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Freitag, 29. März 2013

Wahre Schätze ~ Die Märchen von Hans Christian Andersen

Geliebt habe ich sie als Kind. Nichts Schöneres, als sich an Mama oder Papa zu kuscheln und einem Märchen zu lauschen, das in der Phantasie durch Stimme und Illustrationen Wirklichkeit wird. Ich hatte (und habe) eine Ausgabe von Hans Christian Andersen-Märchen, geschenkt bekommen von Tante und Onkel, der man ansieht, wie sehr sie gemocht wurde. Zerlesen, vergilbt, und leider auch mit Spuren von Silberglitter darauf - weil ich sie als respektloser Teenager als Beschwerer meiner künstlerischen Werke zweckentfremdet habe. Der Einband ist satiniert, und trotzdem habe ich nie den Versuch unternommen, die Flecken zu entfernen. Mittlerweile gehören sie zum Buch wie die Seiten darin.



Die Märchen von Hans Christian Andersen haben für mich eine besondere Wirkung seit jeher.

Ich will nichts Schlechtes über die Grimm-Brüder sagen, aber verglichen mit Andersen kommt ihre Sammlung fast bäuerlich und plump daher. Grausam sind die Andersen Märchen zwar oft auch (man denke nur an den armen Tannenbaum, für den Hochmut vor dem Fall kommt!), aber sie sind sprachlich und inhaltlich von einer Brillanz, Bittersüße und Poesie, bei der mir heute noch Tränen über die Wangen laufen. Vor kurzem habe ich behauptet, kein Buch könnte mich zum Schluchzen bringen - und habe völlig die Märchen von Hans Christian Andersen vergessen! Entweder bin ich übermäßig sensibel, oder er trifft heute noch einen Nerv - und nicht nur meinen.

Vielleicht macht den Reiz auch seine tiefe Gläubigkeit aus, die in fast jeder Geschichte auf unnachahmliche, aber nicht kitschige Weise zum Ausdruck kommt. In Andersens Märchen werden die Verlierer zu Gewinnern, die vermeintlich Hässlichen zu Schönen und die Außenseiter und Verachteten zu Akzeptierten und  von G-tt Geliebten.

Ich erinnere mich an Nächte beim Zelten, in denen ich meinen Freundinnen  aus diesem Buch vorgelesen habe. Was haben wir mitgelitten mit der kleinen Seejungfrau in ihrer unerwiderten Liebe zu dem jungen Prinzen, und welche Qualen sie dafür auf sich nimmt! Aufgrund ihrer Einschränkung als Mensch gelingt es ihr trotz gegenseitiger Zuneigung nicht, sein Herz zu erobern, und dennoch geht sie aus ihrem Abenteuer als Siegerin hervor - mit der Aussicht auf eine unsterbliche Seele.

Seine weniger bekannten Geschichten berühren mich besonders stark. Heute noch. Mehr als damals vielleicht, weil ich finde, dass sie nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Meine Lieblingsgeschichten sind "Die Kröte" und "Der Engel". Taschentücher bereithalten!

Besitzt eigentlich noch jemand die oben abgebildete Ausgabe mit Aquarellen von Ruth Koser-Michaëls? Ich habe fast das Gefühl, es gibt sie nicht mehr... zumindest nicht mehr die mit Gerda und der alten guten Zauberfee aus der "Schneekönigin" auf dem Cover.

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