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Sonntag, 16. Mai 2021

Fazit: 2. Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (06. April - 15. Mai 2021)

 Fertig ist sie, die Runde meines Debütromanes auf dem Büchertreff. Und vorab kann ich sagen, dass sie ganz gut gelaufen ist dafür, dass ich die ganze Zeit über ein eher mulmiges Gefühl hatte. Ich glaube, es lag daran, dass über das Buch selbst wenig diskutiert worden ist und stattdessen mehr Dinge zur Sprache kamen, mit denen die Teilnehmer nicht einverstanden waren, sei das ein "fehlerhaftes" Handeln einer Figur oder wie unsympathisch dieser und jener in der diskutierten Szene rüberkommt. Merkwürdigerweise habe ich wenig Positives zu Stil, Sprache und allgemein gehört, und das hat mich dann doch ein bisschen verunsichert bzw. mich glauben lassen, der Roman sei für die Runde langweilig. 

 


 

Hauptsächlich wurden eben Dinge angesprochen, die nicht so gut gefielen. Vielleicht war es deshalb in der Regel recht still. 

Am Ende habe ich doch noch ein paar Fragen gestellt, um herauszufinden, was meine Mitleserinnen gut und weniger gut fanden. Eigentlich mache ich das nicht, und trotzdem ist die Leserunde auf die Art doch zu einem guten Abschluss gekommen. Besonders schön war, dass eine Teilnehmerin schrieb, sie hätte durch "Das Bildnis des Grafen" Interesse am Judentum bekundet und möchte sich weiter mit dem Thema befassen. Überhaupt scheint der historische Aspekt mit der interessanteste gewesen zu sein, denn er wirft ein völlig neues Licht auf die Beziehung und Verflechtung der Familien Escaray und Whitehurst.

Das "Mystische" war ein wenig zu viel, "Grusel" zu wenig (ich finde viele Szenen richtig gruselig, ehrlich gesagt, besonders die mit Valentine und Carrick...), und die kriminologische Komponente hat sich logisch und gut aufgeklärt - wenn auch das Ende ein bisschen zu rosarot war. Auch das kann ich nicht gänzlich nachvollziehen; aber um nicht zu spoilern, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, weshalb. Oh, und was mich doch sehr froh gemacht, tatsächlich erleichtert hat, war, dass alle einträchtig meinten, es hätte außer den Bösen keine wirklich unsympathische Figur in der Geschichte gegeben. Der junge Valentine ist auf Platz Eins in der Punkteskala, gefolgt von Renoir und dem Constable Melvin Gilfeather und Lilian Grimby. Letztere sind sogar zu besonderen Lieblingen einer Teilnehmerin avanciert. 

Irgendwie hat mir die Behauptung, meine Charaktere seien samt und sonders anstrengend, zu schaffen gemacht. Vor allem, da bisher der Psychologe Gaspard immer an vorderster Front der Sympathieträger stand und sich einige auch ein wenig in ihn verliebt haben. Ich persönlich möchte nämlich kein Buch lesen, in dem mir kein einziger Protagonist emotional nahekommt.



Das, was am Ende nicht so gefallen hat, wurde gut begründet, so dass es für mich akzeptabel und  auch nachvollziehbar war. Wie gesagt, ist es normal, dass man nicht jeden Leser dort abholen kann, wo er gerade steht, und auch, dass nicht jede/r einen Harry Potter schreiben kann und will. 

Ich glaube, dass ich Fragen, die anfielen, gut beantwortet habe und auch selbst einiges aus der Runde mitnehmen konnte. Insofern bin ich zufrieden. Da das Format und die Unhandlichkeit des Printbuches bemängelt wurden, empfehle ich weiteren Interessierten an meinem historischen Gruselkrimi allerdings die ebook-Ausgabe. (O;


Bilder: Christine Wirth



Montag, 10. Mai 2021

Ich bin ein Glückskind (weil Gewinner von Michael Wolffsohns neuem Kinder- und Jugendbuch)!

 Wie im vorigen Post bereits erwähnt, habe ich Ende April auf Facebook bei einer Buchverlosung von Michael Wolffsohns "Wir sind Glückskinder - trotz allem" teilgenommen und unter vielen Bewerbern eines von zehn signierten Exemplaren gewonnen, das mir am Samstag zugesendet wurde. Ich war total happy, denn ich schätze Herr Wolffsohn und seine ruhige Art sehr. Tatsächlich war meine erste verfasste E-mail an ihn, nachdem er im TV in einer Diskussion Fakten erläutert hat, die viele Zuschauer wütend gemacht haben und die ihm aufgrund seiner Auslegungen drohten. Seine freundliche Antwort an mich (die ich schon kurz darauf erhielt) habe ich in ausgedruckter Form immer noch. 

Auch einige seine Sachbücher über den Nahost-Konflikt habe ich gelesen. Er versteht es, auch Laien komplizierte Sachverhalte verständlich zu erklären.



Die "Glückskinder" möchte ich auf dem Büchertreff ab 31. Mai lesen und diskutieren, sofern sich genügend Teilnehmer/innen finden. Da ich gemerkt habe, dass viele jüngere Leute eigentlich nur vom Zweiten Weltkrieg und der Shoa aus der Schule wissen, hoffe ich sehr, dass die Runde realisiert werden kann und auch Leser dabei sind, die sich vorher wenig bis gar nicht mit der Geschichte und Kultur des Judentums und der Juden befasst haben. Ich glaube, dieses für Jugendliche konzipierte, mit 240 Seiten nicht allzu umfangreiche Werk wäre ein guter Einstieg dafür. Herr Wolffsohn räumt schon zu Beginn anhand seiner Familie mit ein paar Mythen auf. Essen alle Juden eigentlich kein Schweinefleisch? Die Saalheimers (Wolffsohns Familie mütterlicherseits) jedenfalls lieben "fränkische Blauzipfel", und das nicht mit Rinderersatz. Und Thea geht sogar auf eine katholische Schule, in der überdies Protestanten zugelassen sind! Sehr fortschrittlich für die 1930er Jahre. Wer hätte es gedacht: der Davidstern ist gar kein typisch jüdisches Symbol, sondern wurde auch von Brauereien gern als Erkennungsmerkmal in Gaststätten angebracht.

 Natürlich geht es nicht immer heiter zu für die "Glückskinder", denn "wie in jedem Leben eines jeden Menschen gibt es Freude und Leid". Das Hauptthema bildet der Zweite Weltkrieg, der plötzlich alles zerstört und viele - Juden sowie Nichtjuden - zum Auswandern bewegt. Auch die Saalheimers mit ihren drei kleinen Töchtern müssen gehen, obwohl sich Vater Justus Deutschland verbunden fühlt und sich anfangs nicht vorstellen kann, dass er wie seinerzeit Moses seine Familie vor dem wahnsinnigen ägyptischen Pharao schützen und befreien muss, indem er 1939 nach dem damaligem British-Palästina, sozusagen das gelobte Land, emigriert, in dem er kein Wort versteht.

Viel gelesen habe ich noch nicht und hebe mir das Buch bis Ende des Monats auf, aber ich habe den Eindruck, dass Michael Wolffssohn mit seiner Erzählkunst und einfachen Ausdrucksweise zugleich viele Leser ansprechen wird, die das Thema nur aus dem trockenen Geschichtsunterricht kennen, mit Zahlen statt Schicksalen und Gesichtern dahinter. Angereichert ist die Biografie seiner Familie mit Fotos aus Privatbesitz. 

Wer uns bei der Leserunde begleiten will und gerne diskutiert, ist herzlich eingeladen, sich hier anzumelden: *Klick*




Freitag, 7. Mai 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil IIII

Also, das Enddatum ist nun nicht mehr aktuell. Macht aber nichts. Es ist nicht so, dass ich in Zeitdruck wäre bei der Leserunde. Wenn ich mich auch hin und wieder doch dabei ertappe, wie gern ich die Diskussion ein bissl anstoßen würde - ich hätte keine Hemmungen, wenn es nicht mein eigener Roman wäre, da bin ich ziemlich sicher. So wirkt es irgendwie doof, daher lasse ich es sein.

Wir nähern uns dennoch dem Schluss, wobei ich nicht weiß, ob alle noch dabei sind, das Buch abgebrochen oder schon ausgelesen haben.

 

 

Momentan posten wir zu zweit, und ich hoffe, dass die weiteren zwei Teilnehmer noch kommentieren. Renoir steht nicht besonders gut da, weil er nach persönlichem Empfinden seinem jungen Patienten etwas "überzubraten" versucht. Eigentlich kann man ihm das gar nicht mal verübeln, denn er ist ziemlich überzeugt davon, auf der richtigen Fährte zu sein und das Geheimnis um Valentines Trauma zu lüften. Er weiß schließlich nicht das, was der Leser weiß: wäre es so, wie Renoir vermutet, würde die Geschichte vorhersehbar und ohne Clou verpuffen. Und das ist natürlich nicht im Sinn der Autorin. 

Mit dem treuen Butler Patrick Alguire betritt eine Figur die Bühne, die durch ihr Wissen und dem engen Kontakt zu Carrick Escaray von besonderem Interesse ist für Renoir, nachdem die anderen Dorfbewohner abweisend und schroff auf ihn und seine Neugier reagiert haben. Doch Patrick ist eine harte Nuss und nicht leicht zu knacken. Nicht aus Loyalität oder weil er zum "verrückten Einsiedler" geworden ist, sondern weil er Angst hat. Wovor, muss sich erst noch herausstellen.

 


Ich bin gespannt, wie das Ende bewertet wird und das Buch überhaupt, denn bisher habe ich zwar zur Handlung und zu Charakteren einige Meinungen gehört (ich glaube herausgelesen zu haben, dass Carrick und Valentine zumindest jetzt ein paar Sympathiepunkte einheimsen konnten), nicht aber, wie die Geschichte auf den einzelnen Leser wirkt. Was hoffentlich nicht vergessen wird, ist, dass "Das Bildnis des Grafen" auch mit Schauerelementen spielt, die sich rational nicht unbedingt erschließen, in sich jedoch Sinn ergeben und für Fans von Gruselromanen durchaus plausibel klingen. Na, falls diesbezüglich Fragen auftauchen: ich beantworte sie gern.

Meine nächste Leserunde ist übrigens schon geplant: Ab 31. Mai lese ich auf dem Büchertreff mit anderen Interessierten "Wir waren Glückskinder - trotz allem" von Michael Wolffsohn. Das Buch (mit Signatur) habe ich im Rahmen einer Facebook-Verlosung des dtv-Verlags unter Mitwirkung des Autors gewonnen. Ich Glückskind war total platt und habe mich wahnsinnig gefreut. Nun warte ich ungeduldig auf die Zusendung. Natürlich ist jede/r herzlich eingeladen, mitzulesen und zu diskutieren. Einfach den Link anklicken.



Samstag, 1. Mai 2021

Duran Duran und JoSi ~ eine Freundschaft fürs Leben


 Ich bin ja zugegebenermaßen von Männerfreundschaften fasziniert. Besonders von solchen, die ein Leben lang halten und von zwei grundverschiedenen Typen gepflegt werden. So wie die zwischen den Musikern Simon Le Bon und John Taylor, ihres Zeichens Frontmann bzw. Bassist der englischen Popgruppe Duran Duran aus Birmingham. Früher war ich Fan von ihnen und habe immer geglaubt, dass die beiden sozusagen Rivalen um die Gunst ihrer weiblichen Anhänger seien; waren doch sowohl der charismatische Sänger Simon als auch der schüchterne, hübsche und niedliche John häufig auf Solo-Postern in einschlägigen Teeniemagazinen abgebildet. Und in der Tat kam ihr Verhältnis eher unterkühlt rüber in den öffentlichen Medien und Zeitschriften. Während ihrer Soloprojekte "Arcadia" und "Powerstation" gingen sie getrennte Wege, wenn John auch im Videoclip zu "The Flame" einen Gastauftritt hat.

 Ich fand die angebliche Rivalität bedauerlich, denn ich mochte beide recht gern und hätte mir gewünscht, sie würden sich ebenso mögen. Da gingen oft ein wenig die Teenagerphantasien mit mir durch. Und jedes Schulterklopfen, Ins-Ohr-Geflüster und Umarmen in Videoaufnahmen oder auf Konzerten wurde mit Freuden und einem quietschenden "Wie süüüüß!" zur Fangirl-Kenntnis genommen.

Erst später, als es mich schon nicht mehr wirklich interessierte, erfuhr ich eher zufällig im Internet, dass es bei den zweien sozusagen von Beginn ihrer Bekanntschaft im Frühjahr 1980 bis heute *prickelt*. Für Le Bon war Taylor "der schönste Mann, den ich je gesehen hatte". In schlaflosen Nächten sann er darüber nach, wie er den unnahbaren Nigel erobern könnte. Mit Mädchen "war das ja etwas ganz anderes". Doch eigentlich waren die schlaflosen Nächte umsonst um die Ohren geschlagen, denn den von Minderwertigkeitskomplexen geplagten, ernsten Nigel John Taylor ließen die Gegensätzlichkeit des extrovertierten Londoner Schauspielstudenten und dessen ungewohntes Interesse an seiner Person regelrecht aufblühen und gaben ihm wohl auch ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein. 

 

Die Sing Blue Silver Tour 1983/84

 

Le Bon schrieb Songs für Taylor ("Hold back the Rain"), wenn es ihm schlecht ging und er sich zum Heulen fühlte, was oft der Fall war, weil er mit dem Megahype nicht zurechtkam, den Duran Duran in den 1980er Jahren als erste "neue" Boy-Band und Lieblingsgruppe von Prinzessin Di auslöste. Ob zu Recht, mag ich heute nicht mehr beurteilen. (O; Obwohl ich ein paar ihrer schrägen, unverwechselbaren Lieder immer noch gern höre, vor allem das innovative Debütalbum, kommt mir meine Schwärmerei von damals übertrieben vor und wie aus einem anderen Leben (der einzige Trost ist, dass es bestimmt nicht nur mir so geht).


 

Auch Kleidertausch und Partnerlook war angesagt, denn beide haben mit knapp 190 cm fast dieselbe Statur. Irgendwie sind sie durch die Jahre hindurch immer ein nett anzuschauendes Pärchen ohne Berührungsängste gewesen, das sich scheinbar in guten und schlechten Zeiten aufeinander verlassen kann und deren Freundschaft wohl auch therapeutische Wirkung hat; etwa, wenn Le Bon Taylor an dessen launischen Tagen mit aufs Motorrad nimmt oder auf einen wochenlangen Segeltörn in die Ägäis. Manchmal gehen ihre Ausflüge und Abenteuer allerdings anders aus als erhofft; Mitte der 1990er hatten die beiden einen schweren Autounfall über eine Böschung mit Überschlag, den sie wundersamerweise unverletzt überstanden haben. Ich könnte mir vorstellen, dass so ein Glück im Unglück zwei Menschen noch mehr zusammenschweißt.

Als sie sich kennenlernten, waren sie Anfang Zwanzig. Heute sind sie um die 60 und immer noch "verliebt" und total relaxed zusammen. Das imponiert mir, gerade weil ich aufgrund der distanziert wirkenden Art von beiden in der Öffentlichkeit annahm, sie hätten sich nichts bis wenig zu sagen. 

Aber vielleicht war das damals noch eine andere Zeit, und man war nicht gar so freizügig mit gleichgeschlechtlichen Zuneigungsbeweisen vor Publikum, standen die fünf teilweise stark geschminkten Jungs von Duran Duran doch trotz früher Heirat der einzelnen Bandmitglieder unter Generalverdacht, "vom anderen Ufer zu sein". 

Jedenfalls beweisen auch alte Bilder aus den Anfangszeiten der Band, dass Gegensätze sich anziehen. Und zwar anscheinend von dem Moment an, als Simon Le Bon mit hautengen pinkfarbenen Leopardmusterhosen bei den Gründern John Taylor und Nick Rhodes zum Vorsingen antanzte, bis in die 2020er hinein. Beide sind übrigens treue Ehemänner (nehme ich zumindest an...) mit Familie.

 Irgendwie schade, dass ich von dieser speziellen Freundschaft und ungewöhnlichen Seelenverwandtschaft so spät gelesen und gehört habe bzw. ich nicht mehr für Popstars schwärme. Eine Verbindung wie die von JoSi wäre eine tolle Inspiration für einen Roman gewesen.


Bildquelle: Pinterest




Mittwoch, 28. April 2021

In der Töpferwerkstatt von Cobie Smulders' Onkel David Anthony

Durch unsere KUNSTraum-Workshops (die coronabedingt auf Eis liegen) habe ich vor ein paar Jahren den Engländer David Anthony kennengelernt. Ein sehr sympathischer und netter Typ, der seit über dreißig Jahren in der Nähe von Heidelberg lebt, wo er eine eigene Töpferwerkstatt betreibt und seinerseits Kurse in Nicht-Krisen-Zeiten anbietet. Und er hat für Filmfreaks und Marvel-Fans ein ganz besonderes Renommee, denn er ist der Onkel von Schauspielerin Cobie Smulders

 

David in seinem Element

Mitte April hat er uns eingeladen, seine neuen Räumlichkeiten zu besichtigen und auch selbst aktiv zu werden, was Keramikmalerei betrifft. Ich war beeindruckt. Von allem. Die tolle Werkstatt, das urige Ambiente, das zwar direkt an der Hauptstraße liegt, aber bäuerlichen Charme versprüht mit ein paar Siedlungen drumherum und Hühnern und Pferden in Hinterhöfen, das passt so richtig zu David.

Und wie schön war es, mal wieder ein wenig länger mit jemandem zu plaudern, den man lange Zeit nicht gesehen hat. Obwohl ich nicht so der Small Talk-Typ bin, hatten wir doch jede Menge Gesprächsstoff, während ich mich am Bemalen einer Seifenschale und eines Tellers versucht habe. Tatsächlich klingt das einfacher als es ist. Ganz neu ist mir das Medium Keramik und Ton ja nicht, aber mit Pinseln gezielt ein Motiv aus dem Kopf aufgetragen habe ich noch nie. Zuerst hatte ich irgendwie einen Mordsrespekt vor dem blanken Teil. Die Keramikfarbe trocknet beim Auftragen; sehr schnell also. Verbessern ist da nicht. Aber dann dachte ich mir, es wird mein erster Versuch. Macht nix, wenn der danebengeht. David war ebenfalls der Meinung und sagte, wir sollten uns einfach austoben mit den Farben und verschiedene Dinge ausprobieren.



Zeit fürs Zaudern blieb also nicht. Mein erstes Stück, die Seifenschale, fand ich dafür, dass das Motiv spontan entstand, ganz ok. Wirklich happy war ich mit dem Teller (im Bild unten). Durch Einritzungen in die Farbe mit einem Messer wirkt es sehr fein und detailliert. Wir sind gespannt auf das Endergebnis nach dem Brennen im Ofen. David erklärte uns, dass die Keramikfarben sich - wie Glasur - noch verändern. Im Unterschied zur Glasur verlaufen sie jedoch nicht, so dass die Muster erhalten bleiben.

Ich habe den Nachmittag richtig genossen. David glaube ich auch, obwohl er der Coronakrise trotz fehlender Kunsthandmärkte viel positives abgewinnen kann. Zum Beispiel, dass er mehr Zeit für sich selbst hat. Mir geht es ja irgendwie auch so. Auch wenn ich es vermisse, dass Unternehmungen wie diese früher selbstverständlich waren. Oder ein Restaurantbesuch. Und Kino. Vor David hätte ich allerdings nicht gewusst, wer Cobie Smulders ist...



Freitag, 23. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil III

 Irgendwie schade. Die Leserunde ist die erste, welche ich als Autorin und Leserin begleite, die so gar nicht in Gang kommen will. Habe ich mich im letzten Beitrag noch hoffnungsvoll geäußert, so bin ich nun doch enttäuscht und sogar ein bisschen traurig über das scheinbar geringe Interesse, meinen Roman zu diskutieren. 

Im aufgestellten Zeitplan hängen wir ziemlich hinterher. Soweit ich weiß, ist kaum jemand über das siebte Kapitel hinaus. Daher habe ich nun vorgeschlagen, dass man im eigenen Tempo Beiträge schreibt. Ich glaube nicht, dass es etwas mit "beleidigter Leberwurst" oder Primadonna spielen zu tun hat. Jeder an meiner Stelle wäre wohl desillusioniert, wenn man sich auf eine für einen persönlich so spezielle Leserunde vorbereitet und sich lange im Vorfeld einen Schneekönig gefreut hat, der jetzt am Abtauen ist.

 

Detail der Fassade von Escaray Hall?
 

 Ich kann das generelle Schweigen im Walde ehrlich gesagt nicht verstehen. Klar, ich finde meine Geschichte toll und einzigartig, immer noch. Sonst hätte ich sie nicht veröffentlicht und mich gerne als begleitende Autorin zur Verfügung gestellt. Dass sie nicht jede/n so abholt wie mich und meine Fans, ist selbstverständlich und auch keine Überraschung. Oft machen ja auch gerade mittelmäßige Rezensionen neugierig auf ein Buch. Außerdem habe ich mich auch in Leserunden gut unterhalten, in denen ich das Buch zunächst mal oder bis zum Schluss nicht mochte.

Ich weiß nicht, woran es liegt, dass nur noch sporadisch Meldungen eintrudeln und auch auf meinen Vorschlag seit gestern kaum Reaktionen kamen - wenn nicht deshalb, weil die Geschichte langweilt und man mich nicht verletzen will, indem man mir sagt, dass der Roman nicht dem Geschmack des Großteils der Teilnehmerinnen entspricht. Damit könnte ich leben. Obwohl ich es natürlich schade fände und vielleicht doch im stillen Kämmerlein ein oder zwei Tränen verdrücken würde. Ich kann verstehen, wenn die Zeit fehlt und man sich entschuldigt, weil irgendetwas dazwischengekommen ist. Es wäre trotzdem ermutigend, mehr Interaktion zum Buch auf dem Thread zu haben.

Evtl. spielen auch einige Themen eine Rolle, die zu Reizthemen werden, weil sie nicht einfach sind und in Unterhaltungsliteratur nicht unbedingt erwartet werden. Der Erste Weltkrieg und das Judentum zum Beispiel. Letzteres hätte ich wohl zumindest im Klappentext erwähnen sollen. Nach meinem Empfinden habe ich es nicht überdosiert oder moralisiert und bin bei sensiblen Themen wie Glauben und Religion so weit wie möglich neutral geblieben als Autor, aber man weiß ja nicht, wie andere das sehen. Dass ich als Nebeneffekt aber auch am Judentum und dessen Geschichte Interesse wecken konnte mit meinem Roman, war schön.


Mrs. Brown  / Pixabay

 

Last but not least plagt mich ein wenig die Vorstellung, dass nur ein oder zwei Teilnehmer positiv über den Grafen und sein "Gefolge" denken. Sympathische Charaktere scheint es so gut wie keine zu geben im Buch. Nicht, dass ich es darauf anlege beim Schreiben, aber es ist kein sonderlich großes Vergnügen, einer Geschichte zu folgen, in der man sämtliche Protagonisten am liebsten zum Mond schießen möchte.

Ich weiß wirklich nicht, ob es nicht besser wäre, mich aus der Runde zurückzuziehen. Irgendwie merke ich, dass sie mir nicht gut tut und ich das Gefühl habe, "verkehrt" zu posten, selbst wenn es nicht so sein mag. Zwar versuche ich - auch auf Anraten meiner Lieben - "zen" zu sein und sie nicht so wichtig zu nehmen. Aber das ist gar nicht so leicht, hatte ich mich doch sehr über die Aufmerksamkeit gefreut, die dem Graf damit zuteil wurde.



Freitag, 16. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil II

Gerade legen wir eine Pause ein. Weiter geht es am Sonntag oder Montag, da einige Teilnehmer weder Zeit noch Muße haben, um Dr. Renoir auf seiner Reise zum Schlüssel des Geschehens und zu Valentines Trauma zu begleiten, das aufgeklärt werden muss. Leider haben zwei Teilnehmer aus triftigen Gründen permanent die Leserunde verlassen, was mir sehr leid tut. Momentan sind wir zu fünft, mich eingeschlossen. 

 


Ich denke, bis Kapitel 6 hat nun jeder gelesen. Dieses Kapitel bringt vor allem mehr Klarheit in Bezug auf Valentines familiäre Verhältnisse und lässt den bis dahin eher passiv wirkenden Renoir offensiv und fast rebellisch handeln, indem er einen befreundeten Kollegen aus Paris zur Unterstützung holt. Die Polizei hegt kein Interesse an Escarays Verschwinden und der Aufklärung des zweifachen Mordes, obwohl Renoir auf persönliche Gründe seines jungen Patienten verweist. Doch damit stößt er beim selbstgefälligen Inspektor auf taube Ohren, daher muss nun der Anthropologe Armand de Langlade sein Können beweisen und die Leichen exhumieren und anhand von Messungen identifizieren. Es bleibt also spannend. 

Dummerweise bin ich ziemlich nervös, ob und wie der Roman überhaupt ankommt. Letztes Wochenende hatte kaum jemand gepostet, und ich war ein wenig beunruhigt. Albern, ich weiß. Es läuft jetzt besser, aber ich will nicht ständig posten oder mit Info klugscheißern, die evtl. auf die Nerven geht. Ein Missverständnis gab es diesbezüglich, das mir sehr arg war. Manchmal ist der Umgangston im Internet mehrdeutig. In einer realen Diskussion hätten wir bestimmt nicht aneinander vorbeigeredet. Schwamm drüber, es hat sich alles geklärt.


Foto: Pixabay

Allerdings gebe ich zu, dass ich nicht mehr so selbstbewusst bin wie am Anfang. Das liegt nicht an teilweise kritischen Beiträgen oder Fragen, die ein wenig knifflig sind; mit dem, dass Bücher im Allgemeinen und das eigene im Speziellen Geschmacksache sind, muss ein Autor rechnen. Dennoch habe ich gerade den Eindruck, dass der Geschichte vielleicht doch etwas fehlt, worauf meine Leser/innen gehofft haben. Eine starke weibliche Hauptfigur zum Beispiel (denn Lilian ist wirklich nicht tough und auch kein Hauptcharakter). 

Oder sie hat zu viel "Religiösität", da beide Familien - Whitehurst und Escaray - jüdisch sind. Dazu ist ein bisschen Hintergrundwissen nötig, das erst später ausführlich zur Sprache kommt. 

Ich bin froh, dass meine Leserin aus Italien an der Runde teilnimmt, die das Buch erst kürzlich gelesen und für gut befunden hat. So habe ich Rückhalt, auch wenn es da und dort Kleinigkeiten gibt, die ihr nicht so gefallen. Aber das ist ja normal und ok.

Eigentlich bin ich nicht so empfindlich bzw. eine Dramaqueen, doch ich kann mich nicht erinnern, dass meine anderen Autoren-Leserunden und auch die, an denen ich "nur" als Leser teilgenommen habe, einen eher zähen Verlauf genommen haben so wie diese. Vielleicht ist es aber nur meine persönliche Empfindung oder ich steuere auf meine Tage zu... jedenfalls freue ich mich auf nächste Woche. Hoffentlich sind dann alle wieder gut drauf und haben sich erholt. Real Life ist ja auch nicht einfach.



Samstag, 10. April 2021

2. Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen" (06. - 28. April 2021) ~ Teil I

Seit vier Tagen läuft sie, die zweite Leserunde nach 2013 zu meinem ersten Roman auf dem Büchertreff. Nach der anfänglichen Nervosität habe ich tatsächlich immer noch feuchte Hände, wenn ich mich dort einlogge, was - wie ich mir vorgenommen habe - nicht rund um die Uhr der Fall ist. Obwohl es mich oft in den Fingern juckt, reinzulinsen und auch zu reagieren auf Fragen, die sich erst in den folgenden Kapiteln beantworten, versuche ich mich zurückzuhalten.




Insgesamt sind wir sieben Teilnehmerinnen. Zugegeben, ich hatte mir mehr gewünscht, bin aber im Endeffekt zufrieden, dass die Runde überschaubar bleibt. Zumal auch das Tempo nicht immer leicht einzuhalten ist. Vor allem die ersten Kapitel sind sehr lang (ich sagte bestimmt schon an anderer Stelle, dass ich sie heute kürzer halten würde) und vielleicht auch erst mal ein wenig verwirrrend. 

Was mich sehr freut, ist, dass Aufbau und Sprache gut ankommen. Geschichte und Charaktere werden unterschiedlich wahrgenommen; manche finden sie so spannend, dass sie das Tagespensum "überlesen", andere schütteln den Kopf über Valentines "Visionen" und Dr. Renoirs Herangehensweise, seinen jungen Patienten zu therapieren. Suspekt ist den meisten Mallord Grimby, der Gärtner, der sich vertraulich als Hilfe anbietet und dabei fast die Grenzen des Schicklichen überschreitet. Ich war besonders happy über die tolle Resonanz des zweiten Kapitels, in dem die unheimlichen Begebenheiten mit Carrick Escarays Auftauchen als Erwachsener etabliert werden, den nur Valentine sehen und mit ihm sprechen kann. Der Graf hat sogar eine Leserin im Sturm erobert, wenngleich seine Rolle im ganzen Geschehen noch undurchsichtig ist. Aber ganz unter uns - und das ist hoffentlich kein Spoiler - mag ich Carrick auch am liebsten. Deshalb hat es mir besonders gutgetan, zu hören, dass er einen weiteren Fan gewinnen konnte.


 

Es geschieht eher selten, dass ich Romane von mir im Nachhinein noch einmal am Stück durchlese; in der Vorbereitung auf die Leserunde habe ich es getan und merke dann - auch durch das zeitgleiche Lesen und die Meinungen von anderen - wie komplex, aber auch erstaunlich die Geschichte ist. Wie manchmal auch phantastisch, wenn man "nur" einen Kriminalfall vor historischem Hintergrund erwartet. Ich hoffe, die Skepsis bezüglich der "Ungereimtheiten" löst sich gegen Ende bei allen Teilnehmern auf, denn es geht nicht immer realitätsnah zu im Grafen. Realitätsnah im Sinn von dem, was wir kennen. Wer weiß, wie viel uns noch verborgen ist, das wir generell für unmöglich halten. Genau wie man sich lange Zeit nicht vorstellen konnte, dass die Erde rund ist. Wie sagte Hamlet schon zu Horatio: 

"Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als deine Schulweisheit sich träumen lässt" (Zitat William Shakespeare). 



Sonntag, 4. April 2021

Frohe und gesegnete Ostern!

 
Wer hätte gedacht, dass dieses Ostern ähnlich isoliert und ohne Familienfeiern ausfällt wie letztes Jahr? Ich garantiert nicht. Dass Corona die Welt immer noch im Griff hat, war für mich letztes Ostern nicht vorstellbar. Aber was will man machen? Alles, was man tun kann, ist mehr Eigenverantwortung und Optimismus zeigen, dass die Situation bald überstanden ist. Und auf den schauen, der Ostern möglich machte: Jesus Christus. 

 

Auf der Karfreitagswanderung geknipst.

 

In den sozialen Medien habe ich viele abwertende Meinungen zum Karfreitag gelesen und wie grausam, brutal und barbarisch der Glaube an einen Erlöser wäre, der unschuldig hingerichtet wird und man das aus humanistischer Sicht ganz und gar nicht akzeptieren bzw. tolerieren könne bzw. verurteilen müsse. Ein Kommentar, der anders war als die empört zustimmenden, hat mir gut gefallen. Ich glaube, die Verfasserin war nicht einmal unbedingt gläubig, aber sie schrieb sinngemäß, dass dieser "unmenschliche" Reflex, sich widerstandslos kreuzigen und verspotten zu lassen, für sie der Beweis sei, dass Jesus unter der Schwäche des Gedemütigten der echte Starke und für eine Aufgabe auserwählt war, die größer ist als alles, was der Verstand begreift. 

Zudem sollte man nicht vergessen, dass für Christen zur Kreuzigung die Auferstehung gehört; Jesus war derjenige, der uns Menschen den Weg zum Himmel geebnet und somit Ewiges Leben versprochen hat. Wenn das nicht eine hoffnungsvolle Botschaft ist nach all dem Leid, das man Jesus stellvertretend für uns fehlbare Menschen angetan hat. Damit hat er all unsere Sünden ausradiert, die der Vergangenheit und die, die wir zukünftig begehen werden.

Manchmal, das gebe ich zu, befallen mich darüber Zweifel, doch tief in mir weiß ich, dass es so ist. Und das ist gerade in den schwierigen Zeiten, in denen wir uns momentan befinden, mehr als nur ein Trost. Dann kann man das feiern, was Gott aus Liebe zu uns getan hat, weil er uns als so wertvoll erachtet, dass er uns nicht verloren gibt, auch und erst recht nicht, wenn wir durch dunkle Täler wandern, und die sind oft genug auch ohne Pandemien finster. Was für eine Freude, dass Jesus uns gerettet hat! Nicht nur zu Ostern, sondern jeden Tag.

 

 

Ich wünsche ein schönes, friedliches und erfülltes Osterfest, über das nachzudenken oder zu lesen sich lohnt. Lasst euch nicht unterkriegen und verliert nie die Hoffnung. 

Entschuldigt, dass ich ein wenig klinge wie das Wort zum Sonntag... aber schließlich ist Sonntag, und zwar ein ganz besonderer.



Mittwoch, 24. März 2021

Mein Lese-Highlight der letzten Jahre: "Haus der Schatten" von S.Y. Blank

 Nach einiger Überlegung habe ich mich entschlossen, mein derzeit absolutes Lieblingsbuch vorzustellen, das ich bereits kurz nach dessen Erscheinen im Jahr 2016 auf Amazon rezensiert habe, nicht aber auf meinem Blog. Dabei hat die ungewöhnlich berührende, aufregende und buchstäblich magische Geschichte es verdient, weiterverbreitet zu werden und anspruchsvolle Leser und Leserinnen zu unterhalten, ihnen Gänsehaut zu bescheren und sich in Cumberland Ende des 19. Jahrhunderts mit dem jungen Protagonisten Giles zu verlieren und zu gruseln. Leider gibt es solche Bücher viel zu wenig, wobei es sicher auch schwierig ist, eine ähnlich atmosphärische und vielschichtige Lektüre vor allem unter Neuerscheinungen zu finden. 

Hier kommt also meine Rezension. Schaut euch die weiteren, sehr ausführlichen auf Amazon an und dann nichts wie ab nach Marmond House! Allerdings möchte ich hier auch eine kleine Warnung aussprechen. Für allzu zartbesaitete Gemüter/innen (hehe!) ist "Haus der Schatten" in mehrerer Hinsicht evtl. starker Tobak.

 

 

Handlung: Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von einem der beiden Jungen, Giles Favell, der zu Beginn im Waisenhaus in London lebt. Kurz nach seinem fünfzehnten Geburtstag erhält er die Nachricht, dass ein Baron aus Cumberland ihn adoptieren möchte. Für Giles ein Rätsel, ist er doch fast schon zu alt und gilt zudem als schwer vermittelbar, da er unter *dämonischen* Krampfanfällen leidet, die kein Doktor erklären kann. 

Auf Marmond House lernt er den gleichaltrigen Victor Cavendish kennen, der ebenfalls vom Baron adoptiert wurde und von einem Trauma in der Kindheit gezeichnet ist: er spricht kein einziges Wort, findet jedoch Wege, sich mit Giles zu verständigen. Bald werden die beiden Freunde und mehr. Sie fühlen sich zueinander hingezogen und stellen viele Gemeinsamkeiten fest. Beide bewundern und verehren ihren neuen Erziehungsberechtigten Baron Duncan Asquith, der ihnen Akzeptanz und Zuneigung entgegenbringt und sich sehr um seine zukünftigen Erben kümmert. 

Duncans Charisma und Charme zu erliegen, ist nicht schwer, und dennoch spüren Victor und Giles, dass ihn etwas bedrückt, das er ihnen nicht sagen kann oder will. Die anfangs offensichtliche Idylle wird durch unheimliche Geschehnisse im Haus erschüttert; etwas geht darin vor, das vor allem für den rational denkenden Giles nicht greifbar ist. Er tut die Phänomene als Halluzinationen ab, bedingt durch seine Krankheit. Doch auch Victor, ein sensibler Träumer, ist beunruhigt, zumal sich der Baron in Bezug auf das Haus sehr verschlossen gibt. Wie zum Ausgleich dafür tut er alles, damit die beiden sich wohl fühlen; er öffnet nach ihrem Dafürhalten verbotene Türen und zeigt ihnen inmitten des Schreckens von Marmond House eine sinnliche und schöne, fast paradiesisch anmutende Welt, von der die beiden in der Einsamkeit ihres früheren Daseins nie zu träumen gewagt hätten.

Der vielseitig begabte und meist souverän auftretende Duncan ist nicht nur ihr Vormund, sondern wird verständnisvoller Arzt, Berater, Vertrauter und später ihr Liebhaber, der die beiden ermutigt, sich selbst zu sein und sich so anzunehmen, wie sie sind. Was Giles und Victor auf Marmond widerfährt und was sie entdecken, ist ein Wechselbad der Gefühle. Dazu trägt auch Lady Christina Ashbrooke bei, eine frivole Mitbewohnerin, die sich ständige Wortgefechte (und mehr) mit Duncan liefert und ihm das Leben zur Hölle macht. Giles und Victor verstehen nicht, weshalb sie dem Haus nicht einfach endgültig den Rücken kehrt, bis ihnen klar wird, dass sie wie Duncan und dessen verschwiegene Dienerschaft auf rätselhafte Weise in Marmond gefangen ist. Sind die Jungen nur Mittel zum Zweck, und ist Duncan ein ganz anderer als der, der er vorgibt zu sein? Die Hinweise darauf jedenfalls verdichten sich, je mehr Giles in die Familiengeschichte der Asquiths und seiner eigenen vordringt.

Meinung: 'Haus der Schatten' war für mich als Schauergeschichten- und Gay Romance-Fan ein besonderes Vergnügen. Die Geschichte ist atmosphärisch, originell, berührend und besonders in Bezug auf den medizinischen Aspekt adäquat zeitgenössisch recherchiert. Viel Wert wurde ebenfalls auf niveauvolle und prickelnde Erotik gelegt; etwas, das ich sehr schätze. Die Charaktere sind wundervoll beschrieben, jede Figur mit ihren Fehlern auf ihre Art nachvollziehbar und liebenswert, selbst die zänkisch-derbe Christina, die mein heimlicher Favorit war. Doch vor allem die Jungs und der ambivalente Duncan sind mir ans Herz gewachsen. Durch den Detailreichtum und die sorgfältige Schreibe geht sofort das Kopfkino an, und man fühlt und leidet, freut und gruselt sich mit dem sympathischen Erzähler, der es wahrhaftig nicht leicht hat und sich trotzdem keine andere Zukunft vorstellen kann als mit Victor und Duncan auf Marmond House. Das Ende war für mich stimmig und passend zur gesamten dichten Atmosphäre des Romans.

Fazit: Empfehlenswert für alle, die das Ungewöhnliche lieben und die noch gerne über eine Geschichte nachdenken, wenn die Buchdeckel längst geschlossen sind. Denn sie hat viel mehr zu bieten als gepflegten Grusel und entführt den Leser in eine Welt, die man trotz all ihrer Unheimlichkeiten nur ungern wieder verlässt. 

 

 Bewertung:   💫💫💫💫💫

 


Donnerstag, 18. März 2021

Passfotos selber machen ~ ganz bequem daheim.

 Der Notarbesuch vor knapp zwei Wochen brachte es an den Tag: mein Pass läuft im April ab. Ich war ein wenig bestürzt. Nicht, weil ich den Perso dringend bräuchte, sondern weil ein ungültiger Pass den baldigen Gang zum Fotografen impliziert, und ganz ehrlich - ich hasse das! Beim Fotografen habe ich mich nie wohl gefühlt, und mit den biometrischen Fotos schon gar nicht. Auf meinem alten Pass erkenne ich mich daher nicht wieder und habe ihn verschämt in der hintersten Tasche meines Portemonnaies stecken. Jedesmal, wenn ich ihn vorzeigen musste, hatte ich Zweifel, dass die Amtsperson mir meine Identität abnimmt, so fremd und schlimm finde ich das Bild.

 

Das neue Foto. 100 Prozent Bio(-metrie).
 

Im Zeitalter von hochauflösenden Smartphonekameras und Corona dachte ich, müsste es doch möglich sein, eigene Passbilder im stillen Kämmerchen zu machen, die man entweder direkt ausdrucken kann oder bei speziellen Anbietern als physisches Objekt zurückgeschickt bekommt. Und siehe da: das gibt es tatsächlich! Schickt man das Foto ein, wird es auf biometrische Standards und optimale Farbgebung geprüft, auf unschmeichelhaftes Perso-Format geschnitten und dem Kunden zugeschickt. 

Ich habe drei Anbieter ausprobiert, bis es endlich geklappt hat. Dafür war https://www.online-passfoto.de/ der schnellste und unkomplizierteste, denn das Foto hat auf Anhieb gepasst und die strengen Standards erfüllt. Kein Wunder, mittlerweile hatte ich Übung; so oft wie ich vorher Modell gesessen habe. Aber es hat sich gelohnt. Die Position ist ja nicht so wirklich dazu geeignet, sich ins rechte Licht zu rücken bzw. sich von seiner Schokoladenseite zu zeigen, aber ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis und empfehle den Online-Dienst gern weiter.

Tipps und Kriterien zum biometrisch perfekt ausgerichteten Foto sind folgende: 

- Ganz wichtig: das Gesicht wird frontal abgebildet. Von beiden Gesichtshälften muss gleich viel zu sehen sein. Wenn möglich, freundlich aussehen, ohne zu lächeln (schwierig!). Ein bisschen die Mundwinkel hochbiegen ist erlaubt - aber wirklich nur ein kleines bisschen. Der Mund selbst bleibt geschlossen.

- Der Hintergrund sollte hell und einfarbig sein, kann jedoch gegebenenfalls vom Anbieter retuschiert werden. Ich habe mich vor eine weiße Wand gesetzt. 

- Die Kamera muss auf Augenhöhe sein, der Kopf gerade erhoben und die Schultern sollten entspannt sein, d.h. nicht hochgezogen oder gedreht.

- Wenn man keinen zweiten Mann zur Hand hat, der die Kamera hält, kann man sie auch auf einen Tisch vor sich platzieren. Zu achten ist dabei auf die richtige Höhe (evtl. Buchstabel oder Schachteln zu Hilfe nehmen und das Handy daraufstellen und Selbstauslöser mit Timer aktivieren).

- Licht muss von vorne kommen, damit keine Schatten im Gesicht zu sehen sind. Am besten eine Lampe vor sich stellen oder sich selbst vor ein Fenster. Tageslicht ist empfohlen. Ich habe eine Lampe benutzt, die normalerweise bei Videokonferenzen hilfreich ist und auch beim Film eingesetzt wird. Und beim Selfie knipsen. (O;

 ~*~

Jetzt wünsche ich viel Erfolg und viel Spaß mit dem selbstgeschossenen Passfoto, das zumindest ich garantiert nicht mehr zu verstecken brauche.

Hier noch einmal der Link zum Anbieter, bei dem nach meiner positiven Erfahrung die gesamte Familie ihre Passbilder fertigen lässt: 

https://www.online-passfoto.de

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Wenn ihr den Gang zum hiesigen Fotografen nicht so scheut wie ich, lasst dort ein Passbild machen und unterstützt den lokalen Einzelhandel, wo immer es geht. Der hat es momentan schwer genug.




Freitag, 12. März 2021

Buchtrailer 2021

Ohne viele Worte stelle ich hier das neue Video zu meinen erschienenen Romanen vor. Es sind neun, und manchmal denke ich, dass es Zeit wäre, das Maß vollzumachen, mich also an den zehnten zu setzen. Leider will die Muse nicht so wie der Kopf. Das Gefühl des Flows einer Geschichte im Entstehungsprozess vermisse ich gelegentlich. Und dabei würde es an Ideen gar nicht mal unbedingt mangeln. Trotzdem habe ich vor der Leistung, es auf neun Geschichten geschafft zu haben, schon Respekt - das muss ich mir einfach mal sagen. Man lobt sich ja sonst nicht. 
 
 

 
 Rückblickend wundert es mich, dass ich in so vielen Genres unterwegs war / bin, wobei ich glaube, dass ich mich am liebsten in der edwardianischen Epoche verlustiert habe und die Gattungen nicht einmal klar abgegrenzt sind, sondern miteinander verfließen. So wie beim Grafen Krimi, Mystery und historisch.
 
Aber auch an den "Kurzgeschichten" hatte ich Spaß. Und mir fällt auf, dass ich teilweise sogar durch Mitmenschen inspiriert wurde, von denen ich es nicht vermutet hatte. 


 

 

Zum Beispiel der kürzlich verstorbene Herr Trapp. Vielleicht war er unbewusst das Vorbild für den neurotischen Rupert Grayson in "Vom Ernst des Lebens"; auch wenn ich es eigentlich vermeide, Bekannte bzw. deren Eigenschaften in meinen Romanen zu verwenden, denn die Wiedererkennungsgefahr wäre mir doch zu groß. 

Obwohl Rupert sehr viel jünger ist, hat er einige Charakterzüge, die denen von Herrn Trapp ähnlich sind. Daher ist es möglicherweise kein Zufall, dass dieses Buch das einzige neben den gesammelten Werken Kurt Kusenbergs ist, das er je gelesen hat. (O;

 


Montag, 8. März 2021

Rezension "Giovannis Zimmer" ~ James Baldwin

 

Ohne zu wissen, dass es sich bei dem Buch um einen Klassiker handelt, habe ich es aufgrund der Thematik und des ansprechenden Covers gekauft. Anfangs fühlte ich mich stilistisch und auch thematisch sehr an André Acimans "Ruf mich bei deinem Namen" erinnert.

 


 Auch dieses ist mit ca. 200 Seiten nicht besonders lang, aber ungewöhnlich poetisch, und handelt von zwei jungen Männern, die einander begehren. 

 Handlung: Der Amerikaner David - Ich-Erzähler des Romans - wächst ohne Mutter, dafür mit dem vergnügungssüchtigen, schwach wirkenden Vater und dessen unverheirateter Schwester auf. Er beschreibt seine Kindheit und Jugend in den 1940er Jahren mit blumigen, aber beeindruckenden Sätzen als problematisch und schuldbeladen. Hauptsächlich deswegen, weil er als Teenager mit einem Jungen geschlafen hat; ein Makel in seinen Augen, von dem er sich nicht reinwaschen kann. So bald wie möglich verlässt er die Familie und zieht nach Paris, wo es ihn in einschlägige Clubs und zu Männern zieht, obwohl er sich sagt, heterosexuell zu sein. Durch seinen ältlichen Gönner Jacques lernt er den Italiener Giovanni kennen, der für den ebenfalls schwulen Guillaume als Barkeeper arbeitet, und hinter dem eigentlich Jacques her ist. Eigentlich sind beide - Jacques und Guillaume - hinter den dort schwärmenden jungen Männern her. Doch David ist es, der Giovanni bekommt. Trotz seiner Verlobten Hella, die nach Spanien gereist ist, um über Davids und ihre Beziehung nachzudenken.

Sie verbringen einige Monate zusammen, in denen David abermals von Schuld geplagt wird und Giovanni sich vom charmanten, etwas überheblichen Sonnyboy zu einem ständig weinenden, schwachen Etwas entwickelt, als er erkennt, dass David ihn nicht wirklich liebt. Als Hella zurückkommt, findet David nicht den Mut, ihm zu sagen, dass er abreisen und Giovanni verlassen wird. Endlich überwindet er sich und stellt Giovanni vor vollendete Tatsachen - mit folgenschweren Konsequenzen.

Meinung: Zuerst mochte ich das Buch. Stil und Protagonisten sind beeindruckend und manchmal sogar so originell, dass ich beim Lesen abwechselnd erstaunt oder versonnen vor mich hinlächeln musste. Doch je weiter man liest, desto deprimierender und verkopfter wird "Giovannis Zimmer", und desto unsympathischer werden einem David und Giovanni. Ersterer kann seinen Schuldkomplex nicht überwinden und empfindet am Ende nicht einmal mehr etwas für Hella, die er bald unansehnlich findet. Letzterer ist ein schwacher Charakter, dem ich mehr Glück gegönnt hätte, der aber nach Davids Entscheidung, sich von Giovanni zu trennen, den fatalen Fehler begeht, sich dem lüsternen Guillaume auszuliefern und daraufhin empfindlich gedemütigt auf spontane Rache sinnt. 

Da "Giovannis Zimmer" als hochgelobter und berühmtester Roman Baldwins gewürdigt wird, entging mir vermutlich unter den ganzen philosophischen Betrachtungen und der emotionslos geschilderten Liebe beider Protagonisten etwas Wichtiges, das es mir unmöglich macht, in die Würdigung miteinzustimmen. Schade eigentlich, denn der Anfang war vielversprechend. Mir persönlich war zu wenig Gefühl und zu wenig Handlung, dafür zu viel Geschwafel zwischen den Seiten. Ich hätte mir etwas mehr Interaktion gewünscht, oder etwas, das die Zuneigung der beiden irgendwie persönlich macht. Über Giovannis Zimmer findet der Leser heraus, dass es klein und schmutzig ist und Giovanni es mit allen Mitteln verändern möchte, seit David es mit ihm teilt. Die Metapher fand ich schön, aber leider lieblos abgehandelt. 

Fazit: Nicht so meins. Vielleicht liegt es daran, dass mir als Frau Gefühl gefehlt hat, ein bisschen mehr Details und mehr Einsicht in Davids Psyche, die mir rätselhaft geblieben ist - mehr als Schuld und Zerrissenheit scheint darin kein Platz zu haben. Insgesamt wohl zu Recht zu seiner Zeit (1956) ein gewagtes Werk und Befreiungsschlag zugleich und heute ein Klassiker, hat mich der Roman nicht vom Hocker reißen können.

Bewertung:

 💫💫💫



Donnerstag, 4. März 2021

In Gedenken an Heinz-Dieter Trapp

 Am Montag starb ein Bekannter von mir mit Mitte Siebzig an Corona, der lange Zeit im Haus meiner Eltern gelebt hat, genauer gesagt von 2005 bis 2018. Er kam im Rahmen des Projekts "Betreutes Wohnen" als Patient einer psychiatrischen Einrichtung zu uns, nachdem die "Vorbesitzerin" ihn nicht mehr verpflegen konnte / wollte. 

 

Foto: Karl Schramm


Und in der Tat erwies sich Herr Trapp (den ich nie "Heinz-Dieter" nennen konnte, wenngleich er es uns mehrmals anbot) als ziemlich eigenartig. Obwohl als schizophren diagnostiziert, hatte ich eher den Eindruck, er gehörte dem Asperger-Spektrum an, auch und gerade, weil er häufig von seinem "Wahn" sprach - etwas, das Schizophrene meines Wissens nach nicht tun. 

Er liebte klassische Musik, Beethovens Fidelio und Don Pasquale und Märklin-Eisenbahnen. Mehr interessierte ihn eigentlich nicht, und im Lauf der dreizehn Jahre gab es nichts anderes, mit dem man ihn begeistern oder seinen Horizont hätte erweitern können. Menschen, die ihn nicht näher kannten, hatten ihn, seine kleine dünne Gestalt und sein Auftreten als höflich und auch "goldig" bezeichnet. Er wusste zu formulieren und schenkte großzügig Sekt und Weinbrandbohnen - Dinge, die er selbst mochte. Er tat es auch dann noch, wenn man seine Aufmerksamkeiten ablehnte. Vielleicht im Bemühen, Ärger abzuwenden, den er selbst immer wieder heraufbeschwor. 

Allerdings wäre mir lieber gewesen, er hätte sich etwas mehr Mühe gegeben, sich in ein soziales Zusammenleben zu integrieren. Denn mitunter war er sehr nervend in seiner mehr als schrulligen Art. Empathie ging ihm völlig ab. Seine Gespräche kreisten ständig um sich selbst und die erwähnten Themen, ohne auf sein Umfeld einzugehen. Ich kann mich an Vorfälle erinnern, die mich fast zur Weißglut getrieben haben, und ich bin im Allgemeinen ein geduldiger Mensch.

Trotzdem tat es mir leid, von seinem Tod zu erfahren. Nachdem er in eine andere Familie an einen anderen Ort kam, die weniger nachsichtig mit ihm und seinen Macken war, blieb er dort nicht lange und hatte wohl eine regelrechte Odyssee vor sich; etwas, das ihm zutiefst widerstrebte, saß er doch am liebsten den ganzen Tag in seinem Zimmer, ohne einen Finger zu rühren. Da er sich nie körperlich betätigte und sein jahrzehntelanger Medikamentenkonsum enorm war, machten offenbar gegen Ende seine Muskelfunktion und sein geschwächter Körper schlapp. Sein ereignisloses, aber für ihn erfülltes Leben endete auf der Intensivstation. Das hätte ich ihm nie gewünscht und auch nicht erwartet. Die Nachricht - heute Mittag telefonisch überbracht von einer seiner Betreuerinnen - hat mich doch sehr erschüttert. Ich frage mich, ob er jetzt Beethoven beim Komponieren zusehen kann. Und wer seine Eisenbahnen erbt. Wer an ihn denkt, wem er wichtig war. Nicht zuletzt deshalb möchte ich ihm hier ein Andenken bewahren. 

Als wir uns im November 2019 sahen, machte er mir sogar ein für ihn in zweifacher Hinsicht ungewöhnliches Kompliment: mein Roman "Vom Ernst des Lebens" hatte er laut eigenen Worten zweimal gelesen, wo er ansonsten nur Kurt Kusenberg als Autor kennt und liest. Seine weiteren Bücher stehen / standen sauber verschweißt im Regal. Da war ich wider Willen richtig gerührt.

Den Wunsch, in einem gläsernen Schneewittchensarg bestattet zu werden, wird man ihm wohl nicht gewähren. Aber den braucht er im Himmel ja nicht. Und ich hoffe sehr, dass er jetzt dort und glücklich ist. Vielleicht begegnet er ja auch unserem Joschi, der nach schönen jungen Frauen, der Musik und Modelleisenbahnen hoch in seiner Gunst stand.



Freitag, 12. Februar 2021

Leserunde zu "Das Bildnis des Grafen"

 Wer hätte es gedacht?! Mein Roman "Das Bildnis des Grafen" tritt zum zweiten Mal nach 2013 als Kandidat einer Leserunde auf dem Büchertreff an! Initiiert wurde sie von einer Teilnehmerin der "Jane Eyre"-Leserunde, nachdem ich angeboten hatte, das Buch als Autorin zu begleiten. In den Fokus bzw. ins Bewusstsein rückte der immerhin über zehn Jahre alte Graf durch die positive Meinung einer Leserin, die den kostenlosen Download genutzt hat. Sie wird leider nicht an der Leserunde teilnehmen, da sie schon über die Hälfte gelesen hat und nicht warten möchte (was ich verstehe). Jedenfalls vielen herzlichen Dank dafür!

 Ich werde mich ein wenig mehr zurückhalten als beim ersten Mal; zumindest nehme ich es mir vor (in die Tat umzusetzen ist nicht immer so einfach, vor allem, wenn Fragen auftauchen, die ich ganz gerne beantworten würde, die aber nicht gezielt an mich gerichtet sind... (O;)

 


Ich freue mich unheimlich auf die LR, die Ende März / Anfang April startet. Mir ist es ganz recht, dass der Zeitpunkt noch etwas hin ist, denn ich muss mich erst wieder ein bisschen "einlesen", auch wenn das vielleicht albern klingt. Es ist schon merkwürdig, dass man selbst als Schriftstellerin zuweilen vergisst, wie genau die Geschichte abläuft, die aus der eigenen Feder geflossen ist. Außerdem ist sie gar nicht so einfach und setzt Offenheit in Richtung Mystik und den jüdisch-christlichen Glauben voraus, der gelegentlich mit historischem Hintergrund thematisiert wird. Und dann gibt es noch den kriminalistischen Aspekt, der neben der Psychologie den Kern der Geschichte bildet und aus dem Hauptprotagonisten Renoir so etwas wie einen Ermittler wider Willen bzw. einen Seelenklempner auf Abwegen macht. Man muss schon sehr aufmerksam lesen und am Ball bleiben. 

Ein Buch für zwischendurch ist "Das Bildnis des Grafen" garantiert nicht. In erster Linie ein Kriminalroman, birgt es doch manche phantastische Elemente, die verschieden interpretierbar sind. Da Valentine, der heimgekehrte junge Soldat, unter postraumatischen Belastungsstörungen leidet, könnte man sie auch als Halluzinationen bzw. Visionen betrachten. Insgesamt ist alles auf den ersten Blick geheimnisvoll und rätselhaft, selbst für den hinzugezogenen französischen Psychologen, der eigentlich nur vom Earl geschickt wurde, um aus Valentine wieder "einen Menschen und anständigen Erben zu machen". Erst nach und nach kommt Licht ins Dunkel. 

Überdies streift der Roman neben der Solidarität des gemeinsam Erlebten auch den emotional wachsenden Zusammenhalt von Arzt und Patient, der nicht selten in beinahe zärtlichen Gesten gipfelt und Renoir an seiner Professionalität als Therapeut zweifeln lässt. Manche Leser/innen haben diese Handlungen als homoerotisch gedeutet. Dazu möchte ich sagen, dass es für meine traumatisierten Figuren wichtig ist, nach der Zeit der emotionalen Abstumpfung im Krieg menschliche Nähe zu erfahren, unabhängig vom Geschlecht. Weder Renoir noch Valentine sind ineinander verliebt, doch sie lernen durch den jeweils anderen, Gefühle wieder zuzulassen und zu vertrauen. Beide sind durch eine ähnliche Situation gegangen, so dass es mir richtig schien, die Grenzen von Alter und Stand zwischen ihnen ein bisschen zu verwischen. Vielleicht sind sie am ehesten Seelenverwandte oder - wie Renoir es ganz zu Beginn ihrer Bekanntschaft für sich selbst ausdrückt - Verbündete. Nicht nur im Hinblick auf das Familiengeheimnis, das es zu enträtseln gilt.

 

Valentine

Ich weiß, dass der Roman bei einigen Lesern und Leserinnen nicht so gut ankam, wie ich mir das gewünscht hätte und er auf Amazon neben guten Rezensionen leider auch recht schlechte Kritiken bekommen hat. Vielleicht bin ich deshalb auch ein bisschen aufgeregt, obwohl dies mittlerweile die dritte Leserunde mit einem meiner Romane ist und ich daher kein Lampenfieber mehr haben sollte und ich natürlich mit Kritik umgehen kann. Trotzdem scheint der Graf für Kontroverse unter den Lesern zu sorgen. Einerseits finde ich das ganz gut, andererseits halten gerade die schlechten Meinungen viele davon ab, der Geschichte eine Chance zu geben. Und obwohl auch Frauenfiguren wie Lilian und Pauline eine tragende Rolle spielen, liegt das Augenmerk auf der Beziehung zwischen dem Psychologen Gaspard Renoir und seinem Patienten Valentine Whitehurst. Nicht, dass das ein Manko wäre, doch ich stelle immer wieder fest, dass weibliche Leser gern eine Frau durch eine Geschichte begleiten. Ich hoffe, eine Identifikationsfigur fehlt nicht allzu sehr...




Dass mein Trailer bei einigen Usern die Neugier geweckt hat, freut mich besonders. Ich hoffe sehr auf eine rege Teilnahme und dass sich jeder gut unterhält. Auf dem Büchertreff kann man sich *hier* anmelden. Demnächst wird es dann einen Thread geben, auf dem die Leserunde stattfindet. Interessierte sind herzlich willkommen! Den Roman gibt es bei Amazon als Print und ebook. Mitglieder von Kindle Unlimited können ihn kostenlos herunterladen.



Montag, 8. Februar 2021

Galerie und "Mein Rollladenshop" mit drei "L"

Seit im WIRTHs HAUS aufgrund Corona keine Raumvermietung, keine Veranstaltungen und keine Workshops mehr stattfinden können, haben wir unsere Räumlichkeiten ein wenig verändert bzw. den Platz für uns vergrößert. 


Ein Teil des neuen spacigen Ateliers

 

Das Atelier zog in Raum II, wo Nicole sich nun nach Belieben ausbreiten und austoben kann mit Farbe, Pinsel und Leinwänden, und das sieht richtig toll aus und freut mich sehr für sie, da es hinter der Eingangstür im vorderen Bereich recht eng war. 

Da insgesamt mehr Platz ist, haben wir alle drei Bereiche, d.h. Raum I, II und das Art Café, zu einer Galerie verwandelt, die man auch als Laufkunde besichtigen und besuchen kann (unter Einhaltung der Hygienekonzepte). Es lohnt sich auf jeden Fall. Wer möchte, kann beim Anschauen und dem Versinken in die Farbenpracht der vielseitigen Bilder auch einen Kaffee oder Cappuccino schlürfen.

 

Im Art Café mit den originellen Lockdown Friends

 

Unser Online-Rolloshop konnte durch den Umzug des Ateliers auch ein bisschen großzügiger und übersichtlicher gestaltet werden unter Einsparung von Ecken und Wänden. Das gefällt mir besonders gut, denn jetzt komme ich ohne weiteres auch an die kleinsten oder hochgelegenen Zubehörteile, ohne mich verrenken zu müssen. Zwar hat unser Lager immer noch den typischen Werkstatt-Charme, aber es soll ja auch kein Verkaufsraum sein. Und irgendwie war bei uns ohnehin das meiste bisher provisorisch, selbst als wir unser Ladengeschäft noch hatten. Obwohl wir natürlich bemüht sind, eine heimelige Atmosphäre zu schaffen und uns das immer gut gelungen ist. 

 Ich bin allerdings jedesmal heimlich amüsiert, wenn Kunden aus der Umgebung vorbeikommen, um quasi "vor Ort" einzukaufen. Es irritiert dann doch sehr, eine Art Depot zu betreten statt einen Verkaufsraum mit ausgepreister Ware. Und die urige Schreinerwerkstatt - seit Jahrzehnten unverändert - hat schon viele erstaunte und bewundernde Blicke geerntet. Ich glaube aber, dass die meisten Kunden das ungezwungene Ambiente zu schätzen wissen. Besonders, wenn sie erkennen, dass jemand Ahnung hat von der Materie. Und der Großteil bestellt sowieso übers Internet.


Guten Tag! Ich bin Ihre virtuelle Assistentin.

Die Arbeit im Shop macht mir erstaunlich viel Spaß, obwohl sie nicht viel mit Kreativität zu tun hat. Vielleicht, weil ich etwas Nützliches tue, nachdem ich lange Zeit keine richtige Beschäftigung hatte und ich nicht recht wusste, was mit mir anfangen. Überfordern tut mich der Job nicht; in der Regel wird am Montag vom Hersteller angeliefert, und wenn es gut läuft, sind wir innerhalb von zwei bis drei Tagen fertig und die verpackten Rollos an den Endkunden verschickt. Kleinere Bestellungen, die über die ganze Woche laufen, sind im Nu erledigt. Zeit für andere Dinge oder kleine Pausen und eine Tasse Kaffee gibt es eigentlich immer. Und wir sind froh und dankbar, dass wir den Shop haben. Ohne ihn wären wir nicht so gut durch die Krise gekommen. Man merkt eben doch, dass in Zeiten des Lockdowns viel zuhause getan wird bzw. man verstärkt online einkauft.

 

*Klick dich zum Shop*

Für uns hat sich der Rolloshop wirklich als Segen entpuppt, auch wenn ich technisch nicht versiert bin und noch nie einen Rollladen eingebaut habe. Aber dafür sind ja die Männer da... (O; Wobei wir Mädels auch ganz stolz sind, dass wir die mitunter recht schweren Rollladenpanzer stemmen können. Eine Art "Work"-Workout machen, ohne ins Fitness Studio gehen zu müssen, sozusagen.

Trotz Lockdown freuen uns immer auf (mit Maske versehene) Besucher, selbst da das "WIRTHs HAUS" momentan offiziell für Raumvermietungen bis auf Weiteres geschlossen ist. Es ist es schön, wenn hin und wieder jemand vorbeikommt, ein bisschen mit uns plaudert und sich an den Bildern erfreut. 

Die können übrigens auch im Internet bewundert und erworben werden auf der  

Seite von Nikky





Dienstag, 2. Februar 2021

Filme in Zeiten von Corona (VII): "Forever Young" (1992)

Früher mal war ich Mel Gibson-Fan. Er hatte als jüngerer Mann so etwas Bubenhaft-Schelmisches, und die schönsten erstaunt blickenden babyblauen Augen. Und einen Body, bei dem Frau zweimal hinguckt. (O; Heute ist das nicht mehr so, aber ich habe mich an einen Film erinnert, den ich damals ganz toll fand und gern mal wieder gesehen hätte. Außerdem war ich nach der Lektüre von Jane Eyre in der Stimmung für etwas Romantik.

 


Handlung: 1939. Daniel MacCormack ist Testpilot und verliebt in seine Sandkastenbekanntschaft Helen. Fast nichts tut er ohne sie. Als er endlich den Plan fasst, ihr im Diner einen Heiratsantrag zu machen, ist er zu wieder mal zu schüchtern - Helen geht, überquert die Straße und wird überfahren. Schwer verletzt und im Koma ist sie unerreichbar für den trauernden Daniel. Er entschließt sich, das streng geheime Experiment seines Freundes Harry Finley als Probant voranzutreiben: er lässt sich einfrieren, vorläufig für ein Jahr. Ohne Helen macht in seinem Leben ohnehin nichts mehr wirklich Sinn. 

Das Experiment ist so geheim, dass es in Vergessenheit gerät, als die Lagerhalle mit Daniels tiefgekühltem Luxusbody durch ein Unglück Feuer fängt, in dessen Flammen sein Freund Harry beim Versuch umkommt, ihn zu retten. Erst 1992 finden ihn durch Zufall Nat Cooper (Baby-Frodo Elijah Wood) und sein Freund Felix. Sie erklären Daniel die moderne Welt und helfen ihm, Angehörige von Harry zu suchen in der Hoffnung, mehr Erkenntnisse über das Experiment zu gewinnen. Als sie endlich Kontakt zu Harrys Tochter herstellen können, gibt es auch ein unerwartetes Lebenszeichen von Helen.

Doch leider ist Daniel nicht mit Superkräften ausgestattet wie der ebenfalls in Kriegszeiten eingefroren und wieder aufgetaute Captain America; da er biologisch bereits Mitte Achtzig ist, altert er in kurzer Zeit. Ein Wettlauf mit der Zeit und dem auf Daniel aufmerksam gewordenen FBI beginnt.

Meinung: Gleich vorweg, ich fand den Film nicht mehr so toll wie damals, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Storytechnisch ist er eher dünn und vorhersehbar, wenn er auch nach wie vor ans Herz geht. Immerhin habe ich mich gut unterhalten. 

Irgendwie wirken schon die Bilder von 1992 nostalgisch; es gab noch kein Internet (zumindest keins, das im Film auftritt) und höchstens die heute fast gänzlich aus der Mode gekommenen Anrufbeantworter, mit denen sich Daniel herumschlagen muss und die nicht einmal mehr dem Zuschauer ein schwaches Lächeln entlocken. Dass es in der Airbase keine Unterlagen mehr von 1939 gibt, scheint mir auch nicht ganz glaubhaft... andererseits, da hätte sich ein beachtlicher Batzen Papierkram angehäuft im Archiv.

Die wissenschaftliche Komponente ist haarsträubend ("Wenn wir wissen, wie man Menschenleben verlängert, können wir zum nächsten Sonnensystem reisen.") und hat auch keinen richtigen Platz im Film. Nicht, dass es interessiert hätte...

Und das Old Age-Make-Up war grauenhaft! Der gealterte Mel Gibson sah aus wie Christopher Walken als (theoretische) Tucke. Allerdings fand ich Daniel in seiner Treue zu Helen und seinem Wunsch, sie  wiederzusehen, schon rührend. Auch, dass er gegenüber Nats alleinstehender Mutter Claire (Jamie Lee Curtis) ritterliche Qualitäten beweist, war goldig.

Außerdem  würde ich zu gerne mal das atmosphärische Diner in Busformat besuchen, in dem Daniel auf Helen wartet, um ihr die entscheidende Frage zu stellen und sich stattdessen mit leckerem Blaubeerkuchen vollstopft. Manche Dialoge haben sich tatsächlich in meinen Kopf "eingebrannt", was eine witzige Entdeckung war. Obwohl ich den Film lange Zeit vergessen hatte, konnte ich viele Sätze mitsprechen. Alles in allem ist "Forever Young" ein runder, fantastisch angehauchter Romantikfilm, der zeigt, das Liebe ewig halten kann.

Bewertung:

  💫💫💫



Freitag, 29. Januar 2021

"Jane Eyre" Charlotte Bronte ~ Fazit zur Leserunde und Rezension

Unsere Leserunde neigt sich allmählich dem Ende zu. Obwohl der offizielle Schluss Anfang Februar ist, habe ich den Roman bereits beendet. Und muss sagen, dass - so selten ich an Online-Leserunden teilnehme - ich doch immer wieder gern Geschichten diskutiere und dabei neue Einsichten von Mitlesern gewinne, was ich als großes Plus betrachte.

 


Zur Handlung selbst sage ich nicht viel; zum einen ist sie vermutlich den meisten bekannt und zum anderen habe ich sie in meinem Artikel über die BBC-Serie schon hinlänglich ausgeführt. Denn Überraschendes hat sich mir in Bezug auf den Verlauf von Jane Eyres dramatischer Biografie nicht geboten. Das war aber alles andere als öde. Bücher haben den Vorteil, dass sie detailreicher und aus der Perspektive der Protagonisten erzählt werden und nicht dem Zeitlimit von Spielfilm-Länge unterliegen. Das macht sie automatisch auch persönlicher. 

Und persönliche Ansichten hat Jane so einige. Sie war mir nicht immer sympathisch, manchmal etwas blasiert und herablassend sogar und schnell mit ihrem Urteil, aber zu Recht ist sie eine der bemerkenswertesten und stärksten Frauenfiguren in der Literatur. Besonders beeindruckt hat mich ihr unerschütterlicher Glaube an Gott, der immer stärker wird und an dem sie festhält in stürmischen Zeiten und auch, wenn ihre Entscheidung gefragt ist, die nicht immer so ausfällt wie ihr eigener Wille. Oder wenn das Glück bzw. ihr Gebieter und geliebter Rochester zum Greifen nah ist und doch so fern. 

Als Leser spürt man deutlich die Entwicklung, die mit der Freundschaft zu der gläubigen Helen Burns ihren Anfang nimmt und später zur Sicherheit und Konstante in Janes turbulentem Leben wird. Ihre Entscheidungen trifft erst oft die Vernunft vor dem Herzen; das erfährt Rochester auf schmerzhafte Weise. Obwohl er sie überall sucht und suchen lässt und sich verzweifelt nach ihr sehnt, bleibt Jane über ein Jahr unauffindbar.

 Zuflucht findet sie währenddessen bei St. John Rivers und seinen Schwestern, die sich als Cousin und Cousinen von Jane herausstellen. 

Hier hat es Charlotte Bronte meiner Ansicht nach ein bisschen zu gut gemeint mit den schicksalhaften "Zufällen", doch ich glaube, das ist mein einziger Kritikpunkt - gemeinsam mit dem, dass mir in diesen Kapiteln der feurige, impulsive Rochester gefehlt hat und stattdessen mit seinem krassen Pendant in der schönen, aber eisigen Gestalt von St. John "ersetzt" wurde, der Jane ebenfalls gerne als Gefährtin und Ehefrau hätte - zu gänzlich anderen Zwecken als Rochester. Zum Glück kann ihm Jane in letzter Minute widerstehen, denn verfallen ist sie seiner eindringlichen und logischen Art fast, und ich fürchtete schon, die Mini-Serie hätte zugunsten der Romantik ein Happy End gedichtet, das im Roman so nicht vorkommt. Überhaupt, wirklich romantisch ist das Verhältnis Rochster / Eyre vordergründig nicht; zumindest nicht bis vor der geplanten Hochzeit. Aber gerade das hat mir gut gefallen. Ihre Liebe ist nicht rosarot, keine Wolke Sieben, und dennoch spüren beide, dass sie ohne den anderen nicht sein können.

Jane hört ihren geliebten Rochester rufen, als St. John seinen x-ten sachlichen Antrag macht. Viele halten diese Passage und das, was Rochester später dazu sagt, für esoterisch oder zumindest spooky, doch so, wie es erklärt war, sprach es für mich für eines der Dinge zwischen Himmel und Erde, die mehr sind als sich die Schulweisheit erträumen lässt. Da hatte ich tatsächlich Gänsehaut.

 

 

Man muss mir verzeihen, dass ich beim Lesen Ruth Wilson und Toby Stephens als die Protagonisten vor Augen hatte und daher und weil ich die Geschichte schon kannte, ein bisschen voreingenommen war. Das spricht aber auch für die tolle und hohe Qualität der Verfilmung und die feinfühlige Art, wie die Figuren in der BBC-Produktion dargestellt sind. Vielleicht werden sie dadurch sogar noch greifbarer und verständlicher. Mir fiel auf, dass Rochester im Roman während der Leserunde kaum Sympathiepunkte sammeln konnte. 

Das wäre sicher anders gewesen, wenn man den gequälten, aber trotzdem charismatischen, robust und sinnlich wirkenden Stephens-Rochester gesehen hätte. Vielleicht kommt das Mitgefühl noch am Ende, denn er erkennt seine Fehler in einem ruhigen und trotzdem emotionalen Showdown, bei dem ich den Tränen nahe war vor Rührung und Erleichterung.

Fazit: Ein schöner, anspruchsvoller und dichter Roman mit interessanten Charakteren. Für heutige Verhältnisse vielleicht etwas altmodisch und *fromm*, aber für mich als gläubiger Mensch enthält "Jane Eyre" viel Wahrheit und war gerade in Bezug auf die Liebesbeziehung realistischer als viele andere Bücher. Nicht zuletzt hat er mich und mehrere andere Leserinnen rätseln lassen, gut unterhalten und zum Nachdenken gebracht.

 

Bewertung

 
💫💫💫💫 und ein halber 💫



Montag, 25. Januar 2021

Gratis Download "Das Bildnis des Grafen" vom 25. - 30. Januar

Es gibt wieder mal eine Aktion zu meinem *schaurigen* Debütroman "Das Bildnis des Grafen". Auf der Ebook-Plattform Xinxii könnt ihr in den nächsten fünf Tagen das Buch mithilfe des Gutscheincodes 

370246

kostenlos herunterladen. Einfach auf meine Autorenseite dort gehen und beim Abschließen des Einkaufs den Coupon einlösen. Oder direkt auf der Buchseite aktivieren. Allerdings solltet ihr schnell sein; die Downloads sind begrenzt.

 

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und würde mich über Feedback hier auf meinem Blog, via Facebook oder Rezensionen auf Amazon / euren Bücherblogs sehr freuen!

 


Donnerstag, 14. Januar 2021

Leserunde "Jane Eyre" von Charlotte Bronte

Irgendwie habe ich in der kalten Jahreszeit immer das Problem, dass ich zu faul zum Lesen bin. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich lieber auf dem hochsommerlichen Balkon zu einem Buch greife und ab September eher vor der Glotze oder dem PC abhänge. Jedenfalls wollte ich dem zumindest zeitweise ein Ende machen. Eine gute Gelegenheit, die winterliche Leseträgheit zu überwinden, ist die Teilnahme an einer Online-Leserunde, bei der eine kleine Anzahl Leser dasselbe Buch diskutiert.
 


Da ich erst zur Weihnachten "Jane Eyre" geschenkt bekam und dieser Roman vor kurzem zur Debatte auf dem Bücherforum stand, habe ich mich flugs angemeldet und bin nun tatsächlich schon über die Hälfte und meinen "Mitstreiterinnen" damit um einige Kapitel voraus. Ich bin eher eine langsame Leserin, und somit hat mich mein ungewohnt rasantes Tempo selbst überrascht. 

Neu ist die Geschichte für mich ja auch nicht - im geschriebenen Wort wirkt sie aber natürlich nochmal anders. Ob besser, kann ich (noch) nicht sagen, was mir wieder einmal beweist, wie akribisch und sorgfältig die BBC-Miniserie umgesetzt wurde. Wahrscheinlich ist deshalb auch meine Meinung über den sarkastischen und etwas rechthaberischen Rochester milder als sie es wäre, wenn er für mich nicht die Züge von Toby Stephens hätte - der perfekte Schauspieler für den perfekten Rochester (keine Widerrede!). Und daher schon dreimal nicht hässlich... (O:

Andererseits finde ich ihn von allen Charakteren im Roman am glaubwürdigsten, auch ohne Mr. Stephens markant interessantes Gesicht. Er ist launenhaft, manchmal geschwätzig und hat ein Faible für derbe Scherze, doch zugleich wirkt er belesen, klug und zurückhaltend. Und er betrachtet Jane - eine einfache Gouvernante weit unter seinem Stand - als "Freundin". Die meisten anderen Figuren erscheinen mir auf gewisse Weise eindimensional und wenig überraschend. Stereotyp halt. Wobei man bedenken muss, dass der Roman 1847 veröffentlicht wurde und Charlotte Bronte vielleicht gar keine Stereo-, sondern Arche- und Prototypen erschaffen hat mit dem dogmatischen strengen Mr. Brocklehurst und der verbittert bösen Tante Reed oder der sanftmütigen, tiefgläubigen Helen (die ich geliebt habe, trotz ihrer schier unglaublichen Reife für die zarten dreizehn Jahre, die sie zählt).

Doch zurück zu Rochester. Dass er sich nach seiner Odyssee durch die halbe Welt die Titelheldin als Gefährtin wünscht, ist absehbar und auch nur gerecht, wenn man bedenkt, wie sehr die kleine Pragmatikerin Jane für ihn entflammt und ihre Empfindung in schöne, aber völlig unkitschige Worte fasst, wenn sie ihren geliebten Herrn beobachtet. Das gefällt mir gut im Roman, denn die Gefühle und Reflektionen kommen in einer Verfilmung, so gut sie auch sein mag, naturgemäß zu kurz.

Charlotte Brontes Gespür für ihre Figuren muss man wirklich bewundern. Manchmal wird sie zwar ein wenig weitschweifig und verliert sich gerne in etwas hochgestochenden Konversationen ihrer Protagonisten, für die neben der Liebe vor allem die Vernunft regiert, aber auch das schiebe ich mal gutmütig auf das Alter des Klassikers. Und auf Janes erstaunlich emanzipierte Art, mit Rochester umzugehen.

Bisher machen mir der Roman und auch die nette Runde der Teilnehmerinnen richtig Spaß. Und es spornt zum Lesen an. Mit "Jane Eyre" habe ich allerdings auch Glück - eine geheimnisvolle, sprachlich und psychologisch ausgefeilte Geschichte in einem abgelegenen Herrenhaus mit unheimlichen Elementen - das ist genau mein Ding! Bin gespannt, ob ich so euphorisch bleibe. Denn sobald es zu romanzig wird, bin ich meist nicht mehr so angetan, das weiß ich...