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Mittwoch, 19. Oktober 2016

Review "Die Insel der besonderen Kinder" (Tim Burton, 2016)

Endlich scheint mein Vorsatz zu klappen, öfter ins Kino zu gehen, so wie gestern in die Buchverfilmung von Ransom Riggs. Von dem Roman habe ich zwar öfter schon gehört, ihn aber nicht gelesen, daher weiß ich nicht, ob sich Tim Burtons neuestes Werk detailgetreu daran hält oder er sich einige Freiheiten erlaubt hat, die mir nicht ganz klar waren. Jedenfalls habe ich mich gut unterhalten, und der Film war originell, mit gigantischen Effekten und tollen Darstellern. Allerdings fehlte mir ein bisschen das gewisse Etwas, das die früheren Tim Burtons auszeichnet, wie z.B. "Edward mit den Scherenhänden."




Handlung: Der sechzehnjährige Jacob Portman lebt in Florida, ist ein Außenseiter und hat eine besondere Beziehung zu seinem Großvater Abe, der ihm als kleinem Jungen Geschichten erzählt hat, die Jakes Eltern für eine Ausschmückung der Geschehnisse im zweiten Weltkrieg halten. Eines Nachts findet der Enkel ihn ohne Augen hinter seinem Bungalow und kann gerade noch ein schreckliches Monster durch den Wald laufen sehen, das es offensichtlich auf den Großvater abgesehen hatte. Bevor er stirbt, teilt Abe Jake noch mit, dass er zu Miss Peregrine nach Wales gehen soll und sie ihm alles erklären wird.

Der Tod des geliebten Opas löst eine Depression in Jake aus, deretwegen er sich in psychiatrische Behandlung begeben muss. Da die Alpträume nicht nachlassen, rät die Psychologin Jake, eine Reise nach Wales zu unternehmen, um sein Trauma bewältigen zu können. Gemeinsam mit seinem Vater befolgt Jake den Rat und erlebt seltsame Dinge auf der Insel Cairnholmes. Er lernt die besonderen Kinder kennen - sie altern nicht und nehmen Jake mit in eine Zeitschleife, in der sich unaufhörlich ein Tag im September 1943 wiederholt; der Tag, an dem Miss Peregrines Kinderheim bombardiert wurde. Miss Peregrine stellt die Zeitschleife selbst her und kann so sich und die Kinder beschützen. Nicht jedoch vor einer Gruppe "Hollows", die einst ebenfalls besondere Kinder waren und durch eigene Experimente "misslungen" und nun böse sind. Sie sind auf der Jagd nach Augen, die sie essen müssen, um ihre Suche nach dem ewigen Leben fortsetzen zu können. Dank Jakes Fähigkeit, die an sich unsichtbaren Monster sehen zu können,  kommt es zum Kampf zwischen den Hollows und den besonderen Kindern. Als dieser nach dem Durchtreten diverser Zeitschleifen gewonnen wird, hat Jake seinen Großvater retten können, kann durch die Zeit reisen und hat außerdem die Liebe seines Lebens gefunden: die leichtgewichtige Emma, die nur dank Bleischuhen nicht den Boden unter den Füßen verliert.

Überhaupt sind alle Kinder in Miss Peregines Heim tatsächlich außergewöhnlich. Natürlich passt da auch der in der gewöhnlichen Welt als Sonderling geltende Jake hinein - wie sein Großvater vor ihm.





Meinung: Wie bereits erwähnt, fand ich den Film sehr unterhaltsam. Überraschend ist er und voller Ideen, die mich zum Staunen und auch zum Gruseln gebracht haben. Mein Highlight war das Schiffswrack RMS Augusta, das durch die luftige Emma und den vereinten Kräften der allesamt schnuckeligen Kinder wieder fahrtüchtig gemacht wurde. Wahnsinn, wie viel Detailgenauigkeit da drinsteckt! Aber irgendwas an der Geschichte war nicht ganz rund. Ich bin es eigentlich von Tim Burton gewohnt, dass er bittersüße Gefühle weckt (vielleicht auch durch Danny Elfmans zauberhaften Soundtrack, der hier fehlt), und das war in keiner einzigen Szene der Fall. Technisch super und einwandfrei gespielt, mangelt es der Insel der besonderen Kinder m. M. nach an Tiefe und märchenhaft rührenden Momenten. Auch war ich unzufrieden mit dem Schicksal des armen Victor, der später, als sich die Zeitschleife auf Cairnsholmes auflöst, mit keiner Silbe mehr erwähnt wird. Was hätte ich mich gefreut, wenn er ebenfalls den Hollows entkommen wäre! Vielleicht wird im Buch genauer auf ihn eingegangen ebenso wie auf Grandpa Portmans Vergangenheit. Aber um das herauszufinden, müsste ich es lesen... und ich bin mir nicht sicher, ob mir der Film in diesem Maß Lust darauf gemacht hat. Teilweise fand ich die Horror-Effekte für Kinder auch zu krass - ich konnte selbst kaum die Augen schließen in der Nacht aus Angst, jemand reißt sie mit rosaroten Tentakeln heraus.


Bewertung:

und ein halber