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Dienstag, 1. Juli 2014

Mal Hü, mal Hott und Sapperlot! Deutschland im Viertelfinale

Kaum eine Stunde vergeht, in der ich derzeit nicht über Fußball-Schlagzeilen stolpere. Und das in merkwürdig ambivalenter Form.

 

jorono / Pixabay

"Das verstehen wir nicht, Jogi Löw!", "Was war das denn für ein Freistoß? - Thomas Müller erntet Spott und Häme", "Warum wir wackeln - zehn Analysen der deutschen Elf".

Oder: "Unsere Ballkünstler am Zaubern", "Warum wir Weltmeister werden müssen", "Der Titel ist Deutschland sicher!"

Bei einer so wankelmütigen Presse und ebensolchen Fans macht Jogi Löw zu Recht ein skeptisches Gesicht (aber wann macht er das eigentlich nicht?). Ehrlich, trotz Millionengage und Ruhm würde ich mit ihm oder seinem Team nicht tauschen mögen.

Ich gebe zu, das gestrige Spiel Deutschland - Algerien habe ich verfolgt und fand es ebenfalls nicht berauschend, und die Hopser von Müller auch ziemlich albern. Grazie und undurchschaubare Tricks habe ich allerdings auch nicht erwartet. Tatsächlich waren für mich die wechselnde Bandenwerbung und vor allem Jogis offensichtliche Aufregung am Spielfeldrand ungleich interessanter. Man sieht ihn ja sonst eher mit stoischer oder - wie gesagt - skeptischer Miene. Meiner Meinung hat der algerische Torwart eine mindestens genauso beeindruckende Leistung gezeigt wie der ständig gepriesene deutsche Keeper, und dennoch ist das kein Grund, dessen Stürmer- und Verteidigerkollegen niederzumachen, wenn sie das gegnerische Tor nicht treffen oder einen Sieg einfahren, bei dem das Ergebnis beruhigender ist als der steinige Weg dahin (Stichwort Xavier Naidoo).

Deutschland hat das Viertelfinale erreicht - was wollen Fans und Presse mehr? Für geschmeidigen und tänzerischen Fußball und extrem raffinierte Aktionen war das deutsche Team nie bekannt, das ist kein Geheimnis und wohl zu einem Teil Mentalitätssache. Muss man es zu etwas hochstilisieren, dessen Ansprüchen das Teutonentum nur höchst selten gerecht wird? Spielerische Eleganz, Leichtigkeit und ausgefeilte Strategien klingen toll im Fachjargon, aber nur weil die Mannschaft noch recht jung ist, bedeutet das nicht automatisch, dass sie diese "Zauberkünste" auf Kommando aus dem Ärmel schüttelt. Außerdem hat jeder (oder auch elf Männeken im Kollektiv) mal einen schlechten Tag.

 

heibe /pixabay



Obwohl es mir letztendlich egal ist, wer den Titel und den ollen Pokal holt, bin ich jetzt, nach dem frühzeitigen Ausscheiden von Portugal, für mein Heimatland (trotzdem wird mich niemand "Schland" röhren oder sogar flüstern hören...). Wegen Jogi und seinem Friseur. Und weil ich der unkenden und launischen Pressefritzen und Fans einfach überdrüssig bin.





Donnerstag, 12. Juni 2014

Fußball-WM in Brasilien, (fast) ohne mich

Ayayayayaiiii, Futebol, eu gosto!

Schon Monate vorher wurde die größte Schlafmütze spätestens beim Kauf einer KINDER Riegel-Packung darauf aufmerksam gemacht, dass wieder eine Weltmeisterschaft ins Haus steht, wenn man nicht zuvor von einem schwäbelnden Guido Buchwald a. D. beim Schlendern durch die Einkaufskorridore zum Grillen aufgefordert wurde, der auch noch für das leibliche Wohl im Wohnzimmerloft oder Garten sorgt.

StockSnap / Pixabay
 

Es ist nicht so, dass ich generell uninteressiert bin, wenn 20 durchtrainierte Jungs einem Ball hinterher rennen. Ab und zu schaue ich mir gern mal richtig prollig mit einer Bierflasche in der Hand und den Füßen auf dem Tisch ein entspanntes Spiel an und kommentiere abgeklärt profimäßig "ABSEITS!" Wann das verbrochen wird, hat mir mein polnischer Freund Marek vor Jahren mit Salz- und Pfefferstreuer erklärt, als er noch nicht so gut die hiesige Sprache sprach. Die wortlose Demonstration war so eindrücklich, dass sie bis heute nichts an Nachhaltigkeit verloren hat.

Aber irgendwie bin ich beim Fußballgucken wählerisch. Seit Figo (die Älteren erinnern sich!) bin ich Portugal-Fan. Ronaldo und Co. drücke ich auch dieses Jahr wieder die Daumen. Nicht kräftig, aber ich würde mich schon freuen, wenn Portugal den Titel holen würde. So gewöhnungsbedürftig und manchmal eingebildet wie Cristiano wirkt, hat er offenbar ein großes Herz. Erst neulich las ich von einer guten Tat von ihm, um die der Star selbst so gar keinen Wirbel gemacht hat, als er die lebensnotwendige OP für den Sohn eines Fan-Paares finanzierte, das ihn schriftlich um ein signiertes Trikot oder etwas ähnliches bat, das sie zugunsten der OP versteigern würden. Was sich dann natürlich erübrigte. Klar, er schwimmt in Geld, und eine OP zu finanzieren, ist ein Klacks für einen Profisportler, darum aber noch lange keine Selbstverständlichkeit. Schon allein deshalb ist er mir sympathisch. Der alte Figo hat verschissen, seit ich mit Entsetzen lesen musste, dass er aus purem Aberglauben eine schwarze Katze überfahren hat.

 


Bisher fand vor meinem Haus seit ein paar Jahren ein "Public Viewing" mit durchschnittlich ca. 300 Fans statt. Nun habe ich mich endlich damit angefreundet, und man stellt es für diese WM einfach ein! Ich weiß den Grund dafür nicht, vermute aber mal, dass der Aufwand sich nicht lohnt, wenn das deutsche Team wie in der letzten WM (EM?) schmachvoll schon nach dem dritten Spiel das schweißnasse Handtuch wirft (Jogi Löw tat mir leid). Kneipen haben sicher mehr von grölenden Fans, wenn vor lauter Schreien die Kehle rau wird und geölt werden muss. Und ich habe meine Nachtruhe und keinen Pisspott als Garten. Das ist doch auch was.


Wie gesagt, ich bin kein großer Fan vom runden Leder und dem Hype, der um Sport-Events gemacht wird, wie übrigens die meisten in meiner Familie und Umgebung (muss ein Gen-Defekt sein. Außerdem werde ich bestimmt ein paar Follower verlieren als abtrünnige Patriotin^^). Und die Billionen zum Bau der Stadien hätte man besser anlegen können, ganz zu schweigen von der Rodung des Regenwaldes, die zuvor durchgeführt wurde. Will aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger wackeln und wünsche allen viel Spaß, die sich nicht von hilfsbereiten Medizinern in ein künstliches Koma versetzen lassen (*g*), um die fußballverrückten Wochen zu überstehen... das eine oder andere deutsche Spiel werde ich mir übrigens wohl auch ansehen, wenn es meine Zeit erlaubt. Denn Mats Hummels ist eigentlich auch ein ganz Netter.