"Milan" ist eine meiner ersten längeren Geschichten. Die Inspiration dazu flog mich während eines Aufenthaltes in Israel an (eingedenk des völlig anderen Themas im Roman klingt das eigenartig, ist aber tatsächlich so). Während der müßigen Stunden am Strand bzw. im Toten Meer las ich ein Buch, das vom Alltag und der Wahrnehmung einer schizophrenen Persönlichkeit handelt, und irgendwie fand ich es in jeder Hinsicht faszinierend: Stil, Sprache, regelwidrige Interpunktion und Handlung waren so ganz anders als alles, was ich bis dahin gelesen hatte.
Die Idee, etwas in der Art entstehen zu lassen, auf meine ganz eigene Weise und mit eigenen Erfahrungen und Einfällen verwoben, nahm langsam Gestalt an - erst in meinem Kopf und auf Notizzetteln, dann zuhause auf dem ausrangierten Computers meines Vaters, weil ich noch keinen eigenen besaß (Zeiten waren das!). Damals habe ich die Ich-Perspektive bevorzugt und mich daher entschlossen, durch die Augen meiner Protagonistin zu schreiben.
Die Geschichte ist mit Sicherheit kein Herzschmerz oder eine Liebestragödie, auch wenn es um eine Beziehung geht. Sie erzählt von den Ängsten und Defiziten einer jungen, traumatisierten Frau, die mit einem wesentlich älteren Mann, der als Theaterregisseur arbeitet, zusammenlebt und erkennt, dass sie seinem Intellekt, seiner Erfahrung und seiner Weltgewandtheit nicht gewachsen ist und doch von ihm profitiert; zumindest solange, wie sie seine Führung benötigt, die er ihr gerne, aber nicht ganz ohne Bedingungen oder schmerzlos gewährt. Ich habe ein Faible für zerrissene und ein bisschen verrückte Charaktere. Einiges über ihre Vergangenheit findet über Gespräche in Dialogform statt, und vieles lässt Milan rätselhaft distanziert erscheinen und die Erzählerin kindlich und in starker Abhängigkeit zu der Person, von der sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben angenommen fühlt.
Obwohl die Beziehung alles andere als harmonisch verläuft und von Verlustängsten von seiten der jungen Frau geprägt ist, gelingt es Milan allmählich, ihr Selbstwertgefühl zu wecken, indem er sie (meist) so behandelt, wie sie behandelt werden möchte.
Leseprobe folgt wie immer nach "weitere Informationen".
