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Dienstag, 26. Februar 2013

Altmodisch

Ich bin altmodisch. Ziemlich sogar. Fast schon beängstigend für mein Alter. Nicht nur in technischen Angelegenheiten, sondern wortwörtlich. In meinem Kleiderschrank (Erbstück von meinem Opa, alt. Aus Holz. Knarrend.) befinden sich Hemden und Hosen, die ich vor zehn Jahren getragen habe und die ich gelegentlich immer noch anziehe, nicht nur, weil ich tatsächlich noch gut reinpasse. Ich stehe immer noch auf Schlaghosen und finde, dass ich in Skinny Jeans bescheuert aussehe und im Allgemeinen zu kurze Beine habe für die heiße Röhre oder das schicke Blazerkostüm. Shoppingsucht? Handtaschentick? Erweiterter Schuhschrank? Fehlanzeige. So etwas habe ich nicht.

Stattdessen gehe ich gern in Museen und überlege, was die ausgestellten Gegenstände zu erzählen hätten, wenn sie reden könnten. Durch wie viele und welche Hände sie wohl gegangen sein mögen. Ein zerrupfter, einäugiger Teddybär kann mich zu Tränen rühren.




Mit neuen Filmen und Musikrichtungen kann ich generell wenig anfangen. Die diesjährige weibliche Oscargewinnerin kenne ich nicht (habe mich aber für Daniel Day-Lewis gefreut, als er sein drittes goldenes Männchen pflücken durfte), und über den Gangnam-Style bin ich als eine der Ewiggestrigen zufällig beim Zappen gestolpert. Fand ich richtig überbewertet, auch wenn's lustig anzuschauen war. Aber warum der Hype um das Gezappel (ok, ich weiß: Gangnam ist schon wieder out.)? Das habe ich von Michael Jackson professioneller in Erinnerung.

Schauspieler der alten Schule wie Errol Flynn, Peter Cushing und Basil Rathbone können sich meiner zeitlich unbegrenzten Wertschätzung erfreuen, während die gerade angesagten entweder gar nicht mein Geschmack treffen oder phasenweise ganz interessant sind, um irgendwann in meine nostalgische Gedankenkiste gestopft zu werden ("Ach ja, das war die Mel Gibson-Phase... komisch, was ich an dem mal fand?!").
 
Ich muss trotz begeisterter Kritiken keine aktuellen Bestseller lesen, weil ich weiß, dass ich lieber Bücher mag, die leise sind und wo die Seiten nicht vor sämtlichen Körperflüssigkeiten triefen (obwohl ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, "Shades of Grey" zu meiner Bettlektüre zu machen - und wenn es nur wäre, dass ich was zu kichern habe vorm Einschlafen). Wer mag, kann das gerne tun.

Denn natürlich hat jede(r) das Recht, zu tun und lassen, was er / sie will. Vielleicht haben es "moderne" Leute in manchen Bereichen einfacher - Leute, die entweder dem Zeitgeist voraus sind und den Trend erschnuppern (der Idealfall!) oder die mit dem Strom schwimmen. Ich maße mir nicht an, das zu beurteilen. Manchmal wäre ich auch gern eine *typische* Frau, die George Clooney bei seiner heutigen Wohltätigkeits-Stippvisite in Baden-Baden zujubelt, Dessous trägt (nicht mehr lange, wenn Herr Clooney in der Nähe weilt), bei IKEA "nur" Teelichter kauft und mit ihren Freundinnen stundenlang telefoniert oder chattet, Dean und Sam aus "Supernatural" anhimmelt und ihrem *Göga* damit auf die Nerven fällt. Aber das kann ich nicht. Ich bin halt altmodisch. Und eigentlich stehe ich dazu.

Bildquelle: Pezibear / Pixabay