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Dienstag, 22. November 2016

"The Creeping Flesh" Gothic Horror vom Feinsten mit den Gentlemen des Gruselkinos

Der deutsche Titel  lautet "Nachts, wenn das Skelett erwacht" und klingt nach trashigem 1970er Jahre-Horror. Gedreht 1972, also lange nach den glorreichen Hammer-Movies aus den 1950ern, habe ich nicht allzu viel erwartet. Aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gut unterhalten und auch wenn der Film nicht wirklich gruselig ist mit seinen damaligen Tricktechniken und dem unvermeidlichen Pappmachee-Charme, fand ich die Darsteller überzeugend und die Geschichte ziemlich originell.


Story: 1893: Der Forscher und Wissenschaftler Emmanuel Hildern (Peter Cushing) bringt von einer seiner Forschungsreisen ein monströses Skelett aus Neuginea mit ins viktorianische England. Er findet mit Hilfe alter Bücher heraus, dass dieses Skelett das Böse in sich trägt und beginnt damit, ein Serum dagegen zu entwickeln. Sollte er erfolgreich sein, könnte er - so glaubt Emmanuel - die Menschheit vom Bösen befreien. Das hat auch einen persönlichen Grund: seine Frau wurde wahnsinnig und vegetiert seit Jahren in der Irrenanstalt seines Halbbruders James (Christopher Lee) vor sich  hin. Emmanuels Tocher Penelope weiß davon nichts und glaubt, ihre Mutter sei schon lange tot. Tatsächlich erhält Emmanuel nach seiner Rückkehr die Nachricht, dass seine Frau kürzlich verstorben ist. Er versucht, es vor Penelope geheimzuhalten, doch sie erfährt davon und regt sich dermaßen darüber auf, dass Emmanuel fürchtet, sie könnte wahnsinnig werden wie die Mutter. Er spritzt ihr das Serum, in der Hoffnung, dass es das "Böse" besiegt und Penelope vom Wahnsinn verschont bliebt.

Dummerweise ein Schnellschuss, denn das Böse lässt sich nicht mit einer kleinen Spritze aufhalten. Penelope entwickelt kriminelle Energie und bringt zwei Männer um, bevor sie zu Onkel James ins Irrenhaus gebracht wird. James findet heraus, woran sein Bruder arbeitet, und ist selbst interessiert an dem mysteriösen Knochenfund. Er lässt es aus Emmanuels Labor stehlen, was aber ziemlich schiefgeht (merke: nur ein knochentrockenes Skelett ist ein gutes Skelett). Nachdem das wiederauferstandene Böse seinen linken Mittelfinger von Emmanuel zurückfordert, den dieser für Proben analysiert hat, verliert Emmanuel den Verstand und landet in einer Zelle im Irrenhaus seines ehrgeizigen Bruders... und es bleibt mehr oder weniger dem Zuschauer überlassen, wer von den beiden Brüdern der Wahnsinnige ist.

Mir hat der Film gut gefallen, was nicht zuletzt an den beiden großen Herren des britischen Horrorkinos liegt. Mit welcher Überzeugung und Ernsthaftigkeit die beiden in einem relativ dünnen Plot spielen, das macht einfach Spaß. Und es ist einer der wenigen Filme, die den Charme der Hammer-Filme in die 70er gerettet haben. Zudem wartet "The Creeping Flesh" mit sämtlichen Zutaten klassischer Gothic-Geschichten auf, die in den überwiegend klamottigen 1970er Jahren eigentlich gar nicht mehr in Mode waren. Dadurch wirkt der Film erfrischend zeitlos, sogar fast modern und ein bisschen, als könnte er heute noch ohne allzu große Veränderungen ein Remake vertragen. Dann allerdings leider ohne die beiden charismatischen Hauptdarsteller - und das gäbe schon einen Stern weniger.

Fazit: Wirklich empfehlenswert für alle, die mehr auf Atmosphäre als auf Gemetzel stehen und sich nicht an antiquierten Tricktechniken stören.


Bewertung: 

👍👍👍👍👍
 



Mittwoch, 21. Mai 2014

The name's Sherlock Holmes. And the address is 221 B Baker Street.


Was fasziniert mich eigentlich an dem neuen, hypermodernen Format der BBC-Serie "Sherlock" (Start der dritten Staffel in Deutschland am 29. Mai auf der ARD), die derzeit als eine der weltbesten Serien gilt?

Man könnte meinen, der letzte Abschnitt und das darin enthaltene Prädikat erklären es schon, doch  das ist bei weitem nicht der Fall. Ich habe einen recht eigenen Geschmack und finde häufig Dinge, die die meisten cool finden, uncool und umgekehrt. Zudem bin ich eher altmodisch und wurde mit der Reinkarnation des viktorianischen Meisterdetektivs zunächst überhaupt nicht warm. Allein die Idee fand ich absurd. Zu sehr waren Holmes und Watson im ausgehenden 19. Jahrhundert verwurzelt, in dem noch nicht einmal ein Visionär wie seinerzeit Leonardo daVinci an Smartphones, IPads und Internet zu denken wagte. Auch bin ich nicht unbedingt großer London-Fan oder Experte in Sachen Arthur Conan Doyle.

Ausschnitte aus den Spätnachtwiederholungen haben mich nie wirklich vom Sofa gerissen, im Gegenteil. Ich hatte irgendwie keinen Bezug zu dem, was da auf dem Bildschirm in scheinbar atemberaubender Geschwindigkeit vor mir flimmerte, verstand jeden zweiten Satz nur halb oder gar nicht und wollte mir nicht einmal die Mühe machen, die technischen Spielereien zu würdigen, die ich in nicht gar so ausgefeilter Form bereits in "House MD" gesehen hatte. Die Protagonisten - obwohl in ihrer ambivalenten Beziehung zueinander angelehnt an House / Wilson respektive klassischer Holmes / Watson - fand ich nichtssagend und außerdem viel zu jung. Mein Sherlock Holmes-Bild haben gestandene Gentlemen wie Basil Rathbone und Peter Cushing geprägt. Der *kleine* Holmes war dagegen eher frech, mitunter sogar zum Fremdschämen peinlich und impertinent, etwa als er auf Nikotinentzug übertrieben inhalierend an einem Klienten schnüffelt, der eben noch eine Kippe im Gesicht stecken hatte. Heute gehört diese Szene zu meinen absoluten Highlights, gemeinsam mit dem unfreiwilligen Tanz  aus The Blind Banker. Und natürlich dem Mind Palace.

Im Forum habe ich mich schließlich mal zu Wort gemeldet im entsprechenden Thema und meine nicht gerade überschwängliche Meinung zur Serie kundgetan. Das einzige, was ich bis dahin wirklich gelungen fand, war die extra komponierte Musik wie das etwas schrullige Sherlock-Theme und besonders das Gänsehaut erzeugende, bittersüß anmutende "The Woman". Das war toll. Eine moderne Serie, die auf angesagte Popsongs verzichtet und dafür orchestrale Musikgeschichte schreibt, ist schon einen näheren Blick wert. Allerdings hatte ich keine Ahnung, weshalb jeder so begeistert an der Theorie zum "Reichenbachfall" mitgerätselt hat. Man legte mir nahe, die DVDs zu kaufen, um die Serie an einem Stück sehen zu können und am besten noch in O-Ton. Das war mir ohnehin lieber, habe ich doch auch meinen gehassliebten House nur in der Originalfassung angeschaut, da die deutsche Synchro nicht selten bemüht witzig aufbereitet und somit völlig sinnentfremdet wird. Nichts gegen Synchronisation, aber das Original bleibt doch meist unerreicht.

Lange Rede kurzer Sinn, ich habe mir die DVDs tatsächlich besorgt. Und ich mochte das, was ich sah und hörte, auf Anhieb. Allen voran die samtige Stimme von Benedict Cumberbatch. Kaum zu glauben, wie mich die beeinflusst hat. Der deutsche Sprecher Tommy Morgenstern macht einen guten Job, aber eine Stimme gehört zu einem einzigen Menschen und macht ihn in meinen Augen glaubwürdig. Plötzlich wurde die Serie viel interessanter und lebendiger. Auch Nebenfiguren wie die mütterliche Mrs. Hudson und der hochnäsige Mycroft Holmes erschienen im neuen Licht.

Die Serie hat es sogar geschafft, mein Interesse für den klassischen Holmes wieder zu wecken. Ich las ein paar Geschichten und fand es danach erheiternd, Parallelen und Referenzen in der BBC-Produktion aufzustöbern, die oft nur angedeutet werden. Doch gerade die geschickt versteckten Verbeugungen vor Holmes-Erfinder Conan Doyle und auch die mitunter offen gezeigte kindische und kindliche gezeigte Seite am Genie Holmes geben der Serie einen authentischeren Touch als jede Verfilmung zuvor.

Dass Benedict Cumberbatch nicht nur ein charismatischer Sherlock mit einer sexy Stimme, sondern privat auch ein sympathischer und attraktiver Mann ist, gibt einen für mich nicht unerheblichen Bonus... (O;





Sonntag, 27. April 2014

Hammer, der Horror! ~ Dracula von 1958



Gelegentlich liebe ich Trash. Das manifestiert sich besonders im Anschauen alter B-Movies wie denen aus der Hammer-Produktion der 1950 - 1960er Jahre. Natürlich mit Peter Cushing. Den finde ich großartig - ob als Van Helsing oder Sherlock Holmes oder auch als Mensch, denn er war offensichtlich ein sehr liebenswerter Mann (was man ihm auf den ersten Blick in sein Habichtsgesicht nicht ansieht).

Dieser Dracula-Film von 1958 markiert Christopher Lees erster Auftritt in der Rolle, die ihn berühmt gemacht hat. Ich muss gestehen, ich finde ihn eher ein bisschen gelackt und affig im Vergleich zu seinen blutsaugenden Kollegen Béla Lugosi oder auch Gary Oldman, der sich immerhin noch die Mühe macht, einen osteuropäischen Akzent zu imitieren. Christopher Lee hatte ihn allerdings hier nicht nötig: das Setting ist in einem fiktiven Dörfchen in Deutschland angelegt (ich nehme an, nahe der tschechischen Grenze - das war den Briten wohl noch exotischer als Transsilvanien). Obwohl die Handlung nicht ausschließlich damit nur sehr lose auf dem Roman von Bram Stoker basiert, halte ich diese Version für absolut gelungen und am unterhaltsamsten von allen Dracula-Filmen, die ich gesehen habe.

Das liegt nicht nur an den üppigen Kulissen in grellen Farben, den oft überzogenen Gesten und der beinahe pathetischen Ernsthaftigkeit, mit der die Schauspieler ihre manchmal für heutige Verhältnisse albernen Texte aufsagen oder weil ich Hammer-Filme generell gut finde, da sie eine eigene Atmosphäre haben. Es ist ziemlich mutig, einen Klassiker so auseinanderzupflücken, dass eine absurde Geschichte entsteht, die dennoch Kult-Status erreicht hat. Zu verdanken ist das neben den aufgeführten Faktoren, denke ich, vor allem dem Trio Peter Cushing, Christopher Lee und Michael Gough, Minas Ehemann (Mina ist eigentlich laut Bram Stoker Jonathan Harkers Verlobte, der in dieser Version mit ihrer Schwägerin Lucy verlobt ist - uff, kompliziert!), der jüngeren Zuschauern vielleicht aus Sleepy Hollow ein Begriff ist, wo er einen der starrköpfigen Dorfältesten spielt.

Das Highlight war für mich natürlich Peter Cushing als Van Helsing in seiner umwerfenden Garderobe wie Pelzkragenmantel und rotem Samtrock. Allein seine scharfe, deutliche Theaterstimme und die britische Aura, die ihn selbst an angeblich Deutscher umgibt, wären in meiner Beurteilung schon fünf Sterne wert. Und der Showdown zwischen ihm und dem bösen Grafen ist wirklich zum Gruseln und so herrlich trashig.

Ich mag auch, dass sich dieser Film nicht so furchtbar ernst nimmt im Gegensatz zu Francis Ford Coppolas Version, in der man sich penibel an die Romanvorlage gehalten hat. Und dass Klischees wie der Knoblauch und das Kreuz im Kampf gegen die Untoten immer noch wirksam sind. Wenn es mir auch leid tat um den vornehmen Jonathan Harker, der schon bald nach der Ankunft in Draculas Schloss in den Vampirmodus verfällt und leider nicht mehr (für die sichtbare Welt) gerettet werden kann, sondern unter Van Helsings barmherzigem Pflock und Pfahl zu Asche werden darf.

Es war gestern genau die Art von Unterhaltung, die ich brauchte. Dazu ein Teller voll mit Liebe gekochtem, unblutigem Hühnerfrikasse, und der Abend war perfekt.

Bewertung: 
👍👍👍👍👍




Bildquelle: Pinterest