nicht weiß. Ziemlich perfide, vor allem, da Heathcliff Catherines Tochter aus Habsucht mit seinen eigenen Spross zwangsverheiratet, der dem frühen Tod geweiht ist wie alle Protagonisten. Denn Heathcliffs Handeln bleibt nicht ungesühnt: als ein zufälliger Besucher von einer merkwürdigen Erscheinung des Nachts im Anwesen berichtet, weiß er sofort, dass es sich um Catherines Geist handelt, die ihn zu sich lockt. Sein Ende wird als Unfall dargestellt, und für Catherines Catherine und Hindleys Hareton beginnt ein neues Leben... (und *das* wäre doch skandalöser als eine Verbindung zwischen Catherine Earnshaw I. und Heathcliff, oder? Immerhin sind die beiden Cousin und Cousine.)

Nun muss ich mir ein wenig weibliche Oberflächlichkeit zugestehen: Trotz der schlecht sitzenden Perücke oder den lieblos angeknüpften Extentions war Ralph Fiennes ein Hingucker in dem zeitgenössischen Gehrock. Außerdem war er zu Prä-Voldemort-Zeiten einer der international gefragtesten Schauspieler auf der Bühne und im Film, und auch das hat seinen Grund. Der verschlossene und eifersüchtige Heathcliff agiert und reagiert nicht sympathisch, aber nachvollziehbar, während mir Catherine wie eine Parodie einer Frau vorkam, die in den 1800ern unabhängig dargestellt werden sollte. Viel zu aufdringlich und spöttisch, und dabei keine Spur mitfühlend, finde ich, hat sie ihr Schicksal selbst heraufbeschworen. Sympathiepunkte gab es bei mir keine. Dass ihre Tochter charakterlich in diesselbe Kerbe schlägt, war mir ein bisschen zu klischeebeladen. Schwamm drüber. Sobald sie Haretons Kind zur Welt gebracht hat, wird sie eh ins Gras beißen... wetten?

"Wuthering Heights" war mir zu morbid und zu wenig hoffnungsvoll, obwohl ich immer noch glaube, dass ich Emily und Charlotte gern mal zum Tee eingeladen hätte und wir nett miteinander hätten plaudern können. Mir gefällt, dass sie glaubwürdig Männer wie Heathcliff und Mr. Rochester aus "Jane Eyre" porträtieren, die Fehler und Unsicherheiten hatten, was selbst heute noch - besonders für weibliche Schriftsteller - eher die Ausnahme ist. Auch die unheimlichen Elemente finden meine Zustimmung und wecken mein Interesse an ihren Werken. Insofern liegen die Brontes mir näher als z.B. Jane Austen mit ihrem perfekten Mr. Darcy. Aber um mir da ein genaues Urteil bilden zu können, werde ich wohl mal einen ihrer Romane lesen müssen. Oder eine der unzähligen BBC-Verfilmungen anschauen.

Bewertung:
👍👍👍







Dienstag, 16. August 2016

Rezension "Die Überfahrt" ~ Joseph O'Connor (leichte Spoiler!)

Romane über (fiktive) Schiffsfahrten in vergangenen Zeiten liebe ich. Mein Lieblingsbuch in dieser Hinsicht ist "To the Ends of the Earth" von William Golding, zu dem es eine grandiose BBC-Verfilmung in drei Teilen gibt. Man lernt viel über die Charaktere der Passagiere, leidet mit ihnen, kann sich viele eigene Gedanken zum Geschehen auf engstem Raum machen und wie man selbst als Schiffsreisender gehandelt hätte (und ist dann froh, dass es heute bequemere Reiserouten und komfortablere Kabinen gibt - sofern man in der damaligen Zeit (19. Jahrhundert) das Glück hatte, letzteres zugeteilt zu bekommen).

In Joseph O'Connors "Die Überfahrt" werden drei Schicksale raffiniert miteinander verwoben.






Inhalt und Meinung:
1847, zur Zeit der Hungersnot in Irland: Der Lord und ehemalige Großgrundbesitzer David Merridith geht mit seiner Familie und dem Kindermädchen Mary Duane an Bord der "Stella Maris" in der Hoffnung, sich in Amerika ein neues Leben als Architekt aufzubauen, ohne zu ahnen, dass eine Gesellschaft von vertriebenen Pächtern nach seinem Leben trachtet und zu diesem Zweck den Iren Pius Mulvey als Mörder und Mitpassagier auf ihn ansetzt. Mulvey ist vom entbehrungsreichen Leben gezeichnet; er wird von Crew und Passagieren als Sonderling bezeichnet, höflich zwar, aber doch irgendwie unheimlich und abstoßend. Tatsächlich entwickelt man im Lauf der Geschichte keinerlei Sympathie zu ihm, denn er ist nicht nur skrupellos, sondern schwach und opportunistisch und am Ende ein jämmerliches winselndes Etwas.

Die Kapitel werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt, oft in Logbucheinträgen vom Kapitän der "Stella Maris", dann wieder aus Sicht des Lords, Mary Duane und Pius Mulvey oder dem amerikanischen Journalisten Dixon, der ein Verhältnis mit der Frau des Lords hat und darauf aus ist, seinen Rivalen bloßzustellen.

"Die Überfahrt" ist kein einfaches oder erhebendes Buch. Ich hatte Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden, was auch an den oft sehr ausführlichen Fußnoten über den historischen Hintergrund lag und der mitunter zu ausschweifenden Eloquenz des Autors, der nicht selten zehn Zeilen für einen Ausdruck gebraucht, um die Vielfältigkeit und Sprachgewalt des irischen Wortschatzes zu unterstreichen. Doch ich mochte Mary Duane, und besonders den feingeistigen und sensiblen Lord David Merridith, der sich als Kind schon in sie verliebt hatte.

Die Rückblenden seiner Kindheit und Jugend sind anrührend beschrieben und zeigen, wie sehr er eigentlich unter seiner privilegierten Stellung und der strengen Hand des Vaters gelitten hat. Zum Ausgleich strebt er ein kameradschaftliches Verhältnis zu seinen eigenen Söhnen Jonathan und Robert an, das nicht ohne Fettnäpfchen vonstatten geht, mir den Lord aber umso liebenswerter erscheinen ließ. Seine Ehe steht schon lange auf der Kippe, nicht zuletzt Mary Duanes wegen, für die er immer noch zaghafte Gefühle hegt. Deren Lebenslauf liest sich - ähnlich wie Pius Mulveys - wie aus einem Dickens-Roman: traurig, trist und dennoch voller Tragödien und Entbehrungen. Beide Männer, die sie einst liebte, sind mit ihr auf dem Schiff, und von beiden erwartete sie Kinder, die entweder bei der Geburt starben oder aus Verzweiflung im hungernden Irland vom Adoptivvater getötet wurden. Bis zuletzt bleibt ihre Herkunft im Dunkeln, doch eine wirkliche Überraschung war sie nicht mehr wirklich, obwohl ich aufgrund des Umfangs des Buches nicht mehr genau weiß, ob sie zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt wurde. Auch das Ende des Lords ist abzusehen und vorgezeichnet - selbst wenn der Mord an dem armen Nichtsahnenden angesichts seiner gesundheitlichen Lage zum Schluss der Reise beinahe als Gnadentod zu werten wäre.

Überhaupt: Die Schilderungen von Mord, Elend, Not und Verzweiflung im Allgemeinen und den Zuständen auf der "Stella Maris" im Besonderen sind teilweise recht krass und nichts für zartbesaitete Gemüter. Es geht mir dabei nicht so sehr um die vielen, ohne Zweifel beklagenswerten Todesfälle an Bord, sondern vor allem um die Grausamkeit Mulveys und die fatalistische Hoffnungslosigkeit der Nebenfiguren. Beileibe kein Feel-Good-Buch, aber interessant für geschichtlich Interessierte.

Fazit: Nach einer gewissen (und etwas zähen) Eingewöhnungszeit möchte man schon wissen, wie es weitergeht mit den Charakteren; die Geschichte ist spannend und gut erzählt, doch ganz ehrlich: richtigen Spaß hatte ich bei "Die Überfahrt" nicht. Ein bisschen mehr Leichtigkeit hätte trotz oder gerade wegen des ernsten Themas nicht geschadet. Deprimierend, an einigen Stellen verwirrend, ohne Humor oder einen Funken Hoffnung für die Beteiligten, die mir aufgrund der häufigen Perspektivenwechsel erstaunlich fern bleiben, kann ich den Roman trotz seiner Raffinesse und sorgfältiger Recherche nur Geschichtsfans und geduldigen Stoikern empfehlen.


Bewertung: 
👍👍👍






Freitag, 12. August 2016

Review "Eine dunkle Begierde" ~ A Dangerous Method (2011)

Zurzeit durchlaufe ich meine "Fassy-Phase". Das hat nichts mit Michael Fassbenders stahlblauen Augen zu tun oder damit, dass ich ihn als Schauspieler besonders toll fände. Vielmehr - so denke ich - sind Heimatgefühle mit im Spiel: Michael Fassbender wurde als Sohn eines Deutschen in der Stadt geboren, in der ich gerne bummeln gehe, nur knapp 30 km von meinem Wohnort entfernt. Da macht es mich schon ein bisschen stolz, dass er mittlerweile zur internationalen Schauspielriege gehört. Und na ja, er ist nicht mein Typ mit dem seltenen Nussknackerlächeln, aber hässlich nun auch wieder nicht...^^




Gestern habe ich mir "Eine dunkle Begierde" angeschaut, ein Semi-Biopic über die Beziehung von Sigmund Freud (ein nicht zu erkennender Viggo Mortensen) und Carl Gustav Jung (Michael Fassbender). Mitmischen musste durfte auch Keira Knightley, die ich leider so gar nicht abkann. Vielleicht ist sie für viele Männer die neue Audrey Hepburn, aber ich finde sie übertrieben in jedem Film, den ich bisher mit ihr gesehen habe. Auch als die frühere Jung-Patientin und spätere Psychoanalytikern Sabina Spielrein macht sie keine rühmliche Ausnahme. Gewissenhaft hysterisch und irgendwie trotzdem steif und unglaubwürdig porträtiert sie Spielrein, die sich in Jung verliebt und zu dessen Mätresse sie wird. Eigentlich wollte Jung sie mit der von Freud entwickelten "Sprechtherapie" heilen, doch der Schuss geht nach hinten los: seit sie als Kind geschlagen wurde, steht sie auf Demütigungen und lässt sich am Nachmittag gern mal von Jung mit dem Rasierriemen verdreschen. Der tut das zwar eher widerwillig, kann aber nicht von Fräulein Spielrein lassen (ganz unter uns: die gleichgültige Eleganz, mit der Fassy Frau Knightley den Hintern versohlt, hätte ihn für mich zu einem Uber-Christian Grey qualifiziert). Trotz Frau und vier Kindern trifft er sie immer wieder mehr oder weniger heimlich (Achtung Wortspiel!).

Sigmund Freud weiß lange nichts davon, doch er hält Jung ständig unter die Nase, dass aller Ursprung und die Muster menschlichen Verhaltens stets in der Sexualität zu finden seien - eine Theorie, die Jung zu simpel erscheint und die letztendlich zum Bruch zwischen ihm und seinem großen Vorbild führt; schließlich sollte es mehr geben, was die Welt im Innersten zusammenhält. Als Jung endgültig eigene Wege und auf die Suche nach dem Innersten geht, erhält Freud noch einmal Besuch von Sabina und muss eingestehen, dass Frauen eventuell auch ganz passable Psychoanalytiker abgeben könnten.

Die letzte Begegnung zwischen ihr und Jung verläuft weniger bravourös: sie ist jetzt die toughe Superfrau, während er ihr immer noch nachweint und einen unzureichenden Ersatz aufgetrieben hat, nämlich eine weitere Patientin. Und vielleicht - vielleicht hat das Innerste doch mit dem Instinkt zu tun...

Meinung: Ein bisschen fad, langweilig und profan war's. Von einem Werk des innovativen und kontroversen David Cronenberg habe ich mir mehr versprochen (warum eigentlich?). Schöne Innenaufnahmen, tolle Kostüme und die liebliche Bodenseelandschaft - gedreht wurde in Überlingen und Konstanz - machen den Kohl nicht fett.

Auch waren die Dialoge teilweise verwirrend für psychologische Laien, dann wiederum zu oberflächlich und politisch, und wirkliches Interesse konnte keiner der drei Protagonisten bei mir wecken - das macht für mich immer ein gutes Biopic aus: wenn ich mehr über die dargestellten historischen Persönlichkeiten wissen möchte.

Fazit: Malerische Kulisse, eine nervige Keira Knightley und ein bisweilen zu behäbig erzählter Film, in dem die Thematik und die Beziehung zwischen Freud und Jung für mich nicht wirklich ausgereizt wurden. Da hätte man mehr draus machen können.

Bewertung: 

                                ganz knappe drei

 👍👍👍



Freitag, 15. Juli 2016

Review "Der Mann ohne Gesicht" (1993) ~ Mel Gibson - Leichte Spoiler -

Filme wie diesen muss man suchen. Eine Perle, die heute kaum jemand mehr kennt, und Mel Gibsons Regiedebüt (für die Küken unter uns: der Michael Fassbender der 1980er und 1990er Jahre), ist "Der Mann ohne Gesicht" eine Charakterstudie zweier Menschen, die sich aufgrund ihrer Andersartigkeit und der Reaktion auf ihr soziales Umfeld finden und sich gegenseitig helfen. Das Thema ist nicht neu, und dennoch habe ich es selten so sensibel und zugleich unterhaltsam umgesetzt gesehen.



Inhalt: Sommer 1968: Der zwölfjährige Charles lebt mit seinen beiden nervigen Halbschwestern und der heiratswütigen Mutter in einem Küstenort in der Nähe von Boston. Aufgrund gelegentlicher Absencen und Konzentrationsschwäche gilt er als geistig minderbemittelt und besteht die Prüfung zur weiterführenden Schule nicht. Da er jedoch unbedingt aufs College möchte, lernt er durch einen Zufall oder die Fügung den ehemaligen und schroffen Lehrer Justin McLeod (Mel Gibson) kennen, der in einem großen Haus am Rande der Stadt mit Hund und Pferd ein Eremitendasein führt. Nicht zu Unrecht, wie sich herausstellt. McLeods Vergangenheit und die Brandnarben an Gesicht und Körper stempeln ihn zum Freak und "Matschkopf" ab, und der Dorfklatsch tut ein Übriges. Charles "Chuck" Norstadt lässt sich weder von Gerüchten noch von der abweisenden Art McLeods einschüchtern, und bald entwickelt sich eine Freundschaft, von der beide profitieren. Chuck findet eine Vaterfigur in McLeod, während dieser neuen Lebensmut schöpft. Doch die Beziehung der beiden ungleichen Außenseiter bleibt nicht ohne Aufsehen und Folgen...

Meinung: Allein die Zeit, in der die Geschichte spielt, finde ich faszinierend. Retrocharme, wenn er gut gemacht ist, kann ich mich nicht entziehen. Und er war gut gemacht! Eine Citroen DS, niedliche, altmodische Küstenwohnungen, bunte Mode, das sommerliche Setting und Flower Power-Flair tragen viel zur Atmosphäre bei, und die Schauspieler wirken ebenso authentisch. Besonders Mel Gibson als McLeod liefert eine Glanzleistung. Zwar hat der Mann durchaus keinen Grund zum Lachen, doch man spürt als Zuschauer, dass er sich mit der Situation abgefunden hat, wenn auch recht widerwillig. Er gibt sich die Schuld an dem Unfall, der zu seiner Entstellung führte, meidet Gesellschaft und geht erst nach Geschäftsschluss im Krämerladen einkaufen, um niemanden zu begegnen.

Durch Chuck lernt er allmählich wieder, sich gebraucht und akzeptiert zu fühlen. Umgekehrt geht es dem Jungen genauso; seine Zuneigung zu dem älteren Mann hat fast schwärmerische Züge, und auch das war schön und unschuldig porträtiert von dem damals vierzehnjährigen Nick Stahl. Gelegentlich war er mir ein bisschen zu aufgedreht, aber naja, Chuck ist ein Prepubertierender mit Geltungsbedürfnissen, und er hat mit McLeod viel nachzuholen, was er in seinen harten ersten Lebensjahren nicht erfahren durfte. Ein wenig Klischee wie die idealisierte und dann zerstörte Vater-Sohn-Beziehung musste auch rein, aber da der Film so toll ist, war das völlig ok. Weniger toll fand ich die etwas zu schwülstige Musik von James Horner, der damals wohl schwer gefragt war. Da wären moderne Evergreens passender gewesen - bestimmt gibt es welche, die melancholisch genug sind ("Moon River" zum Beispiel, das auf einer Party gespielt wird). Oder etwas weniger Schweres.

Gänsehautmomente gab es viele. Sehr berührend ist die Szene, in der McLeod im Rahmen von Charles' Prüfungsvorbereitungen Shakespeares "Kaufmann von Venedig" zitiert, und ich glaube, ich muss die Szene youtuben.





Am allerbesten gefallen hat mir allerdings das Haus - fast schon eine Villa - in der Mel Gibson haust. Und die psychologische Komponente des Films. Nicht nur, dass sich zwei "Freaks" fanden - sie haben ihre Ängste und Schwächen mit gegenseitiger Hilfe überwunden und konnten ihrem Leben Sinn geben. Gut daran war auch, dass McLeods Vergangenheit relativ offen bleibt und man als Zuschauer nicht genau weiß, wie und wo er sein neues Leben begonnen hat und ob er am Ende kein Eremit mehr ist. Trotzdem ein stilles, hoffnungsvolles Feel-Good-Movie mit der richtigen Balance zwischen Unterhaltungs- und Besinnlichkeitsfaktor, ohne in Kitsch abzudriften.

Fazit: Hätte für mich das Zeug zum Klassiker. Aber das hat ja dann "Braveheart" ein paar Jahre später geschafft.

Bewertung:

👍👍👍👍 und ein halber  👍




Mittwoch, 15. Juni 2016

Sommeraktion: "Das Bildnis des Grafen" für € 2,99 !

Eigentlich ist mein historischer Schauerroman ja eher ein Herbst- und Winterschmöker. Aber mal ehrlich, der Sommeranfang hat ziemlich viel vom Herbst mit seinen unerwarteten Regengüssen und niedrigen Temperaturen. Was ist also schöner, als sich bei Schmuddelwetter mit einer Decke und einer Kanne Kaffee oder Tee aufs Sofa einzukuscheln und dabei ein dickes, spannendes Buch zu lesen, das einen in eine andere Welt entführt?




Bis zum 19. Juni (danach wird es heiß, ganz bestimmt, und ihr könnt mit eurem Kindle nach Balkonien oder den Strand umsiedeln!) läuft auf Amazon mein Angebot, bei dem ihr das ebook zum Grafen zur Hälfte des regulären Preises erstehen könnt. Den Link gibt es unten im Widget - einfach draufklicken.




Donnerstag, 9. Juni 2016

Hurra! Sie steht noch!

Es gibt Dinge, die nimmt man einfach als selbstverständlich oder glaubt, dass sie sich niemals ändern werden. Das können Menschen, Situationen oder auch die Natur und Orte sein. Eines dieser Dinge ist für mich die Pappel am Fluss, ein Platz, an dem ich schon sehr lange wohne bzw. den ich seit meiner Kindheit kenne.

Gestern Nachmittag schlug in die schöne, riesige Pappel während eines Unwetters der Blitz ein. Da sie sich sehr nahe an meinem Haus befindet, dachte ich zuerst, es wäre unmittelbar bei mir und geriet fast ein bisschen in Panik (der Krach war wirklich ohrenbetäubend!). Auch, weil für einen Moment alles hell war und ich schon befürchtete, es hätte meine Linde im Hof erwischt. Kurz darauf musste ich noch etwas besorgen und war erstaunt über die Holzsplitter entlang der Brücke, die die Straße säumten. Ich fand nämlich nichts, was sonst auf einen Blitzeinschlag in einen Baum hingedeutet hätte. Erst auf dem Rückweg entdeckten mein Nachbar und ich die lange "Streifwunde" an der Pappel. Ich war nicht weiter beunruhigt, bis gegen neun Uhr abends die Feuerwehr auftauchte, die Straße an meinem Geländer abgesperrt hat und sich bei andauerndem Leuchtsignal des Dienstwagens stundenlang beriet, was zu machen sei.

Ich fragte einen greifbaren Feuerwehrmann, was sie denn vorhätten, und er meinte, sie müssten wohl die Pappel aufgrund der Instabiltiät fällen, die der Blitz verursacht hat. Mein entsetztes Gesicht muss Bände gesprochen haben. Obwohl ich ihr in den letzten Jahren kaum mehr Aufmerksamkeit geschenkt habe, weil sie so selbstverständlich geworden ist, ist die Pappel ein alter Freund aus Kindertagen. Damals wirkte sie auf mich immer ein bisschen unheimlich, sobald die Dunkelheit anbrach und sie sich - alles andere überragend - irgendwie gespenstisch und vertraut zugleich im Wind wiegte und mir zuwinkte.

Jedenfalls war ich schockiert. Meine Pappel, ein Relikt aus meiner Kindheit - einfach fort! Aber es musste wohl sein, denn sie befindet sich im Wohngebiet, und wäre sie mit ihren fast vierzig Metern auf die Häuser gekracht, wer weiß, was passiert wäre. Trotzdem tat es weh, zu sehen, wie die Feuerwehrmänner Ast um Ast absägten und alles aus großer Höhe ans Ufer und ins Wasser fiel. Ich brachte es nicht einmal über mich, ein Foto zu machen und ging schweren Herzens zu Bett.





Heute Morgen war die Absperrung entfernt, und wer noch da war, war die Pappel! Etwas dezimiert zwar (man sieht noch den Blitzeinschlag), aber sie steht und wird wohl noch eine Weile bleiben und mir zuwinken. Ich hätte nie gedacht, wie sehr mich das freut. Und mein Respekt für die Arbeit der Feuerwehr ist noch größer geworden als ohnehin schon. Auch der für die Gewalten der Natur, aber das ist eine andere Geschichte.




Samstag, 4. Juni 2016

Buchtrailer meiner Romane Up to Date

Leider hat sich bei mir in der letzten Zeit nicht besonders viel getan, das es wert wäre, auf meinem Blog kundzutun, und Bilder von der Sonne und braungebrannter Haut kann ich bei dem durchwachsenen Wetter nicht bieten.

Aber ich experimentiere immer wieder gerne mit dem Videoprogramm von Animoto und erstelle kleine Filmchen. Es bot sich an, nach der Neugestaltung der Cover einen passenden Trailer hochzuladen.





Der erste ist der aktuelle, doch da ich einen weiteren produziert habe, der noch nicht auf dieser Seite verewigt wurde (und wo sonst könnte ich meine Teaser besser sammeln als hier?), poste ich ihn als kleines Bonusmaterial. Vielleicht kann ja der eine oder andere Leser etwas damit anfangen und Autoren Animoto als Marketingtool nutzen, das sie zuvor nicht kannten. Dann würde es mich freuen, geholfen zu haben.





Auch für Privatpersonen ist das Programm ein Riesenspaß, etwa um Urlaubserinnerungen in den passenden Rahmen zu rücken oder eine individuelle Grußbotschaft zu senden, über die der Empfänger staunt und sie in Ehren hält. 



Sonntag, 8. Mai 2016

Alles neu macht der Mai... Angebot meiner "alten" Cover mit Inhalt!

Die meisten meiner Romane haben nun - nachdem ich in www.pixabay.com. eine wirklich formidable Quelle aufgetan habe, einen Generalanstrich erhalten. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei den erstklassigen Fotografen der Plattform bedanken, die ihre Aufnahmen lizenz- und kostenfrei in verschiedenen Größen zur Verfügung stellen. Einfach großartig, dass es so etwas gibt!

Die Auswahl ist grenzenlos und die Entscheidung, welches Bild meine Cover zieren soll, fiel mir nicht immer leicht. Auch wenn es einige gab, die mir sofort ins Auge hüpften, z. B. die "Countryside" für "Ein Spiel zu viel". Genauso stelle ich mir den Landstrich vor, in dem Raphael Blake im mörderisch heißen Sommer 1902 seine Schäfchen hütet.



Aufgrund der Änderungen des Covers stelle ich nun diesen und zwei weitere Titel zum Angebot ein. "Ein Spiel zu viel", "Fairlight" und "Das Bildnis des Grafen" werden als Originalausgaben exklusiv auf meinem Blog zum halben Preis angeboten. Es ist jeweils nur ein Exemplar verfügbar, das ich gern mit Widmung versehe. Für Porto und Verpackung innerhalb Deutschlands kommen pauschal € 2,00 hinzu, d.h. ihr zahlt € 9,60 pro Buch. Jedes ist in einwandfreiem Zustand und ungelesen. Nur eben mit den alten Covern, die - unter uns - auch was hermachen.





Falls euch das eine oder andere Buch interessiert, meldet euch bei mir, am besten über Facebook oder kontaktiert mich direkt über den Blog bzw. im Kommentarbereich.

Hier kommen noch einmal die Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Titeln und die Cover, die es nun nicht mehr geben wird und sich nur noch in meinem Privatbesitz befinden.

Das Bildnis des Grafen:
England, Winter 1917
Der französische Psychologe Gaspard Renoir wird vom Earl of Whitehurst nach Yorkshire beordert, um dessen kriegsgeschädigten Neffen Valentine zu kurieren. Im Park des Herrenhauses trifft der Arzt Mallord Grimby, der Renoir und seinem Patienten den Aufenthalt in einem verwaisten Schloss anbietet, in dem Mallord früher beschäftigt war. Der Schlossherr Carrick Escaray verschwand auf rätselhafte Weise. Genauso rätselhaft erscheinen das Schloss selbst, Mallord und seine Umwelt. Als Renoir beginnt, über Escaray Hall und seine früheren Bewohner Nachforschungen anzustellen, stößt er im Dorf auf heftige Ablehnung und Unverständnis. Ein Geheimnis umweht die Escarays, das offenbar eines bleiben soll. Auch der Landarzt Elwyn Hazelgrove – einst Ziehvater des jungen Carrick – scheint mehr zu wissen, als er preisgibt. Nach und nach entwirrt Renoir mit Hilfe seines jungen Patienten das Geflecht zwischen den beiden seit Generationen verfeindeten Familien Whitehurst und Escaray.



Ein Spiel zu viel:  Sommer 1902
Fünf junge Schauspieler – darunter die Brüder Irving und Orest Van Sander – machen scheinbar Ferien an der Südwestküste Englands. In Wahrheit jedoch treibt Irving Van Sander ein anderer Grund nach Sherborne: der Adoptivvater seines Geliebten Galen Asquith, ebenfalls bei der Truppe, wohnt dort und soll nach Irvings Plänen ausgeschaltet werden, da er fürchtet, Galen zu verlieren, wenn dieser erfährt, dass Raphael Blake noch lebt.
Orest mag den reservierten, aber sympathischen Blake und möchte nicht, dass ihm etwas geschieht. Er überredet Galen, mit ihm zu Blake zu gehen und ihn vor Irving zu warnen.
Die beiden unerwarteten Gäste bringen Unruhe in das beschauliche Dorf, und auch innerhalb der Schauspieltruppe spalten sich nach und nach die Gemüter. Das von Irving Van Sander inszenierte Drama gerät bald außer Kontrolle…




Fairlight: 
Mittelengland, Herbst 1916
Drei Ärzte sind auf dem Weg zu einem Londoner Medizinerkongress. In einem unwirtlichen Stück Wald zwingt sie eine Reifenpanne zur Rast. Ein Reiter, gerade als versehrter Soldat aus Frankreich zurückkehrend, begegnet ihnen zufällig und bietet seine Hilfe an, indem er sie auf das geheimnisumwitterte Fairlight House einlädt, wo ein merkwürdiger Lord abgeschieden mit seinen vier Söhnen haust.
Bald beginnen die Mediziner Interesse an der seltsamen Familie zu bekunden. Besonders Eugene, der jüngste der Söhne, der zudem in eine über geschwisterliche Bande hinausgehende Beziehung zu seinem Bruder Francis verwickelt zu sein scheint und hin und hergerissen ist zwischen verwehrter Flucht aus Fairlight und der Liebe zu Francis, weckt ihre Neugier mit seinem bizarren Verhalten, in dem Dr. Raeburn Schizophrenie vermutet. Eine ihm unerklärliche, jedoch nicht unbegründete Zuneigung zu dem Jungen veranlasst ihn dazu, tiefer in die verstörte Seele zu schauen und die Bewohner des Anwesens genauer zu beobachten, die sich allesamt höchst merkwürdig benehmen.




Ich freue mich über Anfragen! Das Angebot gilt, solange die Titel mit den alten Covern verfügbar sind. Natürlich könnt ihr auch alle drei zum Preis von € 24,80 oder zwei für € 17,20 haben.