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Sonntag, 24. Februar 2013

Eindrücke Leserunde "Das Bildnis des Grafen" (V)


Über die Hälfte haben wir jetzt geschafft, und ich bin fast ein bisschen traurig, dass sich unsere Runde damit dem Ende entgegen neigt. Es ist toll und ein gutes Gefühl, zu sehen, wie besonders zwei der noch aktiven Teilnehmer sich mit der Geschichte und den Figuren beschäftigen und ihre Schlüsse ziehen, miteinander diskutieren und rätseln, was es mit den Familien Whitehurst und Escaray auf sich hat. Ich habe mich in den letzten Tagen virtuell ein wenig rar gemacht - es scheint mir, dass mich jemand im Internet stalkt, auch wenn das vielleicht nur paranoide Vermutungen sind. Ganz raushalten kann ich mich natürlich nicht, dazu bin ich viel zu neugierig...




Interessant finde ich, wie sich der Leser doch schon recht bald ein Bild der jeweiligen Charaktere macht und diese Meinung, unabhängig von dem Handeln der Figur, weitgehend beibehält.

So fiel mir auf, dass Valentine bei vielen zwiespältige Gefühle hervorruft, während der Graf Carrick Escaray einen unbeirrbar treuen Fan hat und beim nächsten Leser blasiert wie Dorian Gray und ein wenig *over the top* wirkt. Gaspard ist immer noch ein Sympathieträger, jedoch wird nun auch deutlich, dass er Fehler macht und sich häufig von seinen Gefühlen leiten lässt (worüber ein Psychotherapeut erhaben sein sollte).

Manchmal mische ich mich ein, um das Verhalten der Figuren plausibel darzulegen, aber eigentlich möchte ich es meinen Lesern überlassen, das, was sie lesen, zu interpretieren. Schließlich muss sich eine Geschichte in der Regel von selbst erklären. Man hat ja nicht bei jeder Lektüre den Autor in Reichweite.

Für alle Fälle kann man mir Fragen stellen, die ich entweder in Spoiler setze (danke, Büchertreff, für diese ungemein praktische Funktion!) oder ganz zum Schluss beantworten werde, wenn jeder der Teilnehmer fertig ist mit dem Buch.

Wenn mich nicht alles täuscht, sind wir nun etwa bei Kapitel 10. Ab da wird das Geschehen, das solche verheerenden Auswirkungen auf Valentine hatte, Stück um Stück aufgeklärt, denn es beginnt mit einem immer wiederkehrenden Alptraum des jungen Soldaten, der in den weiteren Kapiteln durch Renoirs gesammelte Informationen aus Dokumenten, Berichten von des Grafen nahestehender Personen und eine Hypnosesitzung seine Auflösung erfährt.

Übrigens: Es gibt Orangenhaine in England in herrschaftlichen Gärten (ob sie blühen und Früchte tragen, ist eine andere Frage - aber auch in Großbritannien scheint zuweilen die Sonne), und Autos gehörten um die Zeit der Jahrhundertwende des letzten Jahrtausends schon zum Alltag, besonders in industrieorientierten Gebieten und Großstädten. Telefon in begüterten Haushalten sowieso (es wurde bereits 1876 von Graham Alexander Bell erfunden).

Bildquelle: akufh110 / Pixabay