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Sonntag, 13. Juli 2014

Der Mann in der eisernen Maske (1998)

Auch wenn er nicht explizit unter meinen Lieblingsfilmen aufgeführt ist - dieser gehört definitiv dazu! Das ist kein Zufall. Meine Vorliebe für sogenannte Swashbuckler-Filme wurde schon früh gesät: Im zarten Alter von fünf oder sechs Jahren durfte ich spät abends wachbleiben, um mir eine uralte, noch in schwarzweiß gedrehte Musketier-Verfilmung anzusehen. Piraten- und Abenteuerfilme taten ein übriges, mein Interesse für das ausgestorbene Genre Kostümschinken zu wecken, das Ende der 1990er Jahre ein Revival erlebte. 




 "Der Mann in der Eisernen Maske" mit einem fantastischen (noch jungen und fast ätherisch schmalen) Leonardo DiCaprio in einer Doppelrolle als König Louis und dessen eingekerkertem Bruder Philippe ist für mich nicht nur wegen dem illustren Cast überragend, sondern auch, weil er trotz markiger Sprüche und teils plumpen Altherrenwitzen auf Kosten eines weinerlichen Gerard Depardieu die einzige jüngere Verfilmung nach Alexandres Dumas' Klassiker ist, die für mich nicht lächerlich wirkt. Allein die Idee, die drei ausgemusterten Musketiere Artos, Portos und Aramis ins Rentenalter zu verbannen und sie ein bisschen neidisch auf den noch agilen D'Artagnan schielen zu lassen, der zur Leibgarde des Königs avanciert ist, finde ich originell.

Neben dem zuweilen etwas  feucht-derben Humor besticht der Film mit einer ordentlichen Portion Heldenmut, Dramatik und einer großen Romanze zwischen der Königin und ihrem loyalen Hauptmann D'Artagnan in einem opulenten Setting. So stelle ich mir lohnenswerte, verregnete Sonntagnachmittage oder abendliches Popcorn-Kino vor. Na gut, John Malkovich übertreibt es in der Originalfassung mit dem gekünstelten, angehaucht französischen Akzent, aber eigentlich verzeihe ich ihm das gern. So wie die gelegentlich recht auffälligen Pappmacheekulissen und ein paar dick aufgetragene Momente, die durchaus ihre Berechtigung haben und mitten ins Herz treffen.

Ich kann ehrlich sagen, dass mich das Ende jedes Mal zu Tränen rührt. Ich meine, wer muss nicht heimlich oder gedanklich zur Kleenexbox greifen, wenn im Showdown offenbar wird, was sich durch den ganzen Film zieht und sich herausstellt, dass der Titelheld ein ganz anderer war als der unter entwürdigenden Umständen gefangengehaltene Bruder des skrupellosen Königs?

Sicherlich ist dieser Film kein Meisterwerk oder ein Klassiker. Schon gar nicht in der Filmografie der Hauptakteure (allen voran der von Leonardo DiCaprio, der sich heute vermutlich für die seichte Unterhaltung am liebsten in Grund und Boden schämen würde). Dennoch kann ich ihn mir immer wieder anschauen und finde ihn immer wieder anrührend, charakterstark, psychologisch ausgefeilt und atemberaubend zugleich.

Bewertung: Ein Must See für Jungs und Mädels jeder Altersklasse. ACHTUNG: Taschentücher bereithalten!




Bildquelle: Pinterest