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Donnerstag, 1. Mai 2014

"Behind the Candelabra" ~ Liberace mit Michael Douglas und Matt Damon (2013)

Mutig, das Leben des Exzentrikers und Entertainers Liberace für Hollywood zu verfilmen - noch mutiger, die Hauptrollen mit zwei großen Stars zu besetzen, die sich lieben, küssen, einander schmeicheln, streiten und ganz hollywoodlike ihre Hängebacken wegoperieren bzw. das wenig ausgeprägte Kinn richten lassen. Steven Soderbergh hatte den Mut und dazu einen tollen Film abgeliefert, der mich trotz meiner Vorbehalte gegen den m. M. nach eigentlich blassen Matt Damon in der Rolle des jungenhaften Liebhabers der alternden Diva Michael Douglas vorzüglich unterhalten hat!




Den Film wollte ich bereits im Kino sehen, habe ihn dort aber nicht erwischt, da er in unserem Dorf höchstens eine Woche als Matineevorstellung lief. Ich sehe Filme mit Michael Douglas ganz gern, weil er - wie er in "Behind the Candelabra" (Originaltitel) wieder eindrücklich bewiesen hat - ein vielseitiger und überzeugender Charakterdarsteller ist. Mit Matt Damon hatte ich erst Probleme. Die Perücke saß nicht richtig (ok, die von Mr. Douglas auch nicht - es wird aber im Drehbuch offensichtlich, dass Liberace ein Haarteil trägt - ein Schock für den neu eingeführten Liebhaber nach fünf Monaten "wilder Ehe"), und ich mag Mr. Damon nicht besonders gern - irgendwie ist er mir zu sehr netter Kerl von nebenan und ein bisschen langweilig. Tom Hanks-Riege eben.

In "Liberace" musste ich mein Urteil über ihn revidieren. Eine bessere Besetzung als die beiden kerligen Kerle hätte man nicht finden können für dieses leise und doch grelle Biopic des Vorgängers von Siegfried und Roy, oder - Parallelen sind nicht beabsichtigt, drängen sich jedoch auf - des Münchner Paradiesvogels und Modezars Rudoph Mooshammer. Auch Liberace lebt mit Hunden in seiner Villa und pflegt ein enges Verhältnis zu seiner greisen Mutter.

Mir gefiel die Geschichte, weil sie ganz ohne Effekthascherei und Spezialeffekte auskommt (sieht man von den Face-Lifting Exzessen und einem kaum wiederzuerkennenden Rob Lowe einmal ab) und sowohl durch die Performances der Schauspieler als auch dem sorgfältigen Setting von den 1970ern in die 80er Jahre authentisch wirkt. Obwohl ich Michael Douglas so einiges zutraue, war ich verblüfft, mit wie viel Energie und Hingabe er den Las Vegas-Pianist Liberace verkörpert, und wie hemmungslos er mit Matt Damon / Scott Thorson flirtet, in dem Liberace seine große Liebe findet. Als hätte er nie etwas anderes getan.

Fazit: Vermutlich hätte man den Künstler, der sich für ein Genie hielt und dem aufgrund seiner Homosexualität der Wunsch nach einer eigenen Familie verwehrt blieb, auch karikieren oder unsympathisch darstellen können - Michael Douglas und der Regisseur verzichten darauf und schaffen somit einen ganz besonderen, atmosphärischen Film, der durch Warmherzigkeit und eine unaufgeregte und urteilsfreie Erzählweise neugierig auf einen heute vergessenen Showstar macht. Mit in der DVD gibt es noch ein 60minütiges Special zu den Dreharbeiten und dem Leben von Liberace. Angucken!

Bewertung: Glanzvolle